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Auf eine Kippe mit Koppruch

Das sehr, sehr gute Hamburger Label „Grand Hotel van Cleef“ bat zum alljährlichen „Fest van Cleef“ (Rückblick: 2009) und weil ich mich eingeladen gefühlt habe, war ich letzten Sonntag im Bielefelder Ringlokschuppen körperlich und geistig zugegen. Und Heissa, es war ein Fest! Es gab Glühwein, Bratwurst und Heizpilze, aber nur im Draußenbereich für Raucher und Frischluftfetischisten, die eigentliche Veranstaltung fand in einer Halle statt. Mit acht Bands auf zwei Bühnen, so dass man immer hin und her wandern musste. Wie ein richtiges Festival fühlte es sich also immerhin bedingt an, aber das Wichtigste an solchen Veranstaltungen (Ausnahmen: Wacken, Rock im Park, Rock am Ring, etc.) ist ja ohnehin die Musik. Und die war prima. Ein kleiner Eintrag ins Konzerttagebuch.

Ich arbeite mal chronologisch den Ablaufplan ab: Beat!Beat!Beat! sah ich bereits zum dritten Mal und irgendwie werde ich mit dieser Band nicht warm. Ja, nette Musik machen sie ja bestimmt, aber meine ehemalige Sitznachbarin aus dem Chemieunterricht ist auch nett und dennoch weiß ich ihren Nachnamen nicht mehr. Immerhin konnte man die durch das langweilige erste Konzert gewonnene Zeit in Alkohol- und Fanartikelkonsum investieren. Danach: wandern zur Bühne zwei, wo Tim Neuhaus auf der Bühne herumsoundcheckte. Ich setzte mich mit meiner mich begleitenden Freundin an den Bühnenrand, da spazierten Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen an uns vorbei – Gisbert hielt inne und erinnerte sich: „Ihr wart doch auch in Oberhausen, oder?“ Ja, waren wir – und tags zuvor auch in Münster. Wir verabschiedeten uns wahrheitsgemäß mit „Und nächsten Freitag sehen wir dich schon wieder, in Hamburg!“. Scheiß Groupies sind wir. Aber eigentlich wollte ich was zu Tim Neuhaus sagen, kann ich aber nicht, da mir von seinem Programm nichts im Ohr geblieben ist. War so ein Songwriter-Geschwurbel mit Drummer. War vielleicht gut. Vielleicht aber auch nur so naja. Und bestimmt was fürs Radio. Also weiter zu den mir vorab völlig unbekannten Young Rebel Set. Britische Hut-, Bart- und Unterhemdenträger, also sehr sympathisch. Musikalisch irgendwo zwischen The Pogues, Mumford & Sons und den Fleet Foxes. Aber beim ersten Hören leider auch nur nett.

Grand Hotel/Fest van Cleef in BielefeldDanach begann für mich der Festivaltag. Nils Koppruch war schließlich nicht nur zum Spazierengehen nach Bielefeld gekommen. Irgendjemand hat mal geschrieben, dass er der deutsche Tom Waits sei. Aber das ist eine noch größere Lüge, als wenn ich sagen würde, dass Birnen und Äpfel fast das Gleiche wären. Ein ziemlicher Schrat ist Koppruch (siehe Bild) dennoch, denn er nennt außergewöhnlich unschöne Cowboystiefel und einen Dreißigtagebart sein eigen. Sein aktuelles Album „Caruso“ ist einer der besten Tonträger des Jahres, übrigens. Auch auf der Bielefelder Bühne funktionierten seine Stücke, getragen nur von Gitarre (wahlweise: Banjo), Bass und Koppruchs markanter Stimme, ziemlich gut. Er sang von Liebe, Zweifeln und (gemeinsam mit zu Knyphausen) der Aussicht. Ja, das war sehr gut. Und wenn wir schon bei „sehr gut“ und Gisbert sind: Gisbert zu Knyphausen ist sowieso der unangefochtene Spitzenreiter in den Liedermachercharts. Auch wenn er seinen Vorsprung bei seinem sonntäglichen Akustikgitarrenauftritt nicht ausbauen konnte, da er ohne Band eben deutlich an Wucht und Gänsehautmomenten verliert. Egal, Freitag in Hamburg sind die Herren Bandkollegen ja wieder dabei.

Es folgten Bierstandvisitationen und verspätetes Eintreffen beim Auftritt des australischen Indie-Rock-Duos An Horse. Ein Drummer und eine Gitarristin. Ich weiß zu wenig über die Band, um an dieser Stelle nicht (wie alle anderen auch) „The White Stripes!“ zu rufen, Verzeihung. Scheint aber gute Musik zu sein. Schön auch, dass während des Auftritts Nils Koppruch aus Gründen zu mir kam und mir nach einem kleinen Plausch eine Zigarette anbot. Jetzt ist er endgültig mein Lieblingsschrat. Zu An Horse vermag ich hingegen leider nichts mehr zu berichten, daher schnell weiter zum heimlichen Headliner Thees Uhlmann, der begleitet von befreundeten Musikern zunächst zwei Tomte-Klassiker („Das hier ist Fußball“, „Die Schönheit der Chance“) und anschließend Titel von seinem im nächsten Jahr erscheinenden Soloalbum spielte. Es bleibt dabei: Uhlmann, Gründungspapa vom Grand Hotel van Cleef und seit Jahren schon der alberne Weise der deutschen Popkultur, ist ein echt prima Kerl. Und ich möchte prognostizieren, dass sein Soloalbum ein echtes Feuerwerk wird.

Grand Hotel/Fest van Cleef in BielefeldDie Kritiker werden zwar schreiben, dass sich die Songstrukturen zu sehr ähneln und dass er immer noch ein wenig nuschelt, aber diesen Leuten möchte ich jetzt schon sagen: Fresse. Bei Uhlmann selbst muss ich mich allerdings auch beschweren, denn mir an einem Abend dermaßen viele Ohrwürmer ins Hirn schießen, ohne dass ich zu Hause auf Tonträgeraufnahmen zurückgreifen kann und auf YouTube-Mitschnitte angewiesen bin – fies und gemein. Trotzdem ist Uhlmann einer der Besten unter all den Guten, allein schon wegen Songtiteln wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“. Am Epochialsten ist allerdings der zwei Sätze zuvor verlinkte Song namens „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ (wer genau hinhört, bemerkt zum Ende des Liedes zwei Textzeilenverwechsler des mitsingenden Gitarristen): „Und wie häufig schlägt dein Herz? Wie häufig siehst du himmelwärts? Und wie häufig stehst du auf und freust du dich darauf? Und Jay-Z singt uns ein Lied“ singt Thees und wenn das Lied nach drei Minuten so tut, als wäre es vorbei, hauen einem die Gitarren noch einmal mächtig in die Fresse und föhnen einem die Gänsehaut auf die Arme. Sapperlot! Groß. So viel Applaus spendete ich selten.

Ganz wenig Klatscherei bekamen zum Abschluss des Tages Kettcar spendiert, allerdings nur deswegen, weil letzte Züge am Bahnhof erreicht werden wollten. Mit dem ungewöhnlicherweise nicht zum Konzertende, sondern schon nach vier Songs gespielten „Balu“ in den Ohren verließen wir frohen Mutes den Ringlokschuppen und begaben uns in die ostwestfälische Kälte. Feste soll man feiern, wie sie fallen – sagt der Volksmund. Aus diesem Sprüchlein ließe sich sicher ein lustiges Fazit für das Fest van Cleef 2010 basteln, aber schlechte Wortspiele hebe ich mir lieber für die nächste Kurzgeschichte auf. Stattdessen möchte ich diesen kleinen Bericht schließen mit: bis nächstes Jahr, Grand Hotel van Cleef-Menschen!

(Danke an Annika! Auch für die Bilder.)

Wie es in Werden war

Gestern habe ich Kultur in der Kulturhauptstadt 2010 konsumiert. Essen hat sich mal das „Pfingst Open Air Werden“ ausgedacht. Ganz viele Musikmachende und Musikhörende haben das gut gefunden und sind erschienen. Und weil es rechnerisch nicht sein kann, dass alle meine Leser bei der diesjährigen Auflage anwesend waren (ich habe zudem keinen von euch gesehen), hier ein paar witzige Anekdoten und, zur Auflockerung, auch ein paar unwitzige.

Weil ich mir noch keinen Führerschein gekauft habe, begann die lange Reise am Hauptbahnhof. Ich öffnete mein zweites Bier, rauchte meine dritte Zigarette und platzierte mich auf einer Sitzgelegenheit vor dem Gebäude; eintreten konnte ich nicht, da mich „Rauchfreier Bahnhof“-Schilder böse angesehen haben. Neben mir saß ein alter Mann mit alter Jacke und alter Stimme und alten Geschichten. Er erzählte mir, dass er als kleiner Junge halb aufgerauchte Zigaretten auf Bahngleisen eingesammelt hat, weil er kein Geld für richtige Kippen hatte (möglicherweise fand er es aber auch unheimlich geil, sich wie eine Taube im Sekundentakt am Gleis zu bücken, aber diesen Gedanken behalte ich für mich). Um eine Zigarette bat er mich und natürlich ging ich diesem Wunsch nach. Unangenehm war mir, dass er mich dafür mit unvernünftig viel Kleingeld bezahlen wollte. So einer bin ich nicht, aber er bestand darauf und dann war ich doch so einer; auch, weil ich gestern Abend mein letztes Geld versoffen hatte. Ich klopfte ihm zum Abschied auf die Schulter und jetzt sind wir Freunde. Später war ich dann irgendwann in Essen-Werden und Entschuldigung für diesen Zeitsprung, aber ich muss ja auch mal zur Sache kommen.

Gisbert!In Essen-Werden stand ich lange in einer Warteschlange, dann begrüßte ich Sicherheitsmenschen, die sympathisch ungenau arbeiteten und drei Bierflaschen in meiner Tasche übersahen. Und dann war da noch dieses schöne Gewässer, wahrscheinlich die Ruhr, und da schwammen ein paar Leute drin, Gedichtegutfinder dürfen sich diese Umgebung als „Idylle“ vorstellen. Auf der Bühne war ein Kollektiv namens „BEAT!BEAT!BEAT!“ und die waren wahrscheinlich gut, aber ein ausführliches Urteil überlasse ich anderen, habe nur eine Komposition mitbekommen. Dann habe ich ein paar Menschen zur Seite geschoben (manche davon waren wirklich hübsch, die schob ich dann weniger aggressiv), damit ich Gisbert zu Knyphausen (siehe Bild rechts oder hier) aus naher Nähe sehen kann. Der zappelige Ansagemensch, der zwischen den Künstlern eine Beatbox (größster Scheiß überhaupt, übrigens) war, kündigte ihn mit „Hier die Band ‚Gisbert von Kryphausen‘!“ an und da war ich froh, dass der gute Gisbert doch noch nicht so berühmt geworden ist, wie ich befürchtet hatte. Während „Flugangst“ und vor „Kräne“ musste ich aus Versehen pinkeln. Bei ausnahmslos allen Liedern musste ich aus Versehen mitsingen. Mehr will ich jetzt hier nicht vom Gisbert erzählen, aber denkt euch einfach ganz viele Superlative: er ist immer noch der Beste. Applaus.

Es waren ganz viele Menschen anwesend, der Großteil jünger als das (in diesem Jahr neunundzwanzig Jahre alt gewordene) Festival und manche bedeckten ihre Körper mit Bandshirts. Bandshirts sieht man immer nur bei Musikereignissen, das prangere ich an. Übrigens ist die Population von T-Shirts mit unwitzigen Sprüchen („Ich bin wegen dem Bier hier“) stark steigend, ich hasse diese Menschen und ihr könnt mich alle mal. Was man auf einem Festival niemals machen darf, ist sich rauchend irgendwo hinzusetzen. Alle neun Sekunden kommt jemand und schnorrt. Den Ersten fand ich noch amüsant, weil mir spontan „Nein, verzeih, ich bin Nichtraucher“ einfiel, aber die anderen dürfen sich neben die Witzshirtträgern in der Hassreihe stellen. Dann kamen Friska Viljor auf die Bühne, die ich Anfang des Jahres schon als okaye Liveband erlebt hatte und so nutzte ich die Zeit sinnvoll(er) und tat rumlaufend so, als würde ich jemanden suchen. Bewegung tat mir gut, die Wirkung des Alkohols lies nach und mein leeres Portmonee hinderte mich daran, diesen Umstand zu ändern. Ich setzte mich an einen Baum (ich behaupte, dass es eine Birke war, aber das ist geraten) und schrieb Kokolores in mein Moleskine-Notizbüchlein. Dabei wurde ich überraschenderweise nicht doof angeguckt. Wenn man an einem Ort ist, an dem man Sachen machen kann, die man gut findet, ohne dass man dabei doof angeguckt wird, dann ist man da, wo es richtig ist.

Bonaparte!Bonaparte (siehe Bild links, Abb. ähnlich) hätte ich schon letztes Jahr auf dem Melt sehen können, wenn ich die nicht verpennt hätte. Ihr Auftritt auf dem „Pfingst Open Air Werden“ war voll von Masken, Komischkeiten und nackter Haut. Das war gut so, denn die Musik war überraschend öde. Aber Schweinsmützen, Babyköpfe und sich langsam entkleidende Tänzerinnen machten das wett. Einmal drehte ich mich um, um in die Gesichter der geschätzt zwei Millionen Leute hinter mir zu sehen und da waren eine Menge Leute dabei, die vor lauter Sex und Kunst auf der Bühne nicht wussten, ob sie masturbieren oder applaudieren sollten. Weil Massenwichsen nur in Pornos und Kreisen, in denen ich nie verkehren (haha!) werde, existiert, haben aber alle in die Hände geklatscht und die Hosen anbehalten, zum Glück. Mehr Musik konnte ich mir danach leider nicht mehr angucken, denn die restlichen zwei Bands spielten irgendeinen Metalscheiß, den bitte andere gut finden sollen. Ich spazierte zum Ausgang, traf auf dem Weg E., sagte ihr nett „Hallo!“, sie malte mir was in mein Moleskine-Notizbüchlein und gab mir Eistee. Im Gewühl habe ich verpasst, ihr „Tschüss!“ zu sagen, aber sie wird mir verzeihen. Fantastischerweise war eine Dosenbierverkäuferin auf dem Weg zur Bahn und ich tauschte das Stunden zuvor vom netten Geschichtenerzähler erhaltene Klimpergeld gegen eine Dose unleckeres Regionalbier. So schließt sich der Kreis, dachte ich mir. In der Bahn spielten ein paar Indiekids „Stadt-Land-Fluss“ und wussten nie einen Fluss. Niemand kennt viele Flüsse, deswegen entscheidet sich bei „Stadt-Land-Fluss“ auch immer bei „Fluss“, wer gewinnt. Flusswissen ist goldenes Wissen, die restlichen Kategorien benötigen nur Spontanwissen.

Sapperlot, da gab es ja doch einiges von meinem großartigen Ausflug nach Essen zu erzählen. Ich lege mich dann mal auf meine überforderten Ohren. Gute Nacht.

Wahre Größe beginnt bei Einmeterachtzig

Ich habe mir mal eine Tasche gekauft, für zwei Euro in einem Eineuroladen. Sie ist zu hässlich, um sie der breiten Öffentlichkeit zuzumuten, aber es passt ein bisschen was rein. Und in einer Zusatztasche der Tasche war ein quadratisches Dings und heute schien es mir an der Zeit, herauszufinden, was das weiche Quadratteil denn genau sei. Ich faltete es auf und es war: eine Damenbinde. Eine weitere Enttäuschung erwartete mich beim Plattenladen meines wertvollen Vertrauens: meine Bestellung (die neue Gisbert zu Knyphausen-Vinyl, natürlich) ist noch nicht da und ich muss noch ein paar Tage darauf warten. Weil der Vertrieb noch irgendwas aus irgendwo mitschicken will. Geht aber im Moment nicht, weil Ejafjallaslökull. Ich hege starke Zweifel, ob der komische Kultvulkan (BILD.de) wirklich so heißt; habe mal versucht, den Namen aus dem Gedächtnis heraus zu schreiben. Und ich dachte, dass die Flugzeuge jetzt wieder arbeiten dürfen. „Diese Woche kam gar nichts; keine einzige Platte!“, sagt der Plattenladenmensch. „Heute geht aber auch gar nichts, ich mache mir jetzt erst mal ein Bier auf!“, sage ich. Heute ist der Welttag des Bieres und des Buches, kein Witz. Das muss gefeiert werden, vielleicht. „Das Leben ist schwer, aber man muss lernen, es zu meistern“, hat Heinz Strunk mal gesungen. Heinzer, du bist so unheimlich schlau.

Braucht jemand eine Damenbinde der Marke „Tena“?

Oho: Aha!

Text?Nein, er ist kein Holländer. Aber der Stuttgarter Liedermacher Joachim Zimmermann wird schon gewusst haben, was er sich selbst antut, als er sich den Künstlernamen daantje & the golden handwerk zugelegt hat. Auf dem kleinen, netten Label Omaha Records (mitgegründet von Gisbert zu Knyphausen) hat er nun seine neue EP veröffentlicht. „Aha“. Heißt sie. Und ich habe sie mir bestellt, angehört und sie letztlich für gut befunden.

Die Grundstimmung, die sich durch alle fünf Titel der EP zieht, lässt sich einfach mit dem Wort „Herbstmusik“ beschreiben. Tief melancholische, trabende Songs von enttäuschter Liebe und gesammelten Gedanken, spärlich begleitet von Akustikgitarre und ein bisschen anderem Instrumentenzeug im Hintergrund. Banjo, Snare und Percussion zum Beispiel. Und ein bisschen Elektronik. „Und ich bin immer nach oben gelaufen / und ich kam immer unten wieder raus“ singt er bestürzt gleich im ersten Lied, „Rampenlied“, satte neun Minuten lang. Man glaubt ihm jedes Wort. Wunderbare Zeilen wie diese hat er in jedem Lied versteckt, die roteraupe fasst das besonders schön zusammen:

Dafür schenkt einem daantje & the golden handwerk wunderbare Zeilen […], die man am liebsten auf einen Zettel schreiben und in der Hosentasche mit sich herumtragen möchte.

Hat man sich erst einmal in die EP reingehört, in die Melodien verliebt und die tiefsinnigen Texte entschlüsselt, lässt sich in „Aha“ eine feine halbe Stunde Musik finden, die trotz aller Schwere eine erfrischende Alternative zu all den grinsebackigen Liedermachern dieses Landes ist. Und so schließe ich diese winzige Kritik mit dem besten Satz, mit dem ein Review eines jungen Musikers enden kann: „von diesem Künstler wird man noch viel hören!“. So wird es sein.

daantje & the golden handwerk bei myspace:
http://www.myspace.com/daantjethegoldenhandwerk

Erstmal reinhören:
daantje & the golden handwerk - nicht viel (mp3)
daantje & the golden handwerk - wer du bist (im Stream)

Das Melt gefällt – ein Festivalbericht

Hurra, mein erstes mehrtägiges Festival! Das ein oder andere Konzert hatte ich ja schon hinter mich gebracht, aber jetzt war es soweit: ein Festival, ui! Über drei Tage! Wow! Im Osten! Gräfenhainichen! Mit echten Ossis1 und echtem Sächsisch! Und guter Musik! Melt! Und es war vorab schon alles ausverkauft, erstmals! Ein spontaner Bericht ohne zu viele Details, dafür mit viel Liebe geschrieben.

Melt! - Foto: Johannes F.Freitag – 17.07.09
Die ganzen Geschichten von Zeltaufbau und dauer-betrunkenen Dänen mit Megafon im Zelt nebenan erspare ich euch, daher direkt zum wichtigen Teil: der „Location“, wie man als cooler Trendsetter heute sagt, oder wie ich es nenne: das Festivalgelände. Früher Braunkohletagebau, heute Musik. Überall Bagger und so Zeug. Dufte! Die erste Band, die man sich dann angucken durfte, waren die Cold War Kids, zu denen ich außer dem Adjektiv „okay“ komischerweise nichts erzählen kann, weil belangloser Alternativ-Indie-Kram. Kurz darauf gab es dann aber für mich das erste große Highlight, als ich zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen Gisbert zu Knyphausen sehen durfte, der immer noch der Beste ist. Das neue „Seltsames Licht“ ist das schönste traurige Lied der Welt. Kennt ihr vielleicht noch nicht, aber wenn es das irgendwann mal als Studio-Version gibt, werdet ihr davon hier lesen. Später am Freitag folgten dann aber erstmal noch Klaxons (tanzbarer 08/15-Britpop ohne Ohrwürmer), Röyksopp (live für mich zu abgedreht, aber auch nicht mein Genre) Crystal Castles (selbiges hier) und The Virgins („Rich Girls“ ist ein verdammt geiler Ohrwurm und die Band ist auch überraschend gut!). Achso, und natürlich noch Travis, bevor mein Körper dann den Geist aufgegeben hat und ich leider unter anderem Gossip verpasst habe. Bei Travis reicht es eigentlich, diesen Bericht aus dem letzten November zu lesen, denn die Setlist und die Spielereien mit dem Publikum waren bis auf die fehlende „Why Does It Always Rain On Me?„-Zugabe nahezu identisch, aber eben identisch spaßig und gut. Außerdem ist Frontmann Fran Haley bestimmt der netteste Mensch der Welt. Muss man mögen.

Super700 - Foto: Johannes F.Samstag – 18.07.09.
Nach einer durchregneten, aber erholsamen Nacht gab es am Samstag einen wahnsinnigen, beinahe neunstündigen Musik-Marathon. Beginnend mit den öden Baddies, über die gute deutsche Band Mikroboy, die noch viel tolleren Berliner von Super700 (siehe Bild rechts) und dem ehemaligen Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer, dessen Auftritt aber irgendwie nicht so recht fluppen wollte, so ging es mir zumindest. Die neuen Solo-Songs zündeten noch nicht, die alten Blumfeld-Hits kenne ich gar nicht erst und wenn zwischenzeitlich nicht Liedmacher-Gott Gisbert zu Knyphausen neben mir am Bierzelt gestanden hätte, wäre mir vom Auftritt wohl gar nichts in Erinnerung geblieben. Ach, wenig später traf ich dann noch zwei MTV-Gestalten; Joko und Klaas hießen die, glaube ich. Waren sehr nett und spendierfreudig, was alkoholische Getränke und Geschichten aus dem Leben eines B-Promis und Musikfreund angeht. Ihre Groupies kenne ich jetzt auch, aber eine weitaus tollere Erfahrung war selbstredend wenig später der Auftritt von The Whitest Boy Alive, die ziemlich lässigen Easy-Listening-Dance-Pop machen (und dafür auch hier schon mal von mir gelobt worden sind). Bei untergehender Sonne perfekt. Anstrengender waren anschließend Animal Collective, weswegen ich auch schnell zur seichteren Jazz-Songwriterin Anna Ternheim geflüchtet bin. Übelst super-fetzig (!!) wurde es dann bei Phoenix, mit ganz viel Rumgespringe und Versuchen, die englischen Texte der Franzosen mitzusingen. „1901“ ist mein Hit des Sommers, glaube ich. Bin Fan. War danach aber körperlich wiedermal völlig fertig und habe Bloc Party auch nur so halbwach mitverfolgt. Am nächsten Morgen durfte ich mir dann noch anhören, wie viel ich bei Bonaparte kurz vor vier Uhr nachts verpasst hätte, scheiße.

Melt! - Foto: Johannes F.Sonntag – 19.07.09
Oh, letzter Tag. Ein letztes Mal über die teuren Preise und den Nieselregen ärgern, ein letztes Mal über sehr gute Musik in guter Gesellschaft freuen. Bedingt durch Zeltabbau, Koffer wegbringen (waren mit dem Reisebus da) und Ausschlafen konnte ich vom im Vorfeld so viel empfohlenen Patrick Wolf leiderleiderleider nur noch knappe zehn Minuten sehen. Die haben gereicht, eine lustige kleine Tucke mit einer Stimme, die der von Conor Oberst (Bright Eyes) ziemlich ähnlich ist. Sein Abschluss „The Magic Position“ verdient auch sehr positive Adjektive („geil“, „launig“, „knorke“) und auch hier: bin jetzt Fan. Leider mussten danach Glasvegas auftreten. Der Sänger ist ein arroganter Macho und die Musik ist auch – mit Verlaub – richtig richtig scheiße. Langweilig, laut, scheiße. Sogar eigentlich gute Songs wie „Daddy’s Gone“ gehen live kaputt. Was für eine scheiß Band! Mit der Meinung bin ich übrigens nicht alleine, zumindest gab es bei keinem anderen Auftritt so wenig hörbaren Applaus. Kein Applaus für Scheiße; gut so, Melt-Publikum! Cooler waren zeitgleich die rockenden Team Monster, die sich unter Masken versteckt haben, aber in Jogging-Hose und mit Konfetti-Kanone eine sehr unterhaltsame Bühnenshow abgeliefert haben. Beste Unterhaltung lieferte dann auch ein Nackedei (Video), der den ja doch eigentlich ganz okayen Polarkreis 18 für viele Minuten Aufmerksamkeit und Applaus raubte. Hihihi. Es folgten noch Kasabian, die von den vielen britischen Besuchern maßlos gefeiert worden sind, aber irgendwie nicht so toll waren, und abschließend Oasis (siehe Bild links). Und bis auf eine Ausnahme spielten die Junge die selben Songs wie vor ein paar Monaten in Düsseldorf. Klar, da sind alle Hits dabei, aber es ist ein wenig so, als würde man den gleichen Film zweimal gucken, denn Ansagen gibt es bei den Gallaghes nun mal nicht wirklich. Ich will nicht motzen, aber ein anderer Headliner wäre mir lieber gewesen, so sehr ich Oasis auch mag.

Danach Busfahrt, einige Portionen Schlaf und Ankunft zu Hause. Adieu Dosenfutter, auf Wiedersehen betrunkene Dänen oder kurz: tschö Melt. Bis zum nächsten Jahr, vielleicht.

  1. Weil es leider genau drei Beschweden darüber gab, dass ich mich so fies über Ostdeutsche lustig mache: Satire, liebe Leser. Satire! Vielleicht habe ich als Titanic-Leser viel schlechten Einfluss, aber der Fehler liegt bei euch, nicht bei mir: und zwar wenn ich diesen kleinen Jux ernst nehmt. Ist doch nicht so gemeint, haha! So.

10 Dinge, die ihr noch nicht über meinen Fest van Cleef-Besuch wisst

Grand Hotel/Fest van Cleef in Essen1. Ich kann „Element of Crime“ nichts abgewinnen, gar nichts. Sven Regener hat eine komische Stimme und die Texte gefallen mir nicht. Bin wahrscheinlich zu jung oder zu doof für diese Band, die sonst wohl alle Menschen auf diesem Planeten lieben.
2. Thees Uhlmann ist eine coole Sau.
3. Wirklich.
4. „Why?“ waren überraschend gut, was vielleicht auch am spontanen Sinnflut-Regen lag. Habe mir gleich die letzte CD „Alopecta“ und am Merchandising-Stand von dem Typen, der vorher auf der Bühne Xylophon („Xylophonist“?) gespielt hat, signieren lassen. Bin jetzt Fan.
5. Die „Kilians“ sind wirklich okay. Aber wie viele andere Bands sind das auch? Zumindest ist Sänger Simon der Hartog ein coolerer Typ mit besseren Ansagen als der mir namentlich nicht bekannte Sänger bei Punkt 6.
6. „Muff Potter“. Auch okay, aber auch nicht unbedingt mein Fall. Wie erzählt doofe Ansagen, aber okaye deutsche Texte. Okay halt.
7. Dass Gisbert zu Knyphausen derzeit der beste deutsche Liedermacher ist, weiß ich nicht erst seit gestern (viel zu kurzer Auftritt mit nur 30 Minuten, übrigens) und auch nicht seit seinem unheimlich guten Auftritt vor zwei Wochen hier in Krefeld. Neu ist, dass er mir nachher beim zufälligen Treffen zwischen Toiletten und Fressbude Autogramm und Auskunft über das Erscheinen des nächsten Album (erst 2010, aber vorm Sommer) gegeben hat (wahrscheinlich, weil ich ihn „damals“ nicht danach gefragt hatte).
8. Wenige Meter neben ihm stand der zugegeben eher semi-lustige „Comedian“ Johann König, dieser Langsame, und weil ich ein netter Mensch bin, habe ich ihm gewunken und auch seinen Namen gesagt („hihi, guck mal, hier der Dings, Johann König, thihi!“), glaube ich. Trotzdem hat er mir nicht zurück gewunken und lediglich komisch, aber nicht komisch-komisch, zurückgeguckt. Ehrfurcht, Neid oder Mutlosigkeit tippe ich.
9. Habe dann noch zum dritten Mal in meinem Leben den Blog-Freund Lukas Heinser vom Kilians-Fanblog „CoffeeandTV.de“ gesehen, was lustig ist, weil nur ich weiß, wie er aussieht und nicht andersherum. Oder er weiß es und will nicht mit mir reden, darüber lässt sich nur spekulieren. War aber natürlich wieder „VIP“ im Backstage-Bereich, der Arsch.
10. Immer wieder spaßig so viele Bandshirts zu sehen. Ich selbst hatte ja mein gisbertiges Knyphausen-Shirt an, aber ganz toll viele andere Shits hat man gesehen: The Smiths, The Who, Ghost of Tom Joad, kettcar und so weiter.

Und nächstes Wochenende bin ich auf dem ausverkauften Melt! Und nächstes Jahr bestimmt wieder beim Fest van Cleef.

Tüpisch Krie-ewel

Karneval ist für mich vorbei. Noch genau zwölf Minuten lang ist Rosenmontag, morgen ist Veilchendienstag und übermorgen ist Aschermittwoch und der Hoppeditz wird beerdigt. Ich werde nicht bei der Beerdigung dabei sein. Zu erschöpft bin ich von den jecken letzten Tagen. Zu viel Alkohol, zu viel schlechte Musik, zu wenig Schlaf, ich bin heiser. Es hat nicht einmal geholfen, dass ich am gestrigen Sonntag eine kleine Karnevals-Pause eingelegt habe und in Düsseldorf sitzend mit Martin Bundesliga-Fußball geschaut habe. Nun sitze ich wieder auf einem Sitzplatz, meiner neuen Ikea-Couch, die ich am Freitag allein und nur mit Hilfe des schwarz-weißen Aufbau-Zettels aufgebaut habe. Mein Rücken wird gestützt von einem Kissen, 2,79€ teuer. Von Ikea, klar. Beim Sitzen höre ich Gisbert zu Knyphausen. Wunderbarer Songwriter auf Deutsch aus Wiesbaden, nicht Schweden.

Der Rosenmontags-Zug heute in Krefeld war wieder einmal enttäuschend, fast keine Wagen mit (politischem) Motto und sonderlich kreativ (oder gar lustig) waren die Wagen auch nicht. Passt aber eigentlich zum Motto „Tüpisch Krie-ewel“ – Krefeld ist eben keine wirklich spannende Stadt. Kamelle habe ich auch nicht gefangen. Vielleicht gibt Moritz mir ja was von seinen Süßigkeiten ab, seine Taschen waren voll. Ich fürchte, er wird sie für sich behalten. Dafür habe ich ein kuhles Tattoo auf meinem rechten Arm. Fünf rote Sterne. Wunderschön. Was diesen Nachmittag so in der Welt passiert ist, weiß ich dagegen leider nicht, denn ich habe auf der bereits erwähnten Ikea-Couch geschlafen. Schuld daran ist die 1,5l-Flasche von Pepsi, die mit Whiskey-Cola gefüllt worden war. Jetzt ist sie leer, ich war voll und Karneval ist vorbei.

Jetzt sind nur noch vier Minuten bis zum Veilchendienstag. Helau.

What’s the Story, Philipshalle?

LiamHat es doch noch geklappt. Nachdem das Konzert von OASIS vor gut zwei Wochen noch wegen eines Ödems in Liam Gallaghers Lunge kurzfristig ausgefallen war, konnten die Briten nun endlich ihren Auftritt in der Düsseldorfer Philipshalle nachholen. Und die Herrn Gallagher hatten überraschend gute Laune: ich habe sie einmal sogar lachen gesehen! Ohne Scheiß! Ob sie wenigstens getrunken, geprügelt oder gepöbelt haben, hier nun in meinem ausführlichen, bebilderten Konzertbericht.

Schon früh am Nachmittag machten sich Daniel und ich auf, um die nach eigenen Angaben „größte Rockband seit den Beatles“ live zu erleben. So standen wir gut drei Stunden vor Einlass (und knapp fünfeinhalb Stunden vor dem Auftritt) vor der Philipshalle und erhielten irgendwann dann auch (als etwa zwanzigste in der Warteschlange) unsere gelben „erste Welle“-Bändchen. Damit waren die guten Plätze schon einmal gesichert, sehr gut. Für gute Stimmung sorgten ein paar Studenten, denen wir uns angeschlossen hatten. Lustige Anekdoten1 ihrerseits von vorherigen Oasis-Konzerten (und viel, viel Alkohol für einen Mittwoch-Nachmittag) überbrückten die Wartezeit. Übrigens: es gibt nichts Schlimmeres, als weit vorne in der Warteschlange zu stehen und auf Toilette zu müssen. Man kann nicht eben in die Büsche laufen, weil man dann seinen Platz verliert.

NoelUnsere Blasen sind glücklicherweise nicht geplatzt und konnten kurz nach dem Einlass entleert werden. Ein wunderbares Gefühl. Aber genug Fäkalien: gleich nach unserem Toilettenbesuch stürmten wir in den vorderen Bereich und sicherten uns Plätze in der zweiten Reihe, direkt vor dem Mikrofon, hinter welchem Liam Gallagher zweieinhalb Stunden später mit „Rock & Roll Star“ das Konzert der Britpopper eröffnen sollte. Bevor es aber soweit war, mussten noch die Jungs von „Everlaunch“ als Vorband auf die Bühne. Sie hatten einen schweren Stand im Publikum, spielten aber relativ souverän ihren anstrengenden Alternativ-Rock herunter. Mir persönlich gefielen sie nicht so sehr, aber Daniel fand sie schlimmer als ich („Die sind ja schlimmer als in der Warteschlange pinkeln müssen!“). Besonders peinlich war nur eine kleine Publikumsansprache vom Sänger: „Ich hoffe, ihr nehmt uns nicht übel, dass wir keine Engländer sind.“. Nein, tun wir nicht. Aber solche bescheuerten Aussagen führen nur dazu, dass die Leute weiterhin irrtümlich glauben, aus Deutschland komme keine gute Musik. Tstststs2.

Um uns herum in „vorderster Front“ standen viele Leute, die aussahen wie Briten. Überall Frisuren, die man sehr selten auf offener Straße sieht und sowas. Manchmal hatte man sogar das Glück, einen echten Briten zu treffen. Und wir hatten gleich doppelt Glück: Wir trafen zwei (!) echte (!!) Briten, die uns in einem wunderschönen, schnell gesprochenen „British English“ erzählten, sie kämen aus der Nähe von Manchester und würden Oasis um die ganze Welt herum begleiten. Sie haben auch noch viel mehr erzählt, aber ich konnte ihnen nicht immer ganz folgen. Aber, sie versprachen uns: „You will love ‚em live!“. Na dann! Und dann war es endlich soweit, die Herren um die Brüder Gallagher betraten die Bühne und die Menge rastete aus. Während „Rock & Roll Star“ und „Lyla“ war das Ausgeraste besonders extrem und ich versuchte verzweifelt, meine Jacke (Garderobe ist teuer und Schwachfug!) irgendwie um mich zu hängen, ohne dass sie herunterfallen oder nerven könnte. Hat einigermaßen geklappt: sie hat irgendwann nur noch genervt.
Liam
Im Gegensatz zu mir kannte im näheren Umfeld fast jeder sämtliche Texte und sang diese dann auch inbrünstig mit, so dass man den Gesang von Liam (und sporadisch den von Noel) kaum richtig verstehen konnte. Ich kann also noch nicht mal genau sagen, ob Liam sich von seinem Lungen-Ödems-Zeugs erholt hat. Auffällig: beim Superkracher-Balladen-Höhepunkts-Hurra „Wonderwall“ zog er kein einziges Mal die Worte im Refrain (Und jetzt alle: „Caaaaauuuuseee maaaaaybeeeee…!“) lang, die faule Sau. Übermäßig engagiert war er ohnehin nicht3, er war erwartet lässig-arrogant und machte neben dem Singen das, was er am besten kann: Cool sein. Er posierte mehrere Male regungslos vorm Publikum und ließ sich feiern. Cool! Ansprachen haben er und Noel auch ab und zu gehalten, aber immer nur kurz und für mich dort vorne unverständlich. Wahrscheinlich kam oft das böse Wort „fuck“ vor, kann ich aber leider nichts mehr zu sagen. Noel schien übrigens mindestens angetrunken zu sein, ich hoffe jedenfalls, dass er sich nüchtern nicht so oft verspielt wie gestern.

Sagen kann ich nur noch, dass die Setlist ziemlich prima war (sich aber in den letzten Jahren wohl kaum verändert hat, habe ich mir sagen lassen). Von fast allen Alben war etwas dabei und nur wenige Songs wurden vermisst („Little by Little“, „(Get Off Your) High Horse Lady“). Vor allem meine Lieblingssongs von Oasis („The Masterplan“, „Champagne Supernova“) machen live sehr sehr sehr […] sehr viel Spaß. So wurden wir gute 90 Minuten lang gedrückt, geschubst, zerdrückt und soviel geschwitzt wie gestern habe ich das letzte Mal in der Sauna. Abgeschlossen wurde das Konzert traditionell übrigens mit einem, klar, Beatles-Cover von „I Am the Walrus“. Oasis live kann ich also jedem nur empfehlen. Völlig erschöpft machten wir uns anschließend auf den Heimweg nach Krefeld, trafen vor der U-Bahn aber noch die zwei Briten. „How fantastic was that?!“ fragte einer der beiden, während der andere stolz sein gefangenes Plektrum präsentierte: „It took 13 years to get it!“. Mal sehen, ob ich noch vor 2022 ein Plektrum von Oasis ergattern kann. Denn das war sicher nicht mein letzter Konzertbesuch von Oasis.

  1. Sie erzählten, wie sie kürzlich gefragt worden sind, ob „Lemon Tree“ (Fool’s Garden) von Oasis sei. Ich amüsierte mich darüber und musste feststellen, dass ich die komplette erste Strophe vorsingen konnte.
  2. Tomte, Gisbert zu Knyphausen, PeterLicht, Jansen, Kilians, ClickClickDecker, Wir sind Helden und so weiter. Ende der Diskussion.
  3. Mein persönlicher Höhepunkt: üblicherweise erscheint bei der aktuellen Single „I‘m Outta Time“ am Ende ein John Lennon-Sample, auf das Liam auch per Fingerzeig hinweisen wollte. Es kam aber nicht. Und Herr Gallagher trabte sichtlich genervt herum und ich hatte gehofft, er würde nun pöbeln. Tat er aber leider nicht.
    (Nachtrag/Anmerkung: Bitte dazu noch den ersten Kommentar lesen.)
    (Nachtrag²: Hier ab 3:40 zu sehen.