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Archiv der Kategorie 'Musik, Musik, Musik'

Fitze, Fitze, Fotze

Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Stimmt gar nicht. Meine Oma fährt meistens mit dem Bus. Auf Straßen. Ohne Eier drumherum. Und überhaupt: Ich kenne keinen einzigen Menschen, der im Hahngehege lustige Kreise fährt. Was für ein Unsinn! Aber, irgendwer schon das schon machen. Irgendjemand fährt im Hühnerstall Motorrad, Motooorrad.

Alle meine Entchen schwimmen auf dem See. Ich habe Entchen?! Nein. Ich habe eine Katze. Die macht zwar ihr Schwänzchen in die Höh‘, schwimmt aber nicht. Die macht nur „miau“. Immer dieses „miau“. Weiß nicht, was die an dem findet. Der hat fünfzig Millionen Chinesen getötet! Gut, bei einer Milliarde Einwohnern fällt das nicht so auf. Trotzdem! Mao, Mao? Ich sage ja auch nicht den ganzen Tag „Hitler, Hitler“. Na, Johannes, wie geht’s dir? Hitler! Zum hier essen oder mitnehmen? Hitler! Wo kämen wir denn da hin! Hitler fährt im Hühnerstall Motorrad. Alle meine Hitlers schwimmen auf dem See, IQ unter Durchschnitt, Ärmchen in die Höh‘. Ist ja albern.

Abgesehen davon müsste es heißen: Mutter Naturs Entchen schwimmen auf dem See. Aber soweit denkt ja niemand! Meins, meins, meins; meine Entchen! So ein Quak! So ein schlechtes Wortspiel! Werden wir kurz wieder ernst: Es ist doch. Schon im Kindergarten werden wir auf den Kapitalismus vorbereitet. Und ene, mene, mu, raus bist du; auf der Reise ins Konsumharem zieht dir immer jemand den Stuhl weg. Und auf dem Boden der Tatsachen kommt niemand vorbei und schenkt dir die T-Aktie. Da kannste lange drauf warten. Das Leben ist kein Waldorfkindergarten, sonst wären Formulare aus Filz und bei „Deutschland sucht den Superstar“ würden die Teilnehmer Eurythmie tanzen und das „Viva la Waldorf“-Lied singen. Das es übrigens wirklich gibt. Ich möchte daraus zitieren:

Das hier ist unser Liebeslied
für die Schule am Vollkorn-Kiez.
12 Jahre ein Volksfest für Freaks,
von den Waldis gibt’s jetzt dicke Beats.

Ich finde schön, dass diese Menschen am Vollhonk-Kiez so kreativ und selbstironisch sind. Ob es jetzt freiwillig lustig ist oder nicht, spielt keine Rolle. Außerdem: Es gibt in der Historie der scheinbar harmlosen Lieder über Randgruppen viel schlimmere Beispiele. Nehmen wir etwa „Zehn kleine Negerlein“. Ein Lied, in dem Schwarze als dumm, unzivilisiert und dumm dargestellt werden. Das ist an sich schon so weltfremd und rassistisch, dass sich auch unsere Haare kräuseln müssten. Okay, Sklaverei gibt es offiziell nicht mehr, aber Intoleranz ist für die meisten noch immer im doppelten Wortsinne ein Fremdwort. Die moderne Version der zehn kleinen Negerlein müsste folgendermaßen klingen:

Zehn kleine Mitbürger mit afrikanischem Migrationshintergrund zogen mal hierher,
da kamen Geschlechtspartnerinnen vorbei und schon waren sie viel mehr.

Tausend kleine Mitbürger mit afrikanischem Migrationshintergrund wollten dann studieren,
„nein, aber oh, sie kommen aus dem Kongo, können wir sie zum Bongospielen animieren?“

frug ein Frackträger namens Dr. Soundso,
nun sitzen die Meute bei McDonald’s rum und putzt da das Klo.

Und hier gilt nun das gleiche wie bei „Mitten im Leben“: ich wünsche, es wäre Satire. Sprich: überzogen. Doch: Das Leben da draußen ist nicht wie in Kinderliedern, es ist teilweise viel schlimmer. Um davon abzulenken, erzähle ich nun einen Witz:
Was ist weiß, rechteckig und überflüssig? Dieser Text! Hahahahaha!

Warum ich diesen Unsinn hier dennoch erzähle? Hitler. Und jetzt gehe ich. Aber nicht mit meiner Laterne, ihr Doofen.

Immer die gleiche Frequenz

Im Radio, da dudelt so
ein Lied mit Instrumenten.
Warum denn auch nicht.

Es tut ja nicht weh.
Weder im guten, alten,
noch im schlechten Sinne.

Der Opa fragt: „Ist das Englisch?“,
der Enkel sagt: „Glaub schon“,
und spricht dabei sehr undeutlich.

Für den Kaffeeklatsch
am heutigen Tage genügt
das Gedudel, keine Frage
sollte je unbeantwortet bleiben:
Warum spielt man so langweilige Musik?

Da ist kein Schmiss!
Keine Ambition!
Da lohnt kein Verriss!
Nur Ton auf Ton.
Ganz monoton.

Den Liedtitel?
Vergessen. Schon.

Danke schön,
noch ein Lied,
nächstes Lied,
Staumeldungen,
nächstes Lied,
noch ein Lied,
Nachrichten aus Ihrer Region.
das nächste Lied
ist nicht das beste aus den
Siebzigern, sondern
einfach nur: irgendeins.

Der Opa fragt: „Noch Sahne auf die Schnitte?“,
der Enkel sagt: „Ja, zwei Esslöffel, bitte!“,
und beide trinken Kaffee, um nicht einzuschlafen.

Man schweigt.

Meinungen können sich nicht bilden.
Denn an Worten ist da nur das,
was der Radiomann zwischen den
vom Computer ausgewählten Songs
euphorisch und leer ins Mikrofon spricht.

Blabla, blablaba, blab, bla, bal,aa,b lab,l
ba,lbal,b,bl, blaabl,bl,bblb blaal, ballal, blalala,
balla balla.

Es werden nur Nichtigkeiten angesagt.
Die sind aber eben nichtig, nicht angesagt.

Ein Blitzgerät droht Autofahrern,
ein Lokalpolitiker hat was Dummes gemacht,
ein Fußballergebnis sorgt für Freude oder Leid,
abhängig davon, wessen Farben man trägt.

Mit Fußball können Opa und Enkel nichts anfangen,
erst recht kein Gespräch. Sie mögen Handball.
Warum denn auch nicht.

Handball gut finden tut ja nicht weh.
Weder im guten, alten,
noch im schlechten Sinne.
Ganz im Gegensatz zu diesem Radiosender!

Durchsagen ohne Durchschlagskraft,
Werbepausen voller Wortflausen,
Songs von Kunstprodukten,
die mehr Produkt als Kunst sind;
Hitradio 123: auf dieser Welle kann niemand reiten!
Höchstens herumreiten, so beschwerdemäßig.

Opa? Enkel?
Na?
Wie wäre es?

So eine klitzekleine Beschwerde am Nachmittag,
so ein bisschen Aufruhr zwischen Löffel und Gabel,
wie wäre es mit ein wenig Radio-Revolution?

Ach, hmm.

Wenn denn der Kuchen nicht so lecker schmeckte,
wenn es draußen wärmer wäre,
wenn der schicke Mantel nicht in der Reinigung läge,
und wenn es den beiden nicht völlig egal wäre,
weil es nur darauf ankommt, dass Musik läuft.
Und nicht: welche.

In seiner jetzigen Form
ist das Radio nur der Fernseher für Blinde
oder der Fernseher für Fernsehlose,
so oder so läuft er nur nebenher
und der Kunst hinterher,
weil sie dort nicht stattfindet.

Der Harndrang setzt ein.
Der Opa stößt sich mit,
im wahrsten aller Sinne,
letzter Kraft nach oben und sein
Enkel hilft ihm, die Toilette zu finden.

Und im Radio läuft dieses eine Lied
mit dem schönen Klavier.

Durchgeplantes Düdeldüdeldü

Ich bin ein Mann der Strukturen. Mein Körper hat Struktur, meine Texte haben Struktur und wenn ich das alte Stilmittel der Aufzählungen bemühe, dann nenne ich immer exakt drei Dinge, weil jede gut strukturierte Aufzählung das so macht. Eins, zwei, drei; ene, mene, mu und Glumanda, Glutexo, Glurak; zum Beispiel. Doch die schönste Struktur der Weltgeschichte der Strukturen habe ich in meinen Alltag eingewebt. Denn, wenn ich nicht gerade fremde Städte oder Bühnen mit meiner Anwesenheit beehre, halte ich mich strikt an einen auditiven Plan, den ich mir selbst ausgedacht habe, weil ich so verdammt kreativ bin. Die Spannung steigt, mein Plan geht so: Ich höre jeden Tag nur eine einzige Musiksparte. Abwechselnd und vorbestimmt. Stichwort: Fatalismus statt musikalisches Durcheinander! Um es zu konkretisieren: Mein Kalender gibt mir also vor, was ich höre. Was konventionellen Erdenbürgern außergewöhnlich ungewöhnlich erscheinen mag.

Schließlich ist anzunehmen, dass die meisten Leute nur das hören, was sie auch hören wollen. Aber so bin ich nicht. Ich brauche strenge Zwänge und obskure Strukturen, sonst langweile ich mich und das muss ja wirklich nicht sein, schließlich bin ich, wie bereits erwähnt, kreativ und zudem ein reisender Bühnenpoet. Die Leute zahlen bisweilen Geld dafür, nur um mich zu sehen und zu hören. Was ich verstehen kann. Schließlich liegt auch in meinem Zimmer stets ein Hut auf dem Boden, damit ich mir, wenn ich mich wieder einmal selbst gut unterhalten habe, einen kleinen Obolus zukommen lassen kann. Was zwar auch wieder sehr kreativ ist, jedoch kann man davon nicht leben, ich lande meistens bei plus/minus null. Doch ich schweife ab.

Montag.
Die Woche soll gut starten, deswegen ist der Montag auch der Tag für richtig, richtig gute deutsche Musik mit tollen Texten und virtuos gespielten Instrumenten, abseits der bis zum Klang-Tod mit platten Metaphern penetrierten Dienstleistungs-Schnulzen, die einem sonst so aus dem Radio ins Ohr geschwabbelt kommen. An dieser Stelle ein unherzliches: Fick dich, Tim Bendzko! Wenn Worte deine Sprache wären, dann hättest du vielleicht auch mal was zu sagen, stattdessen spülst du nur abgehangene Plattitüden in deine Texte, du singende Spülmaschine, du! Montags höre ich also nur sehr selten etwas.

Dienstag.
Um dann wieder zu guter Laune zu gelangen, ist der Dienstag der Tag der Musiker, die in ihren Texten deutsch und englisch mischen dürfen, weil sie es können. Sprich: Am Dienstag höre ich nur „Ja, Panik“. Die kommen aus Österreich und wohnen jetzt in Berlin. Österreichische Künstler, die irgendwann nach Berlin ziehen und dort dann erfolgreich werden. Hm. Dazu fallen mir absolut keine Witze und Vergleiche ein. Übrigens, ihr 2011er-Album „DMD KIU LIDT“ ist eines der besten Alben der letzten Jahre. Ernsthaft jetzt. Muss ja nicht immer alles Halligalli und hihihi sein hier.

Mittwoch.
Auch nicht am Mittwoch. Im Gegenteil. Ich mag Alliterationen, daher heißt dieser Tag bei mir nur „Melancholie-Mittwoch“. Traurige Songs über Liebe und so ein Gedöns. Ich mache mir dann eine heiße Tasse Schokolade (Milka, Sorte „Kuhflecken“), setze mich vor den Fernseher bei eingelegter Kaminfeuer-DVD und weine ein bisschen. Ja, ich weine. Das muss man doch mal zugeben! Ich weine. Manchmal bitterlich, manchmal süß-sauer, aber immer: zurecht. Ehrliche Tränen am Nachmittag. Auch ich habe eine romantische Seite in mir, so wie Bücher von Charles Bukowski.

Donnerstag.
Oh, Kontrastprogramm: Volksmusik. Überschwemmung der gespielten guten Laune. Akkordeons, ahahah, ist das euer Ernst? Volksmusik ist die ur-deutsche Flut, vor der uns selbst Noah nie retten würde. Hm, Volksmusik am Donnerstag. Möglicherweise ist diese Regel vom Abendprogramm des mitteldeutschen Rundfunks beeinflusst. Ja, das kann sein. Gut, dass ich donnerstags fast nie zu Hause bin.

Freitag.
Geilo, Wochenende! Natürlich muss ich freitags etwas Fetziges hören. Heavy Metal! Meine Haare wachsen pro Tag kurioserweise etwa um sieben Zentimeter, was wahrscheinlich ein lustiger Gendefekt ist. Er zwingt mich dazu, jede Woche zum Frisör zu gehen. Aber natürlich nur an Samstagen, damit ich an Metal-Freitagen noch wuchtig meine gigantische Haarpracht durch die Lüfte gleiten lassen kann. Es kommt vor, dass ich an Freitagen auf manche Menschen verstörend wirke. Aber das ist okay. Wie gesagt, obskure Strukturen finde ich total töfte.

Samstag und Sonntag verzichte ich komplett auf Musik. Der Mensch muss auch verzichten können. So wie dieser Text. Er hat kein Ende. Er geht immer weiter und wiederholt sich. Jede Woche. Ständig. Das kann anstrengend sein. Immerhin hat er eine gute Struktur.

Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wärn

(„Das Ende der Beschwerde“, das neue Album vom alten PeterLicht - bitte kauft es euch mehrfach und zahlt den doppelten Preis, weil fünfzehn Euro einfach viel zu wenig dafür sind)

Ungreifbare Musik

Konzert. Ich habe mich erwartungsfreudig in einer alten Bahnhofshalle eingefunden. Obwohl diese Räume hier seit Jahren keinen Bahnhofshallendienst mehr verrichten, riecht es, wie man es auch von aktuellen Bahnhofshallen gewohnt ist, nach: Pipi. In meinem Kopf stelle ich mir vor, wer hier alles schon an die Wand gepinkelt haben könnte. Menschen, die inzwischen Karriere gemacht haben. Menschen, die längst tot sind. Menschen, die geplatzt wären, hätten sie in ihrer Not nicht an die Backsteinwände gewendet. Diese Wände hier erzählen mehr Geschichten, als ich je schreiben werde. Mein Respekt vor Wänden wächst immens. Und für all diese Gedanken habe ich gerade reichlich Zeit, denn der eigentliche Grund für meine Anwesenheit, die Musik, wird noch nicht gespielt.

Überhaupt, die Musik.

Ich schätze sie so sehr wie keine andere Kunstform. Denn es ist so einfach und doch so schwierig, sie zu erzeugen. Im Grunde genommen genügen ein paar richtige Fingerbewegungen. Entweder man macht [hier virtuoses Fingergezappel vorstellen] oder [wildes Fingergezappel] oder [total wahnsinniges Fingergezappel plus cooler Gesichtsausdruck] und schwupps, Kunst. Wahrscheinlich kann man jeden Kunst-Erzeugnisprozess derart frech klein reden, aber weder bei Buch oder Bild ist der Vergleich von Ursache und Wirkung so beeindruckend wie bei Musik. Sie löst im bestmöglichen Falle derart viele Gefühle, Gedanken und Körperspannungen aus, dass sich vergleichbare Künste schämend in die Ecke stellen würden, wenn sie könnten. Um dies dem Leser näher zu bringen, wähle ich einen Vergleich: wenn beispielsweise Literatur auf mich wirkt wie eine leckere Flasche Bier, dann ist Musik mindestens ein 20l-Liter Fass schottischer Whiskey, in welches reihenweise Aufputschmittel und halsfreundliche „Rachendrachen“-Bonbons gekippt worden ist. Zu letztgenannten Wick-Bonbons, welche es früher immer in der Apotheke gab, wenn ich artig gewesen bin, komme ich, weil nun ein paar bärtige Männer auf die Bühne tappsen und wild husten. Sieh mal einer an, die Herrn Musiker sind da.

Und genau vierzehn Leute sind gekommen, um sie sich anzuhören. Beschämend wenig, aber ich muss mir keinen Vorwurf gefallen lassen, ich bin hier. Ohne ein ‚Hallo! Wir sind diese, machen das, hier kommt Lied 1, viel Spaß!‘ beginnt nun das Konzert. Ich schließe die Augen. Die wummenden Klänge lösen noch viel mehr aus, wenn man dies tut. Und das muss und darf man sich dann so vorstellen: man fährt mit geschätzt fünfhundert Kilometern pro Stunde auf einer endlos nach geradeaus führenden Autobahn und links und rechts neben der Fahrbahn explodieren wahllos Häuser, Kühe und Gebirge. Krabumm! Eine Explosion, die scheinbar niemals endet, dann aber doch. Zwischen den Liedern murmelt der singende Gitarrist ein unmotiviertes „Thank you“ ins Mikrofon und der Hall, der auf seiner Stimme liegt, lässt es zu einem „Thank you-uh-uh-uh“ werden. „Bitte schön, gern!“, rufe ich auf die Bühne. Ohne Hall.

Nicht, dass ich musikjournalistische Ambitionen hätte, aber ich bin Klugscheißer genug, um die Musik der bärtigen Hustenden als psychedelischen Krautrock zu definieren. Ein Schlagzeuger, zwei Bassisten und ein Gitarrist, der ab und an Textfetzen ins Mikrofon haucht, wobei man jedoch kein Wort versteht. Manch einer würde den Klangteppich, den diese Gestalten in den miefigen Ex-Bahnhofshallen auslegen, als Krach bezeichnen. Doch diese Art der Musik hat einen Trick, den man erst durchschauen muss: Jeder Musiker spielt seine eigene Melodie und scheißt darauf, was die Kollegen gerade so fabrizieren. So entstehen Lieder ohne Refrain, dafür aber mit schreibe und sage vier Melodien, aus denen sich der Zuhörer die liebste herausfiltern kann. Eigentlich, so könnte man meinen, ist dann doch für alle was dabei. Weit gefehlt. Diese Musik ist nur etwas für Leute, die einer bestimmten „Szene“ angehören oder wenigstens angehören wollen. Ich bin eine Mischung aus beidem, zudem alleine hier und wie so oft: der mit Abstand jüngste. Gewissermaßen bin ich die Szene in der Szene, worauf ich ein bisschen stolz bin.

Ganz vorne tanzt allein ein Typus Konzertbesucher, der sich wahrscheinlich auf jedem gottverdammten Konzert der Welt entdecken lässt. Es ist die mittelalte Frau mit den langen, braunen Haaren, die sich wie wild zu den Tönen bewegt und scheint, als hätte sie sämtliche Drogen der Welt in der richtigen Dosis zu sich genommen. Egal, ob vierzehn oder vierzehn mal neunzehn Zuschauer: es ist immer exakt eine – nie zwei oder null! – dieser Damen anwesend und meistens wird sie irgendwann vom Sicherheitsdienst ermahnt, weil sie versucht, sich eine Zigarette anzuzünden. Nicht so heute. Sie raucht und schwingt in Trance durch die Gegend. Wahrscheinlich heißt sie Brigitte. So kann sich nur eine Brigitte verhalten, stelle ich mir zumindest vor. Eine Gabi täte so etwas nicht. Eine Gabi stünde dort hinten, würde sich über den Geruch beschweren und nach zwei Liedern genervt nach Hause traben. Nicht so meine Brigitte! Tanz, Brigitte, tanz! Brigitte hat’s verstanden.

Nach gut einer Stunde Beschallung mit gefühlt tausend Dezibel schließt der Krachgarten Eden dann. Ich taumle auf die Straße und vermisse den Krach. In meinen Ohren fiepst ein temporärer Tinnitus, den ich als alter Konzerthase aber längst kenne. Noch verschwindet der unangenehme Ton nach einiger Zeit, aber irgendwann einmal wird er sich bei regelmäßigen Konzertgängern für immer ins Ohr einnisten. Dies ist dann sozusagen das körperinterne Gütesiegel dafür, dass man einen verdammt guten Musikgeschmack hat. Eine unsichtbare Auszeichnung. Gefällt mir.

Die Straßen sind komplett leer, ich gehe auf die Mitte der Fahrbahn, renne panisch nach vorn und versuche, auf Tempo fünfhundert zu beschleunigen, komme aber auf nur auf zwölf. Ich schließe die Augen und da ist: nichts. Tja, ärgerlich. Das kann nur: die Musik.

Im Wunderland gabs heute Hack

(man tue mir den Gefallen und erwerbe das Album „Auf Eis“ von Ludger auf dieser Internetseite.)

Bisschen Sommer, bisschen rumdösen

Kreisky – Scheiße, Schauspieler

Ein fast selbst geschriebenes Review

Das Erscheinen eines neuen Locas In Love-Albums ist endlich Realität. Denn immerhin ließen sie neun Jahre verstreichen und so präsentieren uns die Kölner um Walter Kohl, den leidgeprüften Sohn des Altkanzlers und Bestseller-Autoren mit LEMMING (Staatsakt./Rough Trade) ein (fast) durchgängig hörbares Folk-Album mit vielfältigen Einflüssen. Zunächst einmal steht fest: Wenn man die Band abgeschrieben oder gar vergessen hatte kommt Lemming wie ein schönes Geschenk. Über das Album läßt sich unendlich viel sagen.

Klar, einen besseren Albumtitel hätte sich die Band nicht aussuchen können – dennoch lässt es sich die Band nicht nehmen, diesen immer wieder anmutig, frisch und reizvoll neu zu interpretieren. Die Lemming-Songs, die uns Locas In Love hier vorstellen sind stellenweise Hits einer besseren Welt! Und dann ist da noch die Musik selbst, die sich erfrischend vom Standard-Jazz fern hält und so muß man wirklich feststellen, daß Locas In Love ihrer Aufgabe als Hoffnungsträger der Musik gerecht werden. Im Jahr 2011 und mit Lemming gilt auch nach wie vor insbesondere für alle, daß die Arrangements fast noch mehr beeindrucken als noch auf Saurus. Auch ohne die etwas verkopfte Komplexität des Vorgängers hat das Album mal wieder wirklich überrascht. Die Band und ihre Musik wird mit diesem Epos sicher noch mehr Anerkennung erhalten, als sie mit dem mit ca. 126000 € dotierten Förderpreis der Synthiepop-Ikonen von A-Ha eh bereits auf sich vereinen konnte und sind gerade deshalb so eindrucksvoll, und gleichzeitig bescheiden.

Lemming – Danke.

(geschrieben mit dem wunderbaren „Review Generator“. Das Album ist übrigens tatsächlich: gut.)

13 Jahre

Hasenmusik

Da wo die Schiffe fahren!

Grand Prix der Folkmusik

Wie selbst meine Großmutter weiß, steigt am Samstag der lustige „Eurovision Song Contest“ in Düsseldorf. Die Aufregung ist groß, schließlich kann Düsseldorf damit der Partnerstadt Köln mit seinem „Christopher Street Day“ in Sachen Schwulen-Messe erstmals Paroli bieten. Der semi-offizielle Eurovisionsblog „HerrSalami.de“ blickt exklusiv auf die wichtigsten Teilnehmer und bewertet ihre Siegeschancen. Exklusiv! Semi-offiziell! Je häufiger man ein Adjektiv verwendet, desto wichtiger wird es! Groß! Lustig! Schwul! Kommen wir aber ohne Umschweif nun zu den Teilnehmern.
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Das mit dem Kapitalismus ist undankbare Lethargie in diesen Tagen

Die Österreicher von „Ja, Panik“ sind nicht nur die einzigen Menschen der Welt, denen ich das Mischen von Deutsch und Englisch nicht übel nehme. Nein, sie sind mit ihrem aktuellen Album „DMD KIU LIDT“ (wahrscheinlich: Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit) auch ganz heiße Anwärter auf den Titel „Langspielplatte des verdammten Jahres 2011″. Das Cover hielt ich erst für ungewöhnlich hässlich, denn es zeigt ein halbmilchiges Spiegelbild der eigenen Fresse. Nach mehrmaligem Anhören ergibt das erstaunlich viel Sinn. Ich bitte darum, sich das Titellied einmal komplett anzuhören:

Epochal! Das haut ins Maul. Am Ende verspricht der Sänger, dass noch Strophen kommen, an denen ihm „mehr als an allen anderen liegt“ – was auf dem Album folgt, ist minutenlange Stille. Clever. Falls irgendjemand auf dieser Welt gerade versucht, den Zeitgeist irgendwie musikalisch einzufangen: wird ganz schön schwierig, das hier zu toppen. Schapoh!

Die kurze Geschichte einer noch kürzeren Karriere im Musikgeschäft

Zwei Menschen breiten den Klangteppich aus, nehmen darauf Platz, fliegen als Randnotiz davon. Es waren wohl Inder.

Der aktuelle Konzerttipp

(aus „Intro“ #190)

Unbekannte, aber sehr gute Musiker aus den Niederlanden [3]

Den dritten Teil meiner neuen Lieblingsrubrik feiern wir mit Gerd Damen:

Unbekannte, aber sehr gute Musiker aus den Niederlanden [2]

…und heute: Stef Ekkel!

Unbekannte, aber sehr gute Musiker aus den Niederlanden [1]

Teil 1 meiner neuen Serie: Richard Pertijs.

Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs!

Achtung, gut:

(Warum bitte schön heißen die so? Deswegen. Großartig!)

Rest in Peace

Danke für alles, Meister. Grüß Frank von mir.

Captain Beefheart
* 15. Januar 1941 – † 17. Dezember 2010

Auf eine Kippe mit Koppruch

Das sehr, sehr gute Hamburger Label „Grand Hotel van Cleef“ bat zum alljährlichen „Fest van Cleef“ (Rückblick: 2009) und weil ich mich eingeladen gefühlt habe, war ich letzten Sonntag im Bielefelder Ringlokschuppen körperlich und geistig zugegen. Und Heissa, es war ein Fest! Es gab Glühwein, Bratwurst und Heizpilze, aber nur im Draußenbereich für Raucher und Frischluftfetischisten, die eigentliche Veranstaltung fand in einer Halle statt. Mit acht Bands auf zwei Bühnen, so dass man immer hin und her wandern musste. Wie ein richtiges Festival fühlte es sich also immerhin bedingt an, aber das Wichtigste an solchen Veranstaltungen (Ausnahmen: Wacken, Rock im Park, Rock am Ring, etc.) ist ja ohnehin die Musik. Und die war prima. Ein kleiner Eintrag ins Konzerttagebuch.

Ich arbeite mal chronologisch den Ablaufplan ab: Beat!Beat!Beat! sah ich bereits zum dritten Mal und irgendwie werde ich mit dieser Band nicht warm. Ja, nette Musik machen sie ja bestimmt, aber meine ehemalige Sitznachbarin aus dem Chemieunterricht ist auch nett und dennoch weiß ich ihren Nachnamen nicht mehr. Immerhin konnte man die durch das langweilige erste Konzert gewonnene Zeit in Alkohol- und Fanartikelkonsum investieren. Danach: wandern zur Bühne zwei, wo Tim Neuhaus auf der Bühne herumsoundcheckte. Ich setzte mich mit meiner mich begleitenden Freundin an den Bühnenrand, da spazierten Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen an uns vorbei – Gisbert hielt inne und erinnerte sich: „Ihr wart doch auch in Oberhausen, oder?“ Ja, waren wir – und tags zuvor auch in Münster. Wir verabschiedeten uns wahrheitsgemäß mit „Und nächsten Freitag sehen wir dich schon wieder, in Hamburg!“. Scheiß Groupies sind wir. Aber eigentlich wollte ich was zu Tim Neuhaus sagen, kann ich aber nicht, da mir von seinem Programm nichts im Ohr geblieben ist. War so ein Songwriter-Geschwurbel mit Drummer. War vielleicht gut. Vielleicht aber auch nur so naja. Und bestimmt was fürs Radio. Also weiter zu den mir vorab völlig unbekannten Young Rebel Set. Britische Hut-, Bart- und Unterhemdenträger, also sehr sympathisch. Musikalisch irgendwo zwischen The Pogues, Mumford & Sons und den Fleet Foxes. Aber beim ersten Hören leider auch nur nett.

Grand Hotel/Fest van Cleef in BielefeldDanach begann für mich der Festivaltag. Nils Koppruch war schließlich nicht nur zum Spazierengehen nach Bielefeld gekommen. Irgendjemand hat mal geschrieben, dass er der deutsche Tom Waits sei. Aber das ist eine noch größere Lüge, als wenn ich sagen würde, dass Birnen und Äpfel fast das Gleiche wären. Ein ziemlicher Schrat ist Koppruch (siehe Bild) dennoch, denn er nennt außergewöhnlich unschöne Cowboystiefel und einen Dreißigtagebart sein eigen. Sein aktuelles Album „Caruso“ ist einer der besten Tonträger des Jahres, übrigens. Auch auf der Bielefelder Bühne funktionierten seine Stücke, getragen nur von Gitarre (wahlweise: Banjo), Bass und Koppruchs markanter Stimme, ziemlich gut. Er sang von Liebe, Zweifeln und (gemeinsam mit zu Knyphausen) der Aussicht. Ja, das war sehr gut. Und wenn wir schon bei „sehr gut“ und Gisbert sind: Gisbert zu Knyphausen ist sowieso der unangefochtene Spitzenreiter in den Liedermachercharts. Auch wenn er seinen Vorsprung bei seinem sonntäglichen Akustikgitarrenauftritt nicht ausbauen konnte, da er ohne Band eben deutlich an Wucht und Gänsehautmomenten verliert. Egal, Freitag in Hamburg sind die Herren Bandkollegen ja wieder dabei.

Es folgten Bierstandvisitationen und verspätetes Eintreffen beim Auftritt des australischen Indie-Rock-Duos An Horse. Ein Drummer und eine Gitarristin. Ich weiß zu wenig über die Band, um an dieser Stelle nicht (wie alle anderen auch) „The White Stripes!“ zu rufen, Verzeihung. Scheint aber gute Musik zu sein. Schön auch, dass während des Auftritts Nils Koppruch aus Gründen zu mir kam und mir nach einem kleinen Plausch eine Zigarette anbot. Jetzt ist er endgültig mein Lieblingsschrat. Zu An Horse vermag ich hingegen leider nichts mehr zu berichten, daher schnell weiter zum heimlichen Headliner Thees Uhlmann, der begleitet von befreundeten Musikern zunächst zwei Tomte-Klassiker („Das hier ist Fußball“, „Die Schönheit der Chance“) und anschließend Titel von seinem im nächsten Jahr erscheinenden Soloalbum spielte. Es bleibt dabei: Uhlmann, Gründungspapa vom Grand Hotel van Cleef und seit Jahren schon der alberne Weise der deutschen Popkultur, ist ein echt prima Kerl. Und ich möchte prognostizieren, dass sein Soloalbum ein echtes Feuerwerk wird.

Grand Hotel/Fest van Cleef in BielefeldDie Kritiker werden zwar schreiben, dass sich die Songstrukturen zu sehr ähneln und dass er immer noch ein wenig nuschelt, aber diesen Leuten möchte ich jetzt schon sagen: Fresse. Bei Uhlmann selbst muss ich mich allerdings auch beschweren, denn mir an einem Abend dermaßen viele Ohrwürmer ins Hirn schießen, ohne dass ich zu Hause auf Tonträgeraufnahmen zurückgreifen kann und auf YouTube-Mitschnitte angewiesen bin – fies und gemein. Trotzdem ist Uhlmann einer der Besten unter all den Guten, allein schon wegen Songtiteln wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“. Am Epochialsten ist allerdings der zwei Sätze zuvor verlinkte Song namens „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ (wer genau hinhört, bemerkt zum Ende des Liedes zwei Textzeilenverwechsler des mitsingenden Gitarristen): „Und wie häufig schlägt dein Herz? Wie häufig siehst du himmelwärts? Und wie häufig stehst du auf und freust du dich darauf? Und Jay-Z singt uns ein Lied“ singt Thees und wenn das Lied nach drei Minuten so tut, als wäre es vorbei, hauen einem die Gitarren noch einmal mächtig in die Fresse und föhnen einem die Gänsehaut auf die Arme. Sapperlot! Groß. So viel Applaus spendete ich selten.

Ganz wenig Klatscherei bekamen zum Abschluss des Tages Kettcar spendiert, allerdings nur deswegen, weil letzte Züge am Bahnhof erreicht werden wollten. Mit dem ungewöhnlicherweise nicht zum Konzertende, sondern schon nach vier Songs gespielten „Balu“ in den Ohren verließen wir frohen Mutes den Ringlokschuppen und begaben uns in die ostwestfälische Kälte. Feste soll man feiern, wie sie fallen – sagt der Volksmund. Aus diesem Sprüchlein ließe sich sicher ein lustiges Fazit für das Fest van Cleef 2010 basteln, aber schlechte Wortspiele hebe ich mir lieber für die nächste Kurzgeschichte auf. Stattdessen möchte ich diesen kleinen Bericht schließen mit: bis nächstes Jahr, Grand Hotel van Cleef-Menschen!

(Danke an Annika! Auch für die Bilder.)

Nur Geschichten dürfen ungestraft eingebildet sein

Ich saß am Tresen in einem Café, ich trank konzerterwartungsfroh ein viel zu kaltes Bier. Ein alter Mann setzte sich neben mich und ich bemerkte schnell, dass er durchaus klüger war als ich, denn er bestellte einen Glühwein. Ich roch ihm an, dass er Raucher war und bot ihm eine Selbstgedrehte an. Er wehrte sich nicht, wollte aber von mir wissen, was ich als junger Bub denn auf einem Konstantin Wecker-Konzert wolle. Bier und Musik, sagte ich. Der alte Herr lachte, stimmte mir zu und pustete zwecks Getränkabkühlung in seine Glühweintasse. „Na, dann viel Spaß bei meinem Konzert!“, sagte er mit einer lustigen Altemenschenstimme. Diese schöne und unernste Tonlage, die junge Menschen nicht hinbekommen, weil es ihnen noch an Erfahrung und Koks fehlt. Ich jedoch fühlte mich ein bisschen schlecht, weil ich Herrn Wecker nicht erkannt hatte, aber er war es, ja, er war es, denn drüben hing ein Plakat mit ihm drauf und ja, doch, er war es wirklich. Konstantin Wecker rettete die Situation höchstpersönlich: „Nicht schlimm, Bub, Günther Jauch hat mich neulich auch nicht erkannt.“ Ich, wieder ganz der Alte, witzelte zurück: „Der ist ja auch ein Kapitalist, der hat mit Ihnen doch auch nichts am Hut!“, Herr Wecker und ich lachten und rauchten und tranken, auch der Glühwein hatte inzwischen wohl eine trinkfreundliche Temperatur.

Nach ausführlichen Gesprächen über unsere sehr unterschiedlichen Leben reichte mir der Grand Senijöhr des Liedermaching seine linke Hand, er schenkte mir das „du“ und so ein „du“, das lässt sich gut behalten, dachte ich. Ich nahm es später mit nach Hause. Zuvor sah ich meinem neuen Freund Konstantin dann noch ein bisschen beim Musikmachen zu und ich stelle mir vor, dass er mir sogar einmal kurz zuzwinkerte. Und leider, leider war dieser Satz der einzig Wahre in dieser Geschichte. Ich füge noch einen weiteren hinzu: es gab nicht einmal Glühwein dort.

Rückwärts gelesen eine Mischung aus Pulli und Etui

Stammleserin Charlotte hat mich neulich in den Kommentaren auf sie aufmerksam gemacht und nun weiß ich von Illutes musikmachender Existenz. Ich bestellte mir ihre CD und möchte euch empfehlen, mich in diesem Punkte als Vorbild zu nehmen. Das, was die singende Frau da auf „immer kommt anders als du denkst“ tut, nennt man im Musikgenredeutsch „LoFi“, glaube ich, aber wen interessieren Schubladen, wenn der Schrank gefällt. Huch, wie poetisch. Verzeihung. Weiter im Text: mit deutscher Musik bin ich sehr gut befreundet, aber gute deutsche Sängerinnen gibt es pervers wenige. Johanna Zeul fällt mir da spontan ein. Christiane Rösinger und die Lassie Singers überhaupt und sowieso. Aber sonst? Definitiv Illute. Bürgerlich heißt sie Ute Kneisel, aber das verzeiht man ihr gern.

Illtues Debutalbum „immer kommt anders als du denkst“ gegen Geld ertauschbar bei Analogsoul.

Schön, wenn man liebt, was Sven Regener einem gibt

Das Video ist „nur“ ein Puzzle von Szenen aus „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, doch neben dem Soundtrack kann ich auch den Film uneingeschränkt für eure DVD-Sammlungen vorschlagen. Früher habe ich mal gesagt, dass ich zwar wüsste, dass Element of Crime gute Musik machen würden, ich mich aber zu jung dafür fühle. Alteleutemelancholiescheiß und so. Nun finde ich den aber ziemlich knorke. Und das kann ich schön mit einem Zitat aus oben genannten Film garnieren: „Ich bin zu alt für mein Alter“. Mist?

what do you want?

Are we just yolks?

Viva la Eurovision (Nachtrag: Viva Lena!)

Ich bin ein sehr großer Freund des Eurovision Song Contests. Es fällt mir regelmäßig schwer, meine Begeisterung für diesen Wettbewerb glaubhaft rüberzubringen und weil ich ja sowieso so lustiger Schelm bin, halten das viele für einen Scherz meinerseits. Hehe, der Johannes, der Spaßvogel. Nein. Allen habe ich heute abgesagt; ich werde mir heute die komplette Show ansehen. Ich habe mir auch schon fast alle Beiträge bei YouTube angesehen, dazu verfolge ich den sehr sehr guten Oslog von Niggemeier und Heinser. Wieso? Ich versuche das jetzt mal anhand des irischen Beitrages von 2008 zu erklären, der damals leider bereits im Halbfinale ausgeschieden ist. Nicht erschrecken, bitte.

Das ist Dustin the Turkey, vergleichbar vielleicht mit Bernd dem Brot, nur bissiger. Und Dustin nimmt in diesem bescheuerten Song so unfassbar viel auf die Schippe: alte, irische Eurovision-Beiträge (Johnny Logan, zweifacher Sieger in den 80ern), den (erstmals beim Songcontest 1994 als Pausenaufführung präsentierten) „Riverdance“, die angebliche Ostblockmafia und natürlich nicht zuletzt sich selbst. Der Beitrag ist einfach nur Quatsch, tanzbarer Unfug mit dem ausgestreckten Mittelfinger. Ihr könnt uns alle mal am Arsch lecken, wir wollen Party! Wenn ich in diesem Video die vielen, vielen Flaggen sehe und wie die Leute einfach nur gemeinsam feiern, dann glaube ich, dass der Eurovision Song Contest genau so sein sollte. So ist er aber nicht. Der eigene Beitrag wird vor allem von den Massenmedien in einer unfassbaren Omnipräsenz in den Himmel gelobt, den osteuropäischen Ländern wird Punkteschieberei vorgeworfen (ob sich in Aserbaidschan jemand darüber beschwert, dass Spanien dem deutschen Beitrag regelmäßig 12 Punkte zukommen lässt, weil Mallorca?) und wenn das zweite Halbfinale, bei dem deutsche Zuschauer nicht stimmberechtigt waren, erstmals live im deutschen TV – wenn auch nur auf einsfestival – übertragen wird, dann gibt es trotzdem noch Leute, die sich darüber beschweren.

An sich ist es ja schon merkwürdig, dass bei der größten Musikveranstaltung der Welt nicht die jeweils besten Sänger des Landes auftreten. Aber auch das macht nichts. Mir reicht es, wenn da „irgendwer“ auf der Bühne steht und mich möglichst noch in Landessprache singend ein bisschen unterhält. Im zweiten Halbfinale sind in diesem Jahr acht Länder mit englischen Beiträgen weitergekommen, dazu Israel (Hebräisch) und, okay, Irland mit einem englischen Titel. Damit sind im Finale nur fünf von fünfundzwanzig Songs nicht auf Englisch, der serbische Beitrag mischt Serbisch mit Englisch. Das ist doch irgendwie: doof. Denn so ist der belgische nicht vom georgischen Beitrag zu unterscheiden. Ich bin dagegen, diese Entwicklung wieder mit straffen Regeln aufzuhalten (1966-72, 77-98 gab es sie) ; die Länder sollen bitte selber merken, dass der Contest zu einem großen Musikmatscheinheitsbrei verkommt. Man erhofft sich, durch das Singen in Englisch bessere Siegeschancen zu haben und so rückt das Gewinnen in den Vordergrund – für eine Unterhaltungssendung sicher nicht förderlich.

Daher bin ich auch so froh darüber, dass Deutschland in diesem Jahr Lena Meyer-Landrut ins Rennen schickt. Ich brauche sie hier nicht mehr mit den inflationär gebrauchten Adjektiven (süß, frech, toll) anpreisen, wer ein guter Mensch ist, weiß, dass sie wunderbar ist (auch wenn ihr Song nur so mitteltoll ist). Sie verkörpert genau diese egal-naive Spaßhaltung, die ich mir für die gesamte Show wünschen würde: tut keinem weh und macht Laune. Und wenn diese okayen Stücke dann noch mit Blödsinn wie dem Dustin-Beitrag garniert werden würden, dann wäre ich auch nicht der einzige Freund dieser Veranstaltung. Oder guckt das außer mir noch jemand? Und damit ich mich heute Nacht besser fühlen kann, hier meine Tipps:

Sieger: Aserbaidschan, Belgien oder Serbien
Außenseiterchancen: Deutschland, Frankreich und Armenien (ihr werdet sehen, wieso.)
Letzter Platz: England oder Dänemark

Auf ganz viele wehende Fahnen, tolle Musik (hehe.) und zwölf Punkte aus Spanien! Viva la Eurovision!

Nachtrag:
Ach du Scheiße, Lena!! Ich erinnere mich noch sehr gut an das letzte Jahr, wo man schon überall lesen konnte, dass man doch aufhören sollte mit dem Song Contest, weil Punkteschieberei und blablabla. Jetzt viele westeuropäische Länder weit vorne und Deutschland hat gewonnen. Unfassbar. Genugtuung! Freude! Lena! Habe übrigens für Belgien angerufen (Spanien und Zypern waren auch prima). Aber wen interessiert das. Lena!! Toller Abend. Prost!

Wie es in Werden war

Gestern habe ich Kultur in der Kulturhauptstadt 2010 konsumiert. Essen hat sich mal das „Pfingst Open Air Werden“ ausgedacht. Ganz viele Musikmachende und Musikhörende haben das gut gefunden und sind erschienen. Und weil es rechnerisch nicht sein kann, dass alle meine Leser bei der diesjährigen Auflage anwesend waren (ich habe zudem keinen von euch gesehen), hier ein paar witzige Anekdoten und, zur Auflockerung, auch ein paar unwitzige.

Weil ich mir noch keinen Führerschein gekauft habe, begann die lange Reise am Hauptbahnhof. Ich öffnete mein zweites Bier, rauchte meine dritte Zigarette und platzierte mich auf einer Sitzgelegenheit vor dem Gebäude; eintreten konnte ich nicht, da mich „Rauchfreier Bahnhof“-Schilder böse angesehen haben. Neben mir saß ein alter Mann mit alter Jacke und alter Stimme und alten Geschichten. Er erzählte mir, dass er als kleiner Junge halb aufgerauchte Zigaretten auf Bahngleisen eingesammelt hat, weil er kein Geld für richtige Kippen hatte (möglicherweise fand er es aber auch unheimlich geil, sich wie eine Taube im Sekundentakt am Gleis zu bücken, aber diesen Gedanken behalte ich für mich). Um eine Zigarette bat er mich und natürlich ging ich diesem Wunsch nach. Unangenehm war mir, dass er mich dafür mit unvernünftig viel Kleingeld bezahlen wollte. So einer bin ich nicht, aber er bestand darauf und dann war ich doch so einer; auch, weil ich gestern Abend mein letztes Geld versoffen hatte. Ich klopfte ihm zum Abschied auf die Schulter und jetzt sind wir Freunde. Später war ich dann irgendwann in Essen-Werden und Entschuldigung für diesen Zeitsprung, aber ich muss ja auch mal zur Sache kommen.

Gisbert!In Essen-Werden stand ich lange in einer Warteschlange, dann begrüßte ich Sicherheitsmenschen, die sympathisch ungenau arbeiteten und drei Bierflaschen in meiner Tasche übersahen. Und dann war da noch dieses schöne Gewässer, wahrscheinlich die Ruhr, und da schwammen ein paar Leute drin, Gedichtegutfinder dürfen sich diese Umgebung als „Idylle“ vorstellen. Auf der Bühne war ein Kollektiv namens „BEAT!BEAT!BEAT!“ und die waren wahrscheinlich gut, aber ein ausführliches Urteil überlasse ich anderen, habe nur eine Komposition mitbekommen. Dann habe ich ein paar Menschen zur Seite geschoben (manche davon waren wirklich hübsch, die schob ich dann weniger aggressiv), damit ich Gisbert zu Knyphausen (siehe Bild rechts oder hier) aus naher Nähe sehen kann. Der zappelige Ansagemensch, der zwischen den Künstlern eine Beatbox (größster Scheiß überhaupt, übrigens) war, kündigte ihn mit „Hier die Band ‚Gisbert von Kryphausen‘!“ an und da war ich froh, dass der gute Gisbert doch noch nicht so berühmt geworden ist, wie ich befürchtet hatte. Während „Flugangst“ und vor „Kräne“ musste ich aus Versehen pinkeln. Bei ausnahmslos allen Liedern musste ich aus Versehen mitsingen. Mehr will ich jetzt hier nicht vom Gisbert erzählen, aber denkt euch einfach ganz viele Superlative: er ist immer noch der Beste. Applaus.

Es waren ganz viele Menschen anwesend, der Großteil jünger als das (in diesem Jahr neunundzwanzig Jahre alt gewordene) Festival und manche bedeckten ihre Körper mit Bandshirts. Bandshirts sieht man immer nur bei Musikereignissen, das prangere ich an. Übrigens ist die Population von T-Shirts mit unwitzigen Sprüchen („Ich bin wegen dem Bier hier“) stark steigend, ich hasse diese Menschen und ihr könnt mich alle mal. Was man auf einem Festival niemals machen darf, ist sich rauchend irgendwo hinzusetzen. Alle neun Sekunden kommt jemand und schnorrt. Den Ersten fand ich noch amüsant, weil mir spontan „Nein, verzeih, ich bin Nichtraucher“ einfiel, aber die anderen dürfen sich neben die Witzshirtträgern in der Hassreihe stellen. Dann kamen Friska Viljor auf die Bühne, die ich Anfang des Jahres schon als okaye Liveband erlebt hatte und so nutzte ich die Zeit sinnvoll(er) und tat rumlaufend so, als würde ich jemanden suchen. Bewegung tat mir gut, die Wirkung des Alkohols lies nach und mein leeres Portmonee hinderte mich daran, diesen Umstand zu ändern. Ich setzte mich an einen Baum (ich behaupte, dass es eine Birke war, aber das ist geraten) und schrieb Kokolores in mein Moleskine-Notizbüchlein. Dabei wurde ich überraschenderweise nicht doof angeguckt. Wenn man an einem Ort ist, an dem man Sachen machen kann, die man gut findet, ohne dass man dabei doof angeguckt wird, dann ist man da, wo es richtig ist.

Bonaparte!Bonaparte (siehe Bild links, Abb. ähnlich) hätte ich schon letztes Jahr auf dem Melt sehen können, wenn ich die nicht verpennt hätte. Ihr Auftritt auf dem „Pfingst Open Air Werden“ war voll von Masken, Komischkeiten und nackter Haut. Das war gut so, denn die Musik war überraschend öde. Aber Schweinsmützen, Babyköpfe und sich langsam entkleidende Tänzerinnen machten das wett. Einmal drehte ich mich um, um in die Gesichter der geschätzt zwei Millionen Leute hinter mir zu sehen und da waren eine Menge Leute dabei, die vor lauter Sex und Kunst auf der Bühne nicht wussten, ob sie masturbieren oder applaudieren sollten. Weil Massenwichsen nur in Pornos und Kreisen, in denen ich nie verkehren (haha!) werde, existiert, haben aber alle in die Hände geklatscht und die Hosen anbehalten, zum Glück. Mehr Musik konnte ich mir danach leider nicht mehr angucken, denn die restlichen zwei Bands spielten irgendeinen Metalscheiß, den bitte andere gut finden sollen. Ich spazierte zum Ausgang, traf auf dem Weg E., sagte ihr nett „Hallo!“, sie malte mir was in mein Moleskine-Notizbüchlein und gab mir Eistee. Im Gewühl habe ich verpasst, ihr „Tschüss!“ zu sagen, aber sie wird mir verzeihen. Fantastischerweise war eine Dosenbierverkäuferin auf dem Weg zur Bahn und ich tauschte das Stunden zuvor vom netten Geschichtenerzähler erhaltene Klimpergeld gegen eine Dose unleckeres Regionalbier. So schließt sich der Kreis, dachte ich mir. In der Bahn spielten ein paar Indiekids „Stadt-Land-Fluss“ und wussten nie einen Fluss. Niemand kennt viele Flüsse, deswegen entscheidet sich bei „Stadt-Land-Fluss“ auch immer bei „Fluss“, wer gewinnt. Flusswissen ist goldenes Wissen, die restlichen Kategorien benötigen nur Spontanwissen.

Sapperlot, da gab es ja doch einiges von meinem großartigen Ausflug nach Essen zu erzählen. Ich lege mich dann mal auf meine überforderten Ohren. Gute Nacht.

There and Elsewhere


Listening to „You Talk All Night“ makes me feel sick and ashamed of myself, but in a good way – as if from this point on all things will be pure, an example that life can be as innocent as it used to be.
-Kev Kharas

My Sad CaptainsYou Talk All Night (mp3)

[vom sehr sehr guten Album „Here and Elsewhere“, das ihr euch bitte kauft, wenn ihr meine Freunde seid.]

Mal was Schönes

Und weil ich nett bin, hier noch zwei wunderbare Downloads:
Hans Unstern - Paris (mp3)
Ja, Panik - Paris (Hans Unstern-Cover) (mp4)

Bass, Bass!

and I must admit that I was a bit scared

Kate Nash ist in einen Topf voller Schminke gefallen. Ich wette, sie wurde geschubst.

Where ever we go, we celebrate!

Piraten finde ich pauschal doof, so wie ich früher schon Cowboy und Indianer nicht leider konnte. Solche Leute stecken bei mir alle in der gleichen Schublade; da wo auch Johnny Depp seit dieser Trilogie dieses Piratenscheißfilms steckt. Aber Seefahrer an sich sind okay. Schiffe sowieso. Und deswegen werden wir jetzt gemeinsam mit der sensationellen irischen Band The Pogues (mit dem sensationell kaputten Shane MacGowan!) und ihrem Welthit „Thousands Are Sailing“ von Dublin aus nach Amerika emigrieren. (Irgendein Heini hat bei YouTube ein paar Fotos aus seinem Irlandurlaub zusammengepuzzelt und die Bilderserie dann mit diesem Lied unterlegt. Und das ist nicht so unspannend wie es sich anhört. Ich hätte jetzt gern Urlaub.) And we dance! Alle Landratten, die das doof finden, brauchen nicht mitsegeln. Ihr könnt euch ja nächstes Karneval wieder als Piratcowboyindianer verkleiden. Alle Mann und Frau an Deck! Ahoi!

Blur, Alter! ALTER!!! Blur!!

In den Neunzigern musste man sich entscheiden: Oasis oder Blur? Gallagher oder Albarn? Cigarettes & Alcohol oder Coffee & TV? Heute hat man es einfacher, man kann einfach beide supi finden und wird deswegen nicht geboxt. Oasis habe ich letztes Jahr zweimal live gesehen (1 & 2), Blur leider nicht, weil die sich dafür entschieden haben, ihre Revivalkonzerte in London statt Krefeld stattfinden zu lassen. Sei es drum. Die Gallaghers haben sich endgültig zerstritten und sitzen in diesem Moment irgendwo rum und sind besoffen. In fünf Jahren raffen sie sich dann wieder zusammen und geben Revivalkonzerte (in London). Dabei war „Dig Out Your Soul“ so ein prima Stück Musik. Aber auch Albarn trifft doofe Entscheidungen: trotz riesigem Erfolg des Comebacks wird es wohl kein neues Bluralbum geben, ohhhhh. Schade, ernsthaft. Immerhin konnte man sich zur Aufnahme eines neuen Songs namens „Fool’s Day“ hinreißen und weil der extrem geil ist, sollt ihr den auch mal hören.

Einfach bei http://blur.co.uk/ einen Namen („Noel Gallagher“, hahahahahaha, witzig.) und eine E-Mail-Adresse erfinden und dann geht es los. Sie können es immer noch! There’s no other way.

Ich gebe euch Gänsehaut!

Ich habe jetzt etwa fünf verschiedene Blogeinträge bzw. -geschichten angefangen, aber alle verworfen, weil mir letztlich doch keine gut gefiel. Das ärgert mich sehr, aber folgende Themen sind (aus verschiedenen Gründen; Hauptgrund: Kreativitätsblockade) unter anderem durchgefallen: Abseitsfallen im echten Leben, „Bitte nicht im Stehen pinkeln“-Karikaturen, der Dinslakener Stadtteil Hiesfeld. Dann eben nicht. Es hätte so spaßig sein können. Stattdessen hier jetzt die Band „Gänsehaut“ mit ihrem Welterfolg „Karl der Käfer“. Er wurde nicht gefragt. Und dann hat man ihn fortgejagt. Skandal. Rettet die Wälder! Rettet die Käfer! Rettet alles!

Danke, Andrei Ternowski!

Text?Chatroulette ist ein Chatraum mit zufällig ausgewählten Chatpartnern. Mit Ton, Bild und Chatfenster. Meistens bekommt man dort die Selbstbefriedigung des Mannes präsentiert, ohnehin ist der Männeranteil dort außergewöhnlich groß. Wer Chatroulette bereits genutzt hat, wird dies bestätigen können – und der Rest kann es ausprobieren, wobei ich natürlich keine Beschwerden entgegen nehme: ja, ich weiß, da sind dauernd welche am wichsen, ich habe euch gewarnt. Bäh. Aber Chatroulette kann auch ziemlich knülle sein, aber mehr dazu in Absatz zwei. Und der kommt jetzt:

Ein Internetmensch mit dem Internetnamen „Merton“ kann gut Klavier spielen, improvisieren und witzig sein. Er setzt sich also an sein Piano, klickt sich durch die Chatpartner und singt dann spontan dazu was. Äußert lustig, weil authentisch. Wer gute Musik mit Spontanität und Humor verbinden kann, hat ja sowieso schon gewonnen, siehe zum Beispiel Helge Schneider.

Bevor ihr weiterlest, solltet ihr wenigstens kurz mal auf den Merton-Link klicken und gucken, was der für euch abliefert.

So, die braven Leser haben sich das jetzt sicher angeschaut und tollen Leuten wird aufgefallen sein, dass der Kerl aussieht wie Ben Folds. Und dass er klingt wie Ben Folds. Und dass er so gut Klavier spielt wie Ben Folds. Und so lustig ist wie Ben Folds. Merton und Ben Folds sind aber eben nicht ein und die selbe Person, sondern zwei verschiedene Menschen mit ähnlichen Genen (oder so), ha! An dieser Stelle könnte die Geschichte zu Ende sein. Aber Ben Folds hat mitbekommen, was dieser Merton so macht und da wollte er den Spökes auch mal ausprobieren.

So entstanden auf einigen Folds-Konzerten quer durch die USA „Ode to Merlin„-Videos, auf denen er die geniale Idee Mertons live vor tausenden Leuten umsetzt. Großartig, großartig, großartig. Es ist gleich halb vier Uhr morgens und mir fällt da jetzt nicht mehr viel zu ein, aber die Videos sprechen für sich. Guckt sie euch einfach alle an und ihr werdet das auch so verstehen.

Was ich hingegen nicht verstehe: wenn ich bei Chatroulette unterwegs bin, sehe ich nur die bereits erwähnten Handarbeiter. Nie Ben Folds oder Merton. Alter Freund Gerechtigkeit, wo bist du?

Was für alle

Hören und gucken: Uniform Motions

Vor fast etwa ziemlich genau einem Jahr habe ich an dieser Stelle auf die immer noch tolle kanadische Band The Wind Whist­les aufmerksam gemacht. Und die sind auf dem Netlabel mit dem netten Namen „aaahh re­cords“. Dort gibt es immer wieder schöne und kostenlose Musik, zum Beispiel auch eine feine EP der Schwedin Emilie Lund. Aber um die soll es hier nicht gehen. Denn ich habe neben diesen zwei guten Künstlern auch noch eine sehr gute Band gefunden, die ich hier jetzt mal aus reiner Nettigkeit vorstellen möchte: Uniform Motions.

Uniform Motions sind drei junge Franzosen, die nicht nur Musik machen, sondern auch prima zeichnen und illustrieren können (was mich an Chad VanGaalen erinnert, aber das nur so am Rande). So gibt es nicht nur Musik, sondern auch ein Comicbuch und selbstkreierte Videos. Für jedes Lied je ein Comic bzw. Video! Und das alles „natürlich“ gratis – wobei man auch einen symbolischen Preis für dieses Stück Kunst zahlen kann. Tolle akkustische und nachdenkliche Musik, die untrennbar mit dem Visuellen verbunden ist. Passend also der Titel des diesjährigen Debüts: „Pictures“. Einen Nachfolger gibt es auch schon („Life“), erhältlich über die Bandhomepage. Außerdem habe ich gelesen, dass der Grafikdesigner Renaud Forestié bei Live-Auftritten der Band simultan zur Musik kleine Zeichnungen erstellt und diese an die Wand projiziert. Wie superkuhl ist das denn? Eine Deutschlandtour ist aber leider noch nicht geplant, während ich diese Zeilen schreibe.

Ich hasse es, Musik mit adäquaten Adjektiven und Vergleichen zu umschreiben, daher könnt ihr mir vielleicht einfach den Gefallen tun und das hier supi finden:

Uniform MotionsFalling Off Trees (MP3)

Also braucht ihr jetzt nur noch den wichtigen Link, den ihr bitte auch ausnahmslos alle anklicken sollt: zum kostenlosen Album „Pictures“ mit all seinen Comics, Videos und Tönen bei aaahh records. Applaus!

Draußen stürmt es und ich höre passende Musik dazu

boah hier tolles video unbedingt gucken wow

Musik:
daantje & the golden handwerk - Zum Tee zu Neerström (Rechtsklick, speichern unter, hören)

„Hallo. Jetzt kommt n trauriges Lied“

Moritz Krämer. Sehr gut.

Moritz KrämerHinterher (draufklicken und dort findet ihr den Song selbst)

It’s never too late

Heute vor exakt zehn Jahren wurde mein Lieblingsrumpelmusiker fünfzig Jahre alt. Lieber Tom Waits, alles Gute nachträglich!

Johannes zum Hören!

Ich habe in den letzten Tagen ein paar kurze Hörspiele aufgenommen. Allein. Trotzdem sind die Hörspiele mehrstimmig – Zauberei! Vielleicht mal anhören, Kritik ist erwünscht. Wenn mir danach ist, folgen nach und nach noch weitere kleine Aufnahmen.

Zu den unglaublich guten Hörspielen:
http://www.lastfm.de/music/Jacques+Fleur/H%C3%B6rspiele

Oho: Aha!

Text?Nein, er ist kein Holländer. Aber der Stuttgarter Liedermacher Joachim Zimmermann wird schon gewusst haben, was er sich selbst antut, als er sich den Künstlernamen daantje & the golden handwerk zugelegt hat. Auf dem kleinen, netten Label Omaha Records (mitgegründet von Gisbert zu Knyphausen) hat er nun seine neue EP veröffentlicht. „Aha“. Heißt sie. Und ich habe sie mir bestellt, angehört und sie letztlich für gut befunden.

Die Grundstimmung, die sich durch alle fünf Titel der EP zieht, lässt sich einfach mit dem Wort „Herbstmusik“ beschreiben. Tief melancholische, trabende Songs von enttäuschter Liebe und gesammelten Gedanken, spärlich begleitet von Akustikgitarre und ein bisschen anderem Instrumentenzeug im Hintergrund. Banjo, Snare und Percussion zum Beispiel. Und ein bisschen Elektronik. „Und ich bin immer nach oben gelaufen / und ich kam immer unten wieder raus“ singt er bestürzt gleich im ersten Lied, „Rampenlied“, satte neun Minuten lang. Man glaubt ihm jedes Wort. Wunderbare Zeilen wie diese hat er in jedem Lied versteckt, die roteraupe fasst das besonders schön zusammen:

Dafür schenkt einem daantje & the golden handwerk wunderbare Zeilen […], die man am liebsten auf einen Zettel schreiben und in der Hosentasche mit sich herumtragen möchte.

Hat man sich erst einmal in die EP reingehört, in die Melodien verliebt und die tiefsinnigen Texte entschlüsselt, lässt sich in „Aha“ eine feine halbe Stunde Musik finden, die trotz aller Schwere eine erfrischende Alternative zu all den grinsebackigen Liedermachern dieses Landes ist. Und so schließe ich diese winzige Kritik mit dem besten Satz, mit dem ein Review eines jungen Musikers enden kann: „von diesem Künstler wird man noch viel hören!“. So wird es sein.

daantje & the golden handwerk bei myspace:
http://www.myspace.com/daantjethegoldenhandwerk

Erstmal reinhören:
daantje & the golden handwerk - nicht viel (mp3)
daantje & the golden handwerk - wer du bist (im Stream)

Karamel – Sag mal, Johann…

Three seconds of fame

Man sagt, heutzutage habe jeder so seine paar Sekündchen Berühmtheit. Oder, um es auf coolem Englisch zu sagen: you have your ten seconds of fame! Und jetzt, jetzt gilt es auch für mich: juhu! Der Filmemacher Eric Siebert hat nämlich eine komplette Dokumentation über meinen Blog gedreht! Also fast. Neben den handgestoppten drei Sekunden, in denen mein sehr, sehr guter Blog (bzw. dieser Artikel) als Beispiel für journalistische Glanzleistungen zu sehen ist, gibt es drumherum auch noch rund 44 Minuten und 57 Sekunden lang einen Rückblick auf das diesjährige Melt!-Festival.

Bald kommt die Dokumentation wohl auch ins Fernsehen, ich persönlich rechne mit einem Sendeplatz zur besten Sendezeit, 20:15 Uhr, samstags, in ARD und ZDF gleichzeitig oder so. Auch wenn RTL-Kameras zu sehen sind und scheinbar eine Ausstrahlung bei n-tv im Gespräch ist. Bin gespannt! Und bis dahin kann man sich die prima Doku aber auch online ansehen. Zum Beispiel und ausschließlich hier:
http://www.meltdoku.de/

(etwa bei 35:44 Uhr, wo Dirk Völlner von der INTRO irgendwas erzählt, ist der große Moment. Man kann sogar den Blognamen lesen, ich erwarte also etwa siebentausenddreiundvierzig neue Besucher und Fans auf diesen Seiten. Juhu!)

Voll indie, ey!

Chapeau, Jacques!

Bonjour! Ich spreche in etwa pi Worte Französisch. Aber schon als kleiner Stöpsel hat man englische Musik schon dufte gefunden, obwohl man maximal die Worte „cool“, „hello“ und „yeah“ verstanden hat. Und jetzt Französisch! Jacques Brel! Keine Ahnung wovon der Belgier singt, aber er hat natürlich den Vorteil, dass alles auf Französisch klingt, als ginge es um Herzschmerz und die große Liebe. Vielleicht besingt Brel ja auch Fußpilz oder die Straßenverkehrsordnung; ich weiß es nicht und will es eigentlich auch gar nicht wissen. Ist so schon gut genug, scheiß auf den Text. Hier sein Song „La Valse A Mille Temps“. Übersetzung egal, Musik gut. Chapeau!

Dem Sommer sein Hit

Habe euch schon länger nicht mehr verraten, was denn mein aktueller Lieblingssong ist. Und weil ich nett bin, verrate ich es euch jetzt. „We Won‘t Break“ von Zoot Woman. Voll supi. Auch das Video. Angucken, gut finden und so. Von mir aus auch dazu tanzen, ist ja nicht ganz so üblich, dass ich hier Tanzbares vorstelle. Aber gutes Lied. Wer übrigens derselben Meinung ist, kann sich das Lied hier kostenlos, gratis und für lau herunterladen.

Kassette, Baby!

Ich weiß noch, früher. Da habe ich es irgendwie geschafft, mit meiner Stereoanlage Musik von CD auf Kassette aufzunehmen. Man musste immer davor sitzen, die richtigen Lieder zur richtigen Zeit anwählen und nebenher noch den ein oder anderen Knopf drücken. So konnte man sich, meistens vor längeren Reisen, prima Musiksammlungen zusammenstellen. Lustigerweise hatte ich nicht mal einen Walkman, sondern nur ein Diktiergerät, was ziemlich praktisch war, denn so konnte man mal Musikfernsehen- oder Radio-Mensch spielen und die Lieder ankündigen und sowas. Und natürlich hatte das Teil auch einen unfassbar schlechten Lautsprecher und so war es dann auch möglich, seine Umwelt mit Scooter und dem anderen Zeug, das man eben so hört, wenn man ein kleiner Popanz ist, zu nerven. Ich erinnere mich sogar daran, dass ich mich mal vor den Fernseher gehockt und irgendeine egale Musikveranstaltung (Bravo-Supershow oder sowas.) aufgenommen habe. Die Tonqualität war dementsprechend, aber immerhin hatte das Stil. Ein bisschen zumindest. Muss mal gucken, ob ich die Kassetten noch wo rumliegen habe, bestimmt spaßig.

Leider fürchte ich, dass ich wohl der letzten Generation angehöre, die Worte wie „Kassette“ noch unfallfrei schreiben und in Geschichten einbauen können. Heute lädt man sich seine Lieblingslieder per Knopfdruck aus dem Internet herunter, stopft diese dann auf seinen mp3-Player und fertig. Irgendwie unromantisch, aber praktisch.

Das Melt gefällt – ein Festivalbericht

Hurra, mein erstes mehrtägiges Festival! Das ein oder andere Konzert hatte ich ja schon hinter mich gebracht, aber jetzt war es soweit: ein Festival, ui! Über drei Tage! Wow! Im Osten! Gräfenhainichen! Mit echten Ossis1 und echtem Sächsisch! Und guter Musik! Melt! Und es war vorab schon alles ausverkauft, erstmals! Ein spontaner Bericht ohne zu viele Details, dafür mit viel Liebe geschrieben.

Melt! - Foto: Johannes F.Freitag – 17.07.09
Die ganzen Geschichten von Zeltaufbau und dauer-betrunkenen Dänen mit Megafon im Zelt nebenan erspare ich euch, daher direkt zum wichtigen Teil: der „Location“, wie man als cooler Trendsetter heute sagt, oder wie ich es nenne: das Festivalgelände. Früher Braunkohletagebau, heute Musik. Überall Bagger und so Zeug. Dufte! Die erste Band, die man sich dann angucken durfte, waren die Cold War Kids, zu denen ich außer dem Adjektiv „okay“ komischerweise nichts erzählen kann, weil belangloser Alternativ-Indie-Kram. Kurz darauf gab es dann aber für mich das erste große Highlight, als ich zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen Gisbert zu Knyphausen sehen durfte, der immer noch der Beste ist. Das neue „Seltsames Licht“ ist das schönste traurige Lied der Welt. Kennt ihr vielleicht noch nicht, aber wenn es das irgendwann mal als Studio-Version gibt, werdet ihr davon hier lesen. Später am Freitag folgten dann aber erstmal noch Klaxons (tanzbarer 08/15-Britpop ohne Ohrwürmer), Röyksopp (live für mich zu abgedreht, aber auch nicht mein Genre) Crystal Castles (selbiges hier) und The Virgins („Rich Girls“ ist ein verdammt geiler Ohrwurm und die Band ist auch überraschend gut!). Achso, und natürlich noch Travis, bevor mein Körper dann den Geist aufgegeben hat und ich leider unter anderem Gossip verpasst habe. Bei Travis reicht es eigentlich, diesen Bericht aus dem letzten November zu lesen, denn die Setlist und die Spielereien mit dem Publikum waren bis auf die fehlende „Why Does It Always Rain On Me?„-Zugabe nahezu identisch, aber eben identisch spaßig und gut. Außerdem ist Frontmann Fran Haley bestimmt der netteste Mensch der Welt. Muss man mögen.

Super700 - Foto: Johannes F.Samstag – 18.07.09.
Nach einer durchregneten, aber erholsamen Nacht gab es am Samstag einen wahnsinnigen, beinahe neunstündigen Musik-Marathon. Beginnend mit den öden Baddies, über die gute deutsche Band Mikroboy, die noch viel tolleren Berliner von Super700 (siehe Bild rechts) und dem ehemaligen Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer, dessen Auftritt aber irgendwie nicht so recht fluppen wollte, so ging es mir zumindest. Die neuen Solo-Songs zündeten noch nicht, die alten Blumfeld-Hits kenne ich gar nicht erst und wenn zwischenzeitlich nicht Liedmacher-Gott Gisbert zu Knyphausen neben mir am Bierzelt gestanden hätte, wäre mir vom Auftritt wohl gar nichts in Erinnerung geblieben. Ach, wenig später traf ich dann noch zwei MTV-Gestalten; Joko und Klaas hießen die, glaube ich. Waren sehr nett und spendierfreudig, was alkoholische Getränke und Geschichten aus dem Leben eines B-Promis und Musikfreund angeht. Ihre Groupies kenne ich jetzt auch, aber eine weitaus tollere Erfahrung war selbstredend wenig später der Auftritt von The Whitest Boy Alive, die ziemlich lässigen Easy-Listening-Dance-Pop machen (und dafür auch hier schon mal von mir gelobt worden sind). Bei untergehender Sonne perfekt. Anstrengender waren anschließend Animal Collective, weswegen ich auch schnell zur seichteren Jazz-Songwriterin Anna Ternheim geflüchtet bin. Übelst super-fetzig (!!) wurde es dann bei Phoenix, mit ganz viel Rumgespringe und Versuchen, die englischen Texte der Franzosen mitzusingen. „1901“ ist mein Hit des Sommers, glaube ich. Bin Fan. War danach aber körperlich wiedermal völlig fertig und habe Bloc Party auch nur so halbwach mitverfolgt. Am nächsten Morgen durfte ich mir dann noch anhören, wie viel ich bei Bonaparte kurz vor vier Uhr nachts verpasst hätte, scheiße.

Melt! - Foto: Johannes F.Sonntag – 19.07.09
Oh, letzter Tag. Ein letztes Mal über die teuren Preise und den Nieselregen ärgern, ein letztes Mal über sehr gute Musik in guter Gesellschaft freuen. Bedingt durch Zeltabbau, Koffer wegbringen (waren mit dem Reisebus da) und Ausschlafen konnte ich vom im Vorfeld so viel empfohlenen Patrick Wolf leiderleiderleider nur noch knappe zehn Minuten sehen. Die haben gereicht, eine lustige kleine Tucke mit einer Stimme, die der von Conor Oberst (Bright Eyes) ziemlich ähnlich ist. Sein Abschluss „The Magic Position“ verdient auch sehr positive Adjektive („geil“, „launig“, „knorke“) und auch hier: bin jetzt Fan. Leider mussten danach Glasvegas auftreten. Der Sänger ist ein arroganter Macho und die Musik ist auch – mit Verlaub – richtig richtig scheiße. Langweilig, laut, scheiße. Sogar eigentlich gute Songs wie „Daddy’s Gone“ gehen live kaputt. Was für eine scheiß Band! Mit der Meinung bin ich übrigens nicht alleine, zumindest gab es bei keinem anderen Auftritt so wenig hörbaren Applaus. Kein Applaus für Scheiße; gut so, Melt-Publikum! Cooler waren zeitgleich die rockenden Team Monster, die sich unter Masken versteckt haben, aber in Jogging-Hose und mit Konfetti-Kanone eine sehr unterhaltsame Bühnenshow abgeliefert haben. Beste Unterhaltung lieferte dann auch ein Nackedei (Video), der den ja doch eigentlich ganz okayen Polarkreis 18 für viele Minuten Aufmerksamkeit und Applaus raubte. Hihihi. Es folgten noch Kasabian, die von den vielen britischen Besuchern maßlos gefeiert worden sind, aber irgendwie nicht so toll waren, und abschließend Oasis (siehe Bild links). Und bis auf eine Ausnahme spielten die Junge die selben Songs wie vor ein paar Monaten in Düsseldorf. Klar, da sind alle Hits dabei, aber es ist ein wenig so, als würde man den gleichen Film zweimal gucken, denn Ansagen gibt es bei den Gallaghes nun mal nicht wirklich. Ich will nicht motzen, aber ein anderer Headliner wäre mir lieber gewesen, so sehr ich Oasis auch mag.

Danach Busfahrt, einige Portionen Schlaf und Ankunft zu Hause. Adieu Dosenfutter, auf Wiedersehen betrunkene Dänen oder kurz: tschö Melt. Bis zum nächsten Jahr, vielleicht.

  1. Weil es leider genau drei Beschweden darüber gab, dass ich mich so fies über Ostdeutsche lustig mache: Satire, liebe Leser. Satire! Vielleicht habe ich als Titanic-Leser viel schlechten Einfluss, aber der Fehler liegt bei euch, nicht bei mir: und zwar wenn ich diesen kleinen Jux ernst nehmt. Ist doch nicht so gemeint, haha! So.

10 Dinge, die ihr noch nicht über meinen Fest van Cleef-Besuch wisst

Grand Hotel/Fest van Cleef in Essen1. Ich kann „Element of Crime“ nichts abgewinnen, gar nichts. Sven Regener hat eine komische Stimme und die Texte gefallen mir nicht. Bin wahrscheinlich zu jung oder zu doof für diese Band, die sonst wohl alle Menschen auf diesem Planeten lieben.
2. Thees Uhlmann ist eine coole Sau.
3. Wirklich.
4. „Why?“ waren überraschend gut, was vielleicht auch am spontanen Sinnflut-Regen lag. Habe mir gleich die letzte CD „Alopecta“ und am Merchandising-Stand von dem Typen, der vorher auf der Bühne Xylophon („Xylophonist“?) gespielt hat, signieren lassen. Bin jetzt Fan.
5. Die „Kilians“ sind wirklich okay. Aber wie viele andere Bands sind das auch? Zumindest ist Sänger Simon der Hartog ein coolerer Typ mit besseren Ansagen als der mir namentlich nicht bekannte Sänger bei Punkt 6.
6. „Muff Potter“. Auch okay, aber auch nicht unbedingt mein Fall. Wie erzählt doofe Ansagen, aber okaye deutsche Texte. Okay halt.
7. Dass Gisbert zu Knyphausen derzeit der beste deutsche Liedermacher ist, weiß ich nicht erst seit gestern (viel zu kurzer Auftritt mit nur 30 Minuten, übrigens) und auch nicht seit seinem unheimlich guten Auftritt vor zwei Wochen hier in Krefeld. Neu ist, dass er mir nachher beim zufälligen Treffen zwischen Toiletten und Fressbude Autogramm und Auskunft über das Erscheinen des nächsten Album (erst 2010, aber vorm Sommer) gegeben hat (wahrscheinlich, weil ich ihn „damals“ nicht danach gefragt hatte).
8. Wenige Meter neben ihm stand der zugegeben eher semi-lustige „Comedian“ Johann König, dieser Langsame, und weil ich ein netter Mensch bin, habe ich ihm gewunken und auch seinen Namen gesagt („hihi, guck mal, hier der Dings, Johann König, thihi!“), glaube ich. Trotzdem hat er mir nicht zurück gewunken und lediglich komisch, aber nicht komisch-komisch, zurückgeguckt. Ehrfurcht, Neid oder Mutlosigkeit tippe ich.
9. Habe dann noch zum dritten Mal in meinem Leben den Blog-Freund Lukas Heinser vom Kilians-Fanblog „CoffeeandTV.de“ gesehen, was lustig ist, weil nur ich weiß, wie er aussieht und nicht andersherum. Oder er weiß es und will nicht mit mir reden, darüber lässt sich nur spekulieren. War aber natürlich wieder „VIP“ im Backstage-Bereich, der Arsch.
10. Immer wieder spaßig so viele Bandshirts zu sehen. Ich selbst hatte ja mein gisbertiges Knyphausen-Shirt an, aber ganz toll viele andere Shits hat man gesehen: The Smiths, The Who, Ghost of Tom Joad, kettcar und so weiter.

Und nächstes Wochenende bin ich auf dem ausverkauften Melt! Und nächstes Jahr bestimmt wieder beim Fest van Cleef.

Herr Lehmann

Lehmann - Quelle: lastfm.deJens Lehmann kennt ihr sicher alle, ist Fußball-Torwart. Die Lehmann-Brothers kennt ihr sicher auch, sind pleite. Und vielleicht kennt man auch noch das Buch „Herr Lehmann“ (vom „Element of Crime“-Sänger Sven Regener), wurde auch mit dem guten Christian Ulmen in der Hauptrolle verfilmt. Aber was ist mit Krischan Lehmann? Na? Nö? Habe ich mir gedacht. Aber ich kenne ihn, zumindest weiß ich, mit wem er zusammen Musik macht(e?). Nämlich mit Eike Jung und James Lindemann. Und warum erzähle ich euch diesen ganzen Mist? Weil es mal wieder an der Zeit ist, gute Musik vorzustellen. Aufdieplätzefertiglos:

Zusammen nennen sich die bereits erwähnten drei Herren „Lehmann“. Der namensgebende Herr Lehmann singt, Jung singt auch und spielt Gitarre, Lindemann den Bass (laut Bandseite). So. Wo diese wichtigen Grundinformationen nun bekannt sind, gehe ich ein bisschen auf das ein, was in den Stücken der Truppe (ich sage gern „Truppe“ anstelle von „Band“, klingt dufte!) so zu hören ist. Denn wie es mir scheint, sind diese drei Menschen ein wenig öffentlichkeitsscheu, was einerseits doof ist, weil ich diese Zeilen hier mit Egalem und Floskeln füllen muss, aber andererseits auch sehr sympatisch ist, weil eben die Musik für sich sprechen soll und es auch tut.

Als „Text mit Musik“ bezeichnen sie selbst ihre Musik und es fällt schwer, hier Gegenteiliges zu behaupten. Auf insgesamt drei regulären Alben und einer EP präsentieren sie ihren hin und wieder sehr schrägen und anspruchsvollen Deutsch-Pop, den ich persönlich irgendwo zwischen PeterLicht und Tomte einordnen würde (obwohl jeder weiß, dass solche Vergleiche ziemliche Moppelkotze sind) würde. Ihre Musik hat exakt die Mischung aus Albernheiten, Gesellschaftskritik und Lyrik, die ich mir gern öfter wünsche. Wirklich ziemlich super ist auch, dass sie ihre Alben allesamt kostenlos (gratis! 0€!) ins Netz gestellt haben. Ich, und mir könnt ihr da sicher vertrauen, möchte euch den Download natürlich wärmstens ans Herz legen. Ihr neuestes Werk „Jung“ aus dem Jahre 2005 ist mein Favorit, aber das sollt ihr mal schön mit euch selbst ausmachen.

Meine Lieblingsstücke: (Rechtsklick, speichern unter; kennt ihr ja)
Lehmann - Das hat doch längst System
Lehmann - Das ist Kunst, Mann!
Lehmann - Alle zeigen an, dass sie da sind

Die wichtigen Links:
Homepage der Band (inkl. aller Alben zum Download!)
Lehmann bei LastFM (alle Lieder zum Einzel-Download)

Gänsehaut für 91 Cent

Tom Waits - Closing TimeJa, der Name „Tom Waits“ war mir schon geläufig, als ich sein Debüt-Album „Closing Time“ aus dem Jahre 1973 erstmals auf meinen Schallplattenspieler legte. Dass ich mal in seine Musik reinhören musste: längst überfällig! Habe also mal so nebenbei und vollkommen erwartungsfrei die Platte angehört, getreu dem Motto „Schaun mer mal“. Und dann! Boah! Wooooow! Ich wünschte, ich wäre ein Musik-Journalist, denn dann könnte ich sicher noch toller erklären, was den unfassbar guten Song „Martha“ so unfassbar gut macht. Bin ich aber leider nicht und daher möchte ich euch bitten, das Lied selbst einmal zu konsumieren. Und ja, ich weiß: es ist unfassbar gut. Gänse! Also deren Haut, ihr wisst schon! Gänsehaut, uaah!

Leider gibt es jemanden, der etwas dagegen hat, dass ich euch dieses Lied hier über einen YouTube-Link präsentiere. Nur drei Minuten, nachdem ich es (samt Kauf-Hinweis, Verweis und dem ganzen Zeug) hochgeladen hatte, wurde es „aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von WMG“ (Warner Music, Waits‘ Label) gelöscht. Sehr unsexy! Immerhin gibt es lauter ebenfalls sehr gelungene Cover-Versionen des Songs, aber naja. So kann ich euch leider nur an den Amazon-Mp3-Shop verweisen, wo ihr einundneunzig Cent für den Titel investieren müsst. Ich weiß, in den Zeiten der Finanzkrise eine ganze Menge Geld, aber: ihr werdet es nicht bereuen, versprochen.

Denn: uuuah, diese Gänsehaut! Ihr wisst schon.

(Und weil es einigermaßen zum Thema passt: das hier drüben beim Lukas lesen)

Wir haben Grund zum Gratulieren

Ich könnte heute über so einige Dinge berichten: da wäre zum Beispiel die Wiederwahl von Horst Köhler als Bundespräsident, oder den sechszigsten Geburtstag des deutschen Grundgesetzes oder aber auch der überraschenden Meisterschaft vom VfL Wolfsburg.

Aber: nö. Die Massenmedien werden noch genug darüber berichten und ich möchte mich da heute nicht anschließen. Nur soviel: Glückwunsch Horst, Glückwunsch Grundgesetz, Glückwunsch Wolfsburg. Und: Glückwunsch an mich. Denn ich habe heute beim Trödelmarkt neben einem 2LP-Bootleg von Bob Dylan („A Rare Batch of Little White Wonder“, 3€) auch noch eine wunderbare Feten-Vinyl für einen Euro erworben: „Ja, das haben die Männer so gerne“ heißt die Schallplatte, die laut Aufkleber auf der Vorderseite mal 7,90DM gekostet hat. Und während auf dem Cover zwei leicht bekleidete Mädels zu sehen sind (die inzwischen wohl nicht mehr so knackig sind, mhh!), gibt es auch auf der Schallplatte einige schlüpfrige Dinge. „Kunibert und seine Lanze“, „Du hast ein Superding“, „Ich hab‘ ’nen Bi-Ba-Butzemann“ und mein persönlicher Favorit „Ein Korn im Feldbett“.

„Feucht-fröhliche Hits für eine ‚heiße‘ Party“, also. Wer braucht da schon Politik oder Sport? Pff! Ich feiere dann also gleich das Leben und mich selbst. Prost! Hurra! Sommer!

Nö.

EurovisionWieder hat es Deutschland nicht geschafft: keine zwölf Punkte! Zumindest nicht aus einzelnen Ländern, insgesamt aber immerhin fünfunddreißig. Okay, Sieger Norwegen (hatte ich übrigens auch getippt, wirklich!) hatte zwar ein paar Pünktchen mehr (387 insgesamt), aber was ist das schon. Deutschland hätte mit seiner Punktzahl in der Fußball-Bundesliga immerhin den Klassenerhalt geschafft! Aber dass Deutschland den Verbleib im Finale des Eurovision Song Contestes sicher hat, liegt nicht an der Leistung, sondern nur am Geld. Denn Deutschland ist als einer der großen fünf Geldgeber-Länder sicher für das nächste Jahr qualifiziert. Also, mit welchem Act verlieren wir denn dann 2010 in Oslo? Jemand eine Idee?

Vorab aber natürlich erstmal ein kleines Resümee des Abends in Moskau. Der erste Aufreger war leider weder musikalisch, noch erfreulich: eine Schwulen-Demonstration gegen die Diskriminierung Homosexueller im Land wurde auf den russischen Straßen gewaltsam von der Polizei gestoppt – wie man mit Minderheiten umgehen soll, weiß man im Gastgeberland also nicht so wirklich. Wenige Stunden später standen dann beim Contest äußert viele Homosexuelle auf der Bühne, nicht zuletzt bei Deutschland (Oscar Loya). Auf der Bühne sind Schwule also okay, aber auf den Straßen?! Ne, igitt! Ansonsten gab sich Russland nach außen eher westlich; mit einer unfassbar großen und toll aufwendigen Bühne und viel Mut zur Selbstironie, so gab es zwischendurch ein paar Filmchen, die gängige Russland-Klischees wie die Sache mit dem ständigen Wodka-Konsum ad absurdum führen sollten. Das ebenfalls gängige Klischee der fehlenden Presse- und Meinungsfreiheit blieb allerdings unbeachtet.

Musik gab es auch noch, ja. Viel viel Pathos, ab und an mal ein paar Titten (gut 2/3 der Teilnehmer waren weiblich und meist sehr gut gebaut), dann wieder Eurodance, dann Balladen und nur sehr wenig Skurriles, leider. Auch der gewohnte Kommentator fehlte: da Peter Urban wegen einer Hüft-OP verhindert war, führte Tim Frühling durch den Abend. Zwar locker und souverän, aber er konnte den Abend nicht wirklich retten; zu nüchtern und abgelesen seine Kommentare, schade. Wirklich gut gefallen haben mir dagegen die Auftritte von Estland, Portugal und Island – wer diese nicht gesehen hat, kann dies hier nachholen. Auch der Siegertitel „Fairytail“ von Alexander Rybak gehörte zu den besseren der Show: eine Mischung aus Pop und Folk, gepaart mit einem Ohrwurm-Refrain. Fertig ist der Eurovision-Hit, auch ohne Punkteschieberei aus den Nachbarländern.

Und Deutschland? „Oscar sings, Alex swings“ waren mit „Miss Kiss Kiss Bang“ zugegeben gar nicht so scheiße, wie man es erwarten konnte. Eine ganz nette, schnelle Swing/Pop/Dance-Nummer, die deutlich fetziger (und besser!) war als viele Konkurrenten. Und beim austragenden NDR hatte man sich extra noch was ausgedacht: von den (im diesen Jahr erhöhten) GEZ-Gebühren ging sicher ein nicht kleiner Beitrag an „Stil-Ikone“ Dita von Teese, deren Brüste ein paar Punkte mehr einbringen sollte, was ja nun letztlich nicht ganz geklappt hat. Wenn es also ein amerikanischer Homosexueller mit offenem Hemd, eine amerikanische Stripperin und ein deutscher Porno-Hit-Produzent (Alex C., bekannt für Songs wie „Du hast den schönsten Arsch der Welt“) nicht schaffen, wer dann?

Darüber muss ich jetzt erstmal ein Jahr lang nachdenken, schätze ich. War aber insgesamt auch ein sehr dürftiger Song Contest, die Jahre davor waren aufregender. Immerhin ist der Gewinner-Titel annehmbar und für den deutschen Titel muss man sich auch nicht so schlimm schämen wie manchmal in den Jahren davor. Aber da war mehr drin.

Oscar swings, Germany wins?

Hallo osteuropäische Punkteschieber,

wie ihr sicherlich längst erfahren habt, findet heute Abend der „Eurovision Song Contest“ in Moskau/Russland statt. Und weil ich ein sehr sehr großer Fan dieser lustigen Veranstaltung bin, werde ich heute alles stehen und liegen lassen und mir ansehen, wie folgende Ergebnisse garantiert nicht zustande kommen (mein eigentlich Favorit Lettland ist ja leider schon draußen):

Geheimfavoriten: Island, Norwegen, Estland
Deutschland: Neunter Platz
Weit unten: Großbritannien, Israel
(wer die Teilnehmer nicht kennt, muss entweder bis 21 Uhr (ARD) warten, oder hier klicken)

Übrigens gibt es heute drüben beim Lukas heute ein Live-Blogging zur Veranstaltung. Aller Voraussicht nach werde ich dort auch teilnehmen, auf lustige und weniger lustige Einwürfe meinerseits darf man sich also freuen (oder nicht).

Also: Ab 21 Uhr: Live-Blogging bei Coffee And TV!

Nachtrag (19:03 Uhr):
In knapp zwei Stunden geht es los und ich bestell mir schon mal was Leckeres zu Essen – und auch Getränke bräuchte ich noch. Und beim Online-Pizza-Lieferdienst meines Vertrauens gibt es sehr sehr Interessantes zu trinken:

Mhhh! Hab zwei bestellt.

Nachtrag (00:23 Uhr):
Ha! Ich hatte recht! Norwegen hat gewonnen, Island und Estland weit oben. Nur bei Deutschland (20.), Großbritannien und Israel habe ich mich ein bisschen verschätzt, aber egal. War insgesamt aber ein sehr dröger ESC, viel zu viel Pathos, viel zu viel Eurodance, viel zu wenig Skurriles.

Song des Tages #1

Es ist schon ein paar Wochen her, dass ich hier das letzte Mal meinen aktuellen Lieblingssong vorgestellt habe, deswegen drängt mich mein Unterbewusstsein heute dazu, diese unregelmäßige Rubrik endlich mal wieder hervorzukramen. Und: tada! Heute gibt es „Complicated Life“ von den Kinks aus dem Jahre 1971 vom unterschätzten Album „Muswell Hillbillies“. Und wir lernen: „Life is overrated, live is so complicated“. Wie wahr, wie wahr.

Wir lernen aber auch: Ladi dah di dahdah, ladi dah di dah dah!

Kurz abgehört #2

Felice Brothers - Yonder is the ClockThe Felice Brothers – Yonder Is The Clock

Ach Gott, was waren meine Erwartungen riesig. Ich konnte den Release des dritten Albums der Felice-Brüder gar nicht abwarten, musste mir also gleich den US-Import vorbestellen. Ein Grund dafür war auch das unfassbar fetzige „Run Chicken Run“ (siehe hier), das jetzt schon ein verdammt heißer Anwärter für den Song des Jahres ist. Aber das Album insgesamt, puh. Der Vorgänger, benannt nach der Truppe selbst, war eines der besten Alben aus 2008: mal schnell, mal langsam, dann wieder fröhlich und schließlich doch wieder erschütternd traurig. Wenn man so will, hat sich das alles auch bei „Yonder is the Clock“ nicht groß geändert, doch das Geschichten-Erzählen ist den Jungs um Frontsänger Ian Felice (der übrigens wieder oft an Bob Dylan und einmal sogar an Tom Waits („Sailor Song“) erinnert) letztes Jahr ein klein wenig besser gelungen. Auch sind die heiteren Stücke dieses Mal deutlich in der Unterzahl, wodurch die Platte eher wie ein düsteres Herbst-Album klingt als ein Frühlings-Release. Trotzdem ziemlich gute Musik, natürlich. Country-Folk auf allerhöchstem Niveau, nur eben nicht sehr gut, sondern „nur“ ziemlich gut. Hoffentlich kommen sie endlich endlich mal auf Deutschland-Tour, demnächst. Bis dahin:

7,5/10

Bob Dylan - Together Through LifeBob Dylan – Together Through Life

Ich habe in den letzten Wochen viel, vielleicht sogar viel zu viel Bob Dylan gehört. Gesammelte Raritäten, alte Alben und sowas. Vom feinsten, natürlich. Und wenn man dann zwischendurch Dylans neues Werk „Together Through Life“ hört, stellt man fest, dass sich alles und nichts geändert hat. Okay, auch ein Dylan altert. Und ein Dylan legt nicht mehr ganz soviel Wert auf Mundharmonikas. Aber diese Stimme, sie ist immer noch markant wie eh und je. Wenn mir jemand erklären kann, wie er es bisher geschafft hat, traurig-erschüttert und trotzdem sarkastisch-froh zugleich zu klingen, dem spendiere ich eine Kugel Eis nach Wahl. Seine Songs schreibt er übrigens auch nicht mehr ohne Hilfe, er hat nun einen Co-Autor. Sei ihm erlaubt. Ich habe keine Ahnung, was die Musikjournalisten bisher so darüber geschrieben haben, aber sie werden mit Sicherheit folgende Begriffe und Worthülsen in ihre Rezensionen einbauen: Melancholie, Altersweisheit, „er hat es immer noch drauf“. Mir persönlich gefallen nicht alle Titel auf Anhieb und ich brauchte schon ein paar Anläufe, um alle Details lieben zu lernen. Aber alleine schon die zwei Songs „Beyond There Lies Nothin‚“ und “ I Feel A Change Comin‘ On“ sind so unfassbar gut, dass ich den altersweisen Melancholiker Dylan nur schon wieder loben kann. Er hat es eben immer noch drauf. Auch wenn sein neuestes Werk vielleicht den ein oder anderen Anlauf mehr braucht als mancher Vorgänger.

8,5/10


Skinner zwitschert

Mike Skinner/The StreetsVoll cooler Typ, dieser Mike Skinner. Mit seinem Projekt „The Streets“ schafft es der Brite seit Jahren, mich ein klein wenig für Hip-Hop zu begeistern. Und jetzt hat dieser Mike Skinner über seinen Twitter-Account (ein Trend, gegen den ich mich bis heute erfolgreich gewehrt habe, übrigens) über mehrere Tage verteilt mehrere neue kreative Ergüsse der Öffentlichkeit vorgestellt. Sechs neue Songs sind es (bisher) und weil ich so ein dufter Kerl bin, liste ich diese am Ende dieses Beitrages einfach mal alphabetisch auf, damit ihr euch auch ein Bild machen könnt. Meine Meinung nach dem ersten Durchhören: solide. Jeder der Titel klingt, als hätte er seinen Platz auf einem der vier The Streets-Alben durchaus verdient gehabt. Also im Prinzip nichts Neues, aber besser als „super“ geht ja sowieso nicht, nicht mal beim coolen Mike Skinner.

The StreetsA Blip On A Screen
The StreetsDavid Hassles
The StreetsI Love My Phone
The StreetsLong Working Day
The StreetsSee If They Salute
The StreetsTrust Me

Hütezauber

Heute war endlich wieder Trödelmarkt. Ich liebe Trödelmärkte, weil man eigentlich immer irgendetwas findet, was man garantiert nicht braucht, aber unbedingt haben möchte. Heute bin ich wieder fündig geworden. Neben einem schicken brauen Hut für 3,50€ und einem Krefelder Kunststich-Geschenk für meinen Opa1 habe ich eine Heinz Erhardt-Doppel-LP für die lächerliche Summe von 100 Cent erstanden. Mehr bezahlen musste ich für das tollste Fundstück vom heutigen Tage: die Bob Dylan-LP „Desire“ aus dem Jahre 1975.

Und liebe Leser, ich stelle immer wieder fest: Vinyls sind einfach nur toll. Man riecht der Schallplatte ihr Alter an, doch das ist ebenso liebenswert wie die herrlichen Rauscher und Wackler beim Hören der Musik. Was ich aber noch viel erwähnenswerter finde, sind die Beilagen der LP. Nicht nur eine Doppelseite der (anspruchsvollen, arschlangen) Texte von Herrn Zimmermann sind enthalten, nein, auch deutsche Übersetzungen sind auf separaten Seiten verfügbar. Und wenn man sich die so durchliest, bekommt man den Eindruck, ein nicht deutschsprechender Mensch hätte mit einem Wörterbuch vor den Original-Texten gesessen und Wort für Wort einzeln nachgeschlagen. Unfassbar viele Tippfehler, wild verteilte Kommata und sinnentleerte Text-Flausen. Unschlagbar lustig!

Gestern wurde übrigens Dylans neues Album „ Together Through Life2 veröffentlicht. Ich habe mich erst ein klein wenig in den neuen Tonträger eingehört, aber drei Dinge stehen fest: die CD riecht nicht so schön wie die Vinyl, die Songtexte sind nicht in grausamen Deutsch im Booklet übersetzt und einen Hut hat der Herr auf dem Cover seiner neuen Platte auch nicht auf. Schlimmer noch: er ist nicht mal darauf zu sehen. Was lernen wir daraus? Richtig: früher war alles besser.

Bob Dylan - Desire

  1. Er wurde heute stolze 76 Jahre alt und konnte sich sehr über mein Geschenk freuen. Er hat mir dann gleich seine anderen Kunstdrucke gezeigt, erklärt und aufgebunden. Kein Problem: interessiert tun und trotzdem an andere Dinge denken kenne ich aus der Schule, höhöhö.
  2. Ersteindruck: nett, aber der alte junge Dylan war besser. Zum Beispiel auf dem oben abgebildeten Album „Desire“: „Hurricane“ und „Mozambique„.

America’s next Topmodel

Lissy TrullieImmer, wenn ich neue und gute Musik entdecke und durch einen kleinen Blog-Eintrag versuche, sie ein klein wenig bekannter zu machen, recherchiere ich vorab ein bisschen, um zu erfahren, was der oder die Künstlerin denn biografisch bisher so geleistet hat. Bei Lissy Trullie war das gar nicht so einfach. Ich weiß nun, dass sie wohl auch als Model relativ erfolgreich und bekannt ist, aber Mode, pff, hat hier in meinem chauvinistischen Blog nichts zu suchen. Dank ihrer MySpace-Seite weiß ich aber, dass sie aus New York kommt. Und weil sie in ihrem Blog zahlreiche SaufErlebnis-Bilder von ihrer Tour veröffentlicht hat, weiß ich auch, dass sie wohl ziemlich gern Party macht.

Aber Musikfreunde wissen: alles scheißegal. Denn sie spielt nebenher auch noch ein bisschen Gitarre und singt. Da kann sie modeln und saufen so viel sie will, weil klingt super. Super, super und auch super. Im Mai kommt ihre EP „Self Taught Learner“ nach Europa (und ist hier vorstellbar, auch wenn Amazon scheinbar nicht weiß, wie sie heißt) und ich präsentiere vorab schon mal zwei tolle, tolle Songs von der EP. Ohrwurmiger Indie-Rock. Gutfinden ist angesagt!

Lissy Trullie – Boy Boy (mp3)
Lissy Trullie – Forget About It (mp3)

Mocky – Saskamodie

Mocky - SaskamodieMeine heutige CD-Kritik beginnt mit einer Frage an die Leser: also, liebe Leser, was für eine Musik erwartet ihr von einem Berliner, der ursprünglich aus Kanada stammt, väterlicherseits jemenitische, sowie mütterlicherseits britische Wurzeln hat und obendrein (unter anderem) noch als Produzent für Feist, die Puppetmastaz und Jane Birkin gearbeitet hat? Na? Eine Idee? Auch ich kann diese Frage nach Hören des neuen Mocky-Albums „Saskamodie“ nicht eindeutig beantworten. Aber in den nächsten Zeilen versuche ich wenigstens eine Annäherung. Nun denn.

Manch einer kennt diesen Mocky vielleicht noch von seinem Untergrund-Hit „Sweet Music“ aus dem Jahre 2003. Damals noch eher Hip-Hopper mit elektronischen Einflüssen, ist heute (fast) alles anders. Fette Beats und kluge Reim-Stafetten sucht man bei ihm im Jahre 2009 aber vergeblich. Beatbox war gestern, heute spielen Orgel, Percussions und Glockenspiele die, haha, erste Geige. Ein abwechslungsreiches Sammelsorium also. Doch von einem Instrument macht Mocky kaum Gebrauch: dem seiner Stimme. Dieses kleine Detail fällt aber kaum (und auch nicht negativ) ins Gewicht, da er auch an alternativen Instrumenten problemlos beweisen kann, dass man ihm eines definitiv nicht absprechen kann: Talent.

Verspielt, entspannt und freundlich. „Saskamodie“ ist ein Album, das man in den Plattenspieler legt, die Füße auf den Tisch platziert und mit dem Kopf gemütlich mitwippt. Es würde hier wahrscheinlich den Rahmen sprengen, alle Einflüsse aufzulisten, aber ich beschränke mich mal auf drei wesentliche: Jazz, Pop und Soul. Macht Spaß, auch wenn dem Album ein wirklicher Hit fehlt. Egal, als Ganzes gesehen ist es eines der bisher besten Alben in diesem Jahr. Wirklich. Auch ohne festes Genre.

8,5/10

Mocky – Birds Of A Feather (mp3)
„Saskamodie“ bei Amazon erwerben

Der Untergrund schließt

Aggro Berlin schließtLiebe Leser,

heute ist ein sehr trauriger Tag. Unser aller Lieblings-Label für ungepflegte Unterhaltungsmusik, „Aggro Berlin“, schließt! Und zwar seine Pforten! Als ich diese Nachricht vorhin vernehmen musste, ist mir fast der gefälschte Goldzahn aus dem Mund gefallen: och nö! Nie mehr kuhle (und manchmal indizierte) Untergrund-Pöbeleien von meinen Bravo-Rappern Sido und Co.! Melancholisch werden wir, wenn wir an die Perlen deutscher Musik denken, die uns die Berliner in den letzten Jahren geliefert haben: da wäre zum einen die romantische Sido-Ballade „Arschficksong“. Ne ne, wat war dat schön! Oder wisst ihr noch, das lustige „Neue Deutsche Welle“ von Fler? Okay, damals gab es ein paar kleine Klugscheißer, die rechtsradikale Inhalte im Song finden wollten, aber lassen wir uns die Musik mal nicht schlecht machen, ne?

Auf seiner eigenen Internetseite zeigt Aggro Berlin allen Besuchern einen knöchrigen Mittelfinger entgegen. Na, wie frevelhaft! Sogar ganz am Ende sind sie also noch ganz schön frech und böse, diese Gangsta-Rapper, hihi. Ach und auf selbiger Seite verkündet Aggro Berlin noch, dass es „Zeit [ist], sich neuen Herausforderungen zu stellen“. Ich habe deswegen ein bisschen Angst und habe vorsorglich Fenster und Türen geschlossen. Obwohl ich eigentlich keine Furcht haben müsste, denn: Aggro Berlins „Künstler […] sind erwachsen geworden“. Puh, nochmal Glück gehabt! Ein letzter Gruß noch von offizieller Seite: „Wenn ihr zu Musik von uns zum ersten Mal gekifft, geklaut oder gefickt habt, sind wir für immer!“

Uh, ne, danke. Trotzdem auf Wiedersehen, Aggro! Man hört von sich. Oder auch nicht. Naja, egal. Stay tight, yoyoyo!

Me gusta verano

Jedes Jahr das gleiche Spiel: es wird draußen wieder wärmer, die Pullover bleiben im Schrank und Manu Chao findet seinen Weg zurück in die CD-Spieler. Oder heutzutage eben den Mp3-Player, was weiß ich. Egal, jetzt hier das sonnige „Me Gustas Tu“. Und jetzt wieder zurück auf die Terrasse, den Sommer begrüßen. Hurra!

(„Verano“ heißt übrigens Sommer auf Spanisch, glaube ich)

Hamburger in Düsseldorf

ClickClickDecker im zakk/Düsseldorf – 04.04.2009

Juhu! ClickClickDecker live! In Düsseldorf! Im zakk! Jaa! Liebe Leser, erwartet jetzt bitte kein kritisches Hinterfragen oder Analysieren, denn als großer Fan des Hamburger Kevin Hamann, der sich auf der Bühne eben ClickClickDecker nennt, folgen in den nächsten Zeilen ganz viele Lobeshymnen, weil es auch wirklich wirklich sehr toll war. Weil ich nicht so viel Lust und Zeit für einen langen Bericht habe, dieses Mal ein kleines bisschen kürzer, aber egal:

PeerZuerst einmal muss erwähnt werden, dass ich ja bereits im Januar schon im zakk war: damals allerdings bei den Subways und in der großen Halle. ClickClickDecker musste/durfte/sollte in dem kleineren Club auftreten. Der war dafür ziemlich, wenn nicht sogar komplett voll. Und lobend muss hier einmal die Vorband Peer erwähnt werden: nach ihrem ersten Song in dämlichsten Denglisch hatte ich ja schon so meine Sorgen, aber im Anschluss folgte abwechslungsreicher Indie-Rock auf Deutsch mit einfallsreichen Texten. Unbedingt mal im Auge behalten.

Text?Dann kam ClickClickDecker mit seinen drei Musikern (einer davon der Audiolith-Chef Lars Lewerenz) auf die kleine Bühne und die vier Herren spielten gleich einmal drei Songs vom aktuellen Click-Album „Den Umständen Entsprechend“. Es folgte ein bunter Mix der drei Alben und wenn ich mich nicht verhört habe, wurden auch zwei Non-Album-Tracks gespielt, ui. Einige Songs bekommen live einen ganz anderen Touch als auf Platte, sehr interessant, übrigens. Und Konzerte, bei denen man 90% der Titel komplett mitsingen und mitwippen kann, sind sowieso immer die besten. ClickClickDecker ist ein feiner Kerl, gestikuliert teilweise sehr humorig, trinkt auf der Bühne Bier und macht ständig Witze. Kann ein Abend besser sein? Nein.

So, mehr Text gibt es dieses Mal nicht. Wetter ist zu gut. Aber ich empfehle euch demnächst mal den Click live zu erleben. Bitte.

Kurz abgehört #1

Olli Schulz – Es brennt so schön

Na, fandet ihr „Mach den Bibo“ von Olli Schulz bei Raabs „Bundesvision Song Contest“ auch so schräg-komisch? Ich nicht. Der sympatische Hamburger Musiker Olli Schulz hat sich gemeinsam mit seinem Kompagnon „der Hund Marie“ in den letzten Jahren ja einen ganz guten Namen in der anspruchsvollen deutschen Musikszene gemacht, aber dass er sich solo dann ausgerechnet durch einen so albernen Song bekannt(er) machen muss, nun ja. Ansichtssache, aber dieses eine Lied war bisher der Grund dafür, vom Kauf seines Albums abzusehen. Wie gesagt, bisher. Im neuen Amazon-Mp3-Laden gibt es den Langspieler derzeit unverschämt günstig und ich habe zugeschlagen. Und Überraschung: keine albernen Hurra-Songs, stattdessen viel Gesellschaftskritik, die aktuelle Intro meint gar „Mach den Depri“. So schlimm ist es dann aber doch nicht, Herr Schulz pflegt in den 38 Minuten größtenteils den Zweckoptimismus und besingt Liebe und Alltag. Alles ganz nett, aber für meine Ohren noch nicht wirr und „um die Ecke gedacht“ genug. Der beste Song ist das knapp zwei Minuten kurze, akustische „Bloß Freunde“, daneben viel Okayes. Den Bibo mach ich trotzdem nicht, denn der ist doof.

6,5/10

The Whitest Boy Alive – Rules

Noch was aus Deutschland, noch was aus dem unverschämt günstigen Amazon-Mp3-Laden. Das wäre es dann mit den Gemeinsamkeiten zu Olli Schulz aber auch gewesen, denn The Whitest Boy Alive machen entspannten Indie-Pop. An Bass, Keyboard und Schlagzeug sitzen drei Deutsche, der Sänger und Gitarrist ist ein Norweger mit einem komischen Buchstaben im Nachnamen: Erlend Øye. Auf ihrem zweiten Album namens „Rules“ gibt es sehr Minimalistisches, aber Tanzbares zu hören. Kann man in etwa mit einer Mischung aus Air und Fujiya & Miyagi vergleichen, denke ich. Es fiele mir schwer, die Musik der Truppe ohne folgendes Verb zu beschreiben, daher präsentiere ich es nun: mitwippen. Und wem Mitwippen so viel Spaß macht wie mir, der kann der CD ruhig mal eine Chance geben. Auch wenn es mir nicht ganz gelingt, sie vernünftig zu rezensieren. Entschuldigung. Gefällt aber, vielleicht einmal hier reinhören.

8/10

Mando Diao – Give Me Fire

Könnte mir jemand bitte erklären, warum diese Band mit jedem Album ein kleines bisschen schlechter wird? Und wer erklärt mir, warum dieses Album überall so hoch gelobt wird? Wer den Vor-Vor-Vorgänger „Hurricane Bar“ gehört hat, braucht dieses Album nicht. Bitte zurück zu den Wurzeln, ihr Schweden.

3,5/10

Folk’s Not Dead

The Felice Brothers

Die Älteren werden sich sicher daran erinnern, wie ich hier im letzten November die unfassbar gute Folk/Americana-Truppe „The Felice Brothers“ vorgestellt habe. Ihr gleichnamiges Album war letztes Jahr mit das Beste, was man seinem CD-Spieler antun konnte. Logisch also, dass ich ein paar Freudensprünge gemacht habe, als die Herren aus Upstate New York kürzlich ankündigten, bereits im April ein neues Album mit dem Namen „Yonder Is The Clock“ zu veröffentlichen. Hurra! Zwei Vorboten (neben dem bereits aus der Daytrotter-Session bekannten „Chicken Wire“) des Albums gibt es auch noch, was meine ohnehin schon große Vorfreude in noch höhere Spähren vordringen lässt. Denn die zwei neuen Songs sind auf dem hohen Niveau des Vorgängers, getragen von einer lässigen, musikalischen Leichtigkeit und der rauchigen Stimme von Ian Felice. Geschichten in Songs erzählen, das kann derzeit keiner besser als die Felice Brothers.

Ihr merkt, Vorschusslorbeeren en masse. Hoffentlich kann das Album (DE-Release: 17. April, hier vorbestellen) die Erwartungen erfüllen. Und hoffentlich kommen die Herren Felice auch endlich mal auf Deutschland-Tour. Aber nun genug Lob, hier die zwei Songs:

The Felice Brothers – Run Chicken Run (mp3)
The Felice Brothers – Penn Station (Stream)

Hooray!

Musikalisches Studentenfutter

TOMTE live im Ringlokschuppen/Mülheim – 25.03.2009

Tomte live in MülheimGlaubt man einem gängigen Klischee, dann sind ein Großteil der Hörer der Hamburger Band Tomte Studenten. Jeder schlaue Mensch weiß, dass Vorurteile keine gute Erfindung der Menschheit waren, doch ein bisschen Wahres steckt letztlich doch in den allermeisten Klischees. Der Leser stellt sich (und mir) nun einige wichtige Fragen: Waren am gestrigen Abend größtenteils Studenten im Mülheimer Ringlokschuppen beim Konzert der Truppe? Was hat Thees Uhlmann gegen Peter Fox? Und gab es nebenher auch ein bisschen Musik? Ich berichte.

Bevor Daniel und ich in den Genuss von live gespielten Instrumenten kommen konnten, mussten wir selbstverständlich erst einmal anreisen. Die Zugfahrt brachte einige underwartete Tücken mit sich, aber letztlich kamen wir nur mit einer knappen Viertelstunde Verspätung am Mülheimer Ringlokschuppen an. Die Münsteraner Vorband „Ghost of Tom Joad“ (vom Tomte-Label „Grand Hotel van Cleef“) spielte bereits, wir erkämpften uns derweil ein paar gute Plätze am linken vorderen Rand. Auf der Bühne gab es okayen Alternativ-Rock, man wippte ein bisschen mit und wartete anschließend gut zwanzig Minuten auf die Hauptakteure des Abends.

Kurz nach 21:00 Uhr begaben sich die Herren Musiker an ihre Instrumente. Bevor dann als drittes Lied die aktuelle Single „Wie sieht’s aus in Hamburg?“ zelebriert werden durfte, wendete sich Frontmann Thees Uhlmann erstmals an das Mülheimer Publikum. Er plauderte von seinem Paris Hilton-T-Shirt („Nur falls irgendwer fragt: ‚Paris Hilton #1′ steht drauf.“), alberte herum und hatte Spaß. Das Konzert war dank Klassikern wie „So soll es sein“ oder „Korn & Sprite“ längst ein Selbstläufer, doch seine Gitarre musste Herr Uhlmann trotzdem von Zeit zu Zeit stimmen. Dadurch entstanden natürlich kurze musiklose Pausen, doch auch hier wusste Thees die geschätzt 600 Fans zu unterhalten: „Das ist hier nicht wie bei Peter Fox, bei dem kommt ja auch alles vom Band. Ich werde noch ewig Gitarren stimmen, selbst wenn es gar keine Gitarren mehr gibt!“ feixte er.

Später lästerte er dann noch über die emotionslosen Zuschauer bei den Konzerten zuvor und kitzelte so noch den letzten Funken Motivation aus dem ohnehin sehr ausgelassenen Publikum heraus. Fast jeder Song wurde mitgesungen, mitgeklatscht und gefeiert. Übrigens nicht nur von Studenten, sondern auch von jüngeren und älteren Semestern. Fast alle Altersgruppen (und beide Geschlechter!) waren vertreten: Musik, die Generationen verbindet, sozusagen.

Und im letzten Drittel kamen dann auch noch zwei Überraschungsgäste auf die kleine Bühne: zum einen Gunnar Vosgröne (Mitglied von „Escapado“) am Cello, zum anderen Simon der Hartog (Sänger der „Kilians“). Ersterer durfte helfen, einige musikalische Höhepunkte zu setzen (persönlicher Höhepunkt: „Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören“), zweiter sang „Ich sang die ganze Zeit von dir“ mit Thees im Duett und auf Nachfrage, wer der junge Herr denn sei, antwortete Herr Uhlmann, dass er sein unehelicher Sohn aus Mülheim wäre. Lustig.

Nach gut zwei Stunden, vielen Zugaben und dem abschließenden „Geigen bei Wonderful World“ war das Konzert zu Ende, die Kräfte auch. Konzerte unter der Woche sind anstregend. Und um mir eine platte Schlusspointe zu erlauben: das sehen die Studenten sicher ähnlich, denn die sahen heute Morgen bestimmt (wie üblich) so aus.

Ne, ernsthaft: Tomte sind sehr dufte. Unbedingt irgendwann mal live anschauen, bitte.

Peter Doherty – Grace/Wastelands

Grace/Wastelands

Ja, er macht auch Musik, der Pete Doherty. Und für die packt er sogar noch einen Konsonanten an seinen Vornamen dran, der Doherty. Unter seinem eigentlichen Namen Peter Doherty bringt der „Skandalrocker“, der gerade dreißig Jahre alt geworden ist, nun also sein erstes Solo-Album auf den Plattenmarkt. Es trägt den Titel „Grace/Wastelands“ und sollte möglichst schnell käuflich erworben werden. Warum, wieso und auch weshalb, das verrate ich so gut es geht in den folgenden drei Absätzen.

Menschen mit gutem Musikgeschmack denken beim Namen Doherty unweigerlich sofort an die Libertines und Babyshambles. Dreckigen Garagen-Rock gibt es auf dem Solo-Debüt allerdings nicht, im Gegenteil: Herr Doherty beschränkt sich meist auf wenige Instrumente, lässt also seiner krächzigen, schrägen Stimme und der Akustik-Gitarre den Vortritt. Und beweist dann wieder einmal, dass er ein äußert begabter Songwriter ist: er träumt, wird melancholisch und erzählt von seiner Kindheit, der Leichtigkeit des Lebens, aber auch von Rückschlägen und, klar, Liebe.

Unterstützung hat sich der Peter auch noch ins Boot geholt: da hätten wir zum einen den derzeit vielbeschäftigten Graham Coxon, der im Sommer mit Blur eine Reunion und zuvor noch sein neues Solo-Album feiern darf, dann noch ein paar alte Babyshambles-Kollegen (Mik Whitnall, Adam Ficek und Drew McConnell) und bei „Sheepskin Tearaway“ wird Doherty von der Schottin Dot Allison unterstützt. Gemeinsam haben diese ganzen Leute unter der Regie von The Smith-Produzent Stephen Street zwölf Songs eingespielt, die sich gar nicht so leicht in ein Genre einsortieren lassen. Streicher, Piano, Keyboard, verzerrte Gitarren; alles zu hören. Blues, Singer-Songwriter, Folk, Jazz; alles dabei.

Ich habe mir sagen lassen, dass der Großteil der Songs bereits aus Akustik-Sets und vorherigen (inoffiziellen) Veröffentlichungen von Pete(r) bekannt ist und die neuen Aufnahmen somit für eingefleischte Fans quasi nur ein Aufguss sind. Aber abschließend möchte ich aber noch ein paar positive Worte loswerden, denn „Grace/Wastelands“ ist ein sehr gutes Album geworden. Kein Song fällt wirklich negativ aus dem Gesamtkunstwerk heraus, wogegen einzelne Höhepunkte hervorstechen. Die starke Ballade „A Little Death Around The Eyes“ und der Jazz-Ausflug „Sweet By And By“ zum Beispiel. Dass diese musikalischen Glanzpunkte in den Boulevard-Blättchen dieser Welt kaum Erwähnung finden würden, ist traurig genug. Also sollte wenigstens der Musikfreund dem Peter eine Chance geben. Er hat sie verdient.

8.5/10

Hören, kaufen, Lob nachvollziehen:
Peter DohertyNew Love Grows On Trees (mp3)
Grace/Wastelands“ käuflich bei Amazon erwerben
Video zur ersten Single „Last Of The English Roses“ bei YouTube anschauen

Jammin’ in Joe’s Garage

Hallo Leser, heute gibt es wieder Musik. „Joe’s Garage“ vom viel zu früh verstorbenen Frank Zappa nämlich. Live aus Paris. Zappa, ein komischer Kauz. Manchmal sogar urkomisch. Auf jeden Fall immer super. Mehr fällt mir nicht ein. Bitte angucken und sehr toll finden.

Nach dem bereits erwähnten Song folgt übrigens noch „Why Does It Hurt When I Pee?“. Nur für alle, die sich fragen, ob sie richtig gehört haben.

Wendepunkt am Pausenknopf

Hallo Leser. Du hast, aufmerksam wie du bist, bestimmt gemerkt, dass hier derzeit wenig passiert. Tschuldigung dafür, demnächst gibt es bestimmt wieder mehr. Und weil ihr trotzdem was zu tun haben sollst, hier der gute ClickClickDecker mit „Händedruck am Wendepunkt“. Live in der Wohnung von den Leuten von iLove.de. Ganz toll. Also, aufmerksamer Leser, schön lieb bleiben.

Musikalischer Alltags-Trott

Daytrotter - Logo

He, Leser. Hab hier was Tolles für euch: Daytrotter.com!

Daytrotter? Was ist das denn? Ich erkläre es euch freundlicherweise. Die Website „Daytrotter.com“ sammelt Aufnahmen aufstrebender Musiker und stellt diese zum kostenlosen Download bereit. Aufgenommen werden die meist vier bis fünf Tracks pro Künstler im „Futureappletree Studio 1″. Lustig: dieses Studio liegt in Illinois‘ Kleinstadt „Rock Island“. Kein Scherz. Und es ist für die Jungs und Mädels von Daytrotter nicht getan, die Mp3 auf die Website zu klatschen – stattdessen werden für jede Session wunderbare Texte verfasst, ein buntes Bildchen vom Künstler gemalt und so weiter. Detailreiche Liebe zur Musik, vorbildlich und toll. Und das jeden Tag.

Die Musiker, die bei diesem sympatischen Kleinbetrieb vorbeischauen, kommen mehrteilig aus den USA. Von Folk über Indie-Rock bis hin zu Singer/Songwriter ist alles dabei – auch manch hierzulande bekannte Combo (wie beispielsweise die Ting Tings, Fleet Foxes oder Oberkauz Adam Green) schaute dort vorbei. Doch der Großteil dürfte dem deutschen Musikfreund noch unbekannt sein – daher empfehle ich, einfach mal wild drauf los zu klicken und auf „gut Glück“ nach guter Musik zu suchen. Ich bin so fündig und glücklich geworden. Und zur Feier des Tages teile ich meine Entdeckungen mit euch. Kostenlos.

Meine Top 10 [at] Daytrotter

1. KoufaxColour Us Canadian
2. Felice BrothersMarlboro Man (siehe auch hier)
3. Ben KwellerOn My Way
4. Thao Nguyen & The Get Down Stay DownBeat (Health, Life and Fire)
5. And the MoneynotesToo Sweet
6. Andrew BirdLull
7. The DonkeysC‘mon Virginia
8. Deer TickBaltimore Blues No. 1
9. The Republic TigersBuildings & Mountains
10. Cold War KidsWe Used to Vacation

(Rechtsklick, speichern unter. Mehr gibt es im Archiv dort, unbedingt vorbeischauen.)

Aaahh, the Wind Whistles!

Motiviert durch ein schönes Interview bei Intro.de nutze ich ein paar Minuten des gestrigen Samstags dafür, mal beim Net-Label „aaahh records“ vorbeizuschauen. Und es war eine gute Idee. Denn so wurde ich aufmerksam auf das kanadische Duo „The Wind Whistles“, das dort sein komplettes Debüt-Album „Window Sills“ zum kostenfreien Download anbietet (Link siehe unten). Die beiden Wind Whistles Liza und Tom machen unkomplizierten Indie-Folk und erinnern dadurch natürlich gleich an die Fleet Foxes (besonders auf „Communication’s Dead“), nur ohne die Bärte und nicht ganz so episch ausgelegt, doch mindestens genauso melodiös und toll. Im letzten Jahr kündigten beide ihre Jobs, um eine große „World Tour“ zu starten – die ist aber jetzt auch schon wieder vorbei, doch aktuell arbeiten sie an neuen Songs und kommen im Sommer des Jahres zurück nach Europa. Wir freuen uns drauf. Also, wer gern zwei jungen Leuten beim Musizieren auf Bass und Gitarre zuhören möchte, der sollte sich die beiden mal anhören. Kostet ja auch nichts, höchstens ein paar Minuten Zeit. Und die haben meine Leser ja wohl.

Anhören, Gefallen finden und Freuen:
The Wind Whistles - Good Friends Won’t Rip You Off (mp3)

The Wind Whisles bei MySpace
„Window Sills“ gratis beim Label anhören und downloaden

And the Oscar goes to Eurovision

Oscar LoyaIch bin ein großer Freund vom Eurovision Song Contest, ehrlich. Immer mal wieder gibt es Skurriles zu entdecken und wenn man in einem Jahr besonders viel Glück hat, ist ab und an sogar mal richtig gute Musik dabei. Wenn man die Show dann nicht ganz so ernst nimmt und nebenbei noch beim Niggemeier mitverfolgt, macht das alles nochmal soviel Laune. Ein Problem gibt es aber: den deutschen Vertreter. Jahr für Jahr machen wir uns musikalisch lächerlich, „profitieren“ dann auch noch davon, dass wir als einer der großen Industriestaaten Europas die Show großteils mitfinanzieren und dadurch automatisch ins Finale gelangen. Und dieses Problem, das neuerdings wieder in den Händen einer Jury liegt, wurde nun der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Dieses Jahr heißt es „Oscar Loya“ und singt den Song „Miss Kiss Kiss Bang“, produziert vom widerlichen Porno-DJ „Alex C.“, der uns schon mit Knallern wie „Du hast den schönsten Arsch der Welt“ auf diverse Nerven gegangen ist. Zusammen heißen die beiden „Alex Swings Oscar Sings“ und versprechen so wenig, dass sogar Grand Prix-Fan Thomas Hermanns sich bei einer kleinen Journalismus-Attrappe sagte: „Ich hatte ja gehofft, dass es Tokio Hotel werden“.

Aber letztlich bleibt auch der Oscar-Dingsbums-Song billiger Plastik-Swing, der wahrscheinlich nicht mal besoffen ein Hit ist und garantiert wieder beim Contest in Moskau beim Publikum durchfallen wird . Jede Wette. Er ist zu wenig skurril, um aufzufallen und zu belanglos, um sich von den anderen Songs (die zugegebenermaßen noch nicht bekannt sind) abzuheben. Außerdem ist doch schon Roger Cicero mit der Swing-Nummer erfolglos geblieben, warum soll also ein noch schlechterer Song bedeutend besser abschneiden? Tschörmenie, zieroh peunts!

[via Hubi]

Kingsize in kleinem Rahmen

Kingsize„You‘re so much better than Berlin!“ ließ Kingsize-Sänger Mike McCartney die viel zu wenigen Zuschauer am Sonntag-Abend1 wissen und spielte damit auf den Vorabend an, an dem die Londoner in der Bundeshauptstadt aufgetreten waren. Und jeder nur dreißig Zuschauer in der Krefelder Kulturrampe wusste, dass er hier die Kunst der Ironie genutzt hatte. Der Spielfreude der flotten Indie-Rock-Band tat das zum Glück keinen Abbruch – was mit „Time + Place“ begann, endete nach einer Stunde Spielzeit mit (den besten Songs des Quartetts) „Daze“ und „Rock‘n'Roll Dreams“. Zwischendurch immer wieder Blödeleien vom (scheinbar nicht ganz nüchternen, aber gut gelaunten) Sänger McCartney und weitere Songs vom gelungenen Debüt-Album „Love, Lust and Other Disasters“ sorgten mit unzähligen Gitarren-Soli für Mitwippen und Freude. Braver Applaus des zufriedenen Krefelder Publikums, dann war der Spaß vorbei und die Herren Musiker verschwanden an der Bar. Und klar, dass an einem Samstag-Abend mehr Leute Zeit für ein Konzert haben als sonntags, ihr Berliner. Tststs.

Hören, gucken, Meinung bilden:
Kingsize – Rock n‘ Roll Dreams (mp3)
Bilder vom Konzert
Tourdaten & Infos bei WhiteTapes

  1. Vielleicht sollte eben noch kurz die überraschend gute Vorband Grook Erwähnung finden: sie war überraschend gut. Meinen Lieblingssong der Truppe hier aus Gelsenkirchen namens „Catch Myself“ kann man sich hier live ansehen.

What’s the Story, Philipshalle?

LiamHat es doch noch geklappt. Nachdem das Konzert von OASIS vor gut zwei Wochen noch wegen eines Ödems in Liam Gallaghers Lunge kurzfristig ausgefallen war, konnten die Briten nun endlich ihren Auftritt in der Düsseldorfer Philipshalle nachholen. Und die Herrn Gallagher hatten überraschend gute Laune: ich habe sie einmal sogar lachen gesehen! Ohne Scheiß! Ob sie wenigstens getrunken, geprügelt oder gepöbelt haben, hier nun in meinem ausführlichen, bebilderten Konzertbericht.

Schon früh am Nachmittag machten sich Daniel und ich auf, um die nach eigenen Angaben „größte Rockband seit den Beatles“ live zu erleben. So standen wir gut drei Stunden vor Einlass (und knapp fünfeinhalb Stunden vor dem Auftritt) vor der Philipshalle und erhielten irgendwann dann auch (als etwa zwanzigste in der Warteschlange) unsere gelben „erste Welle“-Bändchen. Damit waren die guten Plätze schon einmal gesichert, sehr gut. Für gute Stimmung sorgten ein paar Studenten, denen wir uns angeschlossen hatten. Lustige Anekdoten1 ihrerseits von vorherigen Oasis-Konzerten (und viel, viel Alkohol für einen Mittwoch-Nachmittag) überbrückten die Wartezeit. Übrigens: es gibt nichts Schlimmeres, als weit vorne in der Warteschlange zu stehen und auf Toilette zu müssen. Man kann nicht eben in die Büsche laufen, weil man dann seinen Platz verliert.

NoelUnsere Blasen sind glücklicherweise nicht geplatzt und konnten kurz nach dem Einlass entleert werden. Ein wunderbares Gefühl. Aber genug Fäkalien: gleich nach unserem Toilettenbesuch stürmten wir in den vorderen Bereich und sicherten uns Plätze in der zweiten Reihe, direkt vor dem Mikrofon, hinter welchem Liam Gallagher zweieinhalb Stunden später mit „Rock & Roll Star“ das Konzert der Britpopper eröffnen sollte. Bevor es aber soweit war, mussten noch die Jungs von „Everlaunch“ als Vorband auf die Bühne. Sie hatten einen schweren Stand im Publikum, spielten aber relativ souverän ihren anstrengenden Alternativ-Rock herunter. Mir persönlich gefielen sie nicht so sehr, aber Daniel fand sie schlimmer als ich („Die sind ja schlimmer als in der Warteschlange pinkeln müssen!“). Besonders peinlich war nur eine kleine Publikumsansprache vom Sänger: „Ich hoffe, ihr nehmt uns nicht übel, dass wir keine Engländer sind.“. Nein, tun wir nicht. Aber solche bescheuerten Aussagen führen nur dazu, dass die Leute weiterhin irrtümlich glauben, aus Deutschland komme keine gute Musik. Tstststs2.

Um uns herum in „vorderster Front“ standen viele Leute, die aussahen wie Briten. Überall Frisuren, die man sehr selten auf offener Straße sieht und sowas. Manchmal hatte man sogar das Glück, einen echten Briten zu treffen. Und wir hatten gleich doppelt Glück: Wir trafen zwei (!) echte (!!) Briten, die uns in einem wunderschönen, schnell gesprochenen „British English“ erzählten, sie kämen aus der Nähe von Manchester und würden Oasis um die ganze Welt herum begleiten. Sie haben auch noch viel mehr erzählt, aber ich konnte ihnen nicht immer ganz folgen. Aber, sie versprachen uns: „You will love ‚em live!“. Na dann! Und dann war es endlich soweit, die Herren um die Brüder Gallagher betraten die Bühne und die Menge rastete aus. Während „Rock & Roll Star“ und „Lyla“ war das Ausgeraste besonders extrem und ich versuchte verzweifelt, meine Jacke (Garderobe ist teuer und Schwachfug!) irgendwie um mich zu hängen, ohne dass sie herunterfallen oder nerven könnte. Hat einigermaßen geklappt: sie hat irgendwann nur noch genervt.
Liam
Im Gegensatz zu mir kannte im näheren Umfeld fast jeder sämtliche Texte und sang diese dann auch inbrünstig mit, so dass man den Gesang von Liam (und sporadisch den von Noel) kaum richtig verstehen konnte. Ich kann also noch nicht mal genau sagen, ob Liam sich von seinem Lungen-Ödems-Zeugs erholt hat. Auffällig: beim Superkracher-Balladen-Höhepunkts-Hurra „Wonderwall“ zog er kein einziges Mal die Worte im Refrain (Und jetzt alle: „Caaaaauuuuseee maaaaaybeeeee…!“) lang, die faule Sau. Übermäßig engagiert war er ohnehin nicht3, er war erwartet lässig-arrogant und machte neben dem Singen das, was er am besten kann: Cool sein. Er posierte mehrere Male regungslos vorm Publikum und ließ sich feiern. Cool! Ansprachen haben er und Noel auch ab und zu gehalten, aber immer nur kurz und für mich dort vorne unverständlich. Wahrscheinlich kam oft das böse Wort „fuck“ vor, kann ich aber leider nichts mehr zu sagen. Noel schien übrigens mindestens angetrunken zu sein, ich hoffe jedenfalls, dass er sich nüchtern nicht so oft verspielt wie gestern.

Sagen kann ich nur noch, dass die Setlist ziemlich prima war (sich aber in den letzten Jahren wohl kaum verändert hat, habe ich mir sagen lassen). Von fast allen Alben war etwas dabei und nur wenige Songs wurden vermisst („Little by Little“, „(Get Off Your) High Horse Lady“). Vor allem meine Lieblingssongs von Oasis („The Masterplan“, „Champagne Supernova“) machen live sehr sehr sehr […] sehr viel Spaß. So wurden wir gute 90 Minuten lang gedrückt, geschubst, zerdrückt und soviel geschwitzt wie gestern habe ich das letzte Mal in der Sauna. Abgeschlossen wurde das Konzert traditionell übrigens mit einem, klar, Beatles-Cover von „I Am the Walrus“. Oasis live kann ich also jedem nur empfehlen. Völlig erschöpft machten wir uns anschließend auf den Heimweg nach Krefeld, trafen vor der U-Bahn aber noch die zwei Briten. „How fantastic was that?!“ fragte einer der beiden, während der andere stolz sein gefangenes Plektrum präsentierte: „It took 13 years to get it!“. Mal sehen, ob ich noch vor 2022 ein Plektrum von Oasis ergattern kann. Denn das war sicher nicht mein letzter Konzertbesuch von Oasis.

  1. Sie erzählten, wie sie kürzlich gefragt worden sind, ob „Lemon Tree“ (Fool’s Garden) von Oasis sei. Ich amüsierte mich darüber und musste feststellen, dass ich die komplette erste Strophe vorsingen konnte.
  2. Tomte, Gisbert zu Knyphausen, PeterLicht, Jansen, Kilians, ClickClickDecker, Wir sind Helden und so weiter. Ende der Diskussion.
  3. Mein persönlicher Höhepunkt: üblicherweise erscheint bei der aktuellen Single „I‘m Outta Time“ am Ende ein John Lennon-Sample, auf das Liam auch per Fingerzeig hinweisen wollte. Es kam aber nicht. Und Herr Gallagher trabte sichtlich genervt herum und ich hatte gehofft, er würde nun pöbeln. Tat er aber leider nicht.
    (Nachtrag/Anmerkung: Bitte dazu noch den ersten Kommentar lesen.)
    (Nachtrag²: Hier ab 3:40 zu sehen.

Londoner Puppenkiste

Hurra, endlich gibt es ein neues Puppen-Tanz-Video von The Brighton Port Authority! Wie, kennt ihr nicht? Ist das aktuelle Projekt von Norman Cook. Und wenn der euch auch nichts sagt, dann schmeiße ich seine alternativen Künstlernamen „Fatboy Slim“, „Mighty Dub Katz“, „Pizzaman“ und „Son of a Cheeky boy“ in den luftleeren Raum. Kennt ihr auf jeden Fall, „Rockafella Skank“ und so, egal. Ist aber auch nicht so wichtig, aber nun hat dieses kleine Projekt gemeinsam mit Iggy Pop (Den kennt ihr jetzt aber, oder?) „He’s Frank (Slight Return)“ von „The Monochrome Set“ (Video) gecovert. Klingt megatanzenspaßig, zudem gibt es ein knülliges Video mit einem puppigen Iggy, der rumtanzt, zappelt und im höchsten Maße gefällt. Aber jetzt genug Adjektive erfunden, hier der launige Spaß:

Juchhe! Song des Jahres.

„Den Umständen Entsprechend“ gut

ClickClickDecker - Den Umständen EntsprechendUnd da ist er wieder. Nachdem sich Kevin Hamann (alias ClickClickDecker) zuletzt mit Nebenprojekten (Bratze, My First Trumpet) und Radiosendungen die grauen Hamburger Nachmittage vertrieben hat, meldet er sich jetzt mit seinem neuen Album „Den Umständen Entsprechend“ zurück. Auf seinem dritten Soloalbum geht es weiterhin um Optimismus, kleine Geschichten des Alltags und Nachdenklichkeit. Und wenn man die Umstände zusammenrechnet, ist die Platte gut geworden. Sie ist also entsprechend, wie versprochen. Aber bespreche ist erstmal den Tonträger, für dessen Kauf sich auf der Rückseite meiner Vinyl auch nett bedankt wird. Bitte sehr.

Bereits seit dem Sommer des letzten Jahres sind die zwölf Titel (plus Hidden Track) fertig, aber es gab wohl Abstimmungsschwierigkeiten mit seinem Label Audiolith, wenn ich das richtig mitbekommen habe, so dass man sich erst jetzt an den neuen musikalischen Ergüssen von ClickClickDecker erfreuen kann. Ein weiterer Umstand: die Piraten, die sein neues Album ungefragt und illegal bereits zwei Wochen vor Release ins Netz geschmissen haben. Seit heute steht die CD aber in guten CD-Läden im Regal, alternativ bestellt man direkt beim Label (und greift mit etwas Glück [wie ich] noch die limitierte, weiße Vinyl mit Bonus-CD, Poster und Aufkleber ab). Heute Abend findet in Hamburg eine kleine Release-Gala statt und wer nicht die Möglichkeit hat, hinzufahren, bekommt von mir diesen Live-Stream-Link geschenkt. Bitte schön.

Nach soviel Blabla aber jetzt endlich mal zur Musik: „Den Umständen Entsprechend“ beginnt im Prinzip dort, wo die letzte Platte aufgehört hat. Und zwar mit einer etwas schiefen Stimme, zwar neuerdings mit einer kleinen Band, aber weiterhin den kleinenein elektronischen Akzenten hier und dort. Dass das grundlegend nichts Neues ist, weiß der schlaue Künstler auch selbst und nennt den ersten Titel dementsprechend „Es fängt an wo es aufgehört hat“. Stagnation? Wenn man so will, ja. Will ich aber nicht. Denn kaum ein deutschsprachiger Künstler verirrt sich so schön in konfusen Sätzen und Geschichten, verpackt sie so liebevoll und facettenreich wie ClickClickDecker. Es dauert wieder einmal ein paar Anläufe, bis man die Lieder entschlüsselt und interpretiert hat. Aber dann, wenn man sich mit den Liedern befreundet, ist die Freude groß.

Das schwierige dritte Album ist immer schwierig. Vor allem, weil das traditionell schwierige vierte Album noch bevorsteht. Und dann ist da ja auch noch der sehr gute Vorgänger „Nichts für Ungut“, der es als zweites Album übrigens auch sehr schwierig hatte. Um aber mal auf den Punkt zu kommen: „Den Umständen Entsprechend“ ein ein gutes Album geworden, auch wenn es nicht an den Vorgänger herankommt. Kaufen sollte man es sich als Freund deutscher Musikkultur trotzdem. Alleine schon wegen den ganzen Umständen, denen ClickClickDecker optimistisch trotzt.

8/10

ClickClickDecker – Dialog mit dem Tölpel (mp3)

Hören, kaufen, Meinung bilden:
Offizielle Homepage – mit Memory und Album-Stream als Belohnung
ClickClickDecker im Audiolith-Shop

Anspieltipps:
„Dialog mit dem Tölpel“, „Kümmern wir uns durch die Jahre“, „Händedruck am Wendepunkt“

Ne Krieewelsche Jong in London

Text?Pete Doherty macht gute Musik. Pete Doherty hat einen guten Geschmack, was Fußballvereine angeht. Trotzdem liest man relativ selten von seiner Musik oder Verbundenheit zu Krefeld, viel öfter liest man Negatives über ihn. Drogen, Alkohol, Kate Moss: der arme Pete hat eben schon so einiges erlebt. Und jetzt musste er auch noch einen 24-stündigen Besuch von MTV über sich ergehen lassen. Der ehemalige Musksender brauchte scheinbar ein paar Sendeminuten, um Klingeltonwerbung und US-Reality-Müll zu überbrücken, herausgekommen ist (neben egalen Interviews mit irgendwelchen Leuten) hauptsächlich ein netter Besuch in der Londoner, äh, „Bruchbude“ von Herrn Doherty. Es verwundert dabei wohl kaum, dass es bei ihm zu Hause auch nicht gerade konservativ zugeht. Katzen wo man hinsieht, kaum etwas funktioniert, dazu überall Dreck und lauter unglamoröses Zeugs. Bestimmt liegen irgendwo noch Drogen und Alkohol rum. Oder Kate Moss.

24 Stunden mit Pete: 1 | 2 | 3 | 4

Ein feiner Tag mit den Subways

The SubwaysThe Subways“ also. Man kennt die drei Briten aus Hertfordshire wahrscheinlich noch von ihrem großen 2005-er Hit „Rock & Roll Queen“, der auf guten Radiosendern auch heute noch gespielt wird. Viel mehr kannte ich vor ihrem Auftritt im Düsseldorfer „zakk“ am 27.01. auch nicht. Aber wie sich nachher herausstellen sollte, was dies ein Fehler – denn die Subways haben gerockt. Oh Yeah!

Der Höhepunkt meiner Vorfreude begann etwa ab 20:00 Uhr. Denn dann kamen „One Fine Day“ als Vorgruppe auf die Bühne und verlängerten die Wartezeit. Die fünf Jungs aus Hamburg spielten irgendeinen Emo/Punk-Geschrammel und der Sänger erinnerte mich die ganze Zeit an „Billy Talent“. Billy Talent mag ich nicht. Und es gab kein Entkommen, hatten Daniel (Hallo!) und ich uns doch durch unsere relativ frühe Anreise noch Plätze in der ersten Reihe erkämpfen können. Aber nach neun Liedern, zwei Klatschspielchen mit dem Publikum und sieben Hinweisen auf ihre neuen Platten waren „One Fine Day“ dann endlich fertig und gingen. Puh! Mal gar so nicht so meine Musik.

The SubwaysMit ein paar Minuten Verspätung kamen dann „The Subways“, unterstützt von lautem Geschrei und anderen spontanen Jubellauten auf die Bühne. Sänger und Gitarrist Billy Lunn hatte scheinbar seine T-Shirts in England vergessen und trat oberkörperfrei auf. Die Leute im „zakk“, von denen geschätzte dreiviertel weiblich und unter 20 waren, freute es. Die männlichen Wesen wie unsereiner erfreuten uns eher an der süßen Bassistin Charlotte Cooper, die ein glitzerndes Irgendwas anhatte und süß dabei aussah. Sehr süß: Während des Konzerts sprach sie ab und an mal ein paar Worte Deutsch und es klang, klar, sehr süß. Bass spielt sie nebenbei übrigens auch noch großartig. Drummer Josh Morgan, laut Wikipedia Bruder von Sänger Billy (trotz unterschiedlichem Nachnamen! Ui!) hatte außerdem noch eine Socke auf dem Kopf. Vielleicht hatte er sich aber auch als Terrorist verkleidet, auf jeden Fall sah man von seinem Gesicht nur die Augen.

Aber jetzt mal weg von den Äußerlichkeiten, hin zur Musik. Gleich zu Beginn ihrer Setlist, die natürlich hauptsächlich aus Songs ihres aktuellen Albums „All or Nothing“ bestand und mit den „Krachern“ des Debut-Vorgängers „Young for Eternity“ garniert wurde, gaben sie „Rock & Roll Queen“ zum besten. Kennt ihr vielleicht, läuft heute auch noch regelmäßig auf guten Radiosendern. Besonders besonders: einen Refrain gab es auf Deutsch, 1:1 übersetzt. „Du bist die Sonne, du bist die einzige!“ mit britischem Akzent klingt sehr super. Auch nicht von schlechten Eltern: die Songs im weiteren Verlauf. Die Fan-Lieblinge wie „I Want to Hear What You Have Got to Say“, „Mary“ oder „With You“ sorgten für die größten Freudensprünge im Publikum, neuere Songs wie „Alright“ wurden aber auch gebührend gefeiert.

The SubwaysFeiern ist sowieso ein gutes Stichwort. Denn keiner der geschätzt 500 Fans ließ die unzähligen Gitarren-Soli ungenutzt, rumgesprungen wurde also prinzipiell die komplette Zeit. Mitsingen sowieso. Mit den Armen fuchteln auch, ja. Gegen Ende wagte Sänger Billy dann sogar einen kleinen Ausflug in die Menge und badete in ihr. Stars zum Anfassen in Düsseldorf! Nach 90 Minuten ging das Spektakel dann aber auch zu Ende, abschließend spielten sie noch „Oh Yeah“ und kaum war das Konzert vorbei, konnte man links und rechts von sich ganz viele schwitzende, aber glückliche Menschen sehen. „The Subways“ versprachen, in naher Zukunft wiederzukommen. Gern! Aber bitte mit anderer Vorband, zwinker zwinker.

Mehr von den Subways + weitere Tourdaten:
http://www.myspace.com/thesubways

Heute Nacht: Franz Ferdinand!

Tonight: Franz FerdinandGähn. Selbst in unserer Tageszeitung konnte man vorgestern über das neue Album „Tonight: Franz Ferdinand“ von, richtig, Franz Ferdinand lesen. Alle schreiben sie über das dritte Album der Briten unf der Tenor ist grob gesagt immer der selbe: die Platte ist „gut“, aber eben nicht mehr. Was Franz-Fan Johannes dazu sagt, könnt ihr in den nächsten Zeilen lesen. Und wer nicht genug Zeit für den kompletten Text hat, dem biete ich hier eine kleine Zusammenfassung, Obacht: „Tonight: Franz Ferdinand“ ist gut. Aber eben nicht mehr.

Die Doppel-CD, die ich mir gegönnt habe, kam in einem netten Vinyl-Design bei mir an. Keine klassische CD-Hülle, sondern praktisch eine Schallplatte in kleinerer Ausgabe. Und auch die CDs fummelt man aus diesen Pappdingsbumsen (jaja, Fachsprache, ich weiß), die Ältere noch von früher kennen dürften. Ein Booklet mit Texten ist auch noch dabei, fein. Die zweite CD „Blood“ enthält übrigens nicht (wie von mir erwartet) ein paar Bonus-Songs, sondern acht abgedrehte Dub/Funk-Remixe der Album-Tracks. Etwas gewöhnungsbedürftig und von sehr schwankender Qualität, aber okay. Wohl nur für beinharte Fans, kann aber hier noch keine endgültige Meinung abgeben, muss mich dort erst reinhören.

Aber komme ich mal zum eigentlichen Album: der Opener „Ulysses“ dürfte bekannt sein, ich halte ihn immer noch für famos und unübertroffen. Überhaupt, der elektronische Touch, den Song und Album insgesamt bekommen haben, tut dem Album gut. Er ergänzt sich prima mit dem Altbewährten (Gitarren-Soli, Ohrwurm-Refrains und pfiffige Tempowechsel) und ist dennoch nicht so gewagt wie beispielsweise die (enttäuschenden) letzten Alben von den Killers oder Mando Diao. Das Problem bei „Tonight: Franz Ferdinand“ ist vielmehr, dass die vier Jungs als Glasgow zu sehr wollen, sich neu zu erfinden. Die acht ersten, guten Indie-Tanzknaller („Can‘t Stop Feeling“, „No You Girls“) sind noch genau die Songs, die man von Franz Ferdinand erwartet (und wünscht), und sind bis auf kleinere Ausnahmen die erwarteten Mitwipp-Späße. Bis dann gegen Ende leider die 8-Minuten-Version von „Lucid Dreams“ folgt, die wie ein zweitklassiger Remix klingt und die Single-Version, die wir schon aus dem letzten Jahr kennen, noch mal richtig aufwertet. Gänzlich überflüssig sind dann die abschließenden zwei Balladen, die an „Eleanor Put Your Boots On“ (vom Vorgänger „You Could Have It So Much Better“) anknüpfen wollen, aber gnadenlos scheitern.

Ich denke man kann herauslesen, dass ich nach der langen Pause ein kleines Bisschen mehr von „Tonight: Franz Ferdinand“ erwartet hatte. Es ist alles in allem ein gutes, progressives Album mit nur einem einzigen „Knaller“ („Ulysses“) und vielen Indie-Rock/Pop-Stücken, die man sich durchaus mal öfter anhören kann und sicher einiges an Potential bieten. Mehr aber auch nicht. Für den schnellen Hit sind Franz Ferdinand scheinbar nicht mehr zu haben – muss man sich wohl noch dran gewöhnen. Und das ist ein gutes Stichwort, denn ich muss ergänzend hinzufügen: in „Franz Ferdinand“ und „YCHISMB“ habe ich mich auch erst verliebt, als ich die Truppe im vergangenen Sommer live gesehen habe. Also ein weiterer Grund, Daniel zu überreden, mit mir zum Franz-Konzert Mitte März in Köln zu gehen. Damit es auch dann heißt: Heute Nacht: Franz Ferdinand! Ich würde es mir wünschen.

Kaufen, hören und/oder Meinung bilden:
„Tonight: Franz Ferdinand“ bei Amazon
Das komplette Album im Stream auf ihrer MySpace-Seite

Anspieltipps:
„Ulysses“, „Can‘t Stop Feeling“, „No You Girls“

ClickClickDecker und die Piraten

Musikpiraterie war in den letzten Jahren immer mal wieder ein Thema. Längst wundert man sich nicht mehr, wenn Alben von den Branche-Größen einige Tage vor dem eigentlichen Erscheinungsdatum als "Leak" kostenlos im Netz zu finden sind. Viel verwunderlicher scheint es, wenn man denn wirklich bis zum letzten Tag warten muss. Oder – oh Graus! – auch noch dazu gezwungen wird, sich die CD im Laden zu kaufen, weil man in den einschlägigen Musiktauschbörsen nichts findet. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass es eine Sache des Respektes ist: Wenn mir die Musik eines Künstlers gefällt, bezahle ich ihn auch dafür und klaue ihm nicht seine geistige Arbeit. Außerdem hätte ich ein sehr schlechtes Gewissen dabei, nachvollziehbar, denke ich.

Quelle: Pixelquelle.deDas Bagatelldelikt der Musikpiraterie plagt aber scheinbar nicht jedermanns Gewissen. Manch einer behauptet, er würde nur durch diese kostenfreien, illegalen Downloads regelmäßig neue Musik entdecken – doch dieses Argument ist für mich nicht wasserfest. Seiten wie MySpace oder LastFM bieten genug kostenlose Streams an, um dort seinen musikalischen Horizont zu erweitern – legal. Zudem bieten (gerade kleinere, unbekannte) Künstler sehr häufig auf ihrer eigenen Homepage kostenlose Mp3s an, die dann zum Kauf einer Langspielplatte animieren sollen, aber eher dafür sorgen, dass man sich auf den etlichen Torrent-Seiten im Internet nach einem kostenfreien Download umsieht. Auch das Argument, dass man ganz einfach nicht genug Geld für Musik hat, zählt nicht.

Und was sagen die Künstler dazu? Wenig. Jetzt aber hat sich einer öffentlich zu Wort gemeldet:  Der Hamburger Musiker ClickClickDecker (bürgerlich Kevin Hamann) polterte unlängst in seinem Blog:

[…] Morgens checke ich nich nur Mails, sondern durchsuche nebenbei das Netz nach neuen Downloadlinks für mein Album, um diese dann löschen zu lassen. Einen Monat vor Release ist ganz neu für mich. Und dass ich da nichts gegen ausrichten kann ist mir bewusst. Aber dass mir Leute schreiben: “Ey Click, deine neue Platte ist super! Bleib Dir treu! etc…”, und das obwohl sie das Album noch gar nicht haben sollten (und das wissen diese Personen ja auch), ist schon komisch. […] Ich finds toll, dass die Nachfrage nach der Platte groß ist und das es da draußen Menschen gibt die auf meine Musik stehen. Das macht mich sehr glücklich. Aber wenn ihr uns unterstützen wollt, dann kauft euch die Sachen. Ein Rapidshare Link ist nicht das Selbe wie ein fertiges Produkt mit Cover, Texten und Verpackung.[…]

Besonders skurril (und gleichzeitig bedenklich): Die Piraten haben nicht nur keine Scheu davor, den Künstler indirekt per Mail selbst darauf aufmerksam zu machen, dass sie sein neues Album illegal heruntergeladen haben (siehe Zitat oben), nein, sie publizieren es auch noch auf in der Shoutbox seines LastFM-Profils und profilieren sich sogar in den Kommentaren unter dem oben bereits angeschnittenen Eintrag auf seinem (!) Blog damit, das neue Album schon auf dem Rechner zu haben, bevor es im Laden steht. Jeglicher Respekt vor dem Künstler und seiner Arbeit scheint verloren, die Musik wird schnell konsumiert, kurzweilig genossen und Gedanken kann man sich ja auch später noch machen, wenn man alt ist. Denken die Leute so? Nicht alle, aber bestimmt einige. Kann ich mir gut vorstellen. Auf jeden Fall teilen sie meine Vorstellung von Musik und Kunst im Allgemeinen nicht.

Raubkobien lassen sich nicht rechtfertigen. So appelliere ich an alle Leser dieser Zeilen: Kauft euch Musik. Gern auch von ClickClickDecker, denn er macht grandiose Musik, wovon ich mich demnächst in Düsseldorf live überzeugen lassen kann. Und weil ich Eintritt zahle und auch sonst gern mal seine Tonträger erwerbe, muss er auch nicht hungern. So sollte es sein.

Hurra! Oder doch nicht?

Prolog: Letztes Jahr, also früher, habe ich mir eine Eintrittskarte für Oasis besorgt. Für Daniel gleich eine mit. 39,80€ steht auf unseren Karten drauf, Philipshalle Düsseldorf auch, am 19.01. sollte es soweit sein. Wochenlange Vorfreude, Tage abzählen und was man alles so macht, wenn man sich freut. Die Jüngeren erinnern sich: Wie damals, an Weihnachten. Und nun war der Tag gekommen, der in meinem 11Freunde-Kalender dick mit einem roten Wachsmalstift "OASIS!" markiert ist.

02:28 Uhr:
Ich kann nicht einschlafen und krame meinen iPod hervor, um mir "Champagne Supernova" anzuhören. Heimlich singe ich mit und wippe lustig unter meiner Bettdecke herum.
08:12 Uhr: Der Wecker klingelt. Ich falle aus dem Bett und schaue in meinen 11Freunde-Kalender. Ach ja, Oasis, stimmt. Ich ziehe mich an, wasche mich und esse eine Kleinigkeit. Dann auf zum Praktikum.
09:29 Uhr: Mein Praktikumstag beginnt damit, eine halbe Stunde im Auto darauf zu warten, dass mein temporärer Chef Kopien in einem großen Bürobedarfs-Shop anfertigen lässt. "The Masterplan" und "The Shock of the Lightning" verkürzen die Wartezeit. Mitsingend und mitwippend, klar.
09:48 Uhr: Auf der Fahrt zum Büro erzählt mir mein Chef von seinem letzten Konzert: Rosenstolz. Außerdem überlege er sich, zu einem Konzert von Tina Turner zu gehen: "Ist aber sauteuer. Na ja, ist eine ganz andere Generation.". Stimmt. Und deswegen summe ich "Don‘t Look Back in Anger".
12:56 Uhr: Mein Chef ist ein netter Kerl, deswegen habe ich jetzt schon frei. Ich esse noch schnell ein Baguette beim Baguette-Laden gegenüber, der bis heute Urlaub gemacht hat (und weswegen ich nicht mehr bei der bereits bekannten Bäckerei war) und dann wandere ich zum Bahngleis. Etwas mehr als Stunde Fahrt wartet auf mich. Unterwegs höre ich Franz Ferdinand, aber denke an Oasis.
14:32 Uhr: Angekommen. Daniel fragt, wie und wann wir uns auf den Weg nach Düsseldorf machen. Er hat auch früher frei bekommen. Ich schaue noch kurz auf der Homepage von der Philipshalle nach, um die Verbindungen zum Veranstaltungsort nachzusehen, aber dann: das Konzert ist wegen eines Lungen-Ödems von Liam Gallagher abgesagt worden .
14:33 Uhr: Ich zerstöre mutwillig und wütend ein paar Gegenstände in meiner Umgebung.
14:34 Uhr: Daniel wird informiert.
14:35 Uhr: Daniel ist sauer und zerstört mutwillig Gegenstände in seiner Umgebung.
14:36 Uhr: Ob man das noch reparieren kann? Hm…
15:12 Uhr: Daniel kommt vorbei und beschwert sich, was wir für ein Pech haben. Er sagt böse Fäkalworte. Ich tröste ihn damit, dass er mich beim Pfand wegbringen begleiten darf. Er trägt es mit Fassung.
15:46 Uhr: 2,28€! Hey, nicht schlecht für so eine kleine Pfandsammlung.
16:21 Uhr: Ärgern.
17:43 Uhr: Ärgern.
18:21 Uhr: Félix fragt per ICQ, warum ich noch nicht auf dem Weg nach Düsseldorf bin. ICQ aus.
18:23 Uhr: Ärgern.
21:44 Uhr: Daniel lebt noch: Er schreibt: "Bloß nicht daran denken, wo wir jetzt eigentlich wären".
21:45 Uhr: Zu spät.
22:20 Uhr: Ärgern. Nachholtermin ist der 04.02. Noch so lange hin. Mit welcher Farbe soll ich dieses Mal "OASIS!" in meinen 11Freunde-Kalender eintragen?

Back to Black

Im aktuellen Musikexpress ist ja bekanntermaßen eine Vinyl-Single von Franz Ferdinands "Ulysses" dabei, was letztlich auch der Grund dafür war, dass ich vor etwa zwei Stunden Fünfeuroneunzich dafür ausgegeben hatte. Okay, ohne Schallplattenspieler macht mit so einer schönen Scheibe nicht wirklich viel, aber schön sein und teilnahmslos rumstehen klappt ja auch im Club manchmal auch ganz gut. Aber dann, dann begegnete ich meiner Oma und als ich ihr erzählte, dass ich jetzt im Besitz einer Vinyl-Single sei, erzählte sie mir vom alten Schallplattenspieler von Tante Änni, welcher bei ihr im Keller stehe. Er sei schön, stehe aber teilnahmslos dort unten herum. Heureka! Bin ich direkt hingefahren und hab das Dingens abgeholt.

Und jetzt steht es in meinem Zimmer und erfreut mich. Ach ja, die Schallplatte "100x Ohne Hemd und Höschen" habe ich auch mitgenommen. Party-Kracher wie "Ja, bei uns geht alles wie genudelt", "Wer das Hös‘chen hat erfunden" und "Lecke Du" haben sicher schon im Party-Keller meiner Großeltern für viel Freude gesorgt. Keine besonders erstrebenswerte Vorstellung, aber wenn ich die Platte das nächste Mal höre, werde ich hoffentlich genug Promille in mir herumtragen, um mich von solchen Gedanken abzulenken.

Schottentwee statt Schottenrock.

< class=Ich liebe "British English". Einfach nur superkuhl, wenn diese frechen Briten die Worte anders aussprechen, als ich das in der Schule lerne. Und wenn dann diese komische Band namens "The Just Joans" aus Glasgow daherkommt und seine hausgemachten Twee/Indie-Pop-Stücke in einem extremen schottischen Akzent vorträgt, dann ist das so liebevoll und toll, ich möchte fast sogar sagen süß. Leider bekommt man die bisherigen Mini-Alben der Schotten hierzulande praktisch gar nicht, sogar beim Label "WeePOP! records" sind sie komplett vergriffen. Am Valentinstag (14.2.) soll dann ihr dritter Langspieler dort erscheinen. Zum Glück gibt es ja das Internet und bei LastFM kann man sich Songs in voller Länge anhören – und der gute Johannes hat extra für euch nach kostenlosen (und legalen!) mp3 der Truppe gesucht und natürlich auch gefunden. Anhören, jubilieren und bitte nicht mit Lob über "The Just Joans" geizen. Denn "The Just Joans" sind nicht geizig, sondern wenn überhaupt ehrgeizig. Und bevor mir noch mehr schlechte Wortspiele einfallen, hier die Titel:

The Just Joans – What do we do now?
The Just Joans – Hey boy… you‘re oh so sensitive
The Just Joans – Belshill Station

Abcdefg.

Gerade bei Julia gefunden: zu jedem Buchstaben des Alphabetes eine favorisierte Band (keine Solokünstler/innen!) heraussuchen und spontan einen Song dazuzuschreiben, den man mit der Band assoziiert. Gar nicht so einfach! Habe es mal mit Hilfe von LastFM versucht. Netterweise sind kostenlose mp3s auch noch vermerkt. Herausgekommen ist letztlich folgendes:

  • 0-9: 1984 – Cache Cache
  • A: Anajo – Monika Tanzband
  • B: Blur – Country House
  • C: Chikinki – You Said
  • D: The Donkeys – Downtown Jenny (mp3)
  • E: Erdmöbel - Der letzte deutsche Schnee (mp3)
  • F: Franz Ferdinand – Walk Away
  • G: Gorillaz – El Manana
  • H: Hörzu – Krefeld
  • I: It’s a Musical – Bad Day (mp3)
  • J: Jansen – Heute Nacht, das ganze Leben
  • K: Koufax – Any Moment Now
  • L: Led Zeppelin – Heartbreaker
  • M: Mando Diao – Mr. Moon
  • N: New Homes – Liverpool Street (mp3)
  • O: Oasis – The Masterplan
  • P: Poni Hoax – Budapest (mp3)
  • Q: Queens of the Stone Age – Who‘ll Be the Next in Line
  • R: Ramones – Somebody Put Something in My Drink
  • S: Starsailor – Alcoholic
  • T: Those Dancing Days – Run Run Run
  • U: Uzi & Ari – Thumbsucker
  • V: Virginia Jetzt! – Von guten Eltern
  • W: Wir sind Helden – Rüssel an Schwanz
  • X: -
  • Y: Yeah Yeah Yeahs – Miles Away
  • Z: Zwan – Lyric

Toll, womit man seine Zeit so totschlagen kann. Kennt jemand eine gute Band mit X?

Zweitausendundacht und die Musik

Heureka! Endlich hat auch HerrSalami.de seinen Jahresrückblick. Ich befasse mich hier jetzt mal ganz subjektiv ausschließlich mit der Musik des Jahres 2008. Und versprochen, weder Bauer Heinrich noch Paul Potts oder gar Michael Hirte kommen vor und statt Johannes B. Kerner gibt es mich als Gastgeber. Brav habe ich (fast) bis zum Ende des Jahres gewartet und ich hoffe, dass in den nächsten Tagen nicht noch eine CD auf den Markt geworfen wird, die eigentlich in dieser Liste hätte auftauchen sollen. Aber dann mal los. (Und warum zwei Alben des Bildes hier gar nicht in der ersten Auflistung vorkommen, erkläre ich ein andermal.)

Die Alben des Jahres 2008:
1. PeterLicht - Melancholie & Gesellschaft
2. Oasis - Dig Out Your Soul
3. The Felice Brothers - s/t
4. Gotye - Like Drawing Blood
5. Ting Tings - We Started Nothing
6. Jakob Dylan - Seeing Things
7. Roses Kings Castles - s/t
8. The Streets - Everything Is Borrowed
9. The Gaslight Anthem - The ’59 Sound
10. The Precious Mings – Every Time I Sell A Record A Kitten Dies

Tomte-Heureka, PeterLicht-Melancholie&Gesellschaft,  The Precious Mings-Everytime I Sell A Record A Kitten Dies, The Gaslight Anthem -The '59 Sound, Peter Fox-Stadtaffe (von links nach rechts)
Die Songs des Jahres 2008:
1. The Lodger – The Good Old Days (mp3)
2. The Precious Mings - 1 Track Mind
3. The Felice Brothers – Marlboro Man (mp3)
4. Bon Iver – Re: Stacks
5. MGMT – Kids
6. Fleet Foxes – He Doesn‘t Know Why (mp3)
7. PeterLicht – Beipflichtn
8. Oasis – The Shock of the Lightning
9. Tomte – Der letzte große Wal
10. Glasvegas – Geraldine (Stream)

Beste Live-Acts des Jahres 2008:
1. Franz Ferdinand (gesehen in Tallinn/Estland) [Bericht]
2. Travis (gesehen in Essen) [Bericht | Video]
3. PeterLicht (gesehen in Wuppertal) [Bericht]
4. Fleet Foxes (gesehen in Essen) [Bericht]
5. The Precious Mings (gesehen in Köln) [Bericht]


Das wird 2009 dufte:
1. Oasis-Konzert in Düsseldorf
2. neue Alben von Chikinki und Franz Ferdinand im Frühjahr
3. Bon Iver
4. The Asteroids Galaxy Tour
5. Blur-Comeback (hoffentlich nicht nur für einen Auftritt)

So und das war es nun auch mit dem Jahresrückblick. Kommentare, Diskussionen und Beschwerden sind erwünscht. Peng!

„Being cool stops at eleven o‘clock!“

Vor fast einem Monat waren Daniel und ich in der Essener Grugahalle beim "Rockpalast", vielleicht erinnert sich der ein oder andere. Ich gehe mal davon aus, dass kaum einer meiner drei Stammleser die WDR-Aufzeichnung mitten in der Nacht mitverfolgt hat, daher gibt es hier jetzt das abschließende, famose "Why Does It Always Rain On Me?" von den Herrn von Travis in einer Live-Version. Mit Gespringe und sowas. War toll.

Kostenfreier Pop von Billie the Vision & The Dancers

Billie the Vision & The DancersKostenlose Musik ist für jugendliche Musikfreunde mit geringem Einkommen eine ganz tolle Sache. Meistens gibt es ein, vielleicht auch zu Werbezwecken mal zwei kostenlose Appetithappen von einem neuen Album, bei bekannteren Künstlern gibt es legal meist nur Remixe für lau. Ganz anders ist es bei den Schweden von Billie the Vision & The Dancers. Die sieben Damen und Herren aus Malmö stellen seit ihrer Gründung 2004 ihre Alben nicht nur in die Musikläden dieser Welt, sondern auch zum kostenfreien Download ins Netz – mit Erfolg. Bisher wurden die Songs mehr als eine Million mal heruntergeladen, ich hoffe, durch diesen Blog-Eintrag kommen noch ein paar dazu. Denn wenn ich für diese wunderbar fröhliche, bunte Indie-Pop-Musik schon nichts bezahlen muss, versuche ich meine Freude an duften Songs wie "Summercat" oder "Stuttering Duckling" wenigstens zu publizieren. Freunde vom skandinavischen Akzenten und schwedischen Gestalten wie Moneybrother dürfen müssen zugreifen. Yeah!

Tätärä, der goldene Link in rot:
http://www.billiethevision.com/music.php -> sämtliche Alben kostenlos, chronologisch und melodisch

Kein alter Hut: The Precious Mings in Köln

The Precious Mings "Die Mings sind eine sich kontinuierlich entwickelnde Sache, wir touren nie mit der gleichen Band und proben nie, unsere Konzerte bauen also größtenteils auf Panik, was Spaß macht." sagte Boris Ming, eigentlich als Boris Exton (Chikinki) bekannt, in einem Interview mit WhiteTapes. Mit seinem neuen Projekt "The Precious Mings" tingelt der Herr mit dem Hut derzeit durch Deutschland, beim Tourauftakt im Kölner Blue Shell war ich natürlich mit dabei. Kurz vor 21Uhr kamen Daniel (Hallo, Daniel, schöne Grüße! Huhu!) und ich vor dem kleinen "Kult-Club" in Colonge an, vorher wurden aber noch vier alkoholische Mitbringsel in einem nahe gelegenen Busch versteckt. Und dann begann das Warten. Die Bonner von "The Pill" versuchten vergeblich, die Wartezeit der Gäste mit belanglosem 90er-Jahre-Elektro/Pop-Gedudel zu verkürzen, mehr als Höflichkeitsapplaus war da nicht drin. Wenn wir nicht bald das "Fest der Liebe" zelebrieren würden, hätte ich noch ein paar böse Worte über den 25-minütigen Auftritt verloren, aber ich will ja mal nicht so sein. Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt, es gebe keine schlechte Musik, es gebe nur unterschiedliche Musikgeschmäcker. Nun ja, kommen wir mal zum Höhepunkt des Abends, der sogar einen eigenen Absatz bekommt. Aufgepasst:

Blue Shell (Köln)Pünktlich um 22Uhr stieg Boris mit samt Drummer und Bassist auf die kleine Kölner Bühne und eröffnete mit "Quack House" aus dem Album "Everytime I Sell A Record A Kitten Dies". Achso, stimmt, ich müsste da vielleicht noch etwas beichten. Denn wenn der Albumname der Wahrheit entspricht, ist gestern um kurz vor zehn Uhr eine Katze gestorben. Tut mir leid. Aber weiter im Text: Haupt-Ming Boris, der vor dem Auftritt noch kurz Zeit für ein gemeinsames Foto gefunden hatte (nein, ich lade es hier nich hoch, ihr Voyeure!) und sich einen Cocktail genehmigte, war auf der Bühne erwartet wirr und hatte sichtlich Freude an seinem Keyboard. Weniger Spaß brachte ihm die Drum-Machine ("This is Drum-Ming! Welcome him!"), denn die machte ein paar Faxen und leistete erst nach einiger Überzeugungskraft von Papa Ming die gewünschte Arbeit. Über "1 Track Mind" bis hin zum Publikumsfavoriten "Why Fish R gr8" war der bunt-poppige Indie-Elektro-Rock-Mix gepaart mit Boris‘ humorvollen Ansagen beste Unterhaltung an diesem kalten Donnerstag-Abend. Leider hatten sich optimistisch geschätzt maximal fünfzig Leute im "Blue Shell" eingefunden, glücklicherweise tat das der Spielfreude der drei Briten keinen Abbruch. Und kurz nachdem die Zugabe "A Girl Like You" von Edwyn Collins den letzten Applaus des Abends erntete, machten wir uns auch schon auf Rückweg, durften wir doch unsere letzte Bahn nach Krefeld nicht verpassen.

Gern hätten wir noch mit Boris ein alkoholisches Getränk zu uns genommen, aber vielleicht holen wir das später mal nach, wenn wir erwachsen geworden sind. Apropos alkoholische Getränke: im eingangs erwähnten Gebüsch ließ sich komischerweise nur noch eine einzige Flasche Pils entdecken, die anderen drei Flaschen hatte wohl jemand gestohlen. So ein Ärgernis! Und das so kurz vor Weihnachten!

Die sentimentale Bang-Gang aus Island

Bang GangPreisfrage ohne Preis: Woran denkt der geneigte Schelm, wenn er Bang Gang hört oder liest? Was? An Geschlechtsverkehr mit mehreren Menschen gleichzeitig? Ihr Perversen, ihr! Schweinkram gibt es auch auf HerrSalami.de erst nach 23Uhr, daher beschäftigt sich dieser Bericht mit der isländischen Kombo rund um Barði Jóhannsson. Da der Bandname dazu führt, dass Google hauptsächlich nackte Körper auf meinen Bildschirm zaubert, konnte ich erst nach stundenlanger Recherche folgende Informationsfetzen erörtern: ihr 2003er-Album "Something Wrong", zu welchem es drei kostenlose mp3s im ersten Link unter diesem Beitrag zu finden gibt, ist zum Beispiel gar nicht bei uns erschienen. Im Gegensatz zum aktuellen Langspieler "Ghosts from the Past", über den  ich aber leider nicht mehr sagen kann, als dass ich nun weiß, dass es existiert. Vor diesen beiden Alben erschien bereits 1998 "You", das laut der englischen Wiki der Band in "So Alone?" sogar so etwas wie einen Hit enthält. Mein Gedächtnis konnte mir hier nicht weiterhelfen, aber ich glaube das jetzt einfach mal.

Und komme zum Musikalischen: Bang Gang machen Musik, die klingt, als hätte man Sigur Rós (auch Isländer!) ein paar Synthesizer geschenkt und ihnen gesagt, sie sollen doch bitte mal was Schnelleres spielen und dennoch sentimental bleiben. Gepaart mit einer weiblichen Stimme, Esther Talia Casey, die die Band, die ständig in wechselnder Besetzung auftritt, aber wohl wieder verlassen hat. Sodass der eingangs bereits erwähnte Jóhannsson (er singt ebenfalls auf einen Stücken) die einzige Konstante in Bang Gang ist. Dass man sich beim Hören einiger Stücke oft an die Norwegen Röyksopp, dann aber wieder an epische Filmmusik erinnert fühlt, zeigt aber auch, wie vielschichtig diese Truppe ist. Aber so ein Gang-Bang kann ja auch vielschichtig sein, hahahaha, Mörderwitz, Entschuldigung. Da es Bang Gang aber nicht verdient haben, auf ihren Bandnamen reduziert zu werden, hier zwei Links für Interessierte. Gut zu wissen, dass es auf Island eben doch nicht nur Schafe gibt.

-> Bang Gang bei LastFM
[inklusive drei mp3s von "Something Wrong" (2003)]
-> >Offizielle Homepage [inklusive vieler Hörbeispiele in voller Länge]

Rockpalast: für lau, aber nicht umsonst

Freitag Mittag erreichte mich eine E-Mail von ARD, ich hätte zwei Karten für den Rockpalast in Essen gewonnen. Hurra! Ein paar Tage zuvor hatte ich spaßeshalber bei einem Gewinnspiel auf ARD.de mal mitgemacht und zackbumm, hab auch gewonnen. Also, schnell den Daniel informiert (Hallo Daniel! [er liest hier mit]) und Hin- und Rückfahrt organisiert und fertig. War zwar etwas umständlich dadurch, dass ich zuvor noch Bundesliga-Fußball in Bochum schauen war, aber hat ja auch alles geklappt. Und hier in chronologischer Reihenfolge (Bilder vom Konzerttagebuch) mein Konzertbericht.

Glasvegas Als wir kurz nach 18:00Uhr die Grugahalle betreten hatten, war die erste Band des Abends schon fertig: tut mir leid, liebe Bandmitglieder von The Racals. Wir kamen gerade an, als die schottischen Glasvegas ihren Soundcheck vornahmen. Was besonders bei der Alternative-Truppe auffiel: der Drummer war eine Frau. Okay, kommt vor, aber es kam uns so vor, als hätte man sie vorher aus dem Publikum auf die Bühne gezerrt und gesagt "komm, mach!", so unbeholfen und steif trommelte sie herum. Verspielt hat sie sich nicht, aber bei den zwei rockenden Kollegen an Bass und Gitarre wirkt sie doch wie ein Fremdkörper. Ach ja, gesungen wurde ja auch: der Frontmann hat eine sehr kräftige Stimme, hat mir aber nur so semi-gut gefallen, die Akustik war richtig scheiße. Übrigens waren auch ein paar Hardcore-Fans (man könnte fast sagen "Glasveganer", hahaha!) nach Essen gereist, sie wurden mit guter Musik und einem kleinen Plausch auf extremen schottischen Englisch-Dialekt mit dem Frontmann von Glasvegas für die weite Anreise belohnt.

Fleet Foxes Nach dem Auftritt der Schotten betraten nach einer Pause die Fleet Foxes auf die Bühne getrabt. Das Quintett aus Seatlle hat richtig Spaß gehabt und auch gemacht, so muss es sein. Der in den Musikheftchen und -blogs hochgelobte Indie-Folk-Pop wurde gut inszeniert, aber vor allem die kultigen Ansagen vom "bärtigen" Frontmann Robin Pecknold werden in Erinnerung bleiben: der Herr war zwischen den Songs immer zu Scherzen aufgelegt und selbst als jemand aus dem Publikum "Arschloch!" auf die Bühne gerufen hatte, blieb man auf der Bühne gelassen und nahm es mit Humor: "I cannot Google-Translate this so fast!". Der nächste Titel wurde dann noch mit "now another monster hit" angekündigt, grandios! Kann man arrogant, aber auch sehr unterhaltsam nennen. Ich nenne es unterhaltsam. Da wurde dann auch der Ersteindruck von Daniel widerlegt, der nach zwei, drei Songs feststellte: "Das ist ja ganz toll und so, aber da sind mir zu viele ‚Oooooohs‘, ‚Aaaaahs‘ und ‚Uuuuuh’s! Keine Guckmusik!". Guckmusik? Ja, Guckmusik. Also wenn auf der Bühne viel passiert. Soll er euch irgendwann selbst erklären.

Und nachdem die ersten beiden musikalischen Auftritte so gut gefallen haben, hier mal ein paar kritische Worte: teuer, langweilig, buuuuh! Aber der Reihe nach: für 0,25l Pils wollte man doch tatsächlich 2,50€ haben, puh. Ziemlich teuer, aber wohl auf Konzerten üblich. Leider war man bei sechs Stunden Aufenthalt in der Halle auf das teure Essen und Trinken angewiesen, aber ich will ja nicht meckern. Tu ich aber trotzdem. Und zwar über Donavan Frankenreiter. Kennt ihr nicht? Doch, jede Wette. Der Herr, der mit "surft gern, sieht aber nicht so aus" angekündigt worden ist, läuft hier im Radio ungefähr zweimal in der Stunde. Alle Songs des Singer-Songwriters aus Seattle klingen gleich, gähn, und werden durch ewige Instrumental-Parts ewig in die Länge gezogen. Immerhin hat Pärchen mit Cowboy-Hüten alle Lieder durchgetanzt. Als dann der Smash-Super-Kracher "It Don‘t Matter" mit geschätzten zehn Refrains bis ins Unendliche geschmettert wurde, gähnten Daniel und ich. Wir saßen sogar, nur Herrn Frankenreiter sollten wir an diesem Abend sitzend, äh, ertragen. Glücklicherweise war er dann irgendwann wieder weg. Ist nicht meine (unsere) Musik.

Ben Folds Kurz vor 22:00Uhr sprang dann ein Herr auf die Bühne, von dem ich vorher noch nie etwas Musikalisches vernommen hatte, aber wusste, dass Lukas ihn ganz toll findet. Sein Name: Ben Folds. Der nette Herr trägt ein Shirt und eine hautenge Hose, was sich vor allem dann sichtbar macht, wenn er breitbeinig (!) auf seinem Piano musiziert. An dieser Stelle ein netter Gruß an Bens Gesäß.Für den Arsch ist seine Musik dennoch nicht, denn Ben Folds macht gemeinsam mit seinen Musikanten ziemlich laute Musik, meine Oma würde "Krach" dazu sagen. Er hämmert gekonnt und singend auf seinem Piano herum, der Schlagzeuger trommelt und die Bässe krachen nur so aus den Boxen. Und weil er kaum Ansagen oder Pausen macht, rauscht der Ben Folds-Zug nur so an einem vorbei. Hätte er nicht gegen Ende an seinem Piano herumgespielt und elektronische Klänge aus dem Instrument herausgezaubert (ihr müsst mit dieser reinen Information leben, keine Ahnung was er da genau gemacht hat), man käme sich vor wie in der Londoner U-Bahn, so schnell und laut war die Musik. Ich weiß nicht genau, ob mir das gefallen hat. Bis ich mir meine Meinung gebildet habe also hier zum letzten Act:

Travis Travis. Die Britpopper sind wohl noch die Truppe, die man am ehesten vorher gekannt hat. Zwar hatte ich von jedem Act des Abends irgendwann mal irgendwo was gehört oder gelesen, aber von Travis stehen sogar CDs im Regal. Dementsprechend hatte ich mich auf den Hauptact des langen Festival-Abends auch sehr gefreut. Aber was die Schotten (schon wieder!) gestern gezeigt haben, einfach nur ganz groß. Ich wusste gar nicht, wie geil die live sind. Ganz routiniert wird das Publikum von Frontmann Fran Healy nur so von Schleimereien und Komplimenten beworfen, mal läuft er in die tobende Menge und lässt sich feiern, aber immer wird mitgesungen. Die ganzen Hits von "Closer" über "Re-Offender"  bis "Sing", alles war dabei. Glücklicherweise eher weniger vom aktuellen Album "Ode To J. Smith", das mir gar nicht gefallen hatte. Aber: sogar die schlechten Songs vom Langspieler klingen live sehr gut. Wie machen die das? Und als das Konzert schon zu Ende schien, kamen die Jungs nochmals auf die Bühne und gaben akustisch "Flowers in the Window" zum besten (hier anschauen!). Ganz ohne Strom, nur mit Gitarre, Rassel und Gesang. Sehr geil. Danach noch ein gesprungenes "Why Does It Always Rain On Me?" zum Abschluss. Mir fallen keine positiven Superlative mehr ein, denkt euch selbst welche aus. Danke Travis!

Und danke ARD für den schönen Abend für lau. War aber ganz sicher nicht umsonst, schließlich haben wir eine sehr gute (Travis), zwei gute (Glasvegas, Fleet Foxes) Bands, einen außergewöhnlich langweiligen (Donavan Frankenreiter) und einen außergewöhnlich Ungewöhnlichen (Ben Folds) gesehen. Gern wieder.

(WhiteTapes.de und CoffeandTV.de waren auch da, dort gibt es zwar noch keine Berichte, während ich diese Zeilen hier verfasse, die folgen aber sicher im Laufe des Tages)

TV-Tipp:

"50 Jahre Grugahalle" im WDR Fernsehen:
06. auf 07.12.2008
00.25 – 03.25 Uhr
(Sonntag auf Montag)
ROCKPALAST FESTIVAL
mit TRAVIS
DONAVON FRANKENREITER
GLASVEGAS
THE RASCALS
07. auf 08.12.2008
00.45 – 02.45 Uhr
(Sonntag auf Montag)
ROCKPALAST FESTIVAL
mit BEN FOLDS
FLEET FOXES

Bruderliebe bei den Felice Brothers

Wenn ich Interesse an neuer Musik habe, gibt es mehrere Anlaufstellen: Tonspion, LastFM, um nur zwei zu nennen. Meine neue Lieblingsseite ist aber Daytrotter.com. In regelmäßiger Unregelmäßigkeit werden dort kostenlose Live-Mp3 von verschiedensten Künstlern hochgeladen, aufgenommen im altehrwürdigen Futureappletree Studio 1. Zu finden sind dort auch vier Songs von The Felice Brothers.

http://rcrdlbl.com/ Im Jahre 2006 in New York gegründet, spielt die fünfköpfige Combo grandiosen Folk-Country, garniert mit großen Worten, präsentiert mit viel Abwechslung. Piano, Akkordeon, Bass, Gitarre, Trompete und viele weitere Instrumente kommen zum Einsatz, allerdings ohne den Hörer durch übertriebene Inszenierung zu überfordern. Es ist beinahe unmöglich, einen Text zu finden, in dem die Amerikaner nicht mit dem frühen Bob Dylan verglichen werden – womit dieser Vergleich auch hier Erwähnung findet. Passt ja auch einfach sehr gut.  Auch wenn die Mundharmonika zu den Instrumenten gehört, die von den Jungs ausnahmsweise nicht verwendet wird. Doch die markante, leicht verruchte Stimme des Frontmanns Ian Felice, gepaart mit diesem dunklem Flair einer Kneipenband, das ist Folk wie ich ihn liebe. Ich kann mir die Band schlecht auf einer großen Bühne vorstellen, eher stelle ich mir einen Kneipenabend vor, in dem die Felice Brothers an ihren Instrumenten sitzen, musizieren und ihre Songs über Liebe, Alkoholsucht und Gewalt zum Besten geben. Sollte jemand den Film "Jazzclub" von Helge Schneider gesehen haben: exakt so stelle ich mir das vor. Nur ohne Jazz. Und mit mehr Erfolg: der breiteren Masse wurde man dadurch bekannt, dass man den ebenfalls tollen Bright Eyes in den USA als Vorgruppe diente – und gemeinsam Tom Petty coverte.

Besonders empfehlen kann ihr aktuelles Album, das genauso heißt wie die Band selbst. Eine sehr sehr sehr sehr schöne Sache ist es, dass man eben diese wunderschöne Musik derzeit kostenlos bei LastFM herunterladen kann. Und bis die spannende Phase der US-Präsidentenwahl in etwa anderthalb Stunden beginnt (und ich drüben beim Lukas ein bisschen Live-Blogging betreiben werde), kann man ruhig noch ein bisschen den Felice Brothers beim Musizieren zuhören. Außerdem muss man eine Band, die von sich selbst sagt "We don‘t care if we suck" einfach mögen.

Zum Weiterlesen und -hören:
Offizielle Homepage der Band
Kostenlose mp3s bei der "Daytrotter Session"
Kostenlose mp3s bei LastFM (inkl. gesamtem Album!)

Der australische Beck aus Belgien

News.comJetzt wird es etwas kompliziert: Gotye, der eigentlich Wouter DeBacker heißt und in Brüssel/Belgien geboren ist, lebt seit vielen Jahren schon in Australien und macht dort Musik, die man im Groben als elektronischen Indie-Rock bezeichnen kann. Im Jahre 2006 kam dort sein zweites Album "Like Drawing Blood" heraus, aus welchen ihr auch gleich den fetzigen Song Learnalilgivinanlovin hören könnt. 2008 ist die CD dann auch hier erschienen (und befindet sich selbstredend schon in meinem Besitz),  hierzulande kennt man den Belgier aus Australien allerdings nicht wirklich: er hat lediglich einen Wikipedia-Eintrag auf Englisch und Polnisch. Selbst über Daniel Küblböck kann man sich auf vier Sprachen informieren, aber nun gut. Wer will das schon.

Eher will man mehr über diesen Gotye wissen, den ich übrigens aus dem Intro-Podcast kenne, den ich auch sonst nur empfehlen kann. Aber noch ein paar Worte zu "Like Drawing Blood": das Album ist relativ düster und melodisch, oft auch anstregend aber doch meistens sehr interessant aufgebaut. Alternativ eben. Und der gute Gotye hält auch manchmal einfach den Mund und lässt minutenlang die Instrumente sprechen – auch sehr ungewohnt. Alternativ. Zurecht spricht man in seiner Wahlheimat bereits vom "australischen Beck", nicht nur wegen den optischen Gemeinsamkeiten. Aber wie eingangs erwähnt bekommt ihr jetzt erstmal die Single "Learnalilgivinanlovin" zu hören, obwohl diese sehr untypisch für das Album ist, weil sie tanzbar und fröhlich daherkommt. Trotzdem. Auch wegen dem schönen Video. Viel Vergnügen.

Onkel-Treff auffem Sofa in Meerbusch

Es wäre falsch, wenn behauptet würde, dass ich die zwei "sympatischen Halbirren" (Zitat Pressetext!) von Comedy-Duo Onkel Fisch häufiger sehe als meine richtigen Onkel. Aber inzwischen habe ich Adrian und Markus bereits zum fünften Mal besucht, statistisch gesehen bin ich also alle 3,4 Jahre einen Auftritt von Onkel Fisch. Gestern war es wieder soweit, sie waren mit ihrem neuen Programm "Auffem Sofa" im Meerbuscher Kulturbahnhof. Vorab möchte ich aber einen kurzen Auszug aus dem Interview präsentieren, das ich vor knapp 1 1/2 Jahren mit ihnen geführt habe:

Besteht eine Parallele von Onkel Fisch zu Herr Salami? Falls ja, welche?

Ein eigenartiger Name inklusiver eigenartiger Internetadresse. Außerdem eine inhaltlich völlig unwichtige Beziehung zu Speisen. Warum sehen wir uns genötigt unser Essen auf eine gleichzeitig so anonyme Art zu personifizieren? Könnten wir unseren Fisch nicht Günther nennen. Und unsere Salami Guiseppe? Psychologisch gesehen kann das nur bedeuten, dass du genauso bescheuert bist wie wir. Gratulation, wir haben was gemeinsam.

Schön oder? Man kennt sich also. Und wer Onkel Fisch nicht kennt, wohnt entweder außerhalb von Nordrhein-Westfalen oder hat kein Radio, denn die beiden sind seit vielen Jahren auf 1Live und ab und an auch auf WDR2 zu hören. Die Serien "Sataan", "Grillstube Saloniki" und "Der kleine junge Mann von nebenan" haben Onkel Fisch berühmt gemacht, tauchen aber in ihrem aktuellen Programm nicht auf. Und das ist eigentlich ganz gut so, denn ihre Rollen in besagten Serien kenne ich ganz gut, öfter mal was neues.

Onkel FischSeit knapp fünfzehn Jahren arbeiten das Duo zusammen. Und das merkt man nicht nur daran, dass sie sich perfekt ergänzen und ein eingespieltes Team sind: wie ein altes Ehepaar streiten sie sich durch ihr Programm, nicht verwunderlich, sollte es doch stimmen, dass sie inzwischen zusammenwohnen, wie zu Beginn erzählt. Ob Witz oder nicht: ich könnte es mir gut vorstellen.

Mehr als zwei Stunden ging ihr Programm, thematisiert wurdne beispielsweise ein Zeppelin-Wettrennen (grandios!), eine eigene CSI: Onkel Fisch-Serie sowie die ständige Ankunft von E-Mails, die per Fingerzeig aktiviert und vorgelesen wurden. Penisverlängerung und weitere unmoralische Angebote gekonnt durch den Kaffee gezogen, schön. Langweilig wurde es sowieso nur ein einziges Mal. In der zehnminütigen Pause. Der Rest war Comedy pur, dafür sorgte auch die kuschelige Atmosphäre im alten Güterbahnhof mit seinen 100 Gästen, was für diese kleine Location natürlich bedeutetet, dass alle Plätze besetzt waren. Immer wieder gab es lustige Zwischenrufe, mit denen Onkel Fisch viel anzufangen wussten. Sie wurden einfach spontan ins abwechslungsreiche Programm integriert. Dort gesellen sie sich zu vielen Insiderwitzen, die immer wieder im Programm auftauchen und einen gewissen "Aha"-Effekt mit sich bringen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass auch beim fünften Auftriff Onkel Fisch noch nicht langweilig geworden sind, ich kann sie nur jedem empfehlen. Ihr werdet es nicht bereuen.

-> Mehr von Onkel Fisch

Es wurde Licht in Wuppertal

PeterLichtEndlich durfte ich ihn live erleben, den grandiosen Liedermacher PeterLicht. Und zwar gestern im ausverkauften Wuppertaler Rex-Theater. Kannte ich bislang auch noch nicht, zudem kam erschwerend hinzu, dass ich vorher noch beim Bundesliga-Duell zwischen Bayer Leverkusen und Hertha BSC gewesen bin – schlechtes Spiel, gutes Ergebnis dort. Aber wieder zum Thema: um 20:00Uhr hatte der Peter sich angekündigt, da wir uns aber um ein paar Minuten verspäteten, bin ich ihm dankbar dafür, dass er nicht ganz pünktlich begonnen hat.

Mit einer Viertelstunde Verspätung ging es dann also los. Vier junge Herren stehen auf der Bühne und spielen "Räume räumen", den Opener vom aktuellen Album "Melancholie und Gesellschaft". Das Besondere dabei: die Musiker sind nur ansatzweise zu sehen, weil nicht wirklich beleuchtet. Wollte Peter etwa wieder unerkannt bleiben, so wie früher, als er nur Telefoninterviews gab und sich als Kartoffelmännchen zeigte? Jein.

Und nach zwei Liedern gab es dann auch erste Beschwerden aus dem Publikum: "Peter, es fehlt das Licht!" machte einer ein geniales Wortspiel, ein anderer rief  "ich hab‘ 16€ für dich bezahlt, jetzt will ich dich auch sehen!". Das Publikum amüsiert, der Künstler nimmt es still hin, spielt noch ein Lied und dann wurde es endlich Licht:. Die Scheinwerfer gingen an, Peter gab sich zu erkennen und das Publikum tobte – da war er! Er existiert wirklich! 

Und er kann auch live sehr gut singen – die Setliste war ebenso abwechslungsreich wie seine vier Alben es schon sind. Er spielte die Klasiker wie "Sonnendeck", "Das absolute Glück" und  zwischendurch gab es dann auch kleine Blödelein mit dem Publikum. Und mit jedem Lied verbesserte sich die Atmosphäre im Wuppertaler Rex und eine kleine Gruppe junger Damen tanzte in der vierten Reihe sogar mitsingend mit. Macht Spaß. Da darf Peter auch mal ab und an einfach nur etwas Urkomisches aus seinen Büchern vorlesen. Und erst recht darf er mal seine Gitarre weglegen und einfach anfangen zu tanzen: das sieht unheimlich komisch aus, aber nicht gewollt bescheuert wie beispielsweise bei Helge Schneider: der Peter tanzt wirlkich so! Macht Spaß. Darf er.

Und nach mehr als hundert Minuten PeterLicht war dann nach vier Zugaben und einem bunten Potporee aus Musik, Komik und mehreren sehr sympatischen Versingern vom Peter Schluss. Stehende Ovationen, dann war er wieder weg. War aber ein sehr schöner Abend. Außerdem hängt nun ein PeterLicht-Poster in meinem Zimmer – und ich hoffe, dass auch der Dazwischenrufer für seine 16€ noch ausreichend Licht geboten bekam.

Wenn der Milchmann dreimal tanzt

Milkyfan.comMusikvideos sind toll, ich mag sie sehr gerne. Dank YouTube und Co. braucht man ja heutzutage auch nicht mehr zwangsläufig auf das Musikfernsehen zurückzugreifen, welches ja sowieso immer mehr und mehr oberflächliche Flirt-Shows aus den USA zeigt. Das ist aber wieder ein anderes Thema, hier soll es jetzt um etwas viel schöneres gehen: die Liebe. Denn ich bin verliebt. Und zwar in den tanzenden Milchkarton aus dem Video zu "Coffee & TV" von Blur.

Mal ganz davon abgesehen, dass wir hier von einem sehr schönen Lied reden (und ich beim Hören immer zwangsläufig hier dran denken muss) ist auch die eigentliche Handlung des Videos ziemlich knorke: Familie sucht Sohn mit Milchkarton, Milchkarton geht Sohn suchen, findet dabei Freundin und Sohn, bringt Sohn zurück nach Hause und trifft seine Freundin als Engel wieder. Happy End, alle haben sich lieb. Ist das nicht herzergreifender als jeder Herzschmerz-Blockbuster im Kino?

Und der kleine Milchkarton "Milky" ist mindestens genauso süüüüß putzig wie im Jahre 1999, als er das erste Mal die weite Welt eroberte. Müssen auch Oasis-Fans zugeben. Außerdem gibt es da draußen eine (scheinbar nicht mehr betreute) Homepage, die nur dem Milchmännchen gewidmet ist: dort kann man lustige Wackel-Avatare runterladen, per Anleitung seinen eigenen Milky basteln (wie geil ist das denn bitte?) und vieles mehr. Zu finden ist das ganze hier:

Milkyfan.com

Tscheck it aut nau, Jimmy Blau!

Dass früher auch in der Musikindustrie alles besser war, darüber habe ich ja schon mal ein bisschen was geschrieben. Aber jetzt habe ich beim Philipp was Lustiges gefunden. Da gibt es nämlich ein paar Herren, die sich "die Geronten" nennen und den ganzen Weichspül-Pop aus deutschen Landen aufs Korn nehmen. Das Highlight der niveauvollen und äußert kreativen Parodie-Parade auf DJ Ötzi und Co. ist aber folgende Version von Jimi Blue Ochsenknecht. Viel Vergnügen!

[via Niveau ist keine Creme]

Das „Ting Tings“-Ding

Ich gebe es zu. Ich war im Blöd-Markt und habe etwa 20€ dort gelassen. Eigentlich war ich nur dort, um mir das sehr tolle Knobelspiel "Picross DS" zu kaufen, das gibt es im örtlichen Blöd-Markt nämlich für läppische 10 Euronen. Aber wieder zurück zum eigentlichen Thema: ich höre ja sehr gern und sehr viel Radio. Zum Einschlafen höre ich oft "Plan B" auf Einslive, Samstag-Nachmittag lausche ich nicht selten "LIGA live" auf WDR2. Und Leute, die oft Radio hören, werden in der letzten Zeit an einem Song nicht drumherum gekommen sein: "That’s not my name" von den Ting Tings.

Erstmal: die haben ja mal einen extrem blöden Namen. Schreiben geht ja noch, aber sprecht das bitte mal aus. Klingt extrem blöd. Na ja, auf jeden Fall lag dann da so ihre CD für 9,99€ herum. So ganz stimmt das jetzt aber auch wieder nicht, denn davor stand exat die selbe CD für 12,99€ noch einmal. Da war wohl wieder ein Blöd-Markt-Praktikant zu blöd fürs Etikieren. Tststs. Nichtsdestotrotz, ich hab mir die CD dann einfach mal erworben, auch, weil es keine einzige der von mir gesuchten CDs gab (The Go Find, Kilians, M.I.A.). Und natürlich, weil mir "Great DJ" so gut gefällt. Läuft jetzt auch öfters im Radio.

Ting Tings
Das Album der zwei Briten heißt "We Started Nothing". Und das ist ja mal eine dreiste Lüge. Immerhin gehört die CD jetzt zu den CDs, bei denen ich erklären muss, dass ich mir sie selbst gekauft habe und sie kein falsches Geschenk war. Aber irgendwo schämt man sich dann doch für sowas, denn die passen nicht so wirklich in meine Musiksammlung. Und, nun ja, wie soll ich es sagen; die Ting Tings sind mehr so eine Mädchen-Band habe ich das Gefühl. Aber die Beats gefallen mir. Und die Stimme von der Ting Tings-Frau.

Die Leichtigkeit, die sich durch das gesamte Album zieht, ist sehr schön. Außerdem besitzt jedes Lied einen gewissen "Mit-Wipp-Effekt" und nach einiger Zeit singt man dann sogar die Lieder mit, deren Texte man nicht kennt. Und dann fühle ich mich um einige Jahre zurückversetzt, hach ja, damals, als ich den Gassenhauer "Sexbomb" vom guten Tom Jones gesungen habe. Okay, ich habe "yua mei sechsbom" gesungen, aber das ist ja egal. Und inzwischen habe ich auch die große Kunst des Lesens erlernt und das Booklet der Ting Tings-CD beinhaltet neben einem wirren Mix aus bunten Farben und Kuddelmuddel auch die Texte der zweiköpfigen Combo.

Kurzum: "We Started Nothing" ist eine massenkomplitable und dennoch erfrischende Mischung aus Pop, Punk und Elektronik. Außerdem versetzt sie den Hörer gleich in gute Laune. Und das kann jetzt, wo der Herbst an der Tür klopft, nicht wirklich schaden.

The Ting Tings – We Started Nothing

Grüß Gott, Franz!

Kurz die kleine Vorgeschichte: stell dir vor, du befindest dich im kleinen baltischen Staat namens Estland und denkst dir "Mensch, was könnte ich denn so machen?". Okay, die erste Idee eines Durchschnitts-Mannes ist: Bier! Juhu! Denken wir aber mal ein wenig weiter: Musik! Rock ‚n‘ Roll! Yeah! Netterweise verbinden auch die Esten selbiges in diesem Sommer zum inzwischen 15. Mal auf einem Festival und nennen das dann auch noch "Õllesummer" was soviel heißt wie "Biersommer". Geil!

Also, am gestrigen Freitag bin ich dann am frühen Abend auf das große Gelände gepilgert und habe mich über den günstigen Eintrittspreis gefreut: 150 estnische Kronen muss man für einen Tag auf dem Festival bezahlen, das sind keine 10€. Fürs berühmte leibliche Wohl wurde an gefühlten 19876 Fressbuden gesorgt, hier gab es Speis und Trank zu ebenfalls sehr humanen Preisen. Und wenn man sich dann genug über günstiges Bier und fettige Bratwürste gefreut hat, konnte man an einer der sechs (?) Bühnen Musikern lauschen, meist kamen diese aus Estland und sangen in ihrer Landessprache.

Bei einer Band – ich meine es war die Band "traFFic", bin mir aber nicht sicher – wurde dann auch sehr laut gekreischt. Komischerweise finde ich über die estnische Truppe nichts im Internet, immerhin weiß ich jetzt, dass es a) eine Rockband in den Sechzigern war und es b) einen DJ mit diesem Namen in Russland gibt. Egal, auf jeden Fall hat mir die ganz gut gefallen, vor allem eine Coverversion von Song 2 hat es mir angetan. Ansonsten gab es nicht viel Bemerkenswertes, eine Jazzsängerin hier, eine finnische Metal-Band (bäh!) dort.

Weitaus interessanter war das musikalische Geschehen an der Hauptbühne, die mit einem relativ großen Innenraum und einer nicht weniger imposanten Tribüne ein schönes Ambiente zu bieten hatte. Hier begann die "Vorband" zum Headliner des Festivals, sechs Sänger und Sängerinnen aus dem Baltikum gaben berühmte Filmhits zum Besten – von "Who Wants to Live Forever" bis "My Heart Will Go On" war (leider?) alles dabei. Durchaus hörenswert, vor allem das Finale mit "I‘m a Believer" war sehr schön anzuhören.

Danach gab es dann wieder eine gute Dreiviertelstunde Pause auf der "Postimees"-Bühne, bis endlich der Hauptact überpünktlich um 22:30 Uhr die Instrumente zum Klingen brachte: die britische Indie-Rock-Truppe Franz Ferdinand gab sich die Ehre und heizte die Menge ordentlich an. Ganze 75 Minuten rockten die Jungs standesgemäß ihr Programm herunter, dabei waren alle Hits von "Take Me Out" bis "Michael" dabei. Schön. Auch eine Zugabe gönnten die Briten ihren estnischen Fans, gleich drei Lieder wurden zusätzlich dargeboten. Ich hätte ja gern noch mehr gehört, aber was "Zugabe" auf Estnisch heißt, ist mir leider ein Rätsel.

Rätselhaft war es mir übrigens auch, warum die Gitarrenriffs teilweise so lasch aus den Lautsprechern rüber kamen. Kann sein, dass ich als einziger so denke, aber irgendeinen Kritikpunkt hat der doofe nörgelnde Deutsche ja immer. Trotzdem war es ein sehr schöner Abend. Danke Franz!

Rumms.

Die niedlischte Band der Welt zu Gast in der Seidenstadt

Statusbericht: Muskelkater, Sonnenbrand, schlechte Laune. Und bevor es hier zu Missverständnissen kommt: das war vor dem Konzert. Eigentlich hatte ich nicht sonderlich große Lust auf den Gastauftritt der Ärzte im "KönigPALAST", aber ich habe meine Karte geschenkt bekommen und einem geschenktem Gaul schaut man schließlich nicht ins Maul. Erst recht nicht, wenn es die Band ist, "die sie Pferd nannten". Also dann.

Pünktlich um 20:00Uhr ging es an diesem Sonntag-Abend los und die drei Herrn namens Farin, Bela und Rod legten mit dem antreibenden "Himmelblau" auch gleich ordentlich vor. Der Opener wurde atmosphärisch mit blauen Scheinwerfern inszeniert, hat mir gut gefallen. Danach spielte "die beste Band der Welt" noch geschätzte 35 (!) weitere Titel (inklusive mehrerer Zugaben) Hin und wieder gab es auch die fast schon legendären Albernheiten seitens der Band in Richtung Publikum ("Hallo Kräh-Feld"). Immer wieder zeigten sich die drei Musiker von ihrer kindlichen und lustigen Seite. Mit Erfolg, kam in der ausverkauften Arena gut an – wie man es von Konzerten der Ärzte auch gewohnt ist.

Auch die üblichen lustigen Publikums-Spielchen durften natürlich nicht fehlen, launige La-Olas gingen durch die Massen. Aber als Nicht-Fan (uh, böse, verbrennt ihn!) mit geringen Kenntnissen was Historie und Liedgut anbelangt hatte ich auch noch ein eigenes Spielchen: zu verstehen was die Musiker da auf der Bühne eigentlich von sich gaben. Obwohl auf Deutsch gesungen wurde, war es für einen Menschen wie mich, der nur die üblichen Single-Auskopplungen kennt, schwierig, herauszufinden was da überhaupt gesungen worden ist. Immerhin standen immer Leute in der Nähe, die lauthals mitgesungen haben, hat alles ein wenig erleichtert. Wobei, oft ist sowieso scheißegal was gesungen wird. Hauptsache rumspringen, rumgrölen und sich freuen. Yeah!

Ich kannte geschätzt ein Fünftel der gespielten Titel, darunter natürlich auch die Highlights "Lasse redn", "Junge" und "Hurra". Und auch wenn viele der neuen und alten Songs auch mir direkt ins Ohr gingen, es waren doch einige Stücke dabei, die mir nicht gefallen haben. Aber das geht wohl auch den beinharten Fans so.

Alles in allem war es auch für mich als Ärzte-"Neuling" ein amüsanter Abend, hat Spaß gemacht. Und mein T-Shirt war auch durchschwitzt, zudem ist der Muskelkater jetzt schlimmer geworden, der Sonnenbrand ist auch noch da. Dafür ist die schlechte Stimmung weg. Schön, gut zu wissen, dass es doch noch Ärzte in Deutschland mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis gibt.