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Johannes Floehr

Kurzgeschichten in 140 Zeichen

Die Initiative „Bamberg liest“ hat gute Ideen. Zum Beispiel die der „Bierdeckelgeschichten“: Autoren dürfen Kürzestgeschichten (maximale Länge: 140 Zeichen!) einreichen und am Ende entscheiden Besucher der Seite und eine „Fach“-Jury, welche dreißig Geschichten auf Bierdeckel gedruckt werden. Auf! Bierdeckel! Ich möchte also alle Leser dieser Zeilen freundlich dazu zwingen, auf besagter Seite nach meinen Beiträgen zu suchen und vielleicht auch auf das kleine Herzchen darunter zu klicken. Klingt narzisstisch, aber: Bierdeckel! Der eigene Name! Auf Bierdeckeln! Das wäre doch ziemlich dufte. Ich würde zwecks diverser Jubel-Autokorsi sogar darüber nachdenken, den Führerschein nachzumachen. Vielleicht.

Aber hier lieber erstmal meine Beiträge:

„Panik in den Straßen Londons.
Panik in den Straßen Birminghams.
Und ich hocke hier in einer Pinte.
Ich hätte niemals Polizist werden dürfen.“

„Hier könnte Ihre Steuererklärung stehen.
Oder Ihre Lebensgeschichte.
Oder natürlich: Ihr Bier. Prost.“

„Er stand vor dem Eingang eines Tanzcafés, las das Plakat:
‚Ü50 – Auch altes Eisen lässt sich biegen‘.
Und tatsächlich: Er bog hinein.“

„Der feine Gast hob den Finger: ‚Noch zwei, bitte!‘
Seiner Bestellung wurde rasch nachgegangen.
Weitere Millionen landeten auf seinem Konto.“

„Mit dem Paket in der Hand stand er vor den Klingelschildern.
Und fand heraus:
In einem Hochhaus sollte man nicht ‚Licht‘ heißen.“

Stolz schwenkte er die Fahne und fuhr ein paar Runden im Kreis. Einzelne Menschen jubelten ihm zu. Der Vatikan war Europameister geworden.

Nachzulesen allesamt bei den Bierdeckelgeschichten. Tolle Sache, das.

Interview zur Lesebühne

Ich habe dem Essener Magazin „Off Guide“ ein Interview zu unserer Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ gegeben. Also tappst bitte kollektiv nach Essen, um euch die Off Guide-Ausgabe 06/12 zu sichern – oder lest die Fragen und Antworten nun hier.

Auf einer Lesebühne der etwas anderen Art im Essener Kunst & Kultur Cafe (KKC) verbünden sich seit neuestem zwei „Ossis“ Ilja Budnizkij, Sascha Matesic (aka Sushi da Slamfish) und „Quotendeutscher“ Johannes Floehr einmal im Monat um mit geballter Wortspielerei zu begeistern.

Live on Stage improvisieren „Zwei Ossis und ihr Johannes“ eine skurrile Mischung aus Prosa, Storyboard, Gedicht, Musik und Performance. Wechselnde Gäste, wie z.B. Horror- und Comedy Schriftsteller Thorsten Sträter (trat mit 41 Jahren erstmals auf die Poetry-Slam-Bühne und gewinnt seither Wettbewerb um Wettbewerb) setzen das i-Tüpfelchen auf die Veranstaltung. DJ Cutoon (High Five Disco, Supakool, Soundsystem, Beatplantation) setzt den Kontrapunkt mit Hip Hop, Breaks, Funk, Dubstep und Elektro.

Wir trafen Johannes Floehr zum Gespräch in der Sonne … mit einem Poeten, der gleichzeitig zart und hart sein kann …

Off-Guide: Vielseitiger als die „Lesebühne” kann eine Bühnenshow kaum sein, oder? Wie haben „Zwei Ossis und ihr Johannes” zueinander gefunden?

Johannes Floehr: Eigentlich passen wir gar nicht zusammen, das stimmt. Wir sind sehr unterschiedliche Käuze, jeder mit seiner ganz eigenen Biografie. Und offensichtlich auch mit ähnlichen kleinen, positiven Dellen im Kopp. Sushi da Slamfish macht seit dreizehn Jahren Poetry Slam-Gedöns, Ilja hat russlandgroße Theater- und Radioerfahrung und ich bin der junge, forsche Springinsfeld. Das passt. Wir kannten uns durch viele gemeinsame Slams und stellten fest, dass unsere Ideen gut zusammenpassen. Oder, um es anders zu sagen: Ilja ist der Kaviar, Sushi die gefüllte Paprika und ich das gemäß dem deutschen Reinheitsgebot gebraute Pils. Alles sehr lecker. Auch und gerade zusammen.

Als Moderatoren und Veranstalter regionaler Poetry Slams, wie z.B. in der Essener HeldenBar seid Ihr in der Szene längst keine Unbekannten mehr. Was genau war die Initialzündung für ein weiteres Projekt?

Wir hatten einfach das Gefühl, dass es passt mit uns dreien. Die Idee einer Lesebühne hatten wir alle schon länger im Sinn. Dann haben wir uns gesucht, gefunden und das alles zurecht und glücklicherweise. Gegenseitig profitieren wir jetzt von unseren unterschiedlichen Charakteren und Schreibstilen, entwickeln uns weiter. Davon haben wir etwas, davon hat der Zuschauer etwas. Eine SS-Situation (Sieg/Sieg-Situation) für alle! Außerdem bietet uns eine Lesebühne auch die Möglichkeit, Kollegen, die wir sehr schätzen, als Gäste einladen zu können. So gab zum Beispiel MC Rene, der ja mit seinem Bahncard 100-Buch derzeit omnipräsent durch deutsche Landen düst, auf unserer Bühne sein literarisches Debüt.

Slam Poetry, Lesebühnen, Kabarett- und Comedyprogramme entstehen selten spontan – warum liegt der Fokus bei „Zwei Ossis und ihr Johannes” auf der Improvisation?

Wir improvisieren ja nicht ausnahmslos, es gibt stets einen roten Faden. Der allerdings auch mal reißen darf und sogar: muss. Nur Text auf Text auf Text würde nicht funktionieren. Schließlich sind wir nicht Günter Grass. Und unsere Gedichte reimen sich sogar meistens. Abgesehen davon macht Improvisation selbstredend am meisten Spaß. Es steht für das Unerwartete für alle Beteiligten. Natürlich geht dadurch ab und an mal etwas in die Hose. Was man uns aber gewiss nicht übelnehmen kann, weil wir extrem dufte Typen sind. Und bescheiden.

Im Gegensatz zum Poetry Slams kommen „Zwei Ossis und Johannes” ohne Wettbewerbs-Charakter aus …
scheut Ihr den Vergleich? Oder habt Ihr einfach keine Lust auf noch mehr Stress und Leistungsdruck?

Essen hat bereits drei monatliche Poetry Slams, allerdings gab es vor uns keine Lesebühne hier. In diese Lücke haben wir uns gequetscht. Jetzt quetschen wir uns zusätzlich gegenseitig aus, damit die bestmöglichen Texte entstehen. Wir sind gekommen, um zu quetschen. Dabei einen Wettbewerb zu veranstalten ergäbe wenig Sinn, weil wir auch ausführlich gegen die üblichen Poetry Slam-Regeln verstoßen: Wir arbeiten bisweilen mit Requisiten und ohne Zeitlimit, auch Fremdtexte kommen ab und an vor. Auf unserer Lesebühne machen wir das, was uns anderswo verboten ist. Frei von allem und damit auch frei von dem Gedanken, uns am Nächsten messen zu lassen. Wenn wir uns dann doch mal duellieren wollen, machen wir das auf regulären Slams in der Region. Oder am Telefon, wenn es darum geht, welchen Hochklasse-Gast wir uns als nächstes einladen wollen.

Welche Autoren dienen als Inspirationsquelle für Eure Texte?

Da kann ich jetzt natürlich nur für mich sprechen und nenne drei Namen: Charles Bukowski, Max Goldt, Heinz Strunk. Letztes Jahr bekam ich von Ilja zum Geburtstag ein Buch von Wladimir Sorokin geschenkt; er meinte, es wäre genau das, was ich lesen wolle. Vielleicht sollte ich mal langsam damit anfangen. Sonst köpft er mich. Und das sähe ja ganz schön blöde aus: zwei Ossis ohne Johannes.

Was bedeutet Euch Slam?

Viel.

Vielen Dank für das Interview!

(Interview: Christiane Mihoci / Fotos: Lisa M. Engel)

Die nächste Lesebühne findet übrigens am 11.07. im KKC statt! Kommt zahlreich.

Wird die EM verschoben?

Zwar hat Bundestrainer Joachim Löw heute seinen (vorläufigen) Kader für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine bekanntgegeben, doch es kann sein, dass die EM verschoben wird. Nein, nicht wegen der Situation in der Ukraine. Sondern wegen mir. Den folgenden E-Mail-Wechsel habe ich mir nicht ausgedacht, ich habe ihn mit dem DFB vor ein paar Tagen tatsächlich so geführt. Ich schwöre.

Sehr geehrter DFB, Hallöchen Oli Bierhoff, Grüß Göttle Herr Löw.

Mein Name ist Johannes Floehr, ich bin zwanzig Jahre alt und Freund, Fan und Freund der deutschen Nationalmannschaft. Und als solcher freue ich mich natürlich auf die Europameisterschaft. Ich denke, sie wird ganz gut.

Nun habe ich allerdings ein Problem. Ich las auf einer „Internetseite“, dass am Tag des Spiels gegen Niederlande/Holland/diese Orangen (13.6.) auch meine Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ (gemeinsam mit Ilja Budnizkij und Sushi da Slamfish) in Essen stattfindet. Das passt mir und unseren Zuschauern nicht.

Weil unsere (sehr, sehr schönen) Plakate bereits gedruckt sind, möchte ich Sie bitten, dieses Spiel auf einen anderen Tag zu verschieben. Gerne auf Dienstag oder Donnerstag, mir schnuppe. Und gewinnt gegen Holland bitte möglichst zweistellig. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Floehr

PS: Bitte nehmt Gerald Asamoah noch mit zur EM, ich finde den ganz cool.
PPS: Bitte nehmt Kevin Großkreutz nicht mit zur EM, ich finde den nicht so cool.

Einen Tag später erhielt ich bereits eine Antwort:

Hallo Herr Floers,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Wir werden Ihr Anliegen selbstverständlich an Herrn Löw und das Team um die Nationalmannschaft herantragen und Ihre Interessen vor der UEFA-Delegation mit Nachdruck vertreten. Wir können Ihnen allerdings keinen Erfolg versprechen. Wär Ihnen eventuell egholfen wenn die EM um ein Jahr auf 2013 verschoben würde?
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr DFB-Team

Ich antwortete:

Hallo DFB-Team,
Ja.

Grüße,
Johannes Fleurs

Und wieder der DFB:

Hallo.
Na dann schauen wir doch mal was sich da machen lässt. Sollte es zu einer Verlegung kommen, wird Jogi Löw persönlich bei Ihnen vorbei kommen um die Nachricht zu überbringen.
Mfg,
DFB-Team

So. Wisster Bescheid. Und kommt am 16.05. zur Lesebühne in Essen, der wunderbare Torsten Sträter ist dann wieder bei uns zu Gast!

Am Gartenzaun

Auf der Straße, in der ich wohne, ist für gewöhnlich nicht besonders viel los – daher wohl ihr Name „Randstraße“. Und so erklärt sich auch meine ungewohnte Schaulustigkeit: Vor einem kleinen Haus irgendwo zwischen meiner Wohnung und einem Supermarkt standen viele, viele Autos mit fernen Kennzeichen, man versammelte sich chic und lachend in einem Vorgarten. Ich blieb stehen. Hm. Leute, die in dieser Gegend auffällig gut gelaunt sind, sind immer erstmal verdächtig. Rasch wurde jemand auf meine Anwesenheit aufmerksam und meine Blicke schienen zu fragen, was hier denn los sei. Eine Dame erklärte mir, dass hier eine italienische Hochzeit gefeiert würde. Hossa!

Trotz meines Aussehens frug man mich dann: „Wollen Sie mitfeiern? Oder sind Sie ein Nazi?“ und ich verneinte beides. „Also doch Nazi?“, „Nein, nein; aber ich halte nichts von Hochzeiten“ erklärte ich plausibel. Unverständnis hinter dem Gartenzaun. Und als ich schließlich davontrottete, rief mir ein älterer Herr hinterher: „Kommunist!“– womit ich zwar deutlich besser leben kann, aber vielleicht hätte ich einfach einen Grappa mittrinken sollen. Denn so wird das nichts mit der guten Nachbarschaft. Mi scusi!

„Sacksuppe“ live

(gelesen am 04.04.2012 im Finale des Poetry Slams in Moers)

Tausendfünfhundert…

…Aufkleber sind bestellt, gedruckt und für schön befunden worden. Damit kann die Werbeoffensive für diesen sehr, sehr guten Blog nun beginnen! Man könnte auch sagen: Werbekrieg. Nur eben friedlich. Und alle sind Gewinner.

(ja, das Foto sind für die Verhältnisse des 21. Jahrhunderts unscharf, aber man darf nicht so gierig nach hochauflösenden Fotos sein. Ihr Gierigen! Apropos: Falls jemand einen Aufkleber möchte, möge er/sie mich bitte einfach anquatschen, ich werde immer welche bei mir tragen.)

Vom Radioübertragungsfußballgott und Anderem

Ich weiß noch, früher. Da habe ich stets die WDR2-Konferenz der Fußball-Bundesliga im Radio gehört (Manni Breuckmann!) und mich auf die Sportschau gefreut, um dort dann zu sehen, wie die Tore, die ich mir zuvor nur vorgestellt hatte, in Wirklichkeit gefallen sind. Fantasie und Fußball, das passte nicht nur der Alliteration wegen sehr gut zusammen. Außerdem hatte man so vom Spieltag doppelt und fünffach was: hören, vorstellen, warten, gucken, verstehen. Heute stelle ich mich da dümmer an. Wenn ich heutzutage am Samstagnachmittag erfolgreich das Internet nach möglichst ruckelfreien, arabischen Live-Streams der Bundesliga-Konferenz durchforste, weiß ich zwar früher Bescheid, aber zu was für einem Preis? Das abendliche Sportschau-Schauen macht dann viel weniger Spaß, denn, klar, man kennt ja fast alles schon. Nur sieht man es mit weniger Pixeln, beziehungsweise mit mehr – diese Erklärung würde aber jetzt zu weit führen.

Doch: ja, früher, da war ich deutlich klüger und fantasievoller. Wenn beispielsweise der ehemalige Leverkusener „Staubsauger“ Carsten Ramelow eins seiner seltenen Tore erzielt hat, dann habe ich mir das in meinen Gedanken seltsamerweise immer sehr gestolpert ausgemalt. So, als wäre es ein Versehen, dass er den Ball über die Linie befördert hätte. Ein abgefälschter Verlegenheitsschuss, ein angeschossenes Körperteil oder ein zufälliges Zucken Richtung Tor nach einem verunglückten Eckball: ein Versehen eben. Ups, Tor! Später in der Sportschau wurden etwaige Rätsel aufgelöst, und: nur sehr selten fielen die Tore so wie vermutet. Carsten Ramelow, Radioübertragungsfußballgott. Was er heute macht, weiß wahrscheinlich nur noch seine Familie. Ich grüße ihn an dieser Stelle, schließlich bin ich mir sicher, dass er täglich seinen Namen in eine Internet-Suchmaschine tippt, um zu sehen, ob sich noch überhaupt noch jemand an ihn erinnert. Ja, Carsten! Hier! Ich erinnere mich. Grüße.

Manchmal habe ich aber auch auf die WDR2-Konferenz verzichtet, um mich abends von den Toren und Ergebnissen überraschen zu lassen. So wusste ich noch nicht einmal, ob meine Lieblingsspieler überhaupt auf dem Platz standen, ob sympathische Mannschaften gegen unsympathische gewinnen konnten oder ob Diverses geschah! Nervenkitzel! Man konnte aber auch damals schon anhand der Reihenfolge der zusammengefassten Partien ablesen, welches Spiel besonders ereignis- und torreich verlaufen sein mag. Gut, das Bayern-Spiel gab und gibt es aus Gründen fast immer am Schluss, aber wenn etwa Wolfsburg gegen Freiburg als erstes Spiel gezeigt wurde, dann deutete vieles auf ein torloses Remis hin. Jedoch ging diese Rechnung nicht immer auf, ich war schon damals nicht so gut in Mathematik und Sendungsabläufen.

Und nun wieder der Blick darauf, wie es heute ist: Spannung erhalten? Äußert schwierig, wenn man sich zur Bundesligazeit im Internet tummelt. In sozialen Netzwerken fliegen einem ungefragt zahlreiche Tormeldungen um die Ohren („TOOOOOR!!! POLDIIIIII! FC!! <3″) und auf Newsportalen tickern die Ticker ungebremst, was sich auf den mir damals noch unbekannten Fußballplätzen in Augsburg, Hoffenheim oder Mainz ergeben hatte. Der beste Trick ist, komplett alle Medien zu meiden und etwas Ungewöhnliches zu tun. Spazieren gehen, Bücher lesen, Pfandflaschen wegbringen. Ich halte übrigens nicht viel von Dosen- und Flaschenpfand. Pfandflaschen gibt es nur, damit man sie zeitvertreibend wegbringen kann. Überhaupt: Geld für eine leere Hülle erhalten? Man bringt doch auch leere Pizzaschachteln nicht zurück zur Pizzaria Amalfi. Und falls doch, habe ich extrem hohe Schulden. Ganz ohne Handy-Vertrag oder Sky-Abonemment. Womit ich galant zurück zum Thema Fußball übergeleitet habe. Ich bin so ein Fuchs.

Also, Fußball. Früher: Radio und Fantasie. Heute: beides viel zu selten. Tore fallen trotzdem. Nur Carsten Ramelow, der spielt nicht mehr.

Ein Floehrchen gibt Tönchen

Wie ich in Minuten der Langeweile herausgefunden habe, kann ich mit beinahe jedem meiner Körperteile Geräusche erzeugen.

Pups!
Quak!
Und padautz!
Ich bin ein Instrument! So schön.

Sehr praktisch und gesund ist, dass man mich nicht bespielen muss. Ich bin ein sich selbst spielendes Gerät. Niemand muss mich zupfen oder mit Stöcken auf mich schlagen oder in mich hinein blasen. Wie schön auch das ist! Niemand muss in Johannes hinein blasen! Der kann das alles alleine! Lass den mal. Wenn eine Gitarre das auch könnte, wäre das für Gitarrenspieler nicht so gut.

Manchmal gebe ich auch Konzerte. Zwei Stunden lang. Nur mein Korpus und ich. Das siamesische Kapelle. Kurios. Zu zweit und doch allein. Was außergewöhnlich viel Körperbeherrschung und Konzentration verlangt. Für einen allein wäre es möglicherweise zu viel, aber mein Körper und ich, wir kennen uns schon seit Geburt, sind ein eingespieltes Team und teilen uns die Arbeit sehr gut auf. Ich denke mir einen Befehl aus und über, öhm, diverse Prozesse werden diese Informationen dann an die einzelnen Körperteile weitergeleitet. Muss man nicht verstehen. Jahrelange Übung, Expertengeschwafel.

Mein erstes abendfüllendes Programm trägt übrigens einen Titel, der nach diesem Relativsatz der Weltöffentlichkeit präsentiert wird: „Körperklangwelten“. Hehe.

Wäre ich eine Frau, würde ich es folgendermaßen nennen: „Ton: Scheide, Fersen.“ Sehr lustig, diese Anspielung. Schade, dass die Frau kein exklusives Körperteil besitzt, welches sich prima auf „Scherben“ reimt. „Knerben“, beispielsweise. So könnte etwa diese, noch namenlose, wahrscheinlich stets schwitzende Mulde unterhalb der Brust heißen. Knerben. Davon wird man noch viel hören. Übrigens: der Wikipedia-Eintrag zu „Frau“ ist (ziemlich genau) doppelt so lang wie der zu „Mann“. Wer möchte, kann diese Information gerne behalten und einen lustigen Mann/Frau-Witz daraus machen. Ich will das nicht, ist nicht mein Stil. Und was ich eigentlich sagen wollte: Bereits am Titel einer Veranstaltung erkennt der Fachmann, wie gut der Abend wird. Kommen wir also nun zu den Körperklangwelten.

Ich beginne mit der Nase, damit alle erkennen, dass ich es kann. Ich halte mir das linke Nasenloch zu und puste virtuos ein wenig Luft hinaus. Guck mal, da fliegt ein Popel in die erste Reihe! Hui! Der erste Höhepunkt des Abends! Wobei man mit einer solchen Aussage eigentlich alle anderen Momente des Abends diskreditiert. Denn jede Sekunde meiner großen Schau ist ein Höhepunkt für sich. Zum Beispiel wenn ich die komplette Bob Dylan-Diskografie mit Fingerknacken nachspiele. Oder wenn ich durch wildes Bauchtrommeln die gleichen Klangteppiche ausbreite wie das WDR-Sinfonieorchester. Das muss man erstmal können, um es zu können.

Ich möchte nicht zu viel vorab verraten, aber zeitweise, da wackle sehr laut mit den Ohren, was nur wenige Menschen können. Man muss es sehr schnell tun; Wind ist sehr leise und gemein. Aber eine ganze Tonleiter mit den Ohren erwackeln, das ist große Kunst. Ganz im Gegenteil zum Klassiker „mit den Achseln pupsen“. Lange keinen mehr gesehen, der das gemacht hat. Generell scheint der gute, alte Furz langsam aus der Mode zu kommen. Flatulenz ist wohl nicht mehr en vogue. Es ist an den Hipstern, diesen Trend zu stoppen. Die mögen doch generell alles, was sonst niemand Vernünftiges mag: Club Mate, Apple oder Löcher in der Hose. Warum dann nicht auch Achselpupsen? Berlin-Kreuzberg, ich zähle auf dich!

Uninteressant ist auch Folgendes: viele finden es schwierig, ein passendes Ende zu finden. Das Leben endet ja netterweise einfach so, aber alles andere? Hier ein Rat: Alles muss mit irgendeinem Kracher enden. Peng! Sehr praktisch dabei: Ein guter Schluss kann den vorherigen Unsinn ungemein aufwerten und vergessen machen. Beispiel. Dein Referat über den zweiten Weltkrieg ist dröge, unspannend und „Hitler“ in einem ernsten Kontext sagen macht keinen Spaß? Dann sag doch als letzten Satz einfach Folgendes: „Und mein Opa war bei diesem ganzen Scheiß live dabei und hat von allem gewusst, dieser Schelm, ahahaha!“. Die Reaktionen werden unterschiedlich ausfallen, aber wenigstens wird es welche geben. Funktioniert auch nicht nur, wenn man Deutscher ist.

Und womit einen Konzertabend ausklingen lassen? Nun, ich mache es so: „One Moment in Time“, intoniert durch Husten. Wegen Whitney Houston. Sehr witzig, sehr kreativ! Und für alle Beteiligten immer noch besser als wenn jemand in mich hinein blasen würde. In diesem Sinne: tröööt!

Veranstaltungshinweis

Die sehr gute Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ gibt es natürlich auch in 2012 wieder! Mit Sushi da Slamfish, Ilja Budnizkij und mir! Hurra! Hier die neuen Termine für das Essener „KKC“:

08.02.2012 – Essen / KKC (Universitätsstr. 2) [Gast: Sascha Thamm]
11.04.2012 – Essen / KKC (Universitätsstr. 2)
16.05.2012 – Essen / KKC (Universitätsstr. 2)
13.06.2012 – Essen / KKC (Universitätsstr. 2)
11.07.2012 – Essen / KKC (Universitätsstr. 2)

Seid meine Freunde und schaut vorbei!

Durchgeplantes Düdeldüdeldü

Ich bin ein Mann der Strukturen. Mein Körper hat Struktur, meine Texte haben Struktur und wenn ich das alte Stilmittel der Aufzählungen bemühe, dann nenne ich immer exakt drei Dinge, weil jede gut strukturierte Aufzählung das so macht. Eins, zwei, drei; ene, mene, mu und Glumanda, Glutexo, Glurak; zum Beispiel. Doch die schönste Struktur der Weltgeschichte der Strukturen habe ich in meinen Alltag eingewebt. Denn, wenn ich nicht gerade fremde Städte oder Bühnen mit meiner Anwesenheit beehre, halte ich mich strikt an einen auditiven Plan, den ich mir selbst ausgedacht habe, weil ich so verdammt kreativ bin. Die Spannung steigt, mein Plan geht so: Ich höre jeden Tag nur eine einzige Musiksparte. Abwechselnd und vorbestimmt. Stichwort: Fatalismus statt musikalisches Durcheinander! Um es zu konkretisieren: Mein Kalender gibt mir also vor, was ich höre. Was konventionellen Erdenbürgern außergewöhnlich ungewöhnlich erscheinen mag.

Schließlich ist anzunehmen, dass die meisten Leute nur das hören, was sie auch hören wollen. Aber so bin ich nicht. Ich brauche strenge Zwänge und obskure Strukturen, sonst langweile ich mich und das muss ja wirklich nicht sein, schließlich bin ich, wie bereits erwähnt, kreativ und zudem ein reisender Bühnenpoet. Die Leute zahlen bisweilen Geld dafür, nur um mich zu sehen und zu hören. Was ich verstehen kann. Schließlich liegt auch in meinem Zimmer stets ein Hut auf dem Boden, damit ich mir, wenn ich mich wieder einmal selbst gut unterhalten habe, einen kleinen Obolus zukommen lassen kann. Was zwar auch wieder sehr kreativ ist, jedoch kann man davon nicht leben, ich lande meistens bei plus/minus null. Doch ich schweife ab.

Montag.
Die Woche soll gut starten, deswegen ist der Montag auch der Tag für richtig, richtig gute deutsche Musik mit tollen Texten und virtuos gespielten Instrumenten, abseits der bis zum Klang-Tod mit platten Metaphern penetrierten Dienstleistungs-Schnulzen, die einem sonst so aus dem Radio ins Ohr geschwabbelt kommen. An dieser Stelle ein unherzliches: Fick dich, Tim Bendzko! Wenn Worte deine Sprache wären, dann hättest du vielleicht auch mal was zu sagen, stattdessen spülst du nur abgehangene Plattitüden in deine Texte, du singende Spülmaschine, du! Montags höre ich also nur sehr selten etwas.

Dienstag.
Um dann wieder zu guter Laune zu gelangen, ist der Dienstag der Tag der Musiker, die in ihren Texten deutsch und englisch mischen dürfen, weil sie es können. Sprich: Am Dienstag höre ich nur „Ja, Panik“. Die kommen aus Österreich und wohnen jetzt in Berlin. Österreichische Künstler, die irgendwann nach Berlin ziehen und dort dann erfolgreich werden. Hm. Dazu fallen mir absolut keine Witze und Vergleiche ein. Übrigens, ihr 2011er-Album „DMD KIU LIDT“ ist eines der besten Alben der letzten Jahre. Ernsthaft jetzt. Muss ja nicht immer alles Halligalli und hihihi sein hier.

Mittwoch.
Auch nicht am Mittwoch. Im Gegenteil. Ich mag Alliterationen, daher heißt dieser Tag bei mir nur „Melancholie-Mittwoch“. Traurige Songs über Liebe und so ein Gedöns. Ich mache mir dann eine heiße Tasse Schokolade (Milka, Sorte „Kuhflecken“), setze mich vor den Fernseher bei eingelegter Kaminfeuer-DVD und weine ein bisschen. Ja, ich weine. Das muss man doch mal zugeben! Ich weine. Manchmal bitterlich, manchmal süß-sauer, aber immer: zurecht. Ehrliche Tränen am Nachmittag. Auch ich habe eine romantische Seite in mir, so wie Bücher von Charles Bukowski.

Donnerstag.
Oh, Kontrastprogramm: Volksmusik. Überschwemmung der gespielten guten Laune. Akkordeons, ahahah, ist das euer Ernst? Volksmusik ist die ur-deutsche Flut, vor der uns selbst Noah nie retten würde. Hm, Volksmusik am Donnerstag. Möglicherweise ist diese Regel vom Abendprogramm des mitteldeutschen Rundfunks beeinflusst. Ja, das kann sein. Gut, dass ich donnerstags fast nie zu Hause bin.

Freitag.
Geilo, Wochenende! Natürlich muss ich freitags etwas Fetziges hören. Heavy Metal! Meine Haare wachsen pro Tag kurioserweise etwa um sieben Zentimeter, was wahrscheinlich ein lustiger Gendefekt ist. Er zwingt mich dazu, jede Woche zum Frisör zu gehen. Aber natürlich nur an Samstagen, damit ich an Metal-Freitagen noch wuchtig meine gigantische Haarpracht durch die Lüfte gleiten lassen kann. Es kommt vor, dass ich an Freitagen auf manche Menschen verstörend wirke. Aber das ist okay. Wie gesagt, obskure Strukturen finde ich total töfte.

Samstag und Sonntag verzichte ich komplett auf Musik. Der Mensch muss auch verzichten können. So wie dieser Text. Er hat kein Ende. Er geht immer weiter und wiederholt sich. Jede Woche. Ständig. Das kann anstrengend sein. Immerhin hat er eine gute Struktur.

Vielleicht lügt Musik nicht

Mitte der Neunziger. Wir zwei saßen im Auto, sind irgendwo hingefahren und haben Frank Zappa gehört. Genauer gesagt, „Joe’s Garage“:

It wasn‘t very large
There was just enough room
to cram the drums
In the corner over by the Dodge

„Joe’s Garage“ ist ein Song über einen Typen, der mit seinen Kumpels Rockmusik in einer dreckigen Garage macht. Plötzlich werden die Jungs um Joe mit ihrer Musik erfolgreich und berühmt. „Joe ist Englisch für Johannes“, hast du mir erzählt und mich dann gefragt, ob wir die nächste Ausfahrt nehmen sollten, damit ich Pipi machen kann. Ich habe mit dem Kopf geschüttelt und weiter der Musik gelauscht. Ohne, dass ich auch nur ein weiteres Wort des Textes verstehen konnte, dachte ich: „Joe’s Garage“ ist dann ja wohl mein Song. Ich wollte Trommler werden in einer Rock ‚n‘ Roll-Band. So wie Joe. Freunde hatte ich, eine Garage und Instrumente hätten sich sicher auch irgendwie auftreiben lassen. Bis dahin würde ich eben mit Stiften und Löffeln auf allem herum trommeln, was sich nicht schnell genug retten könnte. Ich glaube, für genau diese Situationen hat man Federmäppchen und kleine Schwestern.

Aber was ist letztlich aus meiner Musikkarriere geworden? Nichts. Meine Schwester ließ ich – was das betrommeln angeht – in Frieden, rudimentäres Gitarre spielen lernte ich erst spät mit siebzehn Jahren. Um es dann schnell wieder aufzugeben, weil du mir zwar einen guten Musikgeschmack, aber kein musikalisches Talent vererbt hast. So wurde aus mir dann doch kein zweiter Jimmy Page, nicht mal ein dritter oder wenigstens tausendster. „Stairway to Heaven“ werde ich niemals covern können. Immerhin, die Akkorde für ein fetziges „Im Frühtau zu Berge“ könnte ich bestimmt auch heute noch jederzeit greifen. Es sind ja auch nur drei: D7, G und C. Fallera, fallera.

Doch darum dreht es sich hier nicht, so wie es damals schon nicht darum ging, wirklich ein Schlagzeuger zu werden. Es geht nur darum, im Leben einen Traum zu haben. Wo auch immer der herkommt. Einfach nur das machen, was einem Spaß macht. Der scheinbar unerfüllbare Wunsch vieler Menschen: den monotonen Alltag gegen ein polyfones Füllhorn voller Abwechslung tauschen. Mal hier, mal da und welcher Tag morgen ist, weiß man erst, wenn man Zeitung gelesen hat. Wenn man so will, lebe ich derzeit so. Offiziell bin ich arbeitslos, inoffiziell jedoch ein freier Autor für mich selbst. Wodurch ich genug Zeit habe, um Texte zu schreiben und sie deutschlandweit zur allgemeinen Belustigung auf Kleinkunstbühnen oder in Kneipen vor Unbekannten vorzutragen. Ich bin quasi eine ewige Ein-Mann-Band und Worte sind mein einziges Instrument.

Mal lauschen die Leute meinen Kompositionen konzentriert, manchmal warten sie nur auf das Ende des Textes, um sich ein Bier holen zu können. Es ist immer anders. Nicht jeder Satz sitzt und vielleicht sind nicht alle meine Gedanken so klug und neu, dass ich hunderte Kilometer dafür fahren müsste, um sie zu teilen. Trotzdem gibt es am Ende jeder meiner Texte Applaus. Mal lauter, mal leiser, mal nur aus Höflichkeit. Mehr kann ich nicht verlangen. Und ob ich Kunst bin oder mache, ob ich unterhalte oder nerve, sollen von mir aus andere entscheiden, wenn sie denn unbedingt wollen. Ich mache nur das, was auch Joe getan hat.

Am Ende seines, na ja, unseres, Liedes zerbricht seine Band übrigens am Erfolg und Diversem. Joe schwört der Musik endgültig ab und nimmt eine Arbeitsstelle als Bäckerlehrling an. Niemand kann sagen, ob es bei mir nicht auch irgendwann so laufen wird. Erst recht konntest du es damals nicht, als du mir diesen Song im Auto vorgespielt hast, ohne Hintergedanken, einfach nur so, weil er dir gefiel. Mehr als zehn Jahre später lasse es jetzt darauf ankommen, dass es bei mir irgendwie klappt. Weil ich nichts Anderes kann. Weil ich nichts Anderes will. Aber ob ich auch von dir Applaus erhalten würde, das würde ich gern erfahren können. Ich kann es aber nicht und daran haben wir beide keine Schuld. Und das ist vielleicht das Schlimmste daran.

Guess you only get one chance in life
To play a song that goes like…

Klatsch klatsch, klatsch, klatsch, klatsch.

[Zitate aus „Joe’s Garage“ von Frank Zappa]

Exklusive Vorschau: So wird 2012!

Frohes Neues! Oder so.

Hinweise

Tach. Ich hätte hier ein paar Informationen für euch. Es sind drei.

I
Anfang des Monats war ich Gast beim „satznachvorn“-Slam in Aachen und freundlicherweise haben die technikaffinen Menschen vom Aachener Hochschulradio den kompletten Slam mitgeschnitten, sodass alle Texte des Abends nun nachkonsumiert werden können. Ich las dort „Viva la Faszination“, „Hannover“ und „Gute Nacht“, sowie vorab ein paar richtig geile Kindergeschichten. Und andere tolle Leute wie Michael Heide, Oliver Malinkowski oder Nadja Tulakow waren auch dort. Bitte anhören. Hier:
https://gigamove.rz.rwth-aachen.de/d/id/7hxffwcrpB5xAa

II
Es gibt da ein neues Satire-Magazin, das nennt sich „TOTPUNKT“. Der Chef des Blättchens, Florian L. Arnold, beschreibt es so: „Totpunkt ist subjektiv. Totpunkt schert sich nicht um Korrektheit. Totpunkt schimpft, meckert, philosophiert.“ Das klingt doch ganz prima. Und in der neuen, dritten Ausgabe lässt sich auch einer meiner Texte („Kulturausdehnung“) darin finden. Wenn das nicht ein weiterer Grund dafür ist, das Heft zu bestellen, dann weiß ich nicht, welchen Grund es anstelle dessen bräuchte. Bestellbar ist es hier:
http://www.totpunkt-magazin.de/

III
Außerdem habe ich einen Text („Gute Nacht“) zur Ausstellung „DAS BLAUE LEBEN IN S/W“ beigetragen. Dort durften Schreiberlinge Texte zu Bildern verfassen und ich habe mich für das Bild „Fenster“ entschieden. Die Vernissage zur Ausstellung findet am 2.12.2011 um 18Uhr in den Räumlichkeiten der Allianzagentur Hinz in Schömberg (das ist irgendwo in Baden-Württemberg) statt. Wer aber nicht irgendwo in Baden-Württemberg wohnt, der kann sich das Buch zur Ausstellung bald bestellen – noch ist es nicht auf dem Markt, aber in den nächsten Tagen wird es bei Amazon und Co. unter folgender ISBN-Nummer zu finden sein: 978 3 8448 0827 8. Kann man sich auch mal bestellen.

Das war es dann. Neue Texte folgen. Tschüss.

Bald…

Mehr dazu:
http://uerdinger.blogsport.de/lesebuehne/

Festgestellt

Wie man vielleicht weiß, fahre ich derzeit viel herum, um meine tollen Texte auf Poetry Slams und Lesebühnen vorzulesen und Bier zu trinken. Dabei komme ich ein bisschen in Deutschland herum. Das macht Spaß. Das bildet. Das wächst. Und davon berichte ich hier äußert selten bis gar nicht, anders als etwa Jay Nightwind oder Matthias „Maschi“ Marschalt. Doch gestern, da fuhr ich nach Koblenz und auf dem Weg in diese gar nicht unschöne Stadt fuhr ich an einem Örtchen vorbei, welches den folgenden Namen trägt: Andernach. Andernach am Rhein. Da war doch mal was. Richtig, da war mal was. Nämlich 1920 – die Älteren werden sich vielleicht erinnern. In diesem Jahr kam dort Charles Bukowski zur Welt. Und wer sich jetzt am Kopf kratzt und denkt „Hä, werissndas“, der möge bitte von hier verschwinden, um seine Wissenslücke in einer beliebigen Buchhandlung dieser Welt zu schließen.

Alle anderen werden ahnen, dass ich heute, auf der Rückfahrt, in Andernach am Rhein Halt gemacht habe, um mir das Geburtshaus vom guten, alten Buk in der Aktienstraße anzusehen. Zunächst einmal: die Gegend ist sehr schön. Kleinstädtisch, putzig und harmlos. Frieden liegt in der Luft. Gut, dass Bukowski von dort weggezogen ist. Denn sonst hätte er nie von dem ganzen Unsinn, Dreck und Scheiß erfahren, von dem er dann so großartig schrieb. Aber zurück zu seinem Geburtshaus. Im Erdgeschoss ist irgendein Antiquitätenladen, durch die Fenster konnte ich jedoch nur Karnevalsunsinn erspähen und der Laden hatte geschlossen. Sei es drum. Und an der Hauswand hängt eine Gedenktafel mit Bukowski-Büste, mit Blick nach links. Der eigentliche Skandal ist nun, dass Charles Bukowski auf eine Borussia Mönchengladbach-Fahne blickt. Bitte was?! Wollt ihr mich eigentlich alle verarschen?! Ja, wollt ihr. Und hier der bildliche Beweis:

Man kann es aber auch ganz gut auf dem Wikipedia-Foto erkennen. Aber folgender Hinweis sei noch gestattet: der Stromkasten vorne rechts, der sieht jetzt ein bisschen anders aus. Dort klebt nämlich nun ein KFC Uerdingen-Aufkleber. Wer auch immer ihn dort hingeklebt hat: danke. Und wer 1920 auch immer den kleinen Bukowski aus seiner Vagina gepresst hat: ebenfalls danke.

Beachtenswerter Hinweis

Liebe Freunde!

Bald wird sie in Gelsenkirchen feierlich eröffnet, die neue Lesebühne mit dem Titel „Zwei Ossis und ihr Johannes“, welche ich gemeinsam mit Ilja Budnizkij und Sascha Matesic (besser bekannt als Sushi da Slamfish) bestreiten werde! Und zwar ab bald regelmäßig in Krefeld und Essen! Und so sieht das (vorläufige) Plakat dazu aus:

Aber ich möchte hier gar keine Worte mehr verlieren, denn derer habe ich auf der neuen Unterseite „Lesebühne“ schon genug gelassen. Ebenso empfehle ich die dazugehörige Facebook-Seite. Das wird ganz schön gut!

Bis dahin,
Johannes

Life on Stage

(gestern, da gab es einen sehr schönen Poetry Slam in Frankfurt; dort sind auch dieses Bild und dieser Gedanke entstanden.)

Hamburg – Stadt der Stile

Abgefahren!

Zu den eigenartigsten Erfahrungen, die man unterwegs so sammeln kann, gehört es, in einer fremden Stadt ein Autokennzeichen mit dem Kürzel der Heimatstadt zu entdecken. Was wollen die denn hier? Haben die sich verfahren? Oder sind die umgezogen und nicht umgemeldet? Wer sind denn „die“? Man wird es nicht herausfinden können, nur darüber wundern ist selbstverständlich möglich. Und quasi unumgänglich, weil man sich nicht darauf vorbereitet hat, derart abseits in der Ferne mit der eigenen, öden Heimat konfrontiert zu werden. Gut, das gilt vielleicht nicht für Berliner, Hamburger oder Kölner. Aber wenn man umgekehrt als Krefelder nach Berlin fährt und dort dann gemütlich rauchend und nichts befürchtend an dem parkenden Kennzeichen „KR-ABC-123″ vorbei spaziert, sieht das schon wieder anders aus. Was wollen die denn hier? Haben die sich verfahren? Und wer, verdammt, sind denn nun „die“?

Ich möchte es wissen, bitte.

Informationsroulette XIII

Tach.

1.) Letzte Woche war ich für ein paar Tage auf riesengroßer Lesetour in Berlin. Sehr kiezig dort, sehr prima dort. Und es stimmt tatsächlich, dass sich dort an jeder Ecke Inspirationen entdecken und aufsammeln lassen. So lässt sich auch erklären, dass hier in den letzten Tagen ziemlich viel passiert ist. Ich bin derzeit wie eine gut geschüttelte Colaflasche: es sprudelt nur so aus mir heraus. Die nächsten Tage werden zwar sehr terminreich, aber hoffentlich kann ich diese Frequenz annähernd beibehalten.

2.) Und es gibt auch endlich Neues vom Projekt Teamw0rk: nachdem uns, großzügig gerundet, rund tausend intelligente Menschen Vorschläge für das Theaterstück schenkten, haben sich Moritz und ich an den Anfang des Stückes gesetzt. Dabei haben wir einstimmig entschieden, dass mein Gedicht „Altes aus der Anstalt“ den Prolog des Stückes bilden wird. Wie es danach weitergehen wird, lässt sich hier erlesen. Wer Einwände dagegen hat, kann und soll sich melden. (Was zum Teufel ist das Projekt Teamw0rk?)

3.) Ich hätte mal wieder Lust auf Wortwünsche. Wenn ihr ein besonders gutes Wort kennt, erfunden oder gefunden habt, dann schickt es mir irgendwie auf irgendeinem digitalem oder analogem Wege zu. Ich werde es möglicherweise prominent in einen meiner Texte einbauen und ihr könnt euch anschließend freuen oder ärgern.

Es folgen: Sätze, die Imperative enthalten.

4.) Werdet HerrSalami.de-Freund auf Facebook!

5.) Kauft ein Exemplar meines Büchleins!

6.) Schaut mir beim Lesen zu!

Das wäre es dann für nun. Es folgt: eine freundliche Verabschiedung.

Tschö!

Das habe ich mir so gedacht

Gestern Nacht schlief ich auf einer sehr guten Couch, irgendwo in Ostberlin. Im Traum begegnete ich David Bowie und er verriet mir den Sinn des Lebens. Leider hat er mir verboten, mein neues Wissen auf diesem Wege zu teilen. Aber er hat mir versprochen, allen anderen Menschen der Erde ebenfalls im Schlafe zu erscheinen. Nun kann ich sagen: Schlafen lohnt sich.

Ebenfalls gestern ergab es sich, dass ich durch Bielefeld, Hannover und Wolfsburg fuhr. Die Fahrt wurde dadurch ziemlich melancholiereich, da ich energisch und spontan Mitleid für alle Bewohner dieser Städte entwickelte. Das Trio der Unwichtigkeit, der Unauffälligkeit und der langweiligen Fußballvereine. Dieses Schicksal gönne ich niemandem. Später fuhr ich noch durch Stendal. Klingt zwar nach einer Erektionspaste, aber. Aber! Aber.

Ich glaube, dass jeder Mensch, der nach Berlin fährt und sich deswegen oder aus anderen Gründen langweilt, kein guter Kerl ist. Hier ist so viel los. Es gibt nicht nur zwei oder zwölf schöne Ecken, sondern etwa (grob geschätzt) hundert. Berlin ist ein zehnfaches Dekagon. Man kann nicht einmal die Straßenseite wechseln, ohne dass man zwei Künstlern, drei Obdachlosen und einer guten Idee begegnet. Für die selbe Reizaufnahme muss man jahrelang in Krefeld wohnen, in Berlin reicht dafür der Alexanderplatz. Ich fühle mich dadurch etwas provoziert, denn an jedem Hydranten steht eine Inspiration und sagt „Verwende mich, verwende mich!“, aber ich bin doch keine Kunsthure. Zügelt euch! Irgendwann werde ich euch aufnehmen, versprochen.

So. Weiter geht’s!

(Foto von Husti.)

Ah!

(warum das? Siehe hier.)

Informationsroulette XII

Yohoo!

1.) Nicht nur ich bin nun bei Facebook, nein, dieser Blog hier nun auch. Wenn ihr bitte mal nach rechts blicken würdet: dort ist unter meinem Bild so ein hässliches „Gefällt mir“-Dingsbums und weil ich leider nun eine Klickhure bin, möchte ich euch bitten, dort einen Klick zu hinterlassen. Danke.

2.) Für die Nerds: ich habe eine neue Kolumne für Planet3DS.de geschrieben, dieses Mal geht es dort um den eShop des Nintendo 3DS. Wahnsinnig interessant für die einen – für andere wahrscheinlich öde. Dennoch: „Das Sommerloch zum Herunterladen“.

3.) Ich begebe mich wieder auf Lesetour, hurra. Begonnen wird heute (Mittwoch) in Moers (Bollwerk107 / 20Uhr), morgen geht es dann beim „Highlander“ in der Essener Heldenbar weiter. Dort könnte ich mich unter Umständen für die nationalen Meisterschaften in Hamburg qualifizieren, also drückt mir Daumen. Und nächste Woche geht es für ein paar Tage nach Berlin – bei Interesse nach genauen Daten bitte einmal hier vorbeischauen.

4.) Weiterhin das bisher beste und einzige Buch, welches ich je in meiner Karriere geschrieben habe: „Versammelte Werke der Klientelliteratur“. Kaufen! Los! Es sind nicht mehr viele Exemplare der zweiten Auflage vorrätig.

5.) Und macht beim „Projekt Teamw0rk“ mit!

Und bis bald!

Das Rampenlicht

Seit ich diese neue Stehlampe habe, sehe ich nur noch einen Schatten meiner selbst. Alles ist so, wie es scheint. Bei Licht betrachtet erkenne ich nur noch meine Umrisse. Man sagte mir, ich müsse endlich mal den Schalter umlegen, aber dann wird doch alles dunkel. Ich will reflektieren! Sehen, einsehen, ansehen, nachsehen, Dreck sehen, statt unter Deck und ins Versteck gehen und dem Leben widerstehen. So sitze ich locker auf meinem Barhocker, in meinem Rücken die Stehlampe und vor mir eine schwarze Silhouette meiner Gestalt. Ein böser Zwilling. Ein ungeliebter Verwandter. Ein ewiger Erinnerer an deine schlechten Eigenschaften. Ob ich mich von ihm befreien kann? Vielleicht muss ich mich auswechseln, in eine andere Gestalt schlüpfen und mich dann selbst wieder einwechseln, so wie Günter Netzer. Ja, so muss ich es machen. Radazong und wusch! Ich bin jetzt Lucky Luke, imitiere mit meinen Fingern einen Pistolenschuss und Peng!; verdammt, der Schatten ist genau so schnell wie ich. Beide tot. Wie die zwei Jäger, die sich so häufig in Witzen gleichzeitig treffen. Sind wir jetzt in die ewigen Jagdgründe eingegangen? Ich glaube nicht, denn so habe ich mir die Hölle nicht vorgestellt. Wo sind Satan, Adolf Hitler und Andrew Lloyd Webber? Ich beiße mir selbst in den Arm, um zu testen, ob ich tot, lebendig oder schlafend bin. Es blutet. Ich lebe noch. Oh, der Schmerz, der Schmerz! Und der Schatten ist immer noch da, dort, im Rampenlicht.

Matt

Schwarzer Bauer von E5 auf E4:
Dieser Zug endet hier.
Weißes Pferd von B4 auf C6:
Absprung in Blickrichtung rechts.

Auf C6 noch ein Läufer steht und
von seinem Platze will der nicht gehen,
drum fragt er das Pferdchen ganz diskret:
„Dürfte ich Ihre Berechtigung sehen?“

Und das Pferd erklärt.

„Herr Läufer, das Regelwerk belegt
schwarz auf weiß, dass weiß schwarz
schlägt und nun weichen Sie, sonst legt
sich diese unschöne Aufruhr womöglich nie.“

Doch der Läufer unfroh Anderes
hegt und er regt sich auf und
dann noch an, dass dies ja
wohl so nicht sein kann.

„Hömma, Pferdchen“, wird er frech und direkt,
„diese Regelung ist keinesfalls politisch korrekt!“
Dann neigt er sich – so ist es Sitte –
hin zum Pferde und flüstert leise eine Bitte:

„Und noch was, Kollege. Können wir aufhören zu reimen? Ich hasse Reime. Egal, was man ausdrücken will, es klingt immer gestelzt und unecht – zumindest, wenn man das nicht drauf hat mit dem Reimen, so wie wir. Wir sind doch nur kleine Figuren auf einem Feld und jemand bewegt uns hin und her. dann treffen wir irgendwann zufällig mal zusammen, reiben uns aneinander, haben Meinungsverschiedenheiten und müssen wir dann unbedingt versuchen, unsere Gedanken möglichst clever und geschickt zu formulieren? Und dann auch noch in Reimform? Nur um uns intellektuell auf eine höhere Stufe zu stellen? Das hier ist doch kein beschissenes Liebeslied, sag mir einfach in einfachen Worten, warum ich hier jetzt nicht mehr auf C6 herumstehen darf, okay? Pferd? Okay?“

Und das Pferd antwortet.

„Ich verstehe dich gut,
aber Reimen ist Passion,
ist gut, tut gut, ist Kunst,
ist gute Kunst, ist Kunstgut,
ist gutes Kunstgut und
Kunst tut gut, wenn uns Wut
im Herzen wehtut und wir ungut
und ohne Mut den Disput
nur mit Glut aufgießen,
um als Rekrut den Hut
nicht vom Kopfe zu schießen.
Es sprießen doch seit langer Weile
harte Pfeile in die zarten Teile,
die wir Köpfchen nennen und aua,
fühlst du den Hass nicht wütend brennen?
Würden wir uns zur Poesie bekennen,
so könnten wir nun hier, Mensch und Tier, tun,
was wir schon streiten nennen, aber
ohne dabei die Kunst zu verkennen.
Also schließ‘ dich meinen Reimen an,
weil Reimen einfach jeder kann!“

Der Läufer lässt die Worte wirken und fragt:
„Hä? Was?“

Und das Pferd erklärt erneut:
„Dein Verbleib auf diesem Feld ist so unsicher wie die Rübenernte mit der bloßen Hand, nur ohne Bücken und auf einer ganz anderen Ebene, weil sich die Begebenheiten in eine ganz andere Richtung verschieben. Du solltest von hier fliehen wie der Eskimo vor dem Eisbären: kalt, ehrfürchtig und zurecht.“

Und dann nochmal der Läufer:
„Versteck dich nicht hinter deinen Metaphern, wie soll ich die denn so schnell enträtseln? Lass uns doch jetzt bitte wie zwei normale Menschen beziehungsweise Holzfiguren über unsere Situation sprechen, ohne dass wir uns…“

Eine Hand greift nach dem Läufer, stellt ihn neben das Schachbrett und sagt: „Thank you for playing Chess with me. Schachmatt!“

Und jetzt alle!


Das Internet ist voll mit Künstlern und Personen, die irgendetwas schaffen – seien es Blogartikel, Blogkommentare, Musikstücke, Videos, Webseiten, Templates, Comics, Spiele, Grafiken, Malereien und so weiter und so fort.

Wir (Moritz und ich) vom Projekt Teamw0rk möchten dieser Liste nun einen neuen Punkt hinzufügen: Ein Theaterstück. Aber wir wollen nicht nur einfach irgendein Theaterstück schreiben. Nein: Wir wollen irgendein Theaterstück zusammen mit Euch schreiben! Mit Euch allen, die Ihr da draußen vor Euren Rechnern sitzt und Lust dazu habt.

Also schließt euch an, seid kreativ und nützlich und super!

http://teamw0rk.wordpress.com/

Fehlermeldung

Es gibt Tage, an denen laufen selbst Polizisten über rote Ampeln. Da essen selbst Nazis Döner. Da melden sich sogar Leute wie ich bei Facebook an. Verdammt. Ich habe mich unglaublich lange unglaublich erfolgreich gegen Facebook gewehrt. Es geht doch auch so, habe ich stets und laut gesagt. Aber es ist schon richtig, dass Facebook ein gutes Mittel zum Kontakteaufrechterhalten ist – gerade jetzt, wo sich nach dem endgültigen Ende der Schulzeit alle Menschen und Menschinnen in diverse Richtungen verstreuen. Und wenn man Facebook richtig nutzt, ist es wirklich ziemlich super! Blablabla. Ich werde versuchen, mich möglichst wenig dort zu bewegen und es nur oberflächlich zu benutzen. Drückt mir die Daumen, dass ich nicht süchtig werde.

Ich bin jetzt bei Facebook. Ach, verdammt. Wer will, kann dort mein Freund werden. Einfach dort meinen Namen eingeben, mir eine Freundschaftsanfrage schicken…ihr wisst, wie das funktioniert. Ich auch. Scheiße.

Informationsroulette XI

Tach.

1.) Es ist unsagbar heiß, ich habe ein Zimmer direkt unter dem Dach und kann nicht schlafen. Daher, und das wird dem Stammbesucher bereits aufgefallen sein, habe ich ein bisschen an der Headergrafik herum gedeichselt. Mir gefällt das sehr gut. Vor allem das eingearbeitete Foto aus dem Gelsenkirchener „Cafe 42“ mag ich. Ich hoffe, der Leser stimmt mir zu. Falls nicht: Tja.

2.) Ich komme derzeit kaum zum Schreiben, weil ich hauptsächlich mit dem Fußballmanager 2005 beschäftigt bin. Tut mir (fast) leid. Aber der Uerdinger FC 1905 muss erst Deutscher Meister werden, dann höre ich auf damit.

3.) Ich bin mit dem Artikel nicht zu einhundert Prozent zufrieden (Stichwort: nicht herauslesbare Ironie), aber wer möchte, kann hier ein Portrait meiner Person lesen. Danke liebe Westdeutsche Zeitung und Danke für die netten E-Mails, die mich infolge des Artikels erreicht haben.

4.) Gelesen wird aber trotz aller Ablenkung immer noch. Allzu viele konkrete Zukunfts-Termine gibt es zwar noch nicht, aber weil ich jetzt ordentlich Zeit und Leselust habe, ist da schon einiges in Planung. Berlin und Hamburg etwa dürfen sich wohl bald über meinen Besuch freuen.

5.) Weiterhin erworben werden kann mein Büchlein. Näheres dazu hier.

Tschüssikowski!

13 Jahre

Informationsroulette X

Badabamm, Neuigkeiten!

1.) Abitur in der Hosentasche. Hurra. Grandioser Schnitt von 3,1, wie Günther Jauch. Nochmal hurra. Sei es drum.

2.) Die erste Auflage meines Buches „Versammelte Werke der Klientelliteratur“ ist komplett ausverkauft. Rund dreißig Büchlein sind also schon im Umlauf, das gefällt mir gut. Für die SPIEGEL-Bestsellerliste hat es leider noch nicht gereicht, wie ich am Montag mit einem Tränchen im Auge feststellen musste. Hatte mir da schon eine Top 10-Position ausgerechnet, schließlich lesen die Deutschen ja nicht mehr so viel und man weiß ja nie. Habe dem SPIEGEL aber schon einen Leserbrief geschrieben, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass nicht mindestens Platz 20 für mich drin gewesen ist. Diesen Fehler wird man sicher in der Montagsausgabe korrigieren.

3.) Und nun? Keine Bücher mehr? Na, doch! Doch! Natürlich! Na! Die zweite Auflage ist sogar noch besserererer als die erste ohnehin schon war. Denn sie erscheint nun im Taschenbuch-Format, mit mehr Texten und Bildern, Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler wurden ausgemerzt und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass es 72 wunderbare Seiten geworden sind. Um die Produktionskosten wenigstens ein kleines Bisschen auszugleichen (mit der Erstauflage habe ich minus gemacht), verlange ich nun zehn runde Euro für das Büchlein. Wie man es bekommt, erfährt der Erfahrungssuchende hier.

4.) In den nächsten Tagen wird hier leider wieder nicht viel passieren, denn ich bin auf riesengroßer Leseweltreise mit sieben Terminen in acht Tagen. Zum Beispiel am Sonntag beim Jazz-Festival in Moers (19 Uhr), wo ich beim „Jazz Slam“ Texte zu improvisierter Jazzmusik lese. Das wird prima. Wo ich sonst noch so anzutreffen bin, lässt sich hier erfahren.

5.) Heureka und Tschüsseldorf!

Die Kantine aus Holz

Vor ein paar Tagen war ich in Bielefeld, habe dort gelesen und übernachtet. Dennoch habe ich auch die Zeit für einen Text gefunden. Er entstand gegen vier Uhr morgens in der Indie-Disco „Movie“ und ich möchte sagen, dass es erstaunlich ist, zu welchen Metaphern man zu dieser Uhrzeit fähig ist. Oder anders gesagt: zu welchen Metaphern man eben nicht mehr fähig ist. Alkohol und Müdigkeit: das RedBull des Künstlerhirns. Wir lesen nun also: „Die Kantine aus Holz“:


Die Kantine aus Holz


Ist er der Partyhut erst aufgesetzt, lässt sich das eigene Psymonym (gemeint ist wohl: „Pseudonym“) schnell ergründen. Auferlegte Musikinstanzen bestimmen das eigene Wackeln im Sekundentakt. Vier Achteln, drei Sechszehntel und schon lässt sich ein anderer verlorener Zampano auf die Mottenkiste ein. Wackel, wackel. Fern von jedem individuellen Gedanken streut sich das Vergasen jeder Gehirnzelle. Studenten feiern ihr Sein. Arbeitslose ziehen hilflos am Ende der Gesellschaft. Apostrophe bilden Gemeinschaften und erfinden den Satzbau der Moderne. Hintergrundlose Metaphern werden zu Hymnen und Gelfrisurträger schleppen sich von Bedeutung hin zum temporären Glück namens Uff-Uff-Bumm-Bumm. Der Sinn versteckt sich, gemeinsam mit seinem guten Gesellen Verstand, weit unter den Möglichkeiten und fristet ein Dasein im Schatten der Monopolbildung. Litschi wird klammheimlich zum Obst des Jahres. Ich beobachte und missachte.

Wahnsinn. Wenn ich das nächste Mal abends weggehe, werde ich auf Papier und Tintenroller verzichten.

Informationsroulette VIII

Tach.

1.) Der Buchverkauf läuft prima, es wurde schon genau ein Büchlein verkauft. Danke dafür. Wen die hohen Versandkosten bei epubli abgeschreckt haben sollten, der kann sich nun hier sagen lassen, dass es inzwischen auch bei Amazon erhältlich ist.

2.) Kaufen!

3.) Die nächsten Lesetermine:

27.05.2011 – Wuppertal / Container (Poetry Slam)
01.06.2011 - Moers / Bollwerk107 (Poetry Slam)
13.06.2011 – Münster / Cuba Nova (Tatwort-Poetry Slam)

4.) Komme derzeit nicht zum Schreiben. Verzeihung.

Tschüss.

Kaufenkaufenkaufen

So. Ich habe es endlich geschafft, ein paar meiner Texte zusammenzufassen, zu streicheln und sie in ein Buch zu verpacken. Herausgekommen ist das Büchlein „Versammelte Werke der Klientelliteratur“. Es enthält rund dreißig (teils unveröffentlichte) Texte und sogar ein paar nette Bilder. Ich kann es nur empfehlen. Es ist sehr gut. Ich habe die komplette Nacht an der Gestaltung gearbeitet. Und mich für einen Preis von 6,95€ entschieden. Das Werk umfasst 40 Seiten im handfreundlichen DinA5-Format. Heftbindung.

Johannes Floehr – Versammelte Werke der Klientelliteratur
ISBN: 978-3-8442-0488-9

Kaufen, bitte. Yeah.

Poetry Unplugged im Theater hintenlinks

Es folgt: unaufdringliche Werbung.

Geil, geil, juhu. Am kommenden Sonntag, dem 22.05.2011, ist es endlich soweit: im Krefelder Theater hintenlinks (Ritterstraße 187) wird ein Sommerfest gefeiert. Noch viel geiler und juhu-iger ist aber, dass ab 19 Uhr ein Poetry Slam veranstaltet wird, welchen ich moderieren werde. Die Veranstaltung ist der Startschuss für die ab irgendwann regelmäßig stattfindende Reihe „Poetry Unplugged“. Wieso „unplugged“? Das kann ich erklären, weil ich es weiß. Weil ich es weiß, werde ich es erklären: „unplugged“, weil die Teilnehmer ohne Mikrofon auf der Bühne stehen werden. Wahnsinn! Und wir haben uns noch ganz viele andere Dinge ausgedacht, glaube ich. Es wird prima. Es wird spitze. An der Theke gibt es Bier. Und folgende Poetinnen und Poeten haben sich bis jetzt angekündigt:

- Andi Substanz (Münster)
- Achim Dietz (Krefeld)
- Boris Zeyer (Krefeld)
- Dan Pöne (Düsseldorf)
- Hatice Gönüleri (Krefeld)
- Jan Möbus (Remscheid)
- Sushi der Slamfisch (Düsseldorf)
- Ilja Budnizkij (Essen)

Das wird: gut. Seid: dabei. Der Eintritt ist: frei!

Unrundes aus dem bekannten Kreis

Du suchst nach Idealvorstellungen und findest,
gefallen über deine eigenen Schnürsenkel richtest
du dich auf und bindest sie wieder, zudem siehst
du dich als Hoffnungsträger und trägst Hoffnung
in die Kläger, aber realisierst du denn nicht die Zweckdemenz.

Der Gesellschaft schuldest nur deine Söldnermentalität
und verpflichtest dich zum Konsum. Von Abfallware
und Bildern, so aufreizend bunt, willst du dich nicht
blenden lassen, optimistisch bleibst du, auf unseren
Straßen liegt noch viel Potential und der Hund.

Begraben von Zeitungsblättern markiert der Obdachlose
sein Revier, verhalten schaust du auf die Konturen
und Kraterschwellen. In seinem Gesicht hinterließ der
Abschwung seine Spuren, er wird hier liegen bleiben, bis
er stirbt werden sich viele Pechvögel zu ihm gesellen.

Manchmal wirft ihm jemand eine Münze zu, meist jedoch
wird er ignoriert, obwohl alle hoffen auf den Frieden.
Störer sind die, die nichts tun; Können wird gefordert,
aber nicht gefördert, von welchen, die die eigene Ironie
fehlinterpretieren als Lebensphilosophie.

Vor dem Gesetz sind alle gleich, gültig ist der
Personalausweis nur auf ausgesuchten Wegen.
Denen, die hoffen auf Veränderung und
Wert legen auf den Wechsel. Willen kann man
nicht absprechen, nur entwickeln nach viel Zeit.

Verlustängste prägen unseren Alltag, stark
sind nur die Wenigen, die sich befreien. Aus-
drucksstark muss wieder gesprochen werden,
wenn jemand kollektiven Wohlstand predigt
und sich so des Verstandes entledigt.

Das Gefühl der Gemeinschaft wächst nicht durch
Gesetz; Pflicht ist, dass du im Herzen nicht undicht
bist, da mit ein jedem Teil des Ganzen, Großen und
auch Kleinen geholfen wäre, wenn die Schwere
nicht im zwischenmenschlichen Umgang läge.

Also, wenn du dem nächsten Kauz begegnest
und er reicht dir seine Hand: feste greifen und ab mit ihm
auf deine Seite, Schleifen machst du jetzt in deine
Schnürsenkel, aber bitte bück dich in Zukunft auch
für obdachlose Menschenschenkel.

Crazy Thoughts, yesyes.

Wer sich etwas auf die Fahne schreibt, beschmutzt.
Wer manchmal die Joghurtdeckel ableckt, kann zwischen Abfallprodukt und Nützlichkeit entscheiden.
Wer schon einmal im Flugzeug einen Salto versucht hat, fliegt.
Wer die Unendlichkeit eines Quadrates bezweifelt, hinterfragt wenigstens.
Wer festgestellt hat, dass es keine homosexuellen Enten gibt, der stellte falsch fest.
Wer hat an der Uhr gedreht.

Informationsroulette VII

Grüß Grüß.

1.) Da es keine wirkliche Archivseite vorhanden war und sich etliche Leser darüber beschwert haben, dass es durchaus schwierig sei, hier mein bisheriges literarisches Nichtschaffen nachzuvollziehen, habe ich in mühsamer Großarbeit die neue Unterseite „Geschriebenes“ erfunden. Dort gibt es sämtliche Texte, die seit 2010 von mir hier veröffentlicht worden sind, zu lesen. Viel Vergnügen.

2.) Ich schreibe ja derzeit nebenher auch Texte für meine Schule. Das Projekt nennt sich „Abiturprüfungen 2011″ und bisher war alles recht einfach, selbst ohne große Vorkenntnisse. Kann ich jedoch nicht jedem empfehlen, da die Bezahlung relativ gering ist und man früh aufstehen muss. Egal, wird schon alles klappen.

3.) Die nächsten Lesetermine:

06.05.2011 - Grevenbroich / Kultus das Cafe (Wort laut-Slam)
11.05.2011 – Hamm / Hoppegarden (Poetry Slam)
12.05.2011 – Krefeld / Kulturrampe (Lesung)

4.) Am 22. Mai moderiere ich, wie bereits an dieser Stelle erwähnt, den ersten Poetry Slam im „Theater hintenlinks“ . Ich darf bereits ankündigen, dass wir fantastische und sehr, sehr supergute Autoren in Krefeld begrüßen dürfen, zum Beispiel Sushi den Slamfish, Hatice Gönüleri, Jay Nightwind, Andi Substanz und andere. Falls noch irgendjemand mitmachen möchte, kann man sich per Mail kostenlos an mich wenden. Kommt in Scharen, der Eintritt ist frei.

5.) Tschüsseldorf!

Und keiner so: yeah!

(kauft euch alle Bücher von Hugleikur Dagsson, wenn ihr meine Freunde sein wollt.)

Informationsroulette VI

Grüß Grüß Internetwelt. Ich bin es, der Internetnutzer. Und ich habe Informationen für alle im Gepäck.

1.) Ab nächster Woche schreibe ich das schriftliche Abitur. Deswegen kann es vorkommen, dass es hier etwas ruhiger wird. Wünscht mir Glück, ich werde es gebrauchen und einsetzen können.

2.) Drei Livemitschnitte vom Poetry Slam im „C@fe 42“ (Gelsenkirchen) gibt es jetzt ganz frisch und in wahnsinnig dufter Qualität unter dem Reiter „Vertontes“ zu hören. Und wer mehr Interesse für diesen Abend aufbringt, kann sich auch noch diesen Artikel auf „DerWesten.de“ durchlesen. Liegt zwar schon ein paar Wochen zurück, aber „aktualität“ wird hier eben klein geschrieben.

3.) Die nächsten Live-Termine:
28.04.2011 - Mönchengladbach / projekt42 (Poeterey-Slam)
06.05.2011 - Grevenbroich / Kultus das Cafe (Wort laut-Slam)
11.05.2011 – Hamm / Hoppegarden (Poetry Slam)

4.) Am 22.05. moderiere ich im „Theater hintenlinks“ den ersten Poetry Slam, welcher unter dem Namen „Poetry Unplugged“ laufen wird, da wir dort ohne Mikrofone arbeiten werden. Ein paar unsagbar gute Teilnehmer haben wir bereits, doch anmelden kann man sich noch. Wahlweise an mich wenden oder direkt ans Theater. Mehr hierzu bei MySlam.

5.) Bis bald!

Zeichen setzen

Hallo, Hamburg. Hallo, Musicalwelt.

Résumé alla Chef

Neulich frug mich ein Freund meiner literarischen Arbeit etwas, das ich hier im genauen Wortlaut wiedergeben möchte: „Mensch, Johannes. Du siehst so unverhältnismäßig gut aus, wirst regelmäßig auf den größten Kleinkunstbühnen des Landes gefeiert und trotzdem bist du mit beiden Beinen auf einem Teppich geblieben. Wie machst du das bloß?“
Ich antwortete: „Ach, Oma.“ Sie erwartete wohl eine ausführliche, ihre Miterziehung lobende Rede voller Liebe, Zuneigung und Pathos. Doch auch wenn ich Gefahr lief, all meinen Anspruch auf Taschengeld zu verlieren, blieb ich lieber bei der harten, stolz reduzierenden Wahrheit: „Liebe Großmutter väterlicherseits. Es ehrt mich, dass du derart liebreizende Worte für meine künstlerische Ader, durch die wahrscheinlich auch einige deine Gene fließen, gefunden und mir mitgeteilt hast. Jedoch bleibt festzustellen, dass ich auf Poetry Slams nicht die großen Urkunden, Siege und Applausfontänen gesammelt habe, die du dir vielleicht letzte Nacht erträumt hast. Es kommt nicht selten vor, dass ich bereits in der Vorrunde unter großem Verlust von Tränen die Bühne für andere Poeten räumen muss. Weißt du, wie das auf der Bühne in etwa ist? Stell dir vor, du würdest eine Zigarette rauchen und müsstest dir mit der Kippe in der Hand aus ungesundheitlichen Gründen die Nase putzen. Gar nicht so einfach, nicht immer gelingt es, weswegen man auch auf dem Tatsachenboden bleibt, zudem ist immer viel Rotze im Spiel. Aber wenn es mal da landet, wo es hingehört, dann freut man sich. Außerdem sehe ich gar nicht so gut aus.“
Oma fährt sich mit der alten Knochenhand durch die Haare, wählt, weise wie sie ist, ihre Worte mit Bedacht und spricht: „Was zum Teufel ist ein Poetry Slam, Junge?“
Verdammt. Sie war es gewohnt, dass ich auch moderne Modeerscheinungen und gesellschaftliche Strömungen vollkommen anglizismenfrei und rentnerkompatibel erkläre. Und dann komme ich frecher Enkel mit sowas daher. Meine Oma war noch nie bei einem Poetry Slam, weil ich sie vor allzu vielen Texten über Onanie und Facebook schützen wollte. Daher hatte sie auch nie die Chance, bei der obligatorischen Eingangsfrage („Wer war noch nie auf einem Poetry Slam?“) fragend den Arm in Richtung Gott zu heben. Also dann.
„Ein Poetry Slam ist ein Dichterwettstreit, wobei die Leute eher selten Gedichte vorlesen, meistens lesen sie Kurzgeschichten, also müsste es eigentlich Short Story Slam heißen, tut es aber nicht, weil es offiziell um Poesie und Lyrik und Wortspielerei geht, tut es aber meistens nicht, weil inoffiziell viele Publikumsmenschen einfach nur zum Lachen gekommen sind, tun sie aber bei meinen Texten manchmal nicht, weil ich einige verquere Vergleiche und Satzkonstruktionen exklusiv lustig finde, stört mich aber nicht, weil ich das Verstehenwollen sowieso längst aufgegeben habe. Oma, ich weiß nicht, wie häufig du noch auf Rockkonzerte gehst, aber da drücken die Gitarristen doch auf immer mit ihren Füßen auf so einen kleinen Kasten vor sich, schalten irgendetwas um, bringen Lämpchen zum Aufleuchten und dann rocken die weiter. Niemand auf der ganzen Welt weiß, wofür diese Gestalten das genau tun, aber sie tun es, sind damit erfolgreich und deswegen hinterfragt niemand diesen geheimnisvollen Vorgang. So ist es auch bei Poetry Slams. Einige Texte funktionieren, einige nicht. Und wenn jemand anders besser ist, muss man ja auch mal Können gönnen können. Okay, mein Gitarren-Vergleich hinkt und humpelt gewaltig, aber, Oma, hast du verstanden, wie komplex und unberechenbar so ein Poetry Slam ist?“
Oma sagte mit faltiger Stirn: „Ja, glaube schon. Und diese Dinger, auf denen die Gitarristen herumtreten, heißen MIDI-Schalter oder Pedale, verzerren das Klangbild oder erzeugen Echos oder sonst was. Das weiß doch wirklich jeder Thünnes, du dummer Enkel! Außerdem siehst du gar nicht so schlecht aus. Gestern habe ich mit Opa RTL geschaut, da liefen viel dämlichere Fatzkes von links nach rechts. Du duschst ja wenigstens regelmäßig, auch wenn du schon seit längerer Zeit keine Frisur hast.“
Diese geschickt nach einem kleinen Lob versteckte Kritik nahm ich mir zum Anlass, den Dialog mit meiner Großmutter zu beenden. Wenn sie auch noch darauf zu sprechen käme, dass eine Ausbildung/Lehre viel sinnvoller wäre als das regelmäßige Vorlesen von Halbgarem, dann wäre dieser Text mindestens: länger. Aber Poetry Slam heißt auch, über einen fünf- bis siebenminütigen Zeitraum selbst zu entscheiden, wann man einen Satz enden

Informationsroulette V

Grüß Grüß. Es gibt Neues! Wahnsinn. Ja!

1.) Wer sich in irgendeiner Weise für den Nintendo3DS interessiert, einen besitzt oder generell alles lesen will, was es von mir zu lesen gibt, den wird sicherlich für die Kurzgeschichte „Der StreetPass-Irsinn“ begeistern können, welche ich für das Portal „Planet3DS.de“ geschrieben habe.

2.) Die letzten Poetry Slams verliefen recht erfolgreich. In Gelsenkirchen und Essen etwa konnte ich völlig verdient gewinnen. Ebenso schön der dritte Platz beim ursympathischen „Hinterhof-Slam“ in Lippstadt. Okay, in Neuss, Köln (Fotos ganz unten) und Düsseldorf konnte ich keine Treppchenplätze (und bei erstgenannten nicht einmal das Halbfinale) erreichen, aber wassolldennderganzeehrgeiz. Leider stelle ich immer häufiger fest, dass das Publikum eher „Autoren“ mit Pipikakafickenblut-Texten abfeiert – und die will ich den Plebejern nicht liefern. Tut mir leid.

3.) Wenn alles klappt, kann ich in der nächsten Woche meine zahlreichen Freunde in Hamburg mit zwei Auftritten erfreuen. Nämlich am 20.04. im Knust und am Tag darauf im Stage Club. Ganz wasserdicht sind die Termine noch nicht, aber man darf ja wohl mal im Voraus Versprechungen machen. Wäre geil.
Nachtrag: Termine stehen. Kerzengrade. Hurra!

4.) Ich befinde mich gerade in der letzten Schulwoche meines Lebens, am Horizont winkt mir schon das Abitur zu. Ich winke nicht zurück. Aber dafür verkleide ich mich im Zuge der unheimlich witzigen „Motto-Woche“ Tag für Tag. Vorgestern war das Thema „Helden der Kindheit“ und ich ging als Pokémontrainer. Gestern war Rockstar dran (Lederjacke, Sonnenbrille, Hut) und heute werde ich, passend zum „Krankenhaus“, mit Bademantel, Krücke und Verbänden erscheinen. Ist das nicht superlustig? Und es ist.

5.) Definitiv fixe Termine in der relativ nahen Zukunft:

28.04.2011 - Mönchengladbach / projekt42 (Poeterey-Slam)
06.05.2011 - Grevenbroich / Kultus das Cafe (Wort laut-Slam)

Aber da folgt bestimmt noch der ein oder andere spontane Termin.

6.) Mehr dann wie immer: übermorgen. Es grüßt der Autor dieser Zeilen.

Nö!

Gestern meldete ich mich bei der etwas dubiosen Internetsammelseite „myON-ID“ an, um mein Profil ein bisschen zu verbessern. Heute dann empfing ich eine interessante E-Mail.

Hallo Johannes,

Gernot Herzog möchte dich als Kontakt hinzufügen.

Ich möchte Sie gern in meine Business-Kontaktliste einladen. Sicher lassen sich Synergien finden und nutzen. Ich freue mich auf interessante Beiträge.

Mit freundlichen Grüßen,
Gernot Herzog

Natürlich ließ ich es mir als Autor nicht nehmen, dem netten Gernot etwas zu lesen. Ich entschied mich für die Leviten.

Hallo Gernot,

leider habe ich weder Business, noch Synergien oder gar Interesse, irgendetwas Anderes mit Ihnen zu tun als Sie zu ignorieren. Wenn Sie im Internet zwanghaft Freunde suchen, empfehle ich an dieser Stelle vollkommen kostenfrei die Plattform „knuddels.de“. Dort können Sie nach Herzenslust mit Minderjährigen synergieren und pervers viel geistigen Durchfall aus sich heraus quetschen, ohne dass es jemanden stört. Denn dort sind alle so.

Ich wünsche viel Glück und verspreche Ihnen, dass dies meine letzten Worte an Sie sind. Ich freue mich auf gegenseitiges Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen,
Johannes

So. Ist sonst noch jemand bei myON-ID?

Informationsroulette IV

Schneller, auf auf, verdammt, ich habe echt zu wenig Zeit derzeit. Immerhin habe ich in dieser Woche einen Text geschrieben – weitere werden jedoch nicht mehr dazukommen, weil ich nicht mehr dazu komme. Schade. Gibt aber dennoch was zu berichten:

1.) Ich habe für meine Freunde „Die Eckkinder“ ein Hörspiel aufgenommen, welches sich hier anhören und beurteilen lässt:
http://eckkinder.podspot.de/post/01-april/

2.) Ein weiteres Hörspiel ist fertig, es wird in den nächsten Tagen veröffentlicht. Mehr dazu – und zu anderen Aufnahmen, die ich bisher gemacht habe – gibt es auf der immer noch recht neuen Unterseite „Vertontes“.

3.) Hier, bitte sehr, die nächsten Ter mine:

01.04.2011 - Gelsenkirchen / Café 42 (Poetry Slam)
03.04.2011 - Neuss / Haus der Jugend (Make Some Neuss-Slam)
07.04.2011 – Essen / Heldenbar (Poetry Slam)
12.04.2011 – Düsseldorf / Pretty Vacant (Pretty Poetry Slam)

Also dann, bis später oder nie!

Informationsroulette III

Es gibt ganz viel Weniges zu berichten.

1.) Ich bin ab Freitag Besitzer eines „Nintendo 3DS“ und ich teile die Meinung meiner Großmutter, dass ich für Videospiele zu alt bin, nicht. Erwähnung findet mein Konsumverhalten, weil ich damit recht gut erklären kann, dass ich ab sofort/jetzt/nun/heute wieder für Planet3DS.de schreiben werde. Meine News, Berichte und Tests erkennt ihr an meinem kreativen Autoren-Nicknamen „Johannes“.

2.) Die nächsten Lesetermine:

23.03.2011 - Köln / Die Wohngemeinschaft (Die ui.-Show / Lesung)
27.03.2011 - Krefeld / Jules Papp (Papp a la Papp-Slam)
01.04.2011 - Gelsenkirchen / Café 42 (Poetry Slam)

…und vielleicht/wahrscheinlich am 31.03. in Köln bei „Dichter am Dom“, dies entnehmt ihr bitte der Unterseite „Termine“.

3.) Meine Teilnahme beim „Krefeld on Comedy“-Festival am 06.05. muss ich leider aus Gründen zurückziehen, aber diese schlechte Nachricht bringt auch zwei gute mit sich: ich bin dann beim dritten Festival im (Spät-)Sommer dabei, weitere Informationen hierzu folgen. Stattdessen bin ich an besagtem Tag beim „Word Case“-Slam in Grevenbroich; Juhu.

4.) Bis später dann!

Update!

5.) Der Termin in Köln steht. Außerdem gibt es eine neue Unterseite, welche hoffentlich in Zukunft regelmäßig mit Zeug beliefert wird: „Vertontes“.

Von der Schublade ins Präsens

Johannes, immer lesen wir hier nur Aktuelles von dir. Es ist zu erwarten, dass du bereits vor deiner ganz persönlichen Erfindung des Internets geschrieben, gemalt und gemacht hast. Sag uns doch endlich einmal, was du in deiner Schublade versteckst!
Hallo, ja, das stimmt. Und weil heute so ein gutes Wetter ist, kann ich ausnahmsweise mal eine Ausnahme machen. Hier, das allererste Fundstück aus dem Sommer des sommerreichen Jahres 2002, „Affis Zeitung“:

So so; es ist anzunehmen, dass das frech und kopfüber „Hallo!“-sagende Etwas am linken Rand dieser ominöse und namensspendende „Affi“ ist, aber, teile deine Biografie doch, verrate uns, wer dieser Affi ist und warum er eine Publikation mit seinem Namen besaß. Nicht einmal Bob Dylan oder Helmut Schmidt haben eine eigene Zeitung!
Weit gefehlt. Helmut Schmidt hat den „Spiegel“ und Bob Dylan den „Rolling Stone“, aber darum soll es nicht gehen. „Affi“ ist ein kaputt geschmuster Kuscheltier-Affe, welchen ich zu meiner Geburt erhielt. Die Löcher an seinem Körper zeigen, dass ich ihn regelmäßig mit Liebe und großem Einsatz meiner Backen mit mir in einem Bett habe schlafen lassen.

Schön, so muss Liebe sein! Aber „Affis Zeitung“ hatte doch nicht bloß eine Überschrift, wir wollen Rubriken, Inhalte und kindgerechte Witze sehen!
Jaja. Hier kommt das, hihihi, „Wetta“. Denn „Affis Zeitung“ verstand sich auch als tagesaktuelles Informationsflagschiff.

Was hattest du damals in Erdkunde? Oder in Deutsch? Oder Kunst?
Jajajaja. Kommen wir zu Vergnüglicherem. Die erste Ausgabe von „Affis Zeitung“ erschien während der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 und das scheint Spuren hinterlassen zu haben. Auch bei Affi. Anders ist folgende Berichterstattung nicht zu rechtfertigen:

„Mit 9:0 fegte Affi Afrika vom Platz“ konnten die fußballinteressierten Affi-Interessenten damals lesen. Neununddreißig Torschüsse benötigte Affi hierfür! Interessant und von Interesse. Immerhin als Randnotiz wurde notiert, dass der Spieler „Arsch“ von „Tuneseien“ mit einer Strafe von 50 Cent belegt worden ist, da er „im letzten Spiel den Affi berührt haben [soll], worauf er nicht gelb bekam“.
Rechtschreibfehler, Rassismus, flache Witze. Man darf enttäuscht sein, oder?
Wieso, es hat sich schließlich nichts geändert. Ich schreibe doch immer noch so.
Stimmt.
Nächstes Filetstück: ein Witz über einen ehemaligen Torhüter.

Genial daneben! Eindeutig Afrika, nicht Oliver Kahn. Was mir aber jetzt bereits auffällt: sehr viel Negerei lässt sich in „Affis Zeitung“ entdecken.
Durchaus, durchaus! Aber, jetzt noch ein bisschen humorige Kunst mit der „Monster-Parade“:

Gute Güte. Ein Kot-“Haufen“, „Schissi“ und „Kotz“. Die Sonne heißt „Helli“. Einfallsreich ist das nun wirklich nicht.
Ich war erst elf Jahre alt, mein Gott, da darf man auch mal seinem Alter entsprechend schreiben. Aber das soll es nun wirklich gewesen sein, bevor noch mehr Peinliches das grelle Licht der Welt erblickt. Ich schließe natürlich mit der letzten Seite von „Affis Magazin“:

(diese Serie wird vielleicht weitergeführt.)

Fünf Sätze

Partyfalle Stuhlinkontinenz! Ich verließ die Szenerie hosenlos und suchte die Fußgängerzone nach Taschentüchern ab. Gar nicht so einfach um vier Uhr morgens. Emsig durchwühlte ich die Mülleimer und Obdachlosenheime, ohne Erfolg. Kacke.
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Qualitätsnirvana HerrSalami.de! Ich las die Einträge emotionslos und suchte die Seiten nach Einfallsreichem ab. Gar nicht so einfach bei soviel Blödsinn. Emsig klickte ich mich von Seite 1 bis 14, ohne Erfolg. Schade.
___________________________________

Baumwollsockenfresser Waschmaschine! Ich öffnete die Miele-Tür erwartungsfreudig und suchte die Waschtrommel nach Socken ab. Gar nicht so einfach bei soviel Klamotten. Emsig hetzte ich mich durch den Kleidungshaufen, ohne Erfolg. Einzelsocke.
___________________________________

Ideenwüste Schreibtisch! Ich griff fröhlich zum Bleistift, suchte nach Sätzen, gar nicht so einfach, emsig schrieb ich herum, ohne Erfolg. Fünfsätzetexte.

Ein Austritt in die Fernsehwelt

Fernsehen! Wie gut könnte es uns mit und dank dir gehen! Mutig und frei könntest du sein, unterhaltsam und informierend zugleich. Doch im real existierenden Kapitalismus bist du ein keuchender Marathonläufer. Denn jetzt mal so unter uns. Wie kann es aber sein, dass das Fernsehen mehr Rotz produziert als meine Nase in vier oder fünf Wintern zusammen? Wie kann es sein, dass eine Sendung, die zehn halbstarke Jungmenschen singend aufeinander hetzen lässt, hierzulande unter dem Etikett „Unterhaltung“ firmiert? Wie kann es sein, dass permanent, auf allen Sendern, zu jeder Tageszeit, aus verschiedensten Gründen, irgendjemand von mir angerufen werden möchte? Auto gewinnen, Sieger bestimmen, Geldpakete erringen, Meinungen anbringen, Mixstäbe erwerben, Karrieren verderben, Telefontöne bestellen, Dunkles erhellen, Verlierer ernennen, Lage verkennen, Paarungswillige anklingeln, Falsches umkringeln, Experten zustimmen und: geistig verglimmen. Lasst mich in Ruhe. Ich telefoniere nicht mit Computerstimmen. Die fünfzig Cent spare ich mir und investiere sie in Kaugummiautomaten oder einfach mal in gar nichts. Spar- statt Fernsehschwein!

Denn selbstverständlich schaue auch ich nur Dokumentationen, arte und manchmal, ganz selten, wenn es mal sein muss, auch nur fast jeden zweiten Tag und nur bei schlechtem Wetter: Sportübertragungen. Aber wie kann es sein, dass die Einschaltquoten so brachial im Widerspruch zu dem stehen, was einem Bekannte, Verwandte und Dahergelaufene über ihren Fernsehkonsum erzählen? Vergangenen Samstag saßen bei einem langhaarigen Mannheimer Laienhumoristen mit türkischem Migrationshintergrund mehr Leute vor der Glotze als bei der Tagesschau, trotz Japan. Warum, wieso, weshalb verdammtnochmal. Wenn man sich mal einfach nur berieseln lassen will, kann man sich auch unter die Dusche stellen und muss sich nicht darüber amüsieren, dass zwei Kilo schwarze Haare zu Heavy Metal im Kreis geschwungen werden. Der folgende Satz klingt zwar etwas makaber, wenn man ihn einem Deutsch-Türken ins Ohr brüllt, aber: Geh nach Hause, Bülent Ceylan! Und nimm die Gestalten mit Handpuppen, überzeichnetem Dialekt-Einsatz und Witzebuch-Affinität gleich mit.

Es scheint viel zu wenig Leute zu interessieren, dass bereits nachmittags jugendliche Brüste vergrößert, Randgruppen heimlich diffamiert und Arbeitslose ohne Aussicht auf einen Ausweg bloßgestellt werden, ohne dass wenigstens der Off-Sprecher mit einen Funken hinterfragender Kritik im Unterton den Zeigefinger hebt. Jeder darf und soll für fünf Minuten ins Fernsehen und wenn er nichts Besonderes kann, dann kann er sich seines besonderen Nichtkönnens gerne bedienen. Denn gerade die geistig weniger Befruchteten werden besonders gerne ins stupide Korsett des Privatfernsehens gesteckt. Fernsehen für Dumme muss schließlich auch mit Helden der fortlaufenden Dämlichkeit bestückt sein. Von Dummen für Dumme senden führt zum Verdummen – diese logische Konsequenz wird uns irgendwann einholen; zumindest, wenn wir nicht alle längst zu blöd dafür sind, es zu bemerken.

Und kann es sein, dass wir nichts dagegen tun können? Quatsch, können wir wohl. Dem Scheiß einfach keine Aufmerksamkeit mehr schenken! Der Samstagabend muss nicht jede Woche mit trivialen Musikdeformationen gefeiert werden. Es gibt acht Millionen Leute „Deutschland sucht den Superstar“ gucken, dennoch gibt es gleichzeitig über siebzig Millionen Deutsche, die stattdessen etwas Anderes machen, zum Beispiel Monopoly, Fang den Hut oder Plätzchen backen. Das macht Hoffnung. Die acht Millionen Bohlen-Bejubler müssen aber unbedingt in unser Boot geholt werden, sonst gehen wir mit der Arche Noah des guten Geschmacks bald unter! Keiner wird es merken, weil die selbsternannten Nachrichtensender lieber was mit Hitler zeigen. Keiner wird es merken, weil die bunte Reklame zwischen Telenovela und Boulevardmagazin bei zwei Schnitten pro Sekunde unaufhaltsam in unser Gehirn rast und jedes Ansammeln von klugen Gedanken so wahrscheinlich macht wie einen telefonkostendeckenden Gewinn bei einem Call-In-Gewinnspiel. Und keiner wird merken, weil wir eben doch schon zu blöd geworden sind.

Kürzlich lag ich auf der schlabbrigen Wohnzimmercouch herum, ganz gediegen mit Jogginghose, Konzentration und einer Dokumentation in HD. „Mit dem Luxuszug durch Afrika“ grasten dort ein paar Vermögende die Sehenswürdigkeiten der dritten Welt ab. Ab und an fuhren sie an ein paar putzigen Negern vorbei, doch die dekadenten Luxusreisenden hatten für die hungrigen Schwarzmänner maximal ein bisschen Winkerei übrig. Es gab aber auch Wichtigeres zu beobachten, beispielsweise das größte durch den Mensch erschaffene Loch der Welt: die ehemalige Mine „The Big Hole“ in Südafrika. Das tiefe Loch wurde mit vielen „Ooohs!“, „Aaahs!“ und Digitalkamerablitzen versehen. Es darf jedoch vermutet werden, dass zwischen den Ohren mancher Fernsehzuschauer eine noch größere Lücke existiert.

Informationsroulette II

Hier ein paar aufgewärmte Informationshäppchen für den interessierten Leser.

1.) Am vergangenen Donnerstag war ich einer von fünf Autoren beim „Wort-Café Einwurf“ in der Mayerschen Buchhandlung der wunderunschönen Stadt Bochum. Es wurden elf Worte vom Publikum „eingeworfen“ (z.B. Rindenmulch, Fallschirm, Anonymität) und wir Schreibmenschen mussten daraus innerhalb von 45 Minuten einen Text backen. Zu meiner Freude und Überraschung erreichte ich mit meiner Geschichte „Ausgeknobelt und zweckverhobelt“ den zweiten Platz. Das heißt auf der einen Seite, dass mein Selbstbewusstsein einen kleinen Schub erhalten hat, außerdem erscheint meine Kurzgeschichte im Laufe der Weltgeschichte exklusiv in einem kleinen Büchlein der Buchhandlung. Näheres dann.

2.) Die nächsten Termine:
08.​03.​2011 – Düs­sel­dorf / Pret­ty Va­cant (Pret­ty Poe­try Slam)
09.​03.​2011 – Hamm / Hop­pe­gar­den (Poe­try Slam)
10.​03.​2011 – Du­is­burg / Stadt­teil­bi­blio­thek Ge­samt­schu­le Süd (Poe­try Slam)

3.) Ich habe jetzt die Vor-Abiturprüfungen hinter mir und werde hoffentlich wieder ein bisschen Zeit für unsagbar gute Kurzgeschichten und außergewöhnlich imposante Lesungen haben. Kann aber auch sein, dass weiterhin beides nur so mittelmäßig bleibt.

4.) Das war es eigentlich schon. Sollte es Fragen, Leseanfragen oder neue Viagra-Sortimente geben: zeno91[at]gmx.de.

Hass ist ein Gefühl, welches man in der Pubertät lernt, abzulegen

Ich hasse alkoholfreies Bier, ich hasse Fotos mit Überblendungen, ich hasse Knorpel, ich hasse Witze am Fließband, ich hasse Kopfstände, ich hasse getrocknete Knete, ich hasse das doppelte Verwenden von Adjektiven wie zum Beispiel in „der nordisch-frische Kabeljau“, ich hasse die Grenzen der deutschen Sprache, ich hasse CDs mit Bonus-Liedern, ich hasse Kaputzenpullover ohne Reißverschluss, ich hasse Tiefkühlgemüse, ich hasse Spitznamen, die auf Partys entstanden sind, bei denen ich nicht dabei gewesen bin, ich hasse Sachen teilen mit Arschlöchern, ich hasse manchmal Grenzkontrollen, ich hasse Gläser mit Stiel und ich hasse leere Feuerzeuge, ich hasse Städte, die mir nicht gefallen haben, zum Beispiel Chemnitz, Hannover oder Duisburg, ich hasse Pauschalhass, ich hasse zu kurze Ladekabel, ich hasse Nachfragen, ich hasse Telefonieren, generell hasse ich ständige Verfügbarkeit, ich hasse, ich hasse, ichhassehassehasse, ich hasse Wiederlungen, ich hasse das generelle Ablehnen von FDP, McDonald’s und BILD, obwohl ich auch die hasse, aber das hintergrundlose Daumenrunter ist polemischer als jede Rede von Guido Westerwelle – weiter im Text – ich hasse T-Shirts mit Sprüchen, ich hasse den glitzernden Streifen oben auf den Tickets der Deutschen Bahn, ich hasse Pupsen ohne Geruch, ich hasse die Frau von der Pommesbude gegenüber, ich hasse mehr als drei Alliterationen auf einmal: „Alte ägyptische Armbrust ausprobiert, astrein!“ Hasshasshass, ich hasse Verkleidungen, ich hasse Teppichklopfer, ich hasse Geschichten aus der guten, alten Zeit, ich hasse Liebesgedichte von verliebten Teenagern, ich hasse Selbstunterschätzung, ich hasse die Menschen, die sich in Bus und Bahn ungefragt neben mich setzen, ich hasse Mario Barth, ja, ich hasse Mario Barth so sehr, aber ich hasse alle, die diesem unbegründeten Hass zustimmen, ich hasse „Mein Haus, mein Auto, mein Pferd“, ich hasse Schnitzel ohne Zitronen, ich hasse Stottern als Stilmittel, ich hasse Aufzählungen (nicht), ich hasse Ölwechsel, ich hasse das Wiederaufnehmen einer halbfertigen Arbeit, ich hasse Weckergeräusche, ich hasse Privatinsolvenzen, ich hasse das A und O, H&M, Alpha und Omega ich hasse Luftholen, ich hasse Snickers, Mars und Twix mini, ich hasse Sortieren, ich hasse vollgewichste Taschentücher, ich hasse Klamottenkaufen, ich hasse Katastrophenalarm, ich hasse Ausreden, Hass überall, aus der Nummer komme ich nie wieder heraus, das hasse ich!

Oh, und ich liebe Hasstiraden.

Informationsroulette

Grüß Grüß. Für diejenigen, die am Uninteressanten interessiert sind, biete ich nun kostenfrei folgende Aufzählung an:

1.) Ich habe einen neuen Laptop. Das ist sehr schön für dich, werdet ihr nun denken und ja: stimmt.

2.) Kurzer Lesereise-Rückblick: im Gelsenkirchener Werkhaus konnte ich am 12.02. den dritten Platz feiern, knapp scheiterte ich am Finale. Gewonnen hingegen habe ich einen Tag später in Duisburg, im Hundertmeister, yuhu mit y. Gestern jedoch las ich in Dortmund und stellte erst vor Ort fest, dass der „Poetry Jam“ ohne Wettbewerb auskam und die Autoren einfach nur so aus Spaß an der Freude lesen sollten. Freude am Spaß gab es für mich jedoch nicht, denn in der eigentlich schönen Kneipe „Subrosa“ war es während des nichtvorhandenen Wettbewerbs derart laut, dass maximal die Hälfte der Gäste dem Lesenden zugehört hat. Extrem beschissen organisiert, die elf Autoren dabei nur Fließbandware, der nur ab und an mal gelauscht wird – vorzugsweise dann, wenn ein Text mit Lachern erwartet worden ist. Ein kleiner, sympathischer Kerl aus Kiel beispielsweise las ein tief persönliches, fast schon bedrückendes Gedicht über sein Leben und die Liebe vor und von meiner Warte aus konnte ich nach zwei Minuten vor lauter Geschubse, Gepupse und Gerede nichts mehr verstehen. Respekt vor dem Autoren sieht anders aus. Ich möchte hier nicht nachtreten, aber über ein Lokalverbot würde ich mich sehr freuen.

3.) Übersicht über die nächsten Termine:
25.​02.​2011 – Essen / Emo (Sla­mas­sel-Slam)
03.​03.​2011 – Bo­chum / May­er­sche Buch­hand­lung (Wort-​Café: „Ein­wurf“)
10.​03.​2011 – Du­is­burg / Stadt­teil­bi­blio­thek Ge­samt­schu­le Süd (Poe­try Slam)
(mehr Informationen zu den jeweiligen Terminen hier.)

Wobei besonders das Wort-Café interessant wird: dort bekommen wir Autoren vom Publikum elf Worte geschenkt, aus welchen wir in 45 Minuten einen Text kneten dürfen, während die Zuschauer mit Musik bespaßt werden.

4.) Ich habe in den letzten Tagen ein klitzegroßes Bisschen am Aussehen dieser Seite gedeichselt, was den Stammlesern natürlich vielleicht sofort aufgefallen sein könnte. Bin aber noch nicht endgültig zufrieden, daher bitte um Hilfe. Ich verrate nicht, worum es geht, daher hier nun ein Überraschungslink: Klick.

5.) Tschüss, tschüss.

Düdeldü und Entchen

Mit dem Linienbus auf zum alle drei Monate stattfindenden Jahrmarkt. Nein, Vierteljahrmarkt. Oder einfach Kirmes. Auch egal, ich wundere mich ohnehin alleine, denn mich begleitet niemand und gar keiner. Alleine losziehen ist clever, da wird man bei aufkeimendem Unfug nicht durch Ablehnereien oder Dummheiten gestört. Man ist Chef und nicht bloß Teilchef. Diktator des eigenen Willens. Außerdem gibt man als Einzelperson nur halb so viel Geld aus. Aber mehr als doppelt so viel, als wenn man gar nicht unterwegs ist. Unsinn Mathematik, unfaires Zahlengeschwurbel für Verquerdenker. Eins plus eins gleich zwei, aber die Hälfte von eins ist manchmal null. Und die nächste Ungerechtigkeit des Lebens lässt nicht lange auf sich warten: noch bevor ich die richtige Haltestelle erreiche, kotzt mir mein jugendliches Gegenüber vor die Füße. Er hatte Ravioli zu Mittag. Es gibt Dinge, die möchte man nicht riechen, sehen und auf seinen Schuhen wissen. Ich wünsche ihm Syphilis an sein Geschlechtsteil, reiche ihm beim Aussteigen noch hilfsbereit ein Taschentuch. Weg mit der Sauerei! Meine Plateaustiefel säubere ich im feuchten Gras. Ein Abend, der so beginnt, wird reich an Erzählbarem und Erlebnissen sein. Hinein ins Getümmel, hinein in die bunte, glitzernde Welt. Hollywood für die Kleinstadt, Disneyland für Arme.

Fahrgeschäfte, die sich immerzu im Kreis drehen. Abzweige Fehlanzeige. Beeindruckender kann man unser Leben nicht darstellen. Und ab und an ein Typ, der buntes Plastik einsammelt. Nichts tut man ungestört, Bürokratie lauert selbst in der Aussichtslosigkeit. Verdammt, ich verfalle in depressive Melancholie. Erwerbe mir ein Bier, aber nur eins, denn lediglich ein einzelnes alkoholisches Getränk hebt die Stimmung. Mehrere machen die Birne grau und Matsch. Das kleine Einmaleins des Alkohols. Leichter und sympathischer als die Mathematik aus den Büchern. Welch kluger Gedanke. Vom Glück gepackt versuche ich mich beim Entchenangeln, Hauptgewinn ist ein Schwamm aus Plüsch. Der blödsinnige Kinderfernsehenkommerz verschont eben keine Ecke der Welt. Ich will das Teil unbedingt haben. Drei Euro. Dreimal Anglerglück? Drei, angeblich Zahl aller Dinge. Ich erangle vierzig Punkte, immerhin doppelt so viele wie mein Nachbar im Grundschulalter. Der moppelige Fratz schaut ein wenig neidisch zu mir hinauf. Zu mir, dem König der Plastikenten. Mein Preis: ein Lineal, ein Lutschbonbon und eben dieses traurige Kindergesicht. Sadismus, wie gern ich dir fröne! Das Karamellbonbon schmeckt unsagbar gut, das Kind bettelt bei seiner Mutti verzweifelt um einen zweiten Angelversuch. Alleine zur Kirmes ist eben besser, sag ich doch.

Ich schlendere weiter. Drei Jugendliche verteilen einander Backpfeifen, aus diesem Alter bin ich heraus. Bleibe aber ein bisschen stehen, schaue mampfend zu. Lecker, Crêpes mit Nutella. Wie erwartet verliert der Typ mit Brille. Tja, Brillenträger haben es halt schwer im Nahkampf. Brille von der Nase boxen, dann ist der ungleiche Kampf bereits entschieden. Mit dem Nasenfahrrad kann man eben nicht wegfahren. Worum es im Duell ging, bleibt mir verborgen, aber die Szenerie löst sich erstaunlich schnell auf. Auf dem Boden klebt eine Blutspur, ich messe nach, sieben Zentimeter. Sah nach mehr aus. Unweigerlich muss ich an meine letzte Freundin denken, auch dort erlebte ich eine Enttäuschung beim Nachmessen. Denn, als sie ihren Schrank in unsere gemeinsame Wohnung integrieren wollte, war dieser neun Zentimeter zu breit. Ganz und gar nicht groß ist jedoch der Keyboardmusiker, welcher vor ein paar Rentnern deutsche Schlager „spielt“. Er tappst mit seinen Fingern unkoordiniert auf der Tastatur herum, vollkommen gelöst von Melodie, Rhythmus und Noten. Man kann es sehen, wenn man am Bühnenrand steht. Die Töne kommen vom Band. Was für eine arme Wurst. Betrugsmusiker bei der Arbeit. Live sind nur Gesang und Merchandisingstand. Seine CDs gehen weg wie geschnittenes Brot.

Ich marschiere zum Stand, zielgerichtet wie ein Soldat. Auf in den Krieg, auf in den Kunstkrieg. Ich erfahre, dass hier seine Mutter und seine Freundin die Tonträger an den dummen Mann bringen. Ob ich auch eine CD erwerben möchte? Iwo! Lieber fresse ich noch sieben Nutella-Crêpes oder angle viertausend Plastikenten, bevor ich Geld in die beschissene Kackfickarschlochhurensohnmusik dieses Triebtäters verschwende. Ich bin Musikfundamentalist. Entweder, man kann es oder man lässt es. Ich suche nach etwas zum Werfen, entdecke in der rechten Tasche meines Trechcoats das Lineal vom Entchenangeln. Schmeiße es konzentriert Richtung Berufsbetrüger, treffe ihn am Kopf, doch der Kerl ist Profi. Routiniert singt er sein einfallsloses Programm herunter. Diese Party bleibt von mir ungestört. Trotzdem packt mich ein Glatzkopf mit Schulterpolstern am Arm, sein Gesichtsausdruck bittet mich höflich darum, nun zu gehen. Pff, wollte ich eh. Scheiß aufs Riesenrad. Geisterbahn? Drauf geschissen. Das hier war gruselig genug. Lerne bitte die Tonleiter, du armseliger, nur finanziell reicher Thünnes.

(Hinweis: Ich sah besagten Unterhaltungsmusiker letztes Jahr auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt und dass er dort auf Playback zurückgriff, ist eine Tatsache. Kann ihn nicht leiden. Beworfen habe ich ihn damals aber nicht. Dennoch sei ihm dieser Text gewidmet.)

Feirerei ist zu zweit doppelt so gut

(kauft euch alle Bücher von Hugleikur Dagsson, wenn ihr meine Freunde sein wollt.)

Neuigkeitenabquetschgrat

1.) Vorgestern waren diese Seiten für geschätzte zwei Stunden nicht zu erreichen. Ich kann da gar nix dafür und sage trotzdem entspannt Verzeihung.

2.) Das Archiv habe ich wegen fehlenden Interesses entfernt. Wenn ich mir die Besucherzahlen dieser Seiten so ansehe, könnte ich mit der gleichen Begründung auch gleich den ganzen Blog schließen, aber nö. Ein ehrliches Danke an die geschätzten zwölf Stammleser!

3.) Hier die nächsten Termine für Zuhörerei:

04.​02.​2011 – Gre­ven­broich / Kul­tus das Cafe (Wort laut-​Slam)
06.​02.​2011 – Neuss / Haus der Ju­gend (Make Some Neuss-​Slam)
23.​03.​2011 – Köln / Die Wohn­ge­mein­schaft (Die ui.-Show / Le­sung)

Weiteres Gutes ist geplant, aber dazu in einigen Tagenwochenmonaten mehr.
Die letzten beiden Slams waren recht erfolgreich mit einem zweiten und einem vierten Platz. Zufrieden bin ich mit meinen Texten derzeit dennoch nicht, daher:

4.) Bitte ich um Wortwünsche. Welches hübsche, unbekümmerte Wörtchen sollte in eine meiner nächsten Kurzgeschichten eingepflanzt werden? Prima Vorschläge bitte per Mail an mich oder unter diesen Text in die dafür vorhergesehene Kommentarkiste. Untolle Worte werden ignoriert.

5.) Bis später!

Einige mitteilungsgeile Informationen

Tärä, viel Spaß mit folgender Informationsflut:

1.) Seit etwa genau heute kann man unter der nicht sehr gut versteckten Sparte „Gemachtes“ schauen, was ich in den letzten Jahren so verbrezelt habe. Ich erlaube hiermit der Presse, diese Informationen in ihre Arbeiten aufzunehmen. Auch ein Wikipedia-Eintrag kann meinetwegen damit erstellt werden. Und ja, das mit den eingeschickten Witzen an „Micky Maus“ und „Yps“ ist leider wahr.

2.) Und seit ein paar Tagen arbeite ich als Autorenhure für „textbroker.de“. Dort schreibe ich sehr, sehr gute Texte für irgendwelche Kunden, bekomme da ein paar Euros für und vom dadurch entstandenen Überangebot an Geld kann ich mir ganz viele Qualitätszigaretten kaufen. Also, sollte sich ein Leser nicht um meine Gesundheit scheren, so kann er mich kontaktieren, dann teile ich ihm die Kontaktdaten für Textbroker mit.

3.) Die nächsten Vorlesetermine:
19.​01.​2011 – Kre­feld / Molt­ke-​Gym­na­si­um-​Kul­tur­abend (Le­sung)
21.​01.​2011 – Düs­sel­dorf / Zakk (Zwi­schen­ruf-​U20-​Slam)
04.​02.​2011 – Gre­ven­broich / Kul­tus das Cafe (Wort laut-​Slam)

(Zuletzt sind zwei Termine ausgefallen, aber da kann ich weniger für als beispielsweise „Gott“. Ich bitte um Verzeihung.)

4.) Viertens. Tschökes!

Exklusive Vorschau: so wird 2011!

(ich weiß, den Scherz gab es an dieser Stelle auch schon 2009 und 2010 zu beschmunzeln, aber sei es drum. Danke an alle Leser für das Lesen meiner Texte! Weiter so! Applaus!)

Kinderzimmerdekoration

(Schnipsel aus: Prinz, Cicero, Spiegel [v.o.])

24.12.

(kauft euch alle Bücher von Hugleikur Dagsson, danke. Und Frohes Fest!)

Wie einfallslos: ein Text übers Rauchen

Fast immer in der Weltgeschichte ist es doch so: irgendjemand kommt und macht einem die Freude an Freudebringendem kaputt. Da waren zum Beispiel die Ägypter, die Spaß an Sklaverei und Diebstahl hatten. Padautz, schon kam der alte Mose, teilte irgendein Gewässer und dann waren Leibeigene verboten. Rückblickend vielleicht nicht so verkehrt, aber als Ägypter hätte ich mich ganz schön veräppelt gefühlt. Kein Wunder, dass die Nilmenschen anschließend alle bescheuert geworden sind. Stichwort Einbalsamierungen und Pyramiden. So ein Unfug. Aber komme ich nun endlich zum Thema, zum Rauchen.

Um den Rauchern die Freude am Rauchen zu nehmen, bedurfte es ebenfalls eines Bärtigen: Jean-Pierre Filou. Herr Filou trug nicht nur Bart und einen schönen Nachnamen spazieren, nein, sonst wäre er auch sicher nicht berühmt geworden. Ruhm erlangte besagter französischer Gesundheitspräsident Mitte der 60er-Jahre mit der These, dass jeder Mensch sterben würde, sobald er eine bestimmte Anzahl an Zigaretten rauchte. Da flog den Lebenden natürlich der Hut hoch, ihre Münder formten ein fürchtendes „O“ und die manchmal nicht mal halb aufgerauchten Zigaretten fielen vor Schreck auf den Boden. Die Angst wuchs durch die Ungewissheit: Monsieur Filou nannte keine genaue Zahl. Nach wie vielen Kippen gehe ich denn nun drauf? lautete damals die Frage ohne Antwort. Ich weiß von Hausfrauen, die begannen, Strichlisten über ihr Quarzverhalten zu führen. Quatschidee. Zählen ab der ersten Fluppe wäre richtig gewesen. Rückwirkend zählen ist unmöglich. Ich wüsste gerne, wie viele Kippen ich seit meiner ersten Packung Marlboro weggequalmt habe. Aber nur, weil die Zahl sicher erschreckend hoch wäre. Ich lasse mich immer gerne von Zahlen schocken, lieber als von Lebensverkürzungstheorien oder anderem philosophischen Tinnef. Wie gruselig ist z.B. 9348! Oder 128! Oder 1933! Und 9999 erst! Hilfe!

Jeder Raucher weiß, dass der Moment, in dem man die stinkende Ungesundheit in seinen Körper flattern lässt, ein sehr schöner ist. Dieser Moment, wenn das Nikotin in den eigenen Körper eindringt, es ist wie eine Spritze des Glücks. Also kann ich mir die Sechzigerjahremenschen nicht erklären. Feuerzeug und Gauloises oder L&M oder Lucky Strike oder Malboro oder eine Selbstgedrehte aus der Hosentasche gefummelt, Kippe anzünden, sich zwei Züge genehmigen, froh sein. Und dann? Bimmelbimmel, dann kommt der Leichenwagen. Ein Tod durch Zigaretten garantiert demnach den glücklichen Tod, denn vor dem Bimmelbimmel kam ja das Frohsein! Hey, Sechzigerjahremenschen, wiegeilistdasdenn, glücklich sterben? Auf zur endlosen Fahrt ins Grinseland. Unfreiwillige Passivraucher sterben hingegen unfroh und ohne bimmelbimmel. Selbst schuld. Rauchen ist eben auch posthum total geil. Und ich könnte trotzdem jederzeit ohne. Ja. So ist das. Selbstverständlich. Dazu folgender Schwank: Mark Twain hat zwar Tom Sawyer verbrochen, aber als Entschuldigung hat er die feine Weisheit erfunden, dass mit dem Rauchen aufhören einfach sei, er habe es schließlich schon hundertmal geschafft. Solche Sprüchlein finden wir Raucher fast so töfte wie das Rauchen an sich. Sie legitimieren unsere Sucht. Ein bisschen. Wir lachen hustend über sowas. Bescheuert. Eigentlich sind wir fast schon eine Sekte. Ob Tom Cruise raucht? Oder ob Jesus geraucht hat? Hätte es damals Zigarettenautomaten gegeben, wäre er Stammkunde gewesen. Ganz sicher. Johannes Heesters hat neulich dem Rauchen aufgehört, habe ich gelesen. Herzlichen Glückwunsch. Idiot. Ich glaube, er hatte fast herausgefunden, von welcher Anzahl Zigaretten der witzige Franzose Filou damals gesprochen hatte.

Dann rauche ich eben weiter. Im Sinne der Wissenschaft. Prost!, oder wie wir Raucher sagen: Hust, hust!

Auf eine Kippe mit Koppruch

Das sehr, sehr gute Hamburger Label „Grand Hotel van Cleef“ bat zum alljährlichen „Fest van Cleef“ (Rückblick: 2009) und weil ich mich eingeladen gefühlt habe, war ich letzten Sonntag im Bielefelder Ringlokschuppen körperlich und geistig zugegen. Und Heissa, es war ein Fest! Es gab Glühwein, Bratwurst und Heizpilze, aber nur im Draußenbereich für Raucher und Frischluftfetischisten, die eigentliche Veranstaltung fand in einer Halle statt. Mit acht Bands auf zwei Bühnen, so dass man immer hin und her wandern musste. Wie ein richtiges Festival fühlte es sich also immerhin bedingt an, aber das Wichtigste an solchen Veranstaltungen (Ausnahmen: Wacken, Rock im Park, Rock am Ring, etc.) ist ja ohnehin die Musik. Und die war prima. Ein kleiner Eintrag ins Konzerttagebuch.

Ich arbeite mal chronologisch den Ablaufplan ab: Beat!Beat!Beat! sah ich bereits zum dritten Mal und irgendwie werde ich mit dieser Band nicht warm. Ja, nette Musik machen sie ja bestimmt, aber meine ehemalige Sitznachbarin aus dem Chemieunterricht ist auch nett und dennoch weiß ich ihren Nachnamen nicht mehr. Immerhin konnte man die durch das langweilige erste Konzert gewonnene Zeit in Alkohol- und Fanartikelkonsum investieren. Danach: wandern zur Bühne zwei, wo Tim Neuhaus auf der Bühne herumsoundcheckte. Ich setzte mich mit meiner mich begleitenden Freundin an den Bühnenrand, da spazierten Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen an uns vorbei – Gisbert hielt inne und erinnerte sich: „Ihr wart doch auch in Oberhausen, oder?“ Ja, waren wir – und tags zuvor auch in Münster. Wir verabschiedeten uns wahrheitsgemäß mit „Und nächsten Freitag sehen wir dich schon wieder, in Hamburg!“. Scheiß Groupies sind wir. Aber eigentlich wollte ich was zu Tim Neuhaus sagen, kann ich aber nicht, da mir von seinem Programm nichts im Ohr geblieben ist. War so ein Songwriter-Geschwurbel mit Drummer. War vielleicht gut. Vielleicht aber auch nur so naja. Und bestimmt was fürs Radio. Also weiter zu den mir vorab völlig unbekannten Young Rebel Set. Britische Hut-, Bart- und Unterhemdenträger, also sehr sympathisch. Musikalisch irgendwo zwischen The Pogues, Mumford & Sons und den Fleet Foxes. Aber beim ersten Hören leider auch nur nett.

Grand Hotel/Fest van Cleef in BielefeldDanach begann für mich der Festivaltag. Nils Koppruch war schließlich nicht nur zum Spazierengehen nach Bielefeld gekommen. Irgendjemand hat mal geschrieben, dass er der deutsche Tom Waits sei. Aber das ist eine noch größere Lüge, als wenn ich sagen würde, dass Birnen und Äpfel fast das Gleiche wären. Ein ziemlicher Schrat ist Koppruch (siehe Bild) dennoch, denn er nennt außergewöhnlich unschöne Cowboystiefel und einen Dreißigtagebart sein eigen. Sein aktuelles Album „Caruso“ ist einer der besten Tonträger des Jahres, übrigens. Auch auf der Bielefelder Bühne funktionierten seine Stücke, getragen nur von Gitarre (wahlweise: Banjo), Bass und Koppruchs markanter Stimme, ziemlich gut. Er sang von Liebe, Zweifeln und (gemeinsam mit zu Knyphausen) der Aussicht. Ja, das war sehr gut. Und wenn wir schon bei „sehr gut“ und Gisbert sind: Gisbert zu Knyphausen ist sowieso der unangefochtene Spitzenreiter in den Liedermachercharts. Auch wenn er seinen Vorsprung bei seinem sonntäglichen Akustikgitarrenauftritt nicht ausbauen konnte, da er ohne Band eben deutlich an Wucht und Gänsehautmomenten verliert. Egal, Freitag in Hamburg sind die Herren Bandkollegen ja wieder dabei.

Es folgten Bierstandvisitationen und verspätetes Eintreffen beim Auftritt des australischen Indie-Rock-Duos An Horse. Ein Drummer und eine Gitarristin. Ich weiß zu wenig über die Band, um an dieser Stelle nicht (wie alle anderen auch) „The White Stripes!“ zu rufen, Verzeihung. Scheint aber gute Musik zu sein. Schön auch, dass während des Auftritts Nils Koppruch aus Gründen zu mir kam und mir nach einem kleinen Plausch eine Zigarette anbot. Jetzt ist er endgültig mein Lieblingsschrat. Zu An Horse vermag ich hingegen leider nichts mehr zu berichten, daher schnell weiter zum heimlichen Headliner Thees Uhlmann, der begleitet von befreundeten Musikern zunächst zwei Tomte-Klassiker („Das hier ist Fußball“, „Die Schönheit der Chance“) und anschließend Titel von seinem im nächsten Jahr erscheinenden Soloalbum spielte. Es bleibt dabei: Uhlmann, Gründungspapa vom Grand Hotel van Cleef und seit Jahren schon der alberne Weise der deutschen Popkultur, ist ein echt prima Kerl. Und ich möchte prognostizieren, dass sein Soloalbum ein echtes Feuerwerk wird.

Grand Hotel/Fest van Cleef in BielefeldDie Kritiker werden zwar schreiben, dass sich die Songstrukturen zu sehr ähneln und dass er immer noch ein wenig nuschelt, aber diesen Leuten möchte ich jetzt schon sagen: Fresse. Bei Uhlmann selbst muss ich mich allerdings auch beschweren, denn mir an einem Abend dermaßen viele Ohrwürmer ins Hirn schießen, ohne dass ich zu Hause auf Tonträgeraufnahmen zurückgreifen kann und auf YouTube-Mitschnitte angewiesen bin – fies und gemein. Trotzdem ist Uhlmann einer der Besten unter all den Guten, allein schon wegen Songtiteln wie „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“. Am Epochialsten ist allerdings der zwei Sätze zuvor verlinkte Song namens „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ (wer genau hinhört, bemerkt zum Ende des Liedes zwei Textzeilenverwechsler des mitsingenden Gitarristen): „Und wie häufig schlägt dein Herz? Wie häufig siehst du himmelwärts? Und wie häufig stehst du auf und freust du dich darauf? Und Jay-Z singt uns ein Lied“ singt Thees und wenn das Lied nach drei Minuten so tut, als wäre es vorbei, hauen einem die Gitarren noch einmal mächtig in die Fresse und föhnen einem die Gänsehaut auf die Arme. Sapperlot! Groß. So viel Applaus spendete ich selten.

Ganz wenig Klatscherei bekamen zum Abschluss des Tages Kettcar spendiert, allerdings nur deswegen, weil letzte Züge am Bahnhof erreicht werden wollten. Mit dem ungewöhnlicherweise nicht zum Konzertende, sondern schon nach vier Songs gespielten „Balu“ in den Ohren verließen wir frohen Mutes den Ringlokschuppen und begaben uns in die ostwestfälische Kälte. Feste soll man feiern, wie sie fallen – sagt der Volksmund. Aus diesem Sprüchlein ließe sich sicher ein lustiges Fazit für das Fest van Cleef 2010 basteln, aber schlechte Wortspiele hebe ich mir lieber für die nächste Kurzgeschichte auf. Stattdessen möchte ich diesen kleinen Bericht schließen mit: bis nächstes Jahr, Grand Hotel van Cleef-Menschen!

(Danke an Annika! Auch für die Bilder.)

Irgendwas mit Vorweihnachtsstimmung

Feiermorgen! Feiernachmittag! Feierabend! Oder, bündig in ein einziges Wort zusammengepackt: Feiertag. Ich knuspere am Kaffeebeilagenkeks, reinige meine Nasennebenhöhlen in der Serviette und wärme meine Hände an der zweiten Kerze. Das Radio knartzt, es erklingt Weihnachtsmusik aus der Vorkriegszeit. Weihnachten ist nicht so gemütlich, wie es mir die Reklame immer vorgespielt hatte. Man reicht mir Kirschkuchen. Kirschen assoziiere ich mit Sommer. Irgendjemand macht hier irgendetwas falsch. Am Ende des Feiertages sind wir doch ohnehin wieder allein; allein mit uns, allein mit unserem Schnupfen, einsam mit unseren Problemen – heile Welt gleich verlogene Welt. Ich habe noch dieses Foto der Soldaten im Kopf. Dieses Zweiteweltkriegsbild, wo an Weihnachten Freund und Feind das Kriegsbeil im Schnee versteckt hatten, um gemeinsam am 24.12. den heiligen Tag zu zelebrieren. Und wie endete die Geschichte? Totgeballert haben sie sich trotzdem. Verlogen, sagte ich doch bereits. Oma stellt still Schlagsahne auf den Tisch, Onkel zögert, greift dann aber doch zu. Seine Worte passen nicht zu seinem Gesicht: Mhh, lecker, Sahne. Opa pupst, lässt diesen Vorfall aber wie immer unkommentiert. Morgen schon werden sie ihre Mäuler wieder aufreißen: Junge, geh früher ins Bett! Junge, hör auf zu rauchen! Junge, und wie du wieder aussiehst! Ich weiß, unliebe Verwandte. Ich weiß. Aber wundert euch nicht, wenn ihr unter dem Tannenbaum wieder nur Champagne-Trüffel-Pralinen von mir vorfindet.

Die Feiertagsgesellschaft schweigt sich weiter fleißig an. Anwesenheit ist die Pflicht, Verschweigen die Kür. Der dumpfe Radioton bestimmt einsam die Szenerie. Tralala, Friedefreude, Kirschenkuchen. Meine einzige Freude ist ein langer, unfreundlicher Furz, den ich bewusst nicht zurückhalte, um die Reaktionen zu testen. Tante reagiert am Schnellsten: Junge, sowas gehört sich aber zu Tisch nicht! Aber aufgezwungene Besinnlichkeit hat keinen anderen Kommentar meinerseits verdient. Und ab heute bekommt der Weihnachtsmann Gesellschaft im Club der Dinge, an die ich nicht mehr glaube. Kein Grund zum Feiern.

Nur Geschichten dürfen ungestraft eingebildet sein

Ich saß am Tresen in einem Café, ich trank konzerterwartungsfroh ein viel zu kaltes Bier. Ein alter Mann setzte sich neben mich und ich bemerkte schnell, dass er durchaus klüger war als ich, denn er bestellte einen Glühwein. Ich roch ihm an, dass er Raucher war und bot ihm eine Selbstgedrehte an. Er wehrte sich nicht, wollte aber von mir wissen, was ich als junger Bub denn auf einem Konstantin Wecker-Konzert wolle. Bier und Musik, sagte ich. Der alte Herr lachte, stimmte mir zu und pustete zwecks Getränkabkühlung in seine Glühweintasse. „Na, dann viel Spaß bei meinem Konzert!“, sagte er mit einer lustigen Altemenschenstimme. Diese schöne und unernste Tonlage, die junge Menschen nicht hinbekommen, weil es ihnen noch an Erfahrung und Koks fehlt. Ich jedoch fühlte mich ein bisschen schlecht, weil ich Herrn Wecker nicht erkannt hatte, aber er war es, ja, er war es, denn drüben hing ein Plakat mit ihm drauf und ja, doch, er war es wirklich. Konstantin Wecker rettete die Situation höchstpersönlich: „Nicht schlimm, Bub, Günther Jauch hat mich neulich auch nicht erkannt.“ Ich, wieder ganz der Alte, witzelte zurück: „Der ist ja auch ein Kapitalist, der hat mit Ihnen doch auch nichts am Hut!“, Herr Wecker und ich lachten und rauchten und tranken, auch der Glühwein hatte inzwischen wohl eine trinkfreundliche Temperatur.

Nach ausführlichen Gesprächen über unsere sehr unterschiedlichen Leben reichte mir der Grand Senijöhr des Liedermaching seine linke Hand, er schenkte mir das „du“ und so ein „du“, das lässt sich gut behalten, dachte ich. Ich nahm es später mit nach Hause. Zuvor sah ich meinem neuen Freund Konstantin dann noch ein bisschen beim Musikmachen zu und ich stelle mir vor, dass er mir sogar einmal kurz zuzwinkerte. Und leider, leider war dieser Satz der einzig Wahre in dieser Geschichte. Ich füge noch einen weiteren hinzu: es gab nicht einmal Glühwein dort.

Verwandlung

Du? Opa? Wann hast du zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen? Ihr sagtet früher ja Neger. Hattest du damals den Mund offen? Hast du ungläubig gestaunt? Wolltest du, dass er lieber weiß wäre? Bei deinem Nachmittagskaffee ist das Färben einfacher, ich weiß. Milch hinein, Kaffee rein. Vielleicht noch Zucker hinzu? Dann das Löffelchen hinzu, fein umrühren!, los Opa, du bist doch geübt! Aber verzeih mir, gewiss bist du kein Altnazi. Du bist nur alt. Kommt es zur Debatte über den demographischen Wandel, so schweigst du nur weise und alternd in dich hinein. Wandel gehen dich nichts mehr an. Schließlich hast du bereits viele mit- und überlebt. Kaffee ist immer Kaffee geblieben. Auch Meinungen hast du viele gehabt, geäußert und, falls nötig, geändert. Diesen Stress tust du dir schon lange nicht mehr an. Irgendwann ist auch mal gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es trotzdem irgendwann wieder anders, oder: vorbei. Am letzten Wandel kommst du eben leider nicht vorbei. Milch hingegen wird es immer geben. Ob das ein Trost ist? Aber nun erzähl doch mal, Opa: wann hast du zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen?

Kopfschmerz beginnt im Herzen

An diesem Tag, an dem ich der Straßenlaterne beim Angeknipstwerden zusehen konnte, fragte mich meine Begleitung, ob es witzig sei, wenn man eine Fantasorte „Fanta Morgana“ nennen würde. Nein, sagte ich. Schade, sagte sie. Und fügte hinzu, dass mein Humor generell ein sehr eigenartiger sei. Ob sie sich selbst für eigenartig hielte, fragte ich sie. Nein, antwortete sie. Noch viel schader, sagte ich. „Schade“ lässt sich nicht steigern, sagte sie. Weil du solche Anmerkungen verteilst und zudem über das Falsche lachst, gehe ich selten mit dir spazieren, sagte ich. Ich gehe ungern spazieren, sagte sie. Siehst du, sagte ich. Und wusste: der Weg zum Zigarettenautomaten wird in Zukunft einsamer. Nein, ich hatte nicht sie verloren, sondern sie mich, redete ich mir stolz ein. Es kann nicht jeder permanent begeistert von mir sein, weiß ich heute. Denn gerade den eigenen Geist soll man möglichst lückenlos durchleuchten, bevor er vor lauter Flausen unsichtbar und ätzend geworden ist. Selbstwusstsein ist nämlich oft ein freches Gut. Man muss doch auch zittern dürfen, wenn man mal bewusst lügt oder sich unwohl ist beim Wechselgeldzählen.

Wer sich selbst vertraut, der kennt sich selbst zu gut oder wenig oder schon viel zu lange. Für diese Erkenntnis brauchte ich Jahre, genauer gesagt die zähen Jahre der Pubertät. In dieser Zeit trifft man den Alkohol, die Abkehr von einst heiligen Kuscheltieren und dennoch, hoffentlich, die Liebe. Am besten sogar die Liebe zu sich selbst, weil man selbst immer das größte Arschloch bleibt. Weil man sich nicht meldet. Weil man Pfandflaschen wegwirft. Weil man versucht, mit fremden Federn zu fliegen. Ich aber will fortan spontan sein und dennoch zielgerichtet. Das freundliche Wort gepaart mit dem Gedanken ist das Ziel. Der Gedanke an das Gemütliche, an die Zuverlässigkeit der Straßenlaternen und an die Gelassenheit. Pinkelt dir mal einer vor die Haustür, so mach den Gartenschlauch an, nicht den Pinkler. Er wollte dir nichts Böses. Er wollte nur er selbst sein. Er hatte wohl einfach nicht genug Selbstbewusstsein. Oder zu viel? Mache Dinge, die sind so verquer. Aber „Fanta Morgana“ ist mir heute durchaus einen Schmunzler wert. Es tut mir leid, Zigarettenmädchen.

Für Annika

(Quelle: 11Freunde #109, Seite 73)

Ein gekauftes Interview mit Onkel Fisch über ihr Buch „Bewusstlos zum Glück“

Onkel Fisch - InterviewSchon wieder ein Interview mit Onkel Fisch! Heute aber exklusiv mit Grund: meine besten Freunde Markus und Adrian haben ein Buch geschrieben. Ihr Universallebensratgeber „Bewusstlos zum Glück“ soll von euch allen gekauft und geliebt werden! Es ist sehr hilfreich. Seit der Lektüre hat sich mein Leben deutlich verbessert, so ist beispielsweise mein Bücherregal nun weitaus imposanter und um ein sehr, sehr gutes Buch reicher. Und das sage ich nicht, weil Adrian und Markus meine besten Freunde sind. Nein. Das sage ich, obwohl sie es sind. Lest also nun das unfassbar gute Interview und erfahrt, warum ihr „Bewusstlos ins Glück“ unbedingt braucht – und warum meine Freunde Adrian und Markus mich siezen.

ONKeL fISCH: Zuerst ein paar praktische Fragen, die uns zeigen sollen, ob Sie unser Buch „Bewusstlos zum Glück“ überhaupt gelesen haben. Frage: Was sind für Sie die größten Vorteile von Eastern Creeping gegenüber herkömmlichen Nordic Walking?

HerrSalami.de: Hallo Freunde! Ja, natürlich habe ich euer Buch gelesen, ihr habt es mir schließlich geschenkt. Ich las es im Zug und ich vermute, dass der Herr, der ab Bochum neben mir saß, nur wegen des Mitlesegenusses freiwillig drei Haltestellen weiter gefahren ist, als er eigentlich nötig hatte. Er wollte unbedingt mitlesen! Die Kraft eures Buches spüren! Vom Kuchen des endgültigen Glücklichseins mitessen! Ein wenig frech und schade für euch, da er dafür keinen Cent bezahlt hat, aber ich zwinkerte ihm beim gemeinsamen Ausstieg in Hamm (Westf) die Bitte zu, das Buch käuflich zu erwerben. Auch, damit er das von euch angesprochene Kapitel „Eastern Creeping – Power-Kriechout für Jung und Alt“ lesen kann. Dort werden die größten Vorteile von Eastern Creeping gegenüber herkömmlichen Nordic Walking erklärt. Von Seite 82 bis 93. Die Seitenzahlen wusste ich auswendig. Und der größte Vorteil von Eastern Creeping gegenüber herkömmlichen Nordic Walking ist natürlich, dass es nicht in Witzen von Mario Barth auftaucht. Aber, Freunde, was ich mir beim Lesen des Kapitels „Kräuterkerzen – Heilung von Hinten“ gefragt habe: welche Volksgruppe hat eigentlich Probleme bei der Vorstellung, sich eine brennende Kräuterkerze in den Hintern zu propfen?

Wir Europäer haben Probleme bei der Vorstellung, uns eine brennende Kräuterkerze in den Hintern zu propfen.

Achso.

Aber Mönche aus dem Mittelalter hätten auch Probleme mit der Vorstellung gehabt, warum Menschen sich RTL2 angucken. Was bevorzugen Sie?

Ich persönlich bevorzuge natürlich Kräuterkerzen. Sicher, auch RTL II ist für den Arsch, aber wie man eurem Buch („Bewusstlos ins Glück“, hier kaufen) entnehmen kann, sind Kräuterkerzen im After deutlich gesünder als „Frauentausch“ und die „RTL II News“. Außerdem wird sich Mönch Quintus von Ulm (1067-1233) etwas dabei gedacht haben, als er damals vor der schweren Entscheidung stand: erfinde ich nun Kräuterkerzen oder RTL II? Dass er sich für Ersteres entschieden hat, spricht doch für sich! Und für Kräuterkerzen! Ich selbst bin nun ein großer Freund von Petersilienkerzen im Po geworden; just in diesem Moment, beim Beantworten eurer Fragen, brennt eine solche Kerze in meinem Hintern. Fühle mich merkbar besser, aber habe ein wenig Angst vor dem nächsten Stuhlgang.

Das Schrankorakel – Niemanden in eine Schublade stecken. Ein Blick in den Schrank genügt und der Patient liegt wie ausgezogen vor uns. Führen Sie bitte ein Selbstanalyse anhand ihres Jugendzimmerschrankes durch.

Gern.

Wir sehen hier meinen Jugendzimmerschrank – ein Wandschrank. Was hat dieser Umstand zu bedeuten? Möchte ich mit dem Kopf durch die Wand? Mit der dort hängenden Lederjacke zu Punkkonzerten? Oder einfach nur fort? Wahrscheinlich. Dafür sprechen mehrere Dinge: wir sehen beispielsweise am linken Bildrand zwei Schallplatten (The Kinks – Give the People What They Want / Ideal – Der Ernst des Lebens) und auf beiden Covern rennt irgendjemand irgendwovor weg. Die Zeitungsschnipsel rechts daneben sind auch eindeutig: die Beatles schwimmen weg und Menschen sitzen auf einer Mauer. Darunter steht: „Bloß weg hier!“. Und rechts oben auch noch ein wütender, schwarzer Schlumpf (nicht zu verwechseln mit dem schwarzen Hutträger über den Beatles oder den schwarzen Muskelmenschen ganz unten)! Aber alles wird gut. Denn es stehen bereits 2 (zwei! 5-3!) Schuhe bereit, zum Fortlaufen benutzt zu werden. Und auch die beste Lektüre fürs Glücklichwerden steht zufällig im Wandschrank herum: „Bewusstlos zum Glück„!

Was halten Sie, als Internet-Bloger, von unserem Diättipp: Einfach mal das Essen weglassen und Elektrosmog positiv nutzen?

Viel, vielleicht sogar mehr! Denn wir ihr in eurem Buch („Bewusstlos zum Glück“) feststellt, ist Elektrosmog überall, kostenlos und echt lecker. Und Ernährung auf Elektrosmogbasis spart auch verdammt viel Zeit, verbrachte ich mit dem vorherigen Essen von handelsüblichen Nahrungsmitteln (Pizza Tonno, Waldmeisterpudding, Spätzle) doch rund ein Drittel des Tages! Sodass nur rund drei Viertel des Tages für Geschlechtsverkehr, lesen („Bewusstlos zum Glück“) und schlafen blieben! Aber nun habe ich Spannung in mein Leben gebracht. Wer hätte gedacht, dass Batterien so schmackhaft sind? Ich nicht! Und Elektrosmog ist echt töfte! Wenn nur der Hunger nicht wäre…

Herr Salami, Sie scheinen ein kulinarisch geprägter Mensch zu sein. In letzter Zeit sind viele vergessene Gemüse wie Pastinaken oder Bärlauch wieder aufgetaucht, aber kennen Sie auch kleine Äste – das vergessene Gemüse? Nennen Sie uns Ihre 547 Lieblingsrezepte!

In eurem Buch („Bewusstlos zum Glück“) stehen doch nur fünf Rezepten mit kleinen Ästen (z.B. „Rinde-Bouillon“ oder „Baumkuchen“, mhhh!), woher soll ich 542 weitere Gerichte kennen? Sehe ich aus wie ein Koch? Wie sehe ich überhaupt aus? Was ist eigentlich gesünder: Elektrosmog oder kleine Äste? Was ist der Sinn des Lebens? Stellt ihr jetzt bitte die nächste Frage? (Abgesehen davon kann ich gebrannte Astanien nur empfehlen, Asta Asciutta ebenso.)

Ja. Seien Sie ehrlich: Wie hoch ist ihr Wellness-Quotient (WQ) und warum?

Der Test sagt:

12.000-~ Punkte Typ Großer Buddha (WQ 256)
Glückwunsch! Sie haben gepfuscht. Test noch mal machen!
Sie erhalten die Waschmaschine mit der Post.

Ich habe ihn daraufhin nochmal gemacht, aber das Ergebnis blieb das gleiche. Vermutlich, weil ich die selben Antworten gewählt habe wie zuvor. Aber ich wollte eben nicht lügen! Bekomme ich eigentlich nun zwei Waschmaschinen? Meine Adresse habt ihr ja.

Herr Salami, als begeisterte Leser Ihres Blogs, als Bewunderer Ihrer Schönheit und Ihres Wohlgeruchs, lassen Sie uns noch diese Frage stellen: Was halten Sie von anbiedernder Lobhudelei zum Zweck des Verkaufes des Buches „Bewusstlos zum Glück“ zum Preis von nur 14,95€ in allen Buchhandlungen ihres Vertrauens?

Lobhudeleien kann ich grundsätzlich nicht leiden. Auch nicht, wenn es sich um sehr, sehr gute Produkte handelt (wie zum Beispiel das Buch „Bewusstsein zum Glück“, eine „Paul Picot Herrenmodelle Atelier La Rattrapante“-Uhr oder eine preisgünstige Druckerpatrone). Außerdem möchte ich nicht, dass auf meiner Seite irgendeine Art von Werbung zu finden ist. Auch heimliche, in Klammern versteckte Werbung, kann ich überhaupt nicht leiden. Meine überaus intelligenten und wenigen Leser sollen selbst entscheiden können, welches Buch sie unbedingt kaufen sollen (-> „Bewusstsein zum Glück“) und welches nicht (-> „Nur die Harten kommen in den Garten!: Der Weg zum Superstar“).

Sie haben uns um ein kostenloses Freiexemplar unseres Buches „Bewusstlos zum Glück“ mit dem Argument einer Rezension gebeten – dann jedoch, um beim Leser den Eindruck einer offensichtlich gekauften Lobhudelei zu vermeiden, die Idee mit diesem Interview geboren. Ist Ihr Plan aufgegangen?

Ja. Meine Leser werden herauslesen können, dass ich mich überaus kritisch und ausreichend mit dem Buch „Bewusstlos zum Glück“ beschäftigt habe, um sagen zu können, dass es sehr, sehr gut ist. Aber, um es endlich mal sagen zu können: „Bewusstlos zum Glück“ ist ein überaus gelungenes, witziges Buch mit Absurditäten, Blödsinn und genau der richtigen Prise Beklopptheit. Tolles Autorendebüt! Ihr könnt aber auch alles, Freunde! Weiter so! Bis zum nächsten Interview, wenn ihr euren ersten Kinofilm gedreht habt.

(Dank an Onkel Fisch für das Interview!)

If you don‘t put your two cents in, how can you get change?

Kurze Kurzmitteilung: wer will, darf jetzt Geld fürs kostenlose Lesen meiner Texte bezahlen. Und wie? Ganz einfach. Man suche den Flattr-Button rechts in der Leiste – oder klicke auf diesen Link:
http://flattr.com/thing/80338/HerrSalami-de
Eigentlich möchte ich Flattr nur dafür nutzen, befreundeten Blogs ein paar Cents aus meinem Portmonee zu schenken. Aber wer will, darf auch mir ein paar Brocken des eigenen Reichtums abgeben. Danke.

(Leser, die die Frage „Was ist Flattr?“ beantwortet bekommen möchten, finden sicher Suchmaschinen, die das Antworten für mich erledigen.)

Von Doppelnullen und dem Kribbeln im Unterleib

Auf die Tür einer Pinkelkabine der Herrentoilette des Duisburger Hauptbahnhofs hat ein einsamer Mensch geschrieben: „Suche russische Frau für Dates“. Namenlos nur mit Handynummer versehen. Toiletten sind und machen eben einsam. Oh du stillstes Örtchen, wieso nennt man dich verniedlicht so, wo du doch meistens so unniedlich und gar kalt bist? Elvis Presley ist angeblich auf der Toilette gestorben. Auch wenn man sich auf der Toilette erleichtert, die größere Leistung des Lokus‘ ist eben doch die Erschwerung. Die Erschwerung von allem. Der miefende Alltag klettert die unschuldig sitzenden Knie hinauf, das Toilettenpapier ist unbeschrieben wie man selbst und am Ende des Tages ist dann doch alles voll mit Scheiße. Trotzdem wäscht man anschließend artig seine Hände. In Unschuld, natürlich. Aber von wegen entleert: der Zweifel ist ein dauerhafter Wirt. Dennoch hastig zurück ins Bunte, die Sorgen längst wieder weggespült. Jaha! Immer nur rein und raus: das ist verkehrt. Ständig die Hast, niemals bleiben sie stehen. Nie schauen sie mal in den Spiegel, er hängt herum und möchte benutzt werden. Sie lassen sich nicht erschrecken, so wie damals in der Geisterbahn. …~ Nur die Glücklichsten können es sich leisten, beim Stuhlgang zu lesen oder Gameboy zu spielen. Anstatt die Probleme auszusitzen, haben sie auf der Toilette die besten Ideen und finden es entspannend dort. Diese reinen Leute sind Selbstzweifeln und Einsamkeitsgefühlen gegenüber resistent. Sie fürchten sich nicht vor der Wahrheit, die auf der Toilette hockt und beißt und pieckst und tritt und nicht wegspülbar ist.

Es ist unfein, der zweiten Gruppe der Zufriedenen und Gefühlsgesunden anzugehören. Aber was, wenn man derzeit einfach viel zu wenig Gründe zum hat? Es stirnrunzelt sich derzeit eben sehr schlecht bei mir1. Ich spiele „Super Mario Land“ auf der Toilette. Heute habe ich viel gegrinst. Ich esse die Suppe derzeit mit der Gabel. Die Duisburger Toilettenschmiererei hätte aber auch mal von mir stammen können. Viele schlechte Poeten haben sie ja bereits angesprochen, die fiesen Nebenpfade, die auf dem Weg zum Glück warten. Ich habe sie alle durchquert! Ich prügelte mich mit Igeln und schwamm durch Pfützen! Ich widerstand dem Baum der Erkenntnis; ach was, ich widerstand einem ganzen Wald! Und nun Hallöchen, Pfad des Glücks! Hier bin ich, hier ist mein Grinsen! Ich werde nun auf dir spazieren! ~ Ob der tatsächliche Herrentoilettenautor dem unausweichlichen Leben inzwischen ähnlich unbeschwert zuzwinkern kann wie ich? Irrte sich eine adrette Russin an der Toilettentür und hat sich in ihrer Verwirrung auf seine Annonce gemeldet? Kann er jemandem die Hände reichen und sagen: Hey, komm, wir fahren nachts mit der Elbfähre Glückstadt–Wischhafen die Elbe hinauf und trinken dabei ein gutes Getränk! Einfach nur so, weil wir es können! – Kann er? Kann er?…

  1. vgl.: Du hast gelogen, als wir das Geld sammelten, Zeile 1.

Halt still, sonst kommt dir das Shampoo in die Augen und es tränt

Tiefgründig recherchieren heißt, die Wurzel einer Begebenheit auszubuddeln oder sie wenigstens ein bisschen mit dem Spaten an ihr zu klopfen. Buddeln kostet Kraft. Also kein Buddeln. So schüttle ich behutsam den großen Informationsbaum; ein paar Happen Infoobst werden sich gewiss von ihren schwachen Ästen trennen lassen. Und siehe da, der Mammutbaum des Wissens zeigt sich spendabel. Danke, Wikipedia. Wikipedias gesammelte Ausführungen zum Thema stillen meinen kleinen Hunger in diesem Falle vollkommen. Auch wenn Kalenderspruchgutfinder nun krakeelen werden, dass man nie genug wissen könne. Oh, ihr Kalenderspruchbesitzer, was wisst ihr denn schon. Vom Datum mal abgesehen. Eben dieses braucht man sich sowieso nicht merken, so schnell wie es sich in einer unsympathischen Regelmäßigkeit ändert. Vorgestern ist übermorgen schon letzte Woche, oder so ähnlich. Nein, anders, denn ausschließlich am Wochenende könnte man diesen Satz sagen, ohne peinlicherweise im Unrecht zu sein. Ich kenne aber auch Leute, die mit voller Absicht derlei Falschheiten in Gespräche puzzeln. Clever, denn objektiv Falsches ist Medizin für jedes Gespräch. Balsam für die Konversation. Sanostol für den Schwatz. Neinsager sein ist gesund. Jasager sterben unglücklich und vollkommen zurecht: in der Hölle wartet bereits der Kopfnickausnutzer Satan und schwingt sabbernd seinen Dreizack, der die frisch gestorbenen Jasager daran erinnert, dass sie ruhig Jasager bleiben dürfen – sie werden schließlich noch für schwere körperliche Arbeit benötigt. Jasager müssen nämlich in der Hölle Pyramiden und sinnlose Statuen bauen und zwar rund um die Uhr. Seht ihr, liebe Jasager, dann kann euch auch scheißegal sein, mit welchem Datum sich der Tag schmückt.

Und Neinsager? Wir mutigen Neinsager dürfen im Himmel vollkommen legal in der Öffentlichkeit urinieren. Und in der Straßenbahn rauchen! Beschissene Partydresscodes gibt es dort oben auch nicht. So wie es ohnehin keine Mottoparties mehr gibt. Und auch die Starbucksleckerfinder fehlen gänzlich, sie landen alle bei Satan. So einladend wie der Himmel könnte ruhig auch mal ein Stadtteil von Berlin sein. In Berlin sind alle Stadtteile irgendwie gleich und die, die sich dann doch ein bisschen unterscheiden, sind immer noch schlechter als die, die gleich sind. Meine Meinung zu Berlin kann ich aber auch in einem Satz ohne drei Kommata kundtun: Berlin mag ich nicht. Aber, lieber Leser, erinnern Sie sich an die These, die ich im Verlauf dieses Durcheinanders zu objektiven Falschheiten in Gesprächen geäußert habe? Und bermeken Sie, wie ich diesen Text mit eben solchen, naja, Lügen am Leben gehalten habe? Sehen Sie? Ein paar verquere Blödsinnigkeiten reichen und das Gespräch (hier: Textgebilde.) gedeiht und wird ein interessantes. Einst, nämlich bei der Einleitung, ging es mir nur darum, von meiner Recherche zum Thema „Tourette-Syndrom“ zu berichten. Denn der Wikipediaeintrag zu dieser Erkrankung enthält in seinem Inhaltsverzeichnis den Unterpunkt 4: „Positive Auswirkungen des Tourette-Syndroms“. Ich wollte nur kurz die Frage stellen, ob es moralisch vertretbar sei, bei einer Krankheit von einer positiven Begleiterscheinung zu sprechen. Einem Menschen, der bei einem Skiunfall sein rechtes Bein verloren hat, macht man doch auch nicht fröhlich darauf aufmerksam, dass er nun einen vergünstigten Eintritt zu Kinovorstellungen und Sportereignissen habe. Kann man das vergleichen? Also ich kann.

(Außerdem, positive Begleiterscheinungen des Tourette-Syndroms? Da gab es doch mal eine lustige South Park-Folge. Richtig! Und die kann man sich hier ansehen. Geiler Scheiß! Und als zusätzliche Bonusleckerei hier ein kurzer Spaß vom lustigsten Isländer der Welt. Nein, nicht von Friðrik Þór Friðriksson, sondern von Hugleikur Dagsson: klick)

Wenn es nach Kommunismus riecht

Hurra! Hurra! Mittwoch ist es wieder soweit: der Autor dieser Zeilen liest vor! Ich lese dort allseits unbekannte Kurzgeschichten mit vielen Nebensätzen, cleveren Witzen und vielleicht lasse ich mir auch die ein oder andere pointierte Geste entlocken. Kommt also alle, gerne auch zahlreich! Gerne dürft ihr euer Kommen auch durch das wirklich ziemlich gute Teilnehmerfeld begründen:

:: Till Reiners (Berlin)
:: Sushi (Düsseldorf)
:: Thorsten Baßfeld (Moers)
:: Johannes (Krefeld)
:: Jennifer Lawrenz (Duisburg)
:: Tobias Glufke (Halle/Saale)
:: Patrick Salmen (Wuppertal)

Johannes, das bin ich. Till, Sushi, Thorsten, Jennifer, Tobias und Patrick, das sind die anderen. Es wird prima.

Wo und wann?
Bollwerk107
Homberger Straße 107
47441 Moers
27.​10.​2010 / ab 19 Uhr / Eintritt: 4€ (erm. 2,50€)

In diesem Raum ist keine Liebe

Im ICE fühlte ich mich ein wenig verkehrt am Platze. Lauter Schlipsträger, die mit ihrer täglichen Fahrt von Frankfurt nach Münster fleißig hunderte bahn.bonus-Points sammelten, um diese dann für Krimskrams einzutauschen, den sie sich ohnehin locker hätten leisten können. Wer scheißreich ist, braucht keine unpersönlichen Geschenke. Alle fünf Minuten kam eine Gestalt satt und zufrieden aus dem Speisewagen. Und ich saß unsatt herum, las mein kicker-Sportmagazin und freute mich darüber, dass St. Pauli gewonnen hatte. Ich konnte mich auch nicht satt sehen am schönen Tabellenbild der ersten Bundesliga. Wie so viele Menschen hege auch ich eine begründete Sympathie zum FC St. Pauli – und gehöre auch zur Gruppe derer, die sich, sobald die Paulisympathie auf den Tisch gelegt worden ist, darüber beschweren, dass St. Pauli heutzutage so ein Kommerzclub geworden ist. Der einzige Nicht-Kommerzclub im deutschen Profifußball ist der SC Paderborn. Und niemand mag den SC Paderborn. Aber darum soll es nicht gehen. Meine Mitfahrerin bejate meine Frage, ob es Zufall sei, dass sich „ICE“ auf „FDP“ reime. Während des Bejaens spielte sie an ihrem iPhone. Ach wisst ihr was, fahrt ihr doch alle eure eigene Zugfahrt, ich höre nun „Die Sterne“. Die Tage davor waren angepasster. Im Urlaub lacht man beinahe täglich über nichtverstandene Witze in anderen Sprachen. Spanisch ist übrigens keine schöne Sprache.

Ich mag vollbärtige Südeuropaurlauber, die sich in einem sonnigen Land holzbraun färben lassen, um sich dann, zurück im eisigen Allgäu, den Bart abrasieren zu lassen. Was dann als Souvenier bleibt, ist ein halbbraunes Gesicht. Nicht, dass ich einen derart tollkühnen Menschen bereits getroffen hätte, aber weil ich mir den Anblick heiter vorstelle, möchte ich hiermit darum bitten, meine Idee einmal umzusetzen. Der Trend ist gebärfähig, aber irgendjemand muss den Fötus endlich mal ausspucken. Kennt jemand prominente Vollbartmenschen aus dem Allgäu? Alter, Größe, Geschlecht, alles egal. Ich möchte nicht umziehen müssen deswegen, das Allgäu gefällt mir nicht und dieses Urteil darf ich mir erlauben, denn ich fuhr gestern in ihm herum (siehe erste vierzehn Sätze dieses Textes). Menschen ziehen meistens dann um, wenn sie glauben, die Nachbarn könnten einen nicht leiden. Und dann hoffen diese Gemochtheitsfanatiker darauf, dass der neue Nachbar Potential für Liebeleien oder wenigstens eine gute Freundschaft haben könnte. Doch so spendabel ist der Zufall nicht. (Dies war eine Überleitung zum nächsten Gedankenkomplex. Bitte lesen Sie weiter:) Die besten Dinge, so sagen nicht nur umziehende Menschen, passieren aus Zufall. Selbstredend weiß der hier schreibende Mensch diese These zu widerlegen. Dafür hat er ein Beispiel parat. Wir befinden uns geitig nun auf einer Party. Ein Männlein trifft „zufällig“ ein ihm unbekanntes Weibchen, er äußert sexuelles Interesse, die beiden ficken die ganze Nacht auf der Toilette, verlieben sich dann sogar noch ineinander und müssen sich Jahre später zwei Kinder teilen. Zufall? Nö. Unwissen.

Männlein wusste nicht, dass Weibchen herumexistiert und andersrum. Auf der Party wurde diese Wissenlücke gestopft. Und nicht nur die, haha, Pubertätshumor, Verzeihung. Auf folgende, einfache Schlussfolgerung wollte ich eigentlich hinaus: die besten Dinge passieren aus Unwissen, beziehungsweise Dummheit. Endlich eine vernünftige Antwort auf die Feststellung, dass sich heutzutage so viele Menschen fürs Dummsein entscheiden. Gar nicht so dumm, die Dummen. Die fummeln wenigstens auf Toiletten herum. Und die Schlauen? Die fahren ICE? Ich habe, für mich untypisch, keine Ahnung; schade aber, dass für derlei Begebenheiten das alte Arschloch Zufall all den Ruhm für sich beansprucht. Denn auch beim Geschichtenschreiben behaupten viele, dass der Alltagskönig „Zufall“ Ehre und Respekt verdiene. Zu Unrecht. Denn die schönsten Geschichten, die schreibt Max Goldt.

(Ich bedanke mich ausdrücklich bei Oliver für die famose Überschrift!)

Die dritte Seite im Regelheft habe ich von meinem Tischnachbarn abgeschrieben und dabei jeden Rechtschreibfehler absichtlich übernommen

In Dresden freuen sich die Mägen regelmäßig über „Eierschecke“. So nennen die Leute dort eine Kuchenspezialität aus Hefe, Eigelb und Pudding. Neulich war irgendein Mauerdeutscheeinheitjubiläum und anlässlich dieses stupiden Feiertages berichtete ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender über diese angebliche Leckerei, die niemand kennt. Der sehr gute Erich Kästner soll einmal gesagt haben: „Die Eierschecke ist eine Kuchensorte, die zum Schaden der Menschheit auf dem Rest des Globus unbekannt geblieben ist.“ Ich denke, dass dieser Satz auf seinen Hauptsatz reduziert werden kann. Die Eierschecke ist eine Kuchensorte. Der Satz wäre viel gemütlicher, jegliches Konfliktpotential wäre futschikato und die Dresdner könnten sich wieder auf andere Exklusivitäten berufen: Frauenkirche, Hygiene-Museum, Sächsisch. Ich wette, dass mindestens jeder vierte Dresdner eine Aufregungsorgie lostritt, wenn er mal über den Stadttellerrand hinausblickt und in einem, hm, sagen wir mal Berliner Kaffeehaus sitzt: schau mal, Heiko, die Berliner kennen zwar leckere Kuchen, aber nur wir haben die Eierschecke. Heiko würde hinzufügen: ein Jammer! Noch größere Idioten würden sicher auch noch den drittdümmsten Satzanfang Westeuropas bemühen: in der DDR war nicht alles schlecht; wir hatten schließlich Eierschecke (und Kati Witt). Zweitdümmster Satzanfang übrigens: Man darf ja wohl noch sagen, dass. Der Erstdümmste ist meiner gruseligen Jugend geschuldet: Es war einmal. Märchen konnte ich nie leiden, sie klangen für mich immer wie Bibeltexte. Buch Grimm, Kapitel vier, Vers neun: und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Als ob.

Eierschecke schmeckt bestimmt gar nicht so schlecht, kann ich nicht beurteilen. Noch nie war ich in Dresden. Nur einmal kam ich mit Dresdnern in Berührung, als ich 2004 versehentlich mit den Fußballfans von Dynamo Dresden den Aufstieg in die zweite Bundesliga feierte und mich neben einem Radiomenschen wiederfand, der mir ein Mikrofon an den prepubertäten Mund presste. Und, kleiner Mann, du hast extra die weite Reise nach Krefeld angetreten, um den Aufstieg von Dynamo mitzuerleben? Nein, äh, ich komme von hier und drücke den Gastgebern die Daumen. Er war daraufhin verwirrt, ich war verwirrt und auch die Radiohörenden daheim sowieso. Dafür möchte ich mich nun mit leichter Verspätung entschuldigen. Dennoch bin ich unschuldig am Abstieg, der im Folgejahr sicher ganz andere Gründe hatte (zu wenig Punkte, zu viele Gegentore, falsche Kuchen). Ich weiß es nicht, so wie ich auch nicht weiß, wofür die Abkürzung „PVC“ steht. Dennoch komme ich tagtäglich prima mit Fußböden zurecht. Unwissenheit sorgt unselten für die schönsten Geschichten. Karneval 2000, als BSE (noch so eine unbekannte Abkürzung, aber es handelt sich dabei um Rinderwahn) gerade seinen Popularitätshöhepunkt hatte, aß ich eine Bratwurst und dachte daraufhin, dass ich sehr bald sterben müsste. Ich weinte stundenlang mein Panzerknackerkostüm voll. Natürlich lebe ich immer noch, aber sterben werde ich irgendwann, da bin ich mir relativ sicher. (Und jetzt mache ich das, was sehr gute Kolumnisten immer tun; nämlich den letzten Satz in Einklang mit dem Tenor des Textes zu bringen.) Aber bevor ich sterbe, muss ich unbedingt noch Eierschecke probieren; guten Appetit!

Ihr erkennt mich am Bauch

Hurrajuhu! Erst zum zweiten Mal in der Geschichte meiner Geschichten werde ich meine Werke live und direkt vor Publikum vorlesen – und ihr seid ausnahmsweise alle eingeladen! Zwar werden Stammleserinnen die dort zu erwartenden Texte bereits kennen, da ich sie im Laufe des Jahres auf diesen Seiten veröffentlich habe. Aber ich habe es mir nicht nehmen lassen, ein paar zusätzliche Pointen und Satzzeichen einzubauen. Außerdem sage ich „ficken“, „Scheiße“ und „Okapi“. Beim Eintreten bitte einen Fünfeuroschein zwischen Zeige- und Mittelfinger bereit halten, sonst kommt ihr nicht hinein. Zudem bitte ich darum, ausschließlich an den dafür vorgesehenen Stellen zu lachen.
Und da das Ganze auch noch ein Poetry Slam ist, darf man sich nicht nur auf mich freuen, sondern auch auf (vorraussichtlich) sieben andere Nasen. Ich hoffe, ich überstehe die Vorrunde, denn dann käme der Text mit „Furunkel“ zum Vortrag. Drückt mir also die Daumen; ich kann ja nicht, muss vorlesen. Bis Sonntag!

Wo und wann?
Jules Papp
Königstraße 153
47798 Krefeld
26.09.2010 / ab 19 Uhr

Mehr Informationen:
http://www.poetryslamimpapp.blogspot.com/
http://www.myslam.net/de/poetry-slam-calendar/event/4123

Nachtrag, 27.09.:
Hurra, Dank an alle, die dort waren. Bin Zweiter geworden und habe sogar Geld dafür bekommen. Das ist gut. Demnächst wieder – sollte sich was ergeben, werden die Termine rechts unten hinzugefügt! Bereits in Planung: Ende Oktober in Neuss.

Einzimmerwohnung auf der Schlossallee

Ein Bekannter von mir hat neuerdings angefangen zu rauchen, wohl vom Fehlgedanken geleitet, dass sich seine gesellschaftliche Position dadurch verbessere. Auf seine erste weggequalmte Schachtel Marlboro war er so stolz, dass er die Zigarettenstummel gesammelt und samt Schachtel aufgehoben hat. Falls mal Gäste kommen: seht her, ich rauche! Wahrscheinlich hat er auch mit einem Taschenmesser das Datum des Erstrauchens in die Packung geschnitzt. So ein Unfug. Ich habe doch auch nicht den Bierdeckel aufgehoben, auf dem mein erstes Bier stand. Oder das Kondom vom ersten Mal. Ich nenne ihn jetzt „Ersterfahrungsammelmessi“. Ersterfahrung-Sammel-Messi. Schönes Wörtchen. Doch ratzfatz zum nächsten Termin auf meiner Kurzgeschichtenschnipselagenda: Zugfahren. Es hat Gründe, weswegen hier derzeit häufiger vom Zugfahren erzählt wird, sehr gut sind die Gründe sogar. Es klingt so wunderbar touristisch, wenn der digitale Fahrbegleiter sagt „In Kürze erreichen wir Lünen Hauptbahnhof!“. Als wären wir Fahrgäste ein großes, fröhliches Reisekollektiv auf der Suche nach Sehenswürdigkeiten und Stadtranderholungen. Wenn Sie nun in Fahrtrichtung rechts schauen, sehen Sie die neue Zugverspätungsanzeige, erbaut 2009 von Rüdiger Grube! Beachten Sie auch die kulinarischen Genüsse, die unser Weingummiautomat für Sie bereit hält! Und die jungen Fahrscheinkontrolleurinnen servieren bunte Informationsbroschüren namens „Wunderschönes Westfalen“ und kostenlose Cocktails.

Auch sehr schön: das Bahnpropagandaheftchen „bahn mobil“. Hier geben sich Bahnberichte und Nichtmeldungen die Hand, verschmelzen miteinander und bilden so eine konsumentenfreundliche Journalismussymbiose. Man erfährt, wie nett die Bahn ist („Tausend neue Auszubildene bei der Bahn! Kinder sind unsere Zukunft und Bildung ist voll wichtig!), wie supernett die Bahn ist („Fensterplatz im ICE? Kein Problem, kostet aber!“) und nebenbei noch ein paar witzige Geschichten von hier und drüben. Wusste ich vorher, dass es in Ostdeutschland noch Ostseegebiete gibt, in denen Zwangsnudismus herrscht? Nein, wusste ich natürlich nicht, aber natürlich bin ich ein großer Freund der Freikörperkultur, wenn auch nur im eigenen Hause und selten. Ein Sodokurätsel bietet das Blättchen ebenfalls und wer ein fieser Fahrgast ist, der kann ja einfach eine einzige, aber absichtlich falsche Zahl in das Rätselquadrat hineinschreiben; zur Unfreude des Sitzplatznachfolgers. Zu gewinnen gibt es eine Bahncard 25. Hab ich schon. Schade.

Jazztagebuch

Meine kleine Cousine freute sich sehr, als ich ihr zum sonntäglichen Frühstück eine Jazz-CD anbot. Spontan teilte sie ihre Begeisterung mit einem Notizzettel:

Kein Sitzplatz im Regionalexpress nach Münster

Um mich wieder daran zu erinnern, wieso ich zum dritten Mal innerhalb einer Woche in diesem Zug sitze, krame ich eilig ihr Foto aus meiner Tasche hervor. Was folgt, ist ein Lächeln.

Auch mag ich die deutsche Bahn. Zugverspätungen sind nicht so häufig, wie drittklassige Kabarettisten es gerne hätten und die ach so lustigen englischen Durchsagen bekomme ich im Regionalexpress nach Münster nicht zu hören; der Ansagemann spricht hier nur Deutsch. Nächster Halt: Bochum-Wattenscheid. Ausstieg in Fahrtrichtung links. Bisher haben mich Züge noch immer dahin gefahren, wo es besser war – das weiß ich sehr zu schätzen. Der Herr neben mir riecht sehr stark, ich wünsche mir spontan einen Schnupfen oder eine Nasennebenhöhlenentzündung, aber auch das gehört zum Zugfahren dazu. Dass sein Körper Beachtung einfordert und seine Schweißdrüsen schreien „Hey, hier, seht und riecht! Dieser Körper wurde gefordert und genutzt, ganz fleißig war sein Wirt! Riecht der Arbeit Lohn!“ – geschenkt. Irgendwann stinkt einjeder. Aber bitte verzeiht mir, dass ich nun selbst zum dritten Todesurteil der Bahnfahrtberichterstattung gegriffen habe: der Beschreibung der Mitfahrenden. Viele sind der Meinung, sie hätten auf ihrer Reise den verrücktesten Sitznachbarn der Sitznachbarngeschichte getroffen, aber natürlich irren sie. Eine Dame, die sich beim Einstieg in Mülheim an der Ruhr für einen Rülpser nicht entschuldigt hat, ist nicht nacherzählenswert. Auch wenn besagte Dritteklassekabarettisten ihr Programm gerne ebenso eröffnen. Hey Zwechfelle, kennt ihr das, wenn ihr im Zug sitzt und dann hört da so ein Rotzlöffel laut mit seinem Handy Musik? Sprotzaarrghhuuuuh. Ich möchte nicht, dass jemand, der Geld von mir erhält, nur Dinge erzählt, die ich schon kenne. Ein bestätigtes Klischee unterhält nur beim Selbstentdecken.

Ich wühle noch ein bisschen in meiner Tasche, teste die Reaktion auf ein langsames Öffnen der Colaflasche. Zischhh. Der Effekt verpufft, alle um mich herum sind mit der eigenen Trostlosigkeit beschäftigt. Niemand hustet, keiner diskutiert über Sarrazin und ich bin allein. Kratze mich kurz am Kopf, dann im Schritt, beendet wird das Rundumkratzen schließlich am dreitätigenbärtigen Hals. Kratz kratz, grübel grübel. Im Zugmülleimer suche ich spontan das Glück, finde es aber nicht, wie so oft. Werfe ein zerknülltes Papierknäul hinein. Wühle dann in meinem Kopf nach zeitvertreibenden Gedanken. Überlege, ob ich die Welt retten soll oder die Welt vor mir. Was soll ich aus mir machen? Beschließe einen Mittelweg. In zahlreichen Gesprächen mit Älteren habe ich erfahren, dass ich noch ganz am Anfang meines Lebens stehe und manch eine Tür auf mich warten würde. Ich kann nur hoffen, dass mich der glückliche Zufall an einem guten Tag besucht, sonst verschlafe ich ihn und bleibe auf ewig lebensgeschichtenlos. Doch manchmal, da klingelt der Zufall bereits an meiner Tür, noch seltener öffne ich sie dann sogar und begrüße ihn freundlich den Gast mit einem flotten Spruch. So krame ich wieder ihr Foto hervor. Ja, richtig fühlt es sich an und gut. Gleich aber brauche ich es nicht mehr, dann steige ich aus. Ja, aussteigen ist dort schöner als Einsteigen.

Mer­ce­des­nacht­ge­wandgewinnspielergebnisverkündung

Ich schlüp­fe in mein sil­ber­nes Mer­ce­des­nacht­ge­wand, lege mich in mein eta­gen­lo­ses Hoch­bett und schaue hin­aus auf die Fel­der und end­li­chen Wei­ten.

Die Älteren erinnern sich sicher: dieser Satz stammt aus der sehr, sehr guten Kurzgeschichte „Wale ändern nichts, sonst wären sie verboten“. Angeregt durch einen Kommentar von Charlotte, die von mir verlangte, doch einmal das „Mer­ce­des­nacht­ge­wand“ zu malen, rief ich zu einem Wettbewerb auf: ich kann nicht zeichnen, deswegen sollten meine treuen, künstlerisch hochbegabten Leser diese Aufgabe übernehmen. Und nun, nun verkünde ich feierlich und nicht ohne Stolz das Ende dieses Wettbewerbs! Die beste (und bisher einzige) eingesandte Zeichnung hat gewonnen! Sie stammt von Charlottes Schwester, deren Namen mir leider nicht bekannt ist. Sie heißt vielleicht Anne oder Lisa oder Rosemarie, aber das sind nur Vermutungen – reiche ich aber noch nach. Bis dahin feiern wir alle gemeinsam das Gewinnerbild des Mercedesnachgewands! Glückwunsch! Der Preis bleibt zwar geheim, ist aber auf dem Weg. Ich schwöre! Gute Nacht.


(hier klicken für große Ansicht)

(Übrigens sind alle Leser hiermit dazu aufgerufen, zu jedem meiner Texte irgendwas zu malen oder zu basteln. Würde mich freuen. Meine Kurzgeschichten bieten sicherlich genug Vorlagen. Gibt dann vielleicht auch Preise, zum Beispiel ganz viel Geld, eine witzige CD oder meine alte Handynummer. Viel Glück und Danke! Zeichnungen, Liebesbriefe und Ähnliches bitte wie gewohnt an zeno91@gmx.de)

Lalala ist das neue Lalelu

Jazz, Jazz, Jazz, yeah; Jazz finde ich grundsätzlich ganz gut. Gestern Abend war Jazz. Heute aber ist Alltag in E-Mol. Für die leeren Bierflaschen benötige ich vier große REWE-Tüten. Da sich in vielen Flaschen noch ein ungetrunkener Halbschluck befindet, sammelt sich an den Tütenböden eine cremige Suppe aus Restgebräu und Speichel. Ich würde mir sofort einen Chemiebaukasten kaufen, wenn dieser mir speichelanalytisch dabei helfen würde, die Nichtaustrinker des billigen Krefelder Bieres ausfindig zu machen. Der Baukastenriese „Kosmos“ könnte diese Marktlücke füllen und endlich eine Experimentebox für Erwachsene auf den pulsierenden Chemiebaukastenmarkt bringen. Darin enthalten: ein Promilletester, basierend auf Alufolie und Schwefel. (Wie das genau funktionieren könnte, weiß ich nicht, ich habe Chemie nach der neunten Klasse abgewählt.) Auch dabei: eine Backanleitung für Dinkelplätzchen, die im weiblichen Körper für eine Schwangerschaft sorgen. Und mein Speicheltest für Restgebräu jeder Art, der wäre natürlich auch im Chemiebaukasten für Erwachsene dabei, klar. Selbst wenn man Dinkel unlecker findet oder nur austrinkende Freunde hat, ich bin mir sicher, dass ich hier gerade eine Marktlücke aufgespalten habe. „Kosmos“ würde, höhö, astronomisch viel Geld damit verdienen und auch das Image des Chemiebaukastens wäre endgültig gerettet. Denn jeder weiß, dass nur Arschlocheltern ihren Kindern das „große Kosmos-Chemielabor „zumuten. Damit der Kleine nicht dauernd Super RTL guckt, sondern auch mal was Lehrreiches macht, jaja; auf geht’s, Jugend-Forscht-Gewinner von 1973, rettet die Kinderspielzeugwelt! Aber es ist nun mal so, dass Pipetten, Siedestäbe und Messbecher für Neunjährige so interessant sind wie Bausparverträge. Und Neunjährige, die das anders sehen, gucken meiner Ansicht nach viel zu wenig Super RTL.

Herrje, jetzt bin ich sehr weit von der eigentlichen Geschichte weggedriftet. Die Älteren werden sich erinnern: ursprünglich ging es in diesem Text mal darum, wie ich Pfandflaschen wegbringen wollte. Und es dann auch tat, so wie es eine alte Marotte von mir ist, Dinge, die ich begonnen habe, auch zu Ende zu führen. Jeder hat eben so seine Macken; manch einer lutscht Zuckerwürfel, ich mache Sachen zu Ende. Und so schlenderte ich mit vier großen REWE-Tüten in zwei Armen die Straße herunter und bemühte mich, in Jogginghose und dreckigem T-Shirt nicht allzu sehr auszusehen wie jemand, der aussieht wie einer, der regelmäßig in Jogginghose und dreckigem T-Shirt vier große REWE-Tüten voll mit leerem Bier wegbringt, was sehr schwierig ist, wenn man Jogginghose, dreckiges T-Shirt und vier große REWE-Tüten voll mit leerem Bier trägt. (Satz des Jahres.) Ich tauschte die Flaschen gegen einen Zettel ein, den ich dann an der Kasse bei REWE-Fachkraft Günther gegen Geld weitervertauschen konnte, welches dann in dickmachendes Essen investiert worden ist. Ich fühlte mich ein wenig wie Hans im Glück. Und das Glück, ich schien ihm ein guter Wirt gewesen zu sein: auf dem Rückweg fand ich eine kleine Pappschachtel, mit zwei Zigaretten und einem Feuerzeug in sich. So ein witziger Zufall, exakt so eine hatte ich auf dem Hinweg verloren. So konnte ich mich zu Hause entspannt und beglückt der Couch hingeben, wo ich nun immer noch liege. Ein bisschen Musik wäre jetzt fein. Jazz! Jazz, yeah; Jazz finde ich grundsätzlich ganz gut.

Gedankliche Outtakes

Wie es wohl wäre, wenn meine Kurzgeschichten in Familien als vorgelesenes Gutenachtleckerli für die Kleinsten eine kuschlige Herberge finden würden? Würde das die Kinder versauen oder bekämen sie dann frühestmöglich einen Sinn für augenfreundliche Wortwahl in den Tornister des Lebens gepackt? Wie ist das eigentlich, schreibe ich nur Scheiß oder ist das alles in Maßen doch ganz okay? Zu dumm, dass ich meine Texte am Computer schreibe, denn das traurige Bild, das zweitklassige Autoren zu seiner Zeit hatten (viele mittelmäßige Ideen = mit zerknüttelten Ideen gefüllter Papierkorb), kann ich nicht gleichwertig ersetzen. Ein mittelguter Text wird heute entweder zwischengespeichert (und danach nie wieder angerührt) oder mit der Taste, die einen Pfeil nach links zeigt, eliminiert. Der Leser wird sich kaum ausmalen können, wie viele halbfertige Anfänge und ungeschriebene Enden hier auf der Festplatte digital Staub fangen. Nie an die Öffentlichkeit gelangen wird zum Beispiel ein Glückwunsch an Helmut Kohl zu seinem achtzigsten Geburtstag (Entlarvender Auszug: „Aber eigentlich wollte ich ja was zu Helmut Kohl sagen. Mir fällt aber jetzt nichts mehr ein.“). Auch durchgefallen: meine Geschichte über Pfandflaschen („Ich ekel mich vor sehr wenig Dingen und auch ein bisschen Plörre in einer Plastiktüte kann mir nix. “). Schade, auch folgende Frage wird nie erklärt werden: „Welchen Sinn ergibt die Erwähnung des Fluglotsen?“. Denn sie befindet sich in einem falschen Umfeld, sprich, ein paar Satzstaffetten, die mir dann doch nicht gefallen haben.

Eine weitere Auswahl an Sätzen, die den falschen Wohnort haben:

„Ich möchte ihn vergleichen, bevorzugt mit Jesus!“
„Haben Tiere eigentlich Sexfetische? Treffen sich Hund und Ente heimlich nachts im Park? Gibt es pädophile Elefanten?“
„Liebe Leser, ihr merkt: Nazis, Witze über Namen und sexistische Anspielungen: ich habe wirklich absolut keine Ahnung, worüber ich schreiben soll. Ich bin quasi der SPIEGEL, nur als Blog.“
„Vuvuzelas sind übrigens sehr gut.“
„Sie ist so düster und nebelig, uuuuaaahhuuuuuah!“

Und mit diesem intimen, fast sogar persönlichen Einblick in die weiterhin unverschämterweise unentgeldliche Arbeit eines aufstrebenden Bloggers entlasse ich euch in den wohlverdienten Feierabend.

Was ich mag ist scheiße

Ich ging also weg vom Einkaufsparadies, wo all die Gutverdiener die Gutverdieneratmosphäre genossen und ihre bunten Hemden in der Sonne badeten. Eine neue Hose konntet ihr mir aufschwatzen, zugegeben, aber euren Kontostand frönen könnt ihr gewiss auch ohne mich! Ich suchte verzweifelt nach Bier und Zigaretten und Isolation. Musste ich mich doch rasch noch von dem Schock erholen, der mich ereilte, als ich in meiner rechten Hand eine Tüte von Tommy Hilfiger entdeckte. Schreck! Oh! Schnell am überfüllten McDonald’s vorbei, kein Sitzplatz frei. Moralisch nicht einwandfreies Fressen kommt an. Aber da kann ich mir auch ruhig an das eigene Knie fassen: wie alt wohl das Kind war, das meine Hilfigerhose genäht hat? Wieso habe ich so ein Gutverdienerfamilienglück? Ich brauche das doch gar nicht. Ich verjuxe das Geld für Kultur und Ungesundes, Nützliches kommt mir nicht in die Tüte. Aber eine Hilfigerhose. Ich bin immer noch ganz verwirrt! Wie konnte das passieren. Ich bin doch ein cooler, alternativer Zausel, oder nicht? Ich muss schnell wieder in meine pseudoreaktionäre Scheinwelt; wo ist mein Bier, wo sind meine moralisch einwandfreien Zigaretten.

Zwölf Uhr mittags, ich will eigentlich noch gar kein Bier. Kommt vielleicht auch nicht an. Machen die Holländer links und rechts von mir ja auch nicht. Hier säuft man wohl erst später. Kaffee ist auch cool. Ich trinke jetzt Kaffee. Eigentlich ist die Hose ja vollkommen okay. Ein Mensch mit Polohemd und Modelfreundin kommt vorbei; mir fällt wieder ein, dass ich gerne woanders wäre. Und sie? Wo ist sie eigentlich? Geht es ihr gut? Ob ich sie anrufen soll? Ich vermisse sie, weil ich ihr all das glaube, was ich an mir selbst immer kritisch hinterfrage. But all I can do is be me – whoever that is. Der Kaffee schmeckt mir wirklich und McDonald’s ist wirklich scheiße. Das Gute ist, dass ich weiß, dass es mir auch ohne Hose gut geht. Es gibt Dinge, die kann man nicht ändern. Für alles andere gibt es die Pubertät. Hihi, ich bin so ein Idiot.

Der Fisch fängt im Meer an zu stinken

Ich werde mich erst dann endgültig erwachsen fühlen, wenn ich für einen bestimmten Zeitraum – sagen wir zwei, vier oder hundert Monate – nicht zwecks Alterskontrolle meinen Personalausweis vorzeigen musste. Rauchen lässt die Haut altern, zusätzlich rasiere ich mich nur in willkürlich und verrückt verteilten Intervallen. Eigentlich müssten mich Supermarktkassiererinnen, zufällig Angerempelte und Grundschüler bei jeder Gelegenheit siezen. Tun sie aber nicht. Möglicherweise liegt es an meiner geringen Körpergröße, ich bin nur etwa 5,74147 Fuß groß. Gern erkläre ich diesen Umstand so: ich bin ein tierisch fauler Mensch, der es mag, wenn die Stunden nicht nur im Schlaf liegend vorbeiziehen. Daher ist es nur logisch, dass Gott (Anmerkung für Nihilisten und Atheisten: an dieser Stelle darf geschmunzelt werden.) mir auch einen faulen Körper geschenkt hat. Mein Körper hat sich nicht mehr gestreckt, als er muss. Man kann auch mit 175 Zentimetern über den Dingen stehen und im Buchhandel die Bücher der Autoren mit A-D als Anfangsbuchstaben greifen. Heute sah ich viele Menschen, die kleiner waren als ich und auch welche, die größer waren als ich. Das geht wahrscheinlich vielen so, aber ich führe mir dies zur Beruhigung immer wieder vor Augen. Es geht nicht allen Personen so, man denke nur an die Persönchen in Liliput aus „Gullivers Reisen“. Oder an die Schlümpfe. Oder an Peter Maffay. Oder an Kim Jong-Il; aber an den soll man eigentlich nicht so viel denken, weil er der böseste Mensch der Welt ist, vielleicht. Soll er doch von mir aus sein, Dieter Bohlen kann eben auch nicht jeden Preis bekommen.

Das Lebensziel ist, das lustigste Buch der deutschsprachigen Welt zu schreiben. Ich habe die Bücher von Otto Waalkes und Loriot gelesen, von Heinz Strunk und auch von Helge Schneider, Max Goldt und Johann Wolfgang von Goethe. (Tommy Jaud zähle ich nicht, weil ich nichts lese, was meine Tante witzig findet – aber seine Fernsehproduktionen „LiebesLeben“ und „Zwei Weihnachtsmänner“ kann ich jedem ernsthaft empfehlen.) Gewiss, die waren alle relativ zwergfellgefällig (herrliche Wortneuschöpfung, null Googletreffer, Heureka!), aber heute erwarb ich aus reinem Aktivismus das Buch vom okayen Olaf Schubert: „Wie ich die Welt retten würde, wenn ich Zeit dafür hätte“. Nicht, dass ich die Welt retten wollen würde, dazu habe ich gar keine Lust und mein absatzeinleitendes Lebensziel ist ja schon schwierig genug. Aber die ersten 25 Seiten des Buches waren dermaßen lustig, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben im Bus nicht über Fahrgäste lachen musste. Hinweis an alle Freizeitbiographen: kauft euch das Schubert-Buch und dann wisst ihr, wie mein Humor ist. Kauft es euch vielleicht auch einfach so. Und falls Olaf Schubert diese Zeilen hier liest: Olaf, du schuldest mir für diese Lobhudelei noch fünf Euro. Und vielen Dank für das Höherlegen der Latte wegen des witzigsten Buch der deutschsprachigen Welt. Vielleicht klaue ich ja einfach von Schubert, Strunk und Schiller für das witzigste Buch der Welt zusammen – und werde der (oder sagt man hier „die“? Vielleicht liest Bastian Sick ja auch mit.) männliche Helene Hegemann.

Aber Eile, Eile, bald bin ich nicht mehr 18 Jahre alt und dann wird das nichts mehr. Schubert, Sick, Hegemann, Maffay, Gott, Gulliver: bitte alle mal bei mir melden. Sonst werde ich eben Steuerberater, Dachdecker und Tagedieb und das wollt ihr nicht.

Du hast gelogen, als wir das Geld sammelten

Aktuell runzelt sich meine Stirn ganz gut. Altbekannte Gesichter singen marode Lieder mit neuen Strophen und altem Refrain. Geschwätz im Vier-Vierteltakt. Zwitscher, zwitscher. Lala, lelu. Singt doch mal einen Hit. Komponiert spontan die Revolution. Haut die Gassen! Vom Leben gezeichnet sein ist Kunst. Und guck mal da, deine alten Freunde. Und guck mal da, ein Einkaufswagen. Und guck mal da, ein Entmüdungsbecken. Dort kann man liegend wach werden und fühlt sich, als schwämme man in kaltem Kaffee. In zehn oder tausend Jahren werden diese Becken in jeder Wohnung vorinstalliert sein, denn die Menschen werden immer müder, schlafen teilweise sogar schon unterbewusst beim Essen oder Katapultieren. 52 Wochen Winterschlaf, nur unterbrochen von Weihnachten. Da geht man heraus, winkt allen Menschen und geht dann wieder. Wenn Jesus und Gott das so geplant haben, dann sind sie blöde Heinis. Wahrscheinlich aber sind wir die Dummen. Jesus mochte alle Menschen. Ich winke nie.

Heute kündigte sich ein Gewitter an, aber kein metaphorisches, sondern ein wetterliches. Ich setzte mich auf eine Bank und verbrauchte die mitgebrachte Geduld sehr sparsam. Schließlich wurde ich nass. Ich grinste den Himmel an, während sich die Blitze gerecht auf mein linkes und rechtes Blickfeld aufteilten. Das war schön. Mehr gibt es nicht zu berichten. Vielleicht noch das hier: Norderney ist sehr schön, fahrt da mal alle hin.

Liegend umgefallen

Und dann war da noch dies und das und die Dings ist jetzt wieder mit dem Bums zusammen und hast du schon gehört? Joa. Ein Kerl kommt vorbeigestolpert, erzählt, dass er sei voll sei und dann zählt er noch auf, was er alles getrunken hat und dann fällt er um. Meine Sitznachbarin lacht und macht ein Handyfoto. Ich beobachte die Szenerie, bis sie sich auflöst. Wir sind nun wieder da, wo wir vorher waren. Menschen mit Coolheitszwang, diversen Profilneurosen und ich hoffe wohl weiterhin vergeblich auf eine witzige Anekdote von links oder rechts. Hier wollte ich nie sein. Trunkenes Lallen. Gleich kommt das gelbe Auto, sammelt ein paar Körper ein und fährt sie zurück an den Anfang. Ich bin mit dem Fahrrad. Wenn ich es jetzt noch mit dem Fahrrad nach Hause schaffe, werde ich wohl den Wikipediaeintrag von „Weltwunder“ editieren und mit meiner heldenhaften Rückreise ergänzen müssen. Die Gespräche in meinem Gehörradius entwickeln sich in Richtung Saufgeschichten. Wer kotzt ist früher nüchtern und später Inhalt von Geschichten. Macht doch alle was ihr wollt. Um meine Sympathie in der Runde kümmere ich mich nun nicht mehr, auf den Spinat zwischen ihren Zähnen weise ich sie nicht hin. Ich lasse mir eine Zigarette schenken und ein Bier zapfen. Wieso man mich überhaupt dabei haben wollte. Ich tanze nicht auf Tischen. Ich begeistere mich nicht fürs Lästern. Aber ich nicke alles ab. In zehn Jahren bin ich Randnotiz. Es ist windig und die Aschenbecher fliegen weg. Flaschen fallen um, zerspilttern und die Meute springt auf, kreischt und tritt sich die Füße blutig. Kehrblech, Pflaster, Aufregung. Alles rauscht vorbei, die Menschen drehen sich und werden weniger. Ich würde gern mehr sein. Dann bin ich hier wohl falsch. Ich lasse mir nichts anmerken, rausche und drehe schließlich doch mit. Kollektives Verlieren. Ich bin dabei. Komm, lasst uns Verlierer sein! Erfolg schwitzt.

Komm doch mal zu einem Kaffee zu mir

Reiche Leute können ganz spaßige Dinge tun. Zum Beispiel bei Amazon für etwa neun Euro Kinderschokolade bestellen. Naja. Ich habe festgestellt, dass Rauchen das vielleicht schwierigste Hobby der Welt ist – abgesehen von Bungee-Jumping, Karohemden und Rasenmähen von mir aus. Zigaretten machen immer nur Ärger, wie Ehefrauen, höhö. Wenn man eine Zigarette in Gesellschaft raucht, kann man viel Geld darauf verwetten, dass mindestens einer nölt: rauchen ist ungesund, teuer, stinkt und ist sowieso total uncool, weil nur Rockstars und Kneipenbewohner das dürfen. Von mir aus sind das alles mindestens Halbwahrheiten, aber viel schlimmer ist: nichtrauchen macht nervig. Furchtbarer ist dann nur noch, wenn man keine Zigaretten hat. Dann kratzt man die letzten Centstücke aus Sofaritzen, leiht sich bei Oma Geld (offiziell für ein belegtes Brötchen oder Duschcreme) und zwischendurch dreht man spontan ein bisschen durch. Wer auch immer Drogen erfunden hat, er hat es sicher gut gemeint. Wer hätte ahnen können, dass Gott dem Menschen einen Strich durch die Kippenrechnung gemacht hat? Lunge plus Zigarette gleich früher Tod, vorher Raucherlunge und soziale Ächtung. Man kann also davon ausgehen, dass Gott Nichtraucher ist/war. Obwohl er unsterblich ist und so keinen qualvollen Tod durch Lungenkrebs fürchten muss. (Was passiert eigentlich, wenn Gott einen Krebstumor bekommt? Verzieht der sich dann aus Ehrfurcht einfach wieder? Zaubert Gott ihn weg? Kennt Gott ein Heilmittel gegen Krebs und hat uns noch nichts davon verraten?) Aber ein schöner Gedanke: Gott sitzt mit anderen Göttern (z.B. Fußballgott, Elvis Presley, dem Erfinder des Fernsehens) rauchend irgendwo herum und dann kommt ein Nichtrauchergott vorbei und nölt. Das ist dann doch Gotteslästerung, oder? Jesus hat übrigens bestimmt gekifft. Es gibt doch das Klischee, dass Langhaarige immer Kiffer sind und vielleicht hat das bei Jesus seinen Ursprung. Ich weiß es nicht.

Bei den Fragen „Wie geht es dir?“ und „Warum hast du dich nicht mehr gemeldet?“ lügen etwa 102% aller Menschen regelmäßig. Das prangere ich an. Daher hier mein ehrliches Antwortpaar: es geht mir schlecht bis gut und ich habe mich nicht mehr gemeldet, weil du mir mit deinem iPod touch, deinem Lachen an den falschen Stellen und den Anekdoten zu deiner Hydrokulturbepflanzung tierisch auf den Sack gegangen bist. Außerdem rauchst du nicht und nölst. So. Ich geh jetzt gucken, ob die Sonne wieder da ist.

(Zusatzbonuslink: http://www.amazon.de/gp/product/B000VZ37A4/ref=s9_simh_gw_p21_i4?pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=center-2&pf_rd_r=184KB0N66TPH7XQS89T4&pf_rd_t=101&pf_rd_p=463375173&pf_rd_i=301128)

Mathe kann ganz schön geil sein

Heute Matheklausur zurückbekommen: mangelhaft. Oh. Aber seht her, was T. heute von meiner Mathelehrerin bekommen hat! Eine…

Ich spiele trotzdem mit den Schmuddelkindern

Der beste und lächerlich einfachste Trick bei Trödelmärkten ist, die Verkaufsstände möglichst bei Abwesenheit der Sonne aufzusuchen. Viele Verkaufsstandmenschen schlafen dann noch und wenn man sie nun weckt, haben sie kein Interesse am Handeln und legen den Preis besonders niedrig an, damit ich, der Aufweckende, schnell wieder geht und der eigene Schlaf weitergeführt werden kann. Clever, was? Auf diese Weise habe ich heute geschätzt fünfzig Cent gespart, außerdem bin ich jetzt schon fast neun erlebnisreiche Stunden auf den Beinen, obwohl erst Mittag ist. Der Mensch schläft etwa ein Drittel seines Lebens, ich hingegen möchte nicht noch mehr Zeit verschlafen. Bekannt ist sicherlich die alte Faustregel „Kaufe niemals Schwimmflossen auf dem Trödelmarkt, sonst werden deine Füße eitern und schimmeln!“, aber weil ich Nachsicht spannender finde als Vorsicht, habe ich es dennoch gewagt: für einen Euro wanderten um fünf Uhr morgens zwei grüne Schwimmflossen in meinen Besitz. Am Nachmittag hätte ich sicherlich mehr dafür bezahlt. Morgen reise ich zum Nil und probiere sie aus!

Wenig später erreichte die Sonne unsere Erdhalbkugel und ich benötigte ein Frühstück. Eine Zigarette war mir dafür nicht genug, ich genehmigte meiner Lunge eine zweite. Ich las gerade in meinem neuen Franz Josef Degenhardt-Buch (fünfzig Cent), als ich die zweite Kippe auf den Kieselsteinboden warf – und ein Polizeimensch in meine Richtung trabte.

Was haben Sie da gerade gemacht?“
„Ich weiß, ich weiß; Körnerbrötchen und Orangensaft wären ein besseres Frühstück gewesen, Herr Polizist, aber Sie wissen doch, wie das ist. Der nächste Supermarkt beginnt mit seiner Verkauferei erst in zwei Stunden.“
„Und dann schmeißen Sie die aufgerauchte Zigarette einfach so auf den Boden? Unsere Mülleimer haben rund um die Uhr geöffnet.“
„Hehe, ein gelungener Scherz, Herr Polizist! Ich verstehe Ihren Unmut, aber sehen Sie, ich wollte mir ja einen Aschenbecher kaufen. Mir gefiel ein Jonnie Walker-Aschenbecher sehr, er sah nach Stil aus und ich war auch im Begriff, ihn zu erwerben, aber trotz des Trödelmarkttricks wollte die Verkäuferin sechs Euro dafür haben! Da musste ich ablehnen. Sie kennen doch den Trödelmarkttrick mit dem frühen Aufstehen und so weiter?“
„Ich bitte Sie höflichst darum, ihre Zigarettenstummel in den Mülleimer zu werfen. Schönen Tag noch.“

Polizisten sind ganz nette Menschen, doch manchmal haben sie nichts Wirkliches zu tun und dann tun sie mir leid. Für uns Normalbürger ist es schön, wenn keine großen Verbrechen geschehen, aber wenn sich ein Polizist nur mit Kleinstbagatellen beschäftigen muss, lebt er unzufrieden und unausgefüllt. Was ist ein Hüter des Rechts ohne Unrecht?
Dann fand ich bei meiner Trödelmarktvisite noch ein Diddlmaus-Puzzle mit fünfhundert Teilen. Das hatte ich auch früher mal besessen. Natürlich hatte ich großes Interesse an einem Kauf, mein eigenes Puzzle habe ich im Verlauf eines Umzugs leider weggeworfen. Ich hätte gern wieder dieses Puzzle, denn es gibt weniger sinnvolle Möglichkeiten, seine Freizeit zu verschwenden, zum Beispiel Mandalas oder Vuvuzelas. Doch zuvor musste ich prüfen, ob alle fünfhundert Teile noch beisammen waren. Habe also gezählt, drei fehlten. Nö, dann nicht.

Notes Of A Dirty Young Man

Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, kann es nur noch vorwärts gehen. Das ist beruhigend. Auf dem Weg zur gegenüberliegenden Wand finden sich zahlreiche Geschenke, zum Beispiel verklebte Kaugummis, ungelesene Zeitungen und Haarspangen. Ich hielt neulich die Hundeleine zu locker und dann ist der Hund weggelaufen. Er kam bis heute nicht mehr zurück, doch das ist okay; auch ein Hund darf machen was er will. Bastian Schweinsteiger hat gestern übrigens wirklich sehr gut gespielt. Aber das gehört hier nicht hin und her. Erzählen möchte ich noch von meinem Donnertag, an dem ich kurz davor war, das Gesamte zu verstehen. Leider störte mich dann ein Telefonat. Schade. Mein Freitag war dann nicht so ereignisreich, ich entsorgte ein paar abgelaufene Fruchtjoghurts; zwei davon mit Himbeergeschmack, weil Himbeeren lecker sind. An besagtem Tage konnte ich zudem ein Eiswürfelgerät aus Plastik erwerben. Wasser gefällt mir im flüssigen Zustand nicht so sehr, ich habe gern etwas zu tun und lutsche deswegen für mein Leben gern eisiges Würfelwasser. Davon hat man auch länger was, gerade jetzt, in der Warmzeit. Eine perfekte Überleitung zu dem, was ich am Wochenende getan habe: da habe ich versucht, meinen Körper vor der wetterbedingten Wärme zu schützen, indem ich am Tag geschlafen und nachts meinen üblichen Kram gemacht habe. Dieser Versuch muss als gescheitert in mein Notizbuch geschrieben werden, da mein obligatorischer Samstageinkauf von den Öffnungszeiten der Supermärkte verhindert worden ist. Der normale Konsument glaubt vielleicht gar nicht, wie teuer Milch ist, wenn man ihn an einer Tankstelle ersteht. So wurde es am Sonntag ein geldintensives Müsli. Alles in allem hatte ich aber dennoch ein schönes Wochenende. Hauptgrund dafür ist, dass die Postkarte, die ich mir beim Urlaub im Nachbarort selbst geschrieben hatte, nach zweiwöchiger Wanderung endlich angekommen ist. Schöne Grüße aus Mönchengladbach!

Nicht jedes Gespräch ist Unterhaltung

Und einmal, da machte ich alles verkehrt und dachte darüber nach, ob es Ursachen gegeben hatte und wieso. Wie unklug. Augen zu und durch ist besser als Augen zusammenkneifen und dem Elend in die Augen sehen. Denn das Elend ist hässlich und grell. Zum Glück fand ich in einer Kiste ein altes Schreibdokument, eine Art Tagebucheintrag und ich amüsierte mich sehr über den Inhalt, obwohl er in einer sehr dunkleren Nacht aufgeschrieben worden ist. Der größte Idiot ist immer man selbst, man muss sich nur immer mal wieder daran erinnern. Ich lachte laut, sah aus dem Fenster, ob ich Nachbarn aufgeweckt hatte und weil draußen nur ein paar Katzen ungestört auf Mülleimern tanzten, entschied ich mich spontan für gute Laune. Eine Bob Dylan-Platte lag immer noch auf dem Plattenspieler, ich hatte wohl lange keine Platte mehr gehört, weil meine iTunes-Musiksammlung einfach viel einfacher zu handhaben ist. Einfach heißt aber nicht gemütlich. Schallplatten haben Flair. Ich ließ die Nadel auf der Rille von „Desolation Row“ herunter, suchte meine Zigaretten, spielte ein bisschen mit dem Lichtdimmer und als alles angerichtet war, genoss ich einfach die Momente. In Unterhose auf dem Boden liegen ist oft eine gute Idee. Mit geschlossenen Augen, natürlich, denn, das wissen wir, sonst droht das Elend. Schade, dass kein Alkohol im Kühlschrank war, aber es war alles auch so schon mehr als okay. Dann genoss ich die Momente zu sehr und schlief ein. Als ich am nächsten Mittag aufwachte, hatte mein Teppich einen neuen Brandfleck. Zu blöd zum Rauchen! Da war er wieder, der Idiot. Ich hatte mich wieder erfolgreich an ihn erinnert! Also erneut lachen, es ist eben doch alles lustiger als man denkt. Was hatte ich eigentlich nochmal verkehrt gemacht? Erstmal ein Kaffee.

Europe – The Final Countdown

Hallo Johannes,

Wir haben eine Anfrage auf dauerhafte Löschung Deines Kontos erhalten. Dein Konto wurde deaktiviert und wird innerhalb der nächsten 14 Tage dauerhaft gelöscht.

Wenn Du die Anfrage auf dauerhafte Löschung Deines Kontos nicht gestellt hast, folge dem untenstehenden Link, um diese zu widerrufen:

http://www.facebook.com/account_delete.php

Danke,
Das Facebook-Team

Ein Wortspiel wie „fetter Fehler“ wäre mir jetzt zu blöd

Ich wollte eigentlich nur meinen Bus erwischen, doch Rainer Callmund gab in einem mir bis heute unbekannten Krefelder Modehaus eine Autogrammstunde und weil ich ein lustiger Type bin, konnte ich mir das nicht entgehen lassen. Zwanzig Minuten Anstehen bei Schlagermusik und neben Damenhosen. „Wat sollich druff schreibe?“, quetsche mich Calli aus. „Jacques, bitte.“ Das hat dann aber nicht so geklappt:

Ich klärte ihn auf und diktierte ihm meinen Namen (bzw. „Jacques“). Hat beim zweiten Versuch alles geklappt. Toll. Er freute sich noch darüber, dass ich hieße wie irgendeinen Rennfahrer, aber den kannte ich nicht und es war nicht Jacques Villeneuve, denn den kenne ich. Ich holte mir anschließend ein paar Drinks und der heutige Abend wird sicher prima.

Gute Blogeinträge brauchen keine Überschrift

Wenig Leute lesen im Regen, weil sie denken, dass das falsch wäre. Natürlich liegen sie alle daneben. Gewiss, die Seiten werden nass und man darf nicht langsam lesen, sonst werden sie zu nass. Man muss es einfach nur richtig tun. Dann ist es gut. Ich hatte Geld auf dem Konto und kaufte mir ein Buch von Charles Bukowski, schon wieder. Ich zahlte mit Karte. Der Bus in meine Richtung kam noch nicht und ich stieg in ein Café ab, gönnte mir einen Kaffee. Ich saß dort nur zwanzig Minuten und Bukowski bumste, soff und kotze vor sich hin. Zwischendurch wünschte sich eine Frau irgendeinen Kuchen, hauptsache lecker, und Bukowski kaufte ihr zwei Stücke, damit sie aus einem der beiden wählen konnte. Er war eben doch ein prima Typ, der Buk. Der Kaffee war nicht besonders lecker und ich verpasste den nächsten Bus trotzdem. Ich sah, wie Leute ihre Regenschirme aufspannten und setzte mich auf einen großen, nassen Stein. Niemand außer mir schien sich über den Regen zu freuen; wo sind die Regenkinder, die sich an ihm erfreuen und herumspringen und Pfützen suchen? Immer, wenn ich aufsah, sogen die Bukowskiseiten zuviel Wasser in sich auf und würde ich Bücher zweimal lesen, könnte ich auf diese Weise erkennen, wann ich eine Lesepause gemacht habe. Offensichtlich gehöre ich zu den Menschen, die es gut finden, wenn ihre Bücher gelesen aussehen. Ich sehnte mich nach einem guten Getränk.

Leider hörte der Regen unangekündigt auf, das Buch verschwand in meiner Tasche und ich überlegte, ob ich mir eine Meinung dazu bilden sollte, dass Horst Köhler als Bundespräsident zurückgetreten war. Ich hatte davon erfahren, als ich im Wartezimmer des Plasmazentrums auf meinen Untersuchungstermin gewartet habe. Man konnte mir kein Blut abnehmen, weil ich einen zu hohen Puls hatte. Das lag weniger an Köhlers Rücktritt, sondern eher daran, dass die Blutplasmafrau mir zuvor die dicken Spritzen gezeigt hatte, die sie mir später in die Pulsadern rammen wollte. Ich bin ein Weichei, vielleicht. Weicheier dürfen aber prinzipiell Blut spenden, im Gegensatz zu Schwulen und Schwangeren. Ich bin weder noch. Morgen gehe ich wieder hin, trinke dann aber vorher einen Kaffee, nicht erst danach. Wieso dürfen Schwule, die nachweislich kerngesund sind, kein Blut spenden? Weil sie ab und zu mal einen Penis im Arsch haben? Ich finde das nicht okay. Trotzdem spende ich (nicht so kerngesunder, heterosexueller Jungspund ohne Anzeichen einer Schwangerschaft) dann hoffentlich ab nächster Woche mein wertvolles Blutplasma; ich brauche das verdammte Geld.

Der Eintrag endet unspektakulär damit, dass ich in den Bus einstieg und ein Nutellatoast aß.

Im Newsletter steht nur Altes

Eine Stunde lang im Kreis laufen oder um den Häuserblock. Ist doch vollkommen okay. In der Innenstadt sieht man viele Menschen, die unsympathische Dinge machen müssen, weil sie Geld brauchen. Beispiel. Ein Afrikaner sitzt mit lustigem Hut und Gitarre vor einem Modegeschäft für Besserverdiener und spielt „Let it be“ von den Beatles. Er spielt es zehn Minuten lang. Leider kann er nicht besonders gut Gitarre spielen. Leider konnte er sich den Text nicht komplett merken und er baut deswegen witzige Fantasieworte (Afrikaans?) in den Song ein. Dafür ist seine Stimme recht gut; aber singen können die Neger ja sowieso alle, schnappe ich am Wegesrand auf. Ja, außerdem haben die alle einen riesigen Penis. Ist doch schön, wenn man sich auf Klischees verlassen kann, sie ersparen einem viele Lästigkeiten. Drei kleine Kinder springen vorbei, gucken sich den Musikanten an und werfen ihm trotzdem Wechselgeld in die Gitarrenaufbewahrungskiste. Von dem Geld kann sich Herr Musik nun ein Brötchen aus der Backfabrik kaufen oder er spart noch ein wenig, dann kann er sich im iTunes-Store ein neues Lied kaufen. Vorschläge: „Kumba Ya“, „Yesterday“ oder „Satellite“. Oder er kauft sich einen neuen Hut, aber davon rate ich ab, sein alter ist gut. Ich erledige auch meine Pflicht als netter Kerl und spende ihm zweiundfünfzig Cent.

Eine junge Dame kreuzt den Weg. Sie trägt bunte Werbung mit sich und verschenkt diese an ausgewählte Probanten. Zur Eröffnung kostet jede Frisur nur zehn Euro; da nehm ich doch direkt zwei, höhö. Fünf Meter weiter Richtung Westen sieht man drei auf den Boden geworfene Werbezettelchen. Ein Wegwerfer hat dabei eine Pfütze getroffen, abstrakte Kunst, fast. Wäre ich eine Taube, würde ich jeden Tag auf McDonald’s kacken. Einfach so. Tauben sind super und wer das Gegenteil behauptet, ist nur neidisch auf die taub’schen Privilegien. Ich geh dann mal wieder nach Hause, wie immer.

Wie es in Werden war

Gestern habe ich Kultur in der Kulturhauptstadt 2010 konsumiert. Essen hat sich mal das „Pfingst Open Air Werden“ ausgedacht. Ganz viele Musikmachende und Musikhörende haben das gut gefunden und sind erschienen. Und weil es rechnerisch nicht sein kann, dass alle meine Leser bei der diesjährigen Auflage anwesend waren (ich habe zudem keinen von euch gesehen), hier ein paar witzige Anekdoten und, zur Auflockerung, auch ein paar unwitzige.

Weil ich mir noch keinen Führerschein gekauft habe, begann die lange Reise am Hauptbahnhof. Ich öffnete mein zweites Bier, rauchte meine dritte Zigarette und platzierte mich auf einer Sitzgelegenheit vor dem Gebäude; eintreten konnte ich nicht, da mich „Rauchfreier Bahnhof“-Schilder böse angesehen haben. Neben mir saß ein alter Mann mit alter Jacke und alter Stimme und alten Geschichten. Er erzählte mir, dass er als kleiner Junge halb aufgerauchte Zigaretten auf Bahngleisen eingesammelt hat, weil er kein Geld für richtige Kippen hatte (möglicherweise fand er es aber auch unheimlich geil, sich wie eine Taube im Sekundentakt am Gleis zu bücken, aber diesen Gedanken behalte ich für mich). Um eine Zigarette bat er mich und natürlich ging ich diesem Wunsch nach. Unangenehm war mir, dass er mich dafür mit unvernünftig viel Kleingeld bezahlen wollte. So einer bin ich nicht, aber er bestand darauf und dann war ich doch so einer; auch, weil ich gestern Abend mein letztes Geld versoffen hatte. Ich klopfte ihm zum Abschied auf die Schulter und jetzt sind wir Freunde. Später war ich dann irgendwann in Essen-Werden und Entschuldigung für diesen Zeitsprung, aber ich muss ja auch mal zur Sache kommen.

Gisbert!In Essen-Werden stand ich lange in einer Warteschlange, dann begrüßte ich Sicherheitsmenschen, die sympathisch ungenau arbeiteten und drei Bierflaschen in meiner Tasche übersahen. Und dann war da noch dieses schöne Gewässer, wahrscheinlich die Ruhr, und da schwammen ein paar Leute drin, Gedichtegutfinder dürfen sich diese Umgebung als „Idylle“ vorstellen. Auf der Bühne war ein Kollektiv namens „BEAT!BEAT!BEAT!“ und die waren wahrscheinlich gut, aber ein ausführliches Urteil überlasse ich anderen, habe nur eine Komposition mitbekommen. Dann habe ich ein paar Menschen zur Seite geschoben (manche davon waren wirklich hübsch, die schob ich dann weniger aggressiv), damit ich Gisbert zu Knyphausen (siehe Bild rechts oder hier) aus naher Nähe sehen kann. Der zappelige Ansagemensch, der zwischen den Künstlern eine Beatbox (größster Scheiß überhaupt, übrigens) war, kündigte ihn mit „Hier die Band ‚Gisbert von Kryphausen‘!“ an und da war ich froh, dass der gute Gisbert doch noch nicht so berühmt geworden ist, wie ich befürchtet hatte. Während „Flugangst“ und vor „Kräne“ musste ich aus Versehen pinkeln. Bei ausnahmslos allen Liedern musste ich aus Versehen mitsingen. Mehr will ich jetzt hier nicht vom Gisbert erzählen, aber denkt euch einfach ganz viele Superlative: er ist immer noch der Beste. Applaus.

Es waren ganz viele Menschen anwesend, der Großteil jünger als das (in diesem Jahr neunundzwanzig Jahre alt gewordene) Festival und manche bedeckten ihre Körper mit Bandshirts. Bandshirts sieht man immer nur bei Musikereignissen, das prangere ich an. Übrigens ist die Population von T-Shirts mit unwitzigen Sprüchen („Ich bin wegen dem Bier hier“) stark steigend, ich hasse diese Menschen und ihr könnt mich alle mal. Was man auf einem Festival niemals machen darf, ist sich rauchend irgendwo hinzusetzen. Alle neun Sekunden kommt jemand und schnorrt. Den Ersten fand ich noch amüsant, weil mir spontan „Nein, verzeih, ich bin Nichtraucher“ einfiel, aber die anderen dürfen sich neben die Witzshirtträgern in der Hassreihe stellen. Dann kamen Friska Viljor auf die Bühne, die ich Anfang des Jahres schon als okaye Liveband erlebt hatte und so nutzte ich die Zeit sinnvoll(er) und tat rumlaufend so, als würde ich jemanden suchen. Bewegung tat mir gut, die Wirkung des Alkohols lies nach und mein leeres Portmonee hinderte mich daran, diesen Umstand zu ändern. Ich setzte mich an einen Baum (ich behaupte, dass es eine Birke war, aber das ist geraten) und schrieb Kokolores in mein Moleskine-Notizbüchlein. Dabei wurde ich überraschenderweise nicht doof angeguckt. Wenn man an einem Ort ist, an dem man Sachen machen kann, die man gut findet, ohne dass man dabei doof angeguckt wird, dann ist man da, wo es richtig ist.

Bonaparte!Bonaparte (siehe Bild links, Abb. ähnlich) hätte ich schon letztes Jahr auf dem Melt sehen können, wenn ich die nicht verpennt hätte. Ihr Auftritt auf dem „Pfingst Open Air Werden“ war voll von Masken, Komischkeiten und nackter Haut. Das war gut so, denn die Musik war überraschend öde. Aber Schweinsmützen, Babyköpfe und sich langsam entkleidende Tänzerinnen machten das wett. Einmal drehte ich mich um, um in die Gesichter der geschätzt zwei Millionen Leute hinter mir zu sehen und da waren eine Menge Leute dabei, die vor lauter Sex und Kunst auf der Bühne nicht wussten, ob sie masturbieren oder applaudieren sollten. Weil Massenwichsen nur in Pornos und Kreisen, in denen ich nie verkehren (haha!) werde, existiert, haben aber alle in die Hände geklatscht und die Hosen anbehalten, zum Glück. Mehr Musik konnte ich mir danach leider nicht mehr angucken, denn die restlichen zwei Bands spielten irgendeinen Metalscheiß, den bitte andere gut finden sollen. Ich spazierte zum Ausgang, traf auf dem Weg E., sagte ihr nett „Hallo!“, sie malte mir was in mein Moleskine-Notizbüchlein und gab mir Eistee. Im Gewühl habe ich verpasst, ihr „Tschüss!“ zu sagen, aber sie wird mir verzeihen. Fantastischerweise war eine Dosenbierverkäuferin auf dem Weg zur Bahn und ich tauschte das Stunden zuvor vom netten Geschichtenerzähler erhaltene Klimpergeld gegen eine Dose unleckeres Regionalbier. So schließt sich der Kreis, dachte ich mir. In der Bahn spielten ein paar Indiekids „Stadt-Land-Fluss“ und wussten nie einen Fluss. Niemand kennt viele Flüsse, deswegen entscheidet sich bei „Stadt-Land-Fluss“ auch immer bei „Fluss“, wer gewinnt. Flusswissen ist goldenes Wissen, die restlichen Kategorien benötigen nur Spontanwissen.

Sapperlot, da gab es ja doch einiges von meinem großartigen Ausflug nach Essen zu erzählen. Ich lege mich dann mal auf meine überforderten Ohren. Gute Nacht.

Daily Mail vom 17. Januar 1967

Ich entwirre gerade ein Wollknäul. Nein, das ist gelogen, aber „Knäul“ ist einfach ein viel zu schönes Wort, um es hier unverwendet zu lassen. Um ehrlich zu sein, habe ich in den letzten zehn Minuten geschätzt fünf Probehefte bestellt, von der „jungen Welt“ sogar ein dreiwöchiges, kostenloses Probeabo. Ich fahre nicht selten eine Dreiviertelstunde Bus am Tag und wenn die Verlage so nett sind, mir für lau irgendwas zum Lesen zu schicken, dann sag ich nicht nein, sondern ja. Man muss aber aufpassen, manchmal hat man dann noch ein ungewolltes Abonnement an der Backe. Aber ich habe aufgepasst. Zum Glück haben meine Kostenloshefte alle einen anderen Verlag; ich käme mir ganz schön blöd vor, wenn ich wüsste, dass da eine Praktikantin sitzt und „Sieh mal einer an, der Herr F. schon wieder, bestimmt ein arbeitsloser Vollhonk!“ sagt, denn ich bin kein Vollhonk.

Wenn ich ein Heft fertig gelesen habe, schmeiße ich es natürlich nicht sofort weg. In meinem Zimmer hängen in jeder Ecke fantastisch-viele Zeitungsschnipsel, wahnwitzige Überschriften und phänomenal-geile Bilder. Auf meinem Plattenspieler steht (wie einfallsreich) „Ich will Musik“ (Intro), an meiner Tür hängt „Guido Westerwelle: Unbeliebtester Deutscher“ (Spiegel) und über meinem Schrank wohnt die taz-Seite, die auch über diesem Beitrag hier hängt. Und die rauchenden Franzosen, die kennt ihr ja schon.

HE-HE-123

Viel zu wenig gelobt werden unsere deutschen Autokennzeichen. Das hat sich vor vielen Jahren wirklich ein ziemlich schlauer Mensch ausgedacht, das mit den Autokennzeichen. Man kann in unserem Land immer schnell lesen, aus welcher Stadt jemand in die weite Welt ausgebrochen ist. B, HH, KR, M und so weiter, unvernünftig toll, wenn man bedenkt, dass in vielen anderen Ländern einfach irgendeine sinnfreie Kombination aus Buchstaben und Zahlen die Kennzeichen bewohnen. Sympathische, deutsche Bürokratie. Äußert unansehnlich sind übrigens die gelben Kennzeichen aus z.B. Holland, da haben wir es hier viel besser. Trotzdem ist Deutschland in der Kategorie „Schöne Autokennzeichen“ leider nur Vizeweltmeister, hinter Dänemark. In Dänemark gibt es – je nach Steuerklasse, Lust und Laune – verschiedene Farben für Autokennzeichen, zum Beispiel weiß, gelb und rot. Zumindest war das im April 2001 so, wie man hier lesen kann und weil diese Geschichte so schön ist, werde ich ganz bestimmt nicht recherchieren, ob die Dänen dieses schöne System inzwischen reformiert haben. Rote Kennzeichen! Und blaue gibt es auch! Vielleicht wandere ich mal nach Dänemark aus, da wohnen nicht viele Menschen und wenn man mal welche herumfahren sieht, dann kann man direkt am Kennzeichen erkennen, ob jemand Wichtiges an einem vorbeifährt.

Trotzdem mache ich meinen Führerschein noch nicht, später vielleicht, aber gewiss nicht in absehbarer Zeit. Ich bin viel zu müde und uninteressiert im Moment. Morgens einen Kaffee exen, dennoch im Bus fast wieder einschlafen und dann unterwegs noch irgendwo einen „Coffee to go“, oder, wie eine ganz lustige ältere Dame neulich gesagt hat „einen Kaffee Togo“. Hehehe, alte Menschen sind so goldig. Die Sonne geht unter, ich geh kaputt und morgen früh bastelt mich der liebe Gott wieder zusammen. Nach dem Aufstehen erstmal eine Laola-Welle vor dem Spiegel, toll gemacht, Gott. Ich bedanke mich ein weiteres Mal. Gibt es eigentlich Zahnpasta mit Kaffeegeschmack? Oder Kaffee, der die Zähne reinigt? Und: wie oft kann man eigentlich ein Glas kleben, bis es endgültig zersprungen ist?

Wahre Größe beginnt bei Einmeterachtzig

Ich habe mir mal eine Tasche gekauft, für zwei Euro in einem Eineuroladen. Sie ist zu hässlich, um sie der breiten Öffentlichkeit zuzumuten, aber es passt ein bisschen was rein. Und in einer Zusatztasche der Tasche war ein quadratisches Dings und heute schien es mir an der Zeit, herauszufinden, was das weiche Quadratteil denn genau sei. Ich faltete es auf und es war: eine Damenbinde. Eine weitere Enttäuschung erwartete mich beim Plattenladen meines wertvollen Vertrauens: meine Bestellung (die neue Gisbert zu Knyphausen-Vinyl, natürlich) ist noch nicht da und ich muss noch ein paar Tage darauf warten. Weil der Vertrieb noch irgendwas aus irgendwo mitschicken will. Geht aber im Moment nicht, weil Ejafjallaslökull. Ich hege starke Zweifel, ob der komische Kultvulkan (BILD.de) wirklich so heißt; habe mal versucht, den Namen aus dem Gedächtnis heraus zu schreiben. Und ich dachte, dass die Flugzeuge jetzt wieder arbeiten dürfen. „Diese Woche kam gar nichts; keine einzige Platte!“, sagt der Plattenladenmensch. „Heute geht aber auch gar nichts, ich mache mir jetzt erst mal ein Bier auf!“, sage ich. Heute ist der Welttag des Bieres und des Buches, kein Witz. Das muss gefeiert werden, vielleicht. „Das Leben ist schwer, aber man muss lernen, es zu meistern“, hat Heinz Strunk mal gesungen. Heinzer, du bist so unheimlich schlau.

Braucht jemand eine Damenbinde der Marke „Tena“?

Poposex und Poesie, wie Funny so schön singt

Keine sauberen Socken mehr. Frische Socken treffen erst wieder am Nachmittag ein, aber noch ist es viel zu früher Morgen und Leute warten auf einen, weil man ein Referat über Parasiten vortragen muss und Referate immer extrem spannend sind, zumindest bekommt man danach immer Applaus und jeder weiß, dass es für Scheiße keinen Applaus gibt; ich schweife ab. Lösungsansätze für das Sockenproblem: a) neue Socken kaufen b) Stinkesocken anziehen c) Socken irgendwie waschen. Variante b) fällt weg, weil kein vernünftiger Mensch freiwillig riecht wie Käse und man selbst bei Ablehnung von a) und c) die neue Idee „d) Socken weglassen und Sandalen anziehen (oder Flip-Flops!)“ entwickelt. Variante a) fällt zumindest in meinem Fall weg, denn ich bin Schüler und Geld wird in meinem Alter noch für Unsinn ausgegeben, nicht für Nutzgegenstände. Ich kaufe zum Beispiel in unregelmäßiger Regelmäßigkeit unterwegs Fresszeug, obwohl zu Hause kostenlose Nahrungsmittel herumstehen, -liegen und -sitzen. (Nanu, wird sich der Leser jetzt wundern, was für Lebensmittel sitzen denn? Mir ist nichts eingefallen, klingt aber lustig.) Was für Geldverschwendung! In Afrika verhungern Kinder und die Bänker haben auch nicht mehr so viel Geld wie 2004! Ich bin aber dazu gezwungen. Das sind die Gene. Die Pubertät. Sushi statt Socken. Achso, ja, Socken.

Man ist jetzt sicher interessiert an meiner Lösung des Problems: ich habe doch noch ein paar Socken im Schrank gefunden. Alles unspektakulär gelöst. Die meisten Probleme lösen sich auf diese Weise. Aber die wirklich interessanten Probleme sind ja sowieso die, die sich zäh in die Länge ziehen. Deswegen berichtet die Tagesschau ja auch nur über Vulkane oder Friedensverhandlungen in irgendwo und nicht über Mehrzad Marashi oder eben: Socken.

(die Überschrift hat wie gewohnt nichts mit dem Inhalt des Eintrags zu tun spielt (und das ist ungewohnt!) auf ein Lied von Funny van Dannen an. Schöne Grüße an dieser Stelle an Moritz vom Sockenblog, weil Socken.)

Das Licht ist aus, fast.

Das obrige Bild habe ich am 27.02.2010 geknipst und ich habe die Glühbirne immer noch nicht ersetzt. Nur zwei Lampen erhellen meine Butze. „Butze“ ist übrigens ein schönes Synonym für „Zimmer“. „Butze“ habe ich als tolles Wort erstmalig wahrgenommen bei irgendwas von Heinz Strunk, der auf dem Bild links oben zu sehen ist. Mein Chef hat auch mal Butze gesagt, aber ich weiß noch nicht, ob das Wort dadurch sympathischer wird oder eher nicht. Heute ist mir aufgefallen, dass das englische Wort „stuff“ deutsch ausgesprochen ein feine Umschreibung für „Zeug“ wäre. Ich werde dieses Wort nun etablieren. Der Kerl, der sich quer durchs Bild streckt, ist Max. Max macht es wie 99,96 % unserer Mitbürger und liest diesen Blog nicht. Dennoch sei er an dieser Stelle mal gegrüßt. Hallo Max!

Ich habe einen Drehlichtschalter; sprich, ich kann die Stärke der Glühlampen durch Drehen justieren und habe ganz viele tolle Ausleuchtungsmöglichkeiten. Nicht nur doof an oder aus. Eine großartige Erfindung. Sollte es dafür einen weltbekannten Erfinder geben, ist der zwar wahrscheinlich tot, aber wenn ich hier schon abwesende Leute grüße, dann kann ich mich sicher auch bei Toten bedanken. Danke, danke, danke! Und wenn man den Schalter ein bisschen weiter dreht, ist es auch fast so hell wie mit drei Glühbirnen. Faulheit siegt!

Fische bei die Butter!

Heute ziehe ich mich aus! Und ich zeige euch alles, was im verdammten Scheißinternet NUR ICH sehe! Wahnsinn! Endlich mal was Privates hier im Blog!

SchülerVZ:

Facebook:

LastFM:

Blog:

Amazon:

Und das hat jetzt auch alle interessiert! Aber eine tolle Möglichkeit für Moritz, Tassilo und Rike, mal in diesem Blog erwähnt und gegrüßt zu werden. Hallo! Jetzt muss ich aber schnell wieder zu Facebook, Freundschaftsanfragen ablehnen. Aber wer ist Lennart J.?

Sunrise, sunrise; looks like morning in your eyes

In den Ferien soll man Sachen machen, zu denen man während der Schulzeit keine Gelegenheit hat. Okay. Ich blieb also die ganze Nacht wach. Mit ein paar Flaschen Bier, aber nur des Genusses wegen. Ein bisschen Musik nebenher, aber natürlich leise, man will ja niemanden zwingen, ebenfalls bis zum Sonnenaufgang zu warten. Sicher, ich hätte auch während der Schulzeit früher aus dem Bett fallen können, um mir anzugucken, wie sich die Erde um die Sonne dreht. Aber man nimmt solche Momente weniger schön wahr, wenn man weiß, dass anschließend Busfahren, Schulalltag und Entschuldigungen für nicht gemachte Hausaufgaben auf einen warten. Also wartete ich auf meiner Fensterbank. Einmal lief eine schwarze Katze auf der Straße herum. Katzen haben Glück, dass sie nur für Niedlichsein und Schnurren bekannt sind. Andere Tiere haben nicht so ein Glück; Enten zum Beispiel sind nur dann süß, wenn man sie beim Chinsen isst. Ich habe der Katze freundlich gewunken. Hallo, putziger kleiner Freund! Es gibt Katzenmenschen und Hundemenschen, ich favorisiere Katzen. Mehr ist in der letzten Stunde vor Sonnenaufgang nicht passiert. Glücklicherweise hielt mich die Vorfreude wach.

Ach, Sonne! Der Anbruch eines neuen Tages macht melancholisch und romantisch. Menschen haben meistens nur dann ein Lächeln im Gesicht, wenn sie irgendwie mit was Lustigem oder Menschen, die sie gut finden, zu tun haben. Dass nur die Natur für Freude sorgt, ist ziemlich selten. Dementsprechend genoss ich diese Minuten. Als der Tag dann endgültig aktuell wurde, ging ich herunter und machte mir einen Kaffee. Bescheuert eigentlich, denn irgendwann musste ich später ja auch mal schlafen gehen. Ich holte die Tageszeitung hinein, aha, der Zeitungsverteilungsmann war also auch schon da gewesen, ich hatte ihn nicht bemerkt. Oh, wie viel Scheiße gestern wieder in der Welt passiert ist. Ach, was soll’s. Ich ging dennoch mit einem guten Gefühl schlafen. Rolladen herunter, viel zu hell diese verdammte Sonne.

Schade, dass die Zeiten, in denen man in der Schule von seinem schönsten Ferienerlebnis schreiben durfte, vorbei sind. Ich hätte da ja was Feines. Im Gegensatz zu den üblichen „Erlebnissen“ im Robinson Club. Home is, where your sunrise is!

Sensation: Jesus war Atheist!

Aprilscherze sind doof. Weiß doch jeder, der selber nicht doof ist. Aber heute, hihihaha, da hat mich „Maria“ per Mail ganz schön „auf Korn“ genommen (HAHA, „aufs Korn nehmen“, was soll das denn heißen?)!

Hi remember me?
Hello my dear. Hey, want to marry a Russian beauty? I want you, my good man. Come to my profile – you‘ll get a surprise! You want what would you be good? Come to me.
/Link entfernt/

Und dann habe ich natürlich auf den Link geklickt. Aber da war gar keine Maria! Sondern vierundzwanzig nackte Frauen. Da bin ich ja mal voll reingefallen; zwinker, zwinker. Achso, schöne Grüße noch an den alten Mann mit der Baseballmütze, der mich heute auf offener Straße höflich nach der Uhrzeit gefragt hatte. Er sah mit seiner trägen Gestalt nicht so aus, als bedeute Zeit für ihn noch etwas, also habe ich mich bei der Uhrzeit um zwei Minuten „vertan“. Zwölf Uhr und acht Minuten statt Zwölf Uhr und sechs Minuten. April, April!

Die vielleicht langweiligste Auflistung nach Christi Geburt

Oh nein. Ich habe heute eine schöne Shoppingtour gemacht, habe also viel Kleinzeug gekauft und bin dann auf der Rückreise noch bei REWE abgestiegen, um mir vier Flaschen Beck’s zu kaufen. „Da könnt ihr heute billig trinken!“ meinte die Verkäuferin. Nächste Woche sind die Biere offiziell unlecker bzw. ihr Mindesthaltbarkeitsdatum wird überschritten. Ich weiß nicht, wen die Verkäuferin mit „ihr“ meint, aber vier Flaschen Bier bekomme ich auch noch alleine hin. Leider hatte ich nur eine kleine Tüte vom Kaufhof, in der sich ganz viele Kleinzeugeinkäufe sammelten und ich brauchte einen Verstaukompromiss. Taschen leeren, Inhalt in die Tüte und dann je eine Flasche links und rechts in die Buxe. Eine Flasche in die Tüte, die andere in die rechte Hand. Tüte an den linken Lenker. Beim Fahren tat mir abwechselnd ein Flaschenhals im Bauch weh, vielleicht sollte ich abnehmen. Fünfzig Meter vor der Behausung riss die Tüte. Sie fiel auf den Boden, ich war machtlos. Die einsame Flasche Beck’s zerbrach. Natürlich. Scheiße!

Retten, was zu retten war. Weil das den Leser, der bis hierhin gelesen hat, bestimmt interessiert, werde ich jetzt den gigantischen Inhalt der Tüte auflisten und witzige Anekdoten in Klammern hinzufügen.

1x CD „Schmotime“ von Absentee (nie habe ich den Sinn, CDs in Klarsichthüllen zu stopfen, meines Plattenladenmenschens verstanden. Bis heute.)
1x CD „Super700″ von Super700 (hätte der Kaufhof auch mal machen können; aber dass die Hülle nach Bier riecht, kann ich tolerieren. Bin ja Rocker, yeah. Super700 sind übrigens eine gute Liveband.)
1x Heftchen „unclesally*s“ (hinüber, aber kein Verlust. Eigentlich ist nur die Kolumne von Yessica Yeti auf der letzten Seite supi.)
1x Heftchen „The Hyper Fidelity“ (hinüber, aber auch kein Verlust. Scheint ein Promoheftchen von Cargo Records zu sein, die beigelegte Promo-CD riecht nach Bier.)
1x „Prinz Friedrich von Homburg“ von Kleist (Reclam, für den Schulbedarf. „Johannes, wieso riecht Ihr Buch nach Bier?“ die Frage, „Herr Lehrer, lesen Sie doch meinen Blog!“ die Antwort.)
1x „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Eichendorff (Reclam, für den Terrassenbedarf. Der Titel hat mich gleich angesprochen; meine Kumpels werden verstehen wieso.)
1x „Kleines Konversationslexikon“ von Dr. Ankowitsch (Bier erleichtert die Kommunikation; das weiß ich, ohne das Buch gelesen zu haben. Ha!)
1x Lohnbrief (der erste meines Lebens! Ich glaube, die Teile heißen gar nicht Lohnbrief, aber das werde ich noch lernen. War zum Glück gefaltet in einem der Heftchen und hat den Angriff überlebt. Mein Chef hat mich ein Jahr jünger gemacht; werde mal nachfragen, ob das Absicht war.)
1x Portmonee (Geld stinkt nicht! Da kann auch Bier nichts gegen tun.)
1x Werbung eines neuen Baguetteladens (dazu fällt mir nichts ein, hätte ich ja sowieso weggeschmissen)
1x Handy (geht noch, aber ruft ja eh keiner an.)
1x Schlüssel (geht auch noch, hahahaha!)

Leckmichfett, was alles in eine kleine Kaufhoftüte passt! Jetzt können „wir“ nur noch drei billige Bier trinken. Heute ist der traurigste Tag seit gestern. Ich fange jetzt mal mit dem Eichendorff-Buch an, vielleicht ist dem lyrischen Ich ja ähnlicher Mist passiert. Die Absentee-CD ist übrigens voll gut, kauft die mal. Prost!

Huhnuhuhnhuhnnhuhnhuhnhuhn

Wenn man Papierfetzchen in einem Aschenbecher verbrennt, riecht es im Zimmer nach Grillparty. Synthetischer Grillgeruch, vergleichbar mit diesen neuen Schnitzeln, die gar keine sind. Soja oder so. Leckerbrötchen-Sojaburger sind ein wahrer Hochgenuss für Jung und Alt, ob warm ob kalt: warm geil wie ein Schnitzel und kalt schmecktastisch wie eine Frikadelle. Jetzt im gut sortierten Kühlregal! Irgendwann wird alles Plagiat sein und wenn beispielsweise alle Hühner von uns Menschen weggefressen sind, kommt ein Chinese und entwickelt ein farbloses Hühnchenfleischimitat, das dann von Malerchinesen in Huhnfarben eingefärbt wird. Und wenn es keine Chinesen mehr gibt, erfindet der Japaner den synthetischen Chinesen, haha. Hauptsache mein Huhn schmeckt lecker. Ich finde es übrigens beachtlich, dass es McDonald’s gelungen ist, ihren Produktnamen „Chicken McNuggets“ quasi zum Synonym für frittierte und panierte Hähnchenfleischteile werden zu lassen. Alle Leute nennen diese Teile so, egal wo sie sind und wo sie die Dinger zu verzehren gedenken. Denkt mal darüber nach. Das ist wie bei Taschentüchern („Tempo“). Wahrscheinlich gehen sogar Leute zu Burger King und bestellen: „Eine kleine Fanta zero und zwanzig Chicken McNuggets mit süß-saurer Soße (oder Sauce?)“, einfach unglaublich.

In meiner Lieblingspommesbude sagt die Pommesbudenfrau immer „Johann“ zu mir, wenn sie fragt, ob ich „einmal wie immer“ haben will. Pommescurrywurstmayo. Mhhhhh.

ISBN-10: 3426783320

Heidi Klum ist Vegetarierin, sie isst lediglich Sushi. Bei ihrer McDonald’s-Werbung tut sie lediglich so, als würde sie in den Hamburger Bacon Chicken TS beißen. Sie setzt dabei ihre Zähne ruckartig (veraltet: ruck zuck) auf das mit Kaliumpermanganat extra kalorienarm gezüchtete Brötchen. Weil die Technikmenschen bei McDonald’s schlau sind, wird das alles so geschnitten, dass der Eindruck erweckt wird, sie würde in den nächsten Sekunden den gesamten Burger mit nur einem Bissen verschlingen. Aber man sieht in Wirklichkeit nur das Aufsetzen der Zähne. In der Fernsehfachsprache heißt dieser Vorgang „Verzehrandeutung“; wobei der Leser diese Information hier exklusiv erhält, denn Google findet für dieses Wort keine Treffer. Aber wer hat dann den leckeren Fleischbatzen gegessen, wenn es nicht die charismatische (veraltet: zickige) Moderatorin, Klamottenanziehfrau und Wichsvorlage getan hat? Es waren Boris Entrup, Bruce Darnell, Rolfe Scheider und Peyman Amin! Dass ich diese vier Namen recherchelos aus dem Handgelenk zaubern konnte, ist erschreckend und beeindruckend zugleich. Mein Gehirn als Blödsinnspeicher, als Endlager für Egales und dabei cooler noch als Gorleben. Aber ebenso explosiv!

Gestern fiel mir beim Fernsehgucken der Name von Peter Sodann nicht ein. Trotzdem habe ich den lustigen Wettbewerb, wer beim Durchzappen mehr Fernsehmenschen kennt, gegen Till mit achtzehn zu elf gewonnen. Dank Roger Willemsen, Lilo Wanders und Simon Krätschmer; scheiße, wieso kenne ich solche Leute. Manchmal bin ich erleichtert, wenn ich beispielsweise zwei Gäste beim „perfekten Promi-Dinner“ nicht kenne. Freude über Unwissen! Hurra, ich kenne dich nicht! Meistens waren diese Unbekanntheiten zu Zeitpunkten berühmt (veraltet: in), in denen ich inexistent, noch jünger oder besser beschäftigt war (z.B. Erdbeerkuchen, Rubbellose oder Fang-den-Hut). Zudem habe ich heute bei Stadt-Land-Fluss gegen meinen Deutschlehrer verloren, obwohl ich witzige Einfälle wie „Wachsmalstifthersteller“ (als Beruf) zu bieten hatte. Wird aber natürlich nicht toleriert, nur „Wissenschaftler“ gab Punkte. Fiel mir aber natürlich nicht ein. Ärger statt Freude über Unwissen. Und wie mein Lehrer beim Buchstaben „J“ auf Jordanien (Land), Jordan (Fluss) und Michael Jordan (Sportler) zu kommen, wäre auch ziemlich unschlecht gewesen. Mfah.

Ach, soll mir doch egal sein, es ist tolles Wetter und dieser Eintrag hier ist der erste in der Weltgeschichte dieses Blogs, der auf einer Terrasse geschrieben worden ist. Hurra!

Spieglein, Spieglein

Es ist zwar immer noch rotzekalt, aber manchmal schien in den letzten Tagen die Sonne. Wobei diese Formulierung eigentlich blöd ist, denn die Sonne scheint ja eigentlich immer. Sogar nachts, nur halt woanders. Egal, darauf will ich nicht hinaus. Also, es schien in den letzten Tagen ab und an mal die Sonne durch die Fenster, also so richtig hell, so dass man richtig geblendet wird. Das war ganz praktisch, denn so konnte ich meinen Schatten in den weiten Gängen meiner coolen Schule als Spiegel nutzen. Mehr meine Umrisse brauche ich dafür nicht, denn mein Schatten reicht mir, um zu merken, dass ich mich schon wieder nicht gekämmt habe. Der Mensch hat Hände, die er als Kamm nutzen kann. So wie der Mensch auch den Schatten als Spiegel nutzen kann. Neumodische Scheißerfindungen, braucht doch keiner. Ich bediene mich bei der Natur. Ha, ich bin ein moderner Pfadfinder!

Krefeld hat ein paar neue Straßenschilder mit einer neuen Schriftart bekommen. Sie sind wirklich sehr hässlich. Und wenn man bedenkt, wie wenig man bei Straßenschildern eigentlich falsch machen kann, dann ist das schon eine bemerkenswerte Leistung. Auf einem Straßenschild, das zu meiner Schule führt, sind zwei Konsonanten vertauscht. Könnte mal jemand verbessern, sonst drehen Postboten, Navigationssysteme und ich noch völlig durch. Danke. Bitte für den Hinweis, ich helfe gern. Kennt einer meiner Leser „Fähnlein Fieselschweif“? So heißt der Pfadfinderverein von Tick, Trick und Track. Track, Tick und Trick sind übrigens eine der wenigen Einwohner Entenhausens, dessen Name nicht auf einer Alliteration beruht. Weitere Ausnahmen: Franz Gans, Kommisar Hunter und Ede Wolf („Freunde: leider keine“). Unter der Woche habe ich gelesen, dass jetzt das vierhunderste „Lustige Taschenbuch“ erscheint. Meine Kindheit scheint schon länger zurückzuliegen als gedacht und befürchtet. Bukowski statt Goofy. Ich weiß noch, dass ich mir das zweihundertfünfzigste LTB (coole neue Abkürzung, die man früher nicht brauchte, weil Abkürzungen eine Erfindungsabzweigung von SMS sind) gekauft habe. Das war eine dicke Sonderausgabe mit extra viel lustigen Geschichten und vorne waren Micky, irgendwas Glitzerndes und Donald drauf.

Ich hasse übrigens Leute, die nicht „Doh-nald“, sondern „Donneld“ (ihr wisst schon) sagen. Aber das nur so am Rande. Wie bin ich jetzt nochmal von Sonne zu Straßenschild zu Disney gekommen? Ach ist ja jetzt egal.

Knallhart nachgefragt #4

hallo fdp

mein politiklerer herr schaulke hat gesagt die fdp ist so ein bischen rechts also so ehnlich wie die partei vom hitler aber wieso ist dann der westerwele schwul ich versteh das nicht ,die nazis waren doch gegen schwule bitte mal erklären danke

jahun

ps macht mal hertz 4 mehr wir haben fiel zu wenig geld ok

Es hat ein wenig gedauert, aber die FDP wollte mir doch noch antworten:

Sehr geehrter Herr Esflor,

vielen Dank für ihre Nachricht vom 20. Februar 2010. Wegen der Fülle der Nachrichten war es uns leider nicht eher möglich Ihnen zu antworten. Wir bitten Sie, dies zu entschuldigen.

In diesem Fall hat ihr Lehrer Herr Schaulke sie wohl verschaukelt. Die FDP als rechts einzuordnen ist falsch!

Die FDP steht in der Mitte der Gesellschaft. Sie steht gegen das Extreme, aber ist mehr als etwas zwischen links und rechts.
Es ist vor allem eine liberale Grundhaltung.
Für sie sind Leistungsbereitschaft, Fleiß und Aufstiegswille keine Fremdwörter. Ihr Denken in Generationen und sozialen Zusammenhängen, ihr Verantwortungsbewusstsein und ihr Fleiß, ihre Eigenverantwortung und der starke Leistungswille sind das Fundament unserer Gesellschaft.

Die FDP tritt mit aller Entschiedenheit für den Abbau von Diskriminierung und Intoleranz ein. Wir wollen Benachteiligungen beseitigen und die Rechte von Minderheiten stärken. Wir wollen die gleichen Rechte und auch die gleichen Chancen für alle Bürger, und das unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer Religion oder Weltanschauung, ihrer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen Identität.
Der Schutz vor Diskriminierung ist ein Menschenrecht und wesentliches Element einer offenen und demokratischen Gesellschaft. Gerade in der europäischen Wertegemeinschaft müssen Benachteiligungen beseitigt und die Rechte von Minderheiten gestärkt werden. Der Abbau von Diskriminierung lässt sich jedoch nicht per Gesetz verordnen.
Die FDP setzt daher auch beim Schutz vor Diskriminierung auf Eigenverantwortung anstatt auf staatliche Bevormundung und Bürokratie. Antidiskriminierung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir müssen eine Kultur des Miteinanders entwickeln, in der Diskriminierung und Vorurteile geächtet und Vielfalt und Unterschiedlichkeit nicht nur akzeptiert, sondern als Bereicherung empfunden werden.

Für weitere Fragen und Antworten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Nicolas Leibold
FDP Mitmachzentrum
10117 Berlin
Tel: 030- 28 49 58 267
Fax: 030- 28 49 58 19
Freiheitskaempfer13@fdp.de

PS: Wir halten Wort. Für Freiheit in Verantwortung. Mehr dazu unter: www.fdp.de

So, mal wieder ein bisschen was mit Hitler schreiben. Weil bringt viele Besucher.

Das letzte Unterrichtsfragment im Geschichte-Leistungskurs war irgendwas mit Weimarer Republik. Unspannend. Aber juhu! Jetzt kommen die Nazis! Wenn vorsichtige Menschen heute über Hitler und seine bösen Onkel sprechen, dann fühlen sie sich innerlich dazu gezwungen, mindestens ein abwertendes Adjektiv oder besser noch: einen ablehnenden Nebensatz hinterher zu schmeißen. Damit auch ja niemand auch nur auf die Idee kommt, dass man Hitler nicht mindestens so scheiße findet wie den Nebenmann. (Äh, ich meinte natürlich wie sein Nebenmann.) Beispiel. „Schwanzlutscher, Juden und Behinderte wurden in Konzentrationslager gesteckt. Das mit den Juden hätte aber echt nicht sein müssen!“, oder „Yo, 1933 hat der Arschloch-Hitler mit seiner verfickten Scheiß-Partei NSDAP die Wahl gewonnen, voll uncool; ich hätte ja das gewählt, was Sie auch gewählt hätten, Herr Lehrer. Wie alt sind Sie eigentlich? Durften Sie 1933 schon wählen? Stimmt es eigentlich, dass in der Hitlerjugend untereinander Pornoheftchen aus besetzten Gebieten getauscht hat?“ oder natürlich den Klassiker „Obwohl er Autobahnen auf- und Arbeitslosigkeit abgebaut hat, war Hitler nicht so sympathisch wie Roland Koch, weil er Österreicher war“.

Witzig war auch, als im letzten Jahr zwei Leute im Deutschkurs nicht wussten, was der Holocaust war. Die meinten das ernst! Und man bedenke: ich wohne im Westen!

Kalter Kaffee schmeckt auch warm

Ich will diese Facebookscheiße nicht mitmachen. Nur um Fotoalben meiner Schwester ansehen zu können und wirklich nur deswegen habe ich ein Profil dort. Kein witziges Profilbild, keine bescheuerte Gruppe und ich weiß nicht, was es da sonst noch alles gibt, das ich nicht mache. Trotzdem habe ich dort zwanzig offene Freundschaftsanfragen. So viele Freunde habe ich nicht mal im echten Leben, geil! Ist ja auch egal. Jeden Montag gucke ich mit meiner Oma „Wer wird Millionär?“ und manchmal weiß ich sogar was. Sie kauft oft so Kaffeebonbons, ich habe den Namen vergessen, aber die sind echt prima. Ich weiß nicht genau, ob da wirklich Kaffee oder Koffein oder irgendwas Belebendes drin ist, aber haha, ich bin auch so schon ein aufgewecktes Kerlchen, zwinker zwinker. Es gibt auch Bonbons mit Cappuccino-Geschmack, aber Cappuccino ist totaler Quatsch, das ist ja wie Biermischgetränke. Eigentlich sind ja auch Kaffeebonbons Quatsch, aber Thermoskannen sind scheißeschwer.

Oft sind „beim Jauch“, wie Oma immer so nett sagt, junge Studenten, die ganz genau wissen, was sie mal werden wollen und wo sie das ganze Geld reininvestieren wollen. Komisch, noch nie hat jemand gesagt, dass er das Geld gnadenlos versaufen oder verjuxen will; ich glaube, dass die alle lügen. Dann sagt Oma, dass ich mir mal ein Beispiel an den fleißigen Studenten nehmen soll, weil die so fleißig und Studenten sind. Aber Lügner sind doof. Wenn ich mal beim Jauch bin und reich werde, werde ich wahrheitsgemäß sagen, dass mein Gewinn in Blödsinn investiert wird. Außer ich bin montags dran, dann muss ich wahrscheinlich lügen: weil dann guckt ja Oma zu.

Dieser Text handelt eigentlich nur von Busverspätungen und langweiligem Physikunterricht, aber mittendrin habe ich auch was zu Ailton geschrieben

Sonst kam er immer pünktlich, zumindest relativ. Heute kommt der Bus Richtung Hauptbahnhof relativ unpünktlich. Ich und all die anderen Schulkinder (manche davon waren bestimmt Erstklässler, die nennt man hier gerne „I-Dötzchen“, aber ich habe diesen Ausdruck lange nicht mehr gehört, ist das noch aktuell?) wissen, dass die eigentlich vorgesehenen Anschlussbahnen und -busse für uns nicht mehr erreichbar sind. Und bis zur vorletzten Haltestelle hat man als Oberstufenschüler nie einen Sitzplatz und steht Arsch an Arsch mit irgendwelchen Siebtklässlern. Es wird keine Rücksicht genommen auf wenig Schlaf und Hausaufgaben, die man im Sitzen vielleicht noch schnell auf den Block kritzeln möchte. Meistens spielen die kleinen Kinder mit ihren Handys herum. Sie machen dann Fotos, wobei fast immer irgendeiner dabei ist, der unbedingt nicht fotografiert werden will und sich deswegen versteckt, oder sie spielen beknackte Minispiele. „Als ich so alt war wie ihr, da waren diese Teile noch so groß wie Ziegelsteine! Und auch so schwer!“ möchte ich zurufen, aber ich bin zu müde und ach, sollen sie doch. Mit meinem Handy kann ich nur Solitaire spielen. Zwei Grundschüler mit langen Haaren unterhalten sich über das gestrige Spiel des KFC Uerdingen und über den Einsatz von Stürmerstar Ailton. Sie waren nicht da, aber beim nächsten Spiel wollen sie unbedingt hin. „Ailton ist noch fetter als früher und läuft im ganzen Spiel sicher nicht mal einen Kilometer, knipsen wird der aber bestimmt noch!“ will ich als Dauerkartenbesitzer fachkundig mitteilen, aber ich bin zu müde; Kaffee wäre jetzt was Feines.

Beim Erreichen des Bahnhofs muss ich feststellen, dass bereits in fünf Minuten die Physiklehrerin meine Anwesenheit überprüfen würde; verdammte Scheiße, aber egal. Noch vier Minuten bis zur nächsten Bahn, da ist also noch ein bisschen Zeit für Lektüre und Kaffee holen drin. Habe die Bahn dann doch verpasst. Zum Glück fahren zwei Bahnen zu meiner Schule, komme dann nur mit einer Viertelstunde Verspätung zu Physik. Der Kaffee am Bahnhof schmeckt übrigens nicht so toll. „Hallo! Tschuldigung! Bus hatte Verspätung!“ und dann setze ich mich neben Félix. Félix schreibt man mit diesem Strich über dem E, da besteht er drauf. Er dachte, ich würde schwänzen. Ich? Quatsch! An der Tafel steht Irgendwas, ich schreibe es ab. Dann fällt einer in der ersten Reihe vom Stuhl. Er hat sich nicht wehgetan, also darf ich darüber lachen. Gut, dass der Bus doch noch gekommen ist. Danach weiter Physikzeug. Physik ist wie Latein. Ohne den Kaffee vom Bahnhof wäre ich längst eingeschlafen. Félix gibt mir den Tipp, früher ins Bett zu gehen. So oder so, morgen früh, 7:24 Uhr, Bushaltestelle, ich werde da sein!

Herr W. vom Geschichts-LK, falls sie hier mitlesen: es könnte sein, dass ich ein paar Minuten später zum Unterricht erscheine. Das dient dann aber nur meiner Aufmerksamkeit, weil Bahnhofskaffee. Sie wissen schon; der, der nicht so gut schmeckt.

風雲!たけし城

Das Leben ist wie eine japanische Fernsehshow: ich verstehe nicht viel, aber scheint ganz lustig zu sein. Witzig, hehe, mhh. Der Spruch ist mir vor ein paar Tagen eingefallen, wieso genau weiß ich natürlich nicht mehr, interessiert aber eh keine Sau; wer fragt schon, in welchem Zusammenhang große Denker wie Einstein, Goethe oder Jesus ihre berühmten Sprüche rausgehauen haben. Am Leben und natürlich auch an der gesamten Menschheit zweifeln ist bei uns Intelligenten übrigens total angesagt, wir brauchen diese Zweifel als kliescheehaftes Beiwerk genauso wie der Rockmusiker die Zigaretten braucht und raucht. Wer sind wir und wo wollen wir hin? Was weiß ich denn, ist mir relativ egal. Wenn ich wollte, könnte ich seitenlang darüber philosophieren warum, weswegen, wer, wo und so weiter. Doch letztlich nehme ich mir sowieso nur eine Tasse Kaffee und grummle ein nachdenkliches „Mhh, hmm!“. Mit pseudointellektueller und selbstverliebter Scheiße kenne ich mich schließlich aus, das weiß sicher auch der ein oder andere Leser dieses Blogs. Und für die Antwort den Sinn des Lebens bin ich zu doof. Aber ich bin schlau genug, mich nicht auf die idiotische Suche nach ihm zu machen. Lasst uns einfach machen, was uns Freude bereitet und niemandem weh tut. So wie die japanischen Fernsehmenschen, die haben das Leben verstanden. Scheiße machen, rumspringen, irgendwann draufgehen. So sieht das Leben nämlich aus! Wer braucht da noch einen Sinn.

Wer nichts über Café-Besuch und Macht wissen will, braucht nur den letzten Satz des Eintrages zu lesen. Dort empfehle ich ein Lied.

Mein neues Lieblingscafé heißt „Café“, wenn ich richtig informiert bin. Simpel, aber sympathisch. Der Kaffee ist auch nicht übel, also genehmigte ich mir dort heute mehrere. Als ich den Laden betrat, war außer mir nur eine kleine Familie anwesend; Mutter, Vater, Kind. Ich schenkte ihnen keine Beachtung, setze mich auf meinen Stammplatz und lies mir Baguette und Kaffee bringen. „Junger Mann, Ihnen ist die Jacke heruntergefallen!“ sagte eine tiefe Stimme in meinem Rücken. Ich drehte mich um, hob die Jacke auf. Normalerweise wäre die Geschichte nun beendet gewesen, mein Bukowski-Buch wartete auf mich, aber! Den Kerl kannte ich doch! Nur zwei Häuser weiter ist eine von mir als prima befundene Kneipe (weswegen mir das Café überhaupt erst aufgefallen war) und vor zwei oder drei Wochen hatte ich gegen diesen Herren im Billiard verloren. Er war besoffen, ich war besoffen und wir konnten einander nicht leiden. Einen Grund dafür kenne ich nicht, aber wer braucht schon Gründe. „Der Junge mit dem weißen T-Shirt, der gefällt mir nicht!“ hatte er damals gesagt und mich im Spiel älter aussehen lassen als ich je sein werde. Und nun dieser nette Hinweis mit der Jacke. Wollte er vor seiner Frau und seinem kleinen Baby, das ein Bärchenkostüm trug, den freundlichen Gutmenschen spielen? Oder hatte er mich und den Rest des Abends vergessen? Ich musste es herausfinden.

Sekundenlang sah ich ihm in die Augen. Er würde mich nicht ansprechen, soviel war klar, niemals würde er in Anwesenheit seiner Frau die Konfrontation suchen, selbst wenn er sich mir überlegen fühlen würde. Ich sah ihm also in die Augen. Er stoppte in seinen Bewegungen und änderte seinen Gesichtsausdruck, er hielt den Mund leicht offen und da wusste ich, dass er wusste, dass ich wusste, wer er war. Ich wendete mich wieder Lektüre und Kaffee zu, ließ ihn schockiert zurück. Irgendwann zwischen Kaffee 1 und Kaffee 2 verließen sie das Café und da starrte mich der Kerl nochmals durch die Scheibe an. Ich hatte ihm Billiard verloren, aber im Blickduell gewonnen. Es steht nun 1:1. „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ kommt es zu Runde drei, da bin ich mir sicher, ich wünschte mir an dieser Stelle das gleichnamige Nena-Lied, doch im Hintergrund dudelte eine The Police-Cover-CD. Irgendein Schwarzer, der zwar eine gute Stimme hat, aber aus Gründen blöde Songs von Sting singen muss. Trauriges Schicksal. Draußen schneite es. Wie gut ich es doch hatte, da, im Warmen, mit Kaffee.

Dann legte einer der Café-Menschen eine Tom Petty-CD ein. „Ist das Tom Petty?“ wollte ich sichergehen, der Café-Mensch sagte „Gewiss!“ und ich hatte dieses schöne Gefühl von Überlegenheit. Ob die zwei Damen dort drüben wissen, wer Tom Petty ist? Eingebildet sein ist was Feines; zumindest, wenn man es nicht übertreibt und ab und an auch mal mit Leuten zu tun hat, die sich Arroganz mindestens genauso oft leisten können wie man selbst. Ich bin kein Kerl, der sich boxt, also muss ich mich ja irgendwie über die anderen erheben. Ob zu Recht oder nicht, mir doch egal. Vielleicht macht mich das unsymphatisch, nein, es macht mich sogar ziemlich wahrscheinlich unsymphatisch, aber auch das ist mir egal. Ich will nach außen hin keine Macht haben, nur nach innen. Versteht jemand, was ich damit meine? Ich will denken können, was ich will, und auch fühlen, was ich will, auch wenn ich es für mich behalte. Diese Gedankenfreiheit, sie mag selbstverständlich sein, aber was ist heute schon selbstverständlich. Ab und an sind mir ja sogar meine eigenen Gefühle unsymphatisch, wer mich also doof findet, ist in guter Gesellschaft.

„Wissen ist Macht und nichts wissen macht nichts!“ hat mein alter Lateinlehrer gesagt, wenn irgendjemand (meint: ich) etwas nicht gewusst hat oder im Vokabeltest alle Genitivformen falsch geraten hatte. Ich weiß nicht, was ich von diesem Spruch halten soll. Dumm sein macht nichts? Ja, das finde ich auch. Aber genau das Gegenteil wollte mir der Lateinmensch klarmachen. Außerdem will ich gar keine Macht, Macht heißt, über irgendwelche Leute bestimmen zu können. Da mir diese ganzen Leute aber egal sind, will ich gar keine Macht. Ich habe ja nicht mal mich selbst unter Kontrolle. Ob die ganzen Machtmenschen schlau sind? Ist Mahmud Ahmadinedschad schlauer als Günther Jauch, weil er so viel Macht besitzt? Macht kommt doch vom Wissen, lieber Lateinlehrer. Das wird mir alles zu wirr, ich wollte eigentlich nur von meinem gemütlichen Nachmittag im Café erzählen. Bevor ich noch mehr Kopfschmerzen bekomme, verzichte ich lieber auch noch darauf, diesen Eitrag (wie üblich) nochmal zu überfliegen. Und beende ihn mit einem Liedtipp: „Roxanne“ von The Police.

Bücher in der Bahn nach Bielefeld

Rosa Luxemburg, ein Name, der aus einer Farbe und einem Land (dessen Hauptstadt auch noch genauso heißt wie das Land selbst) besteht. Was für ein Blödsinn, wer hat sich das denn ausgedacht! (Witzig wäre es an dieser Stelle noch, Beispiele zu nennen, wie so ein Name sonst noch aussehen könnte, zum Beispiel „Grün Aserbaidschan“, „Neongelb Trinidad&Tobago“ oder „Weiß Weißrussland“, aber natürlich verzichte ich auf so billige Scherze.)

Auf Rosa Luxemburg komme ich, weil ihr Name in einem Text aus der Max Goldt-Prosasammlung „Der Krapfen auf dem Sims“ vorkommt, die ich am letzten Freitag im Regionalexpress von Duisburg nach Bielefeld gelesen habe. Abends kann man gegenübersitzende Mitreisende prima durch die Scheibe beobachten. Die Leute gucken erst aufs Buch, informieren sich dann gedanklich darüber, ob sie den Autor kennen und entscheiden dann in Sekundenbruchteilen wie wohl der Leser dieses Buches aussehen könnte. „Feuchtgebiete“ wird von Lustgreisen und Nichtlesern gelesen, das 1552-seitige „Unendlicher Spaß“ (von David Foster Wallace) lesen nur Leute mit zu viel Zeit und Max Goldt wird nur von Menschen mit Anspruch und einem unsagbar guten Humor gelesen. Oder so ähnlich. Dann schauen sie einem ins Gesicht. Aha, aha. Der Mensch wird im Zug zum Pyschologen, er analysiert Mitfahrende nur mit Hilfe der Lektüre. Menschen verstehen kann so einfach sein. Max Goldt, witzig, Leser cool. Charlotte Roche, ekelig, Leser uncool. Manche lesen sogar nur ihre SMS.

Es gibt Leute, die nur aus Imagegründen das eine Buch lesen oder eben nicht lesen. Mich zum Beispiel. Ich habe mir am Krefelder Bahnhof das Buch „Baustelle Mann – Der ultimative Love-Guide“ von Sonya Kraus (ja, genau, das ist die mit den dicken Titten von ProSieben) gekauft. War ein Mängelexemplar, 3,33 € war mir der frivole Kurzweil über Penisse und Partnersuche wert, ich habe ja sowieso im Moment ein bisschen Geld, weil ich neben der Schule noch jobben gehe. Man weiß bei diesen Remittenden ja meistens nie, was der preisdrückende Fehler sind, aber bei Kraus‘ Buch bin ich mir sicher, dass die Qualität der Texte das Problem sind. Der Kauf war mir ein bisschen peinlich und ich habe mir dann gleich auch noch „Das Teufelsbuch“ vom grandiosen Hans Traxler erworben, damit mein Ruf als elitärer, belesener Johannes nicht gefährdet wird. Beide Bücher sind zum Großteil rosa. Dass das ein ziemlich lustiger Zufall ist und eigentlich einen netten Rahmen zur Rosa Luxemburg-Einleitung bildet, fällt mir erst gerade beim Schreiben auf.

Am besagten Freitag habe ich dann noch zum allerersten Mal in meinem Leben ein eBook gesehen. Ich wurde ganz hibbelig, ich wurde schließlich endlich Zeuge der Kulturrevolution, die dieses elektronische Buch-Antiquariat auslösen wird! Zumindest wenn ich dem netten Lektoren vom KiWi-Verlag, den ich am Abend zuvor bei einer Kölner PARTEI-Veranstaltung (rund um Martin Sonneborn und Mark Benecke, ich bitte um Beachtung) kennengelernt habe, glauben soll oder will. Ich finde eBooks scheiße, ich lese lieber richtige Bücher, aber der grauhaarige eBook-Besitzer sah ohnehin so aus, als wäre er in dem Alter, wo man sowas nur mitmacht, um vor Gleichaltrigen damit anzugeben. Seht her! Ich gehe mit der Zeit, ich kenne mich aus mit Technik, ich schreibe sogar mit meinem Enkel E-Mails! Hoffentlich werde ich nicht auch mal so. Der träge Alte gegenüber las ein Buch von Frank Goosen. Schon immer mal wollte ich was von Frank Goosen lesen, es wäre an der Zeit gewesen, mal nachzufragen, ob sich die Lektüre lohne. Doch was für eine Antwort hätte ich vom Alten erhalten? Möglicherweise nur ein abweisendes „Ja.“ oder vielleicht doch ein „Dieses Buch erscheint dem anspruchsvollen Leser zunächst als zu trivial, doch es besticht durch seinen klaren Stil und seine herrlichen Anekdoten und ist so für den Kurzweil auf der Strecke zwischen Wattenscheid und Rheda-Wiedenbrück bestens geeignet, also empfehle ich dir diese Lektüre gewiss, junger Lesefreund!“. Soll mir egal sein, ich lese im Moment das aktuelle „kicker-Sportmagazin“ und „Lennon ist tot“ von Alexander Osang.

In der eingangs erwähnten Goldt’schen Prosasammlung ist übrigens auch ein Text, der sich viel mit John Lennon beschäftigt. Schon wieder so ein witziger Zufall, hihihihi! Wer viel liest, dem fallen Zufälle scheinbar nur so zu. „Zufälle fallen zu“, was für eine geniale Formulierung, darauf muss man erstmal kommen. Was mit nicht zu-, sondern aufgefallen ist: bei der sonntägigen Rückfahrt dachte ich erst, ich hätte meinen Haustürschlüssel verloren und ich stellte mir schon all die Probleme vor, die dadurch entstanden wären, aber ich habe ihn dann doch noch gefunden. Also fiel mir auf, wie unglaublich langweilig Geschichten sind, die davon handeln, dass jemand beinahe etwas verloren hätte. Und weil Bahnfahren eigentlich eine langweilige Angelegenheit ist, lasse ich diesen Text jetzt auch mit dieser langweiligen Erkenntnis enden. Einfach so. Lest mehr Max Goldt!

(Übrigens wirklich toll, diese Überschrift mit ihren wunderbaren Alliteration. Die BILD ist verantwortlich dafür, dass Alliteration geächtet werden, dabei sind sie etwas ganz Okayes. Ich bin für Alliteration! Musste noch erwähnt werden.)

French fries, Chips, fries, french-fried potatoes, steak fries, wedges

Bofrost ist der weltweit größte Direktvertreiber von Tiefkühlkost und Eiscreme, steht zumindest wortwörtlich so bei Wikipedia. Aber ihre Mikrowellenpommes sind der unleckerste Rotz auf der Welt. Habe heute die geschätzt dritte Portion diesen Jahres von dem Fraß gegessen. Nur erträglich mit Ketchup, einer Prise Salz (was zum Teufel ist eine „Prise“?) und einem so starken Hungergefühl, dass es einem egal ist, was genau man frisst, hauptsache man tut es. So wie man in der dritten Welt Sand oder anderes Zeug verspeist, ihr wisst schon. Was sind meine Sorgen also vergleichbar klein, ich meckere auf hohem Niveau, aber Mikrowellenpommes sind nun mal der Sand des reichen, weißen Mannes. Man wird allerdings nicht wirklich satt, sondern nur fett dabei. Und dumm noch dazu, weil man beim Verzehr von diesem sogenannten Junk-Food zwangsläufig Privatfernsehen gucken muss. Scheint so ein geheimes Naturgesetz zu sein. Habe mich dann gewundert, dass es schon wieder eine neue Staffel „Bauer sucht Frau“ auf RTL zu bestaunen gab. Ist die letzte nicht gerade erst vorbei? Mir egal, ich guck den Scheiß immer gerne, sich darüber aufregen bringt doch sowieso nichts.

Dann war irgendwann Werbung und die Pommes waren weggefressen, also entschied ich mich für etwas Sinnvolleres. Ich nahm mir ein Buch. „Kaputt in Hollywood“, eine Kurzgeschichtensammlung von Charles Bukowski. Bukowksi, der so toll ist, dass ich seinen Namen hier noch zweimal erwähnen möchte: Charles Bukowski, Charles Bukowski. Großartiger Kerl. Lauter ehrliche, witzige amerikanische Fick- und Saufgeschichten, da kommt einem das eigene Leben immer so großstadtwichsrig vor, so öde, so ungeil; zu langweilig, um darüber ein paar Worte zu verlieren. Schade, dass heute Sonntag ist, bei Bukowski bekomme ich immer Lust auf eine Flasche Bier. Aber ich bin halt kein kaputter, alter Bukowski, ich bin nur eine arme Wurst mit Privatfernsehen und Pommes. Immerhin fühle ich mich gerade ganz gut dabei. Heute nichts mit mir und der Welt angefangen, aber trotzdem gute Laune, gut gut, wirklich. Gut, nicht wahr? Zum Abendessen gibt es eine Scheibe Brot mit Wurst.

(die Überschrift enthält die laut der englischen Wikpiedia geläufigen Bezeichnungen für Pommes.)

Man schreibt „Chance“, spricht es aber „Schongse“

Früher habe ich mich über Chancen, die ich zu nutzen verpasst habe, geärgert. Es hätte doch, es könnte doch, ach was soll denn der ganze Scheiß. Egal wie großartig diese eine Chance doch gewesen sein mag, sie war garantiert nicht die beste und erst recht nicht letzte im Leben. Chancen kommen in unangekündigten Abständen immer wieder; man darf nur die Zeit zwischen ihnen nicht damit verbringen, die Hände vors Gesicht zu schlagen und zu jammern. Sonst sieht man möglicherweise die nächste Chance nicht vorbeiflitzen. Dann kann man sie nicht einfangen, ausprobieren und nutzen. Überhaupt, wer hat sich das überhaupt überlegt, das mit dem Nutzen. Was nützt mir diese Versicherung, was bringt mir dieser Telefonanbieter und was nutzt es, wenn ich morgens einen Bus früher nehme und eben nicht zu spät da erscheine, wo ich nützlich sein soll. Die Leute wollen immer das Maximale, sind nicht zufrieden mit weniger. Wenn ich an der Tankstelle an der Buschstraße tanke, dann spare ich pro Liter „Super bleifrei“ zwei Cent und das überschüssige Geld könnte ich in Obst und Gemüse vom Markt investieren!

Oder ich kaufe mir davon ein Bier, setze mich auf die Fensterbank und höre auf, über das Schlechte nachzudenken. Und ja, ich glaube, dass das für den heutigen Tag die bessere Alternative ist. An der Buschstraße ist nämlich gar keine Tankstelle und ich habe nicht mal einen Führerschein. Eine wunderbare Chance, sich mal wieder über sich selbst zu amüsieren. Ha! Da! Eine Chance! Und ich habe sie genutzt! Geht doch. Prost!

Schmeckt „Butter bei die Fische“ überhaupt?

- Als ich neulich in einem Restaurant beim Tischabdecken gefragt worden bin, ob es mir geschmeckt habe, habe ich gelogen
- Ich habe schon mal über einen Witz von Mario Barth gelacht
- Es befinden sich fünf U2-CDs in meinem Besitz
- Manchmal pinkle ich im Stehen
- Letze Woche habe ich fünf Euro auf der Straße gefunden, nicht zum Fundbüro gebracht und mir davon Blödsinn gekauft
- Bei der vorletzten Biologieklausur hatte ich einen Spickzettel
- Ich beende unangenehme ICQ-Gespräche unter dem Vorwand, duschen zu müssen
- Diese Liste hier wird in naher Zukunft noch ergänzt
- Stimmt nicht

Living in a Magazine

Das „WiiMagazin“ (ehemals NGames) hat vor etwa drei Jahren, als in meiner „Videospiel-Phase“ war, mal einen Leserbrief von mir abgedruckt. Es ging um irgendwelche egale Scheiße und ich habe mich damals redlich bemüht, in meiner Wortwahl möglichst frech und lustig zu wirken. Habe die Ausgabe leider und zum Glück nicht mehr hier rumfliegen, aber es muss grausam gewesen sein. Ich wollte nicht mal ernsthaft was wissen, ich hatte ja auch das allwissende Internet, ich wollte einfach nur mal in die Zeitung. Habe ich geschafft, aber so lief es nicht immer: Jahre zuvor habe ich mal einen Witz (ich weiß noch welcher es war: was ist ein Reiter ohne Pferd? Ein Sattelschlepper, hehe.) an die „Micky Maus“ geschickt, ich wartete aber vergeblich auf mein Erscheinen auf der Witzeseite. Und an das („gute, alte“) Yps-Heft – ja, das mit den Urzeitkrebsen – habe ich auch mal geschrieben, ich glaube irgendeinen Gruß, aber der wurde auch nie gedruckt.

Meine größten Erfolge hatte ich aber in der „KidsZone“. Als die Pókemon gerade extrem groß und geil und toll und beliebt und omnipräsent waren, rief diese aus heutiger Sicht unfassbar schlechte Zeitschrift einen Wettbewerb aus, in dem es darum ging, eigene Monster zu zeichnen. Habe natürlich mitgemacht, „Zenus“ gemalt und ein paar Wochen später gab es das Viech als Sammelkarte auf Pappe in der Heftmitte. Wäre ich damals geschlechtsreif gewesen, ich hätte wahrscheinlich spontan ejakuliert, so froh war ich. Leiderleiderleider habe ich diese beschissene Karte heute nicht mehr und im KidsZone-Forum konnte man mir auch nicht helfen, als ich dort vor über drei Jahren nach einer Karte aus dem „KZ-Kartenspiel“ gesucht habe. „KZ-Kartenspiel“ für „KidsZone-Kartenspiel“, darauf muss man erstmal kommen! Mein Monster war ziemlich langsam und schwach, dafür extrem schlau. Vielleicht trägt es deswegen einen Namen, der ein wenig an meinen Zweitnamen Zeno erinnert. Zeno, Zenus – ich war sehr kreativ. Hoffentlich finde ich die Karte nochmal irgendwo. Hat die zufällig jemand von euch?

Irgendwann in 2003 startete das selbe Blättchen die „KidsZone-Show“, eine Art Radioshow auf CD, moderiert von zwei Kindern. Es gab Hörspiele, Kulturnews und all so Spökes. Und eine Grußecke, für die man anrufen konnte. Ich rief einmal an, grüßte „Hallo hier ist Johannes aus Krefeld und ich grüße alle die mich kennen“ und war damit auf einer der CDs drauf. Ich war elf oder zwölf Jahre alt und verdammt aufgeregt. Fürchte, meine elfsekündige Grüße hat niemanden erreicht. Aber ich war dabei! Seid ihr auch mal in irgendeiner Zeitung gewesen? Nicht, dass es mich irgendwie interessieren würde. Nur so.

KAUFEN!!!!!!!!!!!

Ich bin ja nicht nur ein exzellenter Witzeerzähler, Musikkritiker und Faulpelz, sondern auch ein preisgekrönter Schauspieler. Wahrscheinlich nicht zuletzt durch meinen imposanten Gastauftritt hat der beste Kinofilm aller Zeiten im letzten Jahr den „kulturnews-Entertainment-Award“ erhalten. Kenne diese kulturnews nicht, aber den Preis vergeben sie dennoch völlig zurecht, denke ich! Und wer verpasst hat, wie ich im Film Suppe esse, doof rumstehe und ein Martin Sonneborn-Poster aufhänge, der kann das JETZT nachholen und ZWAR imdem er die NEUE DVD vom PARTEI-Film bei AMAZON vorbestellt und SICH dann am 26. März wahnsinnig FREUEN darf. Voll guter Film! Kaufen. Danke.

Die PARTEI – Der Film kaufen bei Amazon (für nur etwa 16,99 Geld!)

I‘m the Skat-Man

„Lernt erstmal irgendwas, Bildung ist das Wichtigste!“ sagt Jürgen und gönnt sich für diese weise Erkenntnis erstmal einen Schluck Bier. Es ist halb eins am Freitagabend, Jürgen sitzt mit seinen Skatfreunden Gerd und Charly in irgendeiner Kneipe, als Daniel und ich uns zu ihnen setzen. Ich weiß nicht, wie oft sich junge Leute dorthin verirren, aber gestern waren es immerhin zwei. Vielleicht waren wir in diesem Jahr die ersten Gäste ohne Weltkriegserfahrung. „Willy Brandt war der letzte echte Sozialdemokrat!“ sagt Jürgen und genehmigt sich für diese These einen weiteren Schluck Bier. Pils, übrigens. Gerd hingegen trinkt Kölsch. Schmeckt besser, meint er.

Lauter Meinungen, die ich nicht teile!

Ich sage Gerd, dass er aussieht wie Pumuckls „Meister Eder“ und lache. Gerd zeigt keine wirkliche Reaktion, vielleicht hat er das fälschlicherweise als Beleidigung verstanden. Ohnehin ist Gerd sehr wortkarg. Ist er zu betrunken? Oder ist er zu nüchtern, um von zwei gut gelaunten Jugendlichen bei seiner gemütlichen Skatrunde gestört zu werden? War mir gestern egal und ist es jetzt auch noch. Oh, ich muss noch was zu Charly schreiben. Charly hat weiße Haare, viele weiße Haare, außerdem ein witziges Gesicht. Er sah ein bisschen aus wie Fips Asmussen, hat aber keine Witze erzählt. Mein Großvater kennt ihn wohl, Charly muss ein Stadtbekannter sein, er war auch schon mal Karnevalsprinz. Er ist „rückwärts“, meint Opa. So sagte man wohl früher zu „schwul“.

Die meiste Zeit habe ich aber mit Jürgen gesprochen. Jürgen hat irgendwann angefangen, Englisch zu reden, Englisch sei very important, meint er. Er hat diesen spaßigen Akzent, den alte Menschen eben haben, wenn sie englisch reden. Klingt witzig. Dann erzählte er von einem Bordellbesuch in Istanbul. „Die türkischen Nutten sind die Besten und für ein paar Mark mehr bekommt man die Sonderbehandlung: ohne Kopftuch!“ Wir lachten, Jürgen gab eine Lokalrunde und wir lachten und lachten und lallten bis die älteren Herren mit dem Taxi nach Hause fuhren. Als sich Jürgen die Jacke überzieht, erzählt er „Manchmal freut sich die Frau, wenn man nach Hause kommt, manchmal nicht. Dann guckt man eben noch fernsehen.“ und wir wünschten ihm „Viel Glück!“.

Wenn ich alt werden sollte, möchte ich auch gern Teil einer Skatrunde sein. Meine Spielkameraden: Fips Asmussen, Pumuckl und ein paar türkische Nutten.

(die Überschrift ist eine witzige Anspielung auf den „Scatman John“, ich bitte um freundliche Beachtung.)

Knallhart nachgefragt #3

Guten Tag Herr und Frau Erasco,

vor wenigen Tagen brachte mir eine Großcousine zu meinem 79. Geburtstag als Präsent eines Ihrer Fertiggerichte mit. Eine ausgezeichnete Idee, fehlt mir doch derzeit einfach der ein oder andere Zivi, der mir ein Essen kochten könnte. Es handelt sich hierbei um die Menüschale „Paprikagulasch“, die mich schon beim Namen nachdenklich gestimmt hat: es handelt sich bei dem Gericht gar nicht um Paprika-, sondern um Schweinegulasch. Aber das ist nicht mein Problem.

Mein Problem ist, dass mir das Gericht absolut nicht geschmeckt hat. Ich hatte es exakt so lange in der Mikrowelle, wie es die Verpackung vorgegeben hatte, daran kann es nicht liegen. Aber das Essen! Einfach ungenießbar! Schämen Sie sich nicht? Das konnte ich früher besser.

Vielleicht geben Sie sich das nächste Mal einfach mehr Mühe beim Kochen. So geht das doch nicht weiter! In Zukunft werde ich auf Ihre Produkte verzichten und weider auf McDonald’s und ALDI zurückgreifen.

Mit freundlichen Grüßen,
Jacques Foleur

Und die Antwort kam schnell, aber leider auch von einem Computer, der „Nadiné“ heißt.

Sehr geehrter Herr Foleur,

vielen Dank für Ihre E-Mail, der wir zu unserem Bedauern entnahmen, dass Sie Anlass zu einer Beanstandung bei unserem Artikel Nr. 469 „Paprikagulasch“ hatten.

Wir unternehmen alle Anstrengungen, damit unsere Kunden nur qualitativ hochwertige und absolut einwandfreie Ware erhalten. Die gesamte Produktion wird von der Rohware bis hin zum fertigen Produkt laufend aufwendigen Qualitätskontrollen unterzogen.

Aus diesem Grunde sind wir sehr dankbar, wenn wir von unseren Verbrauchern auf Qualitätsabweichungen aufmerksam gemacht werden, um mögliche Fehlerquellen abzustellen.

Das reklamierte Produkt hat schon seit vielen Jahren einen festen Platz in unserem Sortiment und wird von vielen Verbrauchern so geschätzt. Zudem liegen uns ähnlich lautende Beanstandungen bisher nicht vor.

Daher gehen wir davon aus, dass wir Ihren ganz persönlichen Geschmack nicht getroffen haben, was uns sehr leid tut. Dennoch möchten wir uns für Ihren Hinweis und Ihre Anregung bedanken, die wir gerne an die entsprechenden Abteilungen im Hause weitergeleitet haben.

Durch unser vielseitiges Sortiment versuchen wir vielerlei Geschmacksrichtungen abzudecken. Möglicherweise gefallen Ihnen andere Produkte unseres Hauses besser. Gerne würden wir Ihnen mit separater Post ein kleines Produktpaket zusenden. Nennen Sie uns hierfür bitte Ihre vollständige Anschrift.

Gleichzeitig hoffen wir, dass Sie auch weiterhin unseren Produkten Ihr Vertrauen schenken werden.

Mit freundlichen Grüßen
Campbell’s Germany GmbH
Nadiné Kurpiela
Consumer Service

Auf das kostenlose Produktpaket verzichte ich natürlich aus gesundheitlichen Gründen.

Eine Freistunde heißt wie sie heißt, obwohl sie nur 45 Minuten lang ist

Ständig diese Freistunden! Man könnte gewiss etwas Sinnvolles mit ihnen anfangen. Heute allerdings habe ich eine dieser ominösen Freistunden mit Papier und Bleistift verbracht. Folgendes ist (unter anderem) dabei herausgekommen:

- Auch Freigeister sind nicht unsichtbar.
- Wenn man Frikadellen in Quaderform pressen, panieren und frittieren würde, könnte man sie „Fleischstäbchen“ nennen und damit eine Marktlücke füllen.
- Fliegende Fische müssen wahrscheinlich stets darauf achten, nicht mit Flugzeugen zu kollidieren.
- Noch wächst das Glück nicht an Bäumen; aber ich bin mir sicher, dass die Chinesen bereits daran arbeiten.
- Der Deutsche sagt: „Was auf den Tisch kommt, wird auch gegessen!“. Der Kongolese fragt: „Welcher Tisch?“
- Ich beneide die Afrikaner um ihr immer gleiches, schwüles Klima. Es erspart sie vor dem hiesigen Wetter-Smalltalk.
- Was für ein Wichser hat eigentlich AIDS erfunden?
- Ist Horst Seehofer eigentlich rechts genug, um ihn „politisch unkorrekt“ zu nennen?
- Wenn Elefanten wüssten, wie viele schlechte Rüssel/Penis-Witze mit ihnen gemacht werden, sie würden uns alle töten. Zurecht.
- Krefeld erinnert dieser Tage ganz schön an Venedig! Nur, dass der Aggregatzustand des Wassers hier halt ein anderer ist.

Och, doch, find ich ok.

Und „Hilfslosigkeit“ heißt „neputinta“. Auf rumänisch.

Ich kann nichts dagegen tun. Im Fernsehen läuft gerade „red!“. Dazu muss ich zwei Dinge sagen, wenn ihr das nicht kennen solltet. Erstens: Glückwunsch. Zweitens: das ist eine „Stars, Lifestyle & More“-Sendung auf ProSieben. Es ist so interessant wie es sich anhört. Ich bin vielleicht auch nicht die Zielgruppe, aber wie man sich als Frau darüber freuen kann, wenn eine andere (vielleicht etwas prominentere) Frau (Weib, Zarte, Schnecke, Babie, Puppe, Schnitte, Schwanzlose, Perle, Tucke, Schnalle, mit freundlicher Unterstützung von „wie-sagt-man-noch.de“) irgendeinen Makel hat? Die Off-Sprecherin sagt dann immer sowas wie „Aufatmen, liebe Frauen, auch Heidi Klum ist nicht perfekt!“. Haha, ja, danke „red!“, das wusste ich schon. Sie ist karrieregeil, aufgedreht, gierig und laut. Achso, das meintest du nicht, „red!“? Oh, sie sieht ungeschminkt manchmal ungeil aus. Okay. Das ist also Heidi ihr Makel. Ist das jetzt dieser berühmte Zeitpunkt, an dem die Hausfrauen vor dem Fernseher kreischend eine Laola-Welle machen? Hurra, nicht nur wir haben Cellulite? Heidi Klum ist auch nur ein, mh, „Mensch“? Hm.

Und wieso bin ich hilflos? Ganz einfach. Die Fernbedienung liegt nämlich da, wo sie meistens liegt: da wo man sie nicht findet. Deswegen kann ich nicht umschalten. Logisch. Und weil der Laptop auf meinem Schoß liegt, fällt mir das Aufstehen und manuell umschalten gleich doppelt schwer. Kommt danach wenigstens was Vernünftiges? Von mir aus auch Stefan Raab, der ist manchmal ganz ok! Oder Pastewka! Oder war der bei Sat1? Gerade kommt Werbung für Haarzeug. Hoffentlich gibt es gleich einen Stromausfall oder sowas. Hilfe!

„Gewöhnung“ heißt auf rumänisch „obişnuinţă“!

Heute habe ich einen kleinen Spaziergang durch die Nachbarschaft gemacht. Und weil sich der Mensch bekanntlich an alles gewöhnt, war auch die Dauerkälte kein Problem für mich. So wie der Körper im Italienurlaub auch irgendwann einfach nur noch vor sich hin schwitzt, aber man nicht mehr permanent „Ach du heilige Scheiße, ist das verdammt heiß hier!“ denkt; eben weil die Gewöhnung eingetroffen ist. Die Gewöhnung ist ein gern gesehener Gast, meist verhindert sie Schlimmeres. Sie ist ein warmes Gefühl – was mir natürlich auch heute beim Winterspaziergang entgegen kam. Mütze, Schal, dicke Jacke, Schnee. Glück kann so einfach sein.

Diese Krefelder Schneeidylle allein genügte aber ein paar Nachbarskindern nicht. Ein paar von ihnen haben heute allen Ernstes noch Knallerbsen durch die Gegend geworfen. Sind so Silvestersperenzchen (Sperenzchen, schönes Wort) nicht erst ab 18? Wo haben die sowas her? Haben die das die letzten Tage nicht auch schon getan? Ist das nicht gefährlich? Ach, soll mir doch egal sein, auch an die Gefahr kann man sich wahrscheinlich (der Leser ahnt es schon:) gewöhnen.

„Ordnung“ heißt auf rumänisch „szabályozás“!

Ich bin kein Freund von Ordnung. Es war mal anders, damals nämlich. Die Ordnung und ich, wir waren richtig gute Kumpels und wenn wir in der Nähe eines Bauernhofs gelebt hätten, wir hätten gemeinsam wahrscheinlich Pferde gestohlen (oder was man so sagt, wenn man extreme Kumpeligkeit ausdrücken will. Entweder ich habe die falschen Freunde oder die Leute stehlen heutzutage keine Pferde mehr, was für ein bescheuertes Sprichwort. Ich habe noch nie was geklaut.). Die Hefte auf dem Schreibtisch waren schön geordnet und sogar meine CDs habe ich damals sortiert, allerdings auf eine Art und Weise, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann: nach dem Alphabet. Ich habe eine Abneigung gegen Leute, die ihre CDs von A bis Z sortieren. Diese Alphabetsortierung dürfen nur mein iPod und CD-Läden, aber sonst niemand. Niemand, nicht mal du, lieber Leser! Aber diese Ordnungsabneigung (die vielleicht mit meiner Faulheit befreundet ist) kam ja erst mit der Zeit. Man kennt das ja von Leuten, die man im Kindergarten mal richtig dufte fand, mit denen man sich aber heutzutage nicht mehr so gut versteht, z.B. weil die Menschen sich ändern oder CD-Regale von Adam Green bis Zoot Woman gliedern.

Also diese Ordnung, hm. Bei mir ist alles inzwischen größtenteils Chaos, aber kein wirklich schlimmes Durcheinander. Hier und da liegen Sachen, aber ich weiß grob, wo was ist und ihr kennt das doch selbst. An vier oder neun verschiedenen Stellen liegen CDs, aber man kennt diese Stellen und so gestaltet sich die Suche eigentlich unmühsam und manchmal findet man auch Sachen, die man gar nicht gesucht hat. Ich glaube, dass Menschen, die piekfein (schönes Wort) alles penibel verteilen und ins Zimmer streuen im Leben etwas falsch machen. Das Leben ist wie ein jugendliches Gesicht: von weitem ganz ansehnlich und vollkommen okay, aber immer wieder stürzen sich Pickel, duzend verschiedene Aknearten oder von mir aus auch Veilchen ins Gesichtgetummel und zerstören alles – zumindest, wenn man sich nicht mental auf das Fratzenfest eingestellt hat. Man muss wissen, dass immer was passieren kann und wenn man alles erwartet, verringert sich der negative Überraschungseffekt, den man eben nicht planen kann. Ein Pickel, der kommt und geht. So ist es im Leben doch auch. Irgendwas oder -wer kommt, egal ob gut und ungut, und später ist es wieder weg.

Und was macht man, wenn irgendsowas kommt? Nett winken, immer schön cremig bleiben und den ganzen Mist nicht so ernst nehmen. Wo ist eigentlich die zweite Socke? Müsste ich mal suchen. Ach, egal.

Exklusive Vorschau: so wird 2010!

(ich weiß, den gleichen Witz gab es schon 2009, aber das Gute kehrt immer zurück! Ich wünsche allen Lesern ein frohes Neues und den ganzen Blabla, danke fürs Lesen, die Unterstützung und besonderen Dank an meine drei Stammleser! Weiter so!)

Feststellung

Dass das Boulevardblättchen SPIEGEL neulich vom „verlorenen Jahrzehnt“ gesprochen hat, empfinde ich als persönliche Beleidigung. Ich habe mir in den letzten Jahren viel Mühe gegeben und das ist jetzt der Lohn dafür?

Das Innenstadtmuseum

Wenn Lust, Zeit und Kraft einen gemeinsamen Nenner finden, dann besuche ich das tollste Museum der Welt: die Innenstadt. Nirgendwo sonst kann man so prima so viele Kunstobjekte namens Mensch beobachten. Der Eintritt ist frei und es gibt keine offiziellen Öffnungszeiten, wobei man natürlich möglichst dann erscheinen sollte, wenn die Sonne scheint, sonst ist fast nichts los; das tierische Innenstadtmuseum-Pendant „Zoo“ hat ja auch nachts nicht geöffnet. Aber schon ziemlich unkompliziert so ein Museumbesuch: man spaziert planlos und frei von Geschäft A zu Geschäft B und dann schaut man sich die Entgegenkommenden einfach mal ein bisschen an.

Manche sind wirklich ansehnlich, manche haben verboten-bunte Klamotten an und manchen sieht man das Verderben bereits aus der Ferne im verlebten Gesicht an. Man kann seinen Besuch auf dieses Betrachten von Leuten beschränken, aber der Spaß vergrößert sich, wenn man irgendwo Menschen reden sieht und die Möglichkeit hat, unaufdringlich zuzuhören. Nichts ist ehrlicher als ein Dialog von Gesicht zu Gesicht und wenn man beispielsweise im Café neben einem Pärchen sitzt, dann kann man da schon die ein oder andere lustige Anekdote mitbekommen und sich an ihr erfreuen, so wie man auch im Fernsehen gerne irgendwelche Sendungen über das „wahre Leben“ guckt, nur dass sie im Innenstadtmuseum eben wirklich echt sind. Ob das moralisch vertretbar ist, dass man wildfremden Leuten beim Gespräch zuhört, weiß ich nicht, aber die sind ja selbst schuld, wenn sie ihre Probleme in die Öffentlichkeit heraustragen und das nicht ganz modern per SMS oder E-Mail klären. Was ja auch ein ganz spannendes Thema ist: ich weiß nicht, ob das euch bereits aufgefallen ist, aber die Leute reden immer weniger miteinander. Oder wann hat euch das letzte Mal jemand nach der Uhrzeit gefragt? Was schätzt ihr, wie viele Menschen rufen „Gesundheit!“, wenn man im Bus niest? Die Menschen reden einfach nicht mehr miteinander, wenn es nicht irgendeinen Anlass gibt. Smalltalk gibt es nur noch bei älteren Menschen. Achtet mal drauf.

Toll ist aber, dass einem beim Herumlaufen fast immer irgendwelche netten Geschichten begegnen oder dass einem etwas einfällt, was man aufschreiben könnte, so ist dieser Text hier beispielsweise auch schon vor gut einer Stunde in meinem Kopf entstanden. Was ich mich aber noch gefragt habe: ob mir vorhin wohl noch andere Museumsbesucher begegnet sind? Ob da noch andere Menschen waren, die verlebte Gesichter und Beziehungsprobleme gesucht haben, nur so zum Spaß? Ich hätte ja einfach mal irgendjemanden ansprechen können. Aber das ist viel zu unmodern. Modern ist, meine Gedanken hier mit meinen paar Lesern zu teilen. Hatschi. Es ist übrigens gerade 16:44Uhr.

Nichts als die Wahrheit!

Jetzt wo dieses schmusige Weihnachtsdings vorbei ist, kann ich es euch ja sagen: durch die Gegend zu rennen und „nochmal zweimal duschen, dann ist Weihnachten, haha!“ sagen ist nicht lustig! Weder kurz vor Weihnachten, noch kurz nach Weihnachten. Ihr seid doof! Geht weg! So.

Hoch soll er leben!

Weihnachtsmann und Jesus aus South Park
Hallo Jesus, alter Bruder (Hebr 2,11)!

Alles Gute zum zweitausendnochwasten Geburtstag! Ich habe leider kein Geschenk für dich, habe aber, hehe, Geschenke für Bekannte und Verwandte besorgt, auch wenn ich mir ein bisschen ungeil dabei vorkomme, wenn ich Leute beschenke, die gar nicht Geburtstag haben. Aber du bist ja nie da! Lass dich doch mal wieder auf der Erde blicken. Du bist schließlich der Fürst des Lebens (Apg 3,15), Retter (der Welt: Joh 4,42) und, vor allem, Freund (Joh 15,15), wie ich in deiner Biografie „Bibel“ gelesen habe. Egal, sicher feiert ihr da oben im Szenelokal „Himmel“ eine fette Party, da würde ich eh nur stören. Lass dich gehen, man wird schließlich nur einmal zweitausenddings!

Grüß Walt Disney mal von mir und sag ihm, dass mir diese ganze Disney-Hannah-Montana-Reality-Scheiße sehr leid tut! Minni Maus ist geiler als Miley Cyrus!

Dein guter Kumpel (ich war auch artig!),
Johannes

PS: wenn die Stimmung da oben mal sinkt, mach doch noch mal den hier, den fand ich ziemlich dufte!
PSS: Wünsche allen meinen vier Lesern ein Weihnachten! Möglichst gar ein schönes oder besinnliches!

Ich weiß

Letzte Woche war ich noch „pro Klimawandel“, so scheißekalt war mein Schulweg und so abgefroren waren meine Zehen. Sollen die doch in Kopenhagen irgendwas oder nichts beschließen, mir doch total egal, ich weiß nur, dass meine Gliedmaßen erfrieren und ich das uncool finde. Dann wird es halt wärmer, wäre doch megageil, dann müssen wir auch nicht immer nach Mailand, Madrid oder Italien fliegen, wenn uns mal kalt ist. Was im Übrigen auch dufte für die hiesige Wirtschaft wäre, ihr Wirtschaftsmenschen da in der schwarz-gelben Regierung! Dann bleibt das deutsche Geld in Deutschland und die Deutschen trinken dann hier Deutsches Bier und nicht San Miguel oder so eine Plörre. Ha! Aber darum geht es hier ja jetzt eigentlich gar nicht, ich schweife ein wenig ab. Ursprünglich wollte ich erklären, wie ich jetzt doch einsichtig geworden bin und wieso ich den Klimawandel jetzt doch Moppelkotze finde. Es ist so; die weltweit wichtigste Frau in Sachen Umwelt hat sich gemeldet. Nicht erst heute, sondern schon vor ein paar Tagen, aber ich musste ihr gewaltiges Argument erstmal genießen und verdauen.

Ihr wisst sicher, von wem die Rede ist. Mutter Natur. Und ihr polarweißes Argument. SCHNEE!! Ich bin ja noch nicht so alt, aber scheinbar hatte ich vergessen, wie geil Schnee ist. Schnee!! Es macht allein schon Freude, dieses Wort überhaupt zu schreiben, daher nochmal. Schnee! Juchhee! Sicher, Schnee ist ein bisschen nervig, weil er ein uneingeladener Gast ist und so schnell nicht mehr freiwillig geht und Menschen hassen ja auch Veränderungen. Aber für mich hat sich Schnee jetzt schon total gelohnt. Sonntag beim Schneeschüppen erstmal geschmeidige zehn Euro kassiert. Dann habe ich noch den Nachbarskindern beim Schneeballschlachten zugeschaut (mich aber rausgehalten, stehe nicht so auf brutale Killerspiele) und dann hatte ich gestern Abend das neue Bedürfnis, mal über den Krefelder Weihnachtsmarkt zu schlendern. Habe mich also zu Fuß auf den Weg gemacht und auf den Linienbus geschissen, mit dem Bus fahren kann ich immer, ich will durch den Schnee laufen. Leider hatte der Weihnachtsmarkt mit meiner späten Weihnachtsstimmung nicht mehr gerechnet und hatte bereits geschlossen. Das war aber nicht so schlimm, denn zum Glück hat unsere semischöne Stadt vor ein paar Wochen so Informationscomputer in der Innenstadt aufgebaut und mit diesen Teilen kann man Fotos machen und per Mail rumschicken. Das hier bin ich, 21:51 Uhr in der Krefelder Innenstadt.

Ganz groß, ich weiß.

Die Schneeglückseligkeit hat aber auch bei meiner mitternächtlichen Rückkehr im warmen Zuhause weiter angehalten: da habe ich nämlich im Internet gelesen, dass den Schülern in NRW heute freigestellt ist, ob sie wegen des Schneewahnsinns zur Schule kommen wollen oder nicht. Bin zu Hause geblieben, habe aus dem Fenster geguckt und an meinem Kakao geschlürft. Warmer Kakao. Erste Sahne bei Schnee! Gibt also dieses Jahr auch noch weiße Weihnacht, ganz im Sinn von Bing Crosby! Und ich dachte immer, melancholisch würde man nur im Herbst.

Traumhaft unschön

Manchmal hat man das Glück oder Pech, sich nach dem Aufwachen noch an einen Traum erinnern zu können. Heute war es so. Ich träumte, dass ich bei einem Wahrsager gewesen bin und ich habe ihm dann zwei Euro gegeben. Er redete nur Englisch, doch selbst im Traum konnte ich noch ein fehlerfreies „What has the new year for us?“ herausbringen. Er schaute kurz in seine Zauberkugel antwortete akzentfrei, aber lustigerweise verstand ich nicht alle Vokabeln. Das muss man sich mal vorstellen: ich träume Wörter, die ich selber gar nicht kenne! Der Wahrsagermensch hat mir dann irgendwas von Erderwärmung und, haha, einem Krieg ausgehen von Indien erzählt. Ohne Scheiß, ich schwöre! Was möchte mir dieser Traum sagen? Ich habe es heute Morgen so gedeutet: nochmal umdrehen, Augen wieder zu und weiterschlafen. Den Traum danach habe ich schon wieder vergessen.

Und sowas war mal BRAVO!

Früher, also vor rund sieben Jahren, gehörte ich einer extrem kleinen Randgruppe, ich möchte sogar sagen einer vernachlässigbaren Minderheit an. Denn: ich habe mir damals die BRAVO gekauft, weil ich mich mit diesem Heftchen über die Musikwelt informiert habe.

Das ist die Stelle, an der der Leser laut über mich lachen darf.

Denn es stimmt. Ich war einer von schätzungsweise sieben Menschen, die das Jugendmagazin nicht wegen den Dr. Sommer-Seiten gekauft hat. Die habe ich immer übersprungen, ich weiß gar nicht mehr so genau wieso, es war wohl eine Mischung aus Desinteresse und Scham, aber damals waren ja sogar die jüngsten Fragesteller an Dr. Sommer noch ein oder zwei Jahre älter als ich, ich war sozusagen noch nicht Zielgruppe. Dafür wusste zu dieser Zeit alles über Jeanette Biedermann, Bink 182 und Konsorten, ha. Habe auch die „Bravo Hits“-CDs oft gekauft Und weil ich Charts so toll fand, habe ich mir immer meine eigenen Listen mit aktuellen Favoriten erstellt; das war die Zeit, in der ich sogar haufenweise Singles gekauft habe, was ich heute gar nicht mehr nachvollziehen kann, ich war wahrscheinlich reich und wusste es nicht.

Wieso erzähle ich euch das? Gestern musste ich aus Gründen ein bisschen Zeit in der Innenstadt verschwenden und da fiel mir ein, dass ich mal in den Second-Hand-Buchladen gehen wollte. Habe dort dann eine alte Kiste Bravo-Heftchen gesehen, und weil diese nach Jahrgängen sortiert waren, ahnte ich schon, dass ich wohl sogar noch mehr dafür zahlen musste als damals am Kiosk. Die 2001er-Kiste war ja schon recht spaßig, weil wie ein Ausflug in die noch gar nicht so ferne Kinderheit, aber dann lachte mich dort in einer hinteren Ecke eine andere Kiste mit noch fernerer (und sogar nicht mal selbst erlebter) Kindheit an! 1978! Geil! Ein äußert guter Jahrgang. Fand auch der Verkäufer, er wollte drei Euro pro Ausgabe. Meine Güte! Wucher.

Konnte ihn dann mit Charme und aufgesetzter Freundlichkeit dazu bringen, mit mir zwei Bravo plus zwei Bukowski-Bücher (für Interessiert: „Die Ochsentour“, „Hollywood“) gegen einen Zehneuroschein zu tauschen. Die Bücher habe ich aus Zeitgründen noch nicht mal durchgeblättert, aber für die tolle BRAVO vom 1. Juni 1978 hatte ich natürlich noch ein bisschen Zeit. Auf dem Cover (das man hier sehen kann. Aus Schiss vor Copyright und dem ganzen Kram verlinke ich vorsichtshalber nur.) ist ein springender Gitarrenkerl in Unterhose und weißen Schuhen und Socken. Er ist „der tollste Typ von Status Quo“ und heißt Rick Parfitt, nie gehört. Kenne aber auch die anderen Gestalten von Status Quo nicht. Ihr wollt sicher gerne wissen, was es im Heft so alles zu entdecken gibt? Whatever you want! Hier mal ein paar Leckerbissen. Plus Doktor Sommer.

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Sechster Zwölfter

Wenn Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat, wo kommt dann eigentlich dieser Nikolaus her? Und warum sieht er exakt so aus wie der Weihnachtsmann? Zwei Fragen, keine Antwort. Stattdessen ein lustiger kleiner Scherz von meinem Lieblingsisländer Hugleikur Dagsson. Mit dem Weihnachtsmann, nicht mit dem Nikolaus, aber das ist ja fickegal. Frohe Ostern!

Johannes zum Hören!

Ich habe in den letzten Tagen ein paar kurze Hörspiele aufgenommen. Allein. Trotzdem sind die Hörspiele mehrstimmig – Zauberei! Vielleicht mal anhören, Kritik ist erwünscht. Wenn mir danach ist, folgen nach und nach noch weitere kleine Aufnahmen.

Zu den unglaublich guten Hörspielen:
http://www.lastfm.de/music/Jacques+Fleur/H%C3%B6rspiele

Weihnachten schreibt man mit zwei „h“, also nicht „Weinachten“ schreiben

Endlich ist es wieder soweit, das von Coca Cola erfundene Weihnachtsfest steht, wie man sprichwörtlich so schön sagt, „vor der Tür“. Und: es kommt dieses Jahr auch nach Krefeld! In der ganzen Stadt, überall Nächstenliebe und Konsum, die zwei Hauptmerkmale von Weihnachten. Die Leute rennen jetzt mit dicken Einkaufstüten und roten Bäckchen von A nach B und manchmal hat man Glück und die Leute haben das Geschenk nicht einpacken lassen, dann kann man sehen, was Krefelder Kinder dieses Jahr unter dem Tannenbaum so erwarten dürfen. Irgendein Krefelder Kind bekommt das Piratenschiff von Playmobil. Hatte ich auch mal, Lego ist besser. Und irgendjemand Weibliches bekommt das neue Album von Robbie Williams geschenkt, oder der Herr im Plattenladen hat die CD heute für sich selbst gekauft, wovon wir hier mal nicht ausgehen wollen, es gilt ja noch die Unschuldsvermutung. Obwohl Robbie Williams eigentlich total okay ist, aber wir Jungs wissen ja, dass man sich mit solchen CDs im Freundeskreis total zum Hannes macht.

Der Krefelder Weihnachtsmarkt ist auch mal wieder langweilig wie eh und je. Während man den Glühwein am Glühweinstand konsumiert, wird man von der Glühweinstandfrau permanent fies angeguckt; ich fürchte, sie fürchtet, dass man mit der Glühweinstandtasse abhauen könnte, ohne die dafür geforderten zwei Euro auf den Tisch zu legen. Der Glühwein schmeckt eher so semitoll und die Tasse würde ich maximal geschenkt nehmen. Hab artig gezahlt, mich wieder aufs Rad gesetzt und habe fast die Frau umgefahren, die an einer der rund vierhundert Fressbüdchen Reibekuchen kaufen wollte. Bin aber noch ausgewichen. Ist ja bald Weihnachten.

Die Echten!

Wollte ich mal gezeigt haben: vier Anzeigen für die einzige Zigarettenmarke, dessen Name außerhalb Frankreichs kein einziger Mensch fehlerfrei aus dem Kopf heraus schreiben (geschweige denn sprechen) kann: „Gauloises“. Die wunderschönen, Din-A4-großen Anzeigen sind aus 1964-er-Ausgaben der Satirezeitschrift „Pardon“, erstanden auf dem Trödelmarkt. Très chic! Hängen jetzt an einer Schranktür in meinem Zimmer:

(Hinweis für „früher war alles besser“-Finder: damals kosteten 20 Kippchen nur 1,70 Mark und galten noch nicht als ungesund.)

Kai Diekmann, Karl Marx und ich

Quelle: pixelio.deIrgendwann muss doch mal jemand merken, wie cool ich bin. Ich sitze mit einer aufgefalteten Ausgabe der coolen, weil links-alternativen „taz“ – es ist die vom gestrigen Tage, doch das weiß außer mir niemand – auf der Parkbank und tue so, als würde ich die interessanten Texte über soziale Ungerechtigkeit, SPD1 und Kai Diekmanns Penis2 wirklich ernsthaft lesen. Aber in Wirklichkeit bin ich auf der Suche. Auf der Suche nach interessanten Menschen, die sehen, dass ich die links-alternative, weil coole „taz“ lese und deswegen denken, sie müssten mit mir ein Gespräch über Mindestlöhne und Karl Marx beginnen. Der gute alte Trick eben. Rumsitzen, cool sein, von coolen Leuten angesprochen werden.

So die Theorie. Bringt natürlich viele Gefahren mit sich; zum Beispiel die, dass Rechte oder BILD-Leser zu mir kommen. Oder die allergrößte Gefahr, dass einfach niemand kommt, weder die coolen, noch die uncoolen Menschen und dann bleibe ich alleine. Seit rund vierzig Minuten sitze ich hier nun schon, keiner beißt an. Selbst auf die Leute zugehen fällt natürlich flach, weil viel zu kompliziert und nachher wissen die Angesprochenen nicht mal, wer Kai Diekmann ist. Solche Gespräche wären selbstredend Zeitverschwendung, ich will ja nur interessante Menschen kennen lernen. Das Geschlecht spielt dabei nur eine sekundäre Rolle, dennoch gehe ich bei potentiell coolen Männlein und Weiblein unterschiedlich vor. Wenn Männer an mir vorbeilaufen, schlage ich die Sportseite auf und mache ein Bundestrainer-Gesicht. Wenn Frauen an mir vorbeilaufen, schlage ich die Armut in Uganda-Seite3 auf und gucke traurig.

Beides hat bisher noch keine Erfolge feiern können, doch ich gehe fest davon aus, dass das irgendwann zum Ziel führen wird. Dabei lasse ich mich nicht von der andauernden Erfolgslosigkeit beeinflussen: seit zwei Jahren mach ich den Quatsch jetzt schon4 und mein größter Triumph war eine gar nicht so ungelungene Realschülerin, die mich nach der Uhrzeit gefragt hat! Der Nächste fragt sicher nach meiner Telefonnummer. Dahinten kommt schon jemand! Eine Frau! Schnell, Seite fünf, Uganda.

  1. taz vom 17.11.09, Seite 2
  2. taz vom 17.11.09, Seite 14 (oder hier)
  3. taz vom 17.11.09, Seite 5
  4. Selbstredend erfunden. Wie die ganze Geschichte. Nur damit niemand austickt, sich wundert oder so.

Lobet den Herrn!

Hallo Gott,

vielen Dank für das Erfinden von Fensterbänken, der dunklen Nacht, Pink Floyds „Wish You Were Here“ und der Endlosschleife. Und sag Bescheid, wenn du irgendwas Besseres erfunden hast, z.B. Weltfrieden oder so. Aber für den Moment ist das gerade ganz prima. Mach weiter so!

Mit freundlichen Grüßen,
J.

http://de.wikipedia.org/wiki/Volkstrauertag

Ich habe diese Woche etwas fürs Leben gelernt. Das passiert häufiger, nämlich etwa rund genau 52 Mal, aber heute will ich euch anlässlich des Volkstrauertages (der übrigens nichts hiermit zu tun hat) mal ein bisschen was erzählen. Sollte ich erwartungsgemäß reich und berühmt werden, werde ich (in Hinblick auf die Medienreaktionen rund um den Tod Robert Enkes) mir vornehmen, möglichst an einem Tag zu sterben, an dem sowieso schon ganz viele Sachen in der Welt passieren, zum Beispiel Weihnachten, Silvester oder Rosenmontag. Damit die Journalismusmenschen keine Zeit und/oder Lust haben, meine Supermodel-Freundin nach ihrer Laune zu fragen und eher so semiwichtige und mir privat völlig unbekannte Leute Sätze wie „Er war ein toller Mensch!“, „Ein herber Verlust!“ oder „Heute ist der schlimmste Tag aller Zeiten, er war der Coolste!“ sagen zu lassen. Ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dass der ganze Hype um meine tote Person den Leuten tierisch auf die Klötze gehen würde. „Och ne, guck mal, hier der Tote schon wieder, mein Gott!“ würden die sagen, aber natürlich nur im Privaten, in der Öffentlichkeit darf man sowas ja nicht sagen, da äußert man sich dann mit den oben genannten Sätzen. Vielleicht sterbe ich auch ganz einfach zusammen mit ganz vielen anderen Menschen gleichzeitig, bei einem Flugzeugabsturz oder im Zuge eines großen Pest-Revivals. Ja, richtig gelesen, ich könnte mir vorstellen, dass die Pest irgendwann nochmal zurückkommt, in irgendeiner mutierten, neuen Version, die halb Europa ausrottet. Und nicht so eine Möchtegern-Pandemie wie jetzt die Schweinegrippe, was für eine bescheuerte Pseudoscheiße, zehn Tote in Deutschland erst, pff, da lach ich mir doch den Arsch ab. Aber: alle großen Sachen kommen irgendwann zurück, siehe Eiszeit, SPD und Modern Talking. Wollte Jesus eigentlich nochmal auf der Erde vorbeischauen? Okay, ich schweife ab.

Vielleicht mache ich es mir aber auch ganz einfach und lasse das mit dem Berühmtwerden, reich sein reicht ja auch, außerdem müsste mein Ableben dann in der Zeitung nur eine Randnotiz sein, wenn überhaupt. Achso, ja, hallo BILD-Schreibmenschen: wenn ihr das hier lest, ich tot sein sollte und ihr irgendwas über mich wissen wollt, nehmt bitte zur Kenntnis, dass ihr mich genüsslich am Arsch lecken dürft und nein, meine Supermodel-Freundin möchte kein Interview mit euch. Und noch ein Hinweis an alle Jugendlichen: macht bitte kein YouTube-Video mit Bildern von mir, danke. Ich hab mal gelesen, dass der Tod ja eigentlich der tollste Moment eines Menschen ist, weil sich dann ganz viele Leute auf einmal an einen erinnern und traurig sind und so. Wenn ich so nachdenke, ist das aber alles ganz schön scheiße mit dem Sterben. Sterben ist uncool. Heb ich mir für später auf, so etwa 2092.

Ja, ja, ja, wieso?

Fernsehen war in den letzten Tagen gewohntermaßen nicht der ganz große Spaß. Auf jedem Sender lief irgendein bescheuerter Scheiß; genauer gesagt war es eben dieser Scheiß, den man zwar guckt, aber trotzdem nicht umschaltet. Vielleicht, weil man was zum Erzählen haben will („Kerner war gestern wieder so scheiße!“) oder aus Faulheit oder aus Gewöhnung. Kommt ja immer das Gleiche, jede Woche, selbe Uhrzeit. Es gibt da zum Beispiel so eine Sendung, in der hässliche und dumme Menschen andere hässliche und dumme Menschen treffen und die sich dann gegenseitig lieben. Unterlegt mit Radioschnulzen. Mein RTL! Und in der Werbepause kommt Barthmario und wirbt für seinen Markt, den ich sogar aus Versehen diese Woche besucht habe, aber ganz ehrlich nur, weil es dort die neue (sehr, sehr gute!) Stromberg-Staffel für unverschämt preiswerte 9,90€ zu kaufen gab. Aber ich schweife ab. Immer gut man TV, man konsumiert, konsumiert und weiß nicht wieso! Und dann konsumiert man auch noch das Zeug aus den Werbepausen! Es ist ein Teufelskreis. Wir sind alle Sklaven und doof und überhaupt! Nächste Woche Montag bei Kerner auf Sat1. Und ich bin auf der Couch sitzend dabei. So eine bescheuerte Scheiße!

Ich muss mal wieder irgendein gutes Buch lesen. Irgendwelche Vorschläge?

Drei interessante Dinge, die interessant sind

Jaja, ich weiß, derzeit gibt es hier nicht so viel Neues. Tschuldigung. Daher fülle ich jetzt sinnlos ein paar Zeilen und Pixel mit Dingen, die derzeit prima sind, aber nicht in einen kompletten Beitrag verpackt werden könnenwollensollenmüssenbrauchen. Erfreut euch zum Beispiel zu folgenden interessanten Dingen:

1. Ich spaziere jetzt immer mit einer alten Aktentasche von meinem Großvater durch die Gegend und Félix meint, das sehe scheiße aus, weil ich dann auch stilecht ein Hemd tragen müsste. Aber ich vertraue ihm nicht, er ist sicher neidisch. Die Aktentasche ist aus Leder. Beim Radfahren (ich habe noch so ein Umhängedings dafür) kuschelt sie sich ans Bein und ist sehr weich. Rrrrrr. Ihr wisst schon. Und nein, ich bin heterosexuell. Aber ich empfehle allen meinen coolen Lesern eine Aktentasche, solange es noch nicht wieder in Mode ist.
2. Die Nachbarskinder spielen fast jeden Tag draussen Fußball. Aber nicht mit einem vernünftigen, sondern mit so einem weichen Ball; in der Grundschule sagten wir dazu „Softball“. Ich bin ein netter Bursche und ich habe ihnen einen Plastikball geschenkt, den ich an einem spanischen Strand erworben habe. Habe dann auch gleich mitgespielt und den Stepkes gezeigt, wie man vernünftig grätscht und fehlende Technik durch Kampf wettmachen kann. Ich bin schon geil: ich hab Zweikämpfe gegen Zwölfjährige gewonnen! Und Tore gemacht! Einer frug mich: „Spielst du im Verein?“ Nein, tu ich nicht, harharhar!
3. Neulich als Support für die sowieso schon großartigen Felice Brothers gesehen: A.A. Bondy. Gitarre, Mundharmonika, Gesang. Mehr nicht. Ja!! Derzeitiges Lieblingslied: „The Pines Are Dancing“.

So. Genug.

Touristen

Nur Schulterzucken, denn sie verstehen uns nicht. Fragend schauen sie in unser Gesicht. Erwarten viel, geben wenig. Machen Fotos von uns, wenn wir arbeiten, schlafen, kotzen, motzen oder die Straße überqueren. Sie kommen in Massen und fassen die Leuchtsschilder der Kaufhäuser nicht; fragen uns also wieder um Rat. Wir heucheln dann freundlich fehlende Englischkenntnisse vor, denn unser Hass ist kleiner als der Stolz eines Patrioten. Wir tolerieren jeden. Solange er den Souvenierscheiß in den Seitengassen kauft und irgendwann wieder geht.

A good day for bad news

Ich habe es ja immer schon geahnt: dieses komische „schülerVZ“ mit all seinen Profilen und Pädophilen ist in Wirklichkeit böse und hasst uns. So erkläre ich mir auch folgenden Hinweis auf der Startseite des besagten Portals:

Gott bewahre!

Haribo ist mein Gemüse

Hui, lange nicht mehr so doof angeglotzt worden wie heute Morgen in der Rewe-Warteschlange im Einkaufstempel am Ende der Straße. Dort sieht man es wohl nicht so oft dicke, bebrillte Jugendliche in Jogginghose, die für 10€ Süßigkeiten einkaufen. Dabei war keine Tüte Haribo davon für mich: Donnerstag fliege ich mit anderen netten Menschen nach Spanien, um meine Schwester zu besuchen. Und die wünscht sich gute, alte und deutsche Süßigkeiten. Weil ich ebenso nett bin wie die Mitflieger, werde ich ihr diesen Wunsch natürlich erfüllen. Den nächsten Einkauf mach ich dann halt wieder bei Edeka, Kaiser’s oder Penny. Oder in Jeans.

Ja, renn nur nach dem Glück

Wenn mich jemand mal was wirklich Unoriginelles fragen möchte, lege ich gern und spontan folgende Frage ans Herz: „Johannes, warum bloggst du eigentlich?“ höre ich grob geschätzt siebenkommavier Mal in der Woche. Jeder, der mir auch nur ein kleines Bisschen kennt, weiß natürlich, wie die richtige Antwort lautet: ich brauche die Aufmerksamkeit, die positiven Rückmeldungen und die täglichen Neuigkeiten über Viagra-Sonderangebote, die mir Spam-Bots kostenfrei und ungefragt hier hinterlassen. Die manchmal sogar zweistelligen Besucherzahlen sind natürlich auch richtig richtig geil. Bald kommt der fünfhundertste Kommentar. Geil. All das steigert mein Selbstwertgefühl und unterhält euch nebenbei noch ein wenig, aber. Jetzt kommt das „aber“! Vielleicht ist damit morgen Schluss, denn dann verlängere ich meinen Penis anders. Denn: heute habe ich Lotto gespielt. Zum ersten Mal in meinem Leben. Die Lottofrau zieht heute Abend vielleicht meine Zahlen. Dann könnt ihr mich alle mal ins Knie ficken und der Scheiß hier ist vorbei! Oder die Chance von 1:139.838.160 wird nicht genutzt – in diesem durchaus vorstellbaren Falle gibt es auch weiterhin spaßige und niveauvolle Beiträge in diesem Blog.

Drückt mir also die Daumen. Es ist auch in eurem Sinne.
Nachtrag: Ok. Hab eine richtige Zahl, wird voraussichtlich erstmal nix mit der Million. Nächste Woche aber!

Knallhart nachgefragt #2

Ich frage:

Hallo Doktor Sommer,
ich habe heute im Freibad ins Schwimmbecken gepinkelt.
Sind die weiblichen Badegäste nun schwanger?
Schöne Grüße,
Johannes (18) aus Krefeld

Der virtuelle Berater des deutschen Bundestags, der „Bundesadler“, antwortet:

Knallhart nachgefragt #1

Ich schrieb gestern Abend:

Hallo liebe TV Spielfilm-Redaktion,

ich wollte mal wissen, wann das letzte Mal keine vollbusige Schönheit auf dem Titel Ihres Heftchens zu sehen war, also z.B. ein Mann oder so was Abwegiges.

Mit freundlichen Grüßen in die Redaktion und an den Praktikanten, der das hier lesen muss,
Johannes F.

Und bereits heute Mittag erhielt ich folgende Antwort:

Lieber TV SPIELFILM-Leser,

zunächst einmal vielen Dank für Ihre Mail an das TV SPIELFILM-Team.

Nun zur Titelseite, auf der Sie sich hin und wieder auch mal ein männliches Wesen wünschen – was ich übrigens sehr gut nachvollziehen kann:
Einleitend darf ich Ihnen versichern, dass wir Ihre kritische Stellungnahme begrüßen.
Erlauben Sie mir, die Position unserer Redaktion etwas eingehender zu erläutern, auch wenn Sie vielleicht schon vermuten, was nun kommen wird:

Aus einer marktwirtschaftlichen Perspektive ist umissverständlich zu beobachten, dass unsere Verkaufszahlen sinken, sobald wir etwas anderes als die von Ihnen kritisierten Damen auf den Titel holen. Grundsätzlich stellt sich allerdings die Frage, inwieweit uns die gesellschaftlichen Konventionen – andere Publikationen, Fernsehen, Kino etc. – und wirtschaftliche Zwänge nicht einen gewissen Rahmen vorgeben, den wir nicht ohne weiteres ignorieren können. Wir befinden uns in keinem medialen und ökonomischen Vakuum, sondern sind Bestandteil eines gesellschaftlichen und publizistischen Systems, das Vorgaben macht, denen auch wir in verschiedener Hinsicht entsprechen müssen.

Abschließend darf ich Ihnen versichern, dass wir inhaltlich stets bemüht sind, sexistische Stereo-typisierungen und Klischees zu vermeiden. Dies erklärt sich schon aus unserer redaktionellen Zusammensetzung. Mit einem etwas freizügigeren Cover ist es uns damit möglich, ein ansonsten durchaus kritisches Heft einer breiten Leserschaft anzubieten.

Vielleicht erlauben Ihnen die oben angeführten Beweggründe für unsere Titelblattgestaltung ein etwas verständnisvolleres Urteil über TV SPIELFILM.

Ich stimme Ihnen jedoch grundsätzlich zu: Ein schönes männliches Wesen auf dem Cover fände ich zur Abwechslung auch mal ganz nett.
Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen, Ihr Schreiben werde ich an die Redaktion weiterleiten.

Wir hoffen, Sie bleiben uns auch weiterhin treu.

Mit freundlichem Gruß aus Hamburg

Ihr Leserservice

Okay, meine eigentliche Frage wurde nicht beantwortet, aber schön, dass der gegrüßte Praktikant diese vorgefertigte Antwort an mich schicken konnte, danke. Aber wir lernen: mit Titten auf dem Titelblatt kann man auch ein kritisches Magazin einer breiten Masse zugänglich machen. Machen das vielleicht andere Magazine auch so, z.B. „Stern“, „Focus“ oder „Feuchte Fotzen – das Heft“? Mal drüber nachdenken, hm.

Aaaaaarrrrrrrrrrrrrrrrrr!

Ob im Supermarkt, in der Schule oder im Privatfernsehen: es war heute das Thema und es wird auch das Thema in den sechs restlichen Stunden dieses Tages sein: die Bundes! Tags! Wahl! Angie hier, ab und zu Guttenberg dort. Und meine Großmutter, die in ihrem Leben schon die ein oder andere Wahl hinter sich gebracht hat, überraschte heute Morgen mit einem erstaunlichen und zugleich stolz vorgetragenem Geständnis. Sie hätte sich erinnert, was ich ihr von dieser komischen neuen Piraten-Partei erzählt hätte – und der schlaue Leser ahnt wahrscheinlich jetzt schon, wem meine nette Großmutter ihre (Zweit-)Stimme gegeben hat. Nein, nein, natürlich nicht dem schwulen (!) Guido Westerwelle von der FDP (!!!) (der übrigens supergut Englisch spricht!), sondern der coolen Piraten-Partei.

War mir ja schon immer klar, dass meine Oma heimlich online n00bs killt, illegal Mp3s runterlädt und „klar zum Ändern“ ist. Meine Omi! Muss man gut finden. Und, was haben eure Großeltern so gewählt? CDU? Die RENTNER-Partei? Wie öde!

Der Tipp für Sonntag

Jeden Morgen fahre ich mit dem Rad auf dem Weg zur Schule an einem NPD-Plakat mit der Aufschrift „Gute Heimreise!“ vorbei. Es ist so angebracht, dass ich es nur auf dem Hin-, nicht aber auf dem Rückweg sehe. Was für Idioten, nicht mal das können die. Mein Tipp: nicht wählen.

Hubertus Heil hat Pickel!

Harald Schmidt sagte mir gestern Abend, dass der Wahlkampf ja gar nicht so langweilig wäre wie immer alle behaupten würden. Getreu dem Motto, das Politik eben keine Unterhaltung sei. Der Harald ist ein lustiger alter Mann und auch schlau, er hat sicher recht. Aber weil ich auch mal ein lustiger alter Mann sein will, der schlau ist, bin ich heute Nachmittag zu einer Wahlkampfveranstaltung der kleinen Partei „SPD“ in der Krefelder Innenstadt gefahren. Ein prominenter Gast hatte sich angekündigt, nämlich der derzeit einzige (!) SPD-Generalsekretär der ganzen Welt (!!): Hubertus Heil! Sein Name, spätestens bekannt aus dem Geschichtsunterricht. Aber ich verbiete mir an dieser Stelle natürlich blöde Wortspiele über seinen Namen, denn Witze über Namen macht man als Bildungsbürger nicht. Einwürfe wie „unser Heiland!“ wären schließlich nicht mein Niveau. Harald Schmidt macht auch keine Witze über Namen, nur manchmal vielleicht. Mal sehen ob ich es in den nächsten zwei Abschnitten schaffe, weniger als null Witze über Heils Namen zu machen. Ich fürchte nein.

Bevor der große Polit-Superstar die kleine Bühne betreten durftesolltemusstekonnte, unterhielt ein Bauchredner die geschätzt hundert Schaulustigen. Zumindest versuchte er das mit dem Unterhalten. Witze aus dem Witzebuch, ich konnte mich kaum halten vor Fremdscham. Leider wollte Herr Heil mich scheinbar ärgern und verspätete sich ein paar quälende Minuten. Und was ist langweiliger als ein Bauchredner mit Witzebuchwitzen? Ein Bauchredner ohne Witzebuchwitze, der improvisieren muss. Weder die nette Omi neben mir ,noch die tapferen jungen Sozialdemokraten schmunzelten, der Bauchredner tat mir leid, wurde aber bald erlöst. Heil kam heil, aber zu spät mit seinem Heil-Mobil in Krefeld an. Ein Helikopter wäre viel lustiger gewesen, den hätte man „Heilkopter“ nennen können, aber mich fragt ja keiner. Heil selbst hatte in seinem roten Auto aber gleich noch zwei Krefelder Bundestagsabgeordnete mitgeschleppt, leider machte er bei deren Vorstellung einen der beiden vom Siegmund zum Siegfried, aber das ist ja im Grunde auch egal und ist außer mir sicher auch keinem aufgefallen. Dem Siegmund vielleicht noch, aber nun gut.

Viel wichtiger ist ja auch, was Heil so zur Politik zu sagen hatte. Mindestlohn, braune Brüder im Bundestag verhindern, wählen gehen, Arbeit muss sich lohnen, Ullas Auto, Westerwelle ist böse, Steinmeier wird Kanzler, blablabla, war superspannend und informativ und so. Immerhin sagte er sich vehement von einer rot-rot-grünen Koalition los, er hofft also ernsthaft noch an einen Wahlsieg für rot-grün, hahaha. Weniger amüsiert war ein scheinbar betrunkener Demokrat, der sich beschwerte, dass er arbeitslos sei. Heil regierte souverän, hatte aber keinen Arbeitsplatz für den armen Menschen mit und konnte ihm auch kein Heilmittel gegen Arbeitslosigkeit im Gepäck. Vielleicht ja nach der Wahl! Nach rund dreißig Minuten war Heil mit Wahlkämpfen fertig und ich applaudierte artig. Kann mir ja sowieso alles scheißegal sein, ich habe ja erst eine Woche nach der Wahl meinen 18. Geburtstag, super. Der nette Hubertus kann dafür aber natürlich nichts und so ließ ich mir von ihm auch noch seinen Namen auf ein Foto von ihm schreiben. Ich wünschte ihm viel Glück, er lächelte gequält und da vielen mir die Pickelchen in seinem Gesicht auf. Die sieht man auf den Plakaten und Propagandaheftchen ja gar nicht! Aber so ist Politik wohl: wenn man genau hinsieht, ist alles immer ein kleines bisschen anders als gedacht. Wieder was gelernt.

Salami trifft Fisch zum Interview

Onkel Fisch - InterviewMeine allerbesten Freunde Adrian (r.) und Markus (l.) vom lustigen Duo „ONKeL fISCH“ (l. + r.) haben sich nun schon zum zweiten Mal dazu bereit erklärt, sich mir für ein unfassbar gutes Interview zur Verfügung zu stellen. Wir sprechen darin über ihre Projekte, Oliver Pochers Sexualität und andere weltpolitische Dinge, die ihr aber nur durch einen kleinen Klick erfahren könnt. Und den gibt es hier:

(weiterlesen…)

Krank, einfach krank!

Derzeit Schweinegrippe haben ist wahrscheinlich gar nicht mal so uncool, weil es garantiert heilbar und ebenso garantiert in ein paar Jahren ein nettes Anekdötchen ist, wenn man erzählen kann, man hätte diese Pest 2.0 damals live miterlebt und überlebt. Aber was ist eigentlich mit den Leuten, die sich derzeit mit der Vogelgrippe oder gar mit BSE anstecken? Ts, diese Leute sind sooo 2005!

Geht wählen!

Wählen gehen ist wichtiger denn je! Und wer nicht bis zum 27. September warten will, kann jetzt schon beim Manuel für meine Kurzgeschichte stimmen. Oder halt für eine andere, ist eure Sache, Demokratie und so.

Bücher, ei!

„Lieber schlau und arm als reich und doof!“ lautete heute meine unsagbar philosophische Begründung für das sinnlose Verballern von 895 Cent in „QQ“, ein Buch von Max Goldt, der sehr gut ist. Täglich fahre ich auf meinem Schulweg an drei Büchläden vorbei und immer wenn ich einen dieser Läden in den letzten drei Wochen betreten habe, verließ ich es mit einem neuen Buch für den Eigengebrauch. Erst spontan „Fleisch ist mein Gemüse“ von Heinz Strunk, dann wenige Tage später zufällig „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod: Band 1-3″ von Bastian Sick im saugünstigen Sammelband1 und dann letztlich heute sehr spontan-zufällig eben das Buch von Max Goldt. Letzteres fällt etwas aus der Reihe, denn ich hatte vorher von besagtem Werk noch nie was gehört und dann ist es auch „nur“ knapp 150 Seiten schwer, was für einen im Hinterkopf doch noch ans Geld denkenden Schüler wie mich eigentlich nicht mit dem Preis-Leistung-Gedanken vereinbar ist. Je mehr Seiten, desto mehr gut. Doch mir fiel ein, dass Max Goldt sehr sehr gut ist und das Buch gekauft werden muss. Auch, weil ich mich in solchen Situationen immer freue, dem/r Verkäufer/in stolz sagen zu können, dass er/sie das Buch nicht einpacken müsse, denn es sei ja für mich, für mich! Bildungsbürger sein macht Spaß, ist aber teuer. Als nächstes wird gekauft: „Alles, alles über Deutschland“ von Jan Böhmermann. Mal sehen, ob sich die Route meines Schulweges um einen vierten Buchladen erweitern lässt, denn wer kauft schon zweimal im selben Buchladen. Ich nicht!

  1. Mehr Rechtschreibklugscheißerei für 10€ geht nicht, auch wenn ich wahrscheinlich der letzte des Lesens mächtige Mensch der Welt bin, der es bisher noch nicht gelesen hat.

Gott sei Dank

Es ist Nachmittag, etwa 15 Uhr und ich sitze im Grundkurs „Religion“. Wir sprechen über Gott und wie man seine Existenz beweisen könnte. Ich bin eigentlich nur Teilnehmer dieses Unterrichts, weil ich mich jährlich über „gute“ Note auf dem Zeugnis freuen kann und heimlich glaube ich ja nicht mal an Gott, aber das darf natürlich niemand wissen und deswegen schreibe ich das auch hier nicht. Nun ja, heute gab dieser „Gott“ mir allerdings gleich zwei (2!) Zeichen seiner Existenz. Zum einen fiel mir auf, dass auf dem am vergangenen Freitag beim sehr sehr guten Helge-Konzert erworbenen Helge Schneider-Shirt „Circue du Kautz“ ein Penis zu sehen ist. Pillemann! Im Religionsunterricht! Zum Glück konnte ich den gezeichneten Lümmel unter der Tischkante verstecken, sodass sich niemand über ihn beschweren musste. Aber dann! Das zweite Zeichen! Vom Religionsbuch „An Gott glauben“ gibt es eine andere Version, die „Lasst uns den Menschen machen“ heißt. Mein Gott, wie eindeutig zweideutig!

Aber ich habe die Botschaft schon verstanden, denke ich. Ich soll Menschen zeugen! Alleine ist das ein bisschen schwer, daher hier mein Aufruf: welcher (weibliche!) Leser macht mit? Aussagekräftige Bewerbungen bitte per Mail. Gott sei Dank!

Sing when you‘re singing

Heute beim Fußball stand einige Zeit jemand neben mir, der diesem DSDS-Mensch Thomas Godoj ziemlich ähnlich sah. Ich überlegte noch, ob ich nach Autogramm oder lustiger Dieter Bohlen-Anekdote fragen sollte, doch als der Fanblock dann wenig später einen Fangesang („SCHAALALALALA!“) angestimmt hat (und er mitsang) wusste ich: isser nich.

Quark mit Soße

Nebenan wohnt eine Familie, die für diese Siedlung ungewöhnlich jung – das heißt unter siebzig Jahre alt – ist. Ebenso ungewöhnlich: sie hat mehr als null Kinder. Es sind, wenn ich richtig gezählt habe, fünf. Fünf! Kinder! Alle so zwischen vier und neun Jahre alt. Und es ist eine meiner großen Sommerleidenschaften gewesen, sie zu hassen und zu verfluchen. Immer, wenn man gemütlich draußen rumsitzen wollte, kamen diese kleinen Blagen aus ihren Wohnlöchern gekrochen, um natürlich unbedingt möglichst laut und schreiend Fußball spielen. Oder mit dem Kettcar herumdüsen. Oder eben irgendwas anderes Lautes machen, was jeden stört, der weder dabei, noch mit den Teilhabern verwandt ist. Und sowas Nerviges soll unsere Zukunft sein? Wenn ich mal Kinder zeuge, werde ich sie, wie es sich gehört, möglichst früh vor PC und Fernseher setzen, damit ich weiterhin ein gutes Verhältnis zu meinen Nachbarn hegen kann. Scheiß auf frische Luft.

Glücklicherweise habe ich mich in den kleinen Menschen geirrt. Denn heute war ich beim guten alten Monopolist „EKZ“ einkaufen. Mit dem Rad. Und auf dem Rückweg, knappe 100m vor dem Ziel, hat sich der Speisequark (0,31€; 500ml) mit der Speiche meines Vorderrades vereint und die Tüte ist kaputtgegangen. Meine Einkäufe, unter anderem Cola (0,29€; 1,5l), eine Tüte Haribo (0,85€; 175g) und 11Freunde-Magazin (130 Seiten; unbezahlbar), flogen über den Asphalt und waren voll Quark. Spontan entschied ich mich dafür, doof aus der Wäsche zu gucken. Da kamen auch schon die fünf kleinen Freunde von nebenan zu mir geeilt und boten mir ihre Hilfe an. Kind 1 und Kind 2 sammelten die herumliegenden Einkäufe ein, Kind 3 lief zu sich nach Hause, um mir eine neue Tüte zu holen und die anderen zwei Kinder lernten meine unendliche Nettigkeit in Form von kostenlosen Dankeschön-Keksen kennen.

Ich bedankte mich artig, brachte das quarkverschmierte Zeug nach Hause und setzte mich dann nochmal aufs Rad, um nochmal EKZ zu besuchen und nochmal eine Packung Speisequark kaufen zu fahren. Dieses Mal ging alles gut.

Erst Wähler, dann Helfer

Heute war hier bei uns Kommunalwahl in Krefeld und weil ich das „Erfrischungsgeld“ für das ehrenamtliche Amt des Wahlhelfers gut gebrauchen kann, habe ich mich heute Morgen um halb sieben aus dem Bett gequält. Natürlich dann auch pünktlich wenige Sekunden nach Öffnung des Wahlbüros meine ersten, meine allerersten Kreuzchen auf einem Wahlzettel gemacht. Wow. Aufregend! Zwei davon bei der PARTEI, den dritten bei der Wahl des Oberbürgermeisters woanders. Vorhin wurde dann 1 1/2 Stunden ausgezählt, eine Scheißarbeit. 621 Leute haben hier gewählt, sind nicht mal die Hälfte der Wahlberechtigten, wie es auch für Gesamt-Krefeld zutrifft. Eine Witzfigur hat bei uns „Horst Schlemmer“ auf seine Wahlzettel geschrieben und dann ja auch noch falsch (Schlemmer statt Schlämmer). Und die PARTEI kam bei uns im Wahllokal auf sagenhafte drei Stimmen (insgesamt 0,6% [Stadtrat] bzw. 0,7% [Bezirksvertretung]) und einer meiner wahlhelfenden Kollegen meinte beim Erblicken einer solchen Stimme: „Haha, die PARTEI, was es alles für eine Scheiße gibt“. Ja, stimmt. Und der amtierende Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) wurde knapp in seinem Amt bestätigt. Weiß nicht so recht, ob ich mich darüber freuen oder ärgern soll, weil auch der viel Driet gemacht hat. Habe übrigens den Grünen-Kandidaten gewählt, weil er das beste Programm hatte.

Allerdings ist dem alten und neuen OB wohl nicht ganz bewusst, welche große politische Zukunft die PARTEI hat. Gestern bei der Gegen-Rechts-Veranstaltung „Fest ohne Grenzen“ musste ich ihm erklären, wofür die PARTEI in Krefeld steht. Wusste er nicht. Werden wir unterschätzt? Immerhin konnte er sich darüber freuen, dass es hier noch junge, politisch engagierte Jugendliche gibt. Dass er einen Tag zuvor von mir und einem weiteren „Genossen“ bei einem Termin in unserer Schule mit SPD-Fähnchen empfangen worden ist, ist ihm auch „nachhaltig in Erinnerung geblieben“. Ich bin aber auch ein Schelm: SPD-Fähnchen wedeln, PARTEI sowie Grüne wählen und mich dann ein kleines bisschen freuen, dass es der SPD-Kandidat nicht geschafft hat. Wieso? Weil auch ihn gestern ebenfalls getroffen habe und mir zutiefst unfreundlich und unsympathisch gegenüber trat. Wer nur meine Stimme und nicht meine Meinung will, bekommt auch nicht meine Stimme. Arschloch. Dann halt den alten und neuen OB, vielleicht das kleinere große Übel. Mal abwarten. Aber ganz schön spannend, so ein Wahltag. Politik is voll geil, Alta! Nix Politikverdrossenheit, zumindest bei mir.

Gummibären, sie sind für dich da wenn du sie brauchst!

Vorhin war ein netter kleiner SPD-Wahlkampfstand bei uns in der Innenstadt und wahrscheinlich steht er dort auch immer noch. Ich kann jedem nur empfehlen, dort einmal kurz vorbeizuschauen, denn es gibt ganz viel feine kostenlose Propaganda für das Wahlvolk! Im hübsch bunten Wahlprogramm steht, dass jedes Kind eine kostenlose Mahlzeit erhalten solle. Und: die habe ich jetzt schon, neun Tage vor der Kommunalwahl, erhalten! Ein kleines sozialdemokratisches Tütchen Gummibärchen. Fünf dunkelrote, fast schon schwarze Kirschbärchen, drei rote Erdbeerchen (haha, Wortspiel!) und zwei gelbe Zitronenbärchen. Grüne Bärchen gab es nicht. Trotzdem superlecker, danke liebe SPD! Auch ziemlich dufte sind SPD-Papierfähnchen, SPD-Kugelschreiber, SPD-Wahlgruß auf Türkisch („Yeni bir Krefeld için 15 hedef!“) und Nachfrage einer ranghohen Krefelder SPD-Politikerin, ob ich denn Mitglied bei der „Jungen Union“ sei, was ich natürlich Gottseidank verneinen konnte. Ich bin schließlich nicht so doof wie ich scheinbar aussehe, hm!

Ich erzählte ein wenig stolz, dass der Krefelder Oberbürgermeisterkandidat Ulrich „Uli“ Hahnen für mich ja bei der kommenden Kommunalwahl das kleinste Übel und wohl so auch meine Stimme erhalten würde. Aber als ich dann nebenher noch erwähnte, dass ich einer namentlich von mir nicht genanten, anderen Partei (Die PARTEI), die keinen Oberbürgermeisterkandidaten stellt, mein Vertrauen geschenkt bekommen hat, musste ich leider vergeblich auf die Frage warten, welche es denn wäre. Ich glaube, sie denkt nun, ich sei ein Nazi. Weiß noch nicht so recht, ob ich das lustig finden soll oder nicht, auf jeden Fall wurde ich dann postwendend einigermaßen freundlich vom Stand verwiesen, weil ich auch frech nachgefragt habe, ob man denn glaube, wenigstens auf kommunaler Ebene viert-stärkste politische Kraft hinter CDU, FDP und Grüne zu werden.

Und wenn ich mir vor Augen halte, wie fies ich der einzigen Volkspartei, die ich einigermaßen okay finde, gegenüber eingestellt bin, freue ich mich, dass ich wenigstens diesen einen Trend meiner Generation nicht verpasst habe: Politikverdrossenheit.

Mein Freund, der Helfer

Hallo Gesetz! Es tut mir wirklich leid, aber ich habe heute gegen dich verstoßen. Nimm das bitte nicht persönlich, es kommt wahrscheinlich nicht mehr vor bzw. nicht mehr so oft! Wie es dazu kommen konnte, fragst du dich nun sicher zurecht, also möchte ich dir gern auf diesem Wege davon erzählen. Ich war also am heutigen Nachmittag sehr eilig auf meinem Stahlross (lustiges, aus der Mode gekommenes Synonym für „Rad“ und besser als „Drahtesel“) von Schule zu Wohnung unterwegs, dann überkam mich der böse böse Leichtsinn und ich fuhr zwecks schnellerer Ankunft kurzzeitig durch einen kleinen Teil der Krefelder Innenstadt durch einige Passanten hindurch. Fußgängerzone! Natürlich hätte absteigen müssen! Was und wen ich hätte alles umfahren können! Gott sei Dank konnte mich noch ein todesmutiger fahrradstreifender Polizist aufhalten und völlig zurecht mit einem Strafzettel über zehn Euro versehen.

Morgen fahre ich den anderen Alternativ-Weg. An der Innenstadt vorbei. Ohne Passanten. Dafür mit offiziellem Radweg. Der Gesellschaft und meinem Portmonee zuliebe. Bin halt doch ein ganz netter Kerl, schließlich ist so an alle gedacht! Die Menschen können nicht von mir umgefahren werden, der Polizist kann echte Bösewichte (Diebe, Mörder, Radfahrer ohne Helm) jagen und ich habe mehr Geld, das ich dann wieder in die deutsche Wirtschaft investieren kann. Es stimmt also: aus Fehlern lernt man! Dufte. Aber war mir diese Erkenntnis jetzt zehn Euro wert? Darüber werde ich dann morgen auf dem Rad auch mal ein bisschen nachdenken.

Diese wunderschönen Worte wollte ich schon immer mal mittels eines Blog-Eintrages in die große weite Welt hinaustragen

Backsteinexpressionismus. Zweitkrankheitsbild. Entfernungskalkulator. Sprenklerersatzteillagerhalle. Musikverwertungsaparat. Überblendungsvorrichtung. Problemlösungsdefizit. Magentarotmangel. Aufmerksamkeitsleistung. Popanz. Gewinnauszahlungsquote.

Und wenn euch langweilig sein sollte, könnt ihr ja mal ausprobieren, welcher dieser unfassbar schönen Begriffe (abgesehen von Popanz) einen eigenen Wikipedia-Artikel hat. Wenn euch nicht langweilig ist: es ist Backsteinexpressionismus. Lest mal, was es darüber alles so zu wissen gibt. Wirklich interessant, wirklich. Oder lasst es sein. Guten Abend!

Ferien vorbei

Ferien sind super. Man kann unvernünftig lange aufbleiben, bis zum Mittagessen schlafen und muss sich keine lästigen Spickzettel anfertigen. Aber diese Zeiten sind jetzt für uns Schüler in Nordrhein-Westfalen vorbei; gestern war der letzte Ferientag und übermorgen geht es wieder los. Dann kann man manchen Leuten erzählen, was man im Sommer alles so erlebt hat und andere längst vergessene verdrängte Gestalten fragen, wo sie denn die tolle Bräune herbekommen hätten. Wird einigermaßen langweilig, aber ich bin schon sehr gespannt, wie die Welt aussieht, wenn man um sieben Uhr morgens aus dem Fenster guckt. Lange nicht mehr erlebt! Und dann guckt man, welchen Kursen mit welchen Gestalten man zusammengewürfelt worden ist und dann fängt der ganze längst bekannte Schulalltags-Trott von vorne an. Wie im Jahr zuvor und in dem davor und in dem davor und in dem davor und in dem davor und in dem davor und in dem davor und in dem davor und in dem davor und in dem davor und in dem davor.

Und ich muss noch die 0,75l-Thermoskanne suchen. Endlich wieder viel zu viel Kaffee!

Sozialsatirische Partei Deutschlands

Oh nein, peinlich. Gestern Abend gab ich noch zu, dass wenn ich mich für eine der großen Volksparteien entscheiden müsste, meine Wahl auf (oje!) die SPD fallen würde. Bin eben doch tief in mir drin ein Sozi, so eine Scheiße. Und vor allem eben peinlich. Die SPD! SPD!! Peinlich nicht nur wegen Ulla Schmidt. Das wäre noch gerade so zu verkraften gewesen, weil noch irgendwo lustig und vielleicht auch ein klein wenig menschlich, wenn auch doof. Aber jetzt haben sich Frank-Walter Steinmeier und seine Genossen was wirklich Tolles überlegt, womit sie jetzt doch versuchen wollen, das offizielle Wahlziel (5%-Hürde schaffen + x! Glaube ich?) noch zu erreichen. Nämlich: Luftschlösser bauen.

Vier (4!) Millionen neue Arbeitsplätze verspricht crazy Franky den Wählern in seinem coolen „Deutschland-Plan“. Noch lustiger: bis 2020 soll die Vollbeschäftigung erreicht werden! Hahahaha! Die meinen das ernst! Hohoho! Und die will ich vielleicht irgendwann mal wählen?! Dann doch lieber nur darüber lachen.

Kassette, Baby!

Ich weiß noch, früher. Da habe ich es irgendwie geschafft, mit meiner Stereoanlage Musik von CD auf Kassette aufzunehmen. Man musste immer davor sitzen, die richtigen Lieder zur richtigen Zeit anwählen und nebenher noch den ein oder anderen Knopf drücken. So konnte man sich, meistens vor längeren Reisen, prima Musiksammlungen zusammenstellen. Lustigerweise hatte ich nicht mal einen Walkman, sondern nur ein Diktiergerät, was ziemlich praktisch war, denn so konnte man mal Musikfernsehen- oder Radio-Mensch spielen und die Lieder ankündigen und sowas. Und natürlich hatte das Teil auch einen unfassbar schlechten Lautsprecher und so war es dann auch möglich, seine Umwelt mit Scooter und dem anderen Zeug, das man eben so hört, wenn man ein kleiner Popanz ist, zu nerven. Ich erinnere mich sogar daran, dass ich mich mal vor den Fernseher gehockt und irgendeine egale Musikveranstaltung (Bravo-Supershow oder sowas.) aufgenommen habe. Die Tonqualität war dementsprechend, aber immerhin hatte das Stil. Ein bisschen zumindest. Muss mal gucken, ob ich die Kassetten noch wo rumliegen habe, bestimmt spaßig.

Leider fürchte ich, dass ich wohl der letzten Generation angehöre, die Worte wie „Kassette“ noch unfallfrei schreiben und in Geschichten einbauen können. Heute lädt man sich seine Lieblingslieder per Knopfdruck aus dem Internet herunter, stopft diese dann auf seinen mp3-Player und fertig. Irgendwie unromantisch, aber praktisch.

Investition für die Zukunft

Unverbindlich die Gespräche von Nebenleuten im Zug mitverfolgen, ist eines meiner liebsten heimlichen Hobbys. Man erfährt immer so wunderbar viel Egales, Lustiges und Erzählenswertes, einfach voll toggo. Heute Morgen auf dem Weg nach Oberhausen zum Beispiel saß ein junges Mädchen mitsamt Mutter schräg neben mir, davor ein älterer Herr, möglicherweise ihr Großvater, keine Ahnung. Die geschätzt Achtjährige teilte mit, dass sie gern ein Spielzeug besäße, irgendein Plastik-Tierchen, keine Ahnung, egal. Ihre Mutter war nicht so begeistert und lehnte mit der Begründung ab, dass das ohnehin nach ein paar Tagen unbespielt in der Zimmerecke liegen würde, man da langfristig gar nichts von hätte und die drei Euro dafür sowieso besser investieren könne. Zum Beispiel in eine leckere Currywurst, wie der lustige Greis gegenüber dann sich einmischend vorschlug.

Ich schmunzelte, aber er hatte schließlich recht. Von so einer Currywurst hat man viel länger was. Zum Beispiel Übergewicht. Altersweisheit eben.

Zeitvertreib

Ich stelle fest, dass ich derzeit überdurchschnittlich viel Zeit vertreibe, abwechselnd zu vergessen, wo ich gerade Bleistift, Schere und Notizbüchlein (Kauftipp: Notizbuch von Reclam, mit Bleistift zum Verlieren!) hingelegt habe. Die wirklichen Profis machen das natürlich so, dass sie erst mit einem gefundenen Gegenstand I starten, dann einen weiteren Gegenstand II suchen und beim Fund von Gegenstand II vergessen, wo Gegenstand I ist und dann eine neue Suche starten müssen. Und so geht das dann den ganzen Tag, bis man kaputt umfällt oder bescheuert wird. Ist bestimmt auch sehr sportlich, hier den halben Tag tanzend und springend nach dem Zeug zu suchen, also vielleicht auch als Diät-Tipp/Ergänzung super. Hihi, lustiger Einfall, muss schnell aufgeschrieben werden. Wo ist der Bleistift?

I am the eggman

Endlich kann ich ansatzweise die traurigen Gefühle nachvollziehen, die eine Vorgänger-Generation Jugendlicher (heute wahrscheinlich Studenten oder Arbeitslose) damals mit der Umbenennung von „Raider“ in „Twix“ miterleben musste. Denn wie mir – und scheinbar nur mir! – aufgefallen ist, verschwinden die guten alten Überraschungseier so langsam aus den Regalen von Real, Kaiser’s und Tankstelle Müller. Sehr traurig, wirklich. Wir alle erinnern uns wehmütig an die schönen Momente mit dem kleinen Ei: direkt nach dem Einkauf ausgepackt, dann die Schokolade entweder halb gegessen oder verschenkt und letztlich dann über die Überraschung in diesem gelben Ei-Dings gefreut. Auch erinnern wir uns: in jedem siebten Ei war angeblich eine aktuelle Merchandising-Figur zu einem aktuellen Kinofilm. Ja, das war schön, damals. Jetzt gibt es den Nachfolger „Kinder Joy“, der nicht nur einen Anglizismus enthält („Kinder Freude“ wäre auch gut gewesen! Und es hieß ja auch nicht „Supriseegg“!!1), sondern auch nicht so viel Spaß macht. Für die, die diese neue Süßigkeit noch nicht kennen: ihr wollt es gar nicht wissen.

Und das Überraschungsei ist einfach so gegangen. Es hat sich nicht einmal verabschiedet. So ein Arsch. Geht einfach, ohne Vorwarnung. Auf Wiedersehen, alter Freund Ü-Ei, hast du uns doch immer freundlich drei Dinge auf einmal gebracht: Kalorien, Plastik-Müll und ein viel zu kleines Stück Schokolade. Seufz!

Nachtrag:
Ich habe jetzt – natürlich erst zwei Stunden nach dem Verfassen der sich oben befindenden Zeilen – ein bisschen recherchiert und herausgefunden, dass dieses „Kinder Joy“-Zeug wohl jedes Jahr und nur im Sommer erscheint, aber scheinbar nicht das Ü-Ei („gutes altes“) ablösen wird. Das wäre natürlich scheiße für diesen so melancholischen Blog-Eintrag, aber schön für die heranwachsenden Ü-Ei-Freunde. Mal abwarten.

Der obligatorische Eintrag zu Michael J.

Bin ich fies, wenn ich diesen NME-Bericht über die anscheinend sehr rührenden Rede der elfjährigen Michael Jackson-Tochter Paris lese und dann etwas zynisch feststelle, dass mir dort oben in der Zeile angezeigt wird, dass im NME-Radio gerade „Rich Girls“ von The Virgins gespielt wird? Also wenn ich beides irgendwie zusammen in heimlichen Gedanken verbinde? Ja? Ok!

Kein Eingriff ins Klo

Ich musste heute und zwar wohin. Nämlich auf Toilette. Keine unmenschliche oder gar ungewöhnliche Situation, aber dummerweise befand ich mich zu diesem Zeitpunkt in einem Regionalexpress, der mich und ein paar unbekannte Fahrgäste aus Gründen von Duisburg nach Krefeld fahren sollte. Glücklicherweise ist die Bahn ja nicht doof und hat von dem Geld, das sie durch das Entlassen von ein paar bespitzelten Angestellten eingespart hat, eine Toilette in den Regionalexpress eingebaut, gut so! Und als ich da so drin herumstand und mich fragte, ob es sehr widerlich sei, wenn man während des Geschäfts eine Vollbremsung des Zuges miterleben müsse, fiel mir auf, dass auch noch genug eingespartes Geld für einen schicken Aufkleber übrig geblieben zu sein scheint. Zumindest klebte so einer an der Eingangstüre.

In vier Sprachen, von denen ich nur zwei beherrsche, fordert die Deutsche Bahn alle Besucher des angeblich so „stillen Örtchens“ auf, die Einrichtung so zu verlassen, wie man sie selbst gern vorgefunden hätte. Hahaha! Liebe Bahn, meinst du das ernst? Leider dauerte die Fahrt insgesamt nur zweiundzwanzig Minuten, sonst hätte ich mich natürlich gern darum gekümmert, dass die Toilette meinen Vorstellungen entsprechen würde. Ein bisschen Seife, eine Rolle Toilettenpapier und eine alte Ausgabe der Politikfachzeitschrift „Playboy“ hätten sicher ihre Plätze gefunden! Aber nein, liebe Bahn, soviel Zeit muss nicht sein. Vielleicht mache ich das mal wann anders, wenn mir wirklich wirklich langweilig ist. Dann aber auch wirklich nur, wenn du, liebe Bahn, mir versprichst, dass du nicht mehr so oft zu spät kommst.

Schaffst du nicht? Habe ich mir gedacht, haha! Bin eben kurz duschen, man riecht sich später.

Warum Litfaßsäulen gefährlich sind

Eines meiner großen Lebensziele, neben der demokratischen Machtergreifung mit der PARTEI und dem gewinnbringenden Anbau von Max Goldt-Büchern, ist es, alt zu werden. Nicht einfach so zur Freude, denn altern kann schließlich jeder, sondern weil ich im hohen Alter ein besonderes Ziel habe: Nörgeln. Jeder kennt sie, die älteren Menschen (meist Herren), die heimtückisch hinter Stromkästen oder Litfasssäulen warten und sich immer dann aus ihren Verstecken heraustrauen, wenn sich ihnen ein Jugendlicher nähert, der etwas falsch gemacht hat. Zum Beispiel falsche oder gar keine Klamotten angezogen, ein Lied gepfiffen oder – und damit nähert sich mein Blogeintrag der finalen Pointe, Obacht – mit dem Fahrrad auf der falschen Straßenseite fährt. Und exakt das ist mir heute zufälligerweise passiert.

Ich fuhr gemütlich aus Versehen für geschätzte 49,3847824 Meter auf der falschen Straßenseite und dann, da! Eine Litfaßsäule mit Werbung! Für irgendein Volksmusik-Konzert! Logisch, dass ich nun nicht mehr vor einem gierigen Beruf-Nörgler sicher war. Unerwartet hastig sprang einer sogleich wie ein Luchs aus seinem Versteck, hob seinen erhobenen Zeigefinger hoch in Richtung Himmel und zog sein „meine-Güte-was-soll-das-denn“-Gesicht an. Meine Ohren empfingen seine wütenden Worte, warum ich denn auf der falschen Straßenseite fahren würde und überhaupt und so und ja. Schnell erinnerte ich mich an eine kleine lustige Geschichte mit meinem Kumpel Jesus, der mal sagte, derjenige, der ohne Schuld sei, müsse den ersten Stein werfen oder sowas. Steine hatte ich nicht mit und ich bin ja sowieso sein ganz netter Typ und daher musste ich mir was anderes einfallen lassen.

„Okay, wenn Sie noch nie in Ihrem Leben auf der falschen Straßenseite geradelt sind, wechsle ich die Seite, abgemacht? Sind Sie?“ lautete meine messerscharfe Frage und denkend dachte ich, dass ich ihn damit aber sowas von erwischt hätte. Doch ich hatte es mit einem Profi zu tun: natürlich antwortete er mit einem selbstsicheren „Nein!“ und lachte wie ein filmischer Bösewicht. Traurig wegen meiner verbalen Niederlage – ich hatte wohl Tränen in den Augen – schob ich mein Fahrrad auf die andere Straßenseite und mein Gegenüber verschwand schnell wieder hinter der Volksmusik-Säule, um nicht von potentiellen neuen Opfern erkannt zu werden. Er hatte gesiegt.

Aber: ich hatte gelernt. Später, wenn mir ein rotzfrecher und arroganter Jugendlicher, wie ich es heute war, begegnet, und (möglicherweise angespornt durch diesen Eintrag) mir die selbe Frage stellt, werde ich auch die selbe Antwort geben, die ich heute erhalten hatte. Vielleicht zwickt mich dann der ein oder andere Gewissensbiss, weil ich ja weiß, dass ich lüge, aber ich könnte dann ja einfach behaupten, dass ich das vergessen hätte, denn ich sei ja schon alt und vielleicht hätte ich Amnesie und ohnehin sollte man dann ja auch lieber nett zu mir sein und mich ruhig mal ein paar Stunden hinter einer Litfaßsäule verstecken. Ja, altern kann schon spaßig sein, glaube ich.

Liebes Tagebuch,

ich weiß, du bist öffentlich, aber das ist nicht so schlimm, denn sehr viele meiner (grob überschlagen) 4,8 Millionen Leser weltweit freuen sich immer, wenn sie hier Privates von mir zu lesen bekommen. Na da will ich die mal nicht enttäuschen, jojo! Also: heute war ein sehr guter Tag und es war sehr heiß, ich habe sogar bisweilen geschwitzt, später geduscht. So, das reicht jetzt aber auch an privatem Zeug, allerliebstes Internet-Tagebuch. Schließlich lesen hier einige Leute mit, vielleicht auch nicht so nette Menschen und vielleicht auch ein paar Google-Bots, die aber wahrscheinlich sowieso nicht so gut Deutsch können, sonst würden sie ja nicht „Bot“, sondern „Maschine“ heißen, glaube ich. Kann aber sein, dass die multilingual sind, auch weil Globalisierung und so. Aber das interessiert dich wahrscheinlich nicht, lieber „Blog“ (Englisch, hihi).

Bis morgen oder später!

He, du, russischer Spam-Verteiler!

Um exakt 14:59 Uhr erreichte mich heute deine Spam-Mail von „Ihrer Apotheke“. In der Betreffzeile stand „Unsere Kunden sind nie krank!“ und ich frage mich, ob das für so deine Apotheke (oder in diesem Fall: deinen Online-Viagra-Shop) nicht ziemlich kontraproduktiv ist, wenn deine Kunden nie zu dir kommen müssen, weil sie sowieso immer gesund sind. Genauso doof wie „Ihr Plattenladen: Unsere Kunden hören keine Musik!“ oder „Ihr Kaufhof: Unsere Kunden kaufen nur bei Amazon“.

Wird ab und zu krank: Johannes

Warum ich manchmal doch Tagesschau gucke

Die kleine Rezension am Abend

Hallo Leser. Wie ihr sicher wisst, weil ihr mich gut kennt, bin ich nicht der größte Film-Freund und wahrscheinlich nicht mal der zweitgrößte, so dass es mir fern liegt, konfuse Film-Rezensionen unter Berücksichtigung von Kameraführung, Schauspielleistung und diesen ganzen Kladderadatsch zu schreiben. Aber vorgestern sah ich den Klassiker „Ghostbusters“ und ich möchte anmerken, dass ich den Film nur empfehlen kann, weil sehr geistreich!

Interview mit dem Chef

Frage: He, Johannes! Du schreibst ja gar keine Texte mehr in deinem kleinem Internet-Tagebuch! Sehr schade! Könnte es vielleicht sein, dass dir derzeit Lust, Ideen und Zeit fehlen und auch in den nächsten Tagen hier keine geistigen Ergüsse zu erwarten sind?
Antwort: Ja.

Anfängerglück

Ich habe heute zum ersten Mal in meinem Leben Hockey gespielt. Es hat geregnet wie bescheuert und nach der ersten und einzigen Hockey-Trainings-Stunde meines Lebens haben drei Kumpel und ich noch die spontane Chance genutzt und gegen fünf westdeutsche Meister, die auf ihre eigene Trainingsstunde warteten, ein kleines Spiel auf kleine Tore ausgetragen. Wir haben sensationell 3:1 gewonnen und aus Versehen habe sogar ich ein Tor geschossen! War zwar nur die U11, aber immerhin.

Früher war alles mehr

Mein kleiner Bruder interessiert sich sehr für Geschichten aus der Geschichte. Neulich saßen er und ich gemeinsam für eine halbe Stunde vor meinem Laptop, um uns beim renommierten Historie-Portal „YouTube“ eine Dokumentation über das alte Ägypten anzusehen. Glücklicherweise bezieht mein intelligenter sechsjähriger Bruder sein Wissen aber nicht nur aus Film-, sondern auch aus Buch-Material, wodurch er mir einige wissenswerte Wissenswertigkeiten vortragen konnte, die mir die teuere Doku vorenthalten hatte. Wusstet ihr zum Beispiel, dass es mehr als eine Million Pyramiden gibt? Okay, das klingt für den Laien etwas hoch gegriffen, aber mein kleiner Bruder meinte, das wäre eben so. Historiker, Archäologen und andere Fachleute werden das vielleicht auch bezweifeln, aber wenn mein kleiner Nachwuchs-Ägyptologe sich da so sicher ist, werde ich ihm das mal glauben.

Außerdem, wenn Geschichten meistens durch Erfundenes und Übertriebenes besser werden, dann gilt das vielleicht auch für die Geschichte (ohne n).

Weltreise geplant

Circa drei Meter von der Computer-Tastatur, auf der ich gerade schreibe, steht mein Fernseher. Er ist eingeschaltet. ProSieben läuft, genauergesagt die Serie „90210″, die wahrscheinlich ein neuer Abklatsch dieser alten Teenie-Soap-Dings-Reality-Show sein soll. Schauplatz ist eine Schule (oder College [“Kolletsch“], was weiß ich, irgendeine amerikanische Schule halt, ihr wisst schon) und überall laufen hübsche Menschen herum. Es ist vollkommen strulle, welche Noten man schreibt, schließlich ist es für die geschminkten Püppchen dort scheinbar schon schwierig genug, Lehrer und Schüler auseinander zu halten: denn beide sehen sich verdammt ähnlich und die mir bekannten dicken Lehrer mit Brille, Plauze und grauen Haaren finden gar nicht statt.

Vorhin gab es eine Szene, in der ein (gut aussehender!) Mann eine (verdammt heiße, hiuiuiui!) Frau in einer Wohnung herumgetragen hat. Warum weiß ich nicht, aber das ist ja auch vollkommen egal. (Es ging aber wahrscheinlich nicht um Weltpolitik bzw. nur vielleicht.) Überrascht war ich dann aber, als die junge Dame (sie hatte große Brüste!) den Mann „Dad“ [“Dähd“] nannte. Hmmm. Ich hätte gern mal ein Bild vom versammelten Team dieser Serie. Dann könnte man versuchen herauszufinden, wer von diesen Personen einen Mensch spielt, der in der Serie älter als dreißig Jahre alt ist. Wäre bestimmt gar nicht so einfach. Aber ich würde gern mal eine Reise in diese „90210″-Welt machen: alle sind voll nett und sehen supergut aus! Alle Frauen haben geile Ärsche und ihr Haar sitzt immer! Und zwar perfekt! Wow! Woaaah!

Zum Glück kommt normalerweise um diese Zeit die „Sportschau“, so dass ich diesen Käse nie nie nie nie mehr gucken muss. War sonst noch was?

Enttäuschung

Wirklich ernsthaft bestürzt bin ich über den Umstand, dass Real Madrid 94.000.000€ (vierundneunzigmillioneneuro) für den Fußballspieler Cristiano Ronaldo ausgeben will, aber gar nicht erst auf die Idee kommt, Karstadt oder Opel (oder gar beide!) zu retten. Diese Unmenschen da in Madrid! Buuuh!

Da bin ich doch gleich viel netter. Schließlich gehe ich gleich gemütlich zu Karstadt und kaufe mir dort Unmengen an überteuerter, hässlicher Mode für Frührentner. So!

Der beste Frank aller Zeiten

Gott ist eigentlich ein ganz okayer Typ. Er hat mich in eine oberflächliche, stupide Gesellschaft gesteckt, aber leider vergessen, mich mit einem Adonis-Körper zu versehen, so dass mein Freundeskreis keinen riesigen Radius hat und ich nicht so häufig auf dem Handy angerufen werde wie andere, wichtige Menschen mit Adonis-Körpern. Aber ich verzeihe Gott, ist nicht so schlimm. Nicht nur, weil meine Handy-Rechnung sympatisch klein ist, sondern auch, weil ich viel Zeit habe, mir durch das Lesen einiger Bücher ein bisschen Intelligenz und Arroganz anzueignen.

Heute zum Beispiel habe ich angefangen, eine Biografie von Frank Zappa zu lesen. Ich bin noch nicht sonderlich weit und er spielt gerade erst in ein paar Schülerbands und ist noch nicht so wichtig und toll wie später. Im Gefängnis war er trotzdem schon, weil er gemeinsam mit einer damaligen Freundin als Auftragsarbeit in seinem kleinen Studio eine Platte mit „Sex-Geräuschen“ aufnehmen sollte und natürlich auch erledigte. Leider war der Auftraggeber ein Polizist und fand die Aktion nicht so lustig, Zappa musste dann also für sechs Monate ins Gefängnis. (Die Platte hat der Lustmolch wahrscheinlich trotzdem behalten, aber das konnte ich noch nicht nachrecherchieren. Ich bleibe dran!)

Dass er schon viel früher ein ziemlich schrulliger Kauz (zwei wunderschöne Worte direkt hintereinander!) war, kann ich aber mit einer anderen Anekdote erzählen: zu seinem 15. Geburtstag nämlich wünschte er sich, mit seinem damaligen Lieblingskomponisten Edgar Varèse zu telefonieren. Der Wunsch wurde ihm erfüllt. Geile Sache.

Ich will auch cool sein. Die Sache mit der pornografischen Schallplatte ist vielleicht ein bisschen, hm, wirr, daher: hat jemand mal eben kurz die Telefonnummer von Bob Dylan? Ah, das wäre schön. Nochmal 15 sein.

Die Wahl

Ich war gerade wählen. Habe mich für Cornflakes und gegen ein Toast als Frühstück entschieden. Höhöhöhö, Mörderwitz, ich weiß. Bin jetzt duschen.

Somebody Put Something in My Drink

Sehr nett fand ich heute Mittag den Jungen, der die sympatische Idee hatte, beim Kellner eine „Spezi ohne Cola“ zu bestellen. Gewiss, es wäre sehr verlockend, dieses exotische Gemisch auch mal zu probieren, aber ich habe es dann doch gelassen und mir wie gewohnt ein Alsterwasser ohne Limo bestellt.

Flagge zeigen

ColaHmm!

Zunächst einmal finde ich es sehr bemerkenswert, dass die „Gut & Günstig“-Cola, einer Eigenmarke vom Edeka (das sind die, die Lebensmittel lieben, ihr wisst schon), nochmals günstiger geworden ist und die 1,5l Flasche nun nur noch finanzkrisenkompatible 0,29€ kostet.

Aber darum soll es hier nicht gehen.

Denn auch das Layout der Billig-Cola-Flasche wurde verändert. Und hmmm, ich kann mir nicht helfen, aber woran erinnert mich diese schwarz-weiß-rote Farbkombination da links unten? Hmmm!

Ich glaube, es war das hier. Oh!

Na dann, Prost.

Hallo Kapitalismus!

Aus guten Gründen möchte ich mir eine neue Tasche kaufen. So eine „Schulter-Tasche“, wo ich alternativ Schul-Zeug oder Flaschen oder sowas reinstopfen kann, ihr wisst schon. Wie sonst auch immer, wenn ich mir irgendetwas Neues und Cooles kaufen will, gebe ich also in die Adresszeile meines Internet-Browsers „Amazon.de“ ein. Ich stöbere ein bisschen herum, finde das und das hier, überlege ein bisschen, dann überlege ich ein bisschen weiter und dann setze ich mich auf mein Fahrrad und beschließe, mal in der Krefelder Innenstadt nach Taschen nachzusehen. Das ist einerseits gut, weil ich so die drohende Monopolstellung von Amazon nicht unterstütze (Monopolbildung = doof.), dann ist es ebenfalls gut, weil ich dabei frische Luft konsumiere und natürlich auch, weil ich dann nicht die Katze im (haha, Ruck-) Sack kaufe. Ausgerüstet mit einem beinahe druckfrischen 20€-Schein spazierte ich also in geschätzte 29384 Geschäfte und habe mindestens dreieinhalbmal so viele Taschen gesehen.

Nun ja, war dann doch schwieriger als gedacht. Die einen Taschen sind hässlich, die anderen Taschen sehen schwul aus (nichts gegen Schwule, aber schwule Taschen sind scheiße!) und der kleine okaye Rest ist teuer oder viel zu teuer. Also bin ich letztlich taschenlos nach Hause geradelt. Vielleicht werde ich mir also doch eine von Amazon kaufen, mhh. Naja. Mal sehen! Und was Cooles habe ich mir dann doch noch gekauft, offline: eine 5-Minuten-Terrine von Maggi und eine Tüte Eistee. Ich weiß, ich weiß, sehr gesund. Aber (metaphorisch ausgerückt) drauf geschissen! Schönen Tag euch noch.

Zwickmühle

Wenn man schlaflos im Bett liegen bleibt, sich wundert, dass die 2Uhr-Nachrichten im Radio deckungsgleich mit den 3Uhr-Nachrichten sind, dann hört, wie die Zeitungsmenschen die Tageszeitungen in die Briefkästen werfen, man zwei oder drei Stunden später doch ein bisschen geschlafen hat und sich dann bei der Kaffee-reichen Lektüre der Tageszeitung wundert, warum man viel mehr weiß als die Zeitung, die ihren Redaktionsschluss irgendwann vor den 2- und 3Uhr-Nachrichten hat, dann ist das für einen selbst zwar gut, weil man mehr weiß als die anderen lesenden Frühaufsteher, die die Radio-Informationen eben nicht haben, aber es hat auch den Nachteil, dass man morgens so gerädert ist, dass man sowieso mit niemandem ernsthaft über die Neuigkeiten sprechen kann.

Home is where ‚mein RTL‘ is

Wie jeder andere coole junge Mensch wünsche ich mir auch, später einmal in einem duften, modernen Häuschen zu wohnen, wo ich dann nachts ungestört nackig in meinem eigenen Swimming-Pool schwimmen kann, mir tagsüber das clever eingerichtete Wohnzimmer Freude bereitet und wo alles so aussieht, als befände man sich in einem schwedischen Möbelhaus.

Meint ihr, es würde sich lohnen, meine erste eigene Wohnung extrem zu verunstalten und zu verdrecken? Natürlich nicht einfach nur so, sondern in der Hoffnung, dass irgendwann Tine Wittler die RTL-Kameras mitbringt und unter dem Namen „Einsatz in vier Wänden – Spezial: die Jugendzimmerkatastrophe“ meine Wohnung mit Swimming-Pool, clever Wohnzimmer und so verschönert? Oder soll ich versuchen, mir mein wunderschönes Eigenheim selbst zu erarbeiten? Ich tendiere zur Wittler-Version. Außerdem wollte ich schon immer mal wissen wie es ist, wenn man mit lauten „Oaaaaohaaa“s und „Uaaauuuuuuuhhh“s der Verwunderung durch die Wohnung spaziert und im Hintergrund von RTL irgendwelche vergessenen Chart-Hits eingespielt werden.

Hoffentlich gibt es die Sendung in ein paar Jahren noch. Und hoffentlich ist Tine Wittler dann noch nicht geplatzt. (Puh, doch noch einen schlechten Witz über die Figur von Frau Wittler eingebaut, ein Glück!)

Nachtrag (27.05. /15:19 Uhr):
Oh. Vielleicht doch keine so gute Idee mit der Frau Wittler. Zumindest laut diesem Fund hier von Lukas:


Hilfe!

Wir haben Grund zum Gratulieren

Ich könnte heute über so einige Dinge berichten: da wäre zum Beispiel die Wiederwahl von Horst Köhler als Bundespräsident, oder den sechszigsten Geburtstag des deutschen Grundgesetzes oder aber auch der überraschenden Meisterschaft vom VfL Wolfsburg.

Aber: nö. Die Massenmedien werden noch genug darüber berichten und ich möchte mich da heute nicht anschließen. Nur soviel: Glückwunsch Horst, Glückwunsch Grundgesetz, Glückwunsch Wolfsburg. Und: Glückwunsch an mich. Denn ich habe heute beim Trödelmarkt neben einem 2LP-Bootleg von Bob Dylan („A Rare Batch of Little White Wonder“, 3€) auch noch eine wunderbare Feten-Vinyl für einen Euro erworben: „Ja, das haben die Männer so gerne“ heißt die Schallplatte, die laut Aufkleber auf der Vorderseite mal 7,90DM gekostet hat. Und während auf dem Cover zwei leicht bekleidete Mädels zu sehen sind (die inzwischen wohl nicht mehr so knackig sind, mhh!), gibt es auch auf der Schallplatte einige schlüpfrige Dinge. „Kunibert und seine Lanze“, „Du hast ein Superding“, „Ich hab‘ ’nen Bi-Ba-Butzemann“ und mein persönlicher Favorit „Ein Korn im Feldbett“.

„Feucht-fröhliche Hits für eine ‚heiße‘ Party“, also. Wer braucht da schon Politik oder Sport? Pff! Ich feiere dann also gleich das Leben und mich selbst. Prost! Hurra! Sommer!

Titten, Tränen, Topmodels

Im Nebenzimmer sitzen derzeit fünf Mädchen, darunter meine Schwester, und freuen sich wie Bolle darauf, in etwa zwei Stunden erfahren zu dürfen, wer „Germany’s Next Topmodel“ des Jahres 2009 – und damit Nachfolgerin von dieser einen mit den großen Brüsten, dieser anderen mit den roten Haaren und dieser dritten Gewinnerin (besondere Merkmale entfallen, aber wahrscheinlich hübsch) – ist. Zu diesem Zwecke habe ich denen nebenan meinen Fernseher zur Verfügung gestellt, der größer ist als der meiner Schwester. Das hat für sie und ihre Freundinnen den Vorteil, dass sie die dünnen Topmodels besser erkennen können und für mich hat das den Vorteil, dass ich mir das nicht angucken kann/muss.

Immerhin kann ich jetzt auch fast schon sagen, ich sei ein Experte. Denn ich habe mich informiert. Es stehen, so weiß ich nun, heute eine Schwarze, eine Brünette und eine Blonde im Finale. Okay. Mir rotzwumpegal, wer da gewinnt, aber die Tatsache, dass sich die Fernseh-Freundinnen nebenan vorhin Pizza bestellt haben, ist bestimmt nicht so gut für ihre Figuren. Was wohl Heidi dazu sagen würde? Obwohl, auch das ist mir rotzwumpegal. Denn ich hab was vom fettigen Fraß abbekommen. Lecker!

Nachtrag I (21:49 Uhr):
Ich habe gerade ein lautes, deutliches „Jaaaaarghhiiiiaiiiaaaaaaauuuhoooo“ aus dem Nebenzimmer vernommen. Zwei Möglichkeiten: entweder ist die erste der drei Kandidaten ist rausgeflogen oder soeben ist die erste Werbepause zu Ende gegangen. Ich tippe ja eher Ersteres, bin mir aber nicht sicher.

Nachtrag II (23:04 Uhr):
Sara hat gewonnen. Habe ich vor wenigen Sekunden online gelesen – von nebenan gab es komischerweise keine lauten Reaktionen. Entweder sind die da drüben eingeschlafen oder ich höre zu laut Musik. Egal! Mal wieder.

Gefallen finden

Wenn mir eine Dose hinfällt, dessen Deckel ich nur halbherzig aufgelegt hatte, weswegen sich die Dose beim Aufprall auf der Erde öffnet, kann ich dann sagen, dass mir die Dose aufgefallen ist? Oder ist sie auf gefallen? Wollte ich nur mal wissen, das fiel mir nämlich kürzlich auf.

So gefallene Sätze [Blogparadenbeitrag]

Heiter, heiter, immer weiter! So war mein Motto in diesen dunklen Tagen. Die Wolken sahen zuletzt immer wieder aus wie dreckige Schäfchen, gar nicht mehr so süß wie man sie aus dem Sommer gewohnt war. Leider nur, haha, mäh-ßig schön bei diesem Wetter auf der Terrasse zu sitzen und in meinen dicken Illustrierten zu blättern. Dennoch ging es nun schon tagein tagaus so. Morgens aus dem Bett fallen, den Vormittag mit Kaffee und Heuchelei über die Wupper bringen, um dann mittags dumme Sachen zu machen. So habe ich mal einen Böller angezündet und war so aufgeregt, dass ich das Feuerzeug weggeschmissen habe und den Böller in der Hand behielt. Man tat das weh. Aber das ist eine andere Geschichte. Eigentlich hatte auch heute vor, ein bisschen positive Energie in die Gesellschaft zu senden. Heiter heiter und so weiter, oder so ähnlich, siehe erster Satz.

Ey, man, kann man eigentlich 1 durch 3 teilen? Wie spät ist es gewesen, als ich letzte Nacht aufgewacht bin? Wieso, weshalb und vor allem: warum? Wer nicht fragt bleibt dumm?! Gedanken fliegen durch den Kopf, tun weh und verursachen tiefe Depressionen. Depressionen sind scheiße, niemand mag sie, abgesehen von ein paar Dauer-Deprimierten, die es zu ihrer Berufung gemacht haben, traurig durch die Fußgängerzone zu wandern und sich selbst zu bemitleiden. Traurig, traurig. Aber nun gut, Geschmack ist halt auch Geschmackssache. Lustig finde ich zum Beispiel die Kinder, die man ebenfalls in der Fußgängerzone sieht und ständig und anständige Dinge wie „ficken“ oder „Spasti“ sagen. Nette kleine Gestalten, hihi. So jung und schon so verzogen! Der ein oder andere sollte sich eine Scheibe abschneiden von diesen neunjährigen Sprach-Revoluzzern. Es heißt nicht ohne Grund Wortschatz, schätze ich.

Manchmal werde ich aber auch ein bisschen böse. Wenn zum Beispiel jemand auf der Straße seinen Hund spazieren führt und die dann mal müssen. Es gibt ja neuerdings diese Folien-Dinger, mit denen man die Exkremente von seinem Wauwau aufsammeln und entsorgen kann. Die finde ich immer sehr schlimm und entwürdigend. Also für den Hund jetzt. Denn im Biologie-Unterricht habe ich mal gelernt, dass die Hunde so ihr Revier markieren. Und das ist dann ja schon eine Art von Eindringen in die Privatsphäre. Vielleicht wende ich mich deswegen mal an den Verfassungsschutz. Oder ich mache eine Hunde-Partei auf, obwohl ich eher der Katzen-Gutfinder bin. Übrigens habe ich mal gehört, eine Katze erträgt es nicht, in der Nähe ihrer eigenen Exkremente zu sein. Also markieren Katzen dadurch vielleicht nicht das eigene, sondern das fremde Revier. Es ist an der Zeit, das einmal wissenschaftlich zu erforschen. Würde ich ja eigentlich gern selbst machen, aber nö, weil.

Aber bei Tieren bekomme ich generell immer Muttergefühle. Oder Vatergefühle, eher, aber ich glaube, dieser Ausdruck ist nicht so geläufig; ihr versteht schon, hm. Wichtig ist ja, dass man sich lieb hat und so. Mit Tieren kann man voll super kuscheln und weil sie meistens kleiner sind als man selbst, können sie sich kaum vernünftig wehren. Zugegeben, nicht sonderlich nett so ein possierliches kleines Dings feste an sich zu drücken, aber da man das bereits im Kindesalter mit Kuscheltieren vorgelebt bekommt, ist das wohl von der Natur so gewollt. Aber es gibt ja ein Tier, das ist überhaupt nicht mag. Das Pferd, von manchen nur „Hühott“ oder „Brrrr!“ genannt. So ein Pferd kann nur springen, sich die Haare kämmen lassen und in der „Wendy“ sein. Und wenn man es als Reitobjekt zu Ende benutzt hat, kann man es nicht mal als lecker Steak wiederverwenden. Na gut, kann man prinzipiell schon, aber Schwein, Huhn oder Fischstäbchen schmecken einfach viel besser. Wo liegt also der Sinn dieses Tieres, wenn man es nicht zu PommesMayoKetchup verspeisen kann?! Na?! Das Pferd muss raus!

Hm, ich muss gleich noch ein bisschen Holunderblütentee (beste wo gibt!) erwerben, deswegen muss ich diesen Eintrag jetzt hier auch irgendwie abschließen. Ich wollte ja eigentlich irgendwas Positives schreiben, aber letztlich dreht sich dieser Text jetzt nur um schlechtes Wetter, „ficken“ und aggressiven Pferde-Hass. Aber das ist schon okay, finde ich. Besser als Berufs-Depressionen, Katzen-Schlechtfinder oder Krieg.

(dies hier ist mein Beitrag zur Blogparade vom guten uiuiuiuiuiuiui, die ihr euch hier ansehen könnt. Und doch, Pferde sind eigentlich ganz okay, aber ich musste diesen Satz eben irgendwie unterbringen, okay?)

Das ehrliche Interesse

Hallo Leser,

na, wie geht’s?

Muss jetzt wieder los, bis die Tage!

Der schönste Montag seit gestern

Hallo sensationsgeile Leserschaft,

heute, poah, also da habe ich etwas erlebt, das könnt ihr euch nicht vorstellen! Nicht mal in euren Träumen, die äußert kühn sind! Also, es hat sich zugetragen während ich Fahrrad gefahren bin. Ich trat so mir nichts und dir auch nichts in meine Pedale, habe lustige Musik gehört und dann, ja, also, boah huiuiui, also dann stockte mir wirklich der Atem. Die Kinnlade fiel mir in Lichtgeschwindigkeit (doppelter!) herunter und wenn ich ein Foto-Handy in der Tasche gehabt hätte, wäre ich sehr schnell BILD-Leserreporter 23498 geworden. Aber ich will nicht lange um den heißen Gries herum reden, daher komme ich jetzt langsam mal zur zugegeben sehr schlechten Pointe dieses Eintrages:

Da war doch wirklich eine Pusteblume am Seitenrand! Geil! Jaaa! Bin gleich von meinem Rad gestiegen, habe die Pflanze dem Erdboden entrissen, die Backen mit frischer Luft gefüllt und diese einzelnen Pusteblumen-Bestandteile (weiß jemand, wie der biologische Name dafür ist?) durch Krefeld gewirbelt. Hurra, was für eine Freude! Schön, wenn man sich noch über die kleinen Dinge des Lebens freuen kann, oder? Ich bin dann aber auch noch weiter zum Supermarkt gefahren und habe ein bisschen die nationale Wirtschaft gefördert.

Ja, ich glaube man kann sagen: heute war ein guter Tag.

Supa Altersvorsorge

Hurra, liebe fünf Milliarden Leser, ich gebe einen aus! Denn: heute beim Schrank-Aufräumen habe ich ein seltenes Original-Autogramm gefunden. Es lag zwischen einem schlechten Witzebuch und peinlichen (und daher hier nicht erwähnten) CDs versteckt. Und ich weiß nun: ich muss wohl nie mehr Hunger leiden. Meine Rente ist nun sicher. Steueroasen wie Lichtenstein, Zürich oder Ouagadougou habe ich nicht nötig. Ein Leben in Saus und Braus steht mir bevor, spekulative Aktiengeschäfte sind sowieso nicht mehr von Nöten.

Und wenn Sie, liebe Leserschaft, nicht schon längst auf die Grafik unter diesen Zeilen geschaut haben, verrate ich nun, was ich gefunden habe:
Ein Autogramm von „Richie“, den älteren Lesern vielleicht noch von Welthits wie „Supa Richie“, „Schiss Pärückä“ oder „Richies Wältraisä“ bekannt. Und so sieht das wertvolle Stück Pappe aus:

Richie

Wunderschön, ich weiß. Vor allem diese Mütze, sehr 1999. Noch habe ich mich nicht darüber informiert, wie viele Milliönchen mir dieses Autogramm bei einer Versteigerung wohl bringen wird, aber alleine die Tatsache, dass Richies Top-Album „Für Dir“ satte 0,78€ beim Amazon-Marketplace einbringt, lässt mir die Vorfreude auf den wohl bald folgenden Reichtum ins Unermessliche steigen. Jetzt muss ich mir nur noch einen Golf-Club aussuchen, ein iPhone und ein Segelboot kaufen und dann gehöre ich endgültig zur Elite in Deutschland.

Danke, Richie! Und Leser, passt auf: lacht nisch, sons hol ich meinä Brüda!
(ich hab zwar nur einen einzigen Bruder, aber der ist immerhin sechs Jahre alt, also Obacht!!11)

Humorige Erkenntnis

Die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können, ist ja eigentlich ein ziemlich gutes persönliches Attribut. Leider trifft dies nicht auf alle Menschen zu: wenn Mario Barth zum Beispiel über sich selbst lacht, zeigt das nur, dass er einen ziemlich schlechten Sinn für Humor hat.

Wahlkämpfen in Krefeld

Hallo demokratische Leser,

wenn jemand von euch heute in der Krefelder Innenstadt mit dem Spruch „He Sie, Sie aus dem verkommenen Westen! Wollen Sie eine kostenlose Dose Tomatenmark?“ angesprochen worden ist und anschließend wirres Zeug über Ost/West-Beziehungen, FDP und Schwimmbäder erzählt hat, dann ist die Chance relativ groß, dass es PARTEI-Chef (und Satiriker) Martin Sonneborn war, der euch das kostenlose Propaganda-Tomatenmark andrehen wollte. Denn Sonneborn war heute gemeinsam mit dem Film-Team um Andreas Coerper (Extra 3, Heimatkunde) im verregneten Krefeld unterwegs, um ein bisschen Wahlkampf (für den PARTEI-Film, ab Ende August im Kino) zu filmen. Ich war ebenfalls anwesend, habe „bunte Propaganda-Heftchen“ verteilt und ein bisschen geholfen.

Mit dem bereits zweimal erwähnten Tomatenmark, das sich laut Sonneborn als Wahlkampfhelfer „bewährt“ hat, versuchte der kommende Bundeskanzler, Krefelder Fußgänger für einen kleinen politischen Dialog vor den PARTEI-Stand und die Kamera-Linse zu locken. Die Lage des Standes war nicht zufällig gewählt: vor dem heruntergekommenen und längst geschlossenen Stadtbad zeigten Sonneborn und andere helfende PARTEI-Mitglieder den Fußgängern zwei Bilder. Meist Bilder von zwei verschiedenen Schwimmbädern: auf der einen Seite das marode Krefelder Stadtbad, auf der anderen Seite ein schniekes Spaßbad aus dem Osten. „Finden Sie okay, dass Sie dieses tolle Spaßbad drüben über Ihren Solidaritätsbeitrag bezahlen und hier in einer so potthässlichen Stadt leben müssen?“ wurde also meistens mit „Nö!“ beantwortet. Hetze gegen Ossis folgte daraufhin meistens ungefragt, hihihihi.

Text?Und im Groben sind so die zwei Stunden gefilmter Wahlkampf auch schon erzählt. Eine ältere Dame, die mit dem PARTEI-Ziel, die Mauer wieder aufzubauen, sympathisieren konnte („Denen geht et da viel besser als wie uns hier!“), leistete beispielsweise gleiche ihre Unterstützungsunterschrift. Auch der betrunkene, zottelige Kauz war ganz lustig. Er hatte ein paar fetzige Reime auf Lager. veräppelte dann noch die SPD. Wurde alles mitgefilmt, natürlich. Man darf also gespannt sein, wer es alles in den endgültigen Film schaffen wird. Vielleicht bin ich ja auch mal kurz im Bild, zweimal wurde ich immerhin in ein Interview eingebunden und durfte ein paar Sätze sagen. Mal sehen.

Und nach den anstrengenden zwei Stunden, in denen wir übrigens die Anweisung erhalten hatten, immer dann, wenn wir im Bild waren, möglichst seriös auszusehen (und nicht zu lachen, was oft verdammt schwer ist!), ging es noch ins Brauhaus nebenan, das uns während des Wahlkampfes schon kostenlose Suppen (lecker, mit Curry, glaube ich) spendiert hatte. Coerpers Assistentin Susanne Müller gab eine Runde aus, ich trank aus, amüsierte mich ein bisschen mit der Runde über die Erlebnisse und dann fuhr ich aus Gründen etwas früher als der Rest wieder nach Hause.

Wahlkampf ist spaßig, immer wieder gern! Übrigens sind vier Dosen Tomatenmark übrig geblieben, jemand Interesse?


Montag.

Der Wecker schellt
ich falle aus dem Bett,
ohne Kaffee geh ich nicht
ins schulische Gruselkabinett.

Doch ich muss.

In der Schule sitzen sie
wie jede Woche im Mathe-Kurs,
melden tu ich mich sowieso nie
meine Stimmung meldet Konkurs.

Wann ist Schluss?

Wie auf einem Hühnerhof
hocken wir neun Stunden herum.
Wieso ist meine SoWi-Lehrerin so doof
und warum sind meine Sitznachbarn dumm?

Alle reden Stuss.

Und wer behauptet eigentlich immer
die Schule sei die beste Zeit im Leben?
Ich habe keinen Schimmer
es kann aber sicher Schöneres geben.

Notiz an mich: Dichten kann ich trotzdem nicht. Oder anders: Dichten? Mitnichten! Haha!

Im Kiosk

Johannes (geht zum Regal, greift zielsicher „11Freunde“ und „Rolling Stone“): Hier, mit Tüte bitte.
Verkäuferin (ungläubig): Okay. Sowas liest die Jugend von heute, hm?
Johannes (elitär): Nein, nur ich. Tschüss!

Schweinerei

Überall liest man böse neue Fakten über diese neue Seuche, die Schweinegrippe, die uns wahrscheinlich in den nächsten Wochen alle töten wird. Weswegen auch Weihnachten dieses Jahr mit großer Sicherheit ausfällt. Glaube ich. Haben mir die sensationsgeilen Medien so erzählt, irgendwann. Voll doof.

In den letzten Jahren habe ich mich übrigens als äußert zähes Individuum auszeichnen können, habe ich doch Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE), Vogelgrippe (H5N1), Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) und Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) allesamt unbeschadet überstanden, Yippie! Als Überlebenskünstler habe ich auch einen bombensicheren Trick gegen Schweinegrippe für alle Leser dieser Zeilen: einfach nicht mitmachen! Nicht jeder Trend ist es wert, dass man ihn mitschwimmt. Deswegen bin ich morgen mal total dufte-alternativ und täusche vor, ich hätte Angst vor mongolischen Riesenstechmücken oder Chinesen. Ts, Schweinegrippe, dass ich nicht lache! Hahaha! Grunz!

Johannes schlägt Brunnen

Was sind das eigentlich für fiese Spielverderber, die bei Stein-Schere-Papier mit „Brunnen“ ankommen? Was für eine unfaire Unverschämtheit!! „Brunnen“ zerstört das ganze System, die Chancengleichheit und sowieso! Gehört verboten, wirklich! Stein schlägt Schere, Schere schlägt Papier, Papier schlägt Stein, jawohl, kann man sich ganz leicht merken. Wer hat sich das eigentlich ausgedacht mit dem Brunnen? Aber glücklicherweise habe ich heute eine Sicherheitslücke beim „Brunnen“ gefunden: Papier. Papier bleibt auf dem Brunnen liegen. Nix mit Runterfallen wie bei Stein und Schere. Harharhar. „Schachmatt“ würde der Schachmensch jetzt sagen.

Gibt es Stein-Schere-Papier eigentlich auch für die aktuellen Spielekonsolen? Wii oder so? Ist nämlich mein Lieblings-Killerspiel (neben Mau-Mau und Flaschendrehen).

Hütezauber

Heute war endlich wieder Trödelmarkt. Ich liebe Trödelmärkte, weil man eigentlich immer irgendetwas findet, was man garantiert nicht braucht, aber unbedingt haben möchte. Heute bin ich wieder fündig geworden. Neben einem schicken brauen Hut für 3,50€ und einem Krefelder Kunststich-Geschenk für meinen Opa1 habe ich eine Heinz Erhardt-Doppel-LP für die lächerliche Summe von 100 Cent erstanden. Mehr bezahlen musste ich für das tollste Fundstück vom heutigen Tage: die Bob Dylan-LP „Desire“ aus dem Jahre 1975.

Und liebe Leser, ich stelle immer wieder fest: Vinyls sind einfach nur toll. Man riecht der Schallplatte ihr Alter an, doch das ist ebenso liebenswert wie die herrlichen Rauscher und Wackler beim Hören der Musik. Was ich aber noch viel erwähnenswerter finde, sind die Beilagen der LP. Nicht nur eine Doppelseite der (anspruchsvollen, arschlangen) Texte von Herrn Zimmermann sind enthalten, nein, auch deutsche Übersetzungen sind auf separaten Seiten verfügbar. Und wenn man sich die so durchliest, bekommt man den Eindruck, ein nicht deutschsprechender Mensch hätte mit einem Wörterbuch vor den Original-Texten gesessen und Wort für Wort einzeln nachgeschlagen. Unfassbar viele Tippfehler, wild verteilte Kommata und sinnentleerte Text-Flausen. Unschlagbar lustig!

Gestern wurde übrigens Dylans neues Album „ Together Through Life2 veröffentlicht. Ich habe mich erst ein klein wenig in den neuen Tonträger eingehört, aber drei Dinge stehen fest: die CD riecht nicht so schön wie die Vinyl, die Songtexte sind nicht in grausamen Deutsch im Booklet übersetzt und einen Hut hat der Herr auf dem Cover seiner neuen Platte auch nicht auf. Schlimmer noch: er ist nicht mal darauf zu sehen. Was lernen wir daraus? Richtig: früher war alles besser.

Bob Dylan - Desire

  1. Er wurde heute stolze 76 Jahre alt und konnte sich sehr über mein Geschenk freuen. Er hat mir dann gleich seine anderen Kunstdrucke gezeigt, erklärt und aufgebunden. Kein Problem: interessiert tun und trotzdem an andere Dinge denken kenne ich aus der Schule, höhöhö.
  2. Ersteindruck: nett, aber der alte junge Dylan war besser. Zum Beispiel auf dem oben abgebildeten Album „Desire“: „Hurricane“ und „Mozambique„.

[neuer]-[Durchblick]

Ach Mist. Ich wurde quasi „überrumpelt“ und jetzt trage ich auf einmal eine neue Brille. Meine Sehstärke hat sich stark verändert und ich habe jetzt ein neues Gestell. Die Gläser sind jetzt rechteckiger, größer und eine Frage der Gewöhnung. Auch für meine Bekannten und Verwandten. Ich freue mich schon darauf, in den nächsten Tagen ganz viele Fragen nach dem Motto „Ach, hast du eine neue Brille?“ mit „Haha, nein, sieht nur so aus“ oder „Kann sein!“ beantworten zu müssen. Ich hasse solche größeren Veränderungen. Und ich muss mich gewöhnen, gewöhnen und gewöhnen. Hmmm. Aber man hat mir gesagt, dass die neue Brille erwachsener und reifer wirkt. Liebes Online-Tagebuch, ich stelle also fest: ich werde alt. Allmählich.

Immerhin kann ich mir jetzt besser dabei zusehen, hahahahahahah. Ha. 8-)

It’s always better on holiday

Vor wenigen Minuten wurde ich darüber in Kenntnis gesetzt, dass morgen die Osterferien vorüber sind und der normale Schulalltag wieder beginnt. Weiß jemand, ob dieser komische erste Schultag nach den Ferien eine Pflichtveranstaltung ist? Ich möchte nämlich morgen früh eigentlich wieder wie neuerdings gewohnt „Punkt 12″ auf RTL gucken.

Wusstet ihr zum Beispiel, dass diese eine da von dieser Mädchenband, also, für die, die die nicht so kennen eine kurze Erklärung; also diese Band, die beim Grand Prix Letzter geworden ist, wobei, kann auch Vorletzter gewesen sein, naja, hm, ist auch eigentlich nicht so wichtig, auf jeden Fall hat die eine da von dieser Band, die auch mal so einen Hit hatte, „Daylight on your Eyes“ oder irgendwie so, vielleicht andere Menschen mit so einer schlimmen Krankheit beim Geschlechtsverkehr, also ficki ficki, haha, angesteckt, aber weiß man noch nicht so sicher und mal abwarten, weil die Gerichte sind da alle noch so voll am arbeiten, naja, nichts weiß man nicht oder so heißt doch das Sprichwort oder ist das eine Floskel, naja, auch egal, weil ist noch alles in der Schwebe haben die gesagt, also hat diese Frau gesagt, die da immer die betroffenen Kommentare vom Teleprompter abliest, ihr wisst schon, ja, hm, nun gut, ich bin auf jeden Fall traurig, dass ich jetzt nicht weiß, wie es da weitergeht, denn die sagen bei dieser „Tagesschau“ immer so schwierige Sachen mit so Krieg, wo Menschen sterben und all so voll doofe Dinge, das versteh ich gar nicht und die bringen auch irgendwie nie so interessante Sachen mit so Sängerinnen oder Brustvergrößerungen oder so, naja und deshalb ist das doof mit der Schule und naja, ihr wisst schon.

Auf jeden Fall habe ich absolut keine Böcke auf die Schule. Und sollte meine Biologielehrerin das hier lesen: Zellorganismen sind wenn ich in der Klausur etwas Schlechteres als ein „ausreichend“ habe, ist das ganz allein Ihre Schuld, weil Sie mir den Stoff nicht vernünftig rübergebracht haben! Außerdem habe ich letztens im Unterricht ein Kreuzworträtsel gelöst und Sie haben es nicht gemerkt! Vernünftiges Schlusswort, waagerecht, zwei Buchstaben: So.

5 Tage, 3 Spiele, 1 Sieg

Drei Spiele in fünf Tagen für den KFC Uerdingen – puh! Also dann.

11.04.09 – SV Straelen II – KFC Uerdingen 05 3:1 (Niederrheinliga)

KleinsterFanclub.deOh. Überraschende Niederlage beim Tabellenletzten. Früh in Rückstand geraten, dann schwach gespielt und nach der Pause dann noch zwei dumme Gegentore gefangen. Regjep Banushi konnte auf Uerdinger Seite nur noch den Anschlusstreffer erzielen, vorher hatte er noch einen Elfmeter verschossen. Mist. Unnötiger Punktverlust. Und schon zwei Tage später ging es weiter…

13.04.09 – VfL Willich – KFC Uerdingen 05 0:6 (Kreispokalfinale)

Hurra! Kreispokalsieger! Lockerer Sieg gegen den Bezirksligisten. Auch hier gibt es nicht wirklich was zu erzählen, höchstens noch, dass Sven Kegel ein wunderschönes Tor zum 1:0 erzielt hat, welches man sich hier ansehen kann. Wunderschön! An die anderen Treffer kann ich mich schon kaum noch erinnern, ich weiß nur noch, dass das Bier (0,2l für 1€) dort noch sehr günstig war. Hm. Ob es da einen Zusammenhang mit dem Gedächtnisschwund gibt? Das möchte ich lieber verschweigen und komme zum gestrigen Testkick:

15.04.09 – KFC Uerdingen 05 – Fortuna Düsseldorf 0:2 (Freundschaftsspiel)

Ein Sponsor hat dieses Testspiel vermittelt und obwohl beide Mannschaften nicht so recht wollten, musste das Spiel durchgezogen werden. Hauptsächlich, um die chronisch leeren KFC-Kassen ein bisschen zu füllen. Lediglich 1238 Zuschauer (darunter Félix, der zum ersten Mal in seinem Leben in der Grotenburg war, ui!) wollten sich das Spiel bei schönstem Frühlingswetter ansehen. Es gab in dieser Saison schon Sechstligaspiele, die in der Grotenburg mehr Zuschauer angelockt haben, aber naja. Spiel war sehr sehr mau, Fortuna überlegen und mit zwei Toren des Ex-Uerdingers Ahmet Cebe auch der verdiente Sieger. Sonst ist nicht viel passiert. Gähn. Hoffentlich kommt Félix trotzdem nochmal irgendwann mit.

Und nach dem diesem Marathon hat die Mannschaft erstmal wieder bis Sonntag Ruhe. Dann geht es zu Kapellen-Erft. Mal sehen, ob ich mich bis dahin auch von Niederlagen und dem Willicher Bier erholt habe. Prost!

(vielen Dank wie immer an Kleinsterfanclub.de für die Bereitstellung des Fotomaterials)

Eilmeldung: Ostern vorbei!

Gerade erfahren: Ostern ist vorbei! Wirklich! Einfach so! Ich konnte auf die Schnelle auch ein Beweisbild auftreiben. Es kann sich nur noch um Minuten handeln, bis die großen Medienmaschinen (BILD, Focus und Apotheken-Rundschau) die Story aufgreifen. Hier erfahrt ihr es als erstes!

Lindt-Osterhasen sind übrigens die Besten. Aber nur wegen dieser Glöckchen, mit denen man so lustig spielen kann. Hihi!

Need a little time to wake up, wake up.

Man liegt schlafend in seinem Bett und irgendwann macht uns ein (meist nerviges, lautes) Geräusch darauf aufmerksam, dass es nun ratsam wäre, aufzustehen. Unter der Woche mache ich es häufig so, dass ich mit den Wecker ein paar Minuten früher einstelle, sodass ich nach dem Klingelgeräusch (nervig und laut, übrigens) noch ein bisschen Herumliegen und Aufwachen kann.

Das geht aber auch effektiver und schneller. Und zwar mit dem Radiosender WDR2. Als ich heute Morgen meine Augen öffnete, war eben dieser Radiosender über meine HiFi-Anlage eingeschaltet (weil ich ihn gestern [bzw. heute, egal] zum Einschlafen eingeschaltet hatte, mache ich öfter) war. Leider leider leider ist dort heute der „90er-Jahre-Tag“ und die Hörer wünschten sich Songs von Dr. Albarn und den Backstreet Boys. So schnell wie heute bin ich noch nie aus dem Bett gesprungen, so eilig hatte ich es, den Radiosender zu wechseln. Was für eine gequirlte Scheiß-Musik, uah.

Weiß jemand, ob WDR2 dieses Special demnächst jeden Morgen wiederholen kann? Denn lieber ein gesungenes (und nerviges, natürlich) Aufwecken als durch den üblichen Weckerton. Hm.

Übrigens, die Überschrift dieses kleinen Textes ist auch aus einem Lied der 90er-Jahre. „Morning Glory“ von Oasis, wurde heute morgen aber leider nicht gewünscht.

Warum bin ich so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich?

Kennt ihr das, wenn man grundlos fröhlich ist und sich auf ungewisse Dinge freut, die man noch gar nicht kennt? Komisch, irgendwie. Wo kommt die gute Laune her? Wer hat die bestellt? Tut ja auch gar nicht weh, hm. Ist es die Sonne? Oder etwas anderes? Zum Glück sind ja derzeit Ferien, sodass ich mir viele Gedanken darüber machen kann, wieso, weshalb und vielleicht auch warum, diese Fröhlichkeit.

Möglicherweise möchte ich es aber auch gar nicht wissen.

Kurz zitiert

„Natürlich ist es ärgerlich, nach einer 2:0-Führung noch zu verlieren.“

…meinte KFC-Trainer Uwe Weidemann nach dem gestrigen 2:2-Unentschieden gegen Cronenberg. Mal sehen, wann er merkt, dass letztlich doch, aber nur ein Remis herausgesprungen ist.

Kein Scherz

Nicht mehr lange, dann ist der 1. April und die Menschheit wird wieder mit schlechten und sehr schlechten Aprilscherzen beglückt. Glücklicherweise hat Petrus ein Herz für alle Aprilscherz-Hasser: ab morgen wird es wieder richtig schön warm, 20°C und so. Kurze Hose und T-Shirt anziehen, auf der Terrasse rumsitzen und Augen zukneifen, weil einem die Sonne die Sicht behindert: geil!!1

Es sei denn, es handelt sich hierbei um einen schlechten Scherz von „ganz oben“. Wehe!

In eigener Sache [3]

So. Zwei Dinge:

1. In der kleinen Rubrik „Ich“ habe ich bereits vor ein paar Tagen ein paar unsagbar spannende Zeilen über mich verfasst. Ein Bild mit Hut gibt es auch zu bestaunen. Wird möglicherweise irgendwann mal ausgebaut.

2. Die netten Menschen vom Konzerttagebuch ermöglichen mir ab sofort, dort meine Konzertberichte zu veröffentlichen. Herzlichen Dank dafür.

Fertig.

Wembley und Hollywood in Ratingen

Ratingen-UerdingenGermania Ratingen – KFC Uerdingen 05 2:3 (0:1) – 29.03.09

Es gibt Spiele, die haben ein Drehbuch, wie es von keinem Hollywood-Schreiberling hätte ausgedacht werden können. Aber der Reihe nach.

Rund 600 Zuschauer, davon der Großteil aus Uerdingen, sahen in der ersten Halbzeit eine überlegene Gästemannschaft, aber keine Tore. In der Halbzeitpause schossen zwar die Auswechselspieler beim Warmmachen ein paar Tore, doch die zählten nicht. Dann, in der sechszigsten Minute, gab es aber auch endlich was zu jubeln: Mike Manske hämmerte den Ball an die Unterkante der Latte, der Ball sprang auf und wieder aus dem Tor heraus. Der Schiedsrichter gab das „Wembley-Tor“ (wohl zurecht, wie man hier sehen kann) und weil wenige Zeit später ein Spieler der Hausherren wegen groben Foulspiels die rote Karte präsentiert bekam, stellte man sich auf einen lockeren, verdienten Auswärtssieg ein.

Ratingen-UerdingenDoch die Ratinger wurden auf einmal frech und schossen einfach so den 1:1-Ausgleich, der wenig später durch Onur Özkaya wieder wettgemacht werden konnte. Wieder sollte die Führung nicht lange halten, Germania erzielte das 2:2 und Ärgern war angesagt. Zum Honk machte sich dabei der Ratinger Rechtsverteidiger Hakan Yalcinkaya, der anschließend minutenlang fast ausschließlich damit beschäftigt war, obszöne Gesten in Richtung des bis dahin stets friedlichen und dauersingenden Gästeblocks zu machen. Einige Uerdinger Sportsfreunde nahmen diese Anfeindungen zum Anlass, die Robustheit der Werbebanden zu testen (die erstaunlich viele Tritte einstecken konnten), es flog sogar eine Mülltonne (!) in Richtung Spielfeld, eskaliert ist die Situation aber erst in der 89. Minute. Vor Freude. Ausgerechnet über die Seite des Ratinger Rüpels (Anm.: Alliteration auf BILD-Nievau!) fiel der verdiente 3:2-Siegtreffer durch Uwe Sokolowski, der auf Zuspiel von Sven Kegel den Ball über die Linie drückte.

Ein paar Augenblicke später ertönte der Schlusspfiff und Herr Yalcinkaya flüchtete als Erster in Richtung Kabinengang. Er überließ die Bühne den wahren Helden dieses sonnigen Nachmittages: sie trugen blau-rote Trikots und haben nun von den letzten fünf Spielen vier gewonnen. Fußball macht wieder Spaß und neben dem KFC hat heute auch noch die Gerechtigkeit gesiegt. Wie in Hollywood: eine spannende Geschichte mit Happy-End. Ne, wat schön.

(vielen Dank wie immer an Kleinsterfanclub.de für die Bereitstellung des Fotomaterials)

Bayer siegt in Uerdingen

Immer, wenn wie am gestrigen Dienstag-Abend eine höherklassige Mannschaft in der Krefelder Grotenburg gastiert, erzählen die älteren Menschen ihre schönen Geschichten von damals. Sie werden dann melancholisch, denken an die schönen Zeiten zurück und ärgern sich darüber, sich heutzutage Sechstligafußball ansehen zu müssen. Ich bin zu jung, um mich an das letzte Bundesligaduell zwischen Uerdingen und Bayer Leverkusen zu erinnern, aber mir wurde zugetragen, dass der KFC mit 3:0 siegen konnte, aber letztlich doch abgestiegen ist. Ohnehin ist Leverkusen einer der wenigen Profivereine, gegen die Uerdingen eine positive Bilanz hat: 11 Siege, 12 Remis und 10 Niederlagen. Würden Testspiele in diese Statistik einfließen, wäre sie wieder ausgeglichen, denn Leverkusen gewann gestern 4:1.

Doch bevor sich Sechst- und Erstligist auf dem Rasen messen durften, gab die Krefelder Band „Might 8 Balls“ ein kleines Rock-Konzert unter der Südtribüne. Anschließend durften die Cheerleader der „Fireballs“ ein bisschen auf dem Rasen tanzen – die selbe Cheerleader-Truppe war zu Regionalligazeiten noch Stammgast, gestern gab sie aber wohl leider ein einmaliges Comeback. Aber simpler Fleischbeschau war ja auch nicht der eigentliche Grund für das Erscheinen der rund 1800 Zuschauer, sondern Fußball. Den gab es dann auch noch, natürlich. Völlig überraschend gingen die Hausherren durch Onur Özkaya 1:0 in Führung, vor lauter Freude fiel anschließend gleich mal die Anzeigetafel für knapp zehn Minuten aus.

Nach dem Ausgleich der Bayer B-Elf hatte sie sich dann aber wieder erholt, auch den Führungstreffer des Ex-Uerdingers Hettich (ausgerechnet!) zeigte sie ordnungsgemäß an. Ebenfalls angezeigt wurden die Zwischenergebnisse des DEL-Playoff-Spiels zwischen den Krefeld Pinguinen und der Düsseldorfer DEG. Der KEV gewann übrigens und erzwang so ein siebtes Spiel, aber das nur am Rande. Denn auch die Leistung der Krefelder Fußballer war ausgesprochen gut, kämpferisch und spielerisch war sie den Bundesliga-Spielern Renato Augusto, Henrique, Dum und Co. nicht so stark unterlegen, wie es auf dem Papier aussah. Mit letztlich 1:4 fiel die Niederlage auch noch relativ zufriedenstellend aus – mit dem selben Ergebnis hatte man in der letzten Saison gegen die Zweite Mannschaft von Leverkusen verloren.

Übrigens gab Bernd Schneider gestern Abend sein Comeback in der ersten Mannschaft von Leverkusen. Er blieb blass, spielte einige Fehlpässe und blieb unter seinen Möglichkeiten. Der bessere Spielmacher war gestern der Uerdinger Spielmacher David Machnik, achtzehn Jahre jung und aus der eigenen A-Jugend. Also mal abwarten, was man von dieser jungen Uerdinger Mannschaft in den nächsten Jahren noch so erwarten darf.

(Spielbericht auf KFC-Online, inkl. Fotos und Video mit allen Toren)

Glücklich, aber glücklos

Heimsieg!

Wenn man bedenkt, dass nur 4300m (Dank an Google Maps) neben der Krefelder Grotenburg im Eishockey-Tempel „KönigPALAST“ das vierte DEL-Play-Off-Viertelfinale zwischen den Krefeld Pinguinen und den DEG Metro Stars ausgetragen worden ist, ist es schon erstaunlich, dass sich gestern Abend stolze 966 Zuschauer das Spiel zwischen dem KFC Uerdingen und den Gästen aus Schonnebeck ansehen wollten. Aber diese Verrückten, die dem Erstliga-Eishockey zum Trotz das wunderschöne Grotenburg-Stadion mit seiner sechstklassigen Fußballmannschaft besucht haben, wurden immerhin mit einem Sieg ihrer Mannschaft belohnt, die KEV-Fans im KönigPALAST mussten ihre Mannschaft verlieren sehen.

Mit 2:0 gewannen die Uerdinger also hochverdient gegen die harmlosen Gäste, die Torschützen waren Donkor (65. Minute) und der eingewechselte Özkaya (90.). Es hätten sich aber noch viel mehr Spieler in diese Torschützenliste eintragen können, es gab die von Fußballjournalisten immer gern zitierten „Chancen für zwei Spiele“; doch die Blau-Roten von Trainer Uwe Weidemann scheiterten abwechselnd an sich selbst, Torpfosten und -latte. Und als leidgeprüfter Uerdinger musste man sich schon sorgen machen, gleich dafür bestraft zu werden, die Dinger vorne nicht reinzuknipsen – doch der Gast aus dem Essener Stadtteil Schonnebeck konnte seine wenigen Chancen nicht nutzen, aber immerhin dreimal musste der wieder genesene Stammtorhüter Björn Kreil in höchster Not retten. Irgendwann war der berühmte Offensiv-Knoten der Hausherren dann aber doch geplatzt, die Tore fielen, die Fans erleichtert.

So war der Flutlicht-Sieg letztlich zwar hochverdient, aber normalerweise gewinnt man so ein Spiel mit etwas Glück deutlich höher. Egal, drei Punkte, weiter geht’s. Am Dienstag kommt die Bundesliga-Mannschaft von Bayer Leverkusen zu einem Testspiel zu Besuch – und da der KEV wie erwähnt gestern der DEG unterlag, steht fest: auch am Dienstag muss man wohl auf ein paar Zuschauer verzichten, die sich lieber Eishockey ansehen werden. Schicksal einer Mannschaft, die sich langsam zu festigen scheint – dritter Sieg im vierten Spiel. Weiter so.


(vielen Dank wie immer an Kleinsterfanclub.de für die Bereitstellung des Fotomaterials)

Kreidezeit

Lacht ihr auch so gern über die peinlichen Rechtschreibfehler, die „Zwiebelfisch“ Bastian Sick auf Spiegel Online präsentiert? Ja? Dann habe ich hier etwas für euch. Aber sie sind eher sympatisch und niedlich (Alternativ-Adjektiv: süüüüüß!), denn sie stammen von meinem kleinen Bruder, der gerade einmal sechs Jahre alt ist und die erste Klasse besucht. Rechtschreibung ist dort noch kein Thema, das großgeschrieben wird, es reicht, wenn man die Laute, die ein Wort enthält, aufschreiben kann.

Und wenn mein kleiner Bruder mit Kreide auf den Bordstein malt und nebenbei auch noch ein paar Worte danebenkritzelt, sieht das wie folgend im Falle von „Start“ aus:

„Ägypten“ hat auch nicht ganz geklappt, aber das mit der „Mumie“ schon:

Was Überraschenderweise auch kein Problem war: der Name des Pharaos „Tutenchamun“. (Okay, es ist nicht so schwer zu erkennen, aber ich habe einen guten Willen.)

Ha, das ist mein Bruder! Hand aufs Herz, wer hätte seine Probleme beim Namen des Pharao gehabt? Ich glaube, aus meinem Bruder wird mal ein echter Zwiebelfisch. Oder irgendwas anderes Positives.

Vierzuzwei.

Erleichterung pur beim Krefelder Fußballclub Uerdingen 1905. Da der Wettergott in den letzten Wochen immer wieder (Heim-)Spielverderber war, mussten die Krefelder Fußballfreunde bis zum heutigen Nachmittag auf ein Heimspiel ihrer elf Freunde warten. Der Gast TuRu Düsseldorf erwies sich als netter Punktelieferant und überließ den Hausherren heute drei Punkte – 4:2-Sieg! Der erste Sieg mit mehr als einem Tor Unterschied in dieser Saison. Der dritte Pflichtspielsieg hintereinander. Hurrajuhuendlich. So kann es weitergehen. Und mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht mehr zu sagen. Deswegen abschließend noch ein kurzes: Juhu!

(vielen Dank wie immer an Kleinsterfanclub.de für die Bereitstellung des Fotomaterials)

Vor-Frühlingsgefühle

Wie schnell sich so eine Laune doch ändern kann. Relativ vergnügt verließ ich gestern die Wohnung, doch ein kurzer Blick gen Himmel ließ meine Stimmung schnell umschlagen. Grau. Grau der Himmel, alles grau. Grau ist eine Farbe, die noch überflüssiger ist als Lila oder Dunkelolivgrün, außerdem macht Grau depressiv und lustlos. Jemand sollte sich mal dafür einsetzen, Grau abzuschaffen, oder, weil das in der heutigen Politik mit dem Abschaffen immer etwas schwer ist, man reformiert es, Grau 2.0 oder so. Ganz schlimm ist dieses Grau aber, wenn es zusätzlich noch regnet. Obwohl Regentropfen eigentlich transparent (oder farblos?) sind, sieht es aus, als würde es Grau regnen und das macht nicht nur depressiv, sondern auch noch nass. Na toll.

So sprang ich dann, gespickt mit diesen ganzen negativen Adjektiven, gestern auf mein Fahrrad, dessen Sessel natürlich auch ein paar Tropfen vom farblosen (oder transparent?) Grau-Regen konsumiert hatte. Zum Glück hatte ich es nicht weit bis zum Supermarkt. Ich schenkte ihm ein paar leere Pfandflaschen, erwarb eine neue Flasche Cola und Brötchen. Auf dem kurzem Rückweg sah ich an der einzigen Ampel auf meinem Wege einen Lieferwagen von einer großen Eiscreme-Kette. Wer isst denn bitteschön in dieser Jahreszeit Eiscreme, fragte ich mich, ein paar Meter weiter war meine kleine Odyssee auch schon wieder vorbei. Und ich fasse zusammen: ich bin jetzt nass, depressiv und lustlos, habe aber jetzt Cola und Brötchen. Hm.

Kein Hopp, kein Hildebrand, keine Tore.

Tatort Mannheim. Im Hinspiel zwischen der TSG Hoffenheim und der Dortmunder Borussia hatten ein paar böse Fieslinge fiese Bösartigkeiten über Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp verbreitet – die Älteren werden sich sicher erinnern. Beim heutigen Rückspiel war Herr Hopp nicht im Stadion, dafür war ich anwesend. Dennoch gab es wieder einmal viele Anfeindungen in Richtung Hopp und Hoffenheim, ein paar der Spruchbänder gibt es zu sehen, wenn man auf das nebenstehende Bild klickt, welches mit dem BVB-Fanzine“schwatzgelb.de“ verlinkt ist. Nicht sehen kann man dort die Sprechchöre, die vor allem in der ersten Halbzeit zu hören waren: „Dietmar Hopp du Sohn einer H*re!“. Na, na! Das Sternchen wurde übrigens nicht mitgesungen. (Mörderwitz, haha.)
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Tüpisch Krie-ewel

Karneval ist für mich vorbei. Noch genau zwölf Minuten lang ist Rosenmontag, morgen ist Veilchendienstag und übermorgen ist Aschermittwoch und der Hoppeditz wird beerdigt. Ich werde nicht bei der Beerdigung dabei sein. Zu erschöpft bin ich von den jecken letzten Tagen. Zu viel Alkohol, zu viel schlechte Musik, zu wenig Schlaf, ich bin heiser. Es hat nicht einmal geholfen, dass ich am gestrigen Sonntag eine kleine Karnevals-Pause eingelegt habe und in Düsseldorf sitzend mit Martin Bundesliga-Fußball geschaut habe. Nun sitze ich wieder auf einem Sitzplatz, meiner neuen Ikea-Couch, die ich am Freitag allein und nur mit Hilfe des schwarz-weißen Aufbau-Zettels aufgebaut habe. Mein Rücken wird gestützt von einem Kissen, 2,79€ teuer. Von Ikea, klar. Beim Sitzen höre ich Gisbert zu Knyphausen. Wunderbarer Songwriter auf Deutsch aus Wiesbaden, nicht Schweden.

Der Rosenmontags-Zug heute in Krefeld war wieder einmal enttäuschend, fast keine Wagen mit (politischem) Motto und sonderlich kreativ (oder gar lustig) waren die Wagen auch nicht. Passt aber eigentlich zum Motto „Tüpisch Krie-ewel“ – Krefeld ist eben keine wirklich spannende Stadt. Kamelle habe ich auch nicht gefangen. Vielleicht gibt Moritz mir ja was von seinen Süßigkeiten ab, seine Taschen waren voll. Ich fürchte, er wird sie für sich behalten. Dafür habe ich ein kuhles Tattoo auf meinem rechten Arm. Fünf rote Sterne. Wunderschön. Was diesen Nachmittag so in der Welt passiert ist, weiß ich dagegen leider nicht, denn ich habe auf der bereits erwähnten Ikea-Couch geschlafen. Schuld daran ist die 1,5l-Flasche von Pepsi, die mit Whiskey-Cola gefüllt worden war. Jetzt ist sie leer, ich war voll und Karneval ist vorbei.

Jetzt sind nur noch vier Minuten bis zum Veilchendienstag. Helau.

Hey, das geht ab (im Bus)!

Dienstag Nachmittag im Bus . Neben mir sitzt mein Rucksack, still. Vor mir sitzt eine Dame, auch still. Auf der anderen Seite sitzen ein Männlein und Weiblein, nicht still, sondern erzählend. Nach ein paar egalen Gesprächen über Belanglosigkeiten („Ich war gestern schon wieder nicht in der Schule, keinen Bock.“) kamen sie auf das Thema Musik zu sprechen. Das Männlein, etwa in meinem Alter, erzählte von seinem aktuellen Ohrwurm: „‚Hey, das geht ab!‘ von Frauenarzt find ich voll geil!“ sprach er nicht leise und sang seiner weiblichen Begleitung noch viel lauter den Refrain des Liedes vor. Ich wusste, dass es von nun an sehr interessant werden würde. So lenkte ich meinen Blick herüber zu der älteren Dame vor mir und sah schon, wie sie ihr Gesicht verzog und sich wundernd wunderte. Das Weiblein, etwa 15 Jahre alt, erzählte dann noch vom Porno-Rapper „King Orgasmus“ und seinen Texten. Die darauffolgende Mimik der Rentnerin war so herrlich abweisend, dass ich sie hier kaum treffend beschreiben kann.

Die beiden jugendlichen Freunde der ungepflegten Unterhaltungsmusik stiegen alsbald aus und wurden dabei noch grimmig angesehen. Ungefragt stieß ein „Sowas hattes bei uns ja nich gegeben!“ aus ihr heraus. Überrascht brachte ich nur ein „Jaja, stimmt, traurig sowas.“ aus mir heraus und hörte dann die vier Worte, auf die ich mich schon die ganze Busfahrt gefreut hatte: „Früher war alles besser.“ resümierte die alte Dame und stieg ebenfalls aus. Zwei Haltestellen später verließen auch mein Rucksack und ich den Bus. Ich hoffe, dass es in ein paar Jahrzehnten, wenn ich ins Rentenalter gekommen bin, auch noch Musik und Menschen gibt, über die ich mich aufregen kann. Wie langweilig wäre es sonst im Bus, nur so mit Rucksack?

Kleinanzeige #1

Hallo Leser! Guten Tag Leserinnen! Ich verkaufe aus Gründen meine Nintendo Wii, samt Spielen, Zubehör und dem ganzen Scheiß. Vielleicht hat ja demnächst eure Freundin Geburtstag oder so. Einen festen Preis gibt es nicht, aber Spaßbieter sind nicht erwünscht. Gut gebaute Leserinnen werden bevorzugt!

Angebotsinformationen, Spieleliste und der ganze andere Mist:
http://wiig.de/mybb/showthread.php?tid=6225

Für die ganze Familie! Auch Opa.

Spaß mit Google

Jeder kennt Google, die lustige Suchmaschine mit den bunten Buchstaben. Sogar ältere Leute kennen Google, wenn sie es auch zumeist falsch aussprechen – ein Phänomen, das es zuletzt bei den ebenfalls lustig-bunten Pokémon gegeben hatte1. Und Google wird nicht nur gekannt, es kennt auch: zum Beispiel diesen großartigen Blog, zumindest kommen täglich viele Besucher (mit teils zweifelhaften Absichten) über die Suchmaschine hierher. Fast jeden Tag möchte irgendjemand illegal das aktuelle ClickClickDecker-Album haben und landet ironischerweise hier. Vor ein paar Wochen wollte jemand gar „loriette london nackt“ sehen und wurde dann hier enttäuscht. Ebenso wie diejenigen, die nach „prosieben taff handschuhe“ oder „stefan raab altes ehepaar auf dem sofa“ gegoogelt haben. An euch alle: tut mir leid. Aber jetzt, jetzt habe ich eine fantastische Idee, damit ich Klick-Hure noch mehr Leute hierherlocken (und enttäuschen) kann. Also denn:

titten rein raus anstößige begriffe schlechte wortspiele heiße spiele sex tiere nico schwanz geschlechtsverkehr unnötiger unsinn bescheuerte witze unlustig wurst bumsen bild dir deine meinung mario barth hat einen kleinen schniepi kartoffelpüree aus der dose humor auf kosten anderer neue unterschicht baum peanut jelly butter time internet is for porn alexander marcus fanta 4 obama mccain mcdonalds johannes ist doof hallo omi google rockt.

Ich grüße alle Leser, die über Google hierher gefunden haben. Und nein, ich meine das hier nicht ernst und freue mich auf alle „meine fresse was für unlustige scheiße du idiot!!!!111″ oder „ich hatte meinen lümmel schon draussen und dann dieser hässliche blog, danke google“-Kommentare.“

  1. Richtig: „Pohkemonn“. Falsch: „Pockemonns“

Leere Taten in Duisburg-Homberg

KleinsterFanClub.de„Leere Worte oder ehrliche Taten?“ wollte die Uerdinger Fanszene vor dem Rückrundenauftakt in Duisburg-Homberg wissen. Nach teils sehr peinlichen Auftritten in der Winterpause (nur Siebter beim Krefelder Hallenturnier, 1:7 gegen MSV Duisburg II) zeigten sich die Blau-Roten zuletzt gefestigt und ließen auf Besserung hoffen. Neue Spieler sind gekommen, alte Nicht-Leistungsträger sind gegangen, alles sollte besser werden. Trotzdem habe ich mir lange überlegt, ob ich auf die andere Rheinseite zum VfB Homberg fahren sollte, eine weitere Enttäuschung schien vorprogrammiert. Und trat ein. 0:3-Auswärtsniederlage. Typisches „War ja klar“.

Etwa die Hälfte der 500 Zuschauer auf dem Nebenplatz des PCC-Stadions, dessen Rasenplatz wegen Unbespielbarkeit gesperrt worden war, kam aus Uerdingen. Gut erkennen konnte man die Gästefans am „Warum tu ich mir diese Scheiße eigentlich noch an“-Blick, den ich mir zusätzlich zum blau-roten Schal auch angezogen hatte. Und nachdem ich ein traditionell leckeres Fischbrötchen am Stadion verzehrte (Geheimtipp!), begann die gute Laune quasi mit dem Anpfiff. Schnell fiel das 1:0 für Homberg nach einer Ecke, danach passierte nicht mehr viel bis zur Pause, abgesehen von einer gelb-roten Karte für den Uerdinger Neuzugang Sokolowski. Und nach der Pause lief mit zehn Spielern auch nichts mehr zusammen, einfachste Pässe kamen nicht an, Konter wurden gefangen und ich bin mir sicher, dass sich die Homberger immer noch darüber kaputt lachen, wie einfach dieser Sieg gegen den „Aufstiegsaspiranten“, der sich im Abstiegskampf der sechsten Liga befindet, letztlich war.

Gefroren, aufgeregt, enttäuscht nach Hause gegangen. Alles wie gehabt in Uerdingen. Zum Kotzen.

(vielen Dank wie immer an Kleinsterfanclub.de für die Bereitstellung des Fotomaterials)

Was der Großvater noch wusste

„Klingelingeling, klingelingeling, hier kommt der Eiermann!“ sang mein Opa heute, als meine Oma wieder von damals erzählte. Damals, als der Eiermann noch vorbeikam und sie jedes Mal „dreißig Eier“ bei ihm bestellt haben. „Gibbet ja heute jar nich mehr“ fügte Opa nach dem kurzen Liedchen etwas verbittert hinzu. Jaja, so Ausflüge zu den Großeltern sind immer wieder spannend. Man fühlt sich zurückversetzt in Zeiten, die man gar nicht miterlebt hat. Meine Oma bekommt derzeit ein brandneues, kabelloses Kopfhörerdingsbums für den Fernseher, weil sie nicht mehr so hören kann und Opa nicht möchte, dass der Fernseher immer so laut gemacht werden muss. Heute haben wir das Gerät angeschlossen. „Früher, da hatten wir nur ein Kabel, für den Lautsprecher-Verstärker. Dann kamen der Plattenspieler, das Videogerät, der DVD-Spieler und jetzt dieses Teil.“ wusste Opa. Und jetzt kann Oma wieder auf der Couch sitzen und „den Jauch“ gucken, den sie so gerne schaut, ohne Opa zu stören. Ja, bei meinen Großeltern, da ist die Welt noch in Ordnung.

Vor ein paar Jahren, als ein Krefelder Karnevalsverein dringend neue (junge) Mitglieder brauchte, hat mich mein Opa heimlich dort angemeldet. Ich habe erst vor ein paar Wochen davon erfahren. Heute schenkte er mir einen dieser lustigen, bunten Hüte, diese mit den Zacken, ihr wisst schon. Er ist gelb-grün mit weißen und roten Streifen, die vielen Glöckchen nicht zu vergessen. Er ist sehr hässlich, wenn ich ehrlich bin. Ich fragte meinen Opa, ob ich ihn dieses Jahrtausend schon einmal freiwillig anhatte. Er wusste es nicht mehr genau, dafür wusste er aber, dass so ein Hütchen mehr als 200€ kosten würde. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber darauf kommt es ja auch nicht an. Geschichten werden sowieso viel schöner, wenn man sie ausschmückt. Wahrscheinlich haben meine Großeltern früher auch nicht dreißig, sondern nur zehn Eier beim Eiermann bestellt. Aber darauf kommt es ja nicht an.

Die Worte zum Sonntag

Es gibt Tage, mit denen weiß man nichts anzufangen. Sie fangen wie üblich um Mitternacht an und wenn man morgens aufsteht, hat man schon einige Stunden verpasst und mehrere Chancen, die Welt zu retten (oder wenigstens zu verbessern) ungenutzt gelassen. Dann steht man auf, duscht sich die Flecken vom Vortag ab, trinkt eine Tasse Kaffee1 und konsumiert sein Müsli. Die Minuten vergehen und wenn das Radio die 14-Uhr-Nachrichten verkündet, merkt man, dass es schon zu spät ist für Welt verbessern. Also guckt man aus dem Fenster und hofft, dass etwas Spannendes passiert. Aber weder links noch rechts versucht jemand, die Welt zu retten und die Ödnis ödet an. Ein kurzer Spaziergang überbrückt kurzweilig die Weile, die lang ist. Irgendwann hat die Sonne dann auch genug und geht unter. Mal gucken, was heute wieder Beschissenes im Fernsehen kommt. Gibt es eigentlich noch Kaffee? Oh, schon zu spät, eigentlich. Dann geh ich mal ins Bett. Und was mache ich morgen wohl Egales? Müsli ist alle.

  1. Ich trinke übrigens gar keinen Kaffee. Aber klingt besser als Tee oder Fanta.

Was fürs Herz

Ein arabischer Philosoph hat einmal gesagt:

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Ist das nicht rührend? Besonders an folgender Stelle musste ich sehr weinen: ة لتمكين البحث الدلالي. Das geht wirklich unter die Haut!

Viel Praktisches beim Praktikum

Die Älteren werden sich sicher an mein duftes Schülerbetriebspraktikum bei einer kleinen Print/Media-Agentur hier in der Region erinnern. Jetzt ist es vorbei. Zwei Wochen (bzw. neun Arbeitstage) lang habe ich dort Artikel für drei Anzeigeblättchen geschrieben, Telefonate geführt, Ordner angelegt und Kaffee gekocht. Also nicht nur das übliche, theoretische Praktikanten-Zugucken, sondern auch viel praktische Arbeit Praktisch vorrangig deswegen, weil ich meinem Chef wohl einiges an Arbeit erspart habe, durch den ganzen Kleinkram, den ich machen musste. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ durfte ich mir sehr oft anhören. Vor allem mein journalistisches Können wurde voll ausgenutzt, so durfte ich zum Beispiel ganz tolle Berichte über Firmen-Jubiläen, Fördervereine und Karnevalssitzungen schreiben. Ich glaube, ich kenne jetzt hier so ziemlich jeden Bäcker und jeden Frisör. Geil!

Interessant waren vor allen Dingen die Menschen, mit denen ich in dieser Zeit zu tun hatte. Am Kuhlsten war aber der Optiker, über dessen Firmen-Jubiläum ich schreiben dufte. Wir (mein Chef und ich) fragten ihn, wie seine Tochter hieße, die bei ihm im Betrieb arbeite und er wusste nicht, ob seine „Melanie“ mit -i oder -ie geschrieben werde. Hihihi! Mein Chef meinte dann spaßeshalber, er wisse wohl nicht mal, wann sie Geburtstag hätte. Und in dem Moment sprang der nette, rundliche Herr Optiker auf und eilte los, um es zu erfragen. Kein Scherz! Fand aber in meinem Bericht später leider keine Erwähnung. Aber wenn jemand von euch einen feschen Optiker in Krefeld-Oppum sucht, ich wüsste da einen.

Jetzt ist der ganze Quark aber vorbei. Nächste Woche Donnerstag erscheinen die Käseblätter, deren Aufrisse heute noch etwas löchrig waren. (Verstehen Sie? Käseblatt -> löchrig! Maugahgahu!) Ich schrieb also noch ein paar „Lückenfüller-Texte“ und nutze die ganze freie Zeit, um heimlich im Internet herumzugeistern. Zum Glück hatte ich schon letzte Woche ausfindig gemacht, wie man den Verlauf des alten Apple-iMac löschen konnte. Clever, dieser Johannes! So clever, dass sein Kurzzeit-Chef heute fragte, ob er nicht (gegen Bezahlung) in den nächsten Ausgaben auch ein paar redaktionelle Inhalte liefen wolle. Sein Praktikant willigte ein und ich freue mich jetzt auf ein nettes monatliches Zubrot. Apropos Brot: in der Nähe vom bereits angesprochenen Optiker ist auch eine prima Bäckerei! Aber lassen wir das.

Relaunch!!!11

Guten Tag Herr Leser, guten Tag Frau Leserin.

Wie Sie sicherlich gemerkt haben, habe ich den Blog-Anbieter gewechselt. Statt bei Free-Blog.in bin ich nun bei Blogsport. Und Sie werden es wohlmöglich kaum glauben wollen, aber: das hat Gründe. Unter anderem den, dass dieses Wordpress-System, unter welchem der Käse jetzt hier läuft, voll knorke und praktisch ist. Aber sehen Sie ja selber, denke ich. Was Sie auch sehen ist, dass es hier noch den ein oder anderen Fehler gibt. Dennoch bitte ich um erste Rückmeldungen bezüglich des Designs. Ich find ja den Header super, soll der so bleiben? Demokratie!

Die letzten Abende habe ich übrigens damit verbracht, die „Sahnestückchen“ von meinem alten Blog hierher transferiert und Sie möchten gar nicht wissen, wie viel Arbeit das macht. Und wenn Sie es wissen, vergessen Sie es am besten wieder. Leider gibt es hier ein kleines bisschen Werbung, aber die sollte Sie hoffentlich nicht weiter von den unglaublich geilen (!) Beiträgen hier ablenken.

Übrigens, ab sofort werden Sie hier nicht mehr gesiezt. Hier wird ab sofort wieder frech geduzt! Harharhar!
Viel Spaß auf jeden Fall mit dem Zeug hier. Ich gebe mir auch extra ganz viel Mühe.

Johannes

Nachtrag: 22.01./22:03 Uhr:
So, jetzt sollte hier eigentlich alles soweit funktionieren. Die Buttons unter dem Header funzen, ein Kontaktformular gibt es nun, Kommentare sollten jetzt auch ohne Moderation freigeschaltet sein. Sonst noch was zu Meckern?

Hurra! Oder doch nicht?

Prolog: Letztes Jahr, also früher, habe ich mir eine Eintrittskarte für Oasis besorgt. Für Daniel gleich eine mit. 39,80€ steht auf unseren Karten drauf, Philipshalle Düsseldorf auch, am 19.01. sollte es soweit sein. Wochenlange Vorfreude, Tage abzählen und was man alles so macht, wenn man sich freut. Die Jüngeren erinnern sich: Wie damals, an Weihnachten. Und nun war der Tag gekommen, der in meinem 11Freunde-Kalender dick mit einem roten Wachsmalstift "OASIS!" markiert ist.

02:28 Uhr:
Ich kann nicht einschlafen und krame meinen iPod hervor, um mir "Champagne Supernova" anzuhören. Heimlich singe ich mit und wippe lustig unter meiner Bettdecke herum.
08:12 Uhr: Der Wecker klingelt. Ich falle aus dem Bett und schaue in meinen 11Freunde-Kalender. Ach ja, Oasis, stimmt. Ich ziehe mich an, wasche mich und esse eine Kleinigkeit. Dann auf zum Praktikum.
09:29 Uhr: Mein Praktikumstag beginnt damit, eine halbe Stunde im Auto darauf zu warten, dass mein temporärer Chef Kopien in einem großen Bürobedarfs-Shop anfertigen lässt. "The Masterplan" und "The Shock of the Lightning" verkürzen die Wartezeit. Mitsingend und mitwippend, klar.
09:48 Uhr: Auf der Fahrt zum Büro erzählt mir mein Chef von seinem letzten Konzert: Rosenstolz. Außerdem überlege er sich, zu einem Konzert von Tina Turner zu gehen: "Ist aber sauteuer. Na ja, ist eine ganz andere Generation.". Stimmt. Und deswegen summe ich "Don‘t Look Back in Anger".
12:56 Uhr: Mein Chef ist ein netter Kerl, deswegen habe ich jetzt schon frei. Ich esse noch schnell ein Baguette beim Baguette-Laden gegenüber, der bis heute Urlaub gemacht hat (und weswegen ich nicht mehr bei der bereits bekannten Bäckerei war) und dann wandere ich zum Bahngleis. Etwas mehr als Stunde Fahrt wartet auf mich. Unterwegs höre ich Franz Ferdinand, aber denke an Oasis.
14:32 Uhr: Angekommen. Daniel fragt, wie und wann wir uns auf den Weg nach Düsseldorf machen. Er hat auch früher frei bekommen. Ich schaue noch kurz auf der Homepage von der Philipshalle nach, um die Verbindungen zum Veranstaltungsort nachzusehen, aber dann: das Konzert ist wegen eines Lungen-Ödems von Liam Gallagher abgesagt worden .
14:33 Uhr: Ich zerstöre mutwillig und wütend ein paar Gegenstände in meiner Umgebung.
14:34 Uhr: Daniel wird informiert.
14:35 Uhr: Daniel ist sauer und zerstört mutwillig Gegenstände in seiner Umgebung.
14:36 Uhr: Ob man das noch reparieren kann? Hm…
15:12 Uhr: Daniel kommt vorbei und beschwert sich, was wir für ein Pech haben. Er sagt böse Fäkalworte. Ich tröste ihn damit, dass er mich beim Pfand wegbringen begleiten darf. Er trägt es mit Fassung.
15:46 Uhr: 2,28€! Hey, nicht schlecht für so eine kleine Pfandsammlung.
16:21 Uhr: Ärgern.
17:43 Uhr: Ärgern.
18:21 Uhr: Félix fragt per ICQ, warum ich noch nicht auf dem Weg nach Düsseldorf bin. ICQ aus.
18:23 Uhr: Ärgern.
21:44 Uhr: Daniel lebt noch: Er schreibt: "Bloß nicht daran denken, wo wir jetzt eigentlich wären".
21:45 Uhr: Zu spät.
22:20 Uhr: Ärgern. Nachholtermin ist der 04.02. Noch so lange hin. Mit welcher Farbe soll ich dieses Mal "OASIS!" in meinen 11Freunde-Kalender eintragen?

Back to Black

Im aktuellen Musikexpress ist ja bekanntermaßen eine Vinyl-Single von Franz Ferdinands "Ulysses" dabei, was letztlich auch der Grund dafür war, dass ich vor etwa zwei Stunden Fünfeuroneunzich dafür ausgegeben hatte. Okay, ohne Schallplattenspieler macht mit so einer schönen Scheibe nicht wirklich viel, aber schön sein und teilnahmslos rumstehen klappt ja auch im Club manchmal auch ganz gut. Aber dann, dann begegnete ich meiner Oma und als ich ihr erzählte, dass ich jetzt im Besitz einer Vinyl-Single sei, erzählte sie mir vom alten Schallplattenspieler von Tante Änni, welcher bei ihr im Keller stehe. Er sei schön, stehe aber teilnahmslos dort unten herum. Heureka! Bin ich direkt hingefahren und hab das Dingens abgeholt.

Und jetzt steht es in meinem Zimmer und erfreut mich. Ach ja, die Schallplatte "100x Ohne Hemd und Höschen" habe ich auch mitgenommen. Party-Kracher wie "Ja, bei uns geht alles wie genudelt", "Wer das Hös‘chen hat erfunden" und "Lecke Du" haben sicher schon im Party-Keller meiner Großeltern für viel Freude gesorgt. Keine besonders erstrebenswerte Vorstellung, aber wenn ich die Platte das nächste Mal höre, werde ich hoffentlich genug Promille in mir herumtragen, um mich von solchen Gedanken abzulenken.

Wichtig mit Hemd.

Hm, wohin gehe ich denn heute mal? Im Gewerbegebiet, in dem ich derzeit ein Praktikum bei einer kleinen Medien/Werbe-Agentur absolviere, stehen neben vielen Büros auch gleich vier Supermärkte herum. Quasi nebeneinander kämpfen dort Plus, Penny-Markt, Aldi Süd und auch Lidl um mein Vertrauen. Und heute in meiner Mittagspause war ich sogar in allen vier Geschäften, denn ich habe ein unhöfliches Hobby: Ich lese gern beim Essen. Manchmal esse ich sogar beim Lesen. Na ja, auf jeden Fall wollte ich mir vor meinem obligatorischen Bäckerei-Besuch noch ein aktuelles Druckerzeugnis erwerben. Leider musste ich feststellen, dass nur zwei der vier überhaupt Zeitungen anbieten und die hießen dann auch noch BILD und "Grevenbroicher Kurier". Nö, für sowas gebe ich kein Geld aus, dachte ich mir. Ich überlegte dann noch kurz, ob ich mir einen Prospekt von Lidl mitnehmen sollte, denn das ist schließlich auch ein aktuelles Druckerzeugnis. Dachte mir aber auch hier ganz frech: Nö!

So ging ich also zeitungsfrei zur Bäckereifrau und setzte mich an einen der freien Tische. Gegenüber von mir saßen vier wichtige Herren in Anzügen, zwei hatten sogar ihre Laptöppe (hihi) dabei und rechneten konzentriert irgendwelche bestimmt auch sehr wichtigen Dinge aus. Die anderen zwei sprachen untereinander Französisch, bestellten aber überraschenderweise keine Croissants oder Baguettes, sondern Körnerbrötchen. Mein Weltbild zerfiel. Ich hingegen wollte meinem Vorgesetzten im Büro eine kleine Freude machen und bestellte mir ein Thunfisch-Brötchen. Morgen werde ich mir wohl ein Mettbrötchen erwerben. Übrigens, als ich mich dann auf den Weg zurück ins Büro machte, saßen die wichtigen Herren in ihren Anzügen weiter dort herum und besprachen (wichtige!) Dinge. Ich befürchte, sie können in Zeiten der Weltwirtschaftskrise die Miete nicht mehr zahlen und mussten nun eben ausweichen. Hätte ich doch lieber den Lidl-Prospekt mitgenommen und ihnen gezeigt, wie sie ihr Geld besser anlegen könnten? Mache ich vielleicht morgen.

Spricht irgendeiner meiner Leser Französisch?

Exklusive Vorschau: Das wird 2009!


Frohes Neues und so!

Zweitausendundacht und die Musik

Heureka! Endlich hat auch HerrSalami.de seinen Jahresrückblick. Ich befasse mich hier jetzt mal ganz subjektiv ausschließlich mit der Musik des Jahres 2008. Und versprochen, weder Bauer Heinrich noch Paul Potts oder gar Michael Hirte kommen vor und statt Johannes B. Kerner gibt es mich als Gastgeber. Brav habe ich (fast) bis zum Ende des Jahres gewartet und ich hoffe, dass in den nächsten Tagen nicht noch eine CD auf den Markt geworfen wird, die eigentlich in dieser Liste hätte auftauchen sollen. Aber dann mal los. (Und warum zwei Alben des Bildes hier gar nicht in der ersten Auflistung vorkommen, erkläre ich ein andermal.)

Die Alben des Jahres 2008:
1. PeterLicht - Melancholie & Gesellschaft
2. Oasis - Dig Out Your Soul
3. The Felice Brothers - s/t
4. Gotye - Like Drawing Blood
5. Ting Tings - We Started Nothing
6. Jakob Dylan - Seeing Things
7. Roses Kings Castles - s/t
8. The Streets - Everything Is Borrowed
9. The Gaslight Anthem - The ’59 Sound
10. The Precious Mings – Every Time I Sell A Record A Kitten Dies

Tomte-Heureka, PeterLicht-Melancholie&Gesellschaft,  The Precious Mings-Everytime I Sell A Record A Kitten Dies, The Gaslight Anthem -The '59 Sound, Peter Fox-Stadtaffe (von links nach rechts)
Die Songs des Jahres 2008:
1. The Lodger – The Good Old Days (mp3)
2. The Precious Mings - 1 Track Mind
3. The Felice Brothers – Marlboro Man (mp3)
4. Bon Iver – Re: Stacks
5. MGMT – Kids
6. Fleet Foxes – He Doesn‘t Know Why (mp3)
7. PeterLicht – Beipflichtn
8. Oasis – The Shock of the Lightning
9. Tomte – Der letzte große Wal
10. Glasvegas – Geraldine (Stream)

Beste Live-Acts des Jahres 2008:
1. Franz Ferdinand (gesehen in Tallinn/Estland) [Bericht]
2. Travis (gesehen in Essen) [Bericht | Video]
3. PeterLicht (gesehen in Wuppertal) [Bericht]
4. Fleet Foxes (gesehen in Essen) [Bericht]
5. The Precious Mings (gesehen in Köln) [Bericht]


Das wird 2009 dufte:
1. Oasis-Konzert in Düsseldorf
2. neue Alben von Chikinki und Franz Ferdinand im Frühjahr
3. Bon Iver
4. The Asteroids Galaxy Tour
5. Blur-Comeback (hoffentlich nicht nur für einen Auftritt)

So und das war es nun auch mit dem Jahresrückblick. Kommentare, Diskussionen und Beschwerden sind erwünscht. Peng!

Neuer Schal. alte Tristesse

Ein letztes Mal in diesem Jahr bin ich heute in die Krefelder Grotenburg gepilgert, um meine Farben spielen zu sehen. Der Gegner hatte heute einen interessanten Namen. Bitte festhalten: SV Hönnepel-Niedermörmter. Ernsthaft, so hießen die. Und die blau-roten Jungs haben 90 Minuten lang versucht, das Bauern-Bollwerk zu knacken, hat aber nicht geklappt. Ist also bei einem enttäuschenden 0:0 vor 919 Zuschauern geblieben.

Alter Schal
Die größte (und einzige) Torchance gab es in der letzten Minute, als Gustav Policella einen Kopfball , der kleine Torwart vom SV Hönnepel-Niedermörmter (was ein Name!) konnte den Ball aber aus der Ecke fischen. So ist diese letzte Szene der Partie ein wunderbares Sinnbild für das Fußballjahr 2008: Alles versucht, gekämpft, aber am Ende steht man mit leeren Händen da. Aber genau genommen ist das KFC-Jahr noch nicht vorbei, es warten noch zwei Auswärtsspiele auf die Unverbesserlichen. Erst in Wülfrath, dann gegen Straelen II. Und wenn die Spiele so werden, wie die Namen es versprechen, dann bleibe ich lieber zu Hause.


Und wenn ich mich doch aufrappen kann, ziehe ich meinen neuen Schal (Bild 2) an, für den ich heute 12€ auf den Tisch gelegt habe. Er löst erstmal den guten alten Schal (Bild 1) ab. Und immerhin, mit dem neuen Schal um den Hals habe ich bisher noch keine Niederlage und auch noch kein Gegentor erlebt! Ja ja, als Uerdingen-Fan freut man sich halt auch noch über die kleinen Dinge des Lebens. Seufz.

papapapalagi

Einmal in der Woche zelebrieren die Papalagi bei Einbruch der Dunkelheit einen komischen Brauch. Sie ziehen besondere Stofffetzen an, andere als die, mit denen sie üblicherweise ihre Körper bedecken. Dieses wöchentliche Ereignis scheint also etwas Besonderes zu sein, vergleichbar mit unserem monatlichen Inselfest. Aber anders als wir feiert der Papalagi nicht in der freien Natur und er verzehrt er auch keine Früchte. Sie treffen sich, wenn der strahlende Spender des Lichts schon lange den Himmel verlassen hat, vor einer dunklen Truhe. Hintereinander stellen sie sich in eine Reihe und warten. Es dürfen allerdings nicht alle Papalagi in die Tanztruhe, es scheint ein spezielles Auswahlverfahren zu geben, aber die meisten schlüpfen der Reihe nach in die Truhe.

Dort flackert das Licht, tausende Lichtspender sind am Himmel angebracht und es gibt große schwarze Hütten, in denen Musiker sitzen und viel lauter spielen, als es die Lualua mit ihren Trommeln je könnten. Die Papalagi tanzen dabei wild durch die Gegend und es gibt viele verschiedene Volkstänze, die man beobachten kann. Manche Papalagi pressen sich an ihr Gegenüber, manche Papalagi tanzen die ganze Nacht allein und wieder andere scheinen gar nicht erst interessiert zu sein am Tanz. Diese Papalagi tauschen an einer speziellen Ecke der Tanztruhe Gegenstände gegen bunte Getränke. Manche tauschen Papier gegen ein Getränk und erhalten dazu manchmal sogar noch runde Metallkreise, wieder andere tauschen die Metallkreise gegen ein Getränk. Nur Metallkreise gegen Papier tauscht niemand.

Einige Papalagi haben sehr viel Papier und Metall dabei und sie tauschen diese dementsprechend oft gegen Getränke ein. Diese Getränke scheinen vergiftet zu sein; der Papalagi, der sie verkauft, ist gewiss ein Medizinmann. Denn je mehr die Papalagi trinken, desto wilder scheinen sie zu werden, sie werden teilweise verrückt und singen, springen und bekommen große Augen. Doch es sind in diesen Tanztruhen so viele Papalagi unterwegs, dass es sehr unübersichtlich wird und manche bleiben die ganze Nacht dort und verzichten auf Schlaf. Es ist alles sehr verwirrend und ich habe die Tanztruhe schnell wieder verlassen, als so ein Papalagi auf mich zukam und mich zu einem der vergifteten Getränke einladen wollte. Gerade noch so entkommen.

Bochum-Hertha

Es war ein sehr musikalischer Tag gestern. Mehr dazu später im Bericht zum Rockpalast in Essen – aber auch beim Bundesliga-Spiel zwischen dem Vfl Bochum und Hertha BSC Berlin (2:3) gab es was auf die Ohren. Vor dem Spiel klang "Bochum" aus den Stadionboxen, gesungen von Herbert Grönemeyer (geboren in Göttingen). Während des Spiels sangen die Berliner Fans dann "Nur nach Hause" von Frank Zander und als man sich schon sicher war, dass das Spiel beim Stande von 0:3 gelaufen wäre, schossen die Hausherren dann noch zwei Tore. Und als Tormusik gibt es diese Saison (wie schon auf St. Pauli etabliert) "Song 2" von Blur. Fußball gespielt wurde nebenbei auch noch.

Und vor dem Spiel began spontan ein starker Schneesturm, sieht sehr geil aus so im Stadion. Hat sich zum Glück nicht negativ aufs sehr unterhaltsame Spiel ausgewirkt. Und "nach Hause" gegangen sind die Herthaner Gerüchten zufolge übrigens trotzdem. Wooohooo!

Schnee von heute

Als ich heute morgen aufgestanden bin, traute ich meinen Augen kaum: auf den Autos liegt teilweise ein weißer Klumpatsch, der sich nach minutenlangem Googlen als "Schnee" herausgestellt hat. Schnee! Sowas kennen einige hier nur aus Erzählungen oder Dezember! Ich habe mir gleich meinen blau-roten Schal um den Hals geworfen, dicke Handschuhe an die Hände gestopft und dann ab in den Garten. Ohne T-Shirt oder eine Hose! War sehr kalt, aber man hört das ja oft, dass unsere Welt sehr kalt geworden ist. Habe ich heute gespürt, wo ist die Klimaerwärmung wenn man sie braucht?

Aber zurück zum Thema: Schnee. Ich habe wunderschöne Schneeengel in den Matsch gezaubert, den Nachbarskindern zugewunken und dann war es das auch schon. Wollte eigentlich noch einen Schneemann bauen, aber ich konnte keine Möhre finden. Jetzt muss ich aber erst mal warm duschen gehen, mein Körper fühlt sich irgendwie nicht so gesund an. Brrrr.

Schnauze voll.

Es gibt Spiele, die lassen sich am besten dadurch erklären, indem man ein paar Gesänge auflistet, die auf der Ostkurve so gesungen wurden. Hier also eine kleine Auswahl zum gestrigen Spiel KFC Uerdingen gegen Union Solingen (1:3).

"Wir sind Uerdinger und ihr nicht!"
"Lakis* schmeiß‘ die Mannschaft raus!"
(*Präsident und Geldgeber des Vereins)
"Tausend Trainer schon verschlissen, Spieler kommen, Spieler gehen; doch euch H*ren, doch euch H*ren woll‘n wir alle nicht mehr sehen!"

KleinsterFanclub.de Und so weiter. Ich fasse zusammen: die Schnauze ist voll, das Maß sowieso. Obwohl das gestern sicher nicht das schlechteste Saisonspiel der Blau-Roten gewesen ist (was ja auch schon beachtlich ist, wenn man trotzdem verliert), aber es war kämpferisch und spielerisch mal wieder so unterirdisch, unfassbar. Da brachte auch der Trainerwechsel von Towa zu Uwe Weidemann, den man noch von seiner Amtszeit bei der Düsseldorfer Fortuna kennen wird, erstmal nichts. Aber ich glaube, die Gurkentruppe könnten auch Hitzfeld und Konsorten nicht nach vorne bringen.

KleinsterFanclub.deDreizehn Spiele, sechs Niederlagen, drei davon zu Hause. Als Topfavorit auf den Aufstieg. So eine Scheiße. Dabei war der Support gestern mehr als gut, vor dem Spiel gab es eine kleine Choreografie zum achtjährigen Bestehen der Ultras Krefeld (siehe Bild) und während des Spiels gab es sehr viel Liedgut in hoher Lautstärke. Die 150 Solinger waren kaum zu hören. Waren übrigens wieder über 1300 Zuschauer in der Grotenburg, mal sehen, wie viele es in zwei Wochen noch sind. Ich glaube, es hat noch nie so wenig Spaß gemacht, Fan der Uerdinger zu sein. Und es hat die letzten Jahre schon arg wenig Freude gemacht.

Mehr traurige Details zum Spiel kann ich jetzt leider nicht mehr erzählen (ich muss mir für die nächsten Niederlagen und Peinlichkeiten auch noch ein paar Floskeln aufsparen), denn nach dem Spiel ging es in zum Nachtturnier in der Torfabrik/Fußballhalle. 22 Mannschaften (!) haben mitgespielt, wir haben es nur bis ins Viertelfinale geschafft, sind gegen die Zweite Mannschaft des KFC ausgeschieden. Muskelkater, aua. Ich war kurz nach fünf zu Hause, auch mal schön.

Übermorgen feiert hat der KFC Uerdingen seinen 104. Geburtstag. Mal sehen, wie viele es noch werden…

Wuppertal erzwingt Spielabbruch, Düsseldorf den Sieg

Die Düsseldorfer LTU-Arena ist nicht gerade eine meiner Lieblingsstadien. Alle Plätze sind "versitzplatzt", ganz so wie Sepp Blatter es gern hätte. Zudem sind die Sitze alle bunt, was den Eindruck erwecken soll, dass das Ding immer ausverkauft ist. Hm. Ausnahmsweise war ich gestern als einer der 16.663 mal nicht im Gästeblock, weil ich nämlich eine Freundin begleitete, deren Freund Düsseldorf-Supporter ist, fand ich mich auf einmal im Supporters Block wieder. Wenigstens blieben mir dort Fragen wie "Was ist Abseits?" oder "Was singen die da?" erspart, ungewohnt war es schon. Dafür habe ich viel neues Liedgut vernehmen können, Fahnen- und Doppelhalter-Einsatz auch gut, Lautstärke wohl ebenso. Fortuna also auch neben dem Platz eindeutiger Sieger.

Vor allem, weil die Wuppertaler sich auch ganz schön zum Horst gemacht hatten. Tage vor dem Spiel kündigte man als Motto "Düsseldorf  zerstören" an, Minuten vor dem Spiel gab es dann Rauchwolken, die aus dem WSV-Block aufstiegen. Richtig eingesetzt sieht das ziemlich gut aus, nicht so beim WSV, wo man sich scheinbar dachte, "lass einfach mal mitnehmen und zünden, hihihihi!". Weniger lustig waren da die Feuerwerkskörper, die auf den Platz (auf den eigenen Torhüter!!) flogen. Und weil auch nach dem Führungstor der Wuppertaler mehrere von den Dingern auf den Platz (und auch ins Fangnetz) geflogen sind, wurde das Spiel gar für 15 Minuten unterbrochen. Zu weiteren Zwischenfällen kam es dann nicht, überhaupt hatten die Wuppertaler damit sprichwörtlich ihr Pulver (haha. ) verschossen, kein Support, kein gar nichts kam bei uns an. Für die Menge war das sowieso arg schwach, kaum einer ist dort mitgezogen, wenige Fahnen, buuuuh Wuppertal.

Fußball wurde übrigens nebenbei auch noch gespielt. Fortuna gewann verdient 3:1. Der erste Fortuna-Sieg während meiner Anwesenheit (vorher zwei Niederlagen, ein Unentschieden). Trotzdem bekommen mich keine zehn Wuppertaler Pferde mehr in den Supporters Block. Höchstens für Geld! So.

(Tipp für alle Besucher des Düsseldorfer Hauptbahnhofs: kauft euch diese Suppen aus dem Automaten für fünfzig Cent, sie sind sehr geil.)

Krefeld, deine „Promis“

Krefeld, wer kommt denn schon aus Krefeld. Ingo Lenßen, TV-Rechtsanwalt aus dem ruhmreichen Vorabend-Programm von Sat1 zum Beispiel. Telekom-Chef Rene Obermann auch, Schlagersängerin Andrea Berg ebenso. Und Schwimmerin Anne Poleska geht auch noch gerade so als "Prominente" durch. Aber dann? In einem Land, in dem sich fast alles prominent schimpfen darf, was a) überdurchschnittlich schön b) unterdurchschnittlich doof oder c) außergewöhnlich gewöhnlich ist, eine ziemlich schwache Quote. Doch Krefeld schlägt zurück. Und hat zuletzt drei (zweifelhafte) "Promis" hervorgebracht. Danke Internet.

Cindy B. ist dreizehn Jahre alt und sucht über das Portal YouTube soziale Kontakte. In ihrem Filmchen "Suche Emo Freunde", welches sie später selbst als Fake bezeichnet, erzählt sie auch munter davon, wie ihre neuen Freunde aussehen sollen. Am besten so wie sie gekleidet im Emo-Look. Aber ihr/e neue/r Freund/in könne auch ein "Bollo" sein, sagt sie, verrät aber nicht, welche Subkultur das jetzt schon wieder ist. Ach, achtzehn Jahre alt könnte er schon sein, meint sie. Hm. Und am besten aus Krefeld kommen. Ich habe mich zwar nicht auf den Hilferuf gemeldet, aber ganz ganz ganz viele andere Leute haben der lieben Cindy geschrieben. Auf ihrer (inzwischen gelöschten) SchülerVZ-Seite und auch bei YouTube, wo es nur so von Verarsche-Videos wimmelt. Arme Cindy. Oder selbst schuld? Auf jeden Fall gibt es mit dreizehn Jahren bessere Dinge als die Tatsache, dass sich deutschlandweit hunderttausende Menschen über sie lustig machen. Hoffentlich hat sie inzwischen Freunde gefunden. Oder wenigstens darauf gelernt, denn ein kleines peinliches Video kann im großen Internet riesigen Schaden anrichten.

-> YouTube: "Suche Emo Freunde" [weitere Videos findet ihr dort selbst]

VIVA Ich weiß nicht, ob sie das hier mitbekommen haben, aber – thihihihi! – vor ein paar Wochen war ein Student aus, aus öh, Krefeld; Krefeld, oder? Ja, aus Krefeld bei TV Total zu Besuch. Durften sie eigentlich nicht verpassen und ja, der nette Student Mark (mit k!) aus dem Publikum sollte die These Becksteins widerlegen, dass jeder Bürger nach zwei Maß Bier noch in der Lage wäre, unfallfrei Auto zu fahren. Einen kleinen Unfall gab es trotzdem. Zum Glück ist nur das TV Total-Studio in Mitleidenschaft gezogen worden. Was war passiert? Mark, der laut eigenen Aussagen "nur einmal die Woche Alkohol trinkt", beweist nach einer halben Maß Bier, dass er gut zu Mittag gegessen hatte, indem er auf den Studioboden kotzt. Auch hier schauen sich erst hunderttausende im TV, später mindestens genauso viele im Internet das fehlgeschlagene Experiment an. Und Mark aus Krefeld erntet zweifelhaften Ruhm. Unfassbar, oder?

-> RP-Online: "Student kotzt Stefan Raab das Studio voll"
-> YouTube: "Der Kotzer aus TV Total (komplett)"

Und der letzte im Bunde ist auch durch einen TV-Auftritt bei Raab bekannt geworden. Erst war der 18-jährige Sahin im nachmittäglichen Boulevard-Blödsinn "Taff" zu sehen, später verulkte Herr Raab ihn dann noch in "TV Total". Sahin möchte nämlich mal "Ganster Rapper" werden und, diese Formulierung klaue ich jetzt von Raab, während eines Interviews mit ProSieben startet er spontan eine kleine Umfrage. "Hey Marc, wer ist der coolste hier?" ruft er einem Fahrradfahrer zu. Als Antwort erhält er ein kurzes "Du nicht.". Herrlich. Es darf bezweifelt werden, ob Sahin mit seinem bösen Sprechgesang mal in den Charts landen wird. Übrigens, auf dem "Teenie Törn", einer von Taff inszenierten Doku über fünf Teenager auf einem Segelboot, rastete der kuhle Rapper kurzerhand aus und wurde gegenüber einer weiteren Teilnehmerin handgreiflich, musste das Schiff verlassen. So cool ist er dann eben doch nicht.

-> YouTube: "Der coolste Krefelder"
-> YouTube: Taff/Teenie Törn: Sahin rastet aus"" [etwa ab 7:00]

Wird Zeit, dass mal wieder "jemand richtiges" aus Krefeld Ruhm und Ehre erlangt. Ich könnte ja, aber gerade keine Lust. Vielleicht später.

War ja klar.

KFC-online,deIch hätte es wissen müssen. Immer wenn man sich in der letzten Zeit auf ein Spiel des KFC Uerdingen gefreut hat, wurde man bitter enttäuscht. So auch gestern Abend beim Heimspiel gegen den VfB Speldorf (1:3). Dabei hatte das Spiel eigentlich ganz gut begonnen, nach zwanzig Minuten ging man sogar mit 1:0 gegen den Tabellenzweiten in Führung. Wenig später dann aber der Ausgleich der Mülheimer, nach der Pause traf Hettich, Torschütze zum 1:0, beim Stande von 1:1 nur die Latte. Hätte, wäre, wenn. Danach fielen noch zwei Tore für die Gäste, Spiel verloren, Anschluss an die Tabellenspitze ebenfalls.

Abgesehen davon, dass ich in den neun (von elf) Ligaspielen, bei denen ich Zuschauer war, keinerlei Taktik oder Grundkonzept entdecken konnte, macht vor allem eines stutzig: kämpferisch ist die Truppe zwar vorbildlich, aber spielerisch ist vieles einfach Zufall und Glück. Man spielt nicht wie ein Aufstiegskandidat, eher wie ein Underdog, der fehlende Spielkultur mit Kampfgeist wett zumachen versucht. So bleibt eine bittere Erkenntnis: der KFC Uerdingen ist derzeit nur Mittelmaß in der sechsten Liga. Und Trainer Towa wirkt mit seinen Durchhalteparolen auch nicht gerade so, als hätte er noch ein Ass im Ärmel.

KFC-online.de So blieb nur den vielleicht 50 mitgereisten Speldorfern, die während des Spiels nicht durch Gesänge, nur durch nackt rumtanzen und Bengalo zünden aufgefallen waren, Grund zur Freude. Der Großteil der 1212 Zuschauer ging enttäuscht nach Hause, viele verließen die Ostkurve bereits viele Minuten vor dem Schlusspfiff.  Besonders traurig: die Gesichter der meisten Blau-Roten waren nicht etwa geprägt von Trauer oder Enttäuschung. Es schien eher so, als wäre die Heimniederlage gleichgültig. Denn: war ja eh klar. Typisch Uerdingen.

Sollte es den viel zitierten Fußballgott wirklich geben, dann sitzt er wohl Woche für Woche in seinem Sessel und lacht sich über diesen komischen ehemaligen Bundesligisten aus Krefeld kaputt. Wobei – gibt es wirklich einen Fußballgott, wenn Hoffenheim auf den vorderen Plätzen der Bundesliga steht? Falls ja, wechsele ich den Glauben, bzw. die Sportart. Eine letzte Chance bekommt er nächste Woche in Viersen, aber da freue ich mich aktuell mal so gar nicht drauf. Was wieder ein gutes Zeichen wäre, denn dann gewinnt der KFC öfters. Typisch Uerdingen eben.

Farbenreicher Nachmittag in der Grotenburg

KleinsterFanclub.deVor dem Spiel bekamen die knapp 950 Zuschauer der Partie KFC Uerdingen gegen Kapellen-Erft ein Infoblatt des Bündnisses KFC-Fans gegen Rassismus in die Hände gedrückt. Dazu gab es Aufkleber und später während des Spiels ein Spruchband mit der Aufschrift "Love Oeding – Hate Racism"; all das geschah im Rahmen der aktuell europaweit anlaufenden Kampagne "FARE" gegen Rassismus. Eine bunte Kurve frei von Rassenhass – glücklicherweise aktuell bei uns der Fall.

Weniger schön sind viele bunte Karten auf dem Fußballplatz: gleich neun Platzverweise wurden in zehn Ligaspielen gegen den KFC ausgesprochen. Drei davon heute, alle drei mehr als fragwürdig. Wie schon einige andere merkwürdige Schiedsrichterentscheidungen gegen die Blau-Roten in dieser Saison. Nicht wenige hegen die Vermutung, dass der Verband den KFC auf dem berühmten Kieker hat, möglicherweise will man den lästigen Verein mit seinen bösen und pöbelnden Fans loswerden? Auf jeden Fall ist es sehr merkwürdig, dass ein Schiedsrichter, der bereits unliebsame Erfahrungen mit dem KFC gemacht hat, ein Ligaspiel pfeifen darf. Der Sportkamerad Nierich, der das heutige Spiel gepfiffen hat, wurde nämlich vor wenigen Jahren während des Gastspiels in Düsseldorf nach Tumulten im KFC-Block, ausgelöst durch ein nicht gegebenes Tor, von einem maulkorblosen Polizeihund gebissen. Nachzulesen ist die Geschichte unter anderem hier. Erwähnen muss man auch einen eher ungewöhnlichen Fangesang gegen Mitte der zweiten Halbzeit: "Ausziehen, ausziehen!" wurde gerufen. Der Grund dafür war das Trikot des Schiedsrichters, das dem Trikot der Hausherren so ähnlich sah, dass gleich drei (!) Angriffe der Uerdinger bei ihm endeten, weil die blau-rote Offensive für einen der Ihren gehalten hatte.

KleinsterFanclub.deAch ja, gespielt wurde heute natürlich auch. Vor Beginn der 90 Minuten gab es erst einmal eine Suchanfrage der Fans: "Geile Szene sucht Mannschaft mit Herz und Leidenschaft" stand als Reaktion auf die zuletzt lustlosen Auftritte schwarz auf weiß auf drei Spruchbändern. Der KFC begann wie gefordert kampf- und spielstark, traf in der ersten Hälfte gleich dreimal die Latte, den letzten Lattentreffer konnte Gustav Policella mit einem Flugkopfball ins verwaiste Tor zum 1:0 abschließen. Völlig verdiente Führung zur Pause, in die man nur mit zehn Spielern ging: Sven Kegel holte sich seinen dritten (!) Platzverweis für ein harmloses Foul am Mittelkreis ab. Später sahen Zukanovic und Wedau noch gelb-rot, bei Spielende standen also nur sieben Uerdinger Feldspieler auf dem Platz. Gewonnen wurde trotzdem. Aber die Leistungen der Schiedsrichter bei Partien mit Uerdinger Beteiligung ist mindestens merkwürdig. Man darf gespannt sein wie es weitergeht…

Nachtrag (19:55Uhr):
Bei Grotenburg TV gibt es jetzt auch ein Video zum Spiel:
http://www.kfc-uerdingen.de/saison2007_08/thread.php?postid=111306#post111306

Grünsonntag.

KleinsterFanclub.deSonntag. Horst Neuhoff-Sportplatz. Neunter Spieltag der Niederrheinliga, der Cronenberger SC empfängt den KFC Uerdingen 05. Cronenberg? Wo ist das denn? Das ist in Wuppertal, im schönen bergischen Land also. Der Cronenberger SC lässt sich gut mit Hoffenheim vergleichen. Na gut, ohne das viele Geld. Ohne Mäzen. Und ohne großes Stadion. Und auch ohne großen sportlichen Erfolg, Cronenberg ist vor und nach dem heutigen Spiel Tabellenletzter. Aber er ist ein Dorfclub. Wie Hoffenheim. Und die Fankultur ist auch ähnlich, äh, "blühend". Dazu dann später mehr.

Erst einmal muss man das Stadion – Verzeihung – den Horst Neuhoff-Sportplatz finden. Am besten orientiert man sich an den grünen Autos mit dem weißen Schriftzug "Polizei". Rund um die Cronenberger Spielstätte habe ich zwanzig (!!) Einsatzwagen gezählt, kein Scherz. In der sechsten Liga. Unglaublich, für dreihundert Uerdinger so ein großes Aufgebot. Hatte aber auch damit zu tun, dass die bösen Buben von Union Solingen zeitgleich beim Wuppertaler SV II antraten (und mit 5:3 gewannen). Da waren kleinere Konfilkte vorprogrammiert. Inwiefern bzw. ob es da aber nach dem Spiel noch zu Reibereien gekommen ist – keine Ahnung. Interessiert mich aber auch nicht so sehr.

KleinsterFanclub.deMehr interessiert mich die Leistung auf dem Platz. Im kostenlosen Stadionheft werden wir großmündig als ehemaliger Bundesligist vorgestellt, ja sogar ein "Hauch von Europapokal" wollen die Schreiberlinge vom "CSC-Echo" in Cronenberg erleben. Davon war aber über 90 Minuten nichts zu sehen, der KFC gewann in der Offensive kaum einen Zweikampf und rannte in der Defensive den Gegnern nur hinterher. Zur Pause lag man bereits verdient 0:2 zurück. Also gilt; nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz ist Grün präsent: die Trikotfarben vom CSC sind nämlich grün-weiß. Grünsonntag eben. Wogegen sich der blau-rote KFC auf dem grünen Rasen ordentlich blamiert. Und das als "Bayern München der Liga". Steht so auch im CSC-Echo.

Auch in der zweiten Halbzeit wurde es nicht besser: ein kurzes Aufbäumen mit einem Anschlusstreffer per Elfmeter, das war’s. Man war zwar drückend feldüberlegen, Chancen gab es aber kaum. Die gab es nur durch Kontergelegenheiten für Cronenberg. Und die spielten gegen Ende des Spiels sogar noch in Unterzahl: ein Angreifer der Wuppertaler sprang unserem Torwart brutal ins Gesicht, Keeper Björn Kreil musste minutenlang behandelt werden. Gab aber nur die gelb-rote Karte statt dem eigentlich fälligen Rot. Unfassbar. Wie auch das Endergebnis: 3:1 für die Gastgeber. Anschließend wurde man auch von der Dorfjugend gegenüber verhöhnt, die schon das ganze Spiel auf dicke Hose gemacht hat und damit tierisch auf die Klötze ging: das ist alles so traurig, dass man als Außenstehender fast über die Situation des ehemaligen Bundesligisten lachen könnte. Tu ich natürlich nicht. Mein blau-rotes Herz schlägt weiter.

KFC-OnlineAber der nächste "Hauch von Europapokal" wird wohl noch in weiter Ferne liegen. Es sei denn, beim nächsten Auswärtsspiel in Viersen schreibt man im Vereinsheftchen wieder über die großen Erfolge der Uerdinger in den 80-Jahren, von denen die aktuelle Truppe nur träumen kann. Es ist alles so traurig, neun Punkte Rückstand bis zur Spitze bereits. Scheiß Fussballgott. Guten Abend.

Gewichtgucker

Was macht man, wenn Sonntag-Mittag ein Hungergefühl aufkommt und man zu faul ist, sich etwas vernünftiges zu kochen? Richtig, man guckt in den Kühlschrank nach Fertiggerichten. Gesagt, getan, habe dort eine Portion Chili con Carne gefunden, aber nicht eine billige aus dem Discounter, sondern von der lustigen Firma für gewichtsbewusste Frauen im mittleren Alter: Weight Watchers. Ich bin niemand der täglich auf die Waage steigt und schaut, wie sich das Bier vom letzten Abend aufs Gewicht ausgewirkt hat, trotzdem habe ich die Portion todesmutig in die Mikrowelle geschoben und schließlich auch verzerht.

Ciao.deWar ganz lecker. Hatte jetzt auch nur 4,5 Punkte wie mir die Packung verriet – hätte ich als fauler Sack jetzt zu Pfanne und Kochlöffel gegriffen, hätte es nach Weight Watchers-Rezept sogar 6 Punkte gehabt  – da habe ich ja wirklich nochmal eine große Portion Chili Glück gehabt!

Wobei, mit dem Glück: das stimmt nicht so ganz. Denn als ich die Papierverpackung wegschmeißen wollte, traf mich fast der Schlag. Das Haltbarkeitsdatum ist bereits vor einer Woche im Kalender mit einem roten X durchgestrichen worden.

Da stellt sich mir einige Fragen: Werde ich jetzt sterben? Hätte ich doch besser Pommes im Backofen machen sollen? Wie schlägt sich das abgelaufene Essen jetzt auf mein Punkte-Konto aus? Hm. War aber auf jeden Fall besser als beispielsweise Zwiebelkuchenpupse.

Bochumer Aufholjagd nicht belohnt

VfL Bochum – Bayer Leverkusen 2:3 (0:2)

Es war schon ein extrem komisches Gefühl so am Krefelder Bahnhof heute Mittag. Denn zeitgleich zu dem Bundesligaspiel zwischen Bochum und Leverkusen spielten "meine "Uerdinger auf Asche (!) gegen Schonnebeck im normalen Ligabetrieb. Und die Uerdinger standen auch auf dem gleichen Gleis wie wir, schon sehr ungewohnt den gewohnten Gesichtern sagen zu müssen, dass man nicht mit ihnen zum Auswärtsspiel fahren würde. Aber wir waren jetzt halt mit vier Männekes in Bochum. Im neutralen Stehplatzbereich, heimlich aber doch parteiisch, natürlich für Bochum.

Vor dem Spiel gab es eine gute und eine schlechte Nachricht: schlecht war, dass das Bier dort immer noch "Moritz Fiege" heißt, mit Becherpfand 4,50€ kostet (0,5l) und immer noch nicht lecker schmeckt. Die gute Nachricht war, dass bei der Aufstellung durchgesagt worden ist, dass Bernd Schneider mitspielen würde. Wir haben uns zwar sehr verwundert angesehen und uns gefreut – leider stellte es sich als Fehler heraus. Da hat wohl jemand zu viel Moritz Fiege getrunken.

Spiel war dann sehr flott: Leverkusen ging schnell in Führung, legte nach und hielt den Vorsprung bis zur Pause. Der dritte Treffer lies auch nicht lange auf sich warten und wir stellten uns auf einen eindeutigen Auswärtssieg der Bayer-Elf ein – doch Bochum war kämpferisch sehr stark, Hut ab. Sie haben nicht nachgelassen und nachdem gefühlte siebenundvierzig Torchancen vergeben worden sind, fielen dann auch noch zwei Tore. Leider zu wenig, Unentschieden wäre verdient gewesen. Dafür war das Wetter sehr gut.

Support auf Seite der Hausherren sehr durchschnittlich: viele Fahnen, dafür wenig Liedgut und keine sonderlich gute Lautstärke. Haben auch wohl nur sehr wenige mitgezogen, nur der "harte Kern" sang mit. Gut gefallen hat mir der Gästeblock, ordentliche Lautstärke, viel Liedgut und auch ein paar Fahnen. Fan des Tages ist aber ein Sportskamerad im Ribery-Trikot – wie doof kann man eigentlich sein?

Danach ging es nach etlichen Verspätungen und Zugausfällen wieder zurück in die Seidenstadt. Und auch gleich ein paar Blau-Rote getroffen: "Wie hamwer gespielt? WIE HAMWER GESPIELT?". Null zu null haben wir gespielt. Naja. Morgen geht’s zur Zwoten des KFC.

Enke war nervös und Heiko BesterMann

Schalke 04 – Hannover 96 2:0 (0:0) [50.378 Zuschauer]
 
Endlich mal wieder aufSchalke. Wie bereits erzählt bin ich neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Fan des KFC Uerdingen ja auch noch Anhänger der blau-weißen Knappen. Und gestern stand die zweite Runde im DFB-Pokal an und es war ein Leichtes, an Eintrittskarten zu kommen. Da habe ich mich natürlich nicht lumpen lassen und mal einen Zehner aus der Sparbüchse geklaut! Auf nach Gelsenkirchen.

Das Spiel, welches in der Nordkurve verfolgt worden ist, war ziemlich einseitig. Die ersatzgeschwächten Hannoveraner brachten nach vorne kaum etwas zustande, daher war der Sieg dann auch mehr als verdient. Dank an Heiko "BesterMann" Westermann, der als ehemaliger Verteidiger jetzt im Mittelfeld spielt und Tore schießt wie blöd. Und danke, dass es keine Verlängerung gab, sonst hätte ich die Nacht am Bahnhof von Duisburg verbringen müssen. So wurde wenigstens noch der letzte Zug nach Krefeld erwischt.

Immer diese Schmutzfinken auuse Ruhrgebiet! Tststs.

Support war von Schalker Seite in der gesamten Nordkurve maximal durchschnittlich. Vorne zogen viele mit, dahinter waren es dann nur noch vereinzelte Gruppen. Und man kommt sich schon ein bisschen blöd vor, wenn man mit vier Männekes versucht, ein wenig Stimmung in die Bude zu bekommen. Sehr peinlich: es waren extrem viele Arena-Touristen in unserer Umgebung, da waren Fotos (für SchülerVZ?!) und "Raaaafinhaaaa!! Süüß!"-Rufe wichtiger als der Support der Mannschaft. Sehr viele bescheuerte und unpassende Lieder waren auch zu hören; Negativbeispiele: "Enke ist nervös", "Schießbude Enke" (beim Spielstand von 1:0!!) und viele viele BxB-Schmährufe. Was haben die bei so einem Spiel zu suchen!? Mal ganz davon abgesehen, dass es aus Gründen keinen Capo gab, was auch beim Abschiedsfeiern mit der Mannschaft schmerzlich sicht- und hörbar wurde: die Spieler setzen sich hin, nix passierte und dann wurde mit "Wer nicht hüpft der ist Borusse" gefeiert. Oh man…

Gut war das nur für, ähm, "Comedian" und 96-Fan Oliver Pocher, der in der Halbzeitpause irgendwelche blöden Witzchen gemacht hat. So war es nämlich ausnahmsweise mal nicht der Oli, der mir am meisten auf die Klötze ging.

Trotzdem ein gelungener Abend in blau und weiß. Gern wieder! Glück auf.
(und wer einen noch ausführlicheren, besseren und bebilderten Bericht zum Spiel lesen möchte, kann dies beim mberghoefer tun)

Zweizusechs.

Es gibt so Fußballtage, an denen möchte man kotzen, motzen und heulen gleichzeitig. Heute war es beim Heimspiel gegen den SV Straelen mal wieder soweit.

Stolze 1304 Zuschauer fanden sich heute in der Grotenburg ein, um sich den sechsten Spieltag der sechstklassigen Niederrheinliga anzusehen. Und passend zur Zahl sechs fingen sich die, die sich "Uerdinger" schimpfen, auch gleich sechs Tore gegen den Mitabsteiger Straelen ein. Alles blöde Gegentore. Ich habe heute Abwehrfehler gesehen, die in der F-Jugend bereits mit bösen Blicken des Trainers bestraft werden. Mindestens.

KFC-StraelenSechs Gegentore – Willkommen in Krefeld!

Und es ist eigentlich wie jedes Jahr. Nach ein paar Spieltagen stellt sich die anfängliche Euphorie ein und Frust kommt auf. Jedes Jahr die gleiche Scheiße, irgendwann macht es auch keinen Spaß mehr sich Woche für Woche für den Rotz der Herren in Blau und Rot rechtfertigen zu müssen.

Jemand eine Idee, wann der KFC das letzte Mal sechs Heim-Gegentore hinnehmen musste? Es war am 25.02.1996 in der 1. Bundesliga gegen den FC Bayern München. Torschützen damals unter anderem Klinsmann, Zickler und Scholl. Heute Pütters, Clarke und van Houdt.

Die größte Straßenmodenschau des Universums

Seit 1992 findet hier in Krefeld jährlich die größte Straßenmodenschau der Welt statt, Jahr für Jahr heißt das vor allem eins: viele Laufstege, viele Menschen, wenig wirklich Spannendes. Trotzdem habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, den Auflauf der Weltstars mitzuverfolgen. Hier ein paar Impressionen.
 
Die Schauspieler Helmut Zierl und Patrick Back. Daneben irgendein Moderator, davor Rentner.

Die Gesicht muss lebendig sein!

Krefelder Promi: der TV Total-Gast, der nach einer Maß Bier ins Studio von Herrn Raab gekotzt hat.

Spannende Bilder habe ich also nicht wirklich gemacht. Ist also dieses Jahr wieder nichts Aufregendes auf der größten Straßendingsbums passiert. Bruce Darnell war übrigens auch da, wurde von uns aber nicht gesehen. Schade.

Das „Ting Tings“-Ding

Ich gebe es zu. Ich war im Blöd-Markt und habe etwa 20€ dort gelassen. Eigentlich war ich nur dort, um mir das sehr tolle Knobelspiel "Picross DS" zu kaufen, das gibt es im örtlichen Blöd-Markt nämlich für läppische 10 Euronen. Aber wieder zurück zum eigentlichen Thema: ich höre ja sehr gern und sehr viel Radio. Zum Einschlafen höre ich oft "Plan B" auf Einslive, Samstag-Nachmittag lausche ich nicht selten "LIGA live" auf WDR2. Und Leute, die oft Radio hören, werden in der letzten Zeit an einem Song nicht drumherum gekommen sein: "That’s not my name" von den Ting Tings.

Erstmal: die haben ja mal einen extrem blöden Namen. Schreiben geht ja noch, aber sprecht das bitte mal aus. Klingt extrem blöd. Na ja, auf jeden Fall lag dann da so ihre CD für 9,99€ herum. So ganz stimmt das jetzt aber auch wieder nicht, denn davor stand exat die selbe CD für 12,99€ noch einmal. Da war wohl wieder ein Blöd-Markt-Praktikant zu blöd fürs Etikieren. Tststs. Nichtsdestotrotz, ich hab mir die CD dann einfach mal erworben, auch, weil es keine einzige der von mir gesuchten CDs gab (The Go Find, Kilians, M.I.A.). Und natürlich, weil mir "Great DJ" so gut gefällt. Läuft jetzt auch öfters im Radio.

Ting Tings
Das Album der zwei Briten heißt "We Started Nothing". Und das ist ja mal eine dreiste Lüge. Immerhin gehört die CD jetzt zu den CDs, bei denen ich erklären muss, dass ich mir sie selbst gekauft habe und sie kein falsches Geschenk war. Aber irgendwo schämt man sich dann doch für sowas, denn die passen nicht so wirklich in meine Musiksammlung. Und, nun ja, wie soll ich es sagen; die Ting Tings sind mehr so eine Mädchen-Band habe ich das Gefühl. Aber die Beats gefallen mir. Und die Stimme von der Ting Tings-Frau.

Die Leichtigkeit, die sich durch das gesamte Album zieht, ist sehr schön. Außerdem besitzt jedes Lied einen gewissen "Mit-Wipp-Effekt" und nach einiger Zeit singt man dann sogar die Lieder mit, deren Texte man nicht kennt. Und dann fühle ich mich um einige Jahre zurückversetzt, hach ja, damals, als ich den Gassenhauer "Sexbomb" vom guten Tom Jones gesungen habe. Okay, ich habe "yua mei sechsbom" gesungen, aber das ist ja egal. Und inzwischen habe ich auch die große Kunst des Lesens erlernt und das Booklet der Ting Tings-CD beinhaltet neben einem wirren Mix aus bunten Farben und Kuddelmuddel auch die Texte der zweiköpfigen Combo.

Kurzum: "We Started Nothing" ist eine massenkomplitable und dennoch erfrischende Mischung aus Pop, Punk und Elektronik. Außerdem versetzt sie den Hörer gleich in gute Laune. Und das kann jetzt, wo der Herbst an der Tür klopft, nicht wirklich schaden.

The Ting Tings – We Started Nothing

Diskriminierung!

Der Begriff Diskriminierung bezeichnet sowohl in den Sozial- und Rechtswissenschaften als auch umgangssprachlich die soziale Diskriminierung, die gruppenspezifische Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder Individuen.
Wikipedia.de

Aha, okay. Heute habe ich Post wegen meines Schoko-Tickets – das ist eine Art Kurzstrecken-Dauerkarte für Schüler in NRW – erhalten. War nichts besonderes, sondern nur Werbung. Aber die Adresse…Hm. Irgendwas ist da falsch.

Johannes‘ Text zur egalen Rechtschreibung

Ich bin ja jemand, der auch im Internet penibel genau auf Rechtschreibung achtet. Auch ich schreibe nicht fehlerfrei und ein nettes kleines Rechtschreibe-Tool beim Feuerfuchs hilft mir bei schwierigen Wörtern auch ganz gern mal. Aber was ich dann doch nicht verstehe ist, dass so viele (zumeist jugendliche) Existenzen im Internet auf Grammatik pfeifen und einige erschreckende Fehler ihren Weg in die Allgemeinheit gefunden haben. Dies fällt gerade in diversen Foren und Portalen auf, in denen ich mich ab und an aufhalte.  Wieso? Warum? Weshalb? Und überhaupt so? Eine kleine Reportage.

Plakatierecn verboten? Ok.
© pixelio.de

Bevor ich ein paar Details nenne, muss ich natürlich erst einmal schauen, worüber wir hier reden. Ich spreche sicherlich nicht von Leuten, die hin und wieder mal den ein oder anderen Rechtschreibfehler machen. Vielmehr handelt dieser Text von Leuten, die Satzzeichen, Groß- und Kleinschreibung und Ähnliches egal finden. Ich bin da ganz anderer Meinung, denn es ist viel angenehmer einen wohl formulierten Text zu lesen, nicht wahr? Auch habe ich das unterhaltsame Buch "Generation Doof" gelesen, das neben der Volksverdummung ja auch ein wenig auf die Rechtschreibprobleme eingeht und daher fühle mich möglicherweise allein deswegen schon besser, weil ich eben nicht so doof bin wie manch anderer. Aber sind die anderen wirklich so doof? Und ist der Dativ dem Genitiv wirklich sein Tod?

Wahrscheinlich ist die Faulheit schuld. Es ist sehr relativ zeitaufwäendig, immer wieder die Feststelltaste zu betätigen und nachzugucken, ob man "Niveau" auch richtig geschrieben hat. Da wäre es doch viel einfacher, alles durchgängig klein zu schreiben, klappt bei den Engländern ja auch ganz prima. Und Satzzeichen lassen wir auch einfach mal weg, die Regeln sind ja sowieso doof, sagt ja auch die BILD und die hat immer recht. Ich mach es einfach so wie die Leute früher, als es dieses komische Buch namens "Duden" noch nicht gab und schreibe einfach allez soh wie iich will! Yes!

Ach, by the way, that ist auch a little problem for some people, everytime the Deutschen nutzing cool Englisch Wörters in their Sentenzes! Often falsch!! A very other big problem, but this is nicht our Thema now. Also wieder was von den Anglizismen, wieder hin zur Rechtschreibung. Gucken wir doch mal in die Gruppen-Statistik von SchülerVZ, also dort, wo sich tausende Schüler täglich rumtreiben und von alten pedophilen Männern begafft werden. Hier also mal ein paar vergleichbare Gruppen im vergleichenden Vergleich:

Ich halte mich auch im Internet an die deutsche Rechtschreibung. [768 Mitglieder]
ich scheiß auf rechtschreibung [800 Mitglieder]
neue rechtschreibung? -kein problem die alte konnt ich auch net [8231 Mitglieder]

1:0 für die SchülerVZ-Grammatikvergewaltiger. Aber jetzt mal nicht nur die bösen/faulen Schüler beschuldigen, auch die alten älteren Leute sind oftmals nicht ganz so sicher in Sachen Rechtschreibung. Gerade Kausalsätze werden sehr, sehr oft falsch gebildet, weil die sind schwer. Öhm, öhm; natürlich: weil die schwer sind. Achtet bitte mal drauf, vor allem im gesprochenen Deutsch werden "weil"-Sätze häufig falsch gebildet. Außerdem gibt es da noch das Idiotenapostroph, das Deppenleerzeichen, den Klassiker seitseid.de und bestimmt noch einige mehr. Überall tummeln sich also Klugscheißer wie ich. Auch gut zu wissen.

Aber wozu dieser Eintrag hier jetzt? Mehrere Gründe. Zum einen um zu zeigen, wie toll und intelligent ich doch bin und zum anderen natürlich deswegen, um euch zum Denken anzuregen. Wenn ihr also demnächst mal wieder Kausalsätze bildet, mit Adjektiven um euch schmeißt und die Worte nur so aus euch heraussprudeln, bitte denkt doch an Onkel Johannes mit der Moralkeule. Danke.

Übrigens, wer Rechtschreib- oder Grammatikfehler in diesem Text findet, bekommt einen Keks.

Fußball im Estenland

FC Flora Tallinn – Narva JK Trans 3:3 (1:3)
05.07.2008 – A. Le Coq Arena [270 Zuschauer]

Die estnische Meistriliiga ist nicht gerade das, was den hauptberuflichen Fußballromantiker zum Schwärmen antreibt. Zehn Mannschaften kämpfen in der Liga an 36 Spieltagen um die Meisterschaft, fünf davon kommen aus der Hauptstadt Tallinn, drei davon belegen die ersten Plätze. Direkt dahinter kommt der "ewige Vierte" aus dem Osten des Landes: Trans Narva, Verein einer Stadt, die zu 95% von russischen Einwohnern besiedelt wird, ist gerade in der ersten Runde des UI-Cup an FK Ekranas gescheitert. Gastgeber Flora, seines Zeichens größter estnischer Sportverein, sowie Rekordmeister und aktueller Vizemeister, kämpft noch um den Titel. Siegessicher ging die Mannschaft also auf den Platz, angefeuert von einem 30-Mann und zwei Trommeln starken Support-Team im gastgebenden Grün-Weiß auf der Tribüne. Doch noch während der emsige Stadionsprecher die Aufstellung der Hausherren vortrug, gingen die Gäste schon mit ihrem ersten Angriff durch ein Weitschusstor in Führung – wenig später fiel das zweite Gäste-Tor durch einen Elfmeter. Und den Anschlusstreffer egalisierte Trans und ging mit einer verdienten 3:1-Führung in die Pause.

Wer sich in der 15-minütigen Entspannung vom estnischen Fehlpass-Festival kein Bier der für die Arena namensgebenden "A. Le Coq"-Brauerei gegönnt hat, wurde mit einem Pausenspielchen bei Laune gehalten: in bester Sportstudio-Manier treten drei Zuschauer vor eine Torwand, bekommen einen Fußball vor den Fuß gelegt und müssen sich als Torschütze beweisen. Als Preise winken unter anderem ein Laptop und ein Fernseher, doch alle drei Schützen scheitern. Den Sponsor der Elektronikgeräte freut’s.

Ganze 270 Menschen hatten am Samstagabend den Weg ins modernste Stadion der Nation gefunden – höchster Wert für diesen 17. Spieltag der Liga. Wenn man bedenkt, dass gleichzeitig das "Õllesummer", also das "Biersommer"-Festival dem Kick Konkurrenz gemacht hat, eine gute Zuschauerresonanz. Ebenso wenn man weiß, dass das Spiel auch im Fernsehn übertragen worden ist – da konnte man sich die umgerechnet 3€ Eintritt gleich sparen. Wer die 50 estnischen Kronen investiert hatte, sah neben einer untergehenden Sonne eine in der zweiten Halbzeit kämpfende Heimmannschaft, die zu einem letztlich verdienten 3:3-Unentschieden gekommen ist. So ging eine spielerisch auf Oberliga-Niveau einzustufende Partie für die meisten Zuschauer wenigstens noch vergnüglich aus – auch wenn man keinen Laptop gewonnen hatte.