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Archiv der Kategorie 'TV/Film-Kritik'

Ein Austritt in die Fernsehwelt

Fernsehen! Wie gut könnte es uns mit und dank dir gehen! Mutig und frei könntest du sein, unterhaltsam und informierend zugleich. Doch im real existierenden Kapitalismus bist du ein keuchender Marathonläufer. Denn jetzt mal so unter uns. Wie kann es aber sein, dass das Fernsehen mehr Rotz produziert als meine Nase in vier oder fünf Wintern zusammen? Wie kann es sein, dass eine Sendung, die zehn halbstarke Jungmenschen singend aufeinander hetzen lässt, hierzulande unter dem Etikett „Unterhaltung“ firmiert? Wie kann es sein, dass permanent, auf allen Sendern, zu jeder Tageszeit, aus verschiedensten Gründen, irgendjemand von mir angerufen werden möchte? Auto gewinnen, Sieger bestimmen, Geldpakete erringen, Meinungen anbringen, Mixstäbe erwerben, Karrieren verderben, Telefontöne bestellen, Dunkles erhellen, Verlierer ernennen, Lage verkennen, Paarungswillige anklingeln, Falsches umkringeln, Experten zustimmen und: geistig verglimmen. Lasst mich in Ruhe. Ich telefoniere nicht mit Computerstimmen. Die fünfzig Cent spare ich mir und investiere sie in Kaugummiautomaten oder einfach mal in gar nichts. Spar- statt Fernsehschwein!

Denn selbstverständlich schaue auch ich nur Dokumentationen, arte und manchmal, ganz selten, wenn es mal sein muss, auch nur fast jeden zweiten Tag und nur bei schlechtem Wetter: Sportübertragungen. Aber wie kann es sein, dass die Einschaltquoten so brachial im Widerspruch zu dem stehen, was einem Bekannte, Verwandte und Dahergelaufene über ihren Fernsehkonsum erzählen? Vergangenen Samstag saßen bei einem langhaarigen Mannheimer Laienhumoristen mit türkischem Migrationshintergrund mehr Leute vor der Glotze als bei der Tagesschau, trotz Japan. Warum, wieso, weshalb verdammtnochmal. Wenn man sich mal einfach nur berieseln lassen will, kann man sich auch unter die Dusche stellen und muss sich nicht darüber amüsieren, dass zwei Kilo schwarze Haare zu Heavy Metal im Kreis geschwungen werden. Der folgende Satz klingt zwar etwas makaber, wenn man ihn einem Deutsch-Türken ins Ohr brüllt, aber: Geh nach Hause, Bülent Ceylan! Und nimm die Gestalten mit Handpuppen, überzeichnetem Dialekt-Einsatz und Witzebuch-Affinität gleich mit.

Es scheint viel zu wenig Leute zu interessieren, dass bereits nachmittags jugendliche Brüste vergrößert, Randgruppen heimlich diffamiert und Arbeitslose ohne Aussicht auf einen Ausweg bloßgestellt werden, ohne dass wenigstens der Off-Sprecher mit einen Funken hinterfragender Kritik im Unterton den Zeigefinger hebt. Jeder darf und soll für fünf Minuten ins Fernsehen und wenn er nichts Besonderes kann, dann kann er sich seines besonderen Nichtkönnens gerne bedienen. Denn gerade die geistig weniger Befruchteten werden besonders gerne ins stupide Korsett des Privatfernsehens gesteckt. Fernsehen für Dumme muss schließlich auch mit Helden der fortlaufenden Dämlichkeit bestückt sein. Von Dummen für Dumme senden führt zum Verdummen – diese logische Konsequenz wird uns irgendwann einholen; zumindest, wenn wir nicht alle längst zu blöd dafür sind, es zu bemerken.

Und kann es sein, dass wir nichts dagegen tun können? Quatsch, können wir wohl. Dem Scheiß einfach keine Aufmerksamkeit mehr schenken! Der Samstagabend muss nicht jede Woche mit trivialen Musikdeformationen gefeiert werden. Es gibt acht Millionen Leute „Deutschland sucht den Superstar“ gucken, dennoch gibt es gleichzeitig über siebzig Millionen Deutsche, die stattdessen etwas Anderes machen, zum Beispiel Monopoly, Fang den Hut oder Plätzchen backen. Das macht Hoffnung. Die acht Millionen Bohlen-Bejubler müssen aber unbedingt in unser Boot geholt werden, sonst gehen wir mit der Arche Noah des guten Geschmacks bald unter! Keiner wird es merken, weil die selbsternannten Nachrichtensender lieber was mit Hitler zeigen. Keiner wird es merken, weil die bunte Reklame zwischen Telenovela und Boulevardmagazin bei zwei Schnitten pro Sekunde unaufhaltsam in unser Gehirn rast und jedes Ansammeln von klugen Gedanken so wahrscheinlich macht wie einen telefonkostendeckenden Gewinn bei einem Call-In-Gewinnspiel. Und keiner wird merken, weil wir eben doch schon zu blöd geworden sind.

Kürzlich lag ich auf der schlabbrigen Wohnzimmercouch herum, ganz gediegen mit Jogginghose, Konzentration und einer Dokumentation in HD. „Mit dem Luxuszug durch Afrika“ grasten dort ein paar Vermögende die Sehenswürdigkeiten der dritten Welt ab. Ab und an fuhren sie an ein paar putzigen Negern vorbei, doch die dekadenten Luxusreisenden hatten für die hungrigen Schwarzmänner maximal ein bisschen Winkerei übrig. Es gab aber auch Wichtigeres zu beobachten, beispielsweise das größte durch den Mensch erschaffene Loch der Welt: die ehemalige Mine „The Big Hole“ in Südafrika. Das tiefe Loch wurde mit vielen „Ooohs!“, „Aaahs!“ und Digitalkamerablitzen versehen. Es darf jedoch vermutet werden, dass zwischen den Ohren mancher Fernsehzuschauer eine noch größere Lücke existiert.

Sonneborn schlägt Schlämmer

13. August des Jahres 1961. Der erste Tag der Berliner Mauer. Ein historisches Ereignis der deutschen Geschichte. 13. August des Jahres 2009. Der Propaganda-Film der PARTEI kommt in die Kinos. Ein weiteres großes historisches Faktum. An besagtem Tage sitzen nun viele viele PARTEI-Freunde in einem kleinen Düsseldorfer Lichtspielhaus und bejubeln das Machwerk mit stehenden Ovationen, einem tosenden Applaus und glücklichen Gesichtern. Was war geschehen? Eine kleine Filmkritik.

Die PARTEIWeil das eben so ist mussten die tapferen Kinogänger zunächst ein bisschen Werbung für qualitativ schwächere Filmchen ertragen. Der vorletzte Spot zeigt einen Herren, der sich Horst Schlämmer nennt. Seine Witze zünden nicht, das Publikum wartet auf richtige Politiker. Dann beginnt der Hauptfilm. Martin Sonneborn, Bundesvorsitzender der PARTEI, ist zu sehen und philosophiert. Die Menge tobt und lacht. Sonneborn 1, Schlämmer 0. Wir befinden uns nun zu Filmbeginn aber im Jahre 2013 und Sonneborn ist mit der PARTEI an die Macht gekommen – ein schönes, aber ja leider unrealistisches Szenario. Egal, im Film geht alles. Erst recht im eigenen Film, der aufgebaut ist wie eine „richtige“ Dokumentation (beispielsweise von Guido Knopp). Fast alle Aktionen der PARTEI seit der Gründung (2004) wurden mit der Kamera begleitet: die PARTEI-Tage, der außenpolitische Besuch in Georgien, der (heimlich und aus Versehen gefilmte) Besuch beim Wahlleiter (aber 2005, nicht 2009), das Kanzlerkandidatin-Casting, das Sat1-Frühstücksfernsehen und und und. Allerdings nicht chronologisch, sondern völlig durcheinander, aber das ist ok so.

Achso, ja, auch „meine“ Stadt Krefeld ist dabei. Und vielleicht erinnern sich die älteren Leser daran, dass ich hier davon erzählt habe, wie das Film-Team bei uns herumgelaufen ist und Szenen für den Film gedreht hat. Und: oh mein Gott, ich bin im Film! Wenn ihr euch den Streifen also anseht, achtet mal auf den erschreckend gut aussehenden jungen Herren in Krefeld, der erst ein Sonneborn-Poster (das nun in meinem Zimmer hängt) irgendwo platziert, dann ab und zu durchs Bild läuft und letztlich sogar äußert telegen Suppe löffelt. Ganz großes Kino! Der eigentliche „Star“ des Films ist aber natürlich Herr Sonneborn und das ist ein kleines Problem. Denn manchmal hatte ich das Gefühl, dass der Film eine kleine Sonneborn-Show ist, so oft ist er im Bild und hat was zu sagen. Nur eine einzige Szene (Wahlkampf in Hamburg) kommt ohne ihn aus. Sicher, er ist sehr wichtig und gut, aber nun ja. Aufgefallen sind mir auch ein paar Längen zum Ende des Films mit Überflüssigem (PARTEI-Rap, bisschen doof) und längst Bekanntem, was man aber dem Film eher weniger vorwerfen kann, denn er soll ja auch neue PARTEI-Freunde anlocken und das wird er sicher schaffen.

Um zu einem Fazit zu kommen: der PARTEI-Film ist ziemlich (aber nicht sehr) gut. Einer der komischsten mir bekannten deutschen Filme und Satire auf hohem Niveau. Wenn Sonneborn auf echte Bundestagsabgeordnete trifft, diese interviewt und sich von ihnen ihre (also seine baldigen) Arbeitsräume zeigen lässt, dann ist das sehr lustig. Übrigens, Gott Helge Schneider kommt auch als zufällig getroffener C&A-Kunde vor. Und was kann man schon gegen einen Film sagen, in dem Helge UND ich zu sehen sind? Eben. Nichts. Toller Film. Ihr müsst ihn euch alle ansehen. Fick dich, Horst Schlämmer! Gruß, euer PARTEI-Mitglied Nummer 6269.

(mehr Informationen zum PARTEI-Film gibt es hier.)

Nö.

EurovisionWieder hat es Deutschland nicht geschafft: keine zwölf Punkte! Zumindest nicht aus einzelnen Ländern, insgesamt aber immerhin fünfunddreißig. Okay, Sieger Norwegen (hatte ich übrigens auch getippt, wirklich!) hatte zwar ein paar Pünktchen mehr (387 insgesamt), aber was ist das schon. Deutschland hätte mit seiner Punktzahl in der Fußball-Bundesliga immerhin den Klassenerhalt geschafft! Aber dass Deutschland den Verbleib im Finale des Eurovision Song Contestes sicher hat, liegt nicht an der Leistung, sondern nur am Geld. Denn Deutschland ist als einer der großen fünf Geldgeber-Länder sicher für das nächste Jahr qualifiziert. Also, mit welchem Act verlieren wir denn dann 2010 in Oslo? Jemand eine Idee?

Vorab aber natürlich erstmal ein kleines Resümee des Abends in Moskau. Der erste Aufreger war leider weder musikalisch, noch erfreulich: eine Schwulen-Demonstration gegen die Diskriminierung Homosexueller im Land wurde auf den russischen Straßen gewaltsam von der Polizei gestoppt – wie man mit Minderheiten umgehen soll, weiß man im Gastgeberland also nicht so wirklich. Wenige Stunden später standen dann beim Contest äußert viele Homosexuelle auf der Bühne, nicht zuletzt bei Deutschland (Oscar Loya). Auf der Bühne sind Schwule also okay, aber auf den Straßen?! Ne, igitt! Ansonsten gab sich Russland nach außen eher westlich; mit einer unfassbar großen und toll aufwendigen Bühne und viel Mut zur Selbstironie, so gab es zwischendurch ein paar Filmchen, die gängige Russland-Klischees wie die Sache mit dem ständigen Wodka-Konsum ad absurdum führen sollten. Das ebenfalls gängige Klischee der fehlenden Presse- und Meinungsfreiheit blieb allerdings unbeachtet.

Musik gab es auch noch, ja. Viel viel Pathos, ab und an mal ein paar Titten (gut 2/3 der Teilnehmer waren weiblich und meist sehr gut gebaut), dann wieder Eurodance, dann Balladen und nur sehr wenig Skurriles, leider. Auch der gewohnte Kommentator fehlte: da Peter Urban wegen einer Hüft-OP verhindert war, führte Tim Frühling durch den Abend. Zwar locker und souverän, aber er konnte den Abend nicht wirklich retten; zu nüchtern und abgelesen seine Kommentare, schade. Wirklich gut gefallen haben mir dagegen die Auftritte von Estland, Portugal und Island – wer diese nicht gesehen hat, kann dies hier nachholen. Auch der Siegertitel „Fairytail“ von Alexander Rybak gehörte zu den besseren der Show: eine Mischung aus Pop und Folk, gepaart mit einem Ohrwurm-Refrain. Fertig ist der Eurovision-Hit, auch ohne Punkteschieberei aus den Nachbarländern.

Und Deutschland? „Oscar sings, Alex swings“ waren mit „Miss Kiss Kiss Bang“ zugegeben gar nicht so scheiße, wie man es erwarten konnte. Eine ganz nette, schnelle Swing/Pop/Dance-Nummer, die deutlich fetziger (und besser!) war als viele Konkurrenten. Und beim austragenden NDR hatte man sich extra noch was ausgedacht: von den (im diesen Jahr erhöhten) GEZ-Gebühren ging sicher ein nicht kleiner Beitrag an „Stil-Ikone“ Dita von Teese, deren Brüste ein paar Punkte mehr einbringen sollte, was ja nun letztlich nicht ganz geklappt hat. Wenn es also ein amerikanischer Homosexueller mit offenem Hemd, eine amerikanische Stripperin und ein deutscher Porno-Hit-Produzent (Alex C., bekannt für Songs wie „Du hast den schönsten Arsch der Welt“) nicht schaffen, wer dann?

Darüber muss ich jetzt erstmal ein Jahr lang nachdenken, schätze ich. War aber insgesamt auch ein sehr dürftiger Song Contest, die Jahre davor waren aufregender. Immerhin ist der Gewinner-Titel annehmbar und für den deutschen Titel muss man sich auch nicht so schlimm schämen wie manchmal in den Jahren davor. Aber da war mehr drin.

Kaputte Sachen aus der DDR

Heimatkunde - DVDMartin Sonneborn, bekannt als angehender Bundeskanzler, Buchautor und Satire-Spezialist, war wandern. Im Auftrag von Dokumentarfilmer Andreas Coerper umwanderte er in „Heimatkunde“ Berlin (genaue Stationen [samt Videomaterial] hier einsehbar), stets auf der Suche nach Meinungen, Erinnerungen und Anekdötchen „von drüben“. Sie stellen fest: die Mauer, sie existiert in den Köpfen noch. Und so trifft Sonneborn lauter Menschen, die größtenteils die Klischees bedienen, die sogar ich (als jemand, der nach dem Mauerfall geboren ist) gut kenne. Sie erzählen, dass drüben eben nicht alles schlecht war, Wessis meistens hochnäsig und arrogant auftreten und all sowas. Hihi.

Dazwischen macht er sich auf, historische Altbauten aus DDR-Zeiten zu besichtigen. Beispielsweise findet er eine ehemalige NVA-Kaserne, die nun als Asylantenwohnheim fungiert. Alles natürlich jederzeit unterlegt mit den ironischen Tönen des Off-Sprechers. „Üble Ossi-Hetze“ titelte eine Berliner Zeitung zum Kinostart des Films, doch ganz so dramatisch ist es natürlich nicht. Als Satiriker weiß Sonneborn eben, was er den Leuten als (letztlich doch interessierter) Stichwortgeber zusprechen muss, um aus den Menschen das herauszukitzeln, was er hören will. Doch herablassend oder fies wird er dabei nie. Es sind die Menschen mit ihren Geschichten, die sich in gewisser Weise selbst bloßstellen – verstärkt wird dies durch clevere Kameraführung, Schnitte und Kommentare vom bereits erwähnten Off-Sprecher. Aber alles noch im Rahmen, finde ich.

Es wirkt im trostlosen Brandenburg alles so authentisch, dass ich mal vermuten möchte, dass sogar die zwei jugendlichen Mädchen, die Sonneborn nachts rauchend auf der Straße trifft und erzählen lässt, dass die „DDR war sowas wie Krieg“ war, „echt“ waren. So kommt der Film zum Fazit, dass wir wieder eine Mauer brauchen – und wenn es Chinesen sind, die an der Stelle der ehemaligen Mauer zwischen Ost und West eine Kopie der Chinesischen Mauer errichten. „Natürlich nur aus touristischen Gründen“, so das Schlusswort. Da lacht das Satire-Herz und freut sich über eine launige Dokumentation, die zwar kein Meisterwerk ist, aber vor allem dank seiner süffisanten Alltagskomik durchaus gefällt.

Zumindest mir, als Wessi.

Heimatkunde“ kaufen kann man hier. Vorab den Trailer gucken kann man hier. Bitte beides tun.

Hart, fair aber mit Milski

Frank Plasberg -

Woche für Woche lädt Polit-Talker Frank Plasberg ein paar Gäste ein, lässt sie in seinem netten Studio Platz nehmen und führt dann „Hart aber fair“ durch die obligatorische Diskussion über Gott, die Welt und was sonst noch so Aktuelles zwischen Nord- und Südpol passiert. So gab es auch am gestrigen Abend in der ARD ein frisches Thema: erhöhter Alkohol-Konsum bei Kindern und Jugendlichen. Sollte es hier neue Gesetze und Einschränkungen geben? Politiker sind bei solchen Themen natürlich immer ein gern gesehenes Völkchen, so saßen mit Detlef Parr (FDP, Sucht- und Drogenpolitischer Sprecher der Fraktion) und Sabine Bätzing (Drogenbeauftragte der Bundesrepublik) zwei Leute in der Runde, die wissen müssen, worüber sie reden. Auch Schauspieler Heiner Lauterbach und „Super-Nanny“ Katharina Saalfrank sind Gäste, die ihre negativen Erfahrungen mit Alkoholmissbrauch gemacht haben und dem „Komasuff“ kritisch gegenüberstehen. Doch dann sitzt da noch ein Herr in der Runde, der meint: „Party machen ohne Alkohol geht nicht, manchmal einen über den Durst zu trinken ist vollkommen okay.“

Sein Name: Jürgen Milski.
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ser0tonin sieht fern.

Ich wollte den, der sich bei YouTube „ser0tonin“ nennt, hier sowieso schon längst vorgestellt haben, weil mir das, was er macht, größtenteils gefällt. Aber was macht er denn nun? Nun, er kommentiert aktuelle Geschehnisse im Fernsehen (wie der Fernsehkritiker) auf sehr humorvolle und satirische Art (wie der Fernsehkritiker) und zeigt, wie bescheuert das ist, was wir im Fernsehen so aufgetischt bekommen. Vor ein paar Minuten lud er (nein, nicht Luder1) sein Ranking über die „Top 10 der bescheuertesten Handyklingeltöne“ hoch und weil mich dabei nicht nur wunderbar fremdschämen, sondern auch toll amüsieren konnte, gibt es das Video hier jetzt in voller Länge. Ach und nicht zu vergessen: Top 10-Rankings gibt es auch beim Fernsehkritiker. Aber ist doch schön, wenn man noch gute Alternativen hat.

  1. Mördergag, oder? Hahahahaha.

Ich bin ein Voyeur – lasst mich in Ruhe!

Bach, ZietlowEs ist schon fast langweilig geworden, über "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" zu schreiben: Jeder tut es, neue Erkenntnisse gibt es selten und dass die Sendung nicht sonderlich anspruchsvoll und authentisch ist, wissen wir auch längst. Nicht neu ist dazu die Erkenntnis, dass die zehn Kandidaten wohl ziemlich pleite und egal geworden sein müssen, um überhaupt ins berühmt-berüchtigte "Dschungel-Camp" zu ziehen. Wissen wir jetzt, wo wir uns schon die vierte Staffel auf RTL antun, doch schon. Wenn sie die Aufmerksamkeit brauchen, dann geben wir sie ihnen doch, wir sind doch alles nette Menschen. Und wenn die weiblichen Kandidaten dann nackt duschen oder baden gehen, freut sich sogar der Voyeur! Ich bin jemand, der sich aus vielen Gründen auf diese Show gefreut hat und sie auch dieses Jahr ausführlich verfolgen wird – wofür ich mich komischerweise immer rechtfertigen muss. Unterschichten-TV für BILD-Leser sei das Programm, tststs. Bin ich wirklich so blöd, wie mich die Klugscheißer halten? Nö.

Loriette LondonDenn es gibt derzeit kaum eine bessere Comedy als eben diese Show. Zum einen das tolle Duo Bach/Zietlow, das ironisch-kritisch mit Zoten, offensichtlichen Wortspielen und Kalauern um sich wirft, sich dabei selbst aber nicht ernst nimmt. So sollte es sein. Und dann noch die Menschen im Camp. Ich sage bewusst "Menschen", weil es eben diese sind, die die Sendung so spannend und unterhaltsam machen: Nichts ist so interessant wie der Mensch. Kennt man die Menschen, die man dann schelmisch beobachtet auch noch entfernt, weil sie irgendwann irgendwo aus irgendeinem Grund mal für ein paar Minuten in der Öffentlichkeit standen, dann macht das erst recht Spaß. Andere garantiert böse und gefährliche Lebewesen wie Spinnen, Schlagen und vielleicht sogar Stirnlappenbasilisken sorgen dann in Kombination mit den _-Promis (bitte Buchstaben einsetzen) für Kurzweil und gute Unterhaltung. Manchmal sind es sogar nur bestimmte Körperteile von Tieren, die im Rampenlicht stehen. Gestern zum Beispiel musste "Loriette London", ehemals Mann, heute, äh, "Frau", unter anderem eine "Penis Colada" trinken.

Das kann mich gewiss geschmacklos, peinlich und ekelhaft finden. Man kann sich aber auch auf das Format einlassen, sich unterhalten lassen und amüsiert froh darüber sein, es nicht nötig zu haben, sich in der Show bloßstellen lassen zu müssen. Besonders spaßig übrigens: Nach der Sendung noch beim Fernsehlexikon vorbeischauen. Die Wortspiele dort haben auch garantiert mehr Biss als manche Schlange im Camp.

TV-Kritik: Abnehmende Menschen, zunehmende Peinlichkeit

The Biggest Loser: LogoJeder weiß: Dicke Menschen sind lustig. Und nett. Ach ja, und natürlich dick. Kann natürlich nicht so bleiben! Zum Glück gibt es da ja das Fernsehen, puh. ProSieben zeigt ab heute donnerstags um 20:15Uhr in "The Biggest Loser" wie vierzehn dicke Menschen versuchen, dünner zu werden. Versteht mich nicht falsch, eine gute Sache, vor allem aus gesundheitlicher Sicht. In den USA gab es von der Abnehmshow bereits sieben Staffeln und immer konnten die Kandidaten erstaunliche Erfolge erzielen – aber natürlich ist es ProSieben misslungen, eine ernst zu nehmende Dokumentation aus der Abnehmerei zu machen. Aber der Reihe nach.

Präsentiert wird die "Show & Comedy" (ProSieben.de) von Ex-Eiskunstläuferin Katarina Witt, die sogar schon ein Fitness-Buch veröffentlichen ließ und sich so natürlich schon für die Moderation anbietet. Wie das mit den Prominenten in solchen Sendungen aber so ist, bekommen die Kandidaten den Star aber nur selten und falls dann doch, sehr kalt und distanziert zu Gesicht, aber es gibt ja auch wichtigere Dinge zu tun: Abnehmen zum Beispiel. Zuvor werden die Jungs und Mädels aber noch gewogen, Gewinner ist am Ende der Staffel nämlich der- oder diejenige, die am meisten Gewicht verloren hat. Ab und an dürfen die Teilnehmer dann auch noch ein bisschen was von sich geben und da sind ja wirklich ein paar sehr überraschende Einzelschicksale dabei, oho:

"Ich bin schon seit meiner Kindheit so dick und habe schwere Knochen!"
"Dieses Kleidungsstück würde ich gerne mal wieder tragen"
"Ich fühle mich so dick unwohl, alle Menschen starren mich an!"

Ach wirklich? Na dann, weg mit den Männerbusen! Verschwinde, dicker Hintern!

Biggest Loser-Kandidatin DorisAber Puste Schokokuchen: Nur zu zeigen, wie die Dickerchen joggen und Gemüse essen, wäre natürlich viel zu langweilig. Also packt ProSieben die Kandidaten in zwei Teams, zieht ihnen blaue bzw. rote Klamotten an, veranstaltet sportliche Wettkämpfe und schenkt dem Gewinner (oder, frei nach dem Sendungstitel: dem "dicksten Verlierer") auch noch 100.000€. So kann man wenigstens davon ausgehen, dass es zwischendurch noch ein wenig Geldgeilheit und Krawall gibt, denn gerade zum Ende wird es wohl primär um die Knete gehen, Geld macht bekanntermaßen blind. Wie in solchen Shows üblich, wird am Ende jeder Show noch ein/e Teilnehmer/in vom Verliererteam rausgewählt. Heute es hat es Doris getroffen, die an Athrose litt und dementsprechend wenig für das Gesamtergebnis des Teams tun konnte. Tschö Doris, danke, dass ProSieben dich weinend vor einem Millionenpublikum zeigen durfte und jetzt bist du mit deinen Pfunden wieder allein. Super!

Es ist aber nicht die Tatsache, dass es für Unbeteiligte ziemlich wenig unterhaltsam ist, Menschen beim Abnehmen zu beobachten. Wirklich schlimm und beunruhigend ist, wie egal es ProSieben zu sein scheint, wie viel die "Biggest Loser" letztlich auf die Waage bringen: Wie ist es sonst zu erklären, dass jeder Teilnehmer vorher noch in seiner eigenen Wohnung dabei gefilmt wird, wie er haufenweise Dickmacher zu sich nimmt? Gehört dies zu einer seriösen Dokumentation dazu oder reicht es nicht, sie erzählen zu lassen, dass sie gern viel essen? Und wie peinlich-erniedrigend muss es für Teilnehmer Enrico sein, im TV zu sehen, wie die große Gewichtsabnahme des 190kg-Mannes mit "Mr.Boombastic" von Shaggy zelebriert wird?

Überhaupt fällt auf, dass kaum ein Interview und erst recht keine sportliche Tätigkeit ohne laute Musik aus dem Off über den Bildschirm geht. Möchte man den Zuschauer mit dem Charts-Gedudel ablenken? Wäre es nicht viel authentischer, an der ein oder anderen Stelle auf Songs wie "Big Girls" von Mika zu verzichten? Ist es notwendig, künstlich und mutwilig Zickenkriege und Neid herzustellen? Ich weiß ja nicht, wie viel Einfluss ProSieben auf die Werbung während der Sendung hat, aber muss während einer solchen Show wirklich für McDonald’s, Cola und Mikrowellen-Currywurst geworben werden? Wissen die Kandidaten nicht, dass der teure Preis für ihre Abnehmkur im TV die öffentliche Bloßstellung und Offenbarung privater Probleme und peinlicher Privatangelegenheiten ist? Muss die Kamera beim fröhlichen Wetthungern wirklich jedes Mal den Zoom anschmeißen, wenn ihr ein Fettpölsterchen vor die Linse springt?

Während der ersten sechs Sendungen verlieren die Teilnehmer insgesamt übrigens rund 400kg, Respekt und Glückwunsch dazu. Und Sie, lieber Zuschauer, können sich mit mir über diese Erfolge freuen – aber bitte ohne diese peinliche Sendung. Dieses TV-Fastfood hat niemand verdient.

Einskommafünfmillioneneuro!

Schlag den Raab - Foto: ProSiebenUnd er hat den Raab nicht geschlagen. Markus, HNO-Arzt aus dem Ruhrgebiet, hatte gestern Abend auf ProSieben die Chance, 1,5 Millionen Euro (In Worten: Einskommafünfmillioneneuro!) zu gewinnen, aber Metzger Raab war einfach wieder zu stark. Wirklich spannend war es in den knapp viereinhalb Stunden Sendezeit (minus knappe drei Stunden Werbung, Auto-Gewinne und Auftritte von Chart-Musikern) nur selten, was vor allem daran lag, dass der Markus wahrscheinlich nur von den Zuschauern als Kandidat ausgewählt worden ist, weil er ein glatzköpfiger Muskelhaufen ist. Aufgaben, die Feingefühl und Präzision voraussetzen, hatte er sowieso keine Chance. Auch ist er als Kandidat viel zu farblos, von mir aus soll jetzt mal ein Blödelbarde zu "Schlag den Raab" gehen und dort ein bisschen Spökes machen. Raab macht ja auch keine Witze während der Show, dafür ist (wenn überhaupt) Moderator Matthias Opdenhövel zuständig. Über den hier übrigens mal ein paar positive Worte verloren werden sollten: Er ist längst nicht mehr so nervig wie früher und ist vollkommen okay.

Komme ich aber mal wieder zur gestrigen Show: Mein persönliches Highlight war das Koffer-Pack-Spiel. Ich hasse diese Merk-Geschichten, ich bin da viel zu hibbelig für, schließlich kann ich mich auch in der Schule nicht mal fünf Minuten still hinsetzten und mich konzentrieren. Aber Stefan und Markus setzten sich deutlich länger konzentriert auf ihre Sessel und merkten sich, womit sie ihren imaginären Koffer so füllen. Wenn ich mich recht erinnere, waren sie am Ende bei fünfzehn Begriffen, bis Markus dann zum Verhängnis wurde, dass er nur "Vase" statt "Blumenvase" gesagt hatte. Punkte für Raab. Und auch beim letzten (und dreizehnten?) Spiel, dem scheinbar gestern erfundenen "Leitergolf", verlor der Kandidat glücklos. Ich könnte jetzt versuchen das Spiel zu erklären, aber das ist gar nicht so einfach. Interessiere schauen bitte hier nach. Der Leitergolf-Gottt ist ein Arsch, dachte ich mir, als es fast so ausgehen hatte, dass Markus den Spieß vielleicht doch noch umdrehen könnte und letztlich doch verlor. Das Endergebnis hieß dann 72:19 für Raab, der auch Spiele wie "Baggern" oder "BMX" für sich entscheiden konnte.

"Ist doch klar, er ist doch Schalker" meinte gestern ein User im Schalke-Forum, der froh verkündet hatte, dass er seinen HNO-Arzt im TV bestaunen könnte und wisse, dass dieser S04-Fan sei. Aber wenn Kandidat Markus wirklich Schalker ist, dann hätte ich gestern ja gar nicht einschalten müssen. Gegen Schalker gewinnen war schließlich selten leichter als aktuell. Vielleicht tritt zur neuen "Schlag den Raab"-Show im Januar ja mal ein Bayern-Fan an und gewinnt die dann 2 Millionen Euro (Zweimillioneneuro!). Wer will?

Der Tag, an dem das Kino halbleer stand

Blue Shell (Köln)Ich war dieses Jahr nur dreimal im Kino – gestern inbegriffen. So wunderte ich mich auch darüber, dass das Krefelder Kino-Monopol "Cinemaxx Krefeld" ein wenig umgebaut hatte und man jetzt sogar am Automaten bestellte Karten abholen kann. Toll! Ganz altmodisch stellten wir uns aber an die gute alte Warteschlange und entschieden uns für "Der Tag, an dem die Erde stillstand". Man kann sich darüber wundern, dass "stillstand" zusammengeschrieben ist, aber nun gut. Vielleicht entsprach dieser Titel ja 1951 noch den Vorgaben des Duden, denn in diesem Jahr erschien der Original-Film, der nun neuverfilmt  worden ist. Kurz zur Story: Unbekannte Lebewesen kommen auf die Erde, die Menschen haben Angst; Kabumm, Rumms und so weiter.

Sogar mir bekannte Schauspieler sind dabei, zum Beispiel Jennifer Connelly und Keanu Reeves, der den Alien "Klaatu" (was für ein bescheuerte Name!) spielt. Oder der gute alte Monty Python-John Cleese, der lustigerweise einen intelligenten Professor und Philosophen spielt, aber leider keine lustigen Witze machen darf. Besonders wichtig für die Handlung ist dann später auch Jaden Smith, Sohn von Will Smith und putzige zehn Jahre alt. Kinder gehen ja sowieso immer, sind ja auch süß. Aber damit nicht nur die Damen was zu gucken haben (Reeves: gutaussehend – Jaden: süüüüß!), gibt es auch Explosionen und die bereits erwähnten "Kabumm" und "Rumms". Zusammen ergibt "Der Tag, an dem die Erde stillstand" dann einen okayen Action-Film.

Obwohl der Film gerade erst angelaufen ist und gestern der extrem günstige "Kino-Dienstag" war, war der Kinosaal maximal halb gefüllt. Zum Glück war meine Tüte Popcorn umso voller und in Zusammenarbeit mit Moritz (Hallo, er liest hier mit.) war dann auch der lange Werbeblock ertragbar. Ich bedankte mich mit großzügigen Popcorn-Spenden und einigen politisch nicht korrekten Witzen bei ihm. Viel spannender war der Film dann aber auch nicht. Die Storyline des Streifens ist manchmal extrem wirr und doof, die Tempowechsel sind unstrukturiert und scheinbar wenig durchdacht und gelacht wurde nur, als Angela Merkel kurz im Bild war (hihi). Das Weltuntergangsszenario hat am Ende dann noch ein bisschen mit der Moralkeule geschwungen und weil die so schön zu Weihnachten passt, präsentiere ich hier mal die tolle Moral: Menschen sind böse Geschöpfe und machen alles kaputt, wir sollten alle vielmehr miteinander kuscheln und uns liebhaben, sonst gehen wir auch kaputt.

Da ich in doppelter männlicher Begleitung im Kino war, blieb das Schmusen nach dem Film, der mit dem schrecklichen "Vergiftet im Schlaf" von Thomas D im Abpsann irgendwann plötzlich vorbei war, aus. Und so richtig warm sind wir auch mit dem Film nicht geworden.