HerrSalami.de - Johannes' Blog. http://uerdinger.blogsport.de Der viertbeste Blog der Welt! Mit Kurzgeschichten und Sachen. Mon, 14 May 2012 18:38:10 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Die dreiteilige Reißzwecke http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/14/die-dreiteilige-reisszwecke/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/14/die-dreiteilige-reisszwecke/#comments Mon, 14 May 2012 17:53:34 +0000 Johannes Floehr Prosa, Gedanken und Unwahres http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/14/die-dreiteilige-reisszwecke/ Neulich wurde ich gefragt, warum ich denn nur albernen Unfug schreiben würde und nicht, zum Beispiel, unalbernen Fug. Mit eben selbigen – und mit Recht! – habe ich mich an einem etwas anderen Text versucht. So mit Romantik (wtf, lol!) und so. Das Werk trägt den sehr guten Titel „Die Reißzwecke“. Hier die erste Version, inklusiver einiger Anspielungen auf jemanden, auf den ich anspiele.

Es war einmal eine handelsübliche Reißzwecke an einem für sie unüblichen Ort. Sie lag auf dem warmen Asphalt einer wenig befahrenen Straße im Osten Schleswig-Holsteins nahe der kleinen Gemeinde Schleinitz an der Potz. Häufig, wenn die Sonne unterging, dachte die kleine Zwecke darüber nach, wie es hätte sein können. Sie hätte bei ihren gutsituierten Freunden in einer Schreibtischschublade aus Teak oder Tropenholz liegen können, doch stattdessen lag sie einsam und nutzlos auf der Straße herum wie [hier bitte passendes Beispiel einfügen]. Das Schicksal macht auch vor Büroartikeln nicht halt. Melancholiefördernd kommt hinzu, dass am Straßenrand Maiskolben wuchsen. Sie tanzen vergnügt und gelb im lauen Wind. Bis schließlich Joseph kam und die Halunken erntete. Joseph war mal Kranführer gewesen, doch nun war er der Maiskolbenmann, der Mais in die Welt hinaus trug. Unsere Reißzwecke wäre gerne wie der Mais. Oder wie Joseph. Weltenbummler und nützlich. Monatelang hoffe sie, der Laster, von dem sie einst fiel, käme irgendwann zurück, um sie einzusammeln. Vergeblich. Hätte sie Tränendrüsen, so würde sie viel weinen. Doch eines Tages, es war ein Mittwoch (oder auch nicht), da kam ein grüner Ford Mondeo vorbei und fuhr unachtsam mit dem linken Vorderreifen über die Reißzwecke. Sie bohrte sich tief ins Profil, wo sie übrigens bis heute steckt. Der Fahrer des Fahrzeugs war zufälligerweise ein afrikanischer König. Und so kam die Reißzwecke dann doch noch in den Genuss, die Welt zu entdecken.

Für eine erste Version ganz gut, dachte ich. Doch dann wollte ich eine „Johannes-Version“ schreiben, die mit allerlei Albernheiten aufwartet und bescheuert ist. Herausgekommen ist folgende, zweite Version:

Es war einmal eine Reißzwecke, die auf einer wenig befahrenen Straße im Disneyland Resort Paris herumlag. In ihrem früheren Leben war die Reißzwecke ein Tannenzapfen gewesen, woran sie sich gut erinnerte, denn sie war Buddhist. Nun war sie traurig. Manchmal kamen Goofy und Minnie Maus vorbei, allerdings nur, um die Reißzwecke neckisch zu kitzeln, nicht um ihr zu helfen. Und so lag sie dann da, die olle Zwecke – ohne, dass sie einen Zweck erfüllte, höhö. Manchmal weinte die Reißzwecke ganz viele Tränen, die sich flink wie Buzz Lightyear in einen reißenden Bach entwickelten, in welchem auch Arielle, die Meerjungfrau gerne nackig badete; übrigens hat Gerüchten zufolge die Seine hier ihren Ursprung. Armes Reißzweckchen. Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass am Straßenrand das Musical „König der Löwen“ probte und die Reißzwecke Musicals scheiße fand. Wäre sie mal lieber ein Teak-Schreibtisch oder Mais oder Kranführer geworden oder so. Doch eines Tages, es war sehr sicher ein Mittwoch, da kam plötzlich eine ganze Fahrzeugkolonne vorbei. Vorneweg natürlich der Papst im Papamobil, dahinter ein fliegender Teppich mit Aladdin drauf, gefolgt von den Flintstones, dem A-Team-Bus, Wolfgang Schäuble, „K.I.T.T.“ aus Knight Rider, dem Mannschaftsbus von Fortuna Düsseldorf, Mary Poppins und abgeschlossen wurde die Parade mit Caspar, Melchior und Balthasar, die auf einem Bobbycar sitzend Aristocats-Witze improvisierten. Die Reißzwecke, gar nicht dumm, nutzte die Gunst der Stunde und pieckste sich in Aladdins Teppich, wo sie noch heute steckt und von wo aus sie die Welt erkundet. Gut für sie, denn im Disneyland ist es ziemlich öde und Goofy stinkt.

Bescheuert, aber vielleicht noch etwas zu lang. Daher schrieb ich auch noch eine dritte, kurze Version:

Es war einmal eine Reißzwecke, die irgendwo herumlag und in die weite Welt hinaus wollte. Doch leider hatte sie AIDS und starb. Schade.

So. Aber welche Version ist nun die beste?

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Wird die EM verschoben? http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/07/wird-die-em-verschoben/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/07/wird-die-em-verschoben/#comments Mon, 07 May 2012 14:52:04 +0000 Johannes Floehr Ichisichisichisich Fußball ist immer noch wichtig http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/07/wird-die-em-verschoben/ Zwar hat Bundestrainer Joachim Löw heute seinen (vorläufigen) Kader für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine bekanntgegeben, doch es kann sein, dass die EM verschoben wird. Nein, nicht wegen der Situation in der Ukraine. Sondern wegen mir. Den folgenden E-Mail-Wechsel habe ich mir nicht ausgedacht, ich habe ihn mit dem DFB vor ein paar Tagen tatsächlich so geführt. Ich schwöre.

Sehr geehrter DFB, Hallöchen Oli Bierhoff, Grüß Göttle Herr Löw.

Mein Name ist Johannes Floehr, ich bin zwanzig Jahre alt und Freund, Fan und Freund der deutschen Nationalmannschaft. Und als solcher freue ich mich natürlich auf die Europameisterschaft. Ich denke, sie wird ganz gut.

Nun habe ich allerdings ein Problem. Ich las auf einer „Internetseite“, dass am Tag des Spiels gegen Niederlande/Holland/diese Orangen (13.6.) auch meine Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ (gemeinsam mit Ilja Budnizkij und Sushi da Slamfish) in Essen stattfindet. Das passt mir und unseren Zuschauern nicht.

Weil unsere (sehr, sehr schönen) Plakate bereits gedruckt sind, möchte ich Sie bitten, dieses Spiel auf einen anderen Tag zu verschieben. Gerne auf Dienstag oder Donnerstag, mir schnuppe. Und gewinnt gegen Holland bitte möglichst zweistellig. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Floehr

PS: Bitte nehmt Gerald Asamoah noch mit zur EM, ich finde den ganz cool.
PPS: Bitte nehmt Kevin Großkreutz nicht mit zur EM, ich finde den nicht so cool.

Einen Tag später erhielt ich bereits eine Antwort:

Hallo Herr Floers,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Wir werden Ihr Anliegen selbstverständlich an Herrn Löw und das Team um die Nationalmannschaft herantragen und Ihre Interessen vor der UEFA-Delegation mit Nachdruck vertreten. Wir können Ihnen allerdings keinen Erfolg versprechen. Wär Ihnen eventuell egholfen wenn die EM um ein Jahr auf 2013 verschoben würde?
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr DFB-Team

Ich antwortete:

Hallo DFB-Team,
Ja.

Grüße,
Johannes Fleurs

Und wieder der DFB:

Hallo.
Na dann schauen wir doch mal was sich da machen lässt. Sollte es zu einer Verlegung kommen, wird Jogi Löw persönlich bei Ihnen vorbei kommen um die Nachricht zu überbringen.
Mfg,
DFB-Team

So. Wisster Bescheid. Und kommt am 16.05. zur Lesebühne in Essen, der wunderbare Torsten Sträter ist dann wieder bei uns zu Gast!

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Vorstellungsgespräch http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/01/vorstellungsgespraech/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/01/vorstellungsgespraech/#comments Tue, 01 May 2012 10:54:34 +0000 Johannes Floehr Politisches Prosa, Gedanken und Unwahres Satiren http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/01/vorstellungsgespraech/ Huiuiui, Vorstellungsgespräch. Ausnahmsweise war ich zu einer einstelligen Uhrzeit aufgestanden, tags zuvor hatte ich mir sogar ein Hemd gebügelt. Also ich würde mich nehmen, so viel stand fest. Selbstbewusst trat ich ein. Ich schüttelte eine wichtige Hand, setzte mich hin und noch vor meinem ersten Wort bot man mir ein Glas Wasser an. Ja, vielen Dank, sehr gerne; sehr gastfreundlich die Leute hier, durchaus! Prost! Und es war ein leckeres Wasser, ein sehr leckeres Wasser. Mjamm, mjamm, mjamm! Ich hatte gerade erst meinen ersten Schluck genommen, da stellte mir mein Gegenüber plötzlich eine Frage, auf die ich nicht vorbereitet war:

„Wer sind Sie denn?“

Hm. Ich dachte ein paar Sekunden nach, weil nicht schon der erste Satz eine Lüge sein sollte. Dann stand ich auf, kratze mich staatsmännisch am Kopf und beantwortete die Frage so gut ich konnte:

„Was bin ich, wer bin ich, wieso, weshalb, warum, fidibum.
Nun: Mein Name ist Johannes und ich bin schwarz. Zudem bin ich Jude. Aber auch: eine Frau. Genauer noch: Ich bin eine Türkin. Ich bin also eine jüdische Afro-Germanin mit zusätzlichem Bonus-Bosporus-Migrationshintergrund – um es ‚korrekt‘ zu sagen und modern zu sein und blablabla. Achso, und ich bin schwul. Und behindert. Und klug. Und sehr, sehr schön. Und, und, und ich sehe, dass sie ein wenig verwundert sind. Zurecht. Das steht so schließlich nicht in meinem Lebenslauf. Da steht nur drin, dass ich ein Praktikum hinter mir habe. Das ist vielleicht auch richtig, aber nicht wichtig. Sehen Sie, ich bin ein kleiner Teil unserer bunten Gesellschaft. Das finde ich gut. Doch als was bin ich hier? Als Mensch. Als Facettenreicher im Facettenreich. Das habe ich wiederum mir nicht ausgesucht. Jetzt bin ich es eben. Bleibe es wohl auch.

Obwohl heute ja so einiges möglich ist, habe ich in naher Zukunft beispielsweise nicht vor, mich zu einem Tier umoperieren zu lassen. Wäre ja auch für uns beide etwas komisch, wenn jemand in Ihren Betrieb käme und dann säße da eine Giraffe im Anzug, hehe. Ganz zu schweigen vom Krawattenproblem, so lange Krawatten gibt es nirgendwo, obwohl manch einer ja gerne mal so ’nen Hals hat, wenn Sie verstehen, was ich meine, hahaha! Kleiner Scherz. Dieser Witz wurde Ihnen präsentiert von: Johannes. Aber ich bin ein wenig abgeschweift, Verzeihung.

Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn Sie mich fragen, was ich bin, dann muss ich Ihnen ehrlich sagen: Alles. Alles ein bisschen. Manchmal fühle ich mich mongoloid, dann wieder wie ein junger Springinsfeld, ja, mönchmöhl föhle öch möch sögahr wie ein Östdoitschör. Kommt alles vor. Dass ich so manisch schizophren bin, liegt vor allem an meinem Geburtsjahr. Einfach nur tolerant sein ist nicht hip genug für Menschen meines Alters! Wir vom Jahrgang 1991 sind postmoderne Toleranz-Faschisten! Wir akzeptieren nicht bloß, wir sind! 2012 ist das Jahr 0 der ehrlichen Akzeptanz. Bis dahin war es ein weiter Weg, aber mal ehrlich: Menschen in Schubladen stecken ist sooo 1933. Einfach nur mit allen schmusen und auskommen ist sooo 1968. Und zu betonen, dass wir doch alle gleich sind, ist auch längst überholt, das muss man nicht mehr sagen. Aber wir sind anders! Für uns sind alle noch mehr als gleich! Wir sind gleicher! Wir sind die erste Generation, die ‚gleich‘ steigern kann! Und wo alle gleicher sind, da muss ich es ihnen gleichtun!

Gleicher unter Gleichen! Mann gleich Frau! Fleischfresser gleich Veganer! Sie gleich ich. Die simple Mathematik einer funktionierenden Gesellschaft! Übrigens gäbe es auch keine Kriege mehr, denn wer kämpft schon gegen sich selbst? Nur Dumme. Und Dumme gibt es unter Gleichen nicht, weil alle dumm, aber eben auch schlau zugleich sind. Gedankenkommunismus, wenn Sie so wollen. Es fände quasi eine Vergesellschaftung des rationalen Denkens statt. Ich weiß, auch das ist ein wenig verwirrend, ich fasse deswegen leicht verständlich zusammen: Einsetzen statt aussetzen. Verstehen statt [hier bitte passendes Verb einfügen]. Und wenn Sie mich nun fragen, wer ich bin, dann muss ich schlussendlich sagen: Ich bin Sie. Ich bin alles. Ich bin jeder.“

So sprach ich und dachte: Ganz großes Kino, also ich würde mich sowasvonaufjedenfall nehmen! Doch nun wurde es spannend. Der Mann mir gegenüber legte seine Hände auf den Tisch und sagte: „Gut, aber ‚jeden‘ nehmen wir hier nicht. Außerdem denke ich, dass Sie für den Job als Zeitungsbote leicht überqualifiziert sind. Sie erzählen viel Unsinn und argumentieren völlig schief. Sie bauen Zusammenhänge, wo keine sind und das mit der Giraffenkrawatte habe ich immer noch nicht verstanden. Sie sind ein Kauz. Ein lügender Kauz. Gehen Sie doch in die Politik oder werden Sie Comedian oder so etwas in der Art. Ich jedenfalls kann Sie hier nicht gebrauchen, tut mir leid.“

Ich erhob mich, trank noch einen letzten Schluck Wasser und ging. Und bis heute vermute ich, dass er mich nur aus einem Grund nicht einstellen wollte: Weil ich schwarz bin.

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Am Gartenzaun http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/19/am-gartenzaun/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/19/am-gartenzaun/#comments Thu, 19 Apr 2012 15:18:18 +0000 Johannes Floehr Ichisichisichisich Kurzgeschichten http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/19/am-gartenzaun/ Auf der Straße, in der ich wohne, ist für gewöhnlich nicht besonders viel los – daher wohl ihr Name „Randstraße“. Und so erklärt sich auch meine ungewohnte Schaulustigkeit: Vor einem kleinen Haus irgendwo zwischen meiner Wohnung und einem Supermarkt standen viele, viele Autos mit fernen Kennzeichen, man versammelte sich chic und lachend in einem Vorgarten. Ich blieb stehen. Hm. Leute, die in dieser Gegend auffällig gut gelaunt sind, sind immer erstmal verdächtig. Rasch wurde jemand auf meine Anwesenheit aufmerksam und meine Blicke schienen zu fragen, was hier denn los sei. Eine Dame erklärte mir, dass hier eine italienische Hochzeit gefeiert würde. Hossa!

Trotz meines Aussehens frug man mich dann: „Wollen Sie mitfeiern? Oder sind Sie ein Nazi?“ und ich verneinte beides. „Also doch Nazi?“, „Nein, nein; aber ich halte nichts von Hochzeiten“ erklärte ich plausibel. Unverständnis hinter dem Gartenzaun. Und als ich schließlich davontrottete, rief mir ein älterer Herr hinterher: „Kommunist!“– womit ich zwar deutlich besser leben kann, aber vielleicht hätte ich einfach einen Grappa mittrinken sollen. Denn so wird das nichts mit der guten Nachbarschaft. Mi scusi!

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Kann Spuren von Restalkohol enthalten http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/10/kann-spuren-von-restalkohol-enthalten/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/10/kann-spuren-von-restalkohol-enthalten/#comments Tue, 10 Apr 2012 11:00:42 +0000 Johannes Floehr Prosa, Gedanken und Unwahres Kurzgeschichten http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/10/kann-spuren-von-restalkohol-enthalten/ Es begab sich, dass eine deutsche Mutter drei Kinder warf. Hintereinander und untenrum nackt. Das Wunder der Geburt entfaltete sich wie eine Ziehharmonika, nur lauter. Beim Pressen wurde ge-ooooht, ge-aaaaht und gepresslufthämmert. Was vollkommen okay ist. Drei Kinder auf einmal, das ist mehr als doppelt so viel wie die durchschnittliche deutsche Durchschnittsmutter im Durchschnitt per Kaiserschnitt auf die Welt schmeißt. Respekt! Ich hätte das aus Gründen nicht gekonnt. Die deutsche Mutter hat mir einiges voraus! Und im kühlen Lampengeflacker des Werner Schulze-Erdel-Hospitals wurde es dann eine wahre Nachwuchstrilogie; eine Drillingsgeburt in drei gleich großen aktentaschengroßen Akten. Die Hebamme, gelernte Kellnerin, nahm die dreiteilige Brut auf einmal auf, legte sie beiseite und wunderte sich währenddessen über den kuriosen Verlauf der Geburt: Getreu der deutschen Tugend „Ordnung“ hatte sich Mutter Natur in Kooperation mit Vater Mammon nämlich etwas überlegt.

So fielen die Filiusse und Filia gemäß ihrer finanziellen Zukunft aus der mütterlichen Mumu heraus. Es ist wie es ist wie es ist wie es ist, es ist folgendermaßen: Das Erstgeborene trägt exklusiv die traurige Last des Erstgeborenen – die anderen nicht. So wurde das erste Kind arm geboren, das zweite so mittel und das dritte reich. Und das Reichste bekam auch als einziges Kind einen Namen geschenkt, weil die Mutter sparen musste. Jüngst verlor sie wegen ihres irrational expandierenden Bauches sogar ihren Arbeitsplatz als menschliches Korrektiv bei „Lafer! Lichter! Lecker!“. Wie inspirierend diese Arbeit für sie gewesen war, zeigt jedoch die Namenswahl für das reichste Kind. Es wurde geschlechtsneutral auf den Namen „Maggi fix & frisch Kartoffelpfanne Mediterran“ getauft.

Was zu ungeahnten Schwierigkeiten im Kindergarten führte. Obwohl die anderen Kinder selbst mehr Bindestriche als Vokale in ihren Vornamen trugen, waren sie kognitiv nicht dazu in der Lage, sich den leckeren Namen zu merken. Dabei hätten sie ihn in jedem gut sortierten Supermarkt nachlesen können. So erhielt Maggi fix & frisch Kartoffelpfanne Mediterran schnell beziehungsweise fix den tollkühnen und toll kurzen Spitznamen „Tütensauce“. Und schwuppdischwabbeldiwuppwupp, ausgestattet mit diesem sehr guten Namen lief es auch gleich viel besser für Tütensauce. Es war ihm nun beispielsweise ein Leichtes, Mitspieler für sein flippiges Traktor-Quartett zu finden und auch sonst entwickelte sich Tütensauce prächtig.

Mit vier Jahren hatte es bereits seinen ersten eigenen Kaufladen. Mit fünf Jahren führte es ein komplettes Kasperletheater. Und mit gerade einmal sechs Jahren untersuchte es als „Dr. Tütensauce“ diverse Kinderkörper auf Herz, Nieren und Kitzeligkeit. Ausgestattet mit diesem runden Teil, an welches so ein an den Ohren endender Schlauch angeschlossen ist – Klugscheißer nennen diese Vorrichtung „Plastik-Stethoskop“ – stellte es verlässlich fest, ob jemand lebte oder eben nicht mehr. Und siehe da! Der ganze Kindergarten lebte! Dank und wegen und mit Tütensauce. Für seine Mutter zurecht ein Grund für das Fühlen von ehrlichem Stolz.

Ebenfalls tröstete es sie darüber hinweg, dass der Spender des Drillingssamens zu dieser Zeit gesellschaftlich einen schweren Stand besaß. Tütensauces Vater hatte ein mittelmäßiges Gedicht über Israel geschrieben und die Leute hatten sich anschließend mächtig darüber aufregt; wahrscheinlich, weil es sich nicht reimte. Immerhin hatte Tütensauce durch ihn ein gewisses Bisschen künstlerisches Talent geerbt. Es malte gern und gut wie ein begabter Schimpanse, manchmal fanden am hauseigenen Kühlschrank Vernissagen statt. Zudem tanzte es wunderbar Ballett. Weswegen Tütensauce in diversen Theaterstücken mitspielen durfte: in „Wilhelm Tell“ spielte es den Apfel, in „Faust“ einen heftigen Luftzug und in „Don Carlos“ einen Baum.

Weniger erfolgreich verlief hingegen leider das Heranwachsen seiner weiterhin namenlosen Geschwister. Ach ja, die waren ja auch noch da, mag der geneigte Textkonsument nun denken. Ähnlich dachten auch die Eltern. Schatten-Geschwister, irgendwie existent, natürlich auch geliebt, aber eben nur im Hintergrund. Sie lernten gerade erst das Lesen und verwechselten dabei ständig O und Q, was mitunter zu lustigen Neologismen wie „Ouoatschkqpp“ führte. Ganz schön arm! Aber man hätte es schon bei der Geburt erkennen können: Reich sein hilft. Und mit dieser nicht sonderlich neuen Erkenntnis endet dieser Text; gewiss jedoch nicht die Geschichte des unglaublichen Maggi fix & frisch Kartoffelpfanne Mediterran. Ein Typ der Meisterklasse! Von ihm wird man noch viel hören! Oder essen, falls er denn irgendwann mal Koch wird. Guten Appetit!

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„Sacksuppe“ live http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/06/sacksuppe-live/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/06/sacksuppe-live/#comments Fri, 06 Apr 2012 15:58:30 +0000 Johannes Floehr Ichisichisichisich Film, Funk, Print und Co. http://uerdinger.blogsport.de/2012/04/06/sacksuppe-live/

(gelesen am 04.04.2012 im Finale des Poetry Slams in Moers)

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Sacksuppe http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/27/sacksuppe/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/27/sacksuppe/#comments Tue, 27 Mar 2012 15:53:25 +0000 Johannes Floehr Prosa, Gedanken und Unwahres Gedichte http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/27/sacksuppe/ Lies diese Zeilen und vergiss sie wieder.
Jeder Text hier ist nur ein Fertiggericht aus Fragmenten,
gut angereichert mit Dingen, die du nicht lesen willst,
verfeinert mit Anspielungen, die du nicht verstehst,
und das Endprodukt ist nur Wortwichse, die dir ins Gesicht spritzt.
Du musst es wegwischen.

Dein Taschentuch ist die Zeit, sie reinigt dich und
lässt dich vergessen und treibt dich zurück auf deine einsame Insel;
wo du unbenommen und weich im Nehmen
die Etikette verfolgst so als wärst du ein Luftballon,
der den Himmel sucht, aber vorher platzt.
Du musst wegschwimmen.

Wir haben nicht grundlos Grenzen auf die Landkarten gemalt,
denn dir dienen die Schranken als Wegweiser;
exakt ebenda erwartet dich Glück, da wo das Fremde gurrt,
wo der Horizont nicht in ein Korsett gezwängt
nach Puste schnappt, sondern weiter geht, weiter, weiter, weg.
Du musst dich ausziehen.

Nicht Kleider machen Leute, sie geben es nur vor;
eine Trainingshose ist pragmatisch, ein Trikot ist pathetisch,
doch beides bist du nicht des Stoffes wegen.
Weil sich auch hinter Lumpen eine Idee verstecken kann,
ist die Optik ein böser Diener der Vorurteile.
Du musst die Augen schließen.

Die Fantasie ist ein Freizeitpark mit Rutschen nur nach oben,
du kannst fliegen, ficken, Fliegen ficken oder den Himmel finden;
den Mut, den du auf der Straße nicht aufbringst,
kannst du dir hier in die Waagschale legen und das
ewige Gleichgewicht der Gesellschaft revolutionieren.
Du musst zur Revolution werden!

Verkörpere die Veränderung!
Baue dir Luftschlösser, die mehr Verstand kosten würden als Miete,
lege deinen Finger in die Wunde und male den Teufel an die Wand,
sonst wird beides ignoriert und todgeschwiegen und die heile Welthülle dehnt sich aus,
fahre aus der Haut, bis du jedes angefressene Gramm Dummheit verlierst,
sei kein Moralapostel, werde ein Jünger der Vernunft,
bewaffne dich mit Toleranz, ziehe aber nicht in den Krieg gegen den Krieg und
lege dich nicht in Ketten, sondern an den Strand, aber passe auf:
die Sonne kann dir nicht nur Wärme geben, sondern auch Hautkrebs.
Niemand will dir etwas Gutes, sonst hätten sie es längst getan.

Mein Tipp für dich ist also folgender:
Creme dich ein mit deiner eigenen (Gedanken-)Pisse,
nur die ist unverfälscht
und frei von fremden Flausen.
Sei lieber dein eigener Idiot als einer von ihnen.

Wenn du jedoch zu faul bist
und lieber ein Luftballon sein willst:
lies auch dann diese Zeilen.
Aber bitte: vergiss sie wieder.
Die nächste Ejakulation kommt bestimmt.

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Polemik und Exkremente http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/26/polemik-und-exkremente/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/26/polemik-und-exkremente/#comments Mon, 26 Mar 2012 14:43:42 +0000 Johannes Floehr Prosa, Gedanken und Unwahres Gedichte http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/26/polemik-und-exkremente/ Etwas Großes leisten.
Sich etwas Großes leisten.
Groß werden im Kopf!
Nicht das Leben imitieren
und mal Pipi in die Augen zaubern,
nicht nur an die Nachbarswand
oder in die Regenrinne.

Und dann groß machen wie
damals auf dem Kinderklo,
das lustige Melodien spielt,
wenn man was abgesetzt hat.
Aktion und Reaktion!
Absatz und Rendite!
Abdrücken muss sich wieder lohnen, Steuern rauf!

Die Abfälle ins Töpfchen,
den Unsinn ins Köpfchen.
„Für Elise“ auf einem Kinderklavier spielen,
mit Elise auf einem Flügel die Welt retten.
Oder wenigstens dort mit ihr schlafen.
Dafür ist die Welt doch da!
Elise auch. Seid furchtbar und belehret euch!

Bitte, da habt ihr jetzt ein Ziel.
Macht etwas daraus,
ich selbst bin leider verhindert,
weil leicht bis schwer geistig behindert,
sonst wäre ich ja kein Autor, rofllolxd.
Aber jetzt ist Schluss.
Ich muss groß.

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„Also, ich würde mich wählen!“ http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/19/also-ich-wuerde-mich-waehlen/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/19/also-ich-wuerde-mich-waehlen/#comments Mon, 19 Mar 2012 22:32:40 +0000 Johannes Floehr Politisches Satiren http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/19/also-ich-wuerde-mich-waehlen/ Bislang war ich lediglich Poet, Moderator und Raucher. Doch dieser Tag wird in die Geschichte meiner Lebensgeschichte eingehen, denn ab sofort bin ich auch: Politiker. Wie es dazu kam und weitere, ehrliche Informationen dazu lesen Sie jetzt in einem Interview mit mir selbst. Verbreitung erwünscht.

„Also, ich würde mich wählen!“

Krefeld. Ein junger Nachwuchsbürger geht in die Politik. Soll er halt. Und soll er halt mal was zu sagen. Unser Redakteur Johannes Floehr traf sich mit Johannes Floehr, um mit ihm über die kommende Landtagswahl, die Ziele der PARTEI und Hannelore Kraft zu sprechen.

Guten Tag, Herr Floehr. Erklären Sie uns doch zunächst einmal, wovon wir hier reden.

Sehr gerne. Das sogenannte „Bundesland“ Nordrhein-Westfalen sucht aus Gründen einen neuen Landtag. Einen zu finden ist allerdings gar nicht so einfach. Weswegen die Partei „Die PARTEI“ für Sie, liebe Demokratinnen und Demokraten, am 13.05.2012 eine Landtagswahl ausrichtet. Wir bitten um Kenntnisnahme. Und Ihre Stimme für die PARTEI. Selbstverständlich sind aber auch andere Partien („Piraten“) und Splittergruppen („FDP“, „CDU“) herzlich dazu eingeladen, sich auf die Wahlzettel drucken zu lassen – wir werden deren Ergebnisse nach der Wahl ganz basisdemokratisch unter „Sonstige“ bekanntgeben. Übrigens: Als erste Partei der ganzen Welt hat die PARTEI am vergangenen Samstag seine Landesliste gewählt. Und auf selbiger steht auch irgendwo mein Name.

Sie sind nun also ein Politiker.

Vielen Dank bzw. Arschloch. Mit Verlaub.

Welchen Listenplatz haben Sie denn ergattern können?

Ich stehe relativ weit hinten, weil die Listenplätze nach der Höhe des Einkommens vergeben worden sind. Absteigend. Die Reichen nach oben, die Armen nach unten. So machen es andere Partien übrigens auch, aber nur wir geben es zu. Man könnte nun sagen, dass es für mich mit einem so „späten“ Platz auf der Landesliste knapp werden würde mit dem Einzug in den Landtag, aber wer Derartiges behauptet, hatte früher definitiv keinen Mathe-Leistungskurs: Denn es genügen bereits etwa 40% der Wählerstimmen, um mich in den nordrhein-westfälischen Landtag zu wählen. Angesichts des Wahlziels der PARTEI, nämlich das Erreichen der absoluten Mehrheit („plus x“), bin ich mir sehr sicher, demnächst in Düsseldorf arbeiten zu dürfen. Wofür ich mich vorab bereits bedanken möchte.

Nicht so voreilig. Noch sind Sie nicht gewählt. Bei der Landtagswahl 2010 erhielt die PARTEI nur rund 0,12% der Zweitstimmen.

Die Statistik lügt, wir glauben nur unseren eigenen. Bei einer vergangenen Kreistagssitzung haben wir beispielsweise ganz spontan gefragt, welche Partei die Anwesenden wählen würden – dass 100% der Befragten für die PARTEI stimmten, spricht für sich. Ich denke also, dass es sich bei den Ergebnissen der letzten Landtagswahl um ein Versehen gehandelt hat. Genau aus diesem Grund geben den Bürgerinnen und Bürgern ja auch nun die Chance, alles wiedergutzumachen.

Erklären Sie unseren Lesern doch einmal, wieso man gerade der PARTEI vertrauen sollte.

Jeder Wähler, der der PARTEI seine Stimme gibt, beweist, dass er Ahnung hat. Wähler der PARTEI haben durchweg Ahnung. Schließlich ist die PARTEI sehr gut. Nehmen wir als Beispiel unseren Landesvater Dr. Mark Benecke. Er ist die Ahnung in Person. Er hat nicht nur einen echten Doktortitel, sondern in seiner nebenberuflichen Tätigkeit als Kriminalbiologe mutmaßliche Knochen Adolf Hitlers untersucht. Er bewies, dass es sich um Fälschungen handelte. Ich hätte das nicht gekonnt. Sie etwa? Oder irgendjemand anders? Ich glaube nein. Nur Dr. Mark Benecke kann das. Er war auch schon einmal bei Markus Lanz, also sind auch die Beziehungen zu schmierigen Halli-Galli-TV-Nasen gegeben. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort: Sollte die PARTEI gewählt werden, bekämen wir es gewiss hin, die Sendung „Wetten dass…?“ – die Älteren werden sich erinnern – für immer in die Mehrzweckhallen Ostdeutschlands zu verbannen. Die endgültige Verbannung der trivialen Samstag-Abend-Unterhaltung aus NRW. Das ist unser Auftrag. Und Tierschutz.

Gut, dass Sie es selbst ansprechen: Tierschutz scheint Ihnen besonders wichtig zu sein. Er kommt auch im Kürzel der „PARTEI“ vor (Anm. der nicht vorhandenen Redaktion: „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“). Erläutern Sie dieses Anliegen doch bitte.

Ich bedanke mich für diese Frage. Korrekt, „Tierschutz“ steht in unserem Namen. Doch das „T“ ist, wie übrigens alle anderen Buchstaben auch, austauschbar. Wir stehen für alles, was uns Mehrheiten bringt. Tiere sind zwar sehr süß und manche Arten sind nicht nur zwischen Fladenbrot sehr schmackhaft. Doch sollte sich herausstellen, dass die Bürger Nordrhein-Westfalens etwas Anderes als wichtiger einstufen, so können wir reagieren. So haben beispielsweise nächtliche Befragungen am Duisburger Hauptbahnhof ergeben, dass die Kernthemen der Leute dort ganz andere sind als etwa in der Universität Münster. Die Befragten in Duisburg ziehen „Titten“ dem „Tierschutz“ vor. Weswegen „PARTEI“ dort für „Partei für Arbeitslosengelderhöhung, Rente mit 30, Titten, Erektionsförderung und kostenlose iPhones“ steht. Wir sind flexibel, wo wie es der Zeitgeist von uns auch verlangt. Wir sind eine Partei neuen Typus. Modern und sehr gut, falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte.

Was halten Sie von Hannelore Kraft?

Sie ist gar nicht so verkehrt. Wenn Sie möchte, kann sie nach unserem Wahlsieg bei der PARTEI anfangen. Ich persönlich bräuchte zum Beispiel noch einen Fahrer für meinen Dienstwagen, da ich keinen Führerschein habe. Frau Kraft darf sich gerne um die Stelle bewerben! Auch SPD-Mitgliedern muss man eine zweite Chance geben, etwas Vernünftiges aus dem eigenen Leben zu machen. Obendrein würde sie dann auch erfahren, wie es ist, bei einer Partei mit auf-, statt absteigenden Mitgliederzahlen zu sein. Das täte ihr vielleicht ganz gut, für das Zählen ihrer Augenringe braucht man ja längst eine beachtliche Truppe von Mathematikern.

Wie viele Mitglieder hat die PARTEI denn derzeit?

In NRW sind es etwa zweitausend. Doch im Land wohnen noch rund achtzehn Millionen Bürger, die wir „Schlaf-Mitglieder“ nennen: Menschen, die in unserer schnelllebigen Gesellschaft einfach noch nicht die Zeit gefunden haben, den Mitgliedsantrag auszufüllen. Man kommt ja zu nix. Das wissen wir, weswegen wir den Bürgern nach der Wahl entgegenkommen wollen und die PARTEI-Mitgliedschaftskarte zur Pflicht werden lassen. So könnte der Bürger rund zehn Minuten Zeit sparen – und gespart werden muss in NRW ja ohnehin, wenn ich mir das milliardenschwere Haushaltsloch so ansehe. Unsere Rechnung ist einfach: Zeit ist Geld, Zeit sparen ist Geld und bei achtzehn Millionen Mal zehn Minuten Zeitersparnis wäre unser Land blitzschnell raus aus den Schulden. Ich weiß nicht, wieso da nicht schon jemand drauf gekommen ist, aber Politiker denken ja generell gerne viel zu kompliziert.

Sie scheinbar nicht. Sprechen wir also nun wieder über Ihre Person. Warum gerade Sie, Herr Floehr?

Sehen Sie, Herr Floehr: Es sind Neuwahlen. Und ich bin quasi noch neu. Erst vor zwanzig Jahren bin ich durch hier nicht weiter wichtige Umstände auf diese Welt gekommen. Seither habe ich keine Scheiße gebaut: Ich leihe mir nichts bei Freunden, fahre mit keinem Dienstwagen in den Urlaub und Weltkriege habe ich auch keine angefangen. Und überdies stand ich noch nie zur Wahl. Niemals (!) hatte der mündige Bürger die Chance, mir seine Stimme zu geben. Nun schon. Das ist neu. Alles an mir ist neu, weil unbekannt. Ich bin die Neuwahl in Person. Das passt. Also, alleine deswegen würde ich mich schon wählen. Außerdem passt mir der Düsseldorfer Landtag als Arbeitsplatz ganz gut, die kneipenreiche Altstadt ist zu Fuß nicht einmal dreißig Minuten entfernt.

Werden Sie doch bitte konkret: Was möchten Sie ändern?

Es gibt so Tage, da habe selbst ich nichts Besseres zu tun, als in die Zeitung zu sehen. Dort lese ich dann, dass Politiker ständig Scheiße bauen. Ich sprach bereits davon: Am laufenden Band machen die Scheiße! Das kann doch nicht sein! Mit mir ist Scheiße nicht zu machen. Ich stehe für Spökes, sprich: Unsinn und Spaß. Es ist nicht auszuschließen, dass ich im Landtag Witze erzählen werde. Wissen Sie, Witze werden zu Unrecht von der Gesellschaft geächtet. Ein guter Witz lockert jede spießige Debatte auf, Witze sind demnach prädestiniert für die Politik. Auch PHOENIX hätte sicher höhere Einschaltquoten, wenn Wolfgang Schäuble statt Sudoku zu spielen ein gutes Witzebuch lesen würde. Ein Beispiel: Kennen Sie den Witz mit dem Laubfrosch, der beim Frauenarzt zufällig Hannelore Kraft trifft?

Nein, den kenne ich leider nicht.

Dann wissen Sie ja, welcher Partei Sie am 13.05. Ihre Stimme geben müssen. Und ich denke, Ihre Leser wissen das auch.

Potzblitz, Sie haben mich überzeugt! Ich bedanke mich für das Gespräch.

Liebe Bürger in NRW! Wählen Sie am 13.05. die PARTEI! Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Tagespresse, wir werden in Kürze ein paar Pressemitteilungen herumschicken. Vielen Dank.

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Klein, aber oh oh! http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/16/klein-aber-oh-oh/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/16/klein-aber-oh-oh/#comments Fri, 16 Mar 2012 03:37:39 +0000 Johannes Floehr Satiren http://uerdinger.blogsport.de/2012/03/16/klein-aber-oh-oh/ Kinder. Ich habe ja nichts generell gegen sie. Ich war ja auch mal eins! Hey, Überraschung! Ich war zwar kein sonderlich schönes, intelligentes, sportliches oder beliebtes. Aber manche Dinge ändern sich eben! Oder eben nicht. Das soll jetzt hier jetzt aber nicht das Problem sein. Das liegt woanders: Kinder sehen immer nur das Gute im Menschen. Sie lachen ständig grundlos und nehmen einfach alles so hin. Das geht mir tierisch auf die Klötze. Naiv sein, es aber noch nicht mehr schreiben können. Das ist so dreist. Das Wort „Satansbraten“ reicht da gar nicht als Umschreibung.

Kinder sind viel mehr so Teufel-ChickenMcNuggets oder Gummibaumhirnbärchen oder so. So kleine, weichgeklopfte Mini-Dingerchen. Und alles wirklich Relevante ist denen egal. Kinder denken nicht nach, interessieren sich für nix und die gehen nicht mal zur Bundestagswahl. Scheiß Nichtwähler, ist doch wahr, dass es sowas heute immer noch gibt. Inzwischen weiß doch jeder Thünnes, dass Nichtwählen die radikalen Partien unterstützt! Alle wissen das! Nur Kinder nicht. Diese Nazis aus Versehen. Die juckt das gar nicht, bei denen jucken nur die Windpocken. Das reicht heutzutage.

Wie viele Kinder sitzen denn im Bundestag? Okay, schlechtes Beispiel, aber wenn man nach dem Alter geht, dann null. Aber wie viele Kinder haben denn Nobelpreise und Integrationsbambis gewonnen, na? NULL! In wie vielen Kindergärten spricht man denn über den neuen Bundespräsidenten oder die Eurokrise? In keinem! Das ist doch ein riesiger Skandal, über zwanzig Millionen Kinder und alle faul! Und wir fördern das ja auch unentwegt. Wenn der eigene Filius es geschafft hat, ein verschissenes Mandala mit Wachsmalkreide auszumalen, dann sind wir voll des Lobes und tätscheln dem kleinen van Gogh auf den Kopf und sagen ei, ei, fein hast du da die Blume lila gemalt, feiin. Das kann doch nicht seiin.

Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch ich will keine Kinderarbeit, aber so ein bisschen könnten die doch mal tun für unsere Gesellschaft! Wollense aber nicht. Immer nur schön Halligalli und Trallafitti und Konfetti und Hotel Zack & Cody und wie die ganze Kacke heißt, die auf i und y endet. Handy. RTL zweii. Oder: Filly. Das sind so kleine, Arschloch-Pferdchen. Zum Sammeln. Die können nix, man kann die nur streicheln und die sehen dann nett aus. In 2012 wohl das passende Kinderspielzeug. Statt den SPIEGEL lesen Kinder nur Wendy, das lustige Hoppehoppereiter-Journal.

Aber Zügel in die Hand nehmen hat mehrere Bedeutungen, liebe Kinder! Bildet euch doch mal. Das wäre mir fürs Erste genug, dann muss ich mit euch nicht immer über Playstation und Ponys reden. Hüa, galoppiert mal Richtung Einsicht! Aber nein! Kinder gehen nicht in die Oper oder ins Theater, die gucken nur den ach so lustigen Kasperle. Und der fragt dann: „Seid ihr alle da?“ JA, VERDAMMT! SIND SIE! Leider. Einfach gestrickt wie eine Tischdecke und genauso intelligent. Da hab ich keinen Bock mehr drauf! Da muss man doch mal was tun! Was verändern! Schnitt.

Wir, als Gesellschaft, wir müssen kleine Menschen so früh es geht auf unsere große Welt vorbereiten. Mit all seinen Tücken und Hindernissen. Deswegen habe ich mir etwas überlegt. Obacht! Jedes Kind liebt Überraschungs-Eier. Wegen der lustigen Figuren. Wie wäre es, wenn jedem siebten Ei liegt eine Figur beilegen würde, die auf soziale Missstände und doofe Sachen hinweist? Ich denke da etwa an Sextourismus-Happy Hippos. Oder bayrische Kindesmissbrauch-Bärchen. Oder iranische Massenvernichtungswaffen-Kätzchen, ganz süüüß und putzig, aber auf einer Atombombe sitzend. Das hätte dann wenigstens einen Realitätsbezug ohne all das Heile-Welt-Gedöns.

Und wäre auch aus pädagogischer Sicht nicht gefährlich. Die Generation meines Großvaters hat mit martialischen Zinnsoldaten gespielt und hat es ihnen geschadet? Gut, zugegeben, sie haben Hitler gewählt und einen Weltkrieg angefangen, aber sonst? Eben. Alles nette Menschen. Opas sind immer nette Menschen. Und ich will, dass auch aus den heutigen Kindern mal nette Omas und Opas werden! Wenn in ein paar Jahren schon halb Deutschland über fünfzig Jahre alt ist, dann sollen diese Leute auch bitteschön nett sein! Sonst drehe ich noch komplett durch und das will doch keiner.

Ich habe meinen Ü-Ei-Figuren-Vorschlag übrigens an Ferrero geschickt. Kein Scheiß. Aber auch keine Antwort. Vielleicht hält man meine Idee für Ironie. Oder für bescheuert. Beides ist im Bereich des Möglichen. Und liegt wie so vieles: im Auge und Alter des Betrachters.

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