Listening to „You Talk All Night“ makes me feel sick and ashamed of myself, but in a good way – as if from this point on all things will be pure, an example that life can be as innocent as it used to be.
-Kev Kharas
In den Neunzigern musste man sich entscheiden: Oasis oder Blur? Gallagher oder Albarn? Cigarettes & Alcohol oder Coffee & TV? Heute hat man es einfacher, man kann einfach beide supi finden und wird deswegen nicht geboxt. Oasis habe ich letztes Jahr zweimal live gesehen (1 & 2), Blur leider nicht, weil die sich dafür entschieden haben, ihre Revivalkonzerte in London statt Krefeld stattfinden zu lassen. Sei es drum. Die Gallaghers haben sich endgültig zerstritten und sitzen in diesem Moment irgendwo rum und sind besoffen. In fünf Jahren raffen sie sich dann wieder zusammen und geben Revivalkonzerte (in London). Dabei war „Dig Out Your Soul“ so ein prima Stück Musik. Aber auch Albarn trifft doofe Entscheidungen: trotz riesigem Erfolg des Comebacks wird es wohl kein neues Bluralbum geben, ohhhhh. Schade, ernsthaft. Immerhin konnte man sich zur Aufnahme eines neuen Songs namens „Fool’s Day“ hinreißen und weil der extrem geil ist, sollt ihr den auch mal hören.
Einfach bei http://blur.co.uk/ einen Namen („Noel Gallagher“, hahahahahaha, witzig.) und eine E-Mail-Adresse erfinden und dann geht es los. Sie können es immer noch! There’s no other way.
Vor fast etwa ziemlich genau einem Jahr habe ich an dieser Stelle auf die immer noch tolle kanadische Band The Wind Whistles aufmerksam gemacht. Und die sind auf dem Netlabel mit dem netten Namen „aaahh records“. Dort gibt es immer wieder schöne und kostenlose Musik, zum Beispiel auch eine feine EP der Schwedin Emilie Lund. Aber um die soll es hier nicht gehen. Denn ich habe neben diesen zwei guten Künstlern auch noch eine sehr gute Band gefunden, die ich hier jetzt mal aus reiner Nettigkeit vorstellen möchte: Uniform Motions.
Uniform Motions sind drei junge Franzosen, die nicht nur Musik machen, sondern auch prima zeichnen und illustrieren können (was mich an Chad VanGaalen erinnert, aber das nur so am Rande). So gibt es nicht nur Musik, sondern auch ein Comicbuch und selbstkreierte Videos. Für jedes Lied je ein Comic bzw. Video! Und das alles „natürlich“ gratis – wobei man auch einen symbolischen Preis für dieses Stück Kunst zahlen kann. Tolle akkustische und nachdenkliche Musik, die untrennbar mit dem Visuellen verbunden ist. Passend also der Titel des diesjährigen Debüts: „Pictures“. Einen Nachfolger gibt es auch schon („Life“), erhältlich über die Bandhomepage. Außerdem habe ich gelesen, dass der Grafikdesigner Renaud Forestié bei Live-Auftritten der Band simultan zur Musik kleine Zeichnungen erstellt und diese an die Wand projiziert. Wie superkuhl ist das denn? Eine Deutschlandtour ist aber leider noch nicht geplant, während ich diese Zeilen schreibe.
Ich hasse es, Musik mit adäquaten Adjektiven und Vergleichen zu umschreiben, daher könnt ihr mir vielleicht einfach den Gefallen tun und das hier supi finden:
Ich habe in den letzten Tagen ein paar kurze Hörspiele aufgenommen. Allein. Trotzdem sind die Hörspiele mehrstimmig – Zauberei! Vielleicht mal anhören, Kritik ist erwünscht. Wenn mir danach ist, folgen nach und nach noch weitere kleine Aufnahmen.
Nein, er ist kein Holländer. Aber der Stuttgarter Liedermacher Joachim Zimmermann wird schon gewusst haben, was er sich selbst antut, als er sich den Künstlernamen daantje & the golden handwerk zugelegt hat. Auf dem kleinen, netten Label Omaha Records (mitgegründet von Gisbert zu Knyphausen) hat er nun seine neue EP veröffentlicht. „Aha“. Heißt sie. Und ich habe sie mir bestellt, angehört und sie letztlich für gut befunden.
Die Grundstimmung, die sich durch alle fünf Titel der EP zieht, lässt sich einfach mit dem Wort „Herbstmusik“ beschreiben. Tief melancholische, trabende Songs von enttäuschter Liebe und gesammelten Gedanken, spärlich begleitet von Akustikgitarre und ein bisschen anderem Instrumentenzeug im Hintergrund. Banjo, Snare und Percussion zum Beispiel. Und ein bisschen Elektronik. „Und ich bin immer nach oben gelaufen / und ich kam immer unten wieder raus“ singt er bestürzt gleich im ersten Lied, „Rampenlied“, satte neun Minuten lang. Man glaubt ihm jedes Wort. Wunderbare Zeilen wie diese hat er in jedem Lied versteckt, die roteraupe fasst das besonders schön zusammen:
Dafür schenkt einem daantje & the golden handwerk wunderbare Zeilen […], die man am liebsten auf einen Zettel schreiben und in der Hosentasche mit sich herumtragen möchte.
Hat man sich erst einmal in die EP reingehört, in die Melodien verliebt und die tiefsinnigen Texte entschlüsselt, lässt sich in „Aha“ eine feine halbe Stunde Musik finden, die trotz aller Schwere eine erfrischende Alternative zu all den grinsebackigen Liedermachern dieses Landes ist. Und so schließe ich diese winzige Kritik mit dem besten Satz, mit dem ein Review eines jungen Musikers enden kann: „von diesem Künstler wird man noch viel hören!“. So wird es sein.