HerrSalami.de - Johannes' Blog. http://uerdinger.blogsport.de Versammelte Werke der Klientelliteratur Tue, 15 Jan 2013 11:35:40 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Guten Tach! http://uerdinger.blogsport.de/2012/07/19/guten-tach/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/07/19/guten-tach/#comments Thu, 19 Jul 2012 10:46:08 +0000 Johannes Floehr Ichisichisichisich http://uerdinger.blogsport.de/2012/07/19/guten-tach/ HerrSalami.de ist umgezogen! Aus Versehen!

Bitte hier klicken:
http://herrsalami.wordpress.com/

Danke!
Gruß!
Tärä!

Johannes Floehr

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/07/19/guten-tach/feed/
Die größte Scheiße http://uerdinger.blogsport.de/2012/07/19/die-groesste-scheisse/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/07/19/die-groesste-scheisse/#comments Thu, 19 Jul 2012 10:41:53 +0000 Johannes Floehr Gedichte http://uerdinger.blogsport.de/2012/07/19/die-groesste-scheisse/ Panik in den Straßen Londons.
Panik in den Straßen Birminghams.
In unseren Köpfen spielt das Panik-Orchester
einen Walzer, zu dem man nicht tanzen kann.

Und ich
ich bin nur ein altkluger Fläz,
ein Kritiker ohne Plattform
ganz platt vom
Auflegen der immer gleichen Platte:
Ja, die Welt ist schlecht.
Ja, der Mensch ist scheiße.

Aber Gesellschaft ist toll.
Wenn nur all die Leute nicht wären.
Also möchte ich mich
gegen das Vermehren wehren:
Fickt euch! Aber verhütet.
Weniger sind mehr, bitte sehr.

„Aber, aber, ist Misanthropie nicht total unsympathisch?“
Gerne, von mir aus. Außerdem:
Wenn irgendwer wieder mal für irgendwas die Todesstrafe fordert.
Wenn Homosexuelle nicht gleichberechtigt heiraten dürfen.
Wenn naive Menschen nicht an die Hand,
sondern ins Nachmittagsfernsehen genommen werden.
Dann finde ich das total unsympathisch.

Aber ja:
Vor dem Gesetz sind wir alle gleich!
Am Geldautomaten nicht, da ist der
Erste arm, der Zweite so mittel und der Dritte reich!
Die Schere für den Schnitt schließen.
Ist das zu schwierig oder ich zu naiv?
Ich geh kaputt, wer geht mit?

Aber Achtung, ich
ich bin ja nur ein altkluger Fläz,
ein Kritiker ohne Plattform
ganz platt vom
Auflegen der immer gleichen Platte:
Ja, die Welt ist schlecht.
Ja, der Mensch ist scheiße.

Es ist diese kleinbürgerliche Larmoyanz:
„Ooooh, wir haben nix zu sagen“,
da bittet der Müßiggang zum Tanz,
da kommt das System zum Tragen.

Der Staat fickt als Rabenvater wild
durch die Gegend der Länder,
hinterlässt den Samen der Lobbyisten,
freches Gewichse, zugunsten der Spender;
ich glaube ja, es wehrt sich nur deswegen
keiner gegen Korruption, weil es
kaum jemand fehlerfrei schreiben kann.
K, O, R, R, U, P, T, I, O, N.
Bitte sehr, die Rechnung folgt.

Aber nein, auch ich weiß es nicht besser.
Ich habe nur längst das Hoffen aufgegeben,
dass jemand anderes es tut.
Ich bin müde.
Mit zwanzig Jahren.
Gesellschaftskritik ist älter,
so alt wie der Mensch an sich.
Alter Tattergreis Gesellschaftskritik.

Und ich
ich bin nur ein altkluger Fläz,
ein Kritiker ohne Plattform
ganz platt vom
Auflegen der immer gleichen Platte:
Ja, die Welt ist schlecht.
Ja, der Mensch ist scheiße.

Schuld haben jedoch immer nur die anderen.
Wirf den Leuten Dummheit vor,
niemand wird sich angesprochen fühlen.
Das Problem liegt nicht auf der Straße.
Es geht darauf spazieren.

So denke und lenke ich den
Seifenblasengedankenwagen strikt
den Berg hinauf und die die das Keifen wagen
nehm‘ ich gern in Kauf;
Sympathie ist nicht mein Ziel.

Doch: Obacht!
Es folgt völlig sinnlos eine Auswahl der schönsten
in diesem Text enthaltenen Zweckreime:
wären/wehren, mehr/sehr, gleich/reich,
sagen/tragen, hinauf/kauf.

Und von mir aus kann das das Einzige sein,
was irgendwer von diesem Text mit nimmt.
Da, Zweckreime! Interesse an „mehr/sehr“?
Nehmt es euch! Hurra!

Vielleicht kann ich nicht gut reimen
und mache es trotzdem. Na und?
Ich kenne viele, die können nicht leben
und machen es trotzdem.
Was ist nun schlimmer?
Was möchte uns der Autor mit
diesen Zeilen sagen?
Und kommt jetzt wieder dieser Refrain?
Ja:

Und ich
ich bin nur ein altkluger Fläz,
ein Kritiker ohne Plattform
ganz platt vom
Auflegen der immer gleichen Platte:
Ja, die Welt ist schlecht.
Ja, der Mensch ist scheiße.

Aber wer hört schon gern alte Platten?
Und jetzt: Fresse.

(Dieser Text enthält vier Zeilen aus sehr guten Songs von The Smiths und PeterLicht. Wer sie findet, hat einen guten Musikgeschmack.)

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/07/19/die-groesste-scheisse/feed/
Kurzgeschichten in 140 Zeichen http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/26/kurzgeschichten-in-140-zeichen/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/26/kurzgeschichten-in-140-zeichen/#comments Tue, 26 Jun 2012 16:07:58 +0000 Johannes Floehr Ichisichisichisich http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/26/kurzgeschichten-in-140-zeichen/ Die Initiative „Bamberg liest“ hat gute Ideen. Zum Beispiel die der „Bierdeckelgeschichten“: Autoren dürfen Kürzestgeschichten (maximale Länge: 140 Zeichen!) einreichen und am Ende entscheiden Besucher der Seite und eine „Fach“-Jury, welche dreißig Geschichten auf Bierdeckel gedruckt werden. Auf! Bierdeckel! Ich möchte also alle Leser dieser Zeilen freundlich dazu zwingen, auf besagter Seite nach meinen Beiträgen zu suchen und vielleicht auch auf das kleine Herzchen darunter zu klicken. Klingt narzisstisch, aber: Bierdeckel! Der eigene Name! Auf Bierdeckeln! Das wäre doch ziemlich dufte. Ich würde zwecks diverser Jubel-Autokorsi sogar darüber nachdenken, den Führerschein nachzumachen. Vielleicht.

Aber hier lieber erstmal meine Beiträge:

„Panik in den Straßen Londons.
Panik in den Straßen Birminghams.
Und ich hocke hier in einer Pinte.
Ich hätte niemals Polizist werden dürfen.“

„Hier könnte Ihre Steuererklärung stehen.
Oder Ihre Lebensgeschichte.
Oder natürlich: Ihr Bier. Prost.“

„Er stand vor dem Eingang eines Tanzcafés, las das Plakat:
‚Ü50 – Auch altes Eisen lässt sich biegen‘.
Und tatsächlich: Er bog hinein.“

„Der feine Gast hob den Finger: ‚Noch zwei, bitte!‘
Seiner Bestellung wurde rasch nachgegangen.
Weitere Millionen landeten auf seinem Konto.“

„Mit dem Paket in der Hand stand er vor den Klingelschildern.
Und fand heraus:
In einem Hochhaus sollte man nicht ‚Licht‘ heißen.“

Stolz schwenkte er die Fahne und fuhr ein paar Runden im Kreis. Einzelne Menschen jubelten ihm zu. Der Vatikan war Europameister geworden.

Nachzulesen allesamt bei den Bierdeckelgeschichten. Tolle Sache, das.

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/26/kurzgeschichten-in-140-zeichen/feed/
Ich selbst? Zweifel http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/24/ich-selbst-zweifel/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/24/ich-selbst-zweifel/#comments Sun, 24 Jun 2012 14:55:57 +0000 Johannes Floehr Uneinsortierbares http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/24/ich-selbst-zweifel/ Alles lief geschmiert wie ein leckeres Butterbrot. Aber dann! Da schrieb ich einen neuen Text und gleich der erste Satz enthielt einen peinlichen Vergleich, der an Dilettantismus kaum zu unterbieten war. Verdammt! Es blieb nur zu hoffen, dass doch nicht nur der erste Eindruck zählen würde. Und falls er es doch tut? Doppel-Verdammt! Spontan kam Herr Selbstzweifel vorbei, machte in meinem Kopf Klingelmännchen und sprang dann lachend hinfort, wie er es immer tat. Man ist immer nur so gut, wie es die Zweifel zulassen. Herr Selbstzweifel hinterließ mir unnetterweise ein paar Fragen; wobei „ein Paar Fragen“ falsch ist, denn es waren nicht zwei, sondern drei, hahaha, sehr witzig. Und ich frug mich fragend folgende Fragen:

Bin ich ein eigentlich ein Autor? Joa.
Mache ich Kunst? Joa.
Stelle ich mir rhetorische Fragen, die ich mir dann selbst beantworte? Triple-Joa!

Insgeheim jedoch bin ich sehr, sehr gut und finde das auch von Zeit zu Zeit. Manchmal schmeiße ich mir selbst ein bisschen Geld in meinen Spendenhut, so gut gefalle ich mir an manchen Tagen! Schade, dass man davon nicht leben kann. Ich lande stets bei plus/minus null. Aber im Minus war ich noch nie! Solides Wirtschaften! Guckt mal, diverse Länder, so macht man das! Vielleicht.

Tauge ich als Vorbild? Eher nein.
Tauge ich überhaupt? Das Kreiswehrersatzamt Mönchengladbach sagte: nein.
Und kann ich eigentlich rappen? Ach du Scheiße, man ahnt, was nun kommt.

Yo! Yo! Yo! Johannes Floehr tut jetzt Rhymes verteilen,
No! No! No! Keine Sorge, es sind nur dreizehn Zeilen.

Obacht, Obacht! Jetzt gibt es Floehr ins Gehör!
Obacht, Obacht! Delikat wie Eier vom Stör!
Obacht, Obacht! Reimen macht voll Bock, yoah!
Obacht, Obacht! Ein Gedicht ist eine Brücke und du gehst drü-boah.

Und ich bin so Floehr, flüster‘ dir Unsinn ins Öhrchen,
bin ungesund wie Nutellatoast, tu mal lieber die Möhrchen.
Ich bin so Floehr, bin nicht bloß einer von vielen,
ich bin so Floehr, ich kann mit einem Auge schielen,
ich bin so Floehr, ein Maleur ganz eigener Coleur, gehe nie zum Frisör
und ich schwör‘: ich kenne so viele Reime auf meinen Namen,
ich könnt‘ locker fünf Minuten damit füllen!

Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es Gesetze gibt, die das verhindern. Mindestens ungeschriebene. Meinungsfreiheit ja, aber doch bitte nicht, wenn man sie so missbraucht! Die Kunst darf alles, sonst liefe sie im Privatfernsehen. Und im Radio läuft das, was der Computer den Hörern zumuten möchte. Ist alles, was der Masse nicht gefällt, Scheiße? Falls ja, fordere ich: Mehr Mut zu Scheiße! Einheitsbrei schmeckt nun mal nicht jedem, mir bereitet er Verstopfungen. Ich probiere statt Schnitzel „Wiener Art“ mit Pommes gerne auch mal eine Portion Gummibärchen in Aspik mit frittierten Schokoriegeln. Wird wohl nicht schmecken, aber probieren? Gerne!

Ausprobieren ist kreativ und gesund; dumm nur, dass dieses komische Schreiben und noch komischere Auftreten die meiste Zeit frisst. Meine Freundin droht mir regelmäßig damit, sich selbst das Luftventil zu ziehen und meine Freunde sagen schon: „Geh doch mal wieder mit uns ins in der Pinte versacken! Lass uns Fußball spielen, im Matsch, draußen, so wie früher, als wir dich immer ausgelacht haben, weil du ein Uerdingen-Trikot trugst und wir eins von Real Madrid! Oder lass uns generell mal wieder Minuten teilen, sonst kannst du dir auch wieder neue Freunde ausdenken!“

Und exakt so ist das. Was nur ausgedacht ist, kann ganz schnell wieder verschwinden. So ist das mit der guten, alten Fantasie! Eine ganz neue Erkenntnis, ich weiß. Eine mit vielen Nach-, aber noch mehr Vorteilen. Wenn man etwa die Augen zumacht, ist man der Held mit viel Geld und nicht mehr der letzte Rest vom Schützenfest. Deswegen schlafe ich so gerne. In meinen Träumen bin ich anerkannt, ein richtig dufter Typ und so bekannt, dass mich die BILD nach meiner „unentgeltlichen“ Meinung fragt. Und bin dann mal mutig und antworte das, was mein geschätzter Kollege Christian Gottschalk schon sagte:

„Ihre Meinung zu BILD, Johannes Floehr?“
„Fickt euch ins Knie und sterbt, ihr Wichser!“

Aber wenn meine Augen offen sind, dann werde ich höchstens gefragt, ob ich bitte aufhören, gehen oder wenigstens erklären könnte. Und das ist kein Understatement, sondern eben der Herr Selbstzweifel, der regelmäßig dazu führt, dass Textanfänge und Ideen sterben. „Das was du da machen willst, das klappt doch niemals!“, sagt er mir und weil ich insgeheim dümmer bin als ich mir eingestehe, glaube ich es ihm. Ich frage mich, ob ich ein Autor bin und er sagt: nein. Ich frage mich, ob ich Kunst mache und er schüttelt nur hämisch mit dem Kopf.

Nur in seltenen, klaren Momenten scheiße ich auf ihn und sage: Ist doch vollkommen egal. Denn, wie vielleicht schon erwähnt, bin ich eigentlich ganz prima und wenigstens ich selbst. Und nicht nur ausgedacht. Eigentlich müsste ich daraus häufiger Kraft schöpfen können. Wenn also Herr Selbstzweifel das nächste Mal erscheint, dann werde ich keinen Respekt vor ihm haben, sondern nur vor mir, um ihm Folgendes ins Ohr zu hauchen:

Ich bin so Floehr, flüster‘ dir unentgeltlich meine Meinung ins Ohr:
fick dich einfach ganz doll ins Knie und komm nie wieder vor.

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/24/ich-selbst-zweifel/feed/
Der Sinn von Träumen kann doch nicht nur sein, dass man sich beim Schlaf nicht langweilt http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/12/der-sinn-von-traeumen-kann-doch-nicht-nur-sein-dass-man-sich-beim-schlaf-nicht-langweilt/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/12/der-sinn-von-traeumen-kann-doch-nicht-nur-sein-dass-man-sich-beim-schlaf-nicht-langweilt/#comments Tue, 12 Jun 2012 21:07:46 +0000 Johannes Floehr Kurzgeschichten http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/12/der-sinn-von-traeumen-kann-doch-nicht-nur-sein-dass-man-sich-beim-schlaf-nicht-langweilt/ Neulich, da träumte ich von geistiger Umnachtung. Jeder tat Dummes. Chaos in allen Gassen. Jeder hier könnte ein „I’m with stupid“-Shirt tragen und bei niemandem ginge es als Ironie durch. Und für gewöhnlich bin ich ja ein recht gehässiger Kauz. Dumme Menschen, ts. Eigentlich ein gefundenes Fressen für mich, ich habe häufig Hunger auf Häme. Sich erheben und besser fühlen: Manchmal voll okay! Und nirgendwo wird es einem leichter gemacht als hier. Ein wahres All-You-Can-Diss-Mekka. Aber mir ging das Irren der Alptraummenschen tatsächlich sehr nah. Ausnahmsweise. So hatte ich regelrecht Unterhautausschlag, als ich sah, wie einige Menschen panisch Straßenlaternen hinauf zu klettern versuchten. Sie wollten Wolken essen, vermute ich. Besser wussten sie es nicht, vermute ich ebenfalls. Überhaupt: Keiner wusste irgendwas, alle wussten nix; was war, was ist und wofür das hier alles hingestellt worden ist und weshalb. Ein großer, hilfloser Haufen Mensch. Körper-Klumpatsch. Mit Antwortpanik und Unwissenheitstourette; auf der erfolglosen Suche nach der Ausfahrt aus der Irrfahrt. Hier konnte man Fragezeichen in den Köpfen nicht nur fühlen, sondern auch sehen. Ich bin mir sicher, [hier bitte beliebigen, als außergewöhnlich dumm geltenden Prominenten einsetzen] wäre hier bereits als Baby Bürgermeister, Bundestrainer und Nobelpreisträger geworden. Doch dumm ist nicht der, der Dummes tut, sondern der, der nichts gegen Dummes tut. So hielt ich es ausnahmsweise für meinen Traumjob, den Gestalten hier zu helfen.

Besonders bedürftig erschien mir eine ältere Dame mit grünem Seidentuch um den Kopf. Sie ging die Straße immer wieder auf und ab, planlos und mit den kleinen Händen an den Kopf geklammert, so als würde sie hoffen, es käme ihr durch Händedruck eine Antwort. „Kann ich Ihnen helfen? Wollen Sie irgendwo hin?“, frug ich sie. „Nach Hause! Nach Hause!“, wimmerte mir die Frau entgegen. Sie zeigte mit Armen und Beinen in alle Himmelsrichtungen gleichzeitig, es wirkte wie ein tragischer Tanz. Erst jetzt fiel mir ihr ungewöhnliches Äußeres auf. Ihre Zähne waren so orange wie etwas, das sehr orange ist (z.B. eine Orange). Und ihre Augen waren sehr, sehr groß. Wäre ich Journalist, so müsste ich ausrechnen, wie häufig das Saarland oder Fußballfelder hineinpassten. Stattdessen frug ich weiter: „Wo ist denn Ihr Zuhause? Können Sie mir einen Straßennamen nennen?“, „Nein, nein! Weiß nix! Dahinten!“. Sie lief Richtung Norden. „Nein, dahinten nix, dort hinten!“, sie lief Richtung Süden. Ihre nackten Füße klapperten auf dem Asphalt hin und her. Ich lief ihr nach, um sie zu fragen, was sich denn Markantes in der Nähe ihrer Wohnung befände. Vielleicht könnte ich ihr ja doch noch helfen. Sie antwortete: „Mein Mann“. Ich blieb regungslos stehen und konnte nur noch hinterher sehen, wie sie breitbeinig auf eine Straßenlaterne sprang.

Ein paar Vögel zwitscherten ein Lied, vielleicht Mozart. Vielleicht improvisiert. Vielleicht aber auch egal. Ein dürrer Mann im Unterhemd fiel vor meine Füße. Er schwitzte stark wie ein Marathonläufer nach dem Zieleinlauf. „Wie spät ist es, wie spät ist es?“, keuchte er mich an und ich antwortete ihm wahrheitsgemäß: „Drei Uhr in der Nacht“. „Und warum? Warum ist es drei Uhr in der Nacht? Warum nicht Nachmittag? Warum? Warum? Waruhuhuhuhum?“. „Tut mir leid, das weiß ich nicht“. „Das höre ich immer, keiner hier weiß etwas!“. Nun veränderte sich seine Stimme, als hätte man seine Zunge ausgetauscht oder seine Stimmbänder geölt: „Aber ich stelle mich erstmal vor, wenn du schon von mir träumst. Hallöchen, ich bin hier gewissermaßen so etwas wie dein Gewissen. Der Geist der vergangenen Diffamierungen, oder so. Ich muss jetzt auftauchen, denn gleich wachst du auf. Und ohne Moral wäre so ein Traum ja ganz schön sinnlos, nicht wahr? Träume sind schließlich nicht nur dafür da, dass man sich beim Schlaf nicht langweilt. Achso, mein Name ist übrigens Kevin“, er reichte mir seine linke Hand. Ich schüttelte sie. Was sollte ich auch sonst tun.

Er fuhr fort: „Übrigens heißen hier alle Kevin. Sogar einige Frauen. Die anderen heißen Chantal. Und weißt du, wieso wir hier so heißen? Weil man dir erfolgreich eingeredet hat, dass dumme Menschen so heißen. Du bist aber nicht nur schuld an unseren Namen, sondern auch an unserer Existenz. Diese ganzen Vorurteile, die du mit dir herumschleppst. Deine Verachtung für vermeintlich weniger Gebildete. Deine politische Inkorrektheit. All das paart sich und ergibt eben diese Bastarde, die du hier nun herumpurzeln siehst. Dieser Traum hier war ein Test, du hast ihn bestanden. Zwinker, zwinker! Du hast aber hoffentlich gesehen, dass deine uncoole Art langfristig eher zu einem gesellschaftlichen Alptraum führt. Merke: Nett sein belohnt dich, Arschloch sein lohnt nich‘. Also, du weißt, was zu tun ist. Wache nun auf und sei erleuchtet. Keine Ursache, Adieu mit ö.“

Ich tötete ihn. Und tatsächlich, dann ich wachte auf. Noch im Schlafanzug verpackt rannte ich auf die Straße, kletterte auf eine Straßenlaterne und versuchte, Wolken zu essen.

[der Titel des Textes ist angelehnt an einen Spruch des sehr guten Komiker-Duos Katz & Goldt, erwerbt das dazugehörige T-Shirt bitte hier.]

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/12/der-sinn-von-traeumen-kann-doch-nicht-nur-sein-dass-man-sich-beim-schlaf-nicht-langweilt/feed/
Interview zur Lesebühne http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/04/interview-zur-lesebuehne/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/04/interview-zur-lesebuehne/#comments Mon, 04 Jun 2012 09:34:28 +0000 Johannes Floehr Ichisichisichisich http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/04/interview-zur-lesebuehne/

Ich habe dem Essener Magazin „Off Guide“ ein Interview zu unserer Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ gegeben. Also tappst bitte kollektiv nach Essen, um euch die Off Guide-Ausgabe 06/12 zu sichern – oder lest die Fragen und Antworten nun hier.

Auf einer Lesebühne der etwas anderen Art im Essener Kunst & Kultur Cafe (KKC) verbünden sich seit neuestem zwei „Ossis“ Ilja Budnizkij, Sascha Matesic (aka Sushi da Slamfish) und „Quotendeutscher“ Johannes Floehr einmal im Monat um mit geballter Wortspielerei zu begeistern.

Live on Stage improvisieren „Zwei Ossis und ihr Johannes“ eine skurrile Mischung aus Prosa, Storyboard, Gedicht, Musik und Performance. Wechselnde Gäste, wie z.B. Horror- und Comedy Schriftsteller Thorsten Sträter (trat mit 41 Jahren erstmals auf die Poetry-Slam-Bühne und gewinnt seither Wettbewerb um Wettbewerb) setzen das i-Tüpfelchen auf die Veranstaltung. DJ Cutoon (High Five Disco, Supakool, Soundsystem, Beatplantation) setzt den Kontrapunkt mit Hip Hop, Breaks, Funk, Dubstep und Elektro.

Wir trafen Johannes Floehr zum Gespräch in der Sonne … mit einem Poeten, der gleichzeitig zart und hart sein kann …

Off-Guide: Vielseitiger als die „Lesebühne” kann eine Bühnenshow kaum sein, oder? Wie haben „Zwei Ossis und ihr Johannes” zueinander gefunden?

Johannes Floehr: Eigentlich passen wir gar nicht zusammen, das stimmt. Wir sind sehr unterschiedliche Käuze, jeder mit seiner ganz eigenen Biografie. Und offensichtlich auch mit ähnlichen kleinen, positiven Dellen im Kopp. Sushi da Slamfish macht seit dreizehn Jahren Poetry Slam-Gedöns, Ilja hat russlandgroße Theater- und Radioerfahrung und ich bin der junge, forsche Springinsfeld. Das passt. Wir kannten uns durch viele gemeinsame Slams und stellten fest, dass unsere Ideen gut zusammenpassen. Oder, um es anders zu sagen: Ilja ist der Kaviar, Sushi die gefüllte Paprika und ich das gemäß dem deutschen Reinheitsgebot gebraute Pils. Alles sehr lecker. Auch und gerade zusammen.

Als Moderatoren und Veranstalter regionaler Poetry Slams, wie z.B. in der Essener HeldenBar seid Ihr in der Szene längst keine Unbekannten mehr. Was genau war die Initialzündung für ein weiteres Projekt?

Wir hatten einfach das Gefühl, dass es passt mit uns dreien. Die Idee einer Lesebühne hatten wir alle schon länger im Sinn. Dann haben wir uns gesucht, gefunden und das alles zurecht und glücklicherweise. Gegenseitig profitieren wir jetzt von unseren unterschiedlichen Charakteren und Schreibstilen, entwickeln uns weiter. Davon haben wir etwas, davon hat der Zuschauer etwas. Eine SS-Situation (Sieg/Sieg-Situation) für alle! Außerdem bietet uns eine Lesebühne auch die Möglichkeit, Kollegen, die wir sehr schätzen, als Gäste einladen zu können. So gab zum Beispiel MC Rene, der ja mit seinem Bahncard 100-Buch derzeit omnipräsent durch deutsche Landen düst, auf unserer Bühne sein literarisches Debüt.

Slam Poetry, Lesebühnen, Kabarett- und Comedyprogramme entstehen selten spontan – warum liegt der Fokus bei „Zwei Ossis und ihr Johannes” auf der Improvisation?

Wir improvisieren ja nicht ausnahmslos, es gibt stets einen roten Faden. Der allerdings auch mal reißen darf und sogar: muss. Nur Text auf Text auf Text würde nicht funktionieren. Schließlich sind wir nicht Günter Grass. Und unsere Gedichte reimen sich sogar meistens. Abgesehen davon macht Improvisation selbstredend am meisten Spaß. Es steht für das Unerwartete für alle Beteiligten. Natürlich geht dadurch ab und an mal etwas in die Hose. Was man uns aber gewiss nicht übelnehmen kann, weil wir extrem dufte Typen sind. Und bescheiden.

Im Gegensatz zum Poetry Slams kommen „Zwei Ossis und Johannes” ohne Wettbewerbs-Charakter aus …
scheut Ihr den Vergleich? Oder habt Ihr einfach keine Lust auf noch mehr Stress und Leistungsdruck?

Essen hat bereits drei monatliche Poetry Slams, allerdings gab es vor uns keine Lesebühne hier. In diese Lücke haben wir uns gequetscht. Jetzt quetschen wir uns zusätzlich gegenseitig aus, damit die bestmöglichen Texte entstehen. Wir sind gekommen, um zu quetschen. Dabei einen Wettbewerb zu veranstalten ergäbe wenig Sinn, weil wir auch ausführlich gegen die üblichen Poetry Slam-Regeln verstoßen: Wir arbeiten bisweilen mit Requisiten und ohne Zeitlimit, auch Fremdtexte kommen ab und an vor. Auf unserer Lesebühne machen wir das, was uns anderswo verboten ist. Frei von allem und damit auch frei von dem Gedanken, uns am Nächsten messen zu lassen. Wenn wir uns dann doch mal duellieren wollen, machen wir das auf regulären Slams in der Region. Oder am Telefon, wenn es darum geht, welchen Hochklasse-Gast wir uns als nächstes einladen wollen.

Welche Autoren dienen als Inspirationsquelle für Eure Texte?

Da kann ich jetzt natürlich nur für mich sprechen und nenne drei Namen: Charles Bukowski, Max Goldt, Heinz Strunk. Letztes Jahr bekam ich von Ilja zum Geburtstag ein Buch von Wladimir Sorokin geschenkt; er meinte, es wäre genau das, was ich lesen wolle. Vielleicht sollte ich mal langsam damit anfangen. Sonst köpft er mich. Und das sähe ja ganz schön blöde aus: zwei Ossis ohne Johannes.

Was bedeutet Euch Slam?

Viel.

Vielen Dank für das Interview!

(Interview: Christiane Mihoci / Fotos: Lisa M. Engel)

Die nächste Lesebühne findet übrigens am 11.07. im KKC statt! Kommt zahlreich.

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/06/04/interview-zur-lesebuehne/feed/
Zehn Tage Hitler (neue Version) http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/29/zehn-tage-hitler-neue-version/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/29/zehn-tage-hitler-neue-version/#comments Tue, 29 May 2012 09:29:29 +0000 Johannes Floehr Satiren http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/29/zehn-tage-hitler-neue-version/ Die Äl­te­ren wer­den sich ge­wiss noch gut an das Jahr 1983 er­in­nern. Be­son­ders drei Dinge wer­den ihnen im Ge­dächt­nis ge­blie­ben sein: zum einen der 5:0-​Heim­sieg von Bayer Uer­din­gen gegen Darm­stadt (und der damit ver­bun­de­ne Auf­stieg in die Bun­des­li­ga) und zum an­de­ren: der Skan­dal um die an­geb­li­chen Ta­ge­bü­cher von Adolf H. im Fak­ten­ma­ga­zin „Stern“. Der „Stern“ bekam nur Fälschungen. Wer hat das Original? Ich. Lange Zeit habe ich mich dagegen gewehrt, diesen Text als eher links-orientierter Mensch zu publizieren, doch Ilja Budnizkij, russisch-jüdischer Teil meiner Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ meinte, dass ich diesen Text nicht nur veröffentlichen dürfte, sondern sogar müsste. Wenn man nicht über Hitler lacht: Worüber denn dann? Stimmt. Und vorab noch ein Zitat Hendry M. Broders: „Adolf Hitler ist der einzige deutsche Beitrag zum Welthumor“.

12. April 1944
Liebes Tagebuch. Habe heute ver­sucht, Blon­die den Hit­ler­gruß bei­zu­brin­gen. Doch das elen­de Vieh wei­ger­te sich. Vielleicht hat es auch einfach die falsche Rasse. Es war aber auch total un­kon­zen­tiert! Ich hoffe, ich finde noch eine End­lö­sung für die­ses Kon­zen­tra­ti­ons­pro­blem. Da müss­te ich doch noch ir­gend­was auf Lager haben… Au­ßer­dem habe ich noch ein biss­chen Schif­fe ver­sen­ken im bri­ti­schen Ge­wäs­ser ge­spielt, aber lei­der ver­lo­ren. Churchill, dieser elende Cheater! Lol!

13. April 1944
Habe heute endlich einmal etwas gebacken bekommen: ein preußengroßes Backblech voll mit NSDAPlätzchen! Lecker! Ansonsten ist heute nicht viel passiert. Habe meine Lebensversicherung gekündigt, denn weil ich ja unsterblich bin, brauche ich die nicht. Clever! Mal gucken, ob der morgige Tag besser wird.

14. April 1944
Leider nein: Neu­ig­kei­ten von der Front. Ach ja, Krieg, stimmt, da war doch noch was. Zehn­tau­send un­se­rer Män­ner sind in Le­nin­grad ge­fal­len. Ja, meine Güte, dann sol­len sie halt wie­der auf­ste­hen! Ich habe jedoch ver­an­lasst, den Ka­me­ra­den zwan­zig­tau­send Pflas­ter mit Blüm­chen­mus­ter zu­kom­men zu­las­sen. Bin ja kein Un­mensch.

15. April 1944
End­lich Sonn­tag! Habe Eva ge­fragt, ob wir nicht mal wie­der Ge­schlechts­ver­kehr haben könn­ten – ich wün­sche mir doch so sehr einen klei­nen Verfüh­rer­sohn. Aber Eva lach­te nur und hat mich ge­fragt, ob denn schon wie­der Weih­nach­ten wäre. So eine Frech­heit! Ist sie Franz Beckenbauer oder was! Und Blon­die, diese dumme Töhle, kann den Füh­rer­gruß immer noch nicht!

16. April 1944
Klug wie ich bin, habe ich heute ein neues Ge­setz er­dacht. Unter Pa­ra­graph 14181418, Absatz 888888Periode8 ist jetzt fest­ge­legt, dass das Weih­nachts­fest von nun an am 17. April ge­fei­ert wird. Eva weiß noch nichts von ihrem Glück, mor­gen werde ich sie über­ra­schen. Das wird sehr, sehr gut.

17. April 1944
Was hatte ich mich auf die­sen Tag ge­freut! Weih­nach­ten! Das Fest der Liebe! Im gan­zen Reich bau­ten die Kin­der Schnee­män­ner aus Asche, die Leute schenk­ten sich ge­gen­sei­tig hübsch ver­zier­te Kör­per­tei­le (oder was sie sonst noch so auf den Stra­ßen fin­den konn­ten) und ich freu­te mich dar­auf, mei­nen, zu­ge­ge­ben, klei­nen Adolf in Eva ein­mar­schie­ren zu las­sen. Alles war vorbereitet: Im rechten Winkel meiner Schmusestube hat sich ein HJ-Chor aufgestellt (ich weiß nicht wie viele, aber ich schätze es waren 33-45 Buben), um „Sex Machine“ von Evas Bruder James zu singen. Die totale Romantik! Doch Evas Mumu wagte einen Putsch, sie woll­te sich mir nicht öff­nen! Also entschied ich mich für Blitzwichs. So etwas darf nie, nie wieder passieren!

18. April 1944
Ich traf mich heute mit Jo­seph, dem alten Spas­ti vom Nie­der­rhein, um ihm mein Leid zu kla­gen. Jo­seph war sehr ein­fühl­sam, wir tran­ken ge­mein­sam drei ari­sche Kan­nen Kaf­fee und dann frug er mich: „Willst du die to­ta­le Auf­mun­te­rung?“ und na­tür­lich wil­lig­te ich ein. Eine to­ta­le Auf­mun­te­rung ist die kür­zes­te Auf­mun­te­rung. Er er­zähl­te mir, ich bräuch­te mir keine Sor­gen um Evas Mumu zu ma­chen, die wäre nicht immer so tro­cken. Na dann.

20. April 1944
Ge­burts­tag! Juhu! Jubeldubeldei! Alle meine Freun­de sind ge­kom­men und wir haben zu dritt eine tolle Fete bei mir im Füh­rer­bun­ker. Hein­rich schenkt mir ein Ei. Ein rohes Ei! Wozu? Ich weiß es nicht, ver­dammt! Aber alle an­de­ren fan­den es lus­tig, also habe auch ich ein biss­chen mit­lei­dig ge­schmun­zelt. Bin ja immer noch kein Un­mensch. Dann hat jemand gepupst. Man gab mir die kollektive Schuld! Doch ich war das nicht! Das Gas kam aus einem Gestapo! Scha­de nur, dass Eva und Jo­s­peh nicht zu mei­ner Feier ge­kom­men sind. Wo sie bloß sind?

21. April 1944
Heute habe ich etwas ge­lernt: wenn Blon­die auf dem Rü­cken liegt, ge­lingt ihr an­nä­hernd der Füh­rer­gruß. Ich bin stolz auf sie. Gab ihr zur Be­loh­nung ein paar übrig gebliebene NSDAPlätzchen und EssEss-Papier. Im deut­schen Reich soll nie­mand hun­gern! Achso, Eva ist üb­ri­gens wie­der auf­ge­taucht. Und als nach­träg­li­ches Ge­burts­tags­ge­schenk brach­te sie mir einen neuen Film von Leni (nicht Lenin!) mit. Auf DVD. Ach nein, die gibt es ja noch nicht. Also im Super8-Format. Der Titel des Films: „Wie ich in Auschwitz mein Herz verlor – und alle anderen Organe auch“. Scheint eine Liebeskomödie zu sein.

22. April 1944
Habe Depressionen. Eva will nicht fi­cken, der Krieg geht mir auf den ein­ei­igen Sack, alles läuft ein­fach schei­ße im Mo­ment. Daher lenke ich mich ein wenig ab. Hein­rich hat mir zum Ge­burts­tag eine Schall­plat­te mit ent­ar­te­ter Musik mit­ge­bracht. Ich höre sie nun schon seit Stun­den und tanze flip­pig dazu. Da fällt mir auf, was hier für ein Dreck regiert! Wer hat denn da mit meinem Globus Fußball gespielt? Apropos Fußball: Ich muss heute früh schlafen gehen. Morgen erwartet mich der FC Buchenwald. Muss da einen neuen Ascheplatz einweihen. Gute Nacht!

Entschuldigung.

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/29/zehn-tage-hitler-neue-version/feed/
Die dreiteilige Reißzwecke http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/14/die-dreiteilige-reisszwecke/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/14/die-dreiteilige-reisszwecke/#comments Mon, 14 May 2012 17:53:34 +0000 Johannes Floehr Prosa, Gedanken und Unwahres http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/14/die-dreiteilige-reisszwecke/ Neulich wurde ich gefragt, warum ich denn nur albernen Unfug schreiben würde und nicht, zum Beispiel, unalbernen Fug. Mit eben selbigen – und mit Recht! – habe ich mich an einem etwas anderen Text versucht. So mit Romantik (wtf, lol!) und so. Das Werk trägt den sehr guten Titel „Die Reißzwecke“. Hier die erste Version, inklusiver einiger Anspielungen auf jemanden, auf den ich anspiele.

Es war einmal eine handelsübliche Reißzwecke an einem für sie unüblichen Ort. Sie lag auf dem warmen Asphalt einer wenig befahrenen Straße im Osten Schleswig-Holsteins nahe der kleinen Gemeinde Schleinitz an der Potz. Häufig, wenn die Sonne unterging, dachte die kleine Zwecke darüber nach, wie es hätte sein können. Sie hätte bei ihren gutsituierten Freunden in einer Schreibtischschublade aus Teak oder Tropenholz liegen können, doch stattdessen lag sie einsam und nutzlos auf der Straße herum wie [hier bitte passendes Beispiel einfügen]. Das Schicksal macht auch vor Büroartikeln nicht halt. Melancholiefördernd kommt hinzu, dass am Straßenrand Maiskolben wuchsen. Sie tanzen vergnügt und gelb im lauen Wind. Bis schließlich Joseph kam und die Halunken erntete. Joseph war mal Kranführer gewesen, doch nun war er der Maiskolbenmann, der Mais in die Welt hinaus trug. Unsere Reißzwecke wäre gerne wie der Mais. Oder wie Joseph. Weltenbummler und nützlich. Monatelang hoffe sie, der Laster, von dem sie einst fiel, käme irgendwann zurück, um sie einzusammeln. Vergeblich. Hätte sie Tränendrüsen, so würde sie viel weinen. Doch eines Tages, es war ein Mittwoch (oder auch nicht), da kam ein grüner Ford Mondeo vorbei und fuhr unachtsam mit dem linken Vorderreifen über die Reißzwecke. Sie bohrte sich tief ins Profil, wo sie übrigens bis heute steckt. Der Fahrer des Fahrzeugs war zufälligerweise ein afrikanischer König. Und so kam die Reißzwecke dann doch noch in den Genuss, die Welt zu entdecken.

Für eine erste Version ganz gut, dachte ich. Doch dann wollte ich eine „Johannes-Version“ schreiben, die mit allerlei Albernheiten aufwartet und bescheuert ist. Herausgekommen ist folgende, zweite Version:

Es war einmal eine Reißzwecke, die auf einer wenig befahrenen Straße im Disneyland Resort Paris herumlag. In ihrem früheren Leben war die Reißzwecke ein Tannenzapfen gewesen, woran sie sich gut erinnerte, denn sie war Buddhist. Nun war sie traurig. Manchmal kamen Goofy und Minnie Maus vorbei, allerdings nur, um die Reißzwecke neckisch zu kitzeln, nicht um ihr zu helfen. Und so lag sie dann da, die olle Zwecke – ohne, dass sie einen Zweck erfüllte, höhö. Manchmal weinte die Reißzwecke ganz viele Tränen, die sich flink wie Buzz Lightyear in einen reißenden Bach entwickelten, in welchem auch Arielle, die Meerjungfrau gerne nackig badete; übrigens hat Gerüchten zufolge die Seine hier ihren Ursprung. Armes Reißzweckchen. Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass am Straßenrand das Musical „König der Löwen“ probte und die Reißzwecke Musicals scheiße fand. Wäre sie mal lieber ein Teak-Schreibtisch oder Mais oder Kranführer geworden oder so. Doch eines Tages, es war sehr sicher ein Mittwoch, da kam plötzlich eine ganze Fahrzeugkolonne vorbei. Vorneweg natürlich der Papst im Papamobil, dahinter ein fliegender Teppich mit Aladdin drauf, gefolgt von den Flintstones, dem A-Team-Bus, Wolfgang Schäuble, „K.I.T.T.“ aus Knight Rider, dem Mannschaftsbus von Fortuna Düsseldorf, Mary Poppins und abgeschlossen wurde die Parade mit Caspar, Melchior und Balthasar, die auf einem Bobbycar sitzend Aristocats-Witze improvisierten. Die Reißzwecke, gar nicht dumm, nutzte die Gunst der Stunde und pieckste sich in Aladdins Teppich, wo sie noch heute steckt und von wo aus sie die Welt erkundet. Gut für sie, denn im Disneyland ist es ziemlich öde und Goofy stinkt.

Bescheuert, aber vielleicht noch etwas zu lang. Daher schrieb ich auch noch eine dritte, kurze Version:

Es war einmal eine Reißzwecke, die irgendwo herumlag und in die weite Welt hinaus wollte. Doch leider hatte sie AIDS und starb. Schade.

So. Aber welche Version ist nun die beste?

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/14/die-dreiteilige-reisszwecke/feed/
Wird die EM verschoben? http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/07/wird-die-em-verschoben/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/07/wird-die-em-verschoben/#comments Mon, 07 May 2012 14:52:04 +0000 Johannes Floehr Ichisichisichisich Fußball ist immer noch wichtig http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/07/wird-die-em-verschoben/ Zwar hat Bundestrainer Joachim Löw heute seinen (vorläufigen) Kader für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine bekanntgegeben, doch es kann sein, dass die EM verschoben wird. Nein, nicht wegen der Situation in der Ukraine. Sondern wegen mir. Den folgenden E-Mail-Wechsel habe ich mir nicht ausgedacht, ich habe ihn mit dem DFB vor ein paar Tagen tatsächlich so geführt. Ich schwöre.

Sehr geehrter DFB, Hallöchen Oli Bierhoff, Grüß Göttle Herr Löw.

Mein Name ist Johannes Floehr, ich bin zwanzig Jahre alt und Freund, Fan und Freund der deutschen Nationalmannschaft. Und als solcher freue ich mich natürlich auf die Europameisterschaft. Ich denke, sie wird ganz gut.

Nun habe ich allerdings ein Problem. Ich las auf einer „Internetseite“, dass am Tag des Spiels gegen Niederlande/Holland/diese Orangen (13.6.) auch meine Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ (gemeinsam mit Ilja Budnizkij und Sushi da Slamfish) in Essen stattfindet. Das passt mir und unseren Zuschauern nicht.

Weil unsere (sehr, sehr schönen) Plakate bereits gedruckt sind, möchte ich Sie bitten, dieses Spiel auf einen anderen Tag zu verschieben. Gerne auf Dienstag oder Donnerstag, mir schnuppe. Und gewinnt gegen Holland bitte möglichst zweistellig. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Floehr

PS: Bitte nehmt Gerald Asamoah noch mit zur EM, ich finde den ganz cool.
PPS: Bitte nehmt Kevin Großkreutz nicht mit zur EM, ich finde den nicht so cool.

Einen Tag später erhielt ich bereits eine Antwort:

Hallo Herr Floers,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Wir werden Ihr Anliegen selbstverständlich an Herrn Löw und das Team um die Nationalmannschaft herantragen und Ihre Interessen vor der UEFA-Delegation mit Nachdruck vertreten. Wir können Ihnen allerdings keinen Erfolg versprechen. Wär Ihnen eventuell egholfen wenn die EM um ein Jahr auf 2013 verschoben würde?
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr DFB-Team

Ich antwortete:

Hallo DFB-Team,
Ja.

Grüße,
Johannes Fleurs

Und wieder der DFB:

Hallo.
Na dann schauen wir doch mal was sich da machen lässt. Sollte es zu einer Verlegung kommen, wird Jogi Löw persönlich bei Ihnen vorbei kommen um die Nachricht zu überbringen.
Mfg,
DFB-Team

So. Wisster Bescheid. Und kommt am 16.05. zur Lesebühne in Essen, der wunderbare Torsten Sträter ist dann wieder bei uns zu Gast!

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/07/wird-die-em-verschoben/feed/
Vorstellungsgespräch http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/01/vorstellungsgespraech/ http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/01/vorstellungsgespraech/#comments Tue, 01 May 2012 10:54:34 +0000 Johannes Floehr Politisches Prosa, Gedanken und Unwahres Satiren http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/01/vorstellungsgespraech/ Huiuiui, Vorstellungsgespräch. Ausnahmsweise war ich zu einer einstelligen Uhrzeit aufgestanden, tags zuvor hatte ich mir sogar ein Hemd gebügelt. Also ich würde mich nehmen, so viel stand fest. Selbstbewusst trat ich ein. Ich schüttelte eine wichtige Hand, setzte mich hin und noch vor meinem ersten Wort bot man mir ein Glas Wasser an. Ja, vielen Dank, sehr gerne; sehr gastfreundlich die Leute hier, durchaus! Prost! Und es war ein leckeres Wasser, ein sehr leckeres Wasser. Mjamm, mjamm, mjamm! Ich hatte gerade erst meinen ersten Schluck genommen, da stellte mir mein Gegenüber plötzlich eine Frage, auf die ich nicht vorbereitet war:

„Wer sind Sie denn?“

Hm. Ich dachte ein paar Sekunden nach, weil nicht schon der erste Satz eine Lüge sein sollte. Dann stand ich auf, kratze mich staatsmännisch am Kopf und beantwortete die Frage so gut ich konnte:

„Was bin ich, wer bin ich, wieso, weshalb, warum, fidibum.
Nun: Mein Name ist Johannes und ich bin schwarz. Zudem bin ich Jude. Aber auch: eine Frau. Genauer noch: Ich bin eine Türkin. Ich bin also eine jüdische Afro-Germanin mit zusätzlichem Bonus-Bosporus-Migrationshintergrund – um es ‚korrekt‘ zu sagen und modern zu sein und blablabla. Achso, und ich bin schwul. Und behindert. Und klug. Und sehr, sehr schön. Und, und, und ich sehe, dass sie ein wenig verwundert sind. Zurecht. Das steht so schließlich nicht in meinem Lebenslauf. Da steht nur drin, dass ich ein Praktikum hinter mir habe. Das ist vielleicht auch richtig, aber nicht wichtig. Sehen Sie, ich bin ein kleiner Teil unserer bunten Gesellschaft. Das finde ich gut. Doch als was bin ich hier? Als Mensch. Als Facettenreicher im Facettenreich. Das habe ich wiederum mir nicht ausgesucht. Jetzt bin ich es eben. Bleibe es wohl auch.

Obwohl heute ja so einiges möglich ist, habe ich in naher Zukunft beispielsweise nicht vor, mich zu einem Tier umoperieren zu lassen. Wäre ja auch für uns beide etwas komisch, wenn jemand in Ihren Betrieb käme und dann säße da eine Giraffe im Anzug, hehe. Ganz zu schweigen vom Krawattenproblem, so lange Krawatten gibt es nirgendwo, obwohl manch einer ja gerne mal so ’nen Hals hat, wenn Sie verstehen, was ich meine, hahaha! Kleiner Scherz. Dieser Witz wurde Ihnen präsentiert von: Johannes. Aber ich bin ein wenig abgeschweift, Verzeihung.

Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn Sie mich fragen, was ich bin, dann muss ich Ihnen ehrlich sagen: Alles. Alles ein bisschen. Manchmal fühle ich mich mongoloid, dann wieder wie ein junger Springinsfeld, ja, mönchmöhl föhle öch möch sögahr wie ein Östdoitschör. Kommt alles vor. Dass ich so manisch schizophren bin, liegt vor allem an meinem Geburtsjahr. Einfach nur tolerant sein ist nicht hip genug für Menschen meines Alters! Wir vom Jahrgang 1991 sind postmoderne Toleranz-Faschisten! Wir akzeptieren nicht bloß, wir sind! 2012 ist das Jahr 0 der ehrlichen Akzeptanz. Bis dahin war es ein weiter Weg, aber mal ehrlich: Menschen in Schubladen stecken ist sooo 1933. Einfach nur mit allen schmusen und auskommen ist sooo 1968. Und zu betonen, dass wir doch alle gleich sind, ist auch längst überholt, das muss man nicht mehr sagen. Aber wir sind anders! Für uns sind alle noch mehr als gleich! Wir sind gleicher! Wir sind die erste Generation, die ‚gleich‘ steigern kann! Und wo alle gleicher sind, da muss ich es ihnen gleichtun!

Gleicher unter Gleichen! Mann gleich Frau! Fleischfresser gleich Veganer! Sie gleich ich. Die simple Mathematik einer funktionierenden Gesellschaft! Übrigens gäbe es auch keine Kriege mehr, denn wer kämpft schon gegen sich selbst? Nur Dumme. Und Dumme gibt es unter Gleichen nicht, weil alle dumm, aber eben auch schlau zugleich sind. Gedankenkommunismus, wenn Sie so wollen. Es fände quasi eine Vergesellschaftung des rationalen Denkens statt. Ich weiß, auch das ist ein wenig verwirrend, ich fasse deswegen leicht verständlich zusammen: Einsetzen statt aussetzen. Verstehen statt [hier bitte passendes Verb einfügen]. Und wenn Sie mich nun fragen, wer ich bin, dann muss ich schlussendlich sagen: Ich bin Sie. Ich bin alles. Ich bin jeder.“

So sprach ich und dachte: Ganz großes Kino, also ich würde mich sowasvonaufjedenfall nehmen! Doch nun wurde es spannend. Der Mann mir gegenüber legte seine Hände auf den Tisch und sagte: „Gut, aber ‚jeden‘ nehmen wir hier nicht. Außerdem denke ich, dass Sie für den Job als Zeitungsbote leicht überqualifiziert sind. Sie erzählen viel Unsinn und argumentieren völlig schief. Sie bauen Zusammenhänge, wo keine sind und das mit der Giraffenkrawatte habe ich immer noch nicht verstanden. Sie sind ein Kauz. Ein lügender Kauz. Gehen Sie doch in die Politik oder werden Sie Comedian oder so etwas in der Art. Ich jedenfalls kann Sie hier nicht gebrauchen, tut mir leid.“

Ich erhob mich, trank noch einen letzten Schluck Wasser und ging. Und bis heute vermute ich, dass er mich nur aus einem Grund nicht einstellen wollte: Weil ich schwarz bin.

]]>
http://uerdinger.blogsport.de/2012/05/01/vorstellungsgespraech/feed/