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Archiv der Kategorie 'Konzerttagebuch'

Auf eine Kippe mit Koppruch

Das sehr, sehr gute Hamburger Label „Grand Hotel van Cleef“ bat zum alljährlichen „Fest van Cleef“ (Rückblick: 2009) und weil ich mich eingeladen gefühlt habe, war ich letzten Sonntag im Bielefelder Ringlokschuppen körperlich und geistig zugegen. Und Heissa, es war ein Fest! Es gab Glühwein, Bratwurst und Heizpilze, aber nur im Draußenbereich für Raucher und Frischluftfetischisten, die eigentliche Veranstaltung fand in einer Halle statt. Mit acht Bands auf zwei Bühnen, so dass man immer hin und her wandern musste. Wie ein richtiges Festival fühlte es sich also immerhin bedingt an, aber das Wichtigste an solchen Veranstaltungen (Ausnahmen: Wacken, Rock im Park, Rock am Ring, etc.) ist ja ohnehin die Musik. Und die war prima. Ein kleiner Eintrag ins Konzerttagebuch.

Ich arbeite mal chronologisch den Ablaufplan ab: Beat!Beat!Beat! sah ich bereits zum dritten Mal und irgendwie werde ich mit dieser Band nicht warm. Ja, nette Musik machen sie ja bestimmt, aber meine ehemalige Sitznachbarin aus dem Chemieunterricht ist auch nett und dennoch weiß ich ihren Nachnamen nicht mehr. Immerhin konnte man die durch das langweilige erste Konzert gewonnene Zeit in Alkohol- und Fanartikelkonsum investieren. Danach: wandern zur Bühne zwei, wo Tim Neuhaus auf der Bühne herumsoundcheckte. Ich setzte mich mit meiner mich begleitenden Freundin an den Bühnenrand, da spazierten Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen an uns vorbei – Gisbert hielt inne und erinnerte sich: „Ihr wart doch auch in Oberhausen, oder?“ Ja, waren wir – und tags zuvor auch in Münster. Wir verabschiedeten uns wahrheitsgemäß mit „Und nächsten Freitag sehen wir dich schon wieder, in Hamburg!“. Scheiß Groupies sind wir. Aber eigentlich wollte ich was zu Tim Neuhaus sagen, kann ich aber nicht, da mir von seinem Programm nichts im Ohr geblieben ist. War so ein Songwriter-Geschwurbel mit Drummer. War vielleicht gut. Vielleicht aber auch nur so naja. Und bestimmt was fürs Radio. Also weiter zu den mir vorab völlig unbekannten Young Rebel Set. Britische Hut-, Bart- und Unterhemdenträger, also sehr sympathisch. Musikalisch irgendwo zwischen The Pogues, Mumford & Sons und den Fleet Foxes. Aber beim ersten Hören leider auch nur nett.

Grand Hotel/Fest van Cleef in BielefeldDanach begann für mich der Festivaltag. Nils Koppruch war schließlich nicht nur zum Spazierengehen nach Bielefeld gekommen. Irgendjemand hat mal geschrieben, dass er der deutsche Tom Waits sei. Aber das ist eine noch größere Lüge, als wenn ich sagen würde, dass Birnen und Äpfel fast das Gleiche wären. Ein ziemlicher Schrat ist Koppruch (siehe Bild) dennoch, denn er nennt außergewöhnlich unschöne Cowboystiefel und einen Dreißigtagebart sein eigen. Sein aktuelles Album „Caruso“ ist einer der besten Tonträger des Jahres, übrigens. Auch auf der Bielefelder Bühne funktionierten seine Stücke, getragen nur von Gitarre (wahlweise: Banjo), Bass und Koppruchs markanter Stimme, ziemlich gut. Er sang von Liebe, Zweifeln und (gemeinsam mit zu Knyphausen) der Aussicht. Ja, das war sehr gut. Und wenn wir schon bei „sehr gut“ und Gisbert sind: Gisbert zu Knyphausen ist sowieso der unangefochtene Spitzenreiter in den Liedermachercharts. Auch wenn er seinen Vorsprung bei seinem sonntäglichen Akustikgitarrenauftritt nicht ausbauen konnte, da er ohne Band eben deutlich an Wucht und Gänsehautmomenten verliert. Egal, Freitag in Hamburg sind die Herren Bandkollegen ja wieder dabei.

Es folgten Bierstandvisitationen und verspätetes Eintreffen beim Auftritt des australischen Indie-Rock-Duos An Horse. Ein Drummer und eine Gitarristin. Ich weiß zu wenig über die Band, um an dieser Stelle nicht (wie alle anderen auch) „The White Stripes!“ zu rufen, Verzeihung. Scheint aber gute Musik zu sein. Schön auch, dass während des Auftritts Nils Koppruch aus Gründen zu mir kam und mir nach einem kleinen Plausch eine Zigarette anbot. Jetzt ist er endgültig mein Lieblingsschrat. Zu An Horse vermag ich hingegen leider nichts mehr zu berichten, daher schnell weiter zum heimlichen Headliner Thees Uhlmann, der begleitet von befreundeten Musikern zunächst zwei Tomte-Klassiker („Das hier ist Fußball“, „Die Schönheit der Chance“) und anschließend Titel von seinem im nächsten Jahr erscheinenden Soloalbum spielte. Es bleibt dabei: Uhlmann, Gründungspapa vom Grand Hotel van Cleef und seit Jahren schon der alberne Weise der deutschen Popkultur, ist ein echt prima Kerl. Und ich möchte prognostizieren, dass sein Soloalbum ein echtes Feuerwerk wird.

Grand Hotel/Fest van Cleef in BielefeldDie Kritiker werden zwar schreiben, dass sich die Songstrukturen zu sehr ähneln und dass er immer noch ein wenig nuschelt, aber diesen Leuten möchte ich jetzt schon sagen: Fresse. Bei Uhlmann selbst muss ich mich allerdings auch beschweren, denn mir an einem Abend dermaßen viele Ohrwürmer ins Hirn schießen, ohne dass ich zu Hause auf Tonträgeraufnahmen zurückgreifen kann und auf YouTube-Mitschnitte angewiesen bin – fies und gemein. Trotzdem ist Uhlmann einer der Besten unter all den Guten, allein schon wegen Songtiteln wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“. Am Epochialsten ist allerdings der zwei Sätze zuvor verlinkte Song namens „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ (wer genau hinhört, bemerkt zum Ende des Liedes zwei Textzeilenverwechsler des mitsingenden Gitarristen): „Und wie häufig schlägt dein Herz? Wie häufig siehst du himmelwärts? Und wie häufig stehst du auf und freust du dich darauf? Und Jay-Z singt uns ein Lied“ singt Thees und wenn das Lied nach drei Minuten so tut, als wäre es vorbei, hauen einem die Gitarren noch einmal mächtig in die Fresse und föhnen einem die Gänsehaut auf die Arme. Sapperlot! Groß. So viel Applaus spendete ich selten.

Ganz wenig Klatscherei bekamen zum Abschluss des Tages Kettcar spendiert, allerdings nur deswegen, weil letzte Züge am Bahnhof erreicht werden wollten. Mit dem ungewöhnlicherweise nicht zum Konzertende, sondern schon nach vier Songs gespielten „Balu“ in den Ohren verließen wir frohen Mutes den Ringlokschuppen und begaben uns in die ostwestfälische Kälte. Feste soll man feiern, wie sie fallen – sagt der Volksmund. Aus diesem Sprüchlein ließe sich sicher ein lustiges Fazit für das Fest van Cleef 2010 basteln, aber schlechte Wortspiele hebe ich mir lieber für die nächste Kurzgeschichte auf. Stattdessen möchte ich diesen kleinen Bericht schließen mit: bis nächstes Jahr, Grand Hotel van Cleef-Menschen!

(Danke an Annika! Auch für die Bilder.)

Wie es in Werden war

Gestern habe ich Kultur in der Kulturhauptstadt 2010 konsumiert. Essen hat sich mal das „Pfingst Open Air Werden“ ausgedacht. Ganz viele Musikmachende und Musikhörende haben das gut gefunden und sind erschienen. Und weil es rechnerisch nicht sein kann, dass alle meine Leser bei der diesjährigen Auflage anwesend waren (ich habe zudem keinen von euch gesehen), hier ein paar witzige Anekdoten und, zur Auflockerung, auch ein paar unwitzige.

Weil ich mir noch keinen Führerschein gekauft habe, begann die lange Reise am Hauptbahnhof. Ich öffnete mein zweites Bier, rauchte meine dritte Zigarette und platzierte mich auf einer Sitzgelegenheit vor dem Gebäude; eintreten konnte ich nicht, da mich „Rauchfreier Bahnhof“-Schilder böse angesehen haben. Neben mir saß ein alter Mann mit alter Jacke und alter Stimme und alten Geschichten. Er erzählte mir, dass er als kleiner Junge halb aufgerauchte Zigaretten auf Bahngleisen eingesammelt hat, weil er kein Geld für richtige Kippen hatte (möglicherweise fand er es aber auch unheimlich geil, sich wie eine Taube im Sekundentakt am Gleis zu bücken, aber diesen Gedanken behalte ich für mich). Um eine Zigarette bat er mich und natürlich ging ich diesem Wunsch nach. Unangenehm war mir, dass er mich dafür mit unvernünftig viel Kleingeld bezahlen wollte. So einer bin ich nicht, aber er bestand darauf und dann war ich doch so einer; auch, weil ich gestern Abend mein letztes Geld versoffen hatte. Ich klopfte ihm zum Abschied auf die Schulter und jetzt sind wir Freunde. Später war ich dann irgendwann in Essen-Werden und Entschuldigung für diesen Zeitsprung, aber ich muss ja auch mal zur Sache kommen.

Gisbert!In Essen-Werden stand ich lange in einer Warteschlange, dann begrüßte ich Sicherheitsmenschen, die sympathisch ungenau arbeiteten und drei Bierflaschen in meiner Tasche übersahen. Und dann war da noch dieses schöne Gewässer, wahrscheinlich die Ruhr, und da schwammen ein paar Leute drin, Gedichtegutfinder dürfen sich diese Umgebung als „Idylle“ vorstellen. Auf der Bühne war ein Kollektiv namens „BEAT!BEAT!BEAT!“ und die waren wahrscheinlich gut, aber ein ausführliches Urteil überlasse ich anderen, habe nur eine Komposition mitbekommen. Dann habe ich ein paar Menschen zur Seite geschoben (manche davon waren wirklich hübsch, die schob ich dann weniger aggressiv), damit ich Gisbert zu Knyphausen (siehe Bild rechts oder hier) aus naher Nähe sehen kann. Der zappelige Ansagemensch, der zwischen den Künstlern eine Beatbox (größster Scheiß überhaupt, übrigens) war, kündigte ihn mit „Hier die Band ‚Gisbert von Kryphausen‘!“ an und da war ich froh, dass der gute Gisbert doch noch nicht so berühmt geworden ist, wie ich befürchtet hatte. Während „Flugangst“ und vor „Kräne“ musste ich aus Versehen pinkeln. Bei ausnahmslos allen Liedern musste ich aus Versehen mitsingen. Mehr will ich jetzt hier nicht vom Gisbert erzählen, aber denkt euch einfach ganz viele Superlative: er ist immer noch der Beste. Applaus.

Es waren ganz viele Menschen anwesend, der Großteil jünger als das (in diesem Jahr neunundzwanzig Jahre alt gewordene) Festival und manche bedeckten ihre Körper mit Bandshirts. Bandshirts sieht man immer nur bei Musikereignissen, das prangere ich an. Übrigens ist die Population von T-Shirts mit unwitzigen Sprüchen („Ich bin wegen dem Bier hier“) stark steigend, ich hasse diese Menschen und ihr könnt mich alle mal. Was man auf einem Festival niemals machen darf, ist sich rauchend irgendwo hinzusetzen. Alle neun Sekunden kommt jemand und schnorrt. Den Ersten fand ich noch amüsant, weil mir spontan „Nein, verzeih, ich bin Nichtraucher“ einfiel, aber die anderen dürfen sich neben die Witzshirtträgern in der Hassreihe stellen. Dann kamen Friska Viljor auf die Bühne, die ich Anfang des Jahres schon als okaye Liveband erlebt hatte und so nutzte ich die Zeit sinnvoll(er) und tat rumlaufend so, als würde ich jemanden suchen. Bewegung tat mir gut, die Wirkung des Alkohols lies nach und mein leeres Portmonee hinderte mich daran, diesen Umstand zu ändern. Ich setzte mich an einen Baum (ich behaupte, dass es eine Birke war, aber das ist geraten) und schrieb Kokolores in mein Moleskine-Notizbüchlein. Dabei wurde ich überraschenderweise nicht doof angeguckt. Wenn man an einem Ort ist, an dem man Sachen machen kann, die man gut findet, ohne dass man dabei doof angeguckt wird, dann ist man da, wo es richtig ist.

Bonaparte!Bonaparte (siehe Bild links, Abb. ähnlich) hätte ich schon letztes Jahr auf dem Melt sehen können, wenn ich die nicht verpennt hätte. Ihr Auftritt auf dem „Pfingst Open Air Werden“ war voll von Masken, Komischkeiten und nackter Haut. Das war gut so, denn die Musik war überraschend öde. Aber Schweinsmützen, Babyköpfe und sich langsam entkleidende Tänzerinnen machten das wett. Einmal drehte ich mich um, um in die Gesichter der geschätzt zwei Millionen Leute hinter mir zu sehen und da waren eine Menge Leute dabei, die vor lauter Sex und Kunst auf der Bühne nicht wussten, ob sie masturbieren oder applaudieren sollten. Weil Massenwichsen nur in Pornos und Kreisen, in denen ich nie verkehren (haha!) werde, existiert, haben aber alle in die Hände geklatscht und die Hosen anbehalten, zum Glück. Mehr Musik konnte ich mir danach leider nicht mehr angucken, denn die restlichen zwei Bands spielten irgendeinen Metalscheiß, den bitte andere gut finden sollen. Ich spazierte zum Ausgang, traf auf dem Weg E., sagte ihr nett „Hallo!“, sie malte mir was in mein Moleskine-Notizbüchlein und gab mir Eistee. Im Gewühl habe ich verpasst, ihr „Tschüss!“ zu sagen, aber sie wird mir verzeihen. Fantastischerweise war eine Dosenbierverkäuferin auf dem Weg zur Bahn und ich tauschte das Stunden zuvor vom netten Geschichtenerzähler erhaltene Klimpergeld gegen eine Dose unleckeres Regionalbier. So schließt sich der Kreis, dachte ich mir. In der Bahn spielten ein paar Indiekids „Stadt-Land-Fluss“ und wussten nie einen Fluss. Niemand kennt viele Flüsse, deswegen entscheidet sich bei „Stadt-Land-Fluss“ auch immer bei „Fluss“, wer gewinnt. Flusswissen ist goldenes Wissen, die restlichen Kategorien benötigen nur Spontanwissen.

Sapperlot, da gab es ja doch einiges von meinem großartigen Ausflug nach Essen zu erzählen. Ich lege mich dann mal auf meine überforderten Ohren. Gute Nacht.

Three seconds of fame

Man sagt, heutzutage habe jeder so seine paar Sekündchen Berühmtheit. Oder, um es auf coolem Englisch zu sagen: you have your ten seconds of fame! Und jetzt, jetzt gilt es auch für mich: juhu! Der Filmemacher Eric Siebert hat nämlich eine komplette Dokumentation über meinen Blog gedreht! Also fast. Neben den handgestoppten drei Sekunden, in denen mein sehr, sehr guter Blog (bzw. dieser Artikel) als Beispiel für journalistische Glanzleistungen zu sehen ist, gibt es drumherum auch noch rund 44 Minuten und 57 Sekunden lang einen Rückblick auf das diesjährige Melt!-Festival.

Bald kommt die Dokumentation wohl auch ins Fernsehen, ich persönlich rechne mit einem Sendeplatz zur besten Sendezeit, 20:15 Uhr, samstags, in ARD und ZDF gleichzeitig oder so. Auch wenn RTL-Kameras zu sehen sind und scheinbar eine Ausstrahlung bei n-tv im Gespräch ist. Bin gespannt! Und bis dahin kann man sich die prima Doku aber auch online ansehen. Zum Beispiel und ausschließlich hier:
http://www.meltdoku.de/

(etwa bei 35:44 Uhr, wo Dirk Völlner von der INTRO irgendwas erzählt, ist der große Moment. Man kann sogar den Blognamen lesen, ich erwarte also etwa siebentausenddreiundvierzig neue Besucher und Fans auf diesen Seiten. Juhu!)

Voll indie, ey!

Das Melt gefällt – ein Festivalbericht

Hurra, mein erstes mehrtägiges Festival! Das ein oder andere Konzert hatte ich ja schon hinter mich gebracht, aber jetzt war es soweit: ein Festival, ui! Über drei Tage! Wow! Im Osten! Gräfenhainichen! Mit echten Ossis1 und echtem Sächsisch! Und guter Musik! Melt! Und es war vorab schon alles ausverkauft, erstmals! Ein spontaner Bericht ohne zu viele Details, dafür mit viel Liebe geschrieben.

Melt! - Foto: Johannes F.Freitag – 17.07.09
Die ganzen Geschichten von Zeltaufbau und dauer-betrunkenen Dänen mit Megafon im Zelt nebenan erspare ich euch, daher direkt zum wichtigen Teil: der „Location“, wie man als cooler Trendsetter heute sagt, oder wie ich es nenne: das Festivalgelände. Früher Braunkohletagebau, heute Musik. Überall Bagger und so Zeug. Dufte! Die erste Band, die man sich dann angucken durfte, waren die Cold War Kids, zu denen ich außer dem Adjektiv „okay“ komischerweise nichts erzählen kann, weil belangloser Alternativ-Indie-Kram. Kurz darauf gab es dann aber für mich das erste große Highlight, als ich zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen Gisbert zu Knyphausen sehen durfte, der immer noch der Beste ist. Das neue „Seltsames Licht“ ist das schönste traurige Lied der Welt. Kennt ihr vielleicht noch nicht, aber wenn es das irgendwann mal als Studio-Version gibt, werdet ihr davon hier lesen. Später am Freitag folgten dann aber erstmal noch Klaxons (tanzbarer 08/15-Britpop ohne Ohrwürmer), Röyksopp (live für mich zu abgedreht, aber auch nicht mein Genre) Crystal Castles (selbiges hier) und The Virgins („Rich Girls“ ist ein verdammt geiler Ohrwurm und die Band ist auch überraschend gut!). Achso, und natürlich noch Travis, bevor mein Körper dann den Geist aufgegeben hat und ich leider unter anderem Gossip verpasst habe. Bei Travis reicht es eigentlich, diesen Bericht aus dem letzten November zu lesen, denn die Setlist und die Spielereien mit dem Publikum waren bis auf die fehlende „Why Does It Always Rain On Me?„-Zugabe nahezu identisch, aber eben identisch spaßig und gut. Außerdem ist Frontmann Fran Haley bestimmt der netteste Mensch der Welt. Muss man mögen.

Super700 - Foto: Johannes F.Samstag – 18.07.09.
Nach einer durchregneten, aber erholsamen Nacht gab es am Samstag einen wahnsinnigen, beinahe neunstündigen Musik-Marathon. Beginnend mit den öden Baddies, über die gute deutsche Band Mikroboy, die noch viel tolleren Berliner von Super700 (siehe Bild rechts) und dem ehemaligen Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer, dessen Auftritt aber irgendwie nicht so recht fluppen wollte, so ging es mir zumindest. Die neuen Solo-Songs zündeten noch nicht, die alten Blumfeld-Hits kenne ich gar nicht erst und wenn zwischenzeitlich nicht Liedmacher-Gott Gisbert zu Knyphausen neben mir am Bierzelt gestanden hätte, wäre mir vom Auftritt wohl gar nichts in Erinnerung geblieben. Ach, wenig später traf ich dann noch zwei MTV-Gestalten; Joko und Klaas hießen die, glaube ich. Waren sehr nett und spendierfreudig, was alkoholische Getränke und Geschichten aus dem Leben eines B-Promis und Musikfreund angeht. Ihre Groupies kenne ich jetzt auch, aber eine weitaus tollere Erfahrung war selbstredend wenig später der Auftritt von The Whitest Boy Alive, die ziemlich lässigen Easy-Listening-Dance-Pop machen (und dafür auch hier schon mal von mir gelobt worden sind). Bei untergehender Sonne perfekt. Anstrengender waren anschließend Animal Collective, weswegen ich auch schnell zur seichteren Jazz-Songwriterin Anna Ternheim geflüchtet bin. Übelst super-fetzig (!!) wurde es dann bei Phoenix, mit ganz viel Rumgespringe und Versuchen, die englischen Texte der Franzosen mitzusingen. „1901“ ist mein Hit des Sommers, glaube ich. Bin Fan. War danach aber körperlich wiedermal völlig fertig und habe Bloc Party auch nur so halbwach mitverfolgt. Am nächsten Morgen durfte ich mir dann noch anhören, wie viel ich bei Bonaparte kurz vor vier Uhr nachts verpasst hätte, scheiße.

Melt! - Foto: Johannes F.Sonntag – 19.07.09
Oh, letzter Tag. Ein letztes Mal über die teuren Preise und den Nieselregen ärgern, ein letztes Mal über sehr gute Musik in guter Gesellschaft freuen. Bedingt durch Zeltabbau, Koffer wegbringen (waren mit dem Reisebus da) und Ausschlafen konnte ich vom im Vorfeld so viel empfohlenen Patrick Wolf leiderleiderleider nur noch knappe zehn Minuten sehen. Die haben gereicht, eine lustige kleine Tucke mit einer Stimme, die der von Conor Oberst (Bright Eyes) ziemlich ähnlich ist. Sein Abschluss „The Magic Position“ verdient auch sehr positive Adjektive („geil“, „launig“, „knorke“) und auch hier: bin jetzt Fan. Leider mussten danach Glasvegas auftreten. Der Sänger ist ein arroganter Macho und die Musik ist auch – mit Verlaub – richtig richtig scheiße. Langweilig, laut, scheiße. Sogar eigentlich gute Songs wie „Daddy’s Gone“ gehen live kaputt. Was für eine scheiß Band! Mit der Meinung bin ich übrigens nicht alleine, zumindest gab es bei keinem anderen Auftritt so wenig hörbaren Applaus. Kein Applaus für Scheiße; gut so, Melt-Publikum! Cooler waren zeitgleich die rockenden Team Monster, die sich unter Masken versteckt haben, aber in Jogging-Hose und mit Konfetti-Kanone eine sehr unterhaltsame Bühnenshow abgeliefert haben. Beste Unterhaltung lieferte dann auch ein Nackedei (Video), der den ja doch eigentlich ganz okayen Polarkreis 18 für viele Minuten Aufmerksamkeit und Applaus raubte. Hihihi. Es folgten noch Kasabian, die von den vielen britischen Besuchern maßlos gefeiert worden sind, aber irgendwie nicht so toll waren, und abschließend Oasis (siehe Bild links). Und bis auf eine Ausnahme spielten die Junge die selben Songs wie vor ein paar Monaten in Düsseldorf. Klar, da sind alle Hits dabei, aber es ist ein wenig so, als würde man den gleichen Film zweimal gucken, denn Ansagen gibt es bei den Gallaghes nun mal nicht wirklich. Ich will nicht motzen, aber ein anderer Headliner wäre mir lieber gewesen, so sehr ich Oasis auch mag.

Danach Busfahrt, einige Portionen Schlaf und Ankunft zu Hause. Adieu Dosenfutter, auf Wiedersehen betrunkene Dänen oder kurz: tschö Melt. Bis zum nächsten Jahr, vielleicht.

  1. Weil es leider genau drei Beschweden darüber gab, dass ich mich so fies über Ostdeutsche lustig mache: Satire, liebe Leser. Satire! Vielleicht habe ich als Titanic-Leser viel schlechten Einfluss, aber der Fehler liegt bei euch, nicht bei mir: und zwar wenn ich diesen kleinen Jux ernst nehmt. Ist doch nicht so gemeint, haha! So.

10 Dinge, die ihr noch nicht über meinen Fest van Cleef-Besuch wisst

Grand Hotel/Fest van Cleef in Essen1. Ich kann „Element of Crime“ nichts abgewinnen, gar nichts. Sven Regener hat eine komische Stimme und die Texte gefallen mir nicht. Bin wahrscheinlich zu jung oder zu doof für diese Band, die sonst wohl alle Menschen auf diesem Planeten lieben.
2. Thees Uhlmann ist eine coole Sau.
3. Wirklich.
4. „Why?“ waren überraschend gut, was vielleicht auch am spontanen Sinnflut-Regen lag. Habe mir gleich die letzte CD „Alopecta“ und am Merchandising-Stand von dem Typen, der vorher auf der Bühne Xylophon („Xylophonist“?) gespielt hat, signieren lassen. Bin jetzt Fan.
5. Die „Kilians“ sind wirklich okay. Aber wie viele andere Bands sind das auch? Zumindest ist Sänger Simon der Hartog ein coolerer Typ mit besseren Ansagen als der mir namentlich nicht bekannte Sänger bei Punkt 6.
6. „Muff Potter“. Auch okay, aber auch nicht unbedingt mein Fall. Wie erzählt doofe Ansagen, aber okaye deutsche Texte. Okay halt.
7. Dass Gisbert zu Knyphausen derzeit der beste deutsche Liedermacher ist, weiß ich nicht erst seit gestern (viel zu kurzer Auftritt mit nur 30 Minuten, übrigens) und auch nicht seit seinem unheimlich guten Auftritt vor zwei Wochen hier in Krefeld. Neu ist, dass er mir nachher beim zufälligen Treffen zwischen Toiletten und Fressbude Autogramm und Auskunft über das Erscheinen des nächsten Album (erst 2010, aber vorm Sommer) gegeben hat (wahrscheinlich, weil ich ihn „damals“ nicht danach gefragt hatte).
8. Wenige Meter neben ihm stand der zugegeben eher semi-lustige „Comedian“ Johann König, dieser Langsame, und weil ich ein netter Mensch bin, habe ich ihm gewunken und auch seinen Namen gesagt („hihi, guck mal, hier der Dings, Johann König, thihi!“), glaube ich. Trotzdem hat er mir nicht zurück gewunken und lediglich komisch, aber nicht komisch-komisch, zurückgeguckt. Ehrfurcht, Neid oder Mutlosigkeit tippe ich.
9. Habe dann noch zum dritten Mal in meinem Leben den Blog-Freund Lukas Heinser vom Kilians-Fanblog „CoffeeandTV.de“ gesehen, was lustig ist, weil nur ich weiß, wie er aussieht und nicht andersherum. Oder er weiß es und will nicht mit mir reden, darüber lässt sich nur spekulieren. War aber natürlich wieder „VIP“ im Backstage-Bereich, der Arsch.
10. Immer wieder spaßig so viele Bandshirts zu sehen. Ich selbst hatte ja mein gisbertiges Knyphausen-Shirt an, aber ganz toll viele andere Shits hat man gesehen: The Smiths, The Who, Ghost of Tom Joad, kettcar und so weiter.

Und nächstes Wochenende bin ich auf dem ausverkauften Melt! Und nächstes Jahr bestimmt wieder beim Fest van Cleef.

Hamburger in Düsseldorf

ClickClickDecker im zakk/Düsseldorf – 04.04.2009

Juhu! ClickClickDecker live! In Düsseldorf! Im zakk! Jaa! Liebe Leser, erwartet jetzt bitte kein kritisches Hinterfragen oder Analysieren, denn als großer Fan des Hamburger Kevin Hamann, der sich auf der Bühne eben ClickClickDecker nennt, folgen in den nächsten Zeilen ganz viele Lobeshymnen, weil es auch wirklich wirklich sehr toll war. Weil ich nicht so viel Lust und Zeit für einen langen Bericht habe, dieses Mal ein kleines bisschen kürzer, aber egal:

PeerZuerst einmal muss erwähnt werden, dass ich ja bereits im Januar schon im zakk war: damals allerdings bei den Subways und in der großen Halle. ClickClickDecker musste/durfte/sollte in dem kleineren Club auftreten. Der war dafür ziemlich, wenn nicht sogar komplett voll. Und lobend muss hier einmal die Vorband Peer erwähnt werden: nach ihrem ersten Song in dämlichsten Denglisch hatte ich ja schon so meine Sorgen, aber im Anschluss folgte abwechslungsreicher Indie-Rock auf Deutsch mit einfallsreichen Texten. Unbedingt mal im Auge behalten.

Text?Dann kam ClickClickDecker mit seinen drei Musikern (einer davon der Audiolith-Chef Lars Lewerenz) auf die kleine Bühne und die vier Herren spielten gleich einmal drei Songs vom aktuellen Click-Album „Den Umständen Entsprechend“. Es folgte ein bunter Mix der drei Alben und wenn ich mich nicht verhört habe, wurden auch zwei Non-Album-Tracks gespielt, ui. Einige Songs bekommen live einen ganz anderen Touch als auf Platte, sehr interessant, übrigens. Und Konzerte, bei denen man 90% der Titel komplett mitsingen und mitwippen kann, sind sowieso immer die besten. ClickClickDecker ist ein feiner Kerl, gestikuliert teilweise sehr humorig, trinkt auf der Bühne Bier und macht ständig Witze. Kann ein Abend besser sein? Nein.

So, mehr Text gibt es dieses Mal nicht. Wetter ist zu gut. Aber ich empfehle euch demnächst mal den Click live zu erleben. Bitte.

Musikalisches Studentenfutter

TOMTE live im Ringlokschuppen/Mülheim – 25.03.2009

Tomte live in MülheimGlaubt man einem gängigen Klischee, dann sind ein Großteil der Hörer der Hamburger Band Tomte Studenten. Jeder schlaue Mensch weiß, dass Vorurteile keine gute Erfindung der Menschheit waren, doch ein bisschen Wahres steckt letztlich doch in den allermeisten Klischees. Der Leser stellt sich (und mir) nun einige wichtige Fragen: Waren am gestrigen Abend größtenteils Studenten im Mülheimer Ringlokschuppen beim Konzert der Truppe? Was hat Thees Uhlmann gegen Peter Fox? Und gab es nebenher auch ein bisschen Musik? Ich berichte.

Bevor Daniel und ich in den Genuss von live gespielten Instrumenten kommen konnten, mussten wir selbstverständlich erst einmal anreisen. Die Zugfahrt brachte einige underwartete Tücken mit sich, aber letztlich kamen wir nur mit einer knappen Viertelstunde Verspätung am Mülheimer Ringlokschuppen an. Die Münsteraner Vorband „Ghost of Tom Joad“ (vom Tomte-Label „Grand Hotel van Cleef“) spielte bereits, wir erkämpften uns derweil ein paar gute Plätze am linken vorderen Rand. Auf der Bühne gab es okayen Alternativ-Rock, man wippte ein bisschen mit und wartete anschließend gut zwanzig Minuten auf die Hauptakteure des Abends.

Kurz nach 21:00 Uhr begaben sich die Herren Musiker an ihre Instrumente. Bevor dann als drittes Lied die aktuelle Single „Wie sieht’s aus in Hamburg?“ zelebriert werden durfte, wendete sich Frontmann Thees Uhlmann erstmals an das Mülheimer Publikum. Er plauderte von seinem Paris Hilton-T-Shirt („Nur falls irgendwer fragt: ‚Paris Hilton #1′ steht drauf.“), alberte herum und hatte Spaß. Das Konzert war dank Klassikern wie „So soll es sein“ oder „Korn & Sprite“ längst ein Selbstläufer, doch seine Gitarre musste Herr Uhlmann trotzdem von Zeit zu Zeit stimmen. Dadurch entstanden natürlich kurze musiklose Pausen, doch auch hier wusste Thees die geschätzt 600 Fans zu unterhalten: „Das ist hier nicht wie bei Peter Fox, bei dem kommt ja auch alles vom Band. Ich werde noch ewig Gitarren stimmen, selbst wenn es gar keine Gitarren mehr gibt!“ feixte er.

Später lästerte er dann noch über die emotionslosen Zuschauer bei den Konzerten zuvor und kitzelte so noch den letzten Funken Motivation aus dem ohnehin sehr ausgelassenen Publikum heraus. Fast jeder Song wurde mitgesungen, mitgeklatscht und gefeiert. Übrigens nicht nur von Studenten, sondern auch von jüngeren und älteren Semestern. Fast alle Altersgruppen (und beide Geschlechter!) waren vertreten: Musik, die Generationen verbindet, sozusagen.

Und im letzten Drittel kamen dann auch noch zwei Überraschungsgäste auf die kleine Bühne: zum einen Gunnar Vosgröne (Mitglied von „Escapado“) am Cello, zum anderen Simon der Hartog (Sänger der „Kilians“). Ersterer durfte helfen, einige musikalische Höhepunkte zu setzen (persönlicher Höhepunkt: „Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören“), zweiter sang „Ich sang die ganze Zeit von dir“ mit Thees im Duett und auf Nachfrage, wer der junge Herr denn sei, antwortete Herr Uhlmann, dass er sein unehelicher Sohn aus Mülheim wäre. Lustig.

Nach gut zwei Stunden, vielen Zugaben und dem abschließenden „Geigen bei Wonderful World“ war das Konzert zu Ende, die Kräfte auch. Konzerte unter der Woche sind anstregend. Und um mir eine platte Schlusspointe zu erlauben: das sehen die Studenten sicher ähnlich, denn die sahen heute Morgen bestimmt (wie üblich) so aus.

Ne, ernsthaft: Tomte sind sehr dufte. Unbedingt irgendwann mal live anschauen, bitte.

Kingsize in kleinem Rahmen

Kingsize„You‘re so much better than Berlin!“ ließ Kingsize-Sänger Mike McCartney die viel zu wenigen Zuschauer am Sonntag-Abend1 wissen und spielte damit auf den Vorabend an, an dem die Londoner in der Bundeshauptstadt aufgetreten waren. Und jeder nur dreißig Zuschauer in der Krefelder Kulturrampe wusste, dass er hier die Kunst der Ironie genutzt hatte. Der Spielfreude der flotten Indie-Rock-Band tat das zum Glück keinen Abbruch – was mit „Time + Place“ begann, endete nach einer Stunde Spielzeit mit (den besten Songs des Quartetts) „Daze“ und „Rock‘n'Roll Dreams“. Zwischendurch immer wieder Blödeleien vom (scheinbar nicht ganz nüchternen, aber gut gelaunten) Sänger McCartney und weitere Songs vom gelungenen Debüt-Album „Love, Lust and Other Disasters“ sorgten mit unzähligen Gitarren-Soli für Mitwippen und Freude. Braver Applaus des zufriedenen Krefelder Publikums, dann war der Spaß vorbei und die Herren Musiker verschwanden an der Bar. Und klar, dass an einem Samstag-Abend mehr Leute Zeit für ein Konzert haben als sonntags, ihr Berliner. Tststs.

Hören, gucken, Meinung bilden:
Kingsize – Rock n‘ Roll Dreams (mp3)
Bilder vom Konzert
Tourdaten & Infos bei WhiteTapes

  1. Vielleicht sollte eben noch kurz die überraschend gute Vorband Grook Erwähnung finden: sie war überraschend gut. Meinen Lieblingssong der Truppe hier aus Gelsenkirchen namens „Catch Myself“ kann man sich hier live ansehen.

What’s the Story, Philipshalle?

LiamHat es doch noch geklappt. Nachdem das Konzert von OASIS vor gut zwei Wochen noch wegen eines Ödems in Liam Gallaghers Lunge kurzfristig ausgefallen war, konnten die Briten nun endlich ihren Auftritt in der Düsseldorfer Philipshalle nachholen. Und die Herrn Gallagher hatten überraschend gute Laune: ich habe sie einmal sogar lachen gesehen! Ohne Scheiß! Ob sie wenigstens getrunken, geprügelt oder gepöbelt haben, hier nun in meinem ausführlichen, bebilderten Konzertbericht.

Schon früh am Nachmittag machten sich Daniel und ich auf, um die nach eigenen Angaben „größte Rockband seit den Beatles“ live zu erleben. So standen wir gut drei Stunden vor Einlass (und knapp fünfeinhalb Stunden vor dem Auftritt) vor der Philipshalle und erhielten irgendwann dann auch (als etwa zwanzigste in der Warteschlange) unsere gelben „erste Welle“-Bändchen. Damit waren die guten Plätze schon einmal gesichert, sehr gut. Für gute Stimmung sorgten ein paar Studenten, denen wir uns angeschlossen hatten. Lustige Anekdoten1 ihrerseits von vorherigen Oasis-Konzerten (und viel, viel Alkohol für einen Mittwoch-Nachmittag) überbrückten die Wartezeit. Übrigens: es gibt nichts Schlimmeres, als weit vorne in der Warteschlange zu stehen und auf Toilette zu müssen. Man kann nicht eben in die Büsche laufen, weil man dann seinen Platz verliert.

NoelUnsere Blasen sind glücklicherweise nicht geplatzt und konnten kurz nach dem Einlass entleert werden. Ein wunderbares Gefühl. Aber genug Fäkalien: gleich nach unserem Toilettenbesuch stürmten wir in den vorderen Bereich und sicherten uns Plätze in der zweiten Reihe, direkt vor dem Mikrofon, hinter welchem Liam Gallagher zweieinhalb Stunden später mit „Rock & Roll Star“ das Konzert der Britpopper eröffnen sollte. Bevor es aber soweit war, mussten noch die Jungs von „Everlaunch“ als Vorband auf die Bühne. Sie hatten einen schweren Stand im Publikum, spielten aber relativ souverän ihren anstrengenden Alternativ-Rock herunter. Mir persönlich gefielen sie nicht so sehr, aber Daniel fand sie schlimmer als ich („Die sind ja schlimmer als in der Warteschlange pinkeln müssen!“). Besonders peinlich war nur eine kleine Publikumsansprache vom Sänger: „Ich hoffe, ihr nehmt uns nicht übel, dass wir keine Engländer sind.“. Nein, tun wir nicht. Aber solche bescheuerten Aussagen führen nur dazu, dass die Leute weiterhin irrtümlich glauben, aus Deutschland komme keine gute Musik. Tstststs2.

Um uns herum in „vorderster Front“ standen viele Leute, die aussahen wie Briten. Überall Frisuren, die man sehr selten auf offener Straße sieht und sowas. Manchmal hatte man sogar das Glück, einen echten Briten zu treffen. Und wir hatten gleich doppelt Glück: Wir trafen zwei (!) echte (!!) Briten, die uns in einem wunderschönen, schnell gesprochenen „British English“ erzählten, sie kämen aus der Nähe von Manchester und würden Oasis um die ganze Welt herum begleiten. Sie haben auch noch viel mehr erzählt, aber ich konnte ihnen nicht immer ganz folgen. Aber, sie versprachen uns: „You will love ‚em live!“. Na dann! Und dann war es endlich soweit, die Herren um die Brüder Gallagher betraten die Bühne und die Menge rastete aus. Während „Rock & Roll Star“ und „Lyla“ war das Ausgeraste besonders extrem und ich versuchte verzweifelt, meine Jacke (Garderobe ist teuer und Schwachfug!) irgendwie um mich zu hängen, ohne dass sie herunterfallen oder nerven könnte. Hat einigermaßen geklappt: sie hat irgendwann nur noch genervt.
Liam
Im Gegensatz zu mir kannte im näheren Umfeld fast jeder sämtliche Texte und sang diese dann auch inbrünstig mit, so dass man den Gesang von Liam (und sporadisch den von Noel) kaum richtig verstehen konnte. Ich kann also noch nicht mal genau sagen, ob Liam sich von seinem Lungen-Ödems-Zeugs erholt hat. Auffällig: beim Superkracher-Balladen-Höhepunkts-Hurra „Wonderwall“ zog er kein einziges Mal die Worte im Refrain (Und jetzt alle: „Caaaaauuuuseee maaaaaybeeeee…!“) lang, die faule Sau. Übermäßig engagiert war er ohnehin nicht3, er war erwartet lässig-arrogant und machte neben dem Singen das, was er am besten kann: Cool sein. Er posierte mehrere Male regungslos vorm Publikum und ließ sich feiern. Cool! Ansprachen haben er und Noel auch ab und zu gehalten, aber immer nur kurz und für mich dort vorne unverständlich. Wahrscheinlich kam oft das böse Wort „fuck“ vor, kann ich aber leider nichts mehr zu sagen. Noel schien übrigens mindestens angetrunken zu sein, ich hoffe jedenfalls, dass er sich nüchtern nicht so oft verspielt wie gestern.

Sagen kann ich nur noch, dass die Setlist ziemlich prima war (sich aber in den letzten Jahren wohl kaum verändert hat, habe ich mir sagen lassen). Von fast allen Alben war etwas dabei und nur wenige Songs wurden vermisst („Little by Little“, „(Get Off Your) High Horse Lady“). Vor allem meine Lieblingssongs von Oasis („The Masterplan“, „Champagne Supernova“) machen live sehr sehr sehr […] sehr viel Spaß. So wurden wir gute 90 Minuten lang gedrückt, geschubst, zerdrückt und soviel geschwitzt wie gestern habe ich das letzte Mal in der Sauna. Abgeschlossen wurde das Konzert traditionell übrigens mit einem, klar, Beatles-Cover von „I Am the Walrus“. Oasis live kann ich also jedem nur empfehlen. Völlig erschöpft machten wir uns anschließend auf den Heimweg nach Krefeld, trafen vor der U-Bahn aber noch die zwei Briten. „How fantastic was that?!“ fragte einer der beiden, während der andere stolz sein gefangenes Plektrum präsentierte: „It took 13 years to get it!“. Mal sehen, ob ich noch vor 2022 ein Plektrum von Oasis ergattern kann. Denn das war sicher nicht mein letzter Konzertbesuch von Oasis.

  1. Sie erzählten, wie sie kürzlich gefragt worden sind, ob „Lemon Tree“ (Fool’s Garden) von Oasis sei. Ich amüsierte mich darüber und musste feststellen, dass ich die komplette erste Strophe vorsingen konnte.
  2. Tomte, Gisbert zu Knyphausen, PeterLicht, Jansen, Kilians, ClickClickDecker, Wir sind Helden und so weiter. Ende der Diskussion.
  3. Mein persönlicher Höhepunkt: üblicherweise erscheint bei der aktuellen Single „I‘m Outta Time“ am Ende ein John Lennon-Sample, auf das Liam auch per Fingerzeig hinweisen wollte. Es kam aber nicht. Und Herr Gallagher trabte sichtlich genervt herum und ich hatte gehofft, er würde nun pöbeln. Tat er aber leider nicht.
    (Nachtrag/Anmerkung: Bitte dazu noch den ersten Kommentar lesen.)
    (Nachtrag²: Hier ab 3:40 zu sehen.

Ein feiner Tag mit den Subways

The SubwaysThe Subways“ also. Man kennt die drei Briten aus Hertfordshire wahrscheinlich noch von ihrem großen 2005-er Hit „Rock & Roll Queen“, der auf guten Radiosendern auch heute noch gespielt wird. Viel mehr kannte ich vor ihrem Auftritt im Düsseldorfer „zakk“ am 27.01. auch nicht. Aber wie sich nachher herausstellen sollte, was dies ein Fehler – denn die Subways haben gerockt. Oh Yeah!

Der Höhepunkt meiner Vorfreude begann etwa ab 20:00 Uhr. Denn dann kamen „One Fine Day“ als Vorgruppe auf die Bühne und verlängerten die Wartezeit. Die fünf Jungs aus Hamburg spielten irgendeinen Emo/Punk-Geschrammel und der Sänger erinnerte mich die ganze Zeit an „Billy Talent“. Billy Talent mag ich nicht. Und es gab kein Entkommen, hatten Daniel (Hallo!) und ich uns doch durch unsere relativ frühe Anreise noch Plätze in der ersten Reihe erkämpfen können. Aber nach neun Liedern, zwei Klatschspielchen mit dem Publikum und sieben Hinweisen auf ihre neuen Platten waren „One Fine Day“ dann endlich fertig und gingen. Puh! Mal gar so nicht so meine Musik.

The SubwaysMit ein paar Minuten Verspätung kamen dann „The Subways“, unterstützt von lautem Geschrei und anderen spontanen Jubellauten auf die Bühne. Sänger und Gitarrist Billy Lunn hatte scheinbar seine T-Shirts in England vergessen und trat oberkörperfrei auf. Die Leute im „zakk“, von denen geschätzte dreiviertel weiblich und unter 20 waren, freute es. Die männlichen Wesen wie unsereiner erfreuten uns eher an der süßen Bassistin Charlotte Cooper, die ein glitzerndes Irgendwas anhatte und süß dabei aussah. Sehr süß: Während des Konzerts sprach sie ab und an mal ein paar Worte Deutsch und es klang, klar, sehr süß. Bass spielt sie nebenbei übrigens auch noch großartig. Drummer Josh Morgan, laut Wikipedia Bruder von Sänger Billy (trotz unterschiedlichem Nachnamen! Ui!) hatte außerdem noch eine Socke auf dem Kopf. Vielleicht hatte er sich aber auch als Terrorist verkleidet, auf jeden Fall sah man von seinem Gesicht nur die Augen.

Aber jetzt mal weg von den Äußerlichkeiten, hin zur Musik. Gleich zu Beginn ihrer Setlist, die natürlich hauptsächlich aus Songs ihres aktuellen Albums „All or Nothing“ bestand und mit den „Krachern“ des Debut-Vorgängers „Young for Eternity“ garniert wurde, gaben sie „Rock & Roll Queen“ zum besten. Kennt ihr vielleicht, läuft heute auch noch regelmäßig auf guten Radiosendern. Besonders besonders: einen Refrain gab es auf Deutsch, 1:1 übersetzt. „Du bist die Sonne, du bist die einzige!“ mit britischem Akzent klingt sehr super. Auch nicht von schlechten Eltern: die Songs im weiteren Verlauf. Die Fan-Lieblinge wie „I Want to Hear What You Have Got to Say“, „Mary“ oder „With You“ sorgten für die größten Freudensprünge im Publikum, neuere Songs wie „Alright“ wurden aber auch gebührend gefeiert.

The SubwaysFeiern ist sowieso ein gutes Stichwort. Denn keiner der geschätzt 500 Fans ließ die unzähligen Gitarren-Soli ungenutzt, rumgesprungen wurde also prinzipiell die komplette Zeit. Mitsingen sowieso. Mit den Armen fuchteln auch, ja. Gegen Ende wagte Sänger Billy dann sogar einen kleinen Ausflug in die Menge und badete in ihr. Stars zum Anfassen in Düsseldorf! Nach 90 Minuten ging das Spektakel dann aber auch zu Ende, abschließend spielten sie noch „Oh Yeah“ und kaum war das Konzert vorbei, konnte man links und rechts von sich ganz viele schwitzende, aber glückliche Menschen sehen. „The Subways“ versprachen, in naher Zukunft wiederzukommen. Gern! Aber bitte mit anderer Vorband, zwinker zwinker.

Mehr von den Subways + weitere Tourdaten:
http://www.myspace.com/thesubways

Kein alter Hut: The Precious Mings in Köln

The Precious Mings "Die Mings sind eine sich kontinuierlich entwickelnde Sache, wir touren nie mit der gleichen Band und proben nie, unsere Konzerte bauen also größtenteils auf Panik, was Spaß macht." sagte Boris Ming, eigentlich als Boris Exton (Chikinki) bekannt, in einem Interview mit WhiteTapes. Mit seinem neuen Projekt "The Precious Mings" tingelt der Herr mit dem Hut derzeit durch Deutschland, beim Tourauftakt im Kölner Blue Shell war ich natürlich mit dabei. Kurz vor 21Uhr kamen Daniel (Hallo, Daniel, schöne Grüße! Huhu!) und ich vor dem kleinen "Kult-Club" in Colonge an, vorher wurden aber noch vier alkoholische Mitbringsel in einem nahe gelegenen Busch versteckt. Und dann begann das Warten. Die Bonner von "The Pill" versuchten vergeblich, die Wartezeit der Gäste mit belanglosem 90er-Jahre-Elektro/Pop-Gedudel zu verkürzen, mehr als Höflichkeitsapplaus war da nicht drin. Wenn wir nicht bald das "Fest der Liebe" zelebrieren würden, hätte ich noch ein paar böse Worte über den 25-minütigen Auftritt verloren, aber ich will ja mal nicht so sein. Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt, es gebe keine schlechte Musik, es gebe nur unterschiedliche Musikgeschmäcker. Nun ja, kommen wir mal zum Höhepunkt des Abends, der sogar einen eigenen Absatz bekommt. Aufgepasst:

Blue Shell (Köln)Pünktlich um 22Uhr stieg Boris mit samt Drummer und Bassist auf die kleine Kölner Bühne und eröffnete mit "Quack House" aus dem Album "Everytime I Sell A Record A Kitten Dies". Achso, stimmt, ich müsste da vielleicht noch etwas beichten. Denn wenn der Albumname der Wahrheit entspricht, ist gestern um kurz vor zehn Uhr eine Katze gestorben. Tut mir leid. Aber weiter im Text: Haupt-Ming Boris, der vor dem Auftritt noch kurz Zeit für ein gemeinsames Foto gefunden hatte (nein, ich lade es hier nich hoch, ihr Voyeure!) und sich einen Cocktail genehmigte, war auf der Bühne erwartet wirr und hatte sichtlich Freude an seinem Keyboard. Weniger Spaß brachte ihm die Drum-Machine ("This is Drum-Ming! Welcome him!"), denn die machte ein paar Faxen und leistete erst nach einiger Überzeugungskraft von Papa Ming die gewünschte Arbeit. Über "1 Track Mind" bis hin zum Publikumsfavoriten "Why Fish R gr8" war der bunt-poppige Indie-Elektro-Rock-Mix gepaart mit Boris‘ humorvollen Ansagen beste Unterhaltung an diesem kalten Donnerstag-Abend. Leider hatten sich optimistisch geschätzt maximal fünfzig Leute im "Blue Shell" eingefunden, glücklicherweise tat das der Spielfreude der drei Briten keinen Abbruch. Und kurz nachdem die Zugabe "A Girl Like You" von Edwyn Collins den letzten Applaus des Abends erntete, machten wir uns auch schon auf Rückweg, durften wir doch unsere letzte Bahn nach Krefeld nicht verpassen.

Gern hätten wir noch mit Boris ein alkoholisches Getränk zu uns genommen, aber vielleicht holen wir das später mal nach, wenn wir erwachsen geworden sind. Apropos alkoholische Getränke: im eingangs erwähnten Gebüsch ließ sich komischerweise nur noch eine einzige Flasche Pils entdecken, die anderen drei Flaschen hatte wohl jemand gestohlen. So ein Ärgernis! Und das so kurz vor Weihnachten!

Rockpalast: für lau, aber nicht umsonst

Freitag Mittag erreichte mich eine E-Mail von ARD, ich hätte zwei Karten für den Rockpalast in Essen gewonnen. Hurra! Ein paar Tage zuvor hatte ich spaßeshalber bei einem Gewinnspiel auf ARD.de mal mitgemacht und zackbumm, hab auch gewonnen. Also, schnell den Daniel informiert (Hallo Daniel! [er liest hier mit]) und Hin- und Rückfahrt organisiert und fertig. War zwar etwas umständlich dadurch, dass ich zuvor noch Bundesliga-Fußball in Bochum schauen war, aber hat ja auch alles geklappt. Und hier in chronologischer Reihenfolge (Bilder vom Konzerttagebuch) mein Konzertbericht.

Glasvegas Als wir kurz nach 18:00Uhr die Grugahalle betreten hatten, war die erste Band des Abends schon fertig: tut mir leid, liebe Bandmitglieder von The Racals. Wir kamen gerade an, als die schottischen Glasvegas ihren Soundcheck vornahmen. Was besonders bei der Alternative-Truppe auffiel: der Drummer war eine Frau. Okay, kommt vor, aber es kam uns so vor, als hätte man sie vorher aus dem Publikum auf die Bühne gezerrt und gesagt "komm, mach!", so unbeholfen und steif trommelte sie herum. Verspielt hat sie sich nicht, aber bei den zwei rockenden Kollegen an Bass und Gitarre wirkt sie doch wie ein Fremdkörper. Ach ja, gesungen wurde ja auch: der Frontmann hat eine sehr kräftige Stimme, hat mir aber nur so semi-gut gefallen, die Akustik war richtig scheiße. Übrigens waren auch ein paar Hardcore-Fans (man könnte fast sagen "Glasveganer", hahaha!) nach Essen gereist, sie wurden mit guter Musik und einem kleinen Plausch auf extremen schottischen Englisch-Dialekt mit dem Frontmann von Glasvegas für die weite Anreise belohnt.

Fleet Foxes Nach dem Auftritt der Schotten betraten nach einer Pause die Fleet Foxes auf die Bühne getrabt. Das Quintett aus Seatlle hat richtig Spaß gehabt und auch gemacht, so muss es sein. Der in den Musikheftchen und -blogs hochgelobte Indie-Folk-Pop wurde gut inszeniert, aber vor allem die kultigen Ansagen vom "bärtigen" Frontmann Robin Pecknold werden in Erinnerung bleiben: der Herr war zwischen den Songs immer zu Scherzen aufgelegt und selbst als jemand aus dem Publikum "Arschloch!" auf die Bühne gerufen hatte, blieb man auf der Bühne gelassen und nahm es mit Humor: "I cannot Google-Translate this so fast!". Der nächste Titel wurde dann noch mit "now another monster hit" angekündigt, grandios! Kann man arrogant, aber auch sehr unterhaltsam nennen. Ich nenne es unterhaltsam. Da wurde dann auch der Ersteindruck von Daniel widerlegt, der nach zwei, drei Songs feststellte: "Das ist ja ganz toll und so, aber da sind mir zu viele ‚Oooooohs‘, ‚Aaaaahs‘ und ‚Uuuuuh’s! Keine Guckmusik!". Guckmusik? Ja, Guckmusik. Also wenn auf der Bühne viel passiert. Soll er euch irgendwann selbst erklären.

Und nachdem die ersten beiden musikalischen Auftritte so gut gefallen haben, hier mal ein paar kritische Worte: teuer, langweilig, buuuuh! Aber der Reihe nach: für 0,25l Pils wollte man doch tatsächlich 2,50€ haben, puh. Ziemlich teuer, aber wohl auf Konzerten üblich. Leider war man bei sechs Stunden Aufenthalt in der Halle auf das teure Essen und Trinken angewiesen, aber ich will ja nicht meckern. Tu ich aber trotzdem. Und zwar über Donavan Frankenreiter. Kennt ihr nicht? Doch, jede Wette. Der Herr, der mit "surft gern, sieht aber nicht so aus" angekündigt worden ist, läuft hier im Radio ungefähr zweimal in der Stunde. Alle Songs des Singer-Songwriters aus Seattle klingen gleich, gähn, und werden durch ewige Instrumental-Parts ewig in die Länge gezogen. Immerhin hat Pärchen mit Cowboy-Hüten alle Lieder durchgetanzt. Als dann der Smash-Super-Kracher "It Don‘t Matter" mit geschätzten zehn Refrains bis ins Unendliche geschmettert wurde, gähnten Daniel und ich. Wir saßen sogar, nur Herrn Frankenreiter sollten wir an diesem Abend sitzend, äh, ertragen. Glücklicherweise war er dann irgendwann wieder weg. Ist nicht meine (unsere) Musik.

Ben Folds Kurz vor 22:00Uhr sprang dann ein Herr auf die Bühne, von dem ich vorher noch nie etwas Musikalisches vernommen hatte, aber wusste, dass Lukas ihn ganz toll findet. Sein Name: Ben Folds. Der nette Herr trägt ein Shirt und eine hautenge Hose, was sich vor allem dann sichtbar macht, wenn er breitbeinig (!) auf seinem Piano musiziert. An dieser Stelle ein netter Gruß an Bens Gesäß.Für den Arsch ist seine Musik dennoch nicht, denn Ben Folds macht gemeinsam mit seinen Musikanten ziemlich laute Musik, meine Oma würde "Krach" dazu sagen. Er hämmert gekonnt und singend auf seinem Piano herum, der Schlagzeuger trommelt und die Bässe krachen nur so aus den Boxen. Und weil er kaum Ansagen oder Pausen macht, rauscht der Ben Folds-Zug nur so an einem vorbei. Hätte er nicht gegen Ende an seinem Piano herumgespielt und elektronische Klänge aus dem Instrument herausgezaubert (ihr müsst mit dieser reinen Information leben, keine Ahnung was er da genau gemacht hat), man käme sich vor wie in der Londoner U-Bahn, so schnell und laut war die Musik. Ich weiß nicht genau, ob mir das gefallen hat. Bis ich mir meine Meinung gebildet habe also hier zum letzten Act:

Travis Travis. Die Britpopper sind wohl noch die Truppe, die man am ehesten vorher gekannt hat. Zwar hatte ich von jedem Act des Abends irgendwann mal irgendwo was gehört oder gelesen, aber von Travis stehen sogar CDs im Regal. Dementsprechend hatte ich mich auf den Hauptact des langen Festival-Abends auch sehr gefreut. Aber was die Schotten (schon wieder!) gestern gezeigt haben, einfach nur ganz groß. Ich wusste gar nicht, wie geil die live sind. Ganz routiniert wird das Publikum von Frontmann Fran Healy nur so von Schleimereien und Komplimenten beworfen, mal läuft er in die tobende Menge und lässt sich feiern, aber immer wird mitgesungen. Die ganzen Hits von "Closer" über "Re-Offender"  bis "Sing", alles war dabei. Glücklicherweise eher weniger vom aktuellen Album "Ode To J. Smith", das mir gar nicht gefallen hatte. Aber: sogar die schlechten Songs vom Langspieler klingen live sehr gut. Wie machen die das? Und als das Konzert schon zu Ende schien, kamen die Jungs nochmals auf die Bühne und gaben akustisch "Flowers in the Window" zum besten (hier anschauen!). Ganz ohne Strom, nur mit Gitarre, Rassel und Gesang. Sehr geil. Danach noch ein gesprungenes "Why Does It Always Rain On Me?" zum Abschluss. Mir fallen keine positiven Superlative mehr ein, denkt euch selbst welche aus. Danke Travis!

Und danke ARD für den schönen Abend für lau. War aber ganz sicher nicht umsonst, schließlich haben wir eine sehr gute (Travis), zwei gute (Glasvegas, Fleet Foxes) Bands, einen außergewöhnlich langweiligen (Donavan Frankenreiter) und einen außergewöhnlich Ungewöhnlichen (Ben Folds) gesehen. Gern wieder.

(WhiteTapes.de und CoffeandTV.de waren auch da, dort gibt es zwar noch keine Berichte, während ich diese Zeilen hier verfasse, die folgen aber sicher im Laufe des Tages)

TV-Tipp:

"50 Jahre Grugahalle" im WDR Fernsehen:
06. auf 07.12.2008
00.25 – 03.25 Uhr
(Sonntag auf Montag)
ROCKPALAST FESTIVAL
mit TRAVIS
DONAVON FRANKENREITER
GLASVEGAS
THE RASCALS
07. auf 08.12.2008
00.45 – 02.45 Uhr
(Sonntag auf Montag)
ROCKPALAST FESTIVAL
mit BEN FOLDS
FLEET FOXES

Onkel-Treff auffem Sofa in Meerbusch

Es wäre falsch, wenn behauptet würde, dass ich die zwei "sympatischen Halbirren" (Zitat Pressetext!) von Comedy-Duo Onkel Fisch häufiger sehe als meine richtigen Onkel. Aber inzwischen habe ich Adrian und Markus bereits zum fünften Mal besucht, statistisch gesehen bin ich also alle 3,4 Jahre einen Auftritt von Onkel Fisch. Gestern war es wieder soweit, sie waren mit ihrem neuen Programm "Auffem Sofa" im Meerbuscher Kulturbahnhof. Vorab möchte ich aber einen kurzen Auszug aus dem Interview präsentieren, das ich vor knapp 1 1/2 Jahren mit ihnen geführt habe:

Besteht eine Parallele von Onkel Fisch zu Herr Salami? Falls ja, welche?

Ein eigenartiger Name inklusiver eigenartiger Internetadresse. Außerdem eine inhaltlich völlig unwichtige Beziehung zu Speisen. Warum sehen wir uns genötigt unser Essen auf eine gleichzeitig so anonyme Art zu personifizieren? Könnten wir unseren Fisch nicht Günther nennen. Und unsere Salami Guiseppe? Psychologisch gesehen kann das nur bedeuten, dass du genauso bescheuert bist wie wir. Gratulation, wir haben was gemeinsam.

Schön oder? Man kennt sich also. Und wer Onkel Fisch nicht kennt, wohnt entweder außerhalb von Nordrhein-Westfalen oder hat kein Radio, denn die beiden sind seit vielen Jahren auf 1Live und ab und an auch auf WDR2 zu hören. Die Serien "Sataan", "Grillstube Saloniki" und "Der kleine junge Mann von nebenan" haben Onkel Fisch berühmt gemacht, tauchen aber in ihrem aktuellen Programm nicht auf. Und das ist eigentlich ganz gut so, denn ihre Rollen in besagten Serien kenne ich ganz gut, öfter mal was neues.

Onkel FischSeit knapp fünfzehn Jahren arbeiten das Duo zusammen. Und das merkt man nicht nur daran, dass sie sich perfekt ergänzen und ein eingespieltes Team sind: wie ein altes Ehepaar streiten sie sich durch ihr Programm, nicht verwunderlich, sollte es doch stimmen, dass sie inzwischen zusammenwohnen, wie zu Beginn erzählt. Ob Witz oder nicht: ich könnte es mir gut vorstellen.

Mehr als zwei Stunden ging ihr Programm, thematisiert wurdne beispielsweise ein Zeppelin-Wettrennen (grandios!), eine eigene CSI: Onkel Fisch-Serie sowie die ständige Ankunft von E-Mails, die per Fingerzeig aktiviert und vorgelesen wurden. Penisverlängerung und weitere unmoralische Angebote gekonnt durch den Kaffee gezogen, schön. Langweilig wurde es sowieso nur ein einziges Mal. In der zehnminütigen Pause. Der Rest war Comedy pur, dafür sorgte auch die kuschelige Atmosphäre im alten Güterbahnhof mit seinen 100 Gästen, was für diese kleine Location natürlich bedeutetet, dass alle Plätze besetzt waren. Immer wieder gab es lustige Zwischenrufe, mit denen Onkel Fisch viel anzufangen wussten. Sie wurden einfach spontan ins abwechslungsreiche Programm integriert. Dort gesellen sie sich zu vielen Insiderwitzen, die immer wieder im Programm auftauchen und einen gewissen "Aha"-Effekt mit sich bringen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass auch beim fünften Auftriff Onkel Fisch noch nicht langweilig geworden sind, ich kann sie nur jedem empfehlen. Ihr werdet es nicht bereuen.

-> Mehr von Onkel Fisch

Es wurde Licht in Wuppertal

PeterLichtEndlich durfte ich ihn live erleben, den grandiosen Liedermacher PeterLicht. Und zwar gestern im ausverkauften Wuppertaler Rex-Theater. Kannte ich bislang auch noch nicht, zudem kam erschwerend hinzu, dass ich vorher noch beim Bundesliga-Duell zwischen Bayer Leverkusen und Hertha BSC gewesen bin – schlechtes Spiel, gutes Ergebnis dort. Aber wieder zum Thema: um 20:00Uhr hatte der Peter sich angekündigt, da wir uns aber um ein paar Minuten verspäteten, bin ich ihm dankbar dafür, dass er nicht ganz pünktlich begonnen hat.

Mit einer Viertelstunde Verspätung ging es dann also los. Vier junge Herren stehen auf der Bühne und spielen "Räume räumen", den Opener vom aktuellen Album "Melancholie und Gesellschaft". Das Besondere dabei: die Musiker sind nur ansatzweise zu sehen, weil nicht wirklich beleuchtet. Wollte Peter etwa wieder unerkannt bleiben, so wie früher, als er nur Telefoninterviews gab und sich als Kartoffelmännchen zeigte? Jein.

Und nach zwei Liedern gab es dann auch erste Beschwerden aus dem Publikum: "Peter, es fehlt das Licht!" machte einer ein geniales Wortspiel, ein anderer rief  "ich hab‘ 16€ für dich bezahlt, jetzt will ich dich auch sehen!". Das Publikum amüsiert, der Künstler nimmt es still hin, spielt noch ein Lied und dann wurde es endlich Licht:. Die Scheinwerfer gingen an, Peter gab sich zu erkennen und das Publikum tobte – da war er! Er existiert wirklich! 

Und er kann auch live sehr gut singen – die Setliste war ebenso abwechslungsreich wie seine vier Alben es schon sind. Er spielte die Klasiker wie "Sonnendeck", "Das absolute Glück" und  zwischendurch gab es dann auch kleine Blödelein mit dem Publikum. Und mit jedem Lied verbesserte sich die Atmosphäre im Wuppertaler Rex und eine kleine Gruppe junger Damen tanzte in der vierten Reihe sogar mitsingend mit. Macht Spaß. Da darf Peter auch mal ab und an einfach nur etwas Urkomisches aus seinen Büchern vorlesen. Und erst recht darf er mal seine Gitarre weglegen und einfach anfangen zu tanzen: das sieht unheimlich komisch aus, aber nicht gewollt bescheuert wie beispielsweise bei Helge Schneider: der Peter tanzt wirlkich so! Macht Spaß. Darf er.

Und nach mehr als hundert Minuten PeterLicht war dann nach vier Zugaben und einem bunten Potporee aus Musik, Komik und mehreren sehr sympatischen Versingern vom Peter Schluss. Stehende Ovationen, dann war er wieder weg. War aber ein sehr schöner Abend. Außerdem hängt nun ein PeterLicht-Poster in meinem Zimmer – und ich hoffe, dass auch der Dazwischenrufer für seine 16€ noch ausreichend Licht geboten bekam.

Grüß Gott, Franz!

Kurz die kleine Vorgeschichte: stell dir vor, du befindest dich im kleinen baltischen Staat namens Estland und denkst dir "Mensch, was könnte ich denn so machen?". Okay, die erste Idee eines Durchschnitts-Mannes ist: Bier! Juhu! Denken wir aber mal ein wenig weiter: Musik! Rock ‚n‘ Roll! Yeah! Netterweise verbinden auch die Esten selbiges in diesem Sommer zum inzwischen 15. Mal auf einem Festival und nennen das dann auch noch "Õllesummer" was soviel heißt wie "Biersommer". Geil!

Also, am gestrigen Freitag bin ich dann am frühen Abend auf das große Gelände gepilgert und habe mich über den günstigen Eintrittspreis gefreut: 150 estnische Kronen muss man für einen Tag auf dem Festival bezahlen, das sind keine 10€. Fürs berühmte leibliche Wohl wurde an gefühlten 19876 Fressbuden gesorgt, hier gab es Speis und Trank zu ebenfalls sehr humanen Preisen. Und wenn man sich dann genug über günstiges Bier und fettige Bratwürste gefreut hat, konnte man an einer der sechs (?) Bühnen Musikern lauschen, meist kamen diese aus Estland und sangen in ihrer Landessprache.

Bei einer Band – ich meine es war die Band "traFFic", bin mir aber nicht sicher – wurde dann auch sehr laut gekreischt. Komischerweise finde ich über die estnische Truppe nichts im Internet, immerhin weiß ich jetzt, dass es a) eine Rockband in den Sechzigern war und es b) einen DJ mit diesem Namen in Russland gibt. Egal, auf jeden Fall hat mir die ganz gut gefallen, vor allem eine Coverversion von Song 2 hat es mir angetan. Ansonsten gab es nicht viel Bemerkenswertes, eine Jazzsängerin hier, eine finnische Metal-Band (bäh!) dort.

Weitaus interessanter war das musikalische Geschehen an der Hauptbühne, die mit einem relativ großen Innenraum und einer nicht weniger imposanten Tribüne ein schönes Ambiente zu bieten hatte. Hier begann die "Vorband" zum Headliner des Festivals, sechs Sänger und Sängerinnen aus dem Baltikum gaben berühmte Filmhits zum Besten – von "Who Wants to Live Forever" bis "My Heart Will Go On" war (leider?) alles dabei. Durchaus hörenswert, vor allem das Finale mit "I‘m a Believer" war sehr schön anzuhören.

Danach gab es dann wieder eine gute Dreiviertelstunde Pause auf der "Postimees"-Bühne, bis endlich der Hauptact überpünktlich um 22:30 Uhr die Instrumente zum Klingen brachte: die britische Indie-Rock-Truppe Franz Ferdinand gab sich die Ehre und heizte die Menge ordentlich an. Ganze 75 Minuten rockten die Jungs standesgemäß ihr Programm herunter, dabei waren alle Hits von "Take Me Out" bis "Michael" dabei. Schön. Auch eine Zugabe gönnten die Briten ihren estnischen Fans, gleich drei Lieder wurden zusätzlich dargeboten. Ich hätte ja gern noch mehr gehört, aber was "Zugabe" auf Estnisch heißt, ist mir leider ein Rätsel.

Rätselhaft war es mir übrigens auch, warum die Gitarrenriffs teilweise so lasch aus den Lautsprechern rüber kamen. Kann sein, dass ich als einziger so denke, aber irgendeinen Kritikpunkt hat der doofe nörgelnde Deutsche ja immer. Trotzdem war es ein sehr schöner Abend. Danke Franz!

Rumms.

Die niedlischte Band der Welt zu Gast in der Seidenstadt

Statusbericht: Muskelkater, Sonnenbrand, schlechte Laune. Und bevor es hier zu Missverständnissen kommt: das war vor dem Konzert. Eigentlich hatte ich nicht sonderlich große Lust auf den Gastauftritt der Ärzte im "KönigPALAST", aber ich habe meine Karte geschenkt bekommen und einem geschenktem Gaul schaut man schließlich nicht ins Maul. Erst recht nicht, wenn es die Band ist, "die sie Pferd nannten". Also dann.

Pünktlich um 20:00Uhr ging es an diesem Sonntag-Abend los und die drei Herrn namens Farin, Bela und Rod legten mit dem antreibenden "Himmelblau" auch gleich ordentlich vor. Der Opener wurde atmosphärisch mit blauen Scheinwerfern inszeniert, hat mir gut gefallen. Danach spielte "die beste Band der Welt" noch geschätzte 35 (!) weitere Titel (inklusive mehrerer Zugaben) Hin und wieder gab es auch die fast schon legendären Albernheiten seitens der Band in Richtung Publikum ("Hallo Kräh-Feld"). Immer wieder zeigten sich die drei Musiker von ihrer kindlichen und lustigen Seite. Mit Erfolg, kam in der ausverkauften Arena gut an – wie man es von Konzerten der Ärzte auch gewohnt ist.

Auch die üblichen lustigen Publikums-Spielchen durften natürlich nicht fehlen, launige La-Olas gingen durch die Massen. Aber als Nicht-Fan (uh, böse, verbrennt ihn!) mit geringen Kenntnissen was Historie und Liedgut anbelangt hatte ich auch noch ein eigenes Spielchen: zu verstehen was die Musiker da auf der Bühne eigentlich von sich gaben. Obwohl auf Deutsch gesungen wurde, war es für einen Menschen wie mich, der nur die üblichen Single-Auskopplungen kennt, schwierig, herauszufinden was da überhaupt gesungen worden ist. Immerhin standen immer Leute in der Nähe, die lauthals mitgesungen haben, hat alles ein wenig erleichtert. Wobei, oft ist sowieso scheißegal was gesungen wird. Hauptsache rumspringen, rumgrölen und sich freuen. Yeah!

Ich kannte geschätzt ein Fünftel der gespielten Titel, darunter natürlich auch die Highlights "Lasse redn", "Junge" und "Hurra". Und auch wenn viele der neuen und alten Songs auch mir direkt ins Ohr gingen, es waren doch einige Stücke dabei, die mir nicht gefallen haben. Aber das geht wohl auch den beinharten Fans so.

Alles in allem war es auch für mich als Ärzte-"Neuling" ein amüsanter Abend, hat Spaß gemacht. Und mein T-Shirt war auch durchschwitzt, zudem ist der Muskelkater jetzt schlimmer geworden, der Sonnenbrand ist auch noch da. Dafür ist die schlechte Stimmung weg. Schön, gut zu wissen, dass es doch noch Ärzte in Deutschland mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis gibt.