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„Also, ich würde mich wählen!“

Bislang war ich lediglich Poet, Moderator und Raucher. Doch dieser Tag wird in die Geschichte meiner Lebensgeschichte eingehen, denn ab sofort bin ich auch: Politiker. Wie es dazu kam und weitere, ehrliche Informationen dazu lesen Sie jetzt in einem Interview mit mir selbst. Verbreitung erwünscht.

„Also, ich würde mich wählen!“

Krefeld. Ein junger Nachwuchsbürger geht in die Politik. Soll er halt. Und soll er halt mal was zu sagen. Unser Redakteur Johannes Floehr traf sich mit Johannes Floehr, um mit ihm über die kommende Landtagswahl, die Ziele der PARTEI und Hannelore Kraft zu sprechen.

Guten Tag, Herr Floehr. Erklären Sie uns doch zunächst einmal, wovon wir hier reden.

Sehr gerne. Das sogenannte „Bundesland“ Nordrhein-Westfalen sucht aus Gründen einen neuen Landtag. Einen zu finden ist allerdings gar nicht so einfach. Weswegen die Partei „Die PARTEI“ für Sie, liebe Demokratinnen und Demokraten, am 13.05.2012 eine Landtagswahl ausrichtet. Wir bitten um Kenntnisnahme. Und Ihre Stimme für die PARTEI. Selbstverständlich sind aber auch andere Partien („Piraten“) und Splittergruppen („FDP“, „CDU“) herzlich dazu eingeladen, sich auf die Wahlzettel drucken zu lassen – wir werden deren Ergebnisse nach der Wahl ganz basisdemokratisch unter „Sonstige“ bekanntgeben. Übrigens: Als erste Partei der ganzen Welt hat die PARTEI am vergangenen Samstag seine Landesliste gewählt. Und auf selbiger steht auch irgendwo mein Name.

Sie sind nun also ein Politiker.

Vielen Dank bzw. Arschloch. Mit Verlaub.

Welchen Listenplatz haben Sie denn ergattern können?

Ich stehe relativ weit hinten, weil die Listenplätze nach der Höhe des Einkommens vergeben worden sind. Absteigend. Die Reichen nach oben, die Armen nach unten. So machen es andere Partien übrigens auch, aber nur wir geben es zu. Man könnte nun sagen, dass es für mich mit einem so „späten“ Platz auf der Landesliste knapp werden würde mit dem Einzug in den Landtag, aber wer Derartiges behauptet, hatte früher definitiv keinen Mathe-Leistungskurs: Denn es genügen bereits etwa 40% der Wählerstimmen, um mich in den nordrhein-westfälischen Landtag zu wählen. Angesichts des Wahlziels der PARTEI, nämlich das Erreichen der absoluten Mehrheit („plus x“), bin ich mir sehr sicher, demnächst in Düsseldorf arbeiten zu dürfen. Wofür ich mich vorab bereits bedanken möchte.

Nicht so voreilig. Noch sind Sie nicht gewählt. Bei der Landtagswahl 2010 erhielt die PARTEI nur rund 0,12% der Zweitstimmen.

Die Statistik lügt, wir glauben nur unseren eigenen. Bei einer vergangenen Kreistagssitzung haben wir beispielsweise ganz spontan gefragt, welche Partei die Anwesenden wählen würden – dass 100% der Befragten für die PARTEI stimmten, spricht für sich. Ich denke also, dass es sich bei den Ergebnissen der letzten Landtagswahl um ein Versehen gehandelt hat. Genau aus diesem Grund geben den Bürgerinnen und Bürgern ja auch nun die Chance, alles wiedergutzumachen.

Erklären Sie unseren Lesern doch einmal, wieso man gerade der PARTEI vertrauen sollte.

Jeder Wähler, der der PARTEI seine Stimme gibt, beweist, dass er Ahnung hat. Wähler der PARTEI haben durchweg Ahnung. Schließlich ist die PARTEI sehr gut. Nehmen wir als Beispiel unseren Landesvater Dr. Mark Benecke. Er ist die Ahnung in Person. Er hat nicht nur einen echten Doktortitel, sondern in seiner nebenberuflichen Tätigkeit als Kriminalbiologe mutmaßliche Knochen Adolf Hitlers untersucht. Er bewies, dass es sich um Fälschungen handelte. Ich hätte das nicht gekonnt. Sie etwa? Oder irgendjemand anders? Ich glaube nein. Nur Dr. Mark Benecke kann das. Er war auch schon einmal bei Markus Lanz, also sind auch die Beziehungen zu schmierigen Halli-Galli-TV-Nasen gegeben. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort: Sollte die PARTEI gewählt werden, bekämen wir es gewiss hin, die Sendung „Wetten dass…?“ – die Älteren werden sich erinnern – für immer in die Mehrzweckhallen Ostdeutschlands zu verbannen. Die endgültige Verbannung der trivialen Samstag-Abend-Unterhaltung aus NRW. Das ist unser Auftrag. Und Tierschutz.

Gut, dass Sie es selbst ansprechen: Tierschutz scheint Ihnen besonders wichtig zu sein. Er kommt auch im Kürzel der „PARTEI“ vor (Anm. der nicht vorhandenen Redaktion: „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“). Erläutern Sie dieses Anliegen doch bitte.

Ich bedanke mich für diese Frage. Korrekt, „Tierschutz“ steht in unserem Namen. Doch das „T“ ist, wie übrigens alle anderen Buchstaben auch, austauschbar. Wir stehen für alles, was uns Mehrheiten bringt. Tiere sind zwar sehr süß und manche Arten sind nicht nur zwischen Fladenbrot sehr schmackhaft. Doch sollte sich herausstellen, dass die Bürger Nordrhein-Westfalens etwas Anderes als wichtiger einstufen, so können wir reagieren. So haben beispielsweise nächtliche Befragungen am Duisburger Hauptbahnhof ergeben, dass die Kernthemen der Leute dort ganz andere sind als etwa in der Universität Münster. Die Befragten in Duisburg ziehen „Titten“ dem „Tierschutz“ vor. Weswegen „PARTEI“ dort für „Partei für Arbeitslosengelderhöhung, Rente mit 30, Titten, Erektionsförderung und kostenlose iPhones“ steht. Wir sind flexibel, wo wie es der Zeitgeist von uns auch verlangt. Wir sind eine Partei neuen Typus. Modern und sehr gut, falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte.

Was halten Sie von Hannelore Kraft?

Sie ist gar nicht so verkehrt. Wenn Sie möchte, kann sie nach unserem Wahlsieg bei der PARTEI anfangen. Ich persönlich bräuchte zum Beispiel noch einen Fahrer für meinen Dienstwagen, da ich keinen Führerschein habe. Frau Kraft darf sich gerne um die Stelle bewerben! Auch SPD-Mitgliedern muss man eine zweite Chance geben, etwas Vernünftiges aus dem eigenen Leben zu machen. Obendrein würde sie dann auch erfahren, wie es ist, bei einer Partei mit auf-, statt absteigenden Mitgliederzahlen zu sein. Das täte ihr vielleicht ganz gut, für das Zählen ihrer Augenringe braucht man ja längst eine beachtliche Truppe von Mathematikern.

Wie viele Mitglieder hat die PARTEI denn derzeit?

In NRW sind es etwa zweitausend. Doch im Land wohnen noch rund achtzehn Millionen Bürger, die wir „Schlaf-Mitglieder“ nennen: Menschen, die in unserer schnelllebigen Gesellschaft einfach noch nicht die Zeit gefunden haben, den Mitgliedsantrag auszufüllen. Man kommt ja zu nix. Das wissen wir, weswegen wir den Bürgern nach der Wahl entgegenkommen wollen und die PARTEI-Mitgliedschaftskarte zur Pflicht werden lassen. So könnte der Bürger rund zehn Minuten Zeit sparen – und gespart werden muss in NRW ja ohnehin, wenn ich mir das milliardenschwere Haushaltsloch so ansehe. Unsere Rechnung ist einfach: Zeit ist Geld, Zeit sparen ist Geld und bei achtzehn Millionen Mal zehn Minuten Zeitersparnis wäre unser Land blitzschnell raus aus den Schulden. Ich weiß nicht, wieso da nicht schon jemand drauf gekommen ist, aber Politiker denken ja generell gerne viel zu kompliziert.

Sie scheinbar nicht. Sprechen wir also nun wieder über Ihre Person. Warum gerade Sie, Herr Floehr?

Sehen Sie, Herr Floehr: Es sind Neuwahlen. Und ich bin quasi noch neu. Erst vor zwanzig Jahren bin ich durch hier nicht weiter wichtige Umstände auf diese Welt gekommen. Seither habe ich keine Scheiße gebaut: Ich leihe mir nichts bei Freunden, fahre mit keinem Dienstwagen in den Urlaub und Weltkriege habe ich auch keine angefangen. Und überdies stand ich noch nie zur Wahl. Niemals (!) hatte der mündige Bürger die Chance, mir seine Stimme zu geben. Nun schon. Das ist neu. Alles an mir ist neu, weil unbekannt. Ich bin die Neuwahl in Person. Das passt. Also, alleine deswegen würde ich mich schon wählen. Außerdem passt mir der Düsseldorfer Landtag als Arbeitsplatz ganz gut, die kneipenreiche Altstadt ist zu Fuß nicht einmal dreißig Minuten entfernt.

Werden Sie doch bitte konkret: Was möchten Sie ändern?

Es gibt so Tage, da habe selbst ich nichts Besseres zu tun, als in die Zeitung zu sehen. Dort lese ich dann, dass Politiker ständig Scheiße bauen. Ich sprach bereits davon: Am laufenden Band machen die Scheiße! Das kann doch nicht sein! Mit mir ist Scheiße nicht zu machen. Ich stehe für Spökes, sprich: Unsinn und Spaß. Es ist nicht auszuschließen, dass ich im Landtag Witze erzählen werde. Wissen Sie, Witze werden zu Unrecht von der Gesellschaft geächtet. Ein guter Witz lockert jede spießige Debatte auf, Witze sind demnach prädestiniert für die Politik. Auch PHOENIX hätte sicher höhere Einschaltquoten, wenn Wolfgang Schäuble statt Sudoku zu spielen ein gutes Witzebuch lesen würde. Ein Beispiel: Kennen Sie den Witz mit dem Laubfrosch, der beim Frauenarzt zufällig Hannelore Kraft trifft?

Nein, den kenne ich leider nicht.

Dann wissen Sie ja, welcher Partei Sie am 13.05. Ihre Stimme geben müssen. Und ich denke, Ihre Leser wissen das auch.

Potzblitz, Sie haben mich überzeugt! Ich bedanke mich für das Gespräch.

Liebe Bürger in NRW! Wählen Sie am 13.05. die PARTEI! Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Tagespresse, wir werden in Kürze ein paar Pressemitteilungen herumschicken. Vielen Dank.

Klein, aber oh oh!

Kinder. Ich habe ja nichts generell gegen sie. Ich war ja auch mal eins! Hey, Überraschung! Ich war zwar kein sonderlich schönes, intelligentes, sportliches oder beliebtes. Aber manche Dinge ändern sich eben! Oder eben nicht. Das soll jetzt hier jetzt aber nicht das Problem sein. Das liegt woanders: Kinder sehen immer nur das Gute im Menschen. Sie lachen ständig grundlos und nehmen einfach alles so hin. Das geht mir tierisch auf die Klötze. Naiv sein, es aber noch nicht mehr schreiben können. Das ist so dreist. Das Wort „Satansbraten“ reicht da gar nicht als Umschreibung.

Kinder sind viel mehr so Teufel-ChickenMcNuggets oder Gummibaumhirnbärchen oder so. So kleine, weichgeklopfte Mini-Dingerchen. Und alles wirklich Relevante ist denen egal. Kinder denken nicht nach, interessieren sich für nix und die gehen nicht mal zur Bundestagswahl. Scheiß Nichtwähler, ist doch wahr, dass es sowas heute immer noch gibt. Inzwischen weiß doch jeder Thünnes, dass Nichtwählen die radikalen Partien unterstützt! Alle wissen das! Nur Kinder nicht. Diese Nazis aus Versehen. Die juckt das gar nicht, bei denen jucken nur die Windpocken. Das reicht heutzutage.

Wie viele Kinder sitzen denn im Bundestag? Okay, schlechtes Beispiel, aber wenn man nach dem Alter geht, dann null. Aber wie viele Kinder haben denn Nobelpreise und Integrationsbambis gewonnen, na? NULL! In wie vielen Kindergärten spricht man denn über den neuen Bundespräsidenten oder die Eurokrise? In keinem! Das ist doch ein riesiger Skandal, über zwanzig Millionen Kinder und alle faul! Und wir fördern das ja auch unentwegt. Wenn der eigene Filius es geschafft hat, ein verschissenes Mandala mit Wachsmalkreide auszumalen, dann sind wir voll des Lobes und tätscheln dem kleinen van Gogh auf den Kopf und sagen ei, ei, fein hast du da die Blume lila gemalt, feiin. Das kann doch nicht seiin.

Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch ich will keine Kinderarbeit, aber so ein bisschen könnten die doch mal tun für unsere Gesellschaft! Wollense aber nicht. Immer nur schön Halligalli und Trallafitti und Konfetti und Hotel Zack & Cody und wie die ganze Kacke heißt, die auf i und y endet. Handy. RTL zweii. Oder: Filly. Das sind so kleine, Arschloch-Pferdchen. Zum Sammeln. Die können nix, man kann die nur streicheln und die sehen dann nett aus. In 2012 wohl das passende Kinderspielzeug. Statt den SPIEGEL lesen Kinder nur Wendy, das lustige Hoppehoppereiter-Journal.

Aber Zügel in die Hand nehmen hat mehrere Bedeutungen, liebe Kinder! Bildet euch doch mal. Das wäre mir fürs Erste genug, dann muss ich mit euch nicht immer über Playstation und Ponys reden. Hüa, galoppiert mal Richtung Einsicht! Aber nein! Kinder gehen nicht in die Oper oder ins Theater, die gucken nur den ach so lustigen Kasperle. Und der fragt dann: „Seid ihr alle da?“ JA, VERDAMMT! SIND SIE! Leider. Einfach gestrickt wie eine Tischdecke und genauso intelligent. Da hab ich keinen Bock mehr drauf! Da muss man doch mal was tun! Was verändern! Schnitt.

Wir, als Gesellschaft, wir müssen kleine Menschen so früh es geht auf unsere große Welt vorbereiten. Mit all seinen Tücken und Hindernissen. Deswegen habe ich mir etwas überlegt. Obacht! Jedes Kind liebt Überraschungs-Eier. Wegen der lustigen Figuren. Wie wäre es, wenn jedem siebten Ei liegt eine Figur beilegen würde, die auf soziale Missstände und doofe Sachen hinweist? Ich denke da etwa an Sextourismus-Happy Hippos. Oder bayrische Kindesmissbrauch-Bärchen. Oder iranische Massenvernichtungswaffen-Kätzchen, ganz süüüß und putzig, aber auf einer Atombombe sitzend. Das hätte dann wenigstens einen Realitätsbezug ohne all das Heile-Welt-Gedöns.

Und wäre auch aus pädagogischer Sicht nicht gefährlich. Die Generation meines Großvaters hat mit martialischen Zinnsoldaten gespielt und hat es ihnen geschadet? Gut, zugegeben, sie haben Hitler gewählt und einen Weltkrieg angefangen, aber sonst? Eben. Alles nette Menschen. Opas sind immer nette Menschen. Und ich will, dass auch aus den heutigen Kindern mal nette Omas und Opas werden! Wenn in ein paar Jahren schon halb Deutschland über fünfzig Jahre alt ist, dann sollen diese Leute auch bitteschön nett sein! Sonst drehe ich noch komplett durch und das will doch keiner.

Ich habe meinen Ü-Ei-Figuren-Vorschlag übrigens an Ferrero geschickt. Kein Scheiß. Aber auch keine Antwort. Vielleicht hält man meine Idee für Ironie. Oder für bescheuert. Beides ist im Bereich des Möglichen. Und liegt wie so vieles: im Auge und Alter des Betrachters.

Eine kleine Geschichte, die vielleicht auf Missstände hinweist

Die Laus sitzt auf einem Blatt und guckt herum. Hier oben von der Eiche aus kann man prima in den Wald gucken. Und staunen. Mutter Natur ist eindeutig die kreativste Frau der Welt, noch weit vor Ruth Moschner und Erika Steinbach, um zwei unpassende Beispiele zu nennen. Im Wald sind Politik und Comedy egal, man lebt einfach nur seinen tierischen Alltag. Drüben spielen ein Igel und ein Hase Fangen, dahinten schleppen circa tausend Ameisen eine große Menge Kleinigkeiten von hier nach da. Und die Laus futtert ein bisschen Blattzeug. Am schmackhaftesten sind die weichen Mittelteile, der Rand schmeckt nur so mittel. Blätter sind wie Toastbrot, nur anders. Dann kommt der Wind. Plötzlich und wesentlich lauter als die Singvögel. Die sehr kleinen und schwachen Waldtiere verstecken sich in Löchern, nur die Laus ist gefangen. Das Eichen-Geäst wackelt. Der Stiel des Blattes leistet fleißig Widerstand, doch der Diktatur des Windes hat es nicht viel entgegenzusetzen. Es bricht. Das Blatt segelt hinunter. Und die Laus fühlt sich wie Superman. Fliegen! Wie Fliegen! Oder Vögel! Oder Flugzeuge! Huiiuiuiuiiii, schwiiiing, wrooooooooam!

Am Boden angekommen, schüttelt sich die Superlaus kurz, um danach wieder den Baum hinauf zu krabbeln. Das war toll! Nochmal! Was einen nicht tötet, das will man nochmal machen. Doch der Wind ist längst weitergezogen. In die Stadt, wo die Menschen ihn nur als notwendiges Übel ansehen. Der Wind ist wie Politik und Comedy. Mutter Natur gefällt das nicht. Aber ach, ist doch auch egal.

Ein modernes Märchen im Präsens

Es sind einmal ein cholerischer Misanthrop, eine chinesische Rentnerin und ein Kleinwüchsiger in einem Dinosaurier-Kostüm. Die sitzen in einer Bar. Sie wünschen sich ständig irgendwelche Lieder, die der Barkeeper nicht kennt und bauen lustige Häuser aus Bierdeckeln. Die Stimmung ist dennoch betrübt: In der Redaktion des örtlichen Telefonbuch-Verlages hat ein Schelm die Nullen durch Os ersetzt und jetzt kann niemand mehr die Telefonnummern lesen. „So eine Scheiße, ich hasse euch alle!“ ruft der Misanthrop plötzlich völlig unvermittelt und völlig plötzlich, da unvermittelt. Besonders die Chinesin erschreckt sich sehr stark, weil sie nicht versteht, was gerade gesagt wurde und generell gar nicht weiß, wie sie überhaupt hergekommen ist. Eigentlich wollte sie eine leckere Marzipantorte backen und in Deutschland rasch ein wenig Marzipan erwerben. Dass daraus nicht wurde, muss man der deutschen Infrastruktur vorwerfen. Die ist nicht so gut. Aber nun ist die Chinesin eben da und wird brav toleriert. Manchmal quietscht sie vergnügt und altersmilde. Der Barkeeper sagt dann stets: „Völkerverständigung beginnt in der Leber! Prost!“ und schmeißt eine Lokalrunde.

Besonders amüsant ist es dann, dem Kleinwüchsigen zuzusehen. Die Biergläser sind kaum größer als er. Wenn er sich die Mühe machen würde, den Haltegriff hinauf zu klettern, könnte er im Bier schwimmen. Doch diesen Gefallen tut er den Anwesenden nicht. Schade. Dafür erfreuen sie sich fleißig an seinem vollkommen sinnlosen Dinosaurier-Kostüm, welches er wie folgt hergestellt hat: Man nehme eine kleine Hartgummi-Figur der Firma „Schleich“, höhle das Innere der Figur hinaus und wenn dann noch akrobatisches Talent vorhanden ist, kann man in das harte Korsett hinein schlüpfen. Fertig. „So ein Scheiß-Kostüm, ich hasse dich!“ ruft der Misanthrop und fügt hinzu: „Aber nicht, weil du sehr, sehr klein bist, sondern weil du ein Mensch bist, nur um das klar zustellen. Misanthropie und Rassismus sind zwei völlig unterschiedliche Dinge, die nicht miteinander verwechselt werden dürfen. So wie Post-Its und reguläre Notizzettel.“ Und dann quietscht die chinesische Rentnerin; ein drei Meter großes Bierdeckelhaus fällt infolgedessen in sich zusammen. Der Kleinwüchsige wünscht sich ein tiefgründiges Liebeslied von Peter Maffay, der Barkeeper kommt diesem Wunsch nach und so weiter.

Als die Szenerie dann beginnt, sich langweiligerweise ständig zu wiederholen, kommt auf einmal der liebe Gott in die Bar. „Tach, Gott“ begrüßen ihn die Barbesucher beiläufig, der Barkeeper hält einen mäßig unterhaltsamen Monolog mit vielen „oh mein Gott“-Anspielungen. „Oh mein Barkeeper, mix mir einen Scotch mit Single Malt! 50:50!“, sagt Gott ganz lässig und cool und alle sind sich sicher, dass das tatsächlich der liebe Gott sein muss, denn sonst wäre er nicht so lässig und cool. Schnell realisieren die Gäste, dass dies ein besonderer Moment ist. Mit Gott sprechen kennen sie nur aus dem Fernsehen und gilt nun zu testen, ob BibelTV so authentisch ist wie gedacht. Als Erste wendet sich die Chinesin an Gott und erzählt ein bisschen mit ihm, der ja praktischerweise alle Sprachen der Welt spricht, weil er sie erfunden hat. [irgendwas auf Chinesisch, keine Ahnung] Gott zeigt Richtung Norden, wo spontan eine pittoreske Marzipanbäckerei aus dem Boden wächst. Ein letztes Mal quietscht die Rentnerin, um anschließend fröhlich die Bar zu verlassen. „JAWOLL, endlich ist sie weg! Ich hasste sie“, jubelt der Misanthrop und fügt an: „Aber ich freue mich nicht darüber, weil ich ein Nazi bin, sondern einfach nur so, weil. Ich. Es. Kann. Fickt euch!“.

Und dann bewegt sich der Kleinwüchsige in die Richtung des Allmächtigen. Gott kann ihn erst nicht sehen, da er unschön über die Teppichfransen gestolpert ist, aber dann sieht er ihn doch, weil alles andere nicht in die „Dramaturgie“ dieser Geschichte passen würde. „Dein Problem ist kaum zu übersehen, mein Sohn“, sagt Gott und tätschelt sanft über das Dinosaurierkostüm. „Hier, du sollst haben, was dir fehlt.“ spricht er weise und kurioserweise in einem ostdeutschen Dialekt. Und dann zaubert er dem Kleinwüchsigen ein verkehrssicheres Damenfahrrad herbei. „Nun kannst du radeln, wohin du willst! Aber denke immer daran, dass jeweils zwei Katzenaugen in die Speichen geklemmt sind und achte stets aufmerksam auf den Verkehr!“ Der Kleinwüchsige ist hocherfreut, tritt sehr kräftig in die Pedale und vor lauter Geschwindigkeit fährt er ein Loch in die Tür. Gottseidank ist es sehr klein, so dass höchstens Kellerasseln hindurch passen würden.

„Gut, dass der weg ist, ich habe ihn immer geha…“, will der Misanthrop dann sagen, doch seine intelligenten Ausführungen werden von Gott jäh gestört. „Schweig“, sagt er, „ich weiß, was du sagen willst. Und ich sage dir eins: du hast völlig recht. Menschen sind total bescheuert. Verzeihung dafür.“ Da ruft der Barkeeper: „Reue fängt in der Leber an! Lokalrunde!“ und wenn sie nicht gestorben sind, dann saufen sie noch heute.

Tausendfünfhundert…

…Aufkleber sind bestellt, gedruckt und für schön befunden worden. Damit kann die Werbeoffensive für diesen sehr, sehr guten Blog nun beginnen! Man könnte auch sagen: Werbekrieg. Nur eben friedlich. Und alle sind Gewinner.

(ja, das Foto sind für die Verhältnisse des 21. Jahrhunderts unscharf, aber man darf nicht so gierig nach hochauflösenden Fotos sein. Ihr Gierigen! Apropos: Falls jemand einen Aufkleber möchte, möge er/sie mich bitte einfach anquatschen, ich werde immer welche bei mir tragen.)

Fitze, Fitze, Fotze

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Stimmt gar nicht. Meine Oma fährt meistens mit dem Bus. Auf Straßen. Ohne Eier drumherum. Und überhaupt: Ich kenne keinen einzigen Menschen, der im Hahngehege lustige Kreise fährt. Was für ein Unsinn! Aber, irgendwer schon das schon machen. Irgendjemand fährt im Hühnerstall Motorrad, Motooorrad.

Alle meine Entchen schwimmen auf dem See. Ich habe Entchen?! Nein. Ich habe eine Katze. Die macht zwar ihr Schwänzchen in die Höh‘, schwimmt aber nicht. Die macht nur „miau“. Immer dieses „miau“. Weiß nicht, was die an dem findet. Der hat fünfzig Millionen Chinesen getötet! Gut, bei einer Milliarde Einwohnern fällt das nicht so auf. Trotzdem! Mao, Mao? Ich sage ja auch nicht den ganzen Tag „Hitler, Hitler“. Na, Johannes, wie geht’s dir? Hitler! Zum hier essen oder mitnehmen? Hitler! Wo kämen wir denn da hin! Hitler fährt im Hühnerstall Motorrad. Alle meine Hitlers schwimmen auf dem See, IQ unter Durchschnitt, Ärmchen in die Höh‘. Ist ja albern.

Abgesehen davon müsste es heißen: Mutter Naturs Entchen schwimmen auf dem See. Aber soweit denkt ja niemand! Meins, meins, meins; meine Entchen! So ein Quak! So ein schlechtes Wortspiel! Werden wir kurz wieder ernst: Es ist doch. Schon im Kindergarten werden wir auf den Kapitalismus vorbereitet. Und ene, mene, mu, raus bist du; auf der Reise ins Konsumharem zieht dir immer jemand den Stuhl weg. Und auf dem Boden der Tatsachen kommt niemand vorbei und schenkt dir die T-Aktie. Da kannste lange drauf warten. Das Leben ist kein Waldorfkindergarten, sonst wären Formulare aus Filz und bei „Deutschland sucht den Superstar“ würden die Teilnehmer Eurythmie tanzen und das „Viva la Waldorf“-Lied singen. Das es übrigens wirklich gibt. Ich möchte daraus zitieren:

Das hier ist unser Liebeslied
für die Schule am Vollkorn-Kiez.
12 Jahre ein Volksfest für Freaks,
von den Waldis gibt’s jetzt dicke Beats.

Ich finde schön, dass diese Menschen am Vollhonk-Kiez so kreativ und selbstironisch sind. Ob es jetzt freiwillig lustig ist oder nicht, spielt keine Rolle. Außerdem: Es gibt in der Historie der scheinbar harmlosen Lieder über Randgruppen viel schlimmere Beispiele. Nehmen wir etwa „Zehn kleine Negerlein“. Ein Lied, in dem Schwarze als dumm, unzivilisiert und dumm dargestellt werden. Das ist an sich schon so weltfremd und rassistisch, dass sich auch unsere Haare kräuseln müssten. Okay, Sklaverei gibt es offiziell nicht mehr, aber Intoleranz ist für die meisten noch immer im doppelten Wortsinne ein Fremdwort. Die moderne Version der zehn kleinen Negerlein müsste folgendermaßen klingen:

Zehn kleine Mitbürger mit afrikanischem Migrationshintergrund zogen mal hierher,
da kamen Geschlechtspartnerinnen vorbei und schon waren sie viel mehr.

Tausend kleine Mitbürger mit afrikanischem Migrationshintergrund wollten dann studieren,
„nein, aber oh, sie kommen aus dem Kongo, können wir sie zum Bongospielen animieren?“

frug ein Frackträger namens Dr. Soundso,
nun sitzen die Meute bei McDonald’s rum und putzt da das Klo.

Und hier gilt nun das gleiche wie bei „Mitten im Leben“: ich wünsche, es wäre Satire. Sprich: überzogen. Doch: Das Leben da draußen ist nicht wie in Kinderliedern, es ist teilweise viel schlimmer. Um davon abzulenken, erzähle ich nun einen Witz:
Was ist weiß, rechteckig und überflüssig? Dieser Text! Hahahahaha!

Warum ich diesen Unsinn hier dennoch erzähle? Hitler. Und jetzt gehe ich. Aber nicht mit meiner Laterne, ihr Doofen.

Das Quiztaxi kann nicht überall gleichzeitig sein [neue Version]

„Sagen Sie mal, wieso läuft das Taxameter eigentlich auch dann weiter, wenn wir an einer Ampel stehen?“

Der Taxifahrer dreht seinen Kopf leicht nach rechts, in seinen Augen flackert das Böse: „Ist halt so.“

Sie stehen an der Kreuzung zwischen Ostwall und Marktstraße. Die Laternen arbeiten, es ist Nacht. Der Fahrgast hätte natürlich laufen können, aber auch zwei Kilometer können sich ganz schön ziehen. Und: Wer kann, der kann eben. Das Taxameter zeigt sechs Euro und zehn Cent. Portokasse, das sind lediglich Peanuts/Erdnüsse für ihn. Der Staat will zwar einen Teil seines Einkommens, aber der Spitzensteuersatz wurde im unermüdlichen Laufe der Zeit so sehr gesenkt, dass, nun ja, er kann sich Taxifahren halt leisten. Als sie dann an einem Wahlplakat einer beliebigen Partei vorbeifahren, liegt ihm eine weitere Frage auf den Lippen:

„Sagen Sie mal, wieso beschweren sich immer alle über die Politik? Jeder, der in unser Land kommt kann doch aus sich machen, was er will. Und das sage ich jetzt nicht, weil sie schwarz sind.“

Der Taxifahrer dreht seinen Kopf nach rechts, in seinen Augen flackert der Glanz der Gleichgültigkeit: „Ist halt so. Und ich das sage ich Ihnen nicht, weil sie weiß sind.“

Nieselregen setzt ein, ein einsamer Passant schaut dem Taxi hinterher und sucht in seiner Hosentasche nach einem Feuerzeug. Ob er es findet, bekommen die Taxi-Insassen nicht mehr mit.

„Okay, gut, aber, sagen Sie mal, wieso sind alle Taxis aus dem Hause Mercedes, wo es doch so viele andere gute, tolle, deutsche Automarken gibt; so ein Taxi-Porsche, kennen Sie doch, oder?, das hätte doch mal was, vor allem: Stil?“

Der Taxifahrer dreht seinen Kopf nach rechts, in seinen Augen flackert immer noch der Glanz der Gleichgültigkeit: „Ist halt so.“

Die Ampel springt auf grün, das Auto mit dem gelben Schild fährt den Ostwall hinauf. Aus dem Funkgerät des Taxifahrers kommen alle paar Sekunden irgendwelche Krefelder Straßennamen gekrächzt. Breite Straße, Lewerenzstraße, Tiergartenstraße, Horstdyk; überall Menschen, die abgeholt werden müssen. Und dann? Manchmal kotzt einer auf die Ledersitze, manchmal versucht einer ohne zu zahlen zu flüchten, manchmal ist es sogar ganz angenehm. Und heute ist es so, wie es ist. Das Taxi fährt nun eine Linkskurve, rumpelt langsam in die Rheinstraße. Vorbei an leer stehenden Geschäften, vorbei an Geldautomaten, vorbei an Tauben, die sich selbst mit ein paar Brotkrümeln füttern.

„Sagen Sie mal, was würden Sie tun, wenn Sie ein Tier wären, also, ein richtiges Tier, sagen wir eine Taube? Ich würde ja jeden Tag auf McDonald’s kacken. Kann diesen Schuppen nicht leiden; das ist gar kein richtiges Restaurant, die tun nur so. Ein Pseudorestaurant ist das doch. Für Leute, die die Fischgabel nicht von der Aufschnittgabel unterscheiden können. Dort bekommt man noch nicht einmal ein Schälchen mit Brotscheiben und Kräuterbutter, oder haben Sie schon mal einen Brotkorb bei McDonald’s bekommen? Haben Sie bestimmt nicht! Die wissen nicht einmal, wie man Kräuterbutter überhaupt buchstabiert! Ich schon! K, R, hm, Ä, U, T, E, R, B, U, Doppel-T, E, R. Ha!“

Der Taxifahrer dreht seinen Kopf nicht, in seinen Augen flackert überhaupt nichts mehr: „Wenn ich eine Taube wäre, wäre sich bestimmt irgendeine Taube nicht dafür zu schade, mich zu fragen, was ich tun würde, wenn ich ein Mensch wäre. Und ich sage Ihnen eins:“, nun dreht er seinen Kopf doch noch: „Ich würde dann bestimmt nicht antworten: Taxifahren.“

Während sie über die Uerdinger Straße fahren, übt sich der Gast in einem erstaunten, aber lautlosen Ausdruck des Verständnisses. Er scheitert auf eine wenig würdevolle Art und Weise. Dialog gescheitert. Wenigstens das geographische Ziel wird erreicht, sie biegen in die Zielstraße ein. Als wären sie es gewohnt, wird nun geschwiegen. Portmonee-Rascheln ist das einzige Geräusch weit und breit. Der Fahrgast stöhnt ein wenig: Acht Euro vierzig, da war der Türke neulich günstiger, na gut. Doch er moniert beim Aussteigen etwas Anderes: „Sagen Sie mal, kennen Sie das Lied ‚ICE‘ von Rainald Grebe? Da singt er die Zeile: ‚die Wahrheit sagt dir jeder Taxifahrer‘, aber das ist wohl komplett gelogen. Ich bin ehrlich enttäuscht, wissen Sie das?“

Der Taxifahrer schmunzelt in sich hinein, nimmt das abgezählte Honorar ohne Trinkgeld beiläufig in Empfang. Er sagt: „Enttäuschungen kommen im Leben vor, denn, wissen Sie: das ist halt so.“ Und dann fährt er fort.

Der dritte Weltkrieg

Ich stehe an einer Kreuzung.
Straße links, Straße rechts;
um mich herum nur Straßen,
die irgendwo hinführen,
wo ich wahrscheinlich nicht hin möchte.

Hm. Wo möchte ich denn hin? Schwierig.
Überall verschanzen sich Popanzen,
die sich nicht darum scheren,
dass ihre Telefone klüger werden
als sie selbst je sein können.

Wo liegt denn darin der Sinn?
Wenn man alles im Internet nachguckt
damit nimmermehr eine Achsel zuckt?
Nachdenken findet nicht mehr im Kopf statt, sondern
mit den Fingern auf dem Touchscreen: schnell und platt.

Geteiltes Wissen ist genug Wissen, es ist die
Wissensteilung: jeder weiß ein bisschen.
Aber keiner weiß genug, um uns endlich zu sagen,
wie die da oben außer Namen und Gesicht
auch ihr Gemüt ändern können.

Und das zu sagen ist nicht politikverdrossen,
das ist menschenverdrossen; man muss doch nur
mal gucken, welche Musik alle hören,
auf welche Produkte alle schwören, aber macht
ihr nur. Ich will weder stören, noch dazugehören.

Was habe ich also überhaupt hier und da verloren,
alles Gute scheint längst futschikato
und wir sind wie Stäbchen bei Mikado:
wir wackeln und wenn wir weg sind,
werden wir ersetzt, weil wir wie Dreck sind.

Was sich ganz toll reimt. Toll reimen? Kann ich!
Ich sollte was mit Kunst machen.
Nur schade, dass da keiner was für zahlt.
Für diesen Text hier bekomme ich null Euro.
Das ergibt einen Stundenlohn von: null Euro die Stunde.

Ich mache etwas, wofür ich kein Geld bekomme.
Das ist okay, denn, meiner Nase nach stinkt Geld!
Und ich eh will kein Freier der Finanzen werden,
sondern ein Freier bleiben im anderen, guten Sinne.
Texte schreiben allein befriedigt genug.

Und dann schreibe ich einen Text, mache Pause, treffe Oma
beim Karnevalsitzung-Gucken, sie sagt: „Guck mal, die machen
quasi das Gleiche wie du, nur mit mehr Publikum!“
Sitze später wieder vor dem Text und baue
wütend eine Publikumsbeleidigung ein, Obacht:

„Applaus ist wie Kotze, nur lauter!“

Was sich schwerlich erklären lässt – patsch, patsch!
sollen die Leute doch spenden was sie spenden können
und wenn es nur die 1-Cent-Münze für Afrika und
das eigene Gewissen ist; sinnvoll ist nur der Hydrant,
der spendet etwas, was wirklich alle brauchen: Wasser. Plitsch platsch.

Und ich will weg, suche nach Flüssen und mehr,
finde aber nur Pfützen, da kann man nur als Amöbe
glücklich und frei sein und ich möchte Folgendes sagen:
Freiheit heißt, nicht da auszusteigen, wo man hin muss,
sondern da, wo man hin möchte; wo immer das ist.

Und ich will immer noch weg, suche im Wahn Bus und Bahn,
entdecke aber nur jene Jecke, die meine Oma mal meinte.
An jeder Ecke Menschen, die das Falsche feiern,
weil sie das Richtige nicht kennen: liebe Leute,
lest Bukowksi und hört Musik mit Instrumenten.

Lauft nicht den Schnellsten nach, nicht das Ziel ist das Ziel,
grabt keine Gruben mehr, das Tiefgründige muss man
an der Oberfläche verstecken und finden, überhaupt,
finden ist sowieso etwas sehr Gutes,
ich wüsste gern, wo denn jetzt mein Weg ist.

Die Ampel mir gegenüber springt auf grün
und sagt: „Geh doch!“. Und ich sehe,
wie eine leere Supermarkt-Tüte
über den Zebrastreifen fliegt und
dem dritten Weltkrieg trotzt. Chapeau.