Archiv der Kategorie 'Fußball ist immer noch wichtig'

Wird die EM verschoben?

Zwar hat Bundestrainer Joachim Löw heute seinen (vorläufigen) Kader für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine bekanntgegeben, doch es kann sein, dass die EM verschoben wird. Nein, nicht wegen der Situation in der Ukraine. Sondern wegen mir. Den folgenden E-Mail-Wechsel habe ich mir nicht ausgedacht, ich habe ihn mit dem DFB vor ein paar Tagen tatsächlich so geführt. Ich schwöre.

Sehr geehrter DFB, Hallöchen Oli Bierhoff, Grüß Göttle Herr Löw.

Mein Name ist Johannes Floehr, ich bin zwanzig Jahre alt und Freund, Fan und Freund der deutschen Nationalmannschaft. Und als solcher freue ich mich natürlich auf die Europameisterschaft. Ich denke, sie wird ganz gut.

Nun habe ich allerdings ein Problem. Ich las auf einer „Internetseite“, dass am Tag des Spiels gegen Niederlande/Holland/diese Orangen (13.6.) auch meine Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ (gemeinsam mit Ilja Budnizkij und Sushi da Slamfish) in Essen stattfindet. Das passt mir und unseren Zuschauern nicht.

Weil unsere (sehr, sehr schönen) Plakate bereits gedruckt sind, möchte ich Sie bitten, dieses Spiel auf einen anderen Tag zu verschieben. Gerne auf Dienstag oder Donnerstag, mir schnuppe. Und gewinnt gegen Holland bitte möglichst zweistellig. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Floehr

PS: Bitte nehmt Gerald Asamoah noch mit zur EM, ich finde den ganz cool.
PPS: Bitte nehmt Kevin Großkreutz nicht mit zur EM, ich finde den nicht so cool.

Einen Tag später erhielt ich bereits eine Antwort:

Hallo Herr Floers,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Wir werden Ihr Anliegen selbstverständlich an Herrn Löw und das Team um die Nationalmannschaft herantragen und Ihre Interessen vor der UEFA-Delegation mit Nachdruck vertreten. Wir können Ihnen allerdings keinen Erfolg versprechen. Wär Ihnen eventuell egholfen wenn die EM um ein Jahr auf 2013 verschoben würde?
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr DFB-Team

Ich antwortete:

Hallo DFB-Team,
Ja.

Grüße,
Johannes Fleurs

Und wieder der DFB:

Hallo.
Na dann schauen wir doch mal was sich da machen lässt. Sollte es zu einer Verlegung kommen, wird Jogi Löw persönlich bei Ihnen vorbei kommen um die Nachricht zu überbringen.
Mfg,
DFB-Team

So. Wisster Bescheid. Und kommt am 16.05. zur Lesebühne in Essen, der wunderbare Torsten Sträter ist dann wieder bei uns zu Gast!

Vom Radioübertragungsfußballgott und Anderem

Ich weiß noch, früher. Da habe ich stets die WDR2-Konferenz der Fußball-Bundesliga im Radio gehört (Manni Breuckmann!) und mich auf die Sportschau gefreut, um dort dann zu sehen, wie die Tore, die ich mir zuvor nur vorgestellt hatte, in Wirklichkeit gefallen sind. Fantasie und Fußball, das passte nicht nur der Alliteration wegen sehr gut zusammen. Außerdem hatte man so vom Spieltag doppelt und fünffach was: hören, vorstellen, warten, gucken, verstehen. Heute stelle ich mich da dümmer an. Wenn ich heutzutage am Samstagnachmittag erfolgreich das Internet nach möglichst ruckelfreien, arabischen Live-Streams der Bundesliga-Konferenz durchforste, weiß ich zwar früher Bescheid, aber zu was für einem Preis? Das abendliche Sportschau-Schauen macht dann viel weniger Spaß, denn, klar, man kennt ja fast alles schon. Nur sieht man es mit weniger Pixeln, beziehungsweise mit mehr – diese Erklärung würde aber jetzt zu weit führen.

Doch: ja, früher, da war ich deutlich klüger und fantasievoller. Wenn beispielsweise der ehemalige Leverkusener „Staubsauger“ Carsten Ramelow eins seiner seltenen Tore erzielt hat, dann habe ich mir das in meinen Gedanken seltsamerweise immer sehr gestolpert ausgemalt. So, als wäre es ein Versehen, dass er den Ball über die Linie befördert hätte. Ein abgefälschter Verlegenheitsschuss, ein angeschossenes Körperteil oder ein zufälliges Zucken Richtung Tor nach einem verunglückten Eckball: ein Versehen eben. Ups, Tor! Später in der Sportschau wurden etwaige Rätsel aufgelöst, und: nur sehr selten fielen die Tore so wie vermutet. Carsten Ramelow, Radioübertragungsfußballgott. Was er heute macht, weiß wahrscheinlich nur noch seine Familie. Ich grüße ihn an dieser Stelle, schließlich bin ich mir sicher, dass er täglich seinen Namen in eine Internet-Suchmaschine tippt, um zu sehen, ob sich noch überhaupt noch jemand an ihn erinnert. Ja, Carsten! Hier! Ich erinnere mich. Grüße.

Manchmal habe ich aber auch auf die WDR2-Konferenz verzichtet, um mich abends von den Toren und Ergebnissen überraschen zu lassen. So wusste ich noch nicht einmal, ob meine Lieblingsspieler überhaupt auf dem Platz standen, ob sympathische Mannschaften gegen unsympathische gewinnen konnten oder ob Diverses geschah! Nervenkitzel! Man konnte aber auch damals schon anhand der Reihenfolge der zusammengefassten Partien ablesen, welches Spiel besonders ereignis- und torreich verlaufen sein mag. Gut, das Bayern-Spiel gab und gibt es aus Gründen fast immer am Schluss, aber wenn etwa Wolfsburg gegen Freiburg als erstes Spiel gezeigt wurde, dann deutete vieles auf ein torloses Remis hin. Jedoch ging diese Rechnung nicht immer auf, ich war schon damals nicht so gut in Mathematik und Sendungsabläufen.

Und nun wieder der Blick darauf, wie es heute ist: Spannung erhalten? Äußert schwierig, wenn man sich zur Bundesligazeit im Internet tummelt. In sozialen Netzwerken fliegen einem ungefragt zahlreiche Tormeldungen um die Ohren („TOOOOOR!!! POLDIIIIII! FC!! <3″) und auf Newsportalen tickern die Ticker ungebremst, was sich auf den mir damals noch unbekannten Fußballplätzen in Augsburg, Hoffenheim oder Mainz ergeben hatte. Der beste Trick ist, komplett alle Medien zu meiden und etwas Ungewöhnliches zu tun. Spazieren gehen, Bücher lesen, Pfandflaschen wegbringen. Ich halte übrigens nicht viel von Dosen- und Flaschenpfand. Pfandflaschen gibt es nur, damit man sie zeitvertreibend wegbringen kann. Überhaupt: Geld für eine leere Hülle erhalten? Man bringt doch auch leere Pizzaschachteln nicht zurück zur Pizzaria Amalfi. Und falls doch, habe ich extrem hohe Schulden. Ganz ohne Handy-Vertrag oder Sky-Abonemment. Womit ich galant zurück zum Thema Fußball übergeleitet habe. Ich bin so ein Fuchs.

Also, Fußball. Früher: Radio und Fantasie. Heute: beides viel zu selten. Tore fallen trotzdem. Nur Carsten Ramelow, der spielt nicht mehr.

Die Top 10 der Gründe, warum ich Kühe lieber Fußball spielen sehen würde als Frauen

Ich finde, ich biete viel zu wenig Angriffsfläche. Es muss doch auch endlich mal Texte geben, für die ich gehasst und verachtet werde! Richtig bitterböse, gemein, fies und entwürdigend soll es sein! Und tada, da zaubere ich nun Folgendes aus meinem schönen Hut: die zehn besten Gründe für eine Kuhfußball-Weltmeisterschaft und gegen das aktuell ausgespielte Wettkicken der Frauen. Wir beginnen bei…

Platz zehn:
Kühe fühlen sich auf dem Rasen von Natur aus wohl und müssten bei spontanem Hunger oder Schlafmangel nicht das Spielfeld verlassen. Auch plötzlicher Stoffwechsel wäre kein Problem, denn Kuhfladen sind ein sehr gutes Düngemittel.

Platz neun:
Kühe kennen die Abseitsregel.

Platz acht:
Sollte es auf dem Fußballplatz zu einem unschönen Todesfall, etwa nach einer Blutgrätsche, kommen, könnte man die Kuh wenigstens noch verzehren – Frauen jedoch schmecken wahrscheinlich nicht ähnlich lecker, nicht einmal gegrillt.

Platz sieben:
Kuhfußball müsste sich nicht ständig mit Männerfußball vergleichen lassen und wäre ein großer, allgemeiner Spaß.

Platz sechs:
Kühe geben zwar auch nur dann Milch, wenn man Monate zuvor Geschlechtsverkehr mit ihnen hatte. Aber Kühe beschweren sich – im Gegensatz zu Frauen! – nicht übertrieben theatralisch und unfair, wenn man ungefragt an die dafür vorgesehenen Milchdrüsen greift.

Platz fünf:
Kühe reagieren auf verlorene Spiele nicht mit Tränenausschuss, sondern bleiben ganz, höhö, kuhl.

Platz vier:
Kühe wissen, dass sie von Natur aus schön sind und würden deswegen vor dem Spiel nicht unnötig viele Stunden mit Schminken vergeuden.

Platz drei:
Finanzkräftige, indische Investoren hätten endlich ein neues Spielzeug.

Platz zwei:
Birgit Prinz.

Platz eins:
Aus eigener Erfahrung weiß ich: Kühe fühlen sich durch diese Rangliste nicht persönlich beleidigt.

(Bonusinformation für Nico Rosberg: das Maskottchen der Paralympics 2008 in Peking war: eine Kuh.)

Keine Zeit, weil feiern

Aufstieg!

Die dritte Seite im Regelheft habe ich von meinem Tischnachbarn abgeschrieben und dabei jeden Rechtschreibfehler absichtlich übernommen

In Dresden freuen sich die Mägen regelmäßig über „Eierschecke“. So nennen die Leute dort eine Kuchenspezialität aus Hefe, Eigelb und Pudding. Neulich war irgendein Mauerdeutscheeinheitjubiläum und anlässlich dieses stupiden Feiertages berichtete ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender über diese angebliche Leckerei, die niemand kennt. Der sehr gute Erich Kästner soll einmal gesagt haben: „Die Eierschecke ist eine Kuchensorte, die zum Schaden der Menschheit auf dem Rest des Globus unbekannt geblieben ist.“ Ich denke, dass dieser Satz auf seinen Hauptsatz reduziert werden kann. Die Eierschecke ist eine Kuchensorte. Der Satz wäre viel gemütlicher, jegliches Konfliktpotential wäre futschikato und die Dresdner könnten sich wieder auf andere Exklusivitäten berufen: Frauenkirche, Hygiene-Museum, Sächsisch. Ich wette, dass mindestens jeder vierte Dresdner eine Aufregungsorgie lostritt, wenn er mal über den Stadttellerrand hinausblickt und in einem, hm, sagen wir mal Berliner Kaffeehaus sitzt: schau mal, Heiko, die Berliner kennen zwar leckere Kuchen, aber nur wir haben die Eierschecke. Heiko würde hinzufügen: ein Jammer! Noch größere Idioten würden sicher auch noch den drittdümmsten Satzanfang Westeuropas bemühen: in der DDR war nicht alles schlecht; wir hatten schließlich Eierschecke (und Kati Witt). Zweitdümmster Satzanfang übrigens: Man darf ja wohl noch sagen, dass. Der Erstdümmste ist meiner gruseligen Jugend geschuldet: Es war einmal. Märchen konnte ich nie leiden, sie klangen für mich immer wie Bibeltexte. Buch Grimm, Kapitel vier, Vers neun: und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Als ob.

Eierschecke schmeckt bestimmt gar nicht so schlecht, kann ich nicht beurteilen. Noch nie war ich in Dresden. Nur einmal kam ich mit Dresdnern in Berührung, als ich 2004 versehentlich mit den Fußballfans von Dynamo Dresden den Aufstieg in die zweite Bundesliga feierte und mich neben einem Radiomenschen wiederfand, der mir ein Mikrofon an den prepubertäten Mund presste. Und, kleiner Mann, du hast extra die weite Reise nach Krefeld angetreten, um den Aufstieg von Dynamo mitzuerleben? Nein, äh, ich komme von hier und drücke den Gastgebern die Daumen. Er war daraufhin verwirrt, ich war verwirrt und auch die Radiohörenden daheim sowieso. Dafür möchte ich mich nun mit leichter Verspätung entschuldigen. Dennoch bin ich unschuldig am Abstieg, der im Folgejahr sicher ganz andere Gründe hatte (zu wenig Punkte, zu viele Gegentore, falsche Kuchen). Ich weiß es nicht, so wie ich auch nicht weiß, wofür die Abkürzung „PVC“ steht. Dennoch komme ich tagtäglich prima mit Fußböden zurecht. Unwissenheit sorgt unselten für die schönsten Geschichten. Karneval 2000, als BSE (noch so eine unbekannte Abkürzung, aber es handelt sich dabei um Rinderwahn) gerade seinen Popularitätshöhepunkt hatte, aß ich eine Bratwurst und dachte daraufhin, dass ich sehr bald sterben müsste. Ich weinte stundenlang mein Panzerknackerkostüm voll. Natürlich lebe ich immer noch, aber sterben werde ich irgendwann, da bin ich mir relativ sicher. (Und jetzt mache ich das, was sehr gute Kolumnisten immer tun; nämlich den letzten Satz in Einklang mit dem Tenor des Textes zu bringen.) Aber bevor ich sterbe, muss ich unbedingt noch Eierschecke probieren; guten Appetit!

Neue Fachmänner braucht das Land


[Dank an Anna!]

WM-Rätseln mit BILD.de

Jetzt, gerade, in dieser Sekunde und vielleicht auch noch in zwei danach: ein schönes Rätsel auf BILD.de. Bin noch am Knobeln.

Ein Wortspiel wie „fetter Fehler“ wäre mir jetzt zu blöd

Ich wollte eigentlich nur meinen Bus erwischen, doch Rainer Callmund gab in einem mir bis heute unbekannten Krefelder Modehaus eine Autogrammstunde und weil ich ein lustiger Type bin, konnte ich mir das nicht entgehen lassen. Zwanzig Minuten Anstehen bei Schlagermusik und neben Damenhosen. „Wat sollich druff schreibe?“, quetsche mich Calli aus. „Jacques, bitte.“ Das hat dann aber nicht so geklappt:

Ich klärte ihn auf und diktierte ihm meinen Namen (bzw. „Jacques“). Hat beim zweiten Versuch alles geklappt. Toll. Er freute sich noch darüber, dass ich hieße wie irgendeinen Rennfahrer, aber den kannte ich nicht und es war nicht Jacques Villeneuve, denn den kenne ich. Ich holte mir anschließend ein paar Drinks und der heutige Abend wird sicher prima.