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Archiv der Kategorie 'Zufällig fotografierte Menschen'

Romantisch

Nur sechs Tage in der ewigen Stadt Rom: da braucht man einiges an Glück in seinem Reisetrolly, um in der Stadt, in die alle Wege führen, ein wenig Spannung und Erlebnis abzugreifen. Was sind schon sechs Tage in Rom; nichts natürlich, ein Pups vielleicht. Gepupst wurde schon viel in Rom. Aber dennoch traf ich an mancher Ecke ein paar unfreiwillige Fotomodelle und biete sie dem Leser dieser Zeilen nun zum Dialog an. Lasst Bilder nicht nur sprechen – unterhaltet euch mit ihnen! Nett wie ich bin, hier ein paar potentielle Gesprächspartner:


Tourireisebus irgendwo zwischen Via Paradiso und Via Clementine
Rom hat gar keine Einwohner, zumindest blieben sie mir im Verborgenen. Überall Touristen und Fotografierende, über die ich jedoch nicht herfallen kann, da ich mich aus dieser Gruppe nicht ausschließen kann. Wir sehen hier in der Bildmitte ein eindeutig asiatisches Gruppenmitglied. Seine Augen sind angestrengt von der Suche nach Sehens- und Fotografierwürdigkeiten, aber da er die Kamera gekonnt in der rechten Hand hält, wird er sicher in diesem Moment sein Fotoalbum durchblättern und freundlicher schauen als in diesem unglücklichen Augenblick. Viele tolle Fotos wird er gemacht haben – ich möchte jedoch nicht auf den Hinweis verzichten, dass seine Motive mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf tausend Postkarten besser in Szene gesetzt worden sind. Sprich: seine Bilder sind für alle anderen Menschen nutzlos. Ganz im Gegensatz zu meinen. Menschen, die Sachen fotografieren, fotografieren, ist vielleicht auf der ganzen Welt einmalig und ein genialer Einfall (vielleicht). Desweiteren sei erwähnt, dass die Kopfhörer, die unser zufällig fotografierter Mensch undekorativ trägt, nicht für den Mp3-Player-Einsatz (oder irgendetwas anderes außer Ärgern) taugen.


Trinkwasserspendender Trinkwasserspender
Schade: Leitungswasser schmeckt in Rom nach Leitung. Deswegen haben die alten Römer kleine Trinkbrunnen erbaut, an dem sich kosten- und problemlos leere Plastikflaschen befüllen lassen. Diese zwei Menschen hier nutzen das Wasser auf ihre ganz eigene Art jedoch als Mittel zum Säuberungszweck. Links die Dame, die ein wenig Unsicherheit bei sich trägt und vorsichtig zum Fluss greift. Was ist dort in ihrem Sichtfeld? Wir werden es nie erfahren; außer, es handelt sich bei der Dame um eine Leserin dieses Blogs. Die Chance darauf ist etwa 8,33333333 × 10(hoch minus 9). Trinkwasserdame, melde dich oder lass es sein. Der Berufsrömer rechts im Bild braucht sich übrigens nicht zu melden, weil er nervend um die Sehenswürdigkeiten gewandert ist und dort auf Touriverarschungstour war. Wer fünf Euro für ein Bild mit diesem Strolch bezahlt, melde sich bitte auch nicht.


Beliebige Brücke am grünen Fluss (Tiber)
Obacht, liebe Betrachter! Im Bild ein echter Romprofi. Denn: er hat es geschafft, alleine zu sein. Ein unbezahlbarer Luxus in der überfüllten Touribucht Rom. Außerdem trickst er gekonnt Mutter Natur aus und entgeht der Macht der Sonne, in dem er sich einfach eines Schattens bedient. Clever, clever! Doch Achtung, was mag links sein? Etwas bedrückt schaut der Mützenmann dorthin, möglicherweise droht ein rosenverkaufender Inder. Aber liebe Inder, ihr seht doch, der Herr befindet sich bereits in einer Situation, die romantischer nicht sein könnte! Scheiß auf Rosen! Er ist glücklich, so lasst ihn in Ruhe! Rom kann wohl doch schön sein, nur lässt man es so oft nicht. Schade. Beste Grüße an den Fotografierten.


Auch diese Menschen mussten sich im Vatikan der Schweizer Garde präsentieren
Auch im Urlaub muss man nicht auf Deutsche verzichten, im Gegenteil. Deutsche Rentner waren häufig Teil zufälliger Begegnungen. Mürrisch und misstrauisch repräsentiert die alte Dame der Reisegruppe 8 am linken Bildrand diese riesige Touristengruppe. Dabei sollte sie sich freuen, denn nur wenige Minuten später traf sie auf einen Menschen, die der liebsten Menschengruppe der Deutschen angehört: den Deutschen. Papst Benedikt sprach nämlich am vergangenen Mittwoch zu uns Erdenbürgern und die Dame und ich, wir waren dabei. Der Papst hatte einen witzigen roten Sonnenhut auf und las eine Geschichte vor, sechsmal, in sechs verschiedenen Sprachen. Ein Ereignis, auf das sich die Unbekannte aus Reisegruppe 8 ruhig hätte freuen dürfen.


Im Vatikanmuseum ist viel Altes
Kommentar entfällt


Nahe Villa Borghese
Auch Romtouristen sehnen sich nach langer Warterei, Staunerei und Fotografiererei bisweilen nach Spaß und Jux. Überdurchschnittlich intelligente Menschen haben dafür spezielle „Fun Moving Points“ errichtet, an denen es möglich ist, ein unterdurchschnittlich langsames Gefährt zu leihen. Es riecht ein wenig nach Abzocke, aber dieser Vorwurf ist unberechtigt, denn im Leben ist nichts umsonst, lehrte mich einst mein Großvater, als ich ihm berichtete, dass sogar so lebensnotwendige Dinge wie Brötchen und Taschenkalender Geld kosten.

Und mit dieser ewigen Weisheit schließt das Fotoalbum. Rom war okay, aber anstrengend. Das hätte ich auch billiger haben können: ein Spaziergang durch den Forstwald ist auch okay, aber entspannend. Auch wäre es nicht von Nachteil gewesen, wenn ich vor dem letzten Tag gemerkt hätte, dass „gracias“ in Italien die falsche Vokabel ist, sich zu bedanken. Nun weiß ich es, grazie Roma!

Zufällig fotografierte Menschen [1]


Heute: Bochum, Hauptbahnhof

Fünf zufällige Raucher im Raucherbereich des Bochumer Hauptbahnhofs. Im Vordergrund sehen wir einen rotjackigen Mann mit wenig Haar und viel Demut, denn er hat seine Kippen bereits in Wattenscheid weggequalmt. Dem sehenden Betrachter wird zudem auffallen: der Lederjackenmensch am linken Bildrand verfehlt die gelbe Rauchereckenkennzeichnung deutlich um vier Zigarettenlängen.