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Archiv der Kategorie 'Film, Funk, Print und Co.'

„Sacksuppe“ live

(gelesen am 04.04.2012 im Finale des Poetry Slams in Moers)

Grand Prix der Folkmusik

Wie selbst meine Großmutter weiß, steigt am Samstag der lustige „Eurovision Song Contest“ in Düsseldorf. Die Aufregung ist groß, schließlich kann Düsseldorf damit der Partnerstadt Köln mit seinem „Christopher Street Day“ in Sachen Schwulen-Messe erstmals Paroli bieten. Der semi-offizielle Eurovisionsblog „HerrSalami.de“ blickt exklusiv auf die wichtigsten Teilnehmer und bewertet ihre Siegeschancen. Exklusiv! Semi-offiziell! Je häufiger man ein Adjektiv verwendet, desto wichtiger wird es! Groß! Lustig! Schwul! Kommen wir aber ohne Umschweif nun zu den Teilnehmern.
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Musik, heil!

Nürnberg. Enkel Kevin kauert auf dem Wohnzimmerboden und kaut am Strohhalm seines Tetrapak-Kakaos. Seine Haare, sowie seine Großeltern haben in den üblichen Positionen Platz genommen, um mit dem „Frühlingsfest der Volksmusik“ in die wunderbare Welt der Playback-Akkordeons zu flüchten. Es erscheint wie ein Eingeständnis an den Unterhaltungswert des telemedial Dargebotenen, doch der fleißige Kaffeekonsum des Rentner-Ehepaares ist ein entkoffeinierter und trägt den Namen „Kaffee Haag“. „Mhh, legger!“ ruft Opa zum erwärmten Wasser und hebt das Kännchen in die Höh‘. Er weiß, dass der Erfinder seines Lieblingskaffees, namentlich Ludwig Roselius, ein Freund der NSDAP war und die SS finanziell unterstützte, doch davon lässt sich Großvater Gunther nicht am Genuss seines Kaffees stören. Stolz hebt er einen seiner zwei Zeigefinger in die Luft und informiert seinen Enkel: „Den hat es damals schon gegeben, als ich so alt war wie du!“. Kevin dreht sich kurz um, schaut seine Großmutter an. Sie nickt freundlich und verzweifelt danach wieder an den Spielregeln der Sudokus in der Apothekenzeitschrift. Nachdem Kevin dann seinen Kakao leer geschlürft hat, merkt er fröhlich an, dass er die Molkereiprodukte von „Müllermilch“ sowieso am besten fände. Opa merkt an, dass deren Chef Theo Müller sogar wie er selbst Mitglied in der Partei ist. Oma fügt hinzu, dass Opa die CSU meinte. Kevin zuckt mit den Schultern. Im Fernsehen singt ein bayrisches Paar ein Lied von ewiger Liebe.

Als Kevin das Wohnzimmer dann kurzzeitig zum Zwecke des Kakao-Nachschubs verlässt, gibt Opa Oma heimlich einen trockenen Kuss auf die Wange. Oma lächelt verträumt und richtet ihren Blick dann verträumt aus dem Fenster, wo ein paar Buntspechte durch die braunen Herbstblätter hüpfen: „Sieh mal, Gunther, die Vögelchen, wie süß!“. Opa fühlt sich in seiner Liebelei gestört und schaut nur unfreiwillig, aber grimmig nach draußen. Sein Lieblingsvogel ist der Spatz, aber Gunther hat lange keinen mehr gesehen oder wenigstens gehört. Die sind vielleicht in eine andere Wohngegend gezogen oder halten womöglich gerade in Südamerika Winterschlaf. Schade, findet er. Das kleine Buntspecht-Grüppchen sucht noch ein paar Minuten lang erfolglos nach Würmern, dann flattern die Vögel mit Gezwitscher zurück in ihr Nest. „Und wie laut die immer sind!“, nölt Opa, „da kann man ja sein eigenes Wort nicht mehr verstehen!“. Oma streichelt ihm beruhigend auf die Schulter. Schließlich kommt Kevin aus der Küche zurück und teilt traurig mit, dass es dort keine Strohhalme mehr gäbe. Er müsse seinen Kakao nun aus einem Glas trinken, was den Trinkgenuss mindere. Ach was, sagen die Großeltern, so entsteht wenigstens nicht so viel Müll. Kevin fühlt sich von diesem Argument getröstet. Er setzt sich auf die Couch und schaut gebannt in die Fernsehröhre. Roberto Blanco tappt die Showtreppe herunter und singt, dass ein bisschen Spaß sein müsse.

Kevin klatscht zustimmend in die Hände. Oma erzählt ihm, wie lustig es doch sei, dass „Blanco“ aus dem Spanischen übersetzt „Weiß“ heiße und Kevin weiß mit dieser Bemerkung erst nichts anzufangen, dann lacht er ein unschuldiges Kinderlachen. Während der lustige Mann im Fernseher vor sich hin singt, richtet Kevin seinen Blick auf seinen Opa. Er schaut mürrisch und gießt sich unvernünftig viel Milch in seinen Kaffee. Kevins Stirn beginnt sich zu runzeln und nachdem er all seinen Mut zusammengegtragen hat, fragt er seinen Großvater: „Du, Opa, wann hast du zum ersten Mal einen Schwarzen gesehen?“. Es folgt Stille. Opa zögert mit seiner Antwort. Er möchte nichts Falsches sagen. Gerade, als er antworten will, dass er das nicht mehr so genau wüsste, wird er von seiner Ehefrau gerettet: „Schau mal, Gunther, der Kevin hat vom Kakao einen kleinen Schokomilchbart unter der Nase bekommen, wie goldig!“.

Und keiner so: yeah!

(kauft euch alle Bücher von Hugleikur Dagsson, wenn ihr meine Freunde sein wollt.)

Gefällt mir nicht.

BILD, DSDS, Facebook. Drei unschöne Buchstabenkombinationen. Und nun das hier:


(Quelle: http://www.bild.de/dsds/2011/dsds/autogrammstunde-oberhausen-video-17114464.bild.html)

Ein Austritt in die Fernsehwelt

Fernsehen! Wie gut könnte es uns mit und dank dir gehen! Mutig und frei könntest du sein, unterhaltsam und informierend zugleich. Doch im real existierenden Kapitalismus bist du ein keuchender Marathonläufer. Denn jetzt mal so unter uns. Wie kann es aber sein, dass das Fernsehen mehr Rotz produziert als meine Nase in vier oder fünf Wintern zusammen? Wie kann es sein, dass eine Sendung, die zehn halbstarke Jungmenschen singend aufeinander hetzen lässt, hierzulande unter dem Etikett „Unterhaltung“ firmiert? Wie kann es sein, dass permanent, auf allen Sendern, zu jeder Tageszeit, aus verschiedensten Gründen, irgendjemand von mir angerufen werden möchte? Auto gewinnen, Sieger bestimmen, Geldpakete erringen, Meinungen anbringen, Mixstäbe erwerben, Karrieren verderben, Telefontöne bestellen, Dunkles erhellen, Verlierer ernennen, Lage verkennen, Paarungswillige anklingeln, Falsches umkringeln, Experten zustimmen und: geistig verglimmen. Lasst mich in Ruhe. Ich telefoniere nicht mit Computerstimmen. Die fünfzig Cent spare ich mir und investiere sie in Kaugummiautomaten oder einfach mal in gar nichts. Spar- statt Fernsehschwein!

Denn selbstverständlich schaue auch ich nur Dokumentationen, arte und manchmal, ganz selten, wenn es mal sein muss, auch nur fast jeden zweiten Tag und nur bei schlechtem Wetter: Sportübertragungen. Aber wie kann es sein, dass die Einschaltquoten so brachial im Widerspruch zu dem stehen, was einem Bekannte, Verwandte und Dahergelaufene über ihren Fernsehkonsum erzählen? Vergangenen Samstag saßen bei einem langhaarigen Mannheimer Laienhumoristen mit türkischem Migrationshintergrund mehr Leute vor der Glotze als bei der Tagesschau, trotz Japan. Warum, wieso, weshalb verdammtnochmal. Wenn man sich mal einfach nur berieseln lassen will, kann man sich auch unter die Dusche stellen und muss sich nicht darüber amüsieren, dass zwei Kilo schwarze Haare zu Heavy Metal im Kreis geschwungen werden. Der folgende Satz klingt zwar etwas makaber, wenn man ihn einem Deutsch-Türken ins Ohr brüllt, aber: Geh nach Hause, Bülent Ceylan! Und nimm die Gestalten mit Handpuppen, überzeichnetem Dialekt-Einsatz und Witzebuch-Affinität gleich mit.

Es scheint viel zu wenig Leute zu interessieren, dass bereits nachmittags jugendliche Brüste vergrößert, Randgruppen heimlich diffamiert und Arbeitslose ohne Aussicht auf einen Ausweg bloßgestellt werden, ohne dass wenigstens der Off-Sprecher mit einen Funken hinterfragender Kritik im Unterton den Zeigefinger hebt. Jeder darf und soll für fünf Minuten ins Fernsehen und wenn er nichts Besonderes kann, dann kann er sich seines besonderen Nichtkönnens gerne bedienen. Denn gerade die geistig weniger Befruchteten werden besonders gerne ins stupide Korsett des Privatfernsehens gesteckt. Fernsehen für Dumme muss schließlich auch mit Helden der fortlaufenden Dämlichkeit bestückt sein. Von Dummen für Dumme senden führt zum Verdummen – diese logische Konsequenz wird uns irgendwann einholen; zumindest, wenn wir nicht alle längst zu blöd dafür sind, es zu bemerken.

Und kann es sein, dass wir nichts dagegen tun können? Quatsch, können wir wohl. Dem Scheiß einfach keine Aufmerksamkeit mehr schenken! Der Samstagabend muss nicht jede Woche mit trivialen Musikdeformationen gefeiert werden. Es gibt acht Millionen Leute „Deutschland sucht den Superstar“ gucken, dennoch gibt es gleichzeitig über siebzig Millionen Deutsche, die stattdessen etwas Anderes machen, zum Beispiel Monopoly, Fang den Hut oder Plätzchen backen. Das macht Hoffnung. Die acht Millionen Bohlen-Bejubler müssen aber unbedingt in unser Boot geholt werden, sonst gehen wir mit der Arche Noah des guten Geschmacks bald unter! Keiner wird es merken, weil die selbsternannten Nachrichtensender lieber was mit Hitler zeigen. Keiner wird es merken, weil die bunte Reklame zwischen Telenovela und Boulevardmagazin bei zwei Schnitten pro Sekunde unaufhaltsam in unser Gehirn rast und jedes Ansammeln von klugen Gedanken so wahrscheinlich macht wie einen telefonkostendeckenden Gewinn bei einem Call-In-Gewinnspiel. Und keiner wird merken, weil wir eben doch schon zu blöd geworden sind.

Kürzlich lag ich auf der schlabbrigen Wohnzimmercouch herum, ganz gediegen mit Jogginghose, Konzentration und einer Dokumentation in HD. „Mit dem Luxuszug durch Afrika“ grasten dort ein paar Vermögende die Sehenswürdigkeiten der dritten Welt ab. Ab und an fuhren sie an ein paar putzigen Negern vorbei, doch die dekadenten Luxusreisenden hatten für die hungrigen Schwarzmänner maximal ein bisschen Winkerei übrig. Es gab aber auch Wichtigeres zu beobachten, beispielsweise das größte durch den Mensch erschaffene Loch der Welt: die ehemalige Mine „The Big Hole“ in Südafrika. Das tiefe Loch wurde mit vielen „Ooohs!“, „Aaahs!“ und Digitalkamerablitzen versehen. Es darf jedoch vermutet werden, dass zwischen den Ohren mancher Fernsehzuschauer eine noch größere Lücke existiert.

Wo ist der Hase, ich weiß von nichts!

Vom schönen Schein und wirklichen Leben

Vierzehn Uhr, Drehbeginn. Witzige Musik erklingt. Das Publikum in Studio 38 klatscht, jubelt, pupst und schaut nach links. Da springt jemand in die Manege, es ist der blondierte, pünktliche Moderator. Grinsende Rolle rückwärts, dann ein geiler Blick in Kamera 4.

„Grüß Gott, Grüß Publikum, Grüß Fernsehzuschauer! Willkommen bei ‚Wuttke‘, der Talkshow mit Wumms!“ Ein wuchtiges Wumms!-Geräusch erklingt. Das Publikum kennt das Jingle und freut sich, es endlich mal live hören zu dürfen. Der Telepromter fährt fort: „Unser heutiges Thema: ‚Hilfe! Meine Tochter geht illegal anschaffen und obwohl mein Mann Steuerberater ist, will sie die Erträge nicht von der Steuer absetzen‘! Und hier ist auch schon unser erster Gast: Melanie, 15 Jahre aus Memmingen!“ Von rechts kommt ein junges Mädchen herein, setzt sich auf den Stuhl und lässt sich von zweihundert Buh-Rufen beschallen. Sieben Sekunden lang sitzt sie regungslos herum. Dann erkundigt sich der Moderator, wie lange sie schon anschaffen gehe. Zwei Monate lang, sagt sie. Vereinzelte Buh-Rufe. Die nächste Frage fragt sie, wie viel sie pro Monat mit der Fickerei verdiene. Tausend Euro, sagt sie. Viele Buh-Rufe. Ob sie sich denn immer schütze, ist Frage drei. Ja, mit Kondomen, sagt sie. Der Kameramann winkt ins Publikum und zeigt an, dass hier nicht gebuht werden muss.

Ein Basecapmensch aus dem Publikum steht auf und der Talkshowfan weiß: Aha, da möchte wohl jemand eine Anmerkung machen. Kamera 1 hält drauf, der Moderator spaziert die Treppe zum Aufgestandenen hoch. Basecapman gibt sich zu erkennen: „Guten Tag, mein Name heißt Dieter Wedel und ick würde das Leben der kleinen Melanie jerne verfilmen, damit sie lernen tut, wie man mit ihren Problem umgehen kann! Du jehörst ins Kino!“ Melanie entkommt ihrer Regungslosigkeit und lacht vor Freude. „Ick mache aus dir einen janz großen Star!“ Nun weiß auch das Publikum, dass diese Idee sehr gut ist und manche fügen ihrem Applaus sogar Aufsteherei hinzu. Der Moderator improvisiert fremdsprachlich: „Juppie, wer sagt’s denn: a star is born in unserer Show! Tolle Sache, das!“ Melanies Mutter kommt aus dem Hinterstudiobereich herbei und fällt ihrer Tochter in die tätowierten Arme. Ein Praktikant hat Konfetti parat und schmeißt es vor die Linse von Kamera 3, welche gerade ein Freudentänzchen von Melanie und Melaniemutter filmt. Sektflaschenkorken fliegen und aus dem Nichts hört man Whitney Houston singen.

Im Hintergrund, abseits des Sichtfeldes der Kameras, schleicht sich ein Krawattenmann hinein. Er hat Mühe, sich das Mikrofon des Moderators zu stibitzen, aber als er es dann geschafft hat, hebt er seinen Zeigefinger und sagt: „Aber dass die Einnahmen ordentlich versteuert werden, junges Fräulein!“

Dunkelrätseldeutschland

Weil ich das hier regelmäßig voller Grinsen lese, habe ich mir gestern die SportBILD gekauft, wofür man mich bitte zurecht ächten soll. Aber darum soll es nicht gehen. Denn heute habe ich versucht, Zeitvertreiberei mit dem heftinternen Kreuzworträtsel zu betreiben, aber ein einer Stelle kam ich nicht weiter, vielleicht können mir meine überdurchschnittlich klugen Leser helfen?


(Quelle: SportBILD 49/10, Seite 64)

Es ist doch „Neuer“ gesucht, oder? Toll von den Arschlöchern der SportBILD, dass sie dem Rätselnden die Wahl lassen, ob man an der leeren Stelle ein „u“ oder doch lieber ein „g“ platziert. Einen Preis kann man übrigens auch gewinnen: ein Rasierer der Marke „Braun“ ist als Gewinn ausgelobt. Durchaus den ein oder anderen Schmunzler wert.

Und, weil mir danach ist, hier ein vergleichbarer Ausschnitt einer BRAVO aus dem Jahre 1978 (wir erinnern uns):


(Quelle: BRAVO 38/78, Seite 58)

Mir ein Rätsel.

Fick dich, Hannah Montana!

Zu den schönsten Dingen, mit denen man die Zeit überholen kann, gehört das Ansehen alter Fernsehserienintros. Intros alter Cartoonserien, wie sie damals so unschuldig und fern aller Sorgen über die Röhrenfernseher flimmerten. Wenn man beim Anschauen der Anfangsmelodien von „Duck Tales“, „Käpt‘n Balu“ und „Rockos modernes Leben“ Gänsehaut bekommt, dann hat man als Kind in den 90ern so einiges richtig gemacht. Da gab es „Chip & Chap“, wo Ahörnchen und Behörnchen Detektive spielen und als „Ritter des Rechts“ bösen Schurken auf den Kopf hauen. „Boings“ haben die Bösewichter dann gemacht. Damit waren sie besiegt. Tatort für Kinder. Wie großartig das alles früher war. Oder: „Zwo, Eins, Risiko“! Darkwing Duck! Oder die Gummibären! Sie waren immer für dich da, wenn du sie brauchtest. Disney war damals noch so ein sympathisches Unternehmen. Die iPhone-Kinder von heute wissen ja gar nicht, was sie verpassen. Ich möchte hier aber gar nicht weiter schwafeln, denn: ältere Leser werden mit diesen Zeilen nichts anfangen können und diejenigen, die jetzt im Kopf „Ooooh, ja! Duck Tales! Yuppie!“ schwärmen, denen möchte ich nicht weiter Zeit rauben. Denn die Zeit braucht ihr, meine Freunde, für dieses Video, mit dem garantiert jede Langweiligparty und noch so ansatzlose Gesprächsrunde in ein großes Freudenkonzert verwandelt wird:

http://www.youtube.com/watch?v=GsNr1sHCIzg (Einbetten geht nicht, aber klickt kollektiv auf diesen Link, bitte!)

Schnüff.

Ein gekauftes Interview mit Onkel Fisch über ihr Buch „Bewusstlos zum Glück“

Onkel Fisch - InterviewSchon wieder ein Interview mit Onkel Fisch! Heute aber exklusiv mit Grund: meine besten Freunde Markus und Adrian haben ein Buch geschrieben. Ihr Universallebensratgeber „Bewusstlos zum Glück“ soll von euch allen gekauft und geliebt werden! Es ist sehr hilfreich. Seit der Lektüre hat sich mein Leben deutlich verbessert, so ist beispielsweise mein Bücherregal nun weitaus imposanter und um ein sehr, sehr gutes Buch reicher. Und das sage ich nicht, weil Adrian und Markus meine besten Freunde sind. Nein. Das sage ich, obwohl sie es sind. Lest also nun das unfassbar gute Interview und erfahrt, warum ihr „Bewusstlos ins Glück“ unbedingt braucht – und warum meine Freunde Adrian und Markus mich siezen.

ONKeL fISCH: Zuerst ein paar praktische Fragen, die uns zeigen sollen, ob Sie unser Buch „Bewusstlos zum Glück“ überhaupt gelesen haben. Frage: Was sind für Sie die größten Vorteile von Eastern Creeping gegenüber herkömmlichen Nordic Walking?

HerrSalami.de: Hallo Freunde! Ja, natürlich habe ich euer Buch gelesen, ihr habt es mir schließlich geschenkt. Ich las es im Zug und ich vermute, dass der Herr, der ab Bochum neben mir saß, nur wegen des Mitlesegenusses freiwillig drei Haltestellen weiter gefahren ist, als er eigentlich nötig hatte. Er wollte unbedingt mitlesen! Die Kraft eures Buches spüren! Vom Kuchen des endgültigen Glücklichseins mitessen! Ein wenig frech und schade für euch, da er dafür keinen Cent bezahlt hat, aber ich zwinkerte ihm beim gemeinsamen Ausstieg in Hamm (Westf) die Bitte zu, das Buch käuflich zu erwerben. Auch, damit er das von euch angesprochene Kapitel „Eastern Creeping – Power-Kriechout für Jung und Alt“ lesen kann. Dort werden die größten Vorteile von Eastern Creeping gegenüber herkömmlichen Nordic Walking erklärt. Von Seite 82 bis 93. Die Seitenzahlen wusste ich auswendig. Und der größte Vorteil von Eastern Creeping gegenüber herkömmlichen Nordic Walking ist natürlich, dass es nicht in Witzen von Mario Barth auftaucht. Aber, Freunde, was ich mir beim Lesen des Kapitels „Kräuterkerzen – Heilung von Hinten“ gefragt habe: welche Volksgruppe hat eigentlich Probleme bei der Vorstellung, sich eine brennende Kräuterkerze in den Hintern zu propfen?

Wir Europäer haben Probleme bei der Vorstellung, uns eine brennende Kräuterkerze in den Hintern zu propfen.

Achso.

Aber Mönche aus dem Mittelalter hätten auch Probleme mit der Vorstellung gehabt, warum Menschen sich RTL2 angucken. Was bevorzugen Sie?

Ich persönlich bevorzuge natürlich Kräuterkerzen. Sicher, auch RTL II ist für den Arsch, aber wie man eurem Buch („Bewusstlos ins Glück“, hier kaufen) entnehmen kann, sind Kräuterkerzen im After deutlich gesünder als „Frauentausch“ und die „RTL II News“. Außerdem wird sich Mönch Quintus von Ulm (1067-1233) etwas dabei gedacht haben, als er damals vor der schweren Entscheidung stand: erfinde ich nun Kräuterkerzen oder RTL II? Dass er sich für Ersteres entschieden hat, spricht doch für sich! Und für Kräuterkerzen! Ich selbst bin nun ein großer Freund von Petersilienkerzen im Po geworden; just in diesem Moment, beim Beantworten eurer Fragen, brennt eine solche Kerze in meinem Hintern. Fühle mich merkbar besser, aber habe ein wenig Angst vor dem nächsten Stuhlgang.

Das Schrankorakel – Niemanden in eine Schublade stecken. Ein Blick in den Schrank genügt und der Patient liegt wie ausgezogen vor uns. Führen Sie bitte ein Selbstanalyse anhand ihres Jugendzimmerschrankes durch.

Gern.

Wir sehen hier meinen Jugendzimmerschrank – ein Wandschrank. Was hat dieser Umstand zu bedeuten? Möchte ich mit dem Kopf durch die Wand? Mit der dort hängenden Lederjacke zu Punkkonzerten? Oder einfach nur fort? Wahrscheinlich. Dafür sprechen mehrere Dinge: wir sehen beispielsweise am linken Bildrand zwei Schallplatten (The Kinks – Give the People What They Want / Ideal – Der Ernst des Lebens) und auf beiden Covern rennt irgendjemand irgendwovor weg. Die Zeitungsschnipsel rechts daneben sind auch eindeutig: die Beatles schwimmen weg und Menschen sitzen auf einer Mauer. Darunter steht: „Bloß weg hier!“. Und rechts oben auch noch ein wütender, schwarzer Schlumpf (nicht zu verwechseln mit dem schwarzen Hutträger über den Beatles oder den schwarzen Muskelmenschen ganz unten)! Aber alles wird gut. Denn es stehen bereits 2 (zwei! 5-3!) Schuhe bereit, zum Fortlaufen benutzt zu werden. Und auch die beste Lektüre fürs Glücklichwerden steht zufällig im Wandschrank herum: „Bewusstlos zum Glück„!

Was halten Sie, als Internet-Bloger, von unserem Diättipp: Einfach mal das Essen weglassen und Elektrosmog positiv nutzen?

Viel, vielleicht sogar mehr! Denn wir ihr in eurem Buch („Bewusstlos zum Glück“) feststellt, ist Elektrosmog überall, kostenlos und echt lecker. Und Ernährung auf Elektrosmogbasis spart auch verdammt viel Zeit, verbrachte ich mit dem vorherigen Essen von handelsüblichen Nahrungsmitteln (Pizza Tonno, Waldmeisterpudding, Spätzle) doch rund ein Drittel des Tages! Sodass nur rund drei Viertel des Tages für Geschlechtsverkehr, lesen („Bewusstlos zum Glück“) und schlafen blieben! Aber nun habe ich Spannung in mein Leben gebracht. Wer hätte gedacht, dass Batterien so schmackhaft sind? Ich nicht! Und Elektrosmog ist echt töfte! Wenn nur der Hunger nicht wäre…

Herr Salami, Sie scheinen ein kulinarisch geprägter Mensch zu sein. In letzter Zeit sind viele vergessene Gemüse wie Pastinaken oder Bärlauch wieder aufgetaucht, aber kennen Sie auch kleine Äste – das vergessene Gemüse? Nennen Sie uns Ihre 547 Lieblingsrezepte!

In eurem Buch („Bewusstlos zum Glück“) stehen doch nur fünf Rezepten mit kleinen Ästen (z.B. „Rinde-Bouillon“ oder „Baumkuchen“, mhhh!), woher soll ich 542 weitere Gerichte kennen? Sehe ich aus wie ein Koch? Wie sehe ich überhaupt aus? Was ist eigentlich gesünder: Elektrosmog oder kleine Äste? Was ist der Sinn des Lebens? Stellt ihr jetzt bitte die nächste Frage? (Abgesehen davon kann ich gebrannte Astanien nur empfehlen, Asta Asciutta ebenso.)

Ja. Seien Sie ehrlich: Wie hoch ist ihr Wellness-Quotient (WQ) und warum?

Der Test sagt:

12.000-~ Punkte Typ Großer Buddha (WQ 256)
Glückwunsch! Sie haben gepfuscht. Test noch mal machen!
Sie erhalten die Waschmaschine mit der Post.

Ich habe ihn daraufhin nochmal gemacht, aber das Ergebnis blieb das gleiche. Vermutlich, weil ich die selben Antworten gewählt habe wie zuvor. Aber ich wollte eben nicht lügen! Bekomme ich eigentlich nun zwei Waschmaschinen? Meine Adresse habt ihr ja.

Herr Salami, als begeisterte Leser Ihres Blogs, als Bewunderer Ihrer Schönheit und Ihres Wohlgeruchs, lassen Sie uns noch diese Frage stellen: Was halten Sie von anbiedernder Lobhudelei zum Zweck des Verkaufes des Buches „Bewusstlos zum Glück“ zum Preis von nur 14,95€ in allen Buchhandlungen ihres Vertrauens?

Lobhudeleien kann ich grundsätzlich nicht leiden. Auch nicht, wenn es sich um sehr, sehr gute Produkte handelt (wie zum Beispiel das Buch „Bewusstsein zum Glück“, eine „Paul Picot Herrenmodelle Atelier La Rattrapante“-Uhr oder eine preisgünstige Druckerpatrone). Außerdem möchte ich nicht, dass auf meiner Seite irgendeine Art von Werbung zu finden ist. Auch heimliche, in Klammern versteckte Werbung, kann ich überhaupt nicht leiden. Meine überaus intelligenten und wenigen Leser sollen selbst entscheiden können, welches Buch sie unbedingt kaufen sollen (-> „Bewusstsein zum Glück“) und welches nicht (-> „Nur die Harten kommen in den Garten!: Der Weg zum Superstar“).

Sie haben uns um ein kostenloses Freiexemplar unseres Buches „Bewusstlos zum Glück“ mit dem Argument einer Rezension gebeten – dann jedoch, um beim Leser den Eindruck einer offensichtlich gekauften Lobhudelei zu vermeiden, die Idee mit diesem Interview geboren. Ist Ihr Plan aufgegangen?

Ja. Meine Leser werden herauslesen können, dass ich mich überaus kritisch und ausreichend mit dem Buch „Bewusstlos zum Glück“ beschäftigt habe, um sagen zu können, dass es sehr, sehr gut ist. Aber, um es endlich mal sagen zu können: „Bewusstlos zum Glück“ ist ein überaus gelungenes, witziges Buch mit Absurditäten, Blödsinn und genau der richtigen Prise Beklopptheit. Tolles Autorendebüt! Ihr könnt aber auch alles, Freunde! Weiter so! Bis zum nächsten Interview, wenn ihr euren ersten Kinofilm gedreht habt.

(Dank an Onkel Fisch für das Interview!)

Der tausendjährige Hasselhoff

Nanu, wer schaut denn da so muskulös und fröhlich in die Kameralinse, ohne zu merken, dass sein Orangensaftglas Sekundenbruchteile nach dem Foto überlaufen wird? Es ist David Hasselhoff, die geile Peinlichkeitskoryphäe. Mit seinen Krausellocken, seinem unfassbar männlichen Körper und nicht zuletzt seiner großartigen Sopranstimme rettete er die DDR, Ertrinkende vor dem Tod und in „Knight Rider“ sogar sprechende Autos vor der Abwrackprämie. Wenn all die gemeinen Gerüchte stimmen, hatte Hasselhoff in diesem Lande mehr sehr viele Fans. Mehr als die ihm zustehenden drei oder vier. Unmöglich! Wie konnte das passieren? Im Geschichtsunterricht rätseln diejenigen, die zu seinem Karrierehöhepunkt gezeugt worden sind: er soll die Unzufriedenheit der Menschen ausgenutzt haben. Außerdem soll er clevere Propagandaminister (RTL, Pamela Anderson, Helmut Kohl) an seiner Seite gewusst haben. Zudem vermittelten seine Muskeln ein nicht mehr gekanntes Gefühl von Stärke. Ein Mann des Volkes eben! Genau das, was Deutschland zu dieser Zeit brauchte. Heute distanziert sich die Plebs: man habe ja gar nicht gewusst, dass da noch so viel Scheiße folgen würde! Und „Looking For Freedom“ haben nur die Nachbarn gekauft!

Doch nun ist alles zu spät: der Ruf Deutschlands ist auf lange Zeit ruiniert. Noch immer glauben vier Viertel aller Amerikaner, dass alle Deutschen David Hasselhoff lieben. Immer wieder versuchen die Deutschen, die Hasselhoffaffinität zu leugnen. Wöchentlich hängen die großen Elektronikmärkte die Verkaufscharts aus Amerika in ihren Geschäften auf, damit sich der Kunde im CD-Regal nicht vergreift. Lady Gaga, Rihanna und Eminem fliegen so mit zweiwöchiger Verspätung auf die höchsten Positionen in den VIVA Top 100, damit, falls ein Amerikaner mal versehentlich vorbeizappt, der Eindruck gewonnen wird, auch die Deutschen würden angesagte, coole Musik hören. Verzweifelt auch die mittelalte Frau, die mir auf dem Trödelmarkt ein spannendes, historisches Relikt aus dem Hasselhoff’schen Fundus für symbolische fünfzig Cent verkaufte: „Body Watch – Mein ganz persönliches Fitnessprogramm“ aus den frühen Neunzigern. Doch blättern wir doch gemeinsam ein paar Stunden in dem bunten Gutelaunebuch:

Auf 98 Seiten erklärt hier der Meister selbst, wie man es schafft, supercool und toll zu werden. Orangensaft und zu enge grüne T-Shirts mit Hosenträgern sind da nur zwei Tipps. „Liebe Freunde!“ schreibt er gleich zu Beginn. Schnelles Ankuscheln an den Leser; Wahnsinn, ein cleverer Menschenverführer, dieser Hasselhoff. Scheint ja doch ein netter Kerl zu sein. Anschließend zwei Seiten bescheidene Lobhudelei:

„Als ich noch ein Kind war, träumte ich davon, einmal ein Rock-Star zu sein. Ich hätte mit jedem gewettet, dass ich es schaffe. Und ich habe es geschafft. Dann träumte ich davon, einmal ein berühmter Schauspieler zu werden. Ich habe es geschafft!“ (Seite 7)

Respekt! Einer, der sich durchbeißt! Kein Wunder, dass die Berliner Mauer keine Chance gegen Muskeldavid hatte! Es folgen viele wichtige, bisher unausgesprochene Weisheiten. Joggen ist gesund. Wasser trinken ist gesund. Skateboarden ist cool. Muskeln sehen tierisch geil aus. Klimmzüge sind männlich. Fotos im Whirlpool steigern die Buchauflage Woher wusste Hasselhoff das alles? Üblicherweise bekommen Menschen die Weisheit doch erst gleichzeitig mit den grauen Haaren. Aber wer denkt, dass der schlaue David deswegen immerzu froh war, der täuscht sich:

„Es half mir wenig, dass ich bei den Girls recht gut ankam, denn das förderte erst recht den Neid meiner Klassenkameraden.“ (Seite 19)

Der endgültige Beweis: ja, ein feiner Kerl, dieser David! Hallo Jugendliche und Junggebliebene der 90er, ich kann euch alle verstehen! Prima, der Hasselhoff, wirklich prima! Und auch hier eine Erklärung dafür, wie er es schaffte, das geteilte Deutschland wieder zusammenzupuzzeln: mit neidischen Heinis hatte er bereits in seiner Jugend einige Erfahrungen gemacht.

In seinem Buch erklärt der Chefdenker dann noch ein bisschen, wer und was ihm alles dabei hilft, Welt und Universum zu retten: Disziplin, grenzenloser Wille, Heinz Altieri. Altieri war zu dieser Zeit Hasselhoffs Fitnesstrainer, aber noch schöner ist es, wie dem Leser dieses Faktum mittels einer Bildunterschrift untergejubelt wird:

„Fitnesstrainer Heinz Altieri. Er bringt David „in Form“.“ (Seite 24)

(Weil ich keine Lust mehr habe, überspringen wir ein paar Seiten und finden uns am Ende des Buches wieder:) Und jetzt, wo David dank Sport und Orangensaft „in Form“ ist, kann er endlich auch so tun, als wäre er ein echter Rettungsschwimmer. Im hinteren Teil des Buches warten dann also die schönsten Aufnahmen des Ausnahmemenschen Hasselhoffs auf weibliche und homosexuelle Leser: David joggt und schwimmt sinnlos (und oberkörperfrei) durch Malibu! Gewiss könnte ich auch diese Fotos abfotografieren, aber wer am halbnackten Hasselhoff interessiert ist, soll sich die Hasselhoffbibel selber kaufen. Aber nachher nicht wieder so tun, als wärt ihr unschuldig! Don‘t hassel the Hoff! Vielleicht hat die Nachbarin ja noch ein Exemplar unter dem Ehebett. Oder ihr Ehemann.

Danke für alles, David Hasselhoff!

Schön, wenn man liebt, was Sven Regener einem gibt

Das Video ist „nur“ ein Puzzle von Szenen aus „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, doch neben dem Soundtrack kann ich auch den Film uneingeschränkt für eure DVD-Sammlungen vorschlagen. Früher habe ich mal gesagt, dass ich zwar wüsste, dass Element of Crime gute Musik machen würden, ich mich aber zu jung dafür fühle. Alteleutemelancholiescheiß und so. Nun finde ich den aber ziemlich knorke. Und das kann ich schön mit einem Zitat aus oben genannten Film garnieren: „Ich bin zu alt für mein Alter“. Mist?

Mein Nachbar, die Bestie

Hallo Gesellschaft. Verzeihung. Ich muss jetzt kurz gute Launen und grinsende Gesichter gefährden, aber bitte das hier mal angucken:

Schon eine Leistung, Herr Rechtsanwalt, wenn der schrecklichste Mensch bei „Markus Lanz“ mal nicht der Gastgeber selbst ist. Und ich möchte die Nazikeule heute ausnahmsweise mal nicht schwingen, aber was die Dame da am Ende des Beitrages zeigt, ist ebenfalls sehr gruselig.

Immer wieder Müll

Le voyage dans la lune

Es war mal wieder ein spaßiger Tag auf dem Mond gewesen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob man überhaupt von einem Tag sprechen kann. Denn ich flog so schnell, dass ich die Zeit überholt habe, so dass ich letztlich nur wenige Erdenminuten unterwegs war. Doch das würde nun zu weit führen. Meine Reise tat ich allein. Mondreisen sind erstaunlich unpopulär, nie möchte jemand mitfliegen, immerhin gibt es dadurch während des Flugs nie Stau. Weil ich schon so oft auf dem Mond gewesen bin (und der Mond leider nicht so viele Sehenswürdigkeiten bietet wie zum Beispiel Rom, Hannover oder New York), muss ich mir immer wieder was Neues zum Zeitvertreib einfallen lassen. Einmal nahm ich einen großen Granitfelsen mit und habe den dann dank Schwerelosigkeit ein bisschen hin und her geschossen, das war ganz witzig. Ein anderes Mal habe ich meine Gitarre mitgenommen und springend „Man on the Moon“ von R.E.M. gespielt. Ich würde gern mal ein Konzert auf dem Mond geben, aber wie bereits erwähnt, ist es dort ziemlich menschenleer (nur ein einziges Mal traf ich den urlaubenden Schauspieler Matthias Matschke, bekannt durch „Pastewka“, „Ladykracher“ und seinen Wikipedia-Eintrag) und in fast jeder Fußgängerzone Eurasiens hätte ich mehr Publikum als auf dem Mond. Doch der Mond als Location hat ein ganz besonderes Feeling, in wenigen Jahren wird er ein echter Insidertipp sein. Darauf verwette ich meine Kronkorkensammlung!

Viele Filme haben versucht, den wunderbaren Ausblick, den man hat, wenn man auf der Mondoberfläche spazieren geht, einzufangen. Zum Beispiel der Filmklassiker „Die Reise zum Mond“ von Georges Méliès aus dem Jahre 1902, dem ich folgendes Wort widme: Applaus! Was für Vorstellungen die Leute damals noch von Mond und Mondreise hatten – und schade, dass wahrscheinlich kaum ein Darsteller im Film, geschweige denn Méliès selbst, den ersten Mondbesuch des Menschen im Jahre 1969 miterlebt haben wird. Aber mal ehrlich, selbst Neil Armstrong und Buzz Aldrin wissen einen Scheiß über den Mond. Wie oft waren die zwei Angeber denn auf dem Mond? Ich weiß nicht mal, ob sie häufiger als ein einziges Mal dort waren. Und sagt jemand, der mal für einen Tag in Köln war und sich den Dom angeguckt hat, dass er sich in Köln super auskennt? Nein. Eben. Ich war schon so oft auf dem Mond, ich darf mir erlauben, mich einen Kenner (oder Auskenner) des Mondes zu nennen. Würde Marco Polo einen Mondreiseführer erstellen, wäre ich der erste Ansprechpartner. Geheimtipp: nach dem dritter Krater links und dann auf die Erde gucken. Ganz viele kleine Kontinente und Länder; sogar Russland, ganz winzig!

Tööööör!

Gerade auf 3sat. Habe den 1ö1. Teil nicht gesehen, aber 1ö2 ist prima.

They Don‘t Care About Us

Bei Süddeutsche.de kann man derzeit schreiben, was alle interessiert: „Wo waren Sie, als Michael Jackson starb?“. Ich dachte mir, man könnte der Redaktion ja mal mit einer Quatschantwort zeigen, was man von so einer Quatschfrage hält, aber huch, nun bin ich „Beitrag 57″.

Scheinbar ist den Leuten bei der SZ egal, was die Leute da so schreiben – hauptsache man bekommt eine neue Klickstrecke gebastelt. Pfui.

WM-Rätseln mit BILD.de

Jetzt, gerade, in dieser Sekunde und vielleicht auch noch in zwei danach: ein schönes Rätsel auf BILD.de. Bin noch am Knobeln.

Viva la Eurovision (Nachtrag: Viva Lena!)

Ich bin ein sehr großer Freund des Eurovision Song Contests. Es fällt mir regelmäßig schwer, meine Begeisterung für diesen Wettbewerb glaubhaft rüberzubringen und weil ich ja sowieso so lustiger Schelm bin, halten das viele für einen Scherz meinerseits. Hehe, der Johannes, der Spaßvogel. Nein. Allen habe ich heute abgesagt; ich werde mir heute die komplette Show ansehen. Ich habe mir auch schon fast alle Beiträge bei YouTube angesehen, dazu verfolge ich den sehr sehr guten Oslog von Niggemeier und Heinser. Wieso? Ich versuche das jetzt mal anhand des irischen Beitrages von 2008 zu erklären, der damals leider bereits im Halbfinale ausgeschieden ist. Nicht erschrecken, bitte.

Das ist Dustin the Turkey, vergleichbar vielleicht mit Bernd dem Brot, nur bissiger. Und Dustin nimmt in diesem bescheuerten Song so unfassbar viel auf die Schippe: alte, irische Eurovision-Beiträge (Johnny Logan, zweifacher Sieger in den 80ern), den (erstmals beim Songcontest 1994 als Pausenaufführung präsentierten) „Riverdance“, die angebliche Ostblockmafia und natürlich nicht zuletzt sich selbst. Der Beitrag ist einfach nur Quatsch, tanzbarer Unfug mit dem ausgestreckten Mittelfinger. Ihr könnt uns alle mal am Arsch lecken, wir wollen Party! Wenn ich in diesem Video die vielen, vielen Flaggen sehe und wie die Leute einfach nur gemeinsam feiern, dann glaube ich, dass der Eurovision Song Contest genau so sein sollte. So ist er aber nicht. Der eigene Beitrag wird vor allem von den Massenmedien in einer unfassbaren Omnipräsenz in den Himmel gelobt, den osteuropäischen Ländern wird Punkteschieberei vorgeworfen (ob sich in Aserbaidschan jemand darüber beschwert, dass Spanien dem deutschen Beitrag regelmäßig 12 Punkte zukommen lässt, weil Mallorca?) und wenn das zweite Halbfinale, bei dem deutsche Zuschauer nicht stimmberechtigt waren, erstmals live im deutschen TV – wenn auch nur auf einsfestival – übertragen wird, dann gibt es trotzdem noch Leute, die sich darüber beschweren.

An sich ist es ja schon merkwürdig, dass bei der größten Musikveranstaltung der Welt nicht die jeweils besten Sänger des Landes auftreten. Aber auch das macht nichts. Mir reicht es, wenn da „irgendwer“ auf der Bühne steht und mich möglichst noch in Landessprache singend ein bisschen unterhält. Im zweiten Halbfinale sind in diesem Jahr acht Länder mit englischen Beiträgen weitergekommen, dazu Israel (Hebräisch) und, okay, Irland mit einem englischen Titel. Damit sind im Finale nur fünf von fünfundzwanzig Songs nicht auf Englisch, der serbische Beitrag mischt Serbisch mit Englisch. Das ist doch irgendwie: doof. Denn so ist der belgische nicht vom georgischen Beitrag zu unterscheiden. Ich bin dagegen, diese Entwicklung wieder mit straffen Regeln aufzuhalten (1966-72, 77-98 gab es sie) ; die Länder sollen bitte selber merken, dass der Contest zu einem großen Musikmatscheinheitsbrei verkommt. Man erhofft sich, durch das Singen in Englisch bessere Siegeschancen zu haben und so rückt das Gewinnen in den Vordergrund – für eine Unterhaltungssendung sicher nicht förderlich.

Daher bin ich auch so froh darüber, dass Deutschland in diesem Jahr Lena Meyer-Landrut ins Rennen schickt. Ich brauche sie hier nicht mehr mit den inflationär gebrauchten Adjektiven (süß, frech, toll) anpreisen, wer ein guter Mensch ist, weiß, dass sie wunderbar ist (auch wenn ihr Song nur so mitteltoll ist). Sie verkörpert genau diese egal-naive Spaßhaltung, die ich mir für die gesamte Show wünschen würde: tut keinem weh und macht Laune. Und wenn diese okayen Stücke dann noch mit Blödsinn wie dem Dustin-Beitrag garniert werden würden, dann wäre ich auch nicht der einzige Freund dieser Veranstaltung. Oder guckt das außer mir noch jemand? Und damit ich mich heute Nacht besser fühlen kann, hier meine Tipps:

Sieger: Aserbaidschan, Belgien oder Serbien
Außenseiterchancen: Deutschland, Frankreich und Armenien (ihr werdet sehen, wieso.)
Letzter Platz: England oder Dänemark

Auf ganz viele wehende Fahnen, tolle Musik (hehe.) und zwölf Punkte aus Spanien! Viva la Eurovision!

Nachtrag:
Ach du Scheiße, Lena!! Ich erinnere mich noch sehr gut an das letzte Jahr, wo man schon überall lesen konnte, dass man doch aufhören sollte mit dem Song Contest, weil Punkteschieberei und blablabla. Jetzt viele westeuropäische Länder weit vorne und Deutschland hat gewonnen. Unfassbar. Genugtuung! Freude! Lena! Habe übrigens für Belgien angerufen (Spanien und Zypern waren auch prima). Aber wen interessiert das. Lena!! Toller Abend. Prost!

Guten Morgen!

(aus dem Film „Factotum“, der auf dem gleichnamigen Roman von Charles Bukowski basiert. Applaus!)

„1000 Wege zum Faschismus“

Am gestrigen Abend gastierten Guido Westerwelle, Andreas Pinkwart und unbedeutende FDP-Regionalpolitiker im Krefelder Seidenweberhaus. In der Innenstadt hängen daher seit Wochen gelb-blaue Plakate, die die Bevölkerung zu dieser Veranstaltung einluden – auch die Regionalpresse verbreitete, dass diese Wahlkampfveranstaltung „öffentlich“ und „kostenlos“ sei. Natürlich wollte auch ich in die neoliberale Hölle besuchen – jeder weiß, dass ich eine Schwäche für Spaßparteien und Realsatire habe. Ich habe mir sogar Edding, titanic und Mohnbrötchen (lecker!) mitgenommen. Doch nö.

Eine halbe Stunde vor Beginn spazierten wir (G., L. und ich) über den Theaterplatz vor dem Seidenweberhaus. Zahlreiche Polizisten mit ganz vielen schicken Sternen auf der Jacke, ein Informationsstand der Deutschen Kommunistischen Partei und ein paar Demonstranten in „spätrömisch-dekadenter“ Bekleidung (Toga, Lorbeerkranz). Ich ging in Richtung Eingang und hatte natürlich keine Zweifel daran, dass mir der Eintritt verwehrt werden würde. Ich sagte „Hallo!“ und der Türsteher „Nein, kein Einlass“. Ich begann eine Diskussion darüber, wieso ich ohne Nennung von Gründen von einer öffentlichen Veranstaltung ausgesperrt würde, da spazierten nach und nach auch immer wieder Leute in den Saal. Hier selektierte die Security sehr grob: alte Leute wurden einfach durchgewunken und Leute, die jünger waren als siebzig, die mussten wenigstens noch ihren FDP-Mitgliedsausweis parat haben. Der Großteil der „Ausgeschlossenen“ war entweder jugendlich (Jung- und Erstwähler!) oder nicht im Anzug. Später bekam ich zu hören, dass der Saal nun voll sei und nur noch FDP-Mitglieder hineingelassen würden.

Ich kann nachvollziehen, wenn sich der Veranstalter Gedanken darüber macht, dass niemand randaliert oder die Sicherheit des ja doch nicht so unwichtigen Guido Westerwelle gefährdet. Doch darum ging es gestern nicht.

So wendete ich mich an die Polizei. Die sprach davon, dass die FDP nur von ihrem Hausrecht Gebrauch mache, der Securitydienst nur seinen strengen Anweisungen folge und man hier machtlos sei. Ein Polizist gab an, dass er diese Selektion ebenfalls als „extrem falsch“ ansehe, aber er könne eben wie seine Kollegen nichts dagegen tun.

Also wendete ich mich an die Presse. Drei Männlein mit gelb-blauen Presseschildchen erzählten mir, sie seien vom WDR und es wäre ihre Aufgabe, ein paar schöne Jubelbilder von Guidos Rede für die Wahlsondersendung am Sonntag zu drehen. Als ich erwähnte, dass man ja auch über die diffamierende Selektion der Anwesenden berichten könne, fügte er hinzu: es sei heute die einzige Aufgabe, ein paar schöne Jubelbilder zu drehen. Mit meiner Geschichte solle ich doch zu den Printmedien gehen, der WDR sei für sowas nicht zuständig. Öffentlich-rechtliches Fernsehen 2010. Was war eigentlich nochmal Journalismus?

Nur wenige der Leute, die abgewiesen worden sind, blieben auf dem Gelände – es war wie Freitagabend vor der Disco. Du kommst rein, du nicht. Du trägst Sandalen, Tschüss. Bei einer öffentlichen Wahlkampfveranstaltung. Um uns herum standen Mitglieder der NRW-LINKEN und die konnten uns berichten, dass sie selbst vor einiger Zeit NPD-Mitglieder den Eintritt zu einer linken Veranstaltung gewähren mussten, das sei gesetzlich so. Einer sagte, er werde den Securitydienst verklagen. G. sagte, er fühle sich nun wie ein Hund. Ich sagte, man müsse nicht die Veranstaltung vor mir schützen, sondern mich vor dem Grundgesetz. Und einer schrieb mit Kreide „1000 Wege zum Faschismus“ auf den Boden.

Was ich gestern erlebt habe, hat mein Demokratieverständnis und Freiheitsdenken zutiefst eingeschränkt. Ich dachte wirklich, ich hätte das Recht, mir anzuhören, was ein paar Politiker zu sagen haben, doch nun habe ich erlebt, wie manchen Leuten der Zugang wegen Äußerlichkeiten verwehrt wurde. Es wurden bewusst nur die Leute hineingelassen, die das abfeiern würden, was die FDP-Wichtigmänner zu sagen hatten. Wen haben die Worte von Westerwelle und Pinkwart erreicht? Hauptsächlich alte Leute und FDP-Mitglieder. Hatten diese Leute es nötig, sich anhören zu müssen, was sie längst wissen? Oder hätte man besser Leute hineingelassen, die das Gesagte noch nicht kennen oder möglicherweise auch noch kritisch hinterfragen würden? Ach, was rege ich mich eigentlich darüber auf. Alle sind sie zufrieden mit dem gestrigen Abend. Westerwelle und Co. haben nur Leute getroffen, die mit ihnen kuscheln wollten, das Publikum durfte „ihren Guido“ sehen und die Presse, nun ja:

RP-Online

(RP-Online hat die Überschrift inzwischen geändert.)

Bisher mochte ich die FDP einfach nur nicht. Nun habe ich endlich einen Grund, sie zu hassen.

Living in a Magazine

Das „WiiMagazin“ (ehemals NGames) hat vor etwa drei Jahren, als in meiner „Videospiel-Phase“ war, mal einen Leserbrief von mir abgedruckt. Es ging um irgendwelche egale Scheiße und ich habe mich damals redlich bemüht, in meiner Wortwahl möglichst frech und lustig zu wirken. Habe die Ausgabe leider und zum Glück nicht mehr hier rumfliegen, aber es muss grausam gewesen sein. Ich wollte nicht mal ernsthaft was wissen, ich hatte ja auch das allwissende Internet, ich wollte einfach nur mal in die Zeitung. Habe ich geschafft, aber so lief es nicht immer: Jahre zuvor habe ich mal einen Witz (ich weiß noch welcher es war: was ist ein Reiter ohne Pferd? Ein Sattelschlepper, hehe.) an die „Micky Maus“ geschickt, ich wartete aber vergeblich auf mein Erscheinen auf der Witzeseite. Und an das („gute, alte“) Yps-Heft – ja, das mit den Urzeitkrebsen – habe ich auch mal geschrieben, ich glaube irgendeinen Gruß, aber der wurde auch nie gedruckt.

Meine größten Erfolge hatte ich aber in der „KidsZone“. Als die Pókemon gerade extrem groß und geil und toll und beliebt und omnipräsent waren, rief diese aus heutiger Sicht unfassbar schlechte Zeitschrift einen Wettbewerb aus, in dem es darum ging, eigene Monster zu zeichnen. Habe natürlich mitgemacht, „Zenus“ gemalt und ein paar Wochen später gab es das Viech als Sammelkarte auf Pappe in der Heftmitte. Wäre ich damals geschlechtsreif gewesen, ich hätte wahrscheinlich spontan ejakuliert, so froh war ich. Leiderleiderleider habe ich diese beschissene Karte heute nicht mehr und im KidsZone-Forum konnte man mir auch nicht helfen, als ich dort vor über drei Jahren nach einer Karte aus dem „KZ-Kartenspiel“ gesucht habe. „KZ-Kartenspiel“ für „KidsZone-Kartenspiel“, darauf muss man erstmal kommen! Mein Monster war ziemlich langsam und schwach, dafür extrem schlau. Vielleicht trägt es deswegen einen Namen, der ein wenig an meinen Zweitnamen Zeno erinnert. Zeno, Zenus – ich war sehr kreativ. Hoffentlich finde ich die Karte nochmal irgendwo. Hat die zufällig jemand von euch?

Irgendwann in 2003 startete das selbe Blättchen die „KidsZone-Show“, eine Art Radioshow auf CD, moderiert von zwei Kindern. Es gab Hörspiele, Kulturnews und all so Spökes. Und eine Grußecke, für die man anrufen konnte. Ich rief einmal an, grüßte „Hallo hier ist Johannes aus Krefeld und ich grüße alle die mich kennen“ und war damit auf einer der CDs drauf. Ich war elf oder zwölf Jahre alt und verdammt aufgeregt. Fürchte, meine elfsekündige Grüße hat niemanden erreicht. Aber ich war dabei! Seid ihr auch mal in irgendeiner Zeitung gewesen? Nicht, dass es mich irgendwie interessieren würde. Nur so.

KAUFEN!!!!!!!!!!!

Ich bin ja nicht nur ein exzellenter Witzeerzähler, Musikkritiker und Faulpelz, sondern auch ein preisgekrönter Schauspieler. Wahrscheinlich nicht zuletzt durch meinen imposanten Gastauftritt hat der beste Kinofilm aller Zeiten im letzten Jahr den „kulturnews-Entertainment-Award“ erhalten. Kenne diese kulturnews nicht, aber den Preis vergeben sie dennoch völlig zurecht, denke ich! Und wer verpasst hat, wie ich im Film Suppe esse, doof rumstehe und ein Martin Sonneborn-Poster aufhänge, der kann das JETZT nachholen und ZWAR imdem er die NEUE DVD vom PARTEI-Film bei AMAZON vorbestellt und SICH dann am 26. März wahnsinnig FREUEN darf. Voll guter Film! Kaufen. Danke.

Die PARTEI – Der Film kaufen bei Amazon (für nur etwa 16,99 Geld!)

Bei Menschlichkeit sparen (Nachtrag)

(Quelle; es darf davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um den echten Herrn Zwegat handelt.)

Nachtrag, 12.01.2010:
Stefan Niggemeier hat mich per Mail darauf aufmerksam gemacht, dass er beim Produzenten Zwegats nachgefragt habe, ob es sich hierbei um den echten Herrn Zwegat handle: und der sagt nö, isser nich. Dann eben nicht.

Nein zum Rückblick!

Ich hasse Jahresrückblicke, ich hasse Jahrzehntrückblicke, ich hasse klugscheißende Kommentare über die wichtigsten Ereignisse in den letzten Jahren und Monaten, ich hasse Sachen „Revue passieren lassen“, ich hasse die Bilder des Jahres, ich hasse Günther Jauch in seiner komischen alljährlichen RTL-Show, ich hasse die fünfzig besten Alben des Jahres, ich hasse egale Statistiken über jeden Scheiß, ich hasse die zwölf wichtigsten Bücher des Jahrzehntes, ich hasse die lustigsten TV-Pannen in 2009, ich hasse die zehn größten Comebacks, ich hasse die hundertste Wiederholung der Rede Obamas und ich hasse das SPIEGEL-Sonderheft zu diesem Jahr, das übrigens ja auch noch einundzwanzig Tage alt ist, was für ein Scheiß.

Was alles so passiert ist? Weiß ich doch selber. Idioten!

Und sowas war mal BRAVO!

Früher, also vor rund sieben Jahren, gehörte ich einer extrem kleinen Randgruppe, ich möchte sogar sagen einer vernachlässigbaren Minderheit an. Denn: ich habe mir damals die BRAVO gekauft, weil ich mich mit diesem Heftchen über die Musikwelt informiert habe.

Das ist die Stelle, an der der Leser laut über mich lachen darf.

Denn es stimmt. Ich war einer von schätzungsweise sieben Menschen, die das Jugendmagazin nicht wegen den Dr. Sommer-Seiten gekauft hat. Die habe ich immer übersprungen, ich weiß gar nicht mehr so genau wieso, es war wohl eine Mischung aus Desinteresse und Scham, aber damals waren ja sogar die jüngsten Fragesteller an Dr. Sommer noch ein oder zwei Jahre älter als ich, ich war sozusagen noch nicht Zielgruppe. Dafür wusste zu dieser Zeit alles über Jeanette Biedermann, Bink 182 und Konsorten, ha. Habe auch die „Bravo Hits“-CDs oft gekauft Und weil ich Charts so toll fand, habe ich mir immer meine eigenen Listen mit aktuellen Favoriten erstellt; das war die Zeit, in der ich sogar haufenweise Singles gekauft habe, was ich heute gar nicht mehr nachvollziehen kann, ich war wahrscheinlich reich und wusste es nicht.

Wieso erzähle ich euch das? Gestern musste ich aus Gründen ein bisschen Zeit in der Innenstadt verschwenden und da fiel mir ein, dass ich mal in den Second-Hand-Buchladen gehen wollte. Habe dort dann eine alte Kiste Bravo-Heftchen gesehen, und weil diese nach Jahrgängen sortiert waren, ahnte ich schon, dass ich wohl sogar noch mehr dafür zahlen musste als damals am Kiosk. Die 2001er-Kiste war ja schon recht spaßig, weil wie ein Ausflug in die noch gar nicht so ferne Kinderheit, aber dann lachte mich dort in einer hinteren Ecke eine andere Kiste mit noch fernerer (und sogar nicht mal selbst erlebter) Kindheit an! 1978! Geil! Ein äußert guter Jahrgang. Fand auch der Verkäufer, er wollte drei Euro pro Ausgabe. Meine Güte! Wucher.

Konnte ihn dann mit Charme und aufgesetzter Freundlichkeit dazu bringen, mit mir zwei Bravo plus zwei Bukowski-Bücher (für Interessiert: „Die Ochsentour“, „Hollywood“) gegen einen Zehneuroschein zu tauschen. Die Bücher habe ich aus Zeitgründen noch nicht mal durchgeblättert, aber für die tolle BRAVO vom 1. Juni 1978 hatte ich natürlich noch ein bisschen Zeit. Auf dem Cover (das man hier sehen kann. Aus Schiss vor Copyright und dem ganzen Kram verlinke ich vorsichtshalber nur.) ist ein springender Gitarrenkerl in Unterhose und weißen Schuhen und Socken. Er ist „der tollste Typ von Status Quo“ und heißt Rick Parfitt, nie gehört. Kenne aber auch die anderen Gestalten von Status Quo nicht. Ihr wollt sicher gerne wissen, was es im Heft so alles zu entdecken gibt? Whatever you want! Hier mal ein paar Leckerbissen. Plus Doktor Sommer.

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Die Echten!

Wollte ich mal gezeigt haben: vier Anzeigen für die einzige Zigarettenmarke, dessen Name außerhalb Frankreichs kein einziger Mensch fehlerfrei aus dem Kopf heraus schreiben (geschweige denn sprechen) kann: „Gauloises“. Die wunderschönen, Din-A4-großen Anzeigen sind aus 1964-er-Ausgaben der Satirezeitschrift „Pardon“, erstanden auf dem Trödelmarkt. Très chic! Hängen jetzt an einer Schranktür in meinem Zimmer:

(Hinweis für „früher war alles besser“-Finder: damals kosteten 20 Kippchen nur 1,70 Mark und galten noch nicht als ungesund.)

Kai Diekmann, Karl Marx und ich

Quelle: pixelio.deIrgendwann muss doch mal jemand merken, wie cool ich bin. Ich sitze mit einer aufgefalteten Ausgabe der coolen, weil links-alternativen „taz“ – es ist die vom gestrigen Tage, doch das weiß außer mir niemand – auf der Parkbank und tue so, als würde ich die interessanten Texte über soziale Ungerechtigkeit, SPD1 und Kai Diekmanns Penis2 wirklich ernsthaft lesen. Aber in Wirklichkeit bin ich auf der Suche. Auf der Suche nach interessanten Menschen, die sehen, dass ich die links-alternative, weil coole „taz“ lese und deswegen denken, sie müssten mit mir ein Gespräch über Mindestlöhne und Karl Marx beginnen. Der gute alte Trick eben. Rumsitzen, cool sein, von coolen Leuten angesprochen werden.

So die Theorie. Bringt natürlich viele Gefahren mit sich; zum Beispiel die, dass Rechte oder BILD-Leser zu mir kommen. Oder die allergrößte Gefahr, dass einfach niemand kommt, weder die coolen, noch die uncoolen Menschen und dann bleibe ich alleine. Seit rund vierzig Minuten sitze ich hier nun schon, keiner beißt an. Selbst auf die Leute zugehen fällt natürlich flach, weil viel zu kompliziert und nachher wissen die Angesprochenen nicht mal, wer Kai Diekmann ist. Solche Gespräche wären selbstredend Zeitverschwendung, ich will ja nur interessante Menschen kennen lernen. Das Geschlecht spielt dabei nur eine sekundäre Rolle, dennoch gehe ich bei potentiell coolen Männlein und Weiblein unterschiedlich vor. Wenn Männer an mir vorbeilaufen, schlage ich die Sportseite auf und mache ein Bundestrainer-Gesicht. Wenn Frauen an mir vorbeilaufen, schlage ich die Armut in Uganda-Seite3 auf und gucke traurig.

Beides hat bisher noch keine Erfolge feiern können, doch ich gehe fest davon aus, dass das irgendwann zum Ziel führen wird. Dabei lasse ich mich nicht von der andauernden Erfolgslosigkeit beeinflussen: seit zwei Jahren mach ich den Quatsch jetzt schon4 und mein größter Triumph war eine gar nicht so ungelungene Realschülerin, die mich nach der Uhrzeit gefragt hat! Der Nächste fragt sicher nach meiner Telefonnummer. Dahinten kommt schon jemand! Eine Frau! Schnell, Seite fünf, Uganda.

  1. taz vom 17.11.09, Seite 2
  2. taz vom 17.11.09, Seite 14 (oder hier)
  3. taz vom 17.11.09, Seite 5
  4. Selbstredend erfunden. Wie die ganze Geschichte. Nur damit niemand austickt, sich wundert oder so.

Ja, ja, ja, wieso?

Fernsehen war in den letzten Tagen gewohntermaßen nicht der ganz große Spaß. Auf jedem Sender lief irgendein bescheuerter Scheiß; genauer gesagt war es eben dieser Scheiß, den man zwar guckt, aber trotzdem nicht umschaltet. Vielleicht, weil man was zum Erzählen haben will („Kerner war gestern wieder so scheiße!“) oder aus Faulheit oder aus Gewöhnung. Kommt ja immer das Gleiche, jede Woche, selbe Uhrzeit. Es gibt da zum Beispiel so eine Sendung, in der hässliche und dumme Menschen andere hässliche und dumme Menschen treffen und die sich dann gegenseitig lieben. Unterlegt mit Radioschnulzen. Mein RTL! Und in der Werbepause kommt Barthmario und wirbt für seinen Markt, den ich sogar aus Versehen diese Woche besucht habe, aber ganz ehrlich nur, weil es dort die neue (sehr, sehr gute!) Stromberg-Staffel für unverschämt preiswerte 9,90€ zu kaufen gab. Aber ich schweife ab. Immer gut man TV, man konsumiert, konsumiert und weiß nicht wieso! Und dann konsumiert man auch noch das Zeug aus den Werbepausen! Es ist ein Teufelskreis. Wir sind alle Sklaven und doof und überhaupt! Nächste Woche Montag bei Kerner auf Sat1. Und ich bin auf der Couch sitzend dabei. So eine bescheuerte Scheiße!

Ich muss mal wieder irgendein gutes Buch lesen. Irgendwelche Vorschläge?

Three seconds of fame

Man sagt, heutzutage habe jeder so seine paar Sekündchen Berühmtheit. Oder, um es auf coolem Englisch zu sagen: you have your ten seconds of fame! Und jetzt, jetzt gilt es auch für mich: juhu! Der Filmemacher Eric Siebert hat nämlich eine komplette Dokumentation über meinen Blog gedreht! Also fast. Neben den handgestoppten drei Sekunden, in denen mein sehr, sehr guter Blog (bzw. dieser Artikel) als Beispiel für journalistische Glanzleistungen zu sehen ist, gibt es drumherum auch noch rund 44 Minuten und 57 Sekunden lang einen Rückblick auf das diesjährige Melt!-Festival.

Bald kommt die Dokumentation wohl auch ins Fernsehen, ich persönlich rechne mit einem Sendeplatz zur besten Sendezeit, 20:15 Uhr, samstags, in ARD und ZDF gleichzeitig oder so. Auch wenn RTL-Kameras zu sehen sind und scheinbar eine Ausstrahlung bei n-tv im Gespräch ist. Bin gespannt! Und bis dahin kann man sich die prima Doku aber auch online ansehen. Zum Beispiel und ausschließlich hier:
http://www.meltdoku.de/

(etwa bei 35:44 Uhr, wo Dirk Völlner von der INTRO irgendwas erzählt, ist der große Moment. Man kann sogar den Blognamen lesen, ich erwarte also etwa siebentausenddreiundvierzig neue Besucher und Fans auf diesen Seiten. Juhu!)

Voll indie, ey!

Fünfhundert!

Zimmer frei! Bild: WDRIch habe mein heutiges Erscheinen auf sämtlichen Partys, zu denen ich sowieso nicht eingeladen war, abgesagt. Denn die größte Fete steigt heute im WDR: „Zimmer frei!“ mit der wunderbaren Christine Westermann und dem sonderbaren Götz Alsmann feiert seine 500. Sendung! Juhu! Die derzeit beste öffentlich-rechtliche Unterhaltungssendung, ich schaue sie jede Woche, wirklich. Liegt auch am duften Moderations-Duo: auf der einen Seite die stets charmante Frau Westermann, die sich ja gerade erst mit meinem PARTEI-Bundesvorsitzenden Martin Sonneborn angefreundet hat, und auf der andere Seite Herr Alsmann. Ja, das ist der mit der Frisur. „Götzimausi“ hat manchmal das Problem, dass er den elitären Intellektuellen ein wenig zu sehr raushängen lässt, aber das sei ihm verziehen, weil er ein guter Musiker und ein noch besserer Entertainer ist. Außerdem ist er einer der wenigen noch im Fernsehen saufenden Menschen in 2009 und das ist sehr gut. In diesem Sinne: Prost, Zimmer frei! Auf dich, mein televisionärer Freund.

Heute, Sonntag, im Westdeutschen Rundfunk ab 21:45 Uhr: die supergroße „Zimmer frei!“-Nacht! Angucken, ich guck mit.

Unehrlich gesagt

Sepp Krätz, seines Zeichens irgendein wichtiger Festzeltwirt auf dem Münchener Oktoberfest, will Michael Jacksons Vater Joe Jackson (80 Jahre alt) nicht in sein lustiges Festzelt „Hippodrom“ lassen. Als Grund gibt er laut stern.de Folgendes zu Protokoll: „Man kann doch nicht fröhlich feiern und mitschunkeln, obwohl das eigene Kind vor Kurzem gestorben ist. Wer den Anstand verletzt, ist bei uns fehl am Platze.“ Mein Gott, Seppl, du musst dir nicht so einen Quark ausdenken, schließlich weiß doch jeder, dass Trauern nicht genormt ist und erst recht nicht vorgeschrieben werden darfsollmuss: also sag doch einfach frei heraus, dass du keine Neger in deinem Partyzelt haben willst. Wäre viel einfacher, hm?

Knallhart nachgefragt #1

Ich schrieb gestern Abend:

Hallo liebe TV Spielfilm-Redaktion,

ich wollte mal wissen, wann das letzte Mal keine vollbusige Schönheit auf dem Titel Ihres Heftchens zu sehen war, also z.B. ein Mann oder so was Abwegiges.

Mit freundlichen Grüßen in die Redaktion und an den Praktikanten, der das hier lesen muss,
Johannes F.

Und bereits heute Mittag erhielt ich folgende Antwort:

Lieber TV SPIELFILM-Leser,

zunächst einmal vielen Dank für Ihre Mail an das TV SPIELFILM-Team.

Nun zur Titelseite, auf der Sie sich hin und wieder auch mal ein männliches Wesen wünschen – was ich übrigens sehr gut nachvollziehen kann:
Einleitend darf ich Ihnen versichern, dass wir Ihre kritische Stellungnahme begrüßen.
Erlauben Sie mir, die Position unserer Redaktion etwas eingehender zu erläutern, auch wenn Sie vielleicht schon vermuten, was nun kommen wird:

Aus einer marktwirtschaftlichen Perspektive ist umissverständlich zu beobachten, dass unsere Verkaufszahlen sinken, sobald wir etwas anderes als die von Ihnen kritisierten Damen auf den Titel holen. Grundsätzlich stellt sich allerdings die Frage, inwieweit uns die gesellschaftlichen Konventionen – andere Publikationen, Fernsehen, Kino etc. – und wirtschaftliche Zwänge nicht einen gewissen Rahmen vorgeben, den wir nicht ohne weiteres ignorieren können. Wir befinden uns in keinem medialen und ökonomischen Vakuum, sondern sind Bestandteil eines gesellschaftlichen und publizistischen Systems, das Vorgaben macht, denen auch wir in verschiedener Hinsicht entsprechen müssen.

Abschließend darf ich Ihnen versichern, dass wir inhaltlich stets bemüht sind, sexistische Stereo-typisierungen und Klischees zu vermeiden. Dies erklärt sich schon aus unserer redaktionellen Zusammensetzung. Mit einem etwas freizügigeren Cover ist es uns damit möglich, ein ansonsten durchaus kritisches Heft einer breiten Leserschaft anzubieten.

Vielleicht erlauben Ihnen die oben angeführten Beweggründe für unsere Titelblattgestaltung ein etwas verständnisvolleres Urteil über TV SPIELFILM.

Ich stimme Ihnen jedoch grundsätzlich zu: Ein schönes männliches Wesen auf dem Cover fände ich zur Abwechslung auch mal ganz nett.
Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen, Ihr Schreiben werde ich an die Redaktion weiterleiten.

Wir hoffen, Sie bleiben uns auch weiterhin treu.

Mit freundlichem Gruß aus Hamburg

Ihr Leserservice

Okay, meine eigentliche Frage wurde nicht beantwortet, aber schön, dass der gegrüßte Praktikant diese vorgefertigte Antwort an mich schicken konnte, danke. Aber wir lernen: mit Titten auf dem Titelblatt kann man auch ein kritisches Magazin einer breiten Masse zugänglich machen. Machen das vielleicht andere Magazine auch so, z.B. „Stern“, „Focus“ oder „Feuchte Fotzen – das Heft“? Mal drüber nachdenken, hm.

Salami trifft Fisch zum Interview

Onkel Fisch - InterviewMeine allerbesten Freunde Adrian (r.) und Markus (l.) vom lustigen Duo „ONKeL fISCH“ (l. + r.) haben sich nun schon zum zweiten Mal dazu bereit erklärt, sich mir für ein unfassbar gutes Interview zur Verfügung zu stellen. Wir sprechen darin über ihre Projekte, Oliver Pochers Sexualität und andere weltpolitische Dinge, die ihr aber nur durch einen kleinen Klick erfahren könnt. Und den gibt es hier:

(weiterlesen…)

Bücher, ei!

„Lieber schlau und arm als reich und doof!“ lautete heute meine unsagbar philosophische Begründung für das sinnlose Verballern von 895 Cent in „QQ“, ein Buch von Max Goldt, der sehr gut ist. Täglich fahre ich auf meinem Schulweg an drei Büchläden vorbei und immer wenn ich einen dieser Läden in den letzten drei Wochen betreten habe, verließ ich es mit einem neuen Buch für den Eigengebrauch. Erst spontan „Fleisch ist mein Gemüse“ von Heinz Strunk, dann wenige Tage später zufällig „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod: Band 1-3″ von Bastian Sick im saugünstigen Sammelband1 und dann letztlich heute sehr spontan-zufällig eben das Buch von Max Goldt. Letzteres fällt etwas aus der Reihe, denn ich hatte vorher von besagtem Werk noch nie was gehört und dann ist es auch „nur“ knapp 150 Seiten schwer, was für einen im Hinterkopf doch noch ans Geld denkenden Schüler wie mich eigentlich nicht mit dem Preis-Leistung-Gedanken vereinbar ist. Je mehr Seiten, desto mehr gut. Doch mir fiel ein, dass Max Goldt sehr sehr gut ist und das Buch gekauft werden muss. Auch, weil ich mich in solchen Situationen immer freue, dem/r Verkäufer/in stolz sagen zu können, dass er/sie das Buch nicht einpacken müsse, denn es sei ja für mich, für mich! Bildungsbürger sein macht Spaß, ist aber teuer. Als nächstes wird gekauft: „Alles, alles über Deutschland“ von Jan Böhmermann. Mal sehen, ob sich die Route meines Schulweges um einen vierten Buchladen erweitern lässt, denn wer kauft schon zweimal im selben Buchladen. Ich nicht!

  1. Mehr Rechtschreibklugscheißerei für 10€ geht nicht, auch wenn ich wahrscheinlich der letzte des Lesens mächtige Mensch der Welt bin, der es bisher noch nicht gelesen hat.

Klickverweise ins Ungewisse

Hallo Leser, ich hätte da eine kleine Bitte an euch. Tut mir doch den Gefallen und guckt dieses Video, lest danach dieses Interview und stimmt mir dann zu, das das einfallsreich, lustig und (für eine Seite) beschämend zugleich ist. Applaus.

Mein neuer Lieblingstorwart

Tor für den Torhüter Faryd Mondragon! Der Kolumbianer im Diensten des FC Köln findet die reißerische Arbeit der Boulevardpresse scheiße und für Verein, Stadt und auch Journalisten zutiefst kontraproduktiv – und was noch viel besser ist: er sagt es auch. Auf einer Pressekonferenz rechnet er mit BILD, Express und Co. (auf englischer Sprache) ab und zumindest ich glaube, dass ich schon ziemlich lange unbewusst darauf gewartet hatte. Die angesprochenen Schreiberlinge hatten aber nicht die dicken Eier des Herrn Mondragon: sie ignorierten (BILD) oder zensierten (Express) die Kritik. Klarer Sieg für Faryd! Und wer mehr als meine kurze Zusammenfassung lesen und/oder den Mondragon’schen Monolog angucken möchte, kann mal hier klicken.

Ganz viel Hitler heute!

Bisher konnte ich immer erzählen, dass ich von der riesigen Weltwirtschaftskrise nichts zu spüren bekäme, doch diese schönen Zeiten sind nun vorbei. Denn um Geld zu sparen, bringt Herr Postbote mir montags keine Post mehr. Besonders deshalb schlimm, weil er mir zuvor zuverlässig jeden Montag die neue Ausgabe des SPIEGEL vorbeigebracht hatte. Jetzt muss ich noch einen Tag länger auf meine wöchentliche Portion Politik warten. Wenn ich nun aber einem Mitschüler Vertrauen schenken kann, ist das sowieso nicht so tragisch, denn der SPIEGEL sei eh nicht so dufte und würde viel zu viel Hitler bringen, um die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben. Vollkommen klar, was demzufolge heute auf dem Titelbild der neuen Ausgabe zu sehen ist: „Der Krieg der Deutschen – 1939: als ein Volk die Welt überfiel“. Oh. Bestimmt ein doofer Zufall, kann doch nicht nur Hitler drinstehen. Mal durchblättern.

Seite 39: Artikel über die rechtsextreme kroatische Partei „Hravatska Stranka Prava“ (abgekürzt HSP, hahaha!) mit Bild von hitlergrüßenden Kroaten
Seiten 59-69: Deutschlands Überfall auf Polen, natürlich mit vielen bunten Bildern und viel Hitler
Seiten 70-73: Interview mit Richard von Weizsäcker – mit Bildern, Hitler und der selten doofen Frage „Haben sie den Angriff auf Polen damals auch schon als Fehler begriffen?“
Seiten 112-114: Bericht über den Ausschluss der jüdischen Hochspringerin Margaret Bergmann bei der Olympiade 1936
Seite 128-129: Dienstwagenaffären der deutschen Geschichte werden aufgebröselt, samt Hitler im Mercedes Kompressor und der im Text aufkommenden, erwähnenswert bescheuerten Frage, ob Hitler einen Ausflug (bei dem er seine Geliebte Maria Reiter zum ersten Mal geküsst haben soll, ui!) „wahrheitsgemäß als Privatfahrt deklariert und abgerechnet hat“
Seite 141: TV-Tipp: am kommenden Samstag um 0.15 Uhr auf Vox: „Der seltsame Sieg – Hitlers Blitzkrieg 1940″

Oh. Öhm. Naja. Er wird wohl recht haben. Zumal noch eine DVD beigelegt ist, die die Titelgeschichte nochmals zusätzlich mit bewegten Bildern unterstützt. Mehr Hitler geht nicht. Hitler, Hitler, Hitler! Mal gucken, wie das nächste Woche ist.

Sonneborn schlägt Schlämmer

13. August des Jahres 1961. Der erste Tag der Berliner Mauer. Ein historisches Ereignis der deutschen Geschichte. 13. August des Jahres 2009. Der Propaganda-Film der PARTEI kommt in die Kinos. Ein weiteres großes historisches Faktum. An besagtem Tage sitzen nun viele viele PARTEI-Freunde in einem kleinen Düsseldorfer Lichtspielhaus und bejubeln das Machwerk mit stehenden Ovationen, einem tosenden Applaus und glücklichen Gesichtern. Was war geschehen? Eine kleine Filmkritik.

Die PARTEIWeil das eben so ist mussten die tapferen Kinogänger zunächst ein bisschen Werbung für qualitativ schwächere Filmchen ertragen. Der vorletzte Spot zeigt einen Herren, der sich Horst Schlämmer nennt. Seine Witze zünden nicht, das Publikum wartet auf richtige Politiker. Dann beginnt der Hauptfilm. Martin Sonneborn, Bundesvorsitzender der PARTEI, ist zu sehen und philosophiert. Die Menge tobt und lacht. Sonneborn 1, Schlämmer 0. Wir befinden uns nun zu Filmbeginn aber im Jahre 2013 und Sonneborn ist mit der PARTEI an die Macht gekommen – ein schönes, aber ja leider unrealistisches Szenario. Egal, im Film geht alles. Erst recht im eigenen Film, der aufgebaut ist wie eine „richtige“ Dokumentation (beispielsweise von Guido Knopp). Fast alle Aktionen der PARTEI seit der Gründung (2004) wurden mit der Kamera begleitet: die PARTEI-Tage, der außenpolitische Besuch in Georgien, der (heimlich und aus Versehen gefilmte) Besuch beim Wahlleiter (aber 2005, nicht 2009), das Kanzlerkandidatin-Casting, das Sat1-Frühstücksfernsehen und und und. Allerdings nicht chronologisch, sondern völlig durcheinander, aber das ist ok so.

Achso, ja, auch „meine“ Stadt Krefeld ist dabei. Und vielleicht erinnern sich die älteren Leser daran, dass ich hier davon erzählt habe, wie das Film-Team bei uns herumgelaufen ist und Szenen für den Film gedreht hat. Und: oh mein Gott, ich bin im Film! Wenn ihr euch den Streifen also anseht, achtet mal auf den erschreckend gut aussehenden jungen Herren in Krefeld, der erst ein Sonneborn-Poster (das nun in meinem Zimmer hängt) irgendwo platziert, dann ab und zu durchs Bild läuft und letztlich sogar äußert telegen Suppe löffelt. Ganz großes Kino! Der eigentliche „Star“ des Films ist aber natürlich Herr Sonneborn und das ist ein kleines Problem. Denn manchmal hatte ich das Gefühl, dass der Film eine kleine Sonneborn-Show ist, so oft ist er im Bild und hat was zu sagen. Nur eine einzige Szene (Wahlkampf in Hamburg) kommt ohne ihn aus. Sicher, er ist sehr wichtig und gut, aber nun ja. Aufgefallen sind mir auch ein paar Längen zum Ende des Films mit Überflüssigem (PARTEI-Rap, bisschen doof) und längst Bekanntem, was man aber dem Film eher weniger vorwerfen kann, denn er soll ja auch neue PARTEI-Freunde anlocken und das wird er sicher schaffen.

Um zu einem Fazit zu kommen: der PARTEI-Film ist ziemlich (aber nicht sehr) gut. Einer der komischsten mir bekannten deutschen Filme und Satire auf hohem Niveau. Wenn Sonneborn auf echte Bundestagsabgeordnete trifft, diese interviewt und sich von ihnen ihre (also seine baldigen) Arbeitsräume zeigen lässt, dann ist das sehr lustig. Übrigens, Gott Helge Schneider kommt auch als zufällig getroffener C&A-Kunde vor. Und was kann man schon gegen einen Film sagen, in dem Helge UND ich zu sehen sind? Eben. Nichts. Toller Film. Ihr müsst ihn euch alle ansehen. Fick dich, Horst Schlämmer! Gruß, euer PARTEI-Mitglied Nummer 6269.

(mehr Informationen zum PARTEI-Film gibt es hier.)

Schlimmer Schlämmer

Hans-Peter Kerkeling ist voll okay. Sein Film „Kein Pardon“ (1993) ist wirklich sehr lustig und „Witzigkeit kennt keine Grenzen“ singe ich manchmal auch unangekündigt noch einfach so vor mich hin, weil gut. Die TV-Sendung „Darüber lacht die Welt“ habe ich auch noch in guter Erinnerung, obwohl ich damals ein sehr kleiner Popanz gewesen bin. Und „Hurz!“ ist sowieso gut. Aber dann. Seine Moderation zu „Let’s Dance“ verzeihe ich ihm noch, seinen Literatur-Ausflug („Ich bin dann mal weg“) kann ich nicht beurteilen, weil nicht gelesen. Aber. Aber, aber, aber! Wie nervig ist bitte seine Figur „Horst Schlämmer“? Ihr wisst schon, der kauzige Typ aus Grevenbroich mit Schnurrbart, Sprachfehler und altmodischer Brille. Hahaha. Für exakt zwei Sekunden war es humorig, dann anstrengend. Vielleicht gehöre ich zu einer kleinen Minderheit mit dieser Meinung, aber ich muss das jetzt mal rauslassen, dass ich den nicht ab kann. Und jetzt muss Kerkeling auch noch sowas wie Satire mit dem Typen betreiben. Denn Schlämmer ist jetzt Politiker, will Bundeskanzler werden und mit seiner Partei „HSP“ (Horst-Schlämmer-Partei, hahaha.) und lustigem Obama-Spökes („Yes Weekend!“) den Wahlsieg holen. Oh mein Gott.

Horst SchlämmerEr tritt glücklicherweise nicht wirklich zur Wahl an, sondern bewirbt damit nur den Film „Isch kandidiere“, der Wahlkampftour und Prominenten-Interviews dokumentiert und zeigen wird, wie sehr viele Menschen sehr laut in die Kamera lachen werden, wenn Schlämmerkerkeling erzählt, dass er Rücken hat und Ahnung sowieso. Unheimlich platt, schon etwa sieben Mal gesehen und natürlich auf die „breite Masse zugeschnitten. Dabei allerdings nicht so eindrucksvoll und gekonnt wie beispielsweise Sacha Baron Cohen („Borat“, „Brüno“), denn bei Schlämmer weiß schließlich jeder, wie unernst die Situation ist, wodurch die entlarvende Komponente, die für Realsatire (gerade im Kinoformat) ungemein nötig gewesen wäre, natürlich komplett wegfällt. Und voll cool und jugendlich ist sich auch der intellektuelle Rapper Bushido nicht zu schade, einen kleinen Rap für die dufte HSP aufzunehmen. Ist mir persönlich zu offensichtlich, zu viel Comedy, zu wenig Satire. Wird aber garantiert ein Kino-Hit und irgendwo ist es zugegeben nicht ganz verkehrt, auf diesem Wege die Leute irgendwie entfernt für Politik zu begeistern. Aber nicht mein Fall. (Und dass Hape BILD.de als Ort für seine Propaganda nutzt, ist als Randnotiz auch nicht wirklich sympatisch.)

Zum Glück gibt es Alternativen. Denn der Film der besten Partei, der PARTEI, kommt bereits eine Woche vor Horst Schlämmers Werk in ausgewählte Spitzen-Kinosäle. Mit lustigen Ossi-Witzen, echter Georgien-Außenpolitik und mir in einer kleinen Statisten-Nebenrolle (wirklich!). Und doofe Nuschel-Sprache wie bei der HSP gibt es da auch nicht so viel. Weißte Bescheid! Und Hape, mach bitte wieder irgendwas, was du auch kannst. Und lass das mit dem Schlämmer. Wirklisch.
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Twitter rettet die Welt

Ich bin ja kein Freund von Twitter, aber wofür die kleine Profilierungs-Maschine in den letzten Tagen so alles genutzt wurde, stark! Menschen kämpfen verzweifelt um die Aufmerksamkeit der gesamten Welt, die gute Sache und natürlich letztlich auch noch für sich selbst. Also, mach weiter so, tapfere Lindsay Lohan! Nur Mut, Demi Moore! (Auch wenn ich keinen deiner Filme je gesehen habe.) Ihr kleinen semi-talentierten, oppositionellen Hollywood-Gestalten, ich bin stolz und voller Freude über euren (Körper-)Einsatz!

Achso, ja, natürlich, da sind auch noch so ein paar Iraker, Iraner oder sowas (irgendwas im Osten, aber nicht Dresdener!), die twittern auch, weil die nicht telefonieren dürfen oder sowas (vielleicht Akkus leer?). Die machen immer so voll gefährliche Straßenschlachten und weinen und bluten, rumms! Peng! Aber darüber haben die in „taff“ gestern Nachmittag komischerweise nicht berichtet. Vielleicht sollten die Iranesen (oder so!) auch mal Filme drehen oder weniger anziehen, so wie Lindsay und Demi, hm? Und wenn ich mit diesem Rat helfen konnte, gern.

Ist ja nicht so, dass mich Politik nicht interessiert. Aber eben nur dann, wenn ihre Nachricht kürzer als 140 Zeichen ist und „Rumms“ (nicht verwechseln mit „Wums!“) enthalten ist. (Und ernsthaft: unterstützen!)

Warum ich manchmal doch Tagesschau gucke

Die kleine Rezension am Abend

Hallo Leser. Wie ihr sicher wisst, weil ihr mich gut kennt, bin ich nicht der größte Film-Freund und wahrscheinlich nicht mal der zweitgrößte, so dass es mir fern liegt, konfuse Film-Rezensionen unter Berücksichtigung von Kameraführung, Schauspielleistung und diesen ganzen Kladderadatsch zu schreiben. Aber vorgestern sah ich den Klassiker „Ghostbusters“ und ich möchte anmerken, dass ich den Film nur empfehlen kann, weil sehr geistreich!

Weltreise geplant

Circa drei Meter von der Computer-Tastatur, auf der ich gerade schreibe, steht mein Fernseher. Er ist eingeschaltet. ProSieben läuft, genauergesagt die Serie „90210″, die wahrscheinlich ein neuer Abklatsch dieser alten Teenie-Soap-Dings-Reality-Show sein soll. Schauplatz ist eine Schule (oder College [“Kolletsch“], was weiß ich, irgendeine amerikanische Schule halt, ihr wisst schon) und überall laufen hübsche Menschen herum. Es ist vollkommen strulle, welche Noten man schreibt, schließlich ist es für die geschminkten Püppchen dort scheinbar schon schwierig genug, Lehrer und Schüler auseinander zu halten: denn beide sehen sich verdammt ähnlich und die mir bekannten dicken Lehrer mit Brille, Plauze und grauen Haaren finden gar nicht statt.

Vorhin gab es eine Szene, in der ein (gut aussehender!) Mann eine (verdammt heiße, hiuiuiui!) Frau in einer Wohnung herumgetragen hat. Warum weiß ich nicht, aber das ist ja auch vollkommen egal. (Es ging aber wahrscheinlich nicht um Weltpolitik bzw. nur vielleicht.) Überrascht war ich dann aber, als die junge Dame (sie hatte große Brüste!) den Mann „Dad“ [“Dähd“] nannte. Hmmm. Ich hätte gern mal ein Bild vom versammelten Team dieser Serie. Dann könnte man versuchen herauszufinden, wer von diesen Personen einen Mensch spielt, der in der Serie älter als dreißig Jahre alt ist. Wäre bestimmt gar nicht so einfach. Aber ich würde gern mal eine Reise in diese „90210″-Welt machen: alle sind voll nett und sehen supergut aus! Alle Frauen haben geile Ärsche und ihr Haar sitzt immer! Und zwar perfekt! Wow! Woaaah!

Zum Glück kommt normalerweise um diese Zeit die „Sportschau“, so dass ich diesen Käse nie nie nie nie mehr gucken muss. War sonst noch was?

Was Thomas Mann vom kleinen Nick lernen kann

Bis heute Mittag wusste ich nicht, wer Wolf Schneider ist. Okay, nicht wahnsinnig schlimm, hoffe ich. Und ich nehme auch an, dass die wenigsten meiner zahlreichen Leser wissen, wer dieser Herr ist. Ich löse auf: er ist „deutscher Journalist, Sachbuchautor und Sprachkritiker“, sagt zumindest sein Wikipedia-Artikel und der muss es wissen. Man könnte diese Aufzählung neuerdings durch „Videokolumnist“ erweitern, denn Herr Schneider lässt sich in „Speak Schneider!“ regelmäßig von der „SZ“ dabei filmen, wie er schlaue Dinge über die deutsche Sprache sagt. In seinem ersten Filmchen spricht er dabei wohl Feministinnen an, aber da ich diese Folge nicht einmal gesehen habe (Schande! Über das meinige Haupt!), soll es auch darum nicht gehen. Es geht nämlich um seinen tagesaktuellen Monolog an die Deutschlehrer unseres Landes.

Er kritisiert, dass man an Schulen (gerade an Gymnasien) viel zu hohes und grammatikalisch perfektes Deutsch lehre und den Schülern damit die Freude an der Sprache (und am Lesen an sich) kaputt machen würde. Schuld seien hier die Richtlinien, die „Bedingungsgefüge überprüfen“ und „Textkohärenz erfahren“ für die gymnasiale Oberstufe vorsehen würden – sein Appell richtet sich nun also an die Lehrer, dass diese möglichst clever um diese Regelung herumschlägeln sollten, damit man den Schülern nicht die bereits erwähnte Freude versauen würde. Klingt plausibel, oder? Nicht dass ich über ein großes Hintergrundwissen verfügen würde, aber meine persönlichen Erfahrungen reichen nunmehr aus, um dem guten Herrn Schneider da einfach mal zuzustimmen.

Denn jetzt komme ich! Ich bin zwar kein Lehrer (Gott bewahre!), aber gewiss ein Schüler, der den Deutsch-Unterricht der gymnasialen Oberstufe besucht. Und, was haben wir zuletzt gelesen? „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann. Unfassbar lange Sätze, aber nicht so nett und lustig wie beispielsweise beim „Kleinen Nick“, sondern voll mit Fremdwörtern, Anspielungen auf die altgriechische Kultur und all so Zeug, das wir Jugendlichen natürlich voll Moppelkotze finden. Es wäre unheimlich schwer gewesen, den Inhalt des Buches ohne die zahlreichen zusätzlichen Informations-Blätter, die wir im Unterricht von unserem Lehrer erhalten hatten, oder den Wikipedia-Artikel (jaja, Klischee, ich weiß) einigermaßen auf die Reihe zu kriegen. Noch haben wir unsere Klausuren nicht zurückbekommen, aber meine Note wäre mit Sicherheit eine sehr viel schlechtere, wenn es Internet und Textzusammenfassungen nicht gegeben hätte.

„Tod in Venedig“ mag ein hochspannendes Buch für diejenigen sein, die Freude daran haben, einen Satz vier- oder fünfmal lesen und analysieren wollen, aber bereitet man so eine Gruppe Halbwüchsiger auf das Berufsleben oder von mir aus auch nur auf den späteren Besuch in einer Bücherei vor? Muss es ein höchst anspruchsvolles literarischen Werk, so grammatikalisch perfekt und ausgeklügelt geschustert, sein wie dieses von Thomas Mann? Nö. Abschließend lasse ich dann noch einmal Herrn Schneider zu Wort kommen, der (frei nach Brecht) sagt: „Stell dir vor, du liest Deutsch und du verstehst jedes Wort.“

Home is where ‚mein RTL‘ is

Wie jeder andere coole junge Mensch wünsche ich mir auch, später einmal in einem duften, modernen Häuschen zu wohnen, wo ich dann nachts ungestört nackig in meinem eigenen Swimming-Pool schwimmen kann, mir tagsüber das clever eingerichtete Wohnzimmer Freude bereitet und wo alles so aussieht, als befände man sich in einem schwedischen Möbelhaus.

Meint ihr, es würde sich lohnen, meine erste eigene Wohnung extrem zu verunstalten und zu verdrecken? Natürlich nicht einfach nur so, sondern in der Hoffnung, dass irgendwann Tine Wittler die RTL-Kameras mitbringt und unter dem Namen „Einsatz in vier Wänden – Spezial: die Jugendzimmerkatastrophe“ meine Wohnung mit Swimming-Pool, clever Wohnzimmer und so verschönert? Oder soll ich versuchen, mir mein wunderschönes Eigenheim selbst zu erarbeiten? Ich tendiere zur Wittler-Version. Außerdem wollte ich schon immer mal wissen wie es ist, wenn man mit lauten „Oaaaaohaaa“s und „Uaaauuuuuuuhhh“s der Verwunderung durch die Wohnung spaziert und im Hintergrund von RTL irgendwelche vergessenen Chart-Hits eingespielt werden.

Hoffentlich gibt es die Sendung in ein paar Jahren noch. Und hoffentlich ist Tine Wittler dann noch nicht geplatzt. (Puh, doch noch einen schlechten Witz über die Figur von Frau Wittler eingebaut, ein Glück!)

Nachtrag (27.05. /15:19 Uhr):
Oh. Vielleicht doch keine so gute Idee mit der Frau Wittler. Zumindest laut diesem Fund hier von Lukas:


Hilfe!

Bonbon aus-gezeichnet

Text?Helge Schneider hat also schon wieder ein Buch geschrieben. In den letzten Jahren ist das häufiger vorgekommen, leider oftmals mit wechselnder Qualität. Nun zeigt die Formkurve wieder deutlich nach oben: „Bonbon aus Wurst“ ist als Autobiografie getarnt, aber wer eine schonungslose, chronologische Abfolge Schneiders Leben erwartet, wird enttäuscht. Oder eben positiv überrascht:

Denn Helge macht in seinem neuen literarischen Werk „Bonbon aus Wurst“ das, was er am allerbesten kann. Wirre Geschichten, die aus Anekdoten herauswachsen und pointiert Schabernack und Unsinn auf den Punkt bringen. Immer wieder kommen echte Prominente ins Spiel, befreunden sich mit Helge und reihen sich nahtlos in die irrwitzigen Geschichten ein. Aber auch reell mit Helge befreundete Menschen wie Pete York oder (der 2005 verstorbene, großartige) Jimmy Woode finden ihren respektvollen Platz in der bunten Anekdoten-Sammlung.

Realität trifft Absurdität trifft Lüge trifft Halbwahrheit. Auch nach der Lektüre ist es schwierig zu sagen, wie viel Prozentchen Wahrheit in den abwechslungsreichen 160 Seiten stecken. Vielleicht möchte man das auch gar nicht wissen und dem Helge einfach mal glauben, dass er das ist, was er in „Bonbon aus Wurst“ auch schon ist: ein Kauz. Ein liebenswerter Kauz mit Ecken, Kanten, Charme, Selbstironie und Lebenslust.

(„Bonbon aus Wurst“ bei Amazon kaufen und bitte ebenfalls gut finden)

Titten, Tränen, Topmodels

Im Nebenzimmer sitzen derzeit fünf Mädchen, darunter meine Schwester, und freuen sich wie Bolle darauf, in etwa zwei Stunden erfahren zu dürfen, wer „Germany’s Next Topmodel“ des Jahres 2009 – und damit Nachfolgerin von dieser einen mit den großen Brüsten, dieser anderen mit den roten Haaren und dieser dritten Gewinnerin (besondere Merkmale entfallen, aber wahrscheinlich hübsch) – ist. Zu diesem Zwecke habe ich denen nebenan meinen Fernseher zur Verfügung gestellt, der größer ist als der meiner Schwester. Das hat für sie und ihre Freundinnen den Vorteil, dass sie die dünnen Topmodels besser erkennen können und für mich hat das den Vorteil, dass ich mir das nicht angucken kann/muss.

Immerhin kann ich jetzt auch fast schon sagen, ich sei ein Experte. Denn ich habe mich informiert. Es stehen, so weiß ich nun, heute eine Schwarze, eine Brünette und eine Blonde im Finale. Okay. Mir rotzwumpegal, wer da gewinnt, aber die Tatsache, dass sich die Fernseh-Freundinnen nebenan vorhin Pizza bestellt haben, ist bestimmt nicht so gut für ihre Figuren. Was wohl Heidi dazu sagen würde? Obwohl, auch das ist mir rotzwumpegal. Denn ich hab was vom fettigen Fraß abbekommen. Lecker!

Nachtrag I (21:49 Uhr):
Ich habe gerade ein lautes, deutliches „Jaaaaarghhiiiiaiiiaaaaaaauuuhoooo“ aus dem Nebenzimmer vernommen. Zwei Möglichkeiten: entweder ist die erste der drei Kandidaten ist rausgeflogen oder soeben ist die erste Werbepause zu Ende gegangen. Ich tippe ja eher Ersteres, bin mir aber nicht sicher.

Nachtrag II (23:04 Uhr):
Sara hat gewonnen. Habe ich vor wenigen Sekunden online gelesen – von nebenan gab es komischerweise keine lauten Reaktionen. Entweder sind die da drüben eingeschlafen oder ich höre zu laut Musik. Egal! Mal wieder.

Naddel II

Hallo RTL II-schauende Leser,

was war ich vorhin schockiert, als ich auf meiner Lieblingsseite für politische und gesellschaftliche Querelen, BILD.de, folgendes lesen musste:

Big Brother-Naddel ist keine Naddel mehr
Quelle: BILD.de

Ich weiß, ich weiß, meinen gebildeten Lesern muss ich eigentlich nicht mehr erklären, um welchen bedeutsamen Meilenstein der deutschen Fernsehgeschichte es hier geht, aber ich erkläre es dennoch: im „Big Brother“-Haus im wunderschönen Köln-Ossendorf (kein Witz!) wohnt derzeit neben ein paar anderen dubiosen Gestalten eine Frau, die Nadine Sommerfeld heißt. Klar, Bewohner dieses Hauses können sich einen so langen, umständlichen Namen nicht merken und so taufte man die „Sexbombe“ (BILD.de) gleich auf den Namen „Naddel“.

Die echte Naddel, Nadja Abd El Farrag (noch so ein schwieriger Name!), findet das natürlich gar nicht so lustig und nutze die Gunst der Stunde, um nochmal ins Fernsehen zu kommen. Sie selbst hat ja schon in verschiedenen Bereichen ihre bemerkenswert doofe Figur als Realsatire dargestellt, ich liste spaßeshalber mal ein paar auf: Politikerin, Sängerin, Frau mit schweren Brüsten, Lügnerin, professionelles Fotomodell, Porno-Messen-Werbefigur, Tanz-Tussi auf DVD, Ex-Frau von Dieter Bohlen, DJane und und und. Eine wahre Alles-Nicht-Könnerin also! Bravo!

Aber zurück zum eigentlichen Naddel-Namensproblem: durch ihre zahlreichen Arbeiten hat die echte Naddel ihren Namen ja bereits mit ausreichend, hm, „positiven“ Assoziationen, äh, „versehen“ und findet deswegen, dass dieser doppelte Gebrauch ihres Spitznamens „ihren geschützten Namen in den Schmutz ziehen“ würde. Zum Beispiel hat diese Naddel-Nadine wohl ein bisschen „herumgeschnackselt“, wie Naddel-Naddel meint. Ich übersetze: sie hat mit einem Typen im Big Brother-Haus gefickt, gepimpert, gebumst. Findet die echte Naddel undufte (vielleicht, weil sie nicht dabei war o.Ä.).

Und nun schauen wir uns einmal an, was sie vor den TV-Kameras denn so alles dazu sagen konnte (bzw. nicht konnte):

Mich interessiert dieser brisante Spitznamen-Fall ja wirklich sehr, aber ich hätte da eine zwei kleine Fragen: sind das Drogen, Alkohol oder ist es doch die ohnehin schon von sich aus doofe Naddel an sich? Und darf ich mir auch ein paar Spitz- und Vornamen rechtlich schützen lassen? Wüsste da so ein paar! Hmmm!

(Info für alle, die es wirklich interessiert: weil Naddel mit rechtlichen Schritten droht, darf sich die Big Brother-Naddel jetzt nicht mehr so nennen und wird dort nun mit ihrem eigentlichen Namen „Nadine“ angesprochen.)

Nö.

EurovisionWieder hat es Deutschland nicht geschafft: keine zwölf Punkte! Zumindest nicht aus einzelnen Ländern, insgesamt aber immerhin fünfunddreißig. Okay, Sieger Norwegen (hatte ich übrigens auch getippt, wirklich!) hatte zwar ein paar Pünktchen mehr (387 insgesamt), aber was ist das schon. Deutschland hätte mit seiner Punktzahl in der Fußball-Bundesliga immerhin den Klassenerhalt geschafft! Aber dass Deutschland den Verbleib im Finale des Eurovision Song Contestes sicher hat, liegt nicht an der Leistung, sondern nur am Geld. Denn Deutschland ist als einer der großen fünf Geldgeber-Länder sicher für das nächste Jahr qualifiziert. Also, mit welchem Act verlieren wir denn dann 2010 in Oslo? Jemand eine Idee?

Vorab aber natürlich erstmal ein kleines Resümee des Abends in Moskau. Der erste Aufreger war leider weder musikalisch, noch erfreulich: eine Schwulen-Demonstration gegen die Diskriminierung Homosexueller im Land wurde auf den russischen Straßen gewaltsam von der Polizei gestoppt – wie man mit Minderheiten umgehen soll, weiß man im Gastgeberland also nicht so wirklich. Wenige Stunden später standen dann beim Contest äußert viele Homosexuelle auf der Bühne, nicht zuletzt bei Deutschland (Oscar Loya). Auf der Bühne sind Schwule also okay, aber auf den Straßen?! Ne, igitt! Ansonsten gab sich Russland nach außen eher westlich; mit einer unfassbar großen und toll aufwendigen Bühne und viel Mut zur Selbstironie, so gab es zwischendurch ein paar Filmchen, die gängige Russland-Klischees wie die Sache mit dem ständigen Wodka-Konsum ad absurdum führen sollten. Das ebenfalls gängige Klischee der fehlenden Presse- und Meinungsfreiheit blieb allerdings unbeachtet.

Musik gab es auch noch, ja. Viel viel Pathos, ab und an mal ein paar Titten (gut 2/3 der Teilnehmer waren weiblich und meist sehr gut gebaut), dann wieder Eurodance, dann Balladen und nur sehr wenig Skurriles, leider. Auch der gewohnte Kommentator fehlte: da Peter Urban wegen einer Hüft-OP verhindert war, führte Tim Frühling durch den Abend. Zwar locker und souverän, aber er konnte den Abend nicht wirklich retten; zu nüchtern und abgelesen seine Kommentare, schade. Wirklich gut gefallen haben mir dagegen die Auftritte von Estland, Portugal und Island – wer diese nicht gesehen hat, kann dies hier nachholen. Auch der Siegertitel „Fairytail“ von Alexander Rybak gehörte zu den besseren der Show: eine Mischung aus Pop und Folk, gepaart mit einem Ohrwurm-Refrain. Fertig ist der Eurovision-Hit, auch ohne Punkteschieberei aus den Nachbarländern.

Und Deutschland? „Oscar sings, Alex swings“ waren mit „Miss Kiss Kiss Bang“ zugegeben gar nicht so scheiße, wie man es erwarten konnte. Eine ganz nette, schnelle Swing/Pop/Dance-Nummer, die deutlich fetziger (und besser!) war als viele Konkurrenten. Und beim austragenden NDR hatte man sich extra noch was ausgedacht: von den (im diesen Jahr erhöhten) GEZ-Gebühren ging sicher ein nicht kleiner Beitrag an „Stil-Ikone“ Dita von Teese, deren Brüste ein paar Punkte mehr einbringen sollte, was ja nun letztlich nicht ganz geklappt hat. Wenn es also ein amerikanischer Homosexueller mit offenem Hemd, eine amerikanische Stripperin und ein deutscher Porno-Hit-Produzent (Alex C., bekannt für Songs wie „Du hast den schönsten Arsch der Welt“) nicht schaffen, wer dann?

Darüber muss ich jetzt erstmal ein Jahr lang nachdenken, schätze ich. War aber insgesamt auch ein sehr dürftiger Song Contest, die Jahre davor waren aufregender. Immerhin ist der Gewinner-Titel annehmbar und für den deutschen Titel muss man sich auch nicht so schlimm schämen wie manchmal in den Jahren davor. Aber da war mehr drin.

Oscar swings, Germany wins?

Hallo osteuropäische Punkteschieber,

wie ihr sicherlich längst erfahren habt, findet heute Abend der „Eurovision Song Contest“ in Moskau/Russland statt. Und weil ich ein sehr sehr großer Fan dieser lustigen Veranstaltung bin, werde ich heute alles stehen und liegen lassen und mir ansehen, wie folgende Ergebnisse garantiert nicht zustande kommen (mein eigentlich Favorit Lettland ist ja leider schon draußen):

Geheimfavoriten: Island, Norwegen, Estland
Deutschland: Neunter Platz
Weit unten: Großbritannien, Israel
(wer die Teilnehmer nicht kennt, muss entweder bis 21 Uhr (ARD) warten, oder hier klicken)

Übrigens gibt es heute drüben beim Lukas heute ein Live-Blogging zur Veranstaltung. Aller Voraussicht nach werde ich dort auch teilnehmen, auf lustige und weniger lustige Einwürfe meinerseits darf man sich also freuen (oder nicht).

Also: Ab 21 Uhr: Live-Blogging bei Coffee And TV!

Nachtrag (19:03 Uhr):
In knapp zwei Stunden geht es los und ich bestell mir schon mal was Leckeres zu Essen – und auch Getränke bräuchte ich noch. Und beim Online-Pizza-Lieferdienst meines Vertrauens gibt es sehr sehr Interessantes zu trinken:

Mhhh! Hab zwei bestellt.

Nachtrag (00:23 Uhr):
Ha! Ich hatte recht! Norwegen hat gewonnen, Island und Estland weit oben. Nur bei Deutschland (20.), Großbritannien und Israel habe ich mich ein bisschen verschätzt, aber egal. War insgesamt aber ein sehr dröger ESC, viel zu viel Pathos, viel zu viel Eurodance, viel zu wenig Skurriles.

Wahlkämpfen in Krefeld

Hallo demokratische Leser,

wenn jemand von euch heute in der Krefelder Innenstadt mit dem Spruch „He Sie, Sie aus dem verkommenen Westen! Wollen Sie eine kostenlose Dose Tomatenmark?“ angesprochen worden ist und anschließend wirres Zeug über Ost/West-Beziehungen, FDP und Schwimmbäder erzählt hat, dann ist die Chance relativ groß, dass es PARTEI-Chef (und Satiriker) Martin Sonneborn war, der euch das kostenlose Propaganda-Tomatenmark andrehen wollte. Denn Sonneborn war heute gemeinsam mit dem Film-Team um Andreas Coerper (Extra 3, Heimatkunde) im verregneten Krefeld unterwegs, um ein bisschen Wahlkampf (für den PARTEI-Film, ab Ende August im Kino) zu filmen. Ich war ebenfalls anwesend, habe „bunte Propaganda-Heftchen“ verteilt und ein bisschen geholfen.

Mit dem bereits zweimal erwähnten Tomatenmark, das sich laut Sonneborn als Wahlkampfhelfer „bewährt“ hat, versuchte der kommende Bundeskanzler, Krefelder Fußgänger für einen kleinen politischen Dialog vor den PARTEI-Stand und die Kamera-Linse zu locken. Die Lage des Standes war nicht zufällig gewählt: vor dem heruntergekommenen und längst geschlossenen Stadtbad zeigten Sonneborn und andere helfende PARTEI-Mitglieder den Fußgängern zwei Bilder. Meist Bilder von zwei verschiedenen Schwimmbädern: auf der einen Seite das marode Krefelder Stadtbad, auf der anderen Seite ein schniekes Spaßbad aus dem Osten. „Finden Sie okay, dass Sie dieses tolle Spaßbad drüben über Ihren Solidaritätsbeitrag bezahlen und hier in einer so potthässlichen Stadt leben müssen?“ wurde also meistens mit „Nö!“ beantwortet. Hetze gegen Ossis folgte daraufhin meistens ungefragt, hihihihi.

Text?Und im Groben sind so die zwei Stunden gefilmter Wahlkampf auch schon erzählt. Eine ältere Dame, die mit dem PARTEI-Ziel, die Mauer wieder aufzubauen, sympathisieren konnte („Denen geht et da viel besser als wie uns hier!“), leistete beispielsweise gleiche ihre Unterstützungsunterschrift. Auch der betrunkene, zottelige Kauz war ganz lustig. Er hatte ein paar fetzige Reime auf Lager. veräppelte dann noch die SPD. Wurde alles mitgefilmt, natürlich. Man darf also gespannt sein, wer es alles in den endgültigen Film schaffen wird. Vielleicht bin ich ja auch mal kurz im Bild, zweimal wurde ich immerhin in ein Interview eingebunden und durfte ein paar Sätze sagen. Mal sehen.

Und nach den anstrengenden zwei Stunden, in denen wir übrigens die Anweisung erhalten hatten, immer dann, wenn wir im Bild waren, möglichst seriös auszusehen (und nicht zu lachen, was oft verdammt schwer ist!), ging es noch ins Brauhaus nebenan, das uns während des Wahlkampfes schon kostenlose Suppen (lecker, mit Curry, glaube ich) spendiert hatte. Coerpers Assistentin Susanne Müller gab eine Runde aus, ich trank aus, amüsierte mich ein bisschen mit der Runde über die Erlebnisse und dann fuhr ich aus Gründen etwas früher als der Rest wieder nach Hause.

Wahlkampf ist spaßig, immer wieder gern! Übrigens sind vier Dosen Tomatenmark übrig geblieben, jemand Interesse?


Behinderte und ihre Schlafmünzen bei BILD.de

BILD.de fragt heute:

BILD.de
(Link zum Artikel)

Im Text dort heißt es unter anderem:

Der Einzelhandel und das Hotel- und Gaststättengewerbe scheint das immense wirtschaftliche Potenzial dieser Käufergruppe nach wie vor zu unterschätzen. Nach einer Schätzung des WOD geben Behinderte monatlich im Schnitt etwa 100 Euro nicht aus – nicht weil sie nicht wollen, sondern weil sie nicht können! Da es in Deutschland rund acht Millionen Behinderte gibt, werden somit circa 800 Millionen Euro monatlich nicht in den Konsum geleitet. Das sind aufs Jahr gesehen etwa 9,6 Milliarden Euro„.

Soso. Moment. Wieso spricht BILD.de von 8, wenn es doch „nur“ 6,3 Millionen Behinderte in Deutschland 1sind? Und wieso geben diese im Durchschnitt 100€ weniger im Monat aus, nur weil sie nicht auf behindertengerechte Einkaufsläden und -meilen zurückgreifen können? Auch frage ich mich, wie die „WOD“ (Abkürzung für das Internet-Portal „World-of-Disabled.de2) auf diese Schätzung kommt.

Ich möchte natürlich nicht absprechen, dass viele Geschäfte und Einrichtungen noch behindertengerechter gemacht werden müssen, aber wie kommt BILD.de zu dem Schluss, dass durch diese Nachlässigkeiten satte 9,6 Milliarden (!) Euro ungenutzt bei den Behinderten in der Wohnung herumliegen, nur weil diese sie nicht ausgeben können? Nichts anderes suggeriert mir dieser Artikel, wenn davon gesprochen wird, dass diese „800 Millionen Euro monatlich nicht in den Konsum geleitet“ werden. 100€x8 Millionen Behinderte=800 Millionen im Monat x 12 Monate = 9,6 Milliarden!? Ist das nicht eine ziemlich übertriebene Milchmädchenrechnung? Und selbst wenn es so wäre, geben die Behinderten diese (geschätzten) 100€ im Monat nicht anderweitig aus, wenn sie sie nicht in einem für sie ausgerichteten Laden finden können? Außerdem rechnet BILD.de (wie erwähnt) mit stark aufgerundeten Zahlen, so dass wenn jeder Behinderte in Deutschland monatlich 100€ ungenutzt „links liegen“ lassen würde, es insgesamt „nur“ 663 Millionen pro Monat, sowie 7,9 Milliarden pro Jahr wären, die nicht ausgegeben werden würden. Wieso nutzt BILD.de offensichtlich falsche und reißerische Zahlen? Muss das – gerade bei einem solchen Thema! – wirklich sein?

Ich weiß, ein heikles Thema, bei dem ich mir lieber nicht die Finger verbrennen möchte. Aber irgendwie kommt es mir so vor, als würde BILD.de uns da mit ziemlich grob überschlagenen Blödsinns-Zahlen veräppeln. Vielleicht wäre ein kleiner Solidaritäts-Aufruf an meine Handvoll Leser ein wenig hilfreicher: also liebe Leser, seid doch in Zukunft so couragiert und helft Behinderten, wenn ihr sie verzweifelt irgendwo und hilflos seht, okay? Nicht der Wirtschaft zuliebe, sondern einfach mal so. Tut auch nicht weh.

  1. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes lebten 2003 (Stand 31. Dezember) in Deutschland 6.639.000 Menschen mit einer Schwerbehinderung.“ Quelle: Wikipedia.de
  2. Welches übrigens „BILD“-Partner ist und BILD-News direkt auf seiner Homepage unter der Rubrik „NEWS“ an. Leider konnte ich andererseits keine Kontakt-Adresse der Betreiber entdecken, sonst würde ich einmal nachfragen, wie sie die Zahlen bei BILD.de kommentieren würden. Schade.

Junger Unfug

Killerspiele verbieten! Böse Ballerorgien wie Counter-Strike und Co. sind Hauptverursacher von Amokläufen, Jugendkriminalität und anderen schlechten Dingen wie, öhm, der Weltwirtschaftskrise! Jaja, an diese lächerliche Diskussion erinnern wir uns sicher alle. Alte Menschen reden über Dinge, von denen sie keine Ahnung haben und wollen sie verbieten, weil sie dann wahrscheinlich bei der nächsten Wahl von denen gewählt werden, die dieses „Killerspiel-Klischee“ glauben und, richtig, ebenfalls keine Ahnung haben. Zum Glück ist diese Debatte mehr oder weniger vorbei (so scheint es mir), aber jetzt kommt die CDU und fordert: „YouTube nur noch mit Personalausweis„!

Genauer gesagt kommt diese hanebüchene Idee von der Jungen Union Nordrhein-Westfalen. Also eher jüngere Leute, die eigentlich Ahnung haben sollten, wovon sie reden, oder? Nun ja, ich fasse einmal kurz zusammen, was sie denn grundsätzlich befürworten: das Einstellen und Ansehen (!) von Videos auf der (hier wohl jedem bekannten) Videoplattform „YouTube“ soll nur noch nach einer „Zwangs-Registrierung unter Angabe der Personalausweis-Nummer“ und Adresse möglich sein. Damit möchte die CDU/JU erreichen, dass man diejenigen, die böse Gewaltvideos hochladen, besser verfolgen kann. Was die älteren CDU-Wichtigmenschen dazu sagen, wird man wahrscheinlich nach dem CDU-Landesparteitag Anfang Mai wissen, denn dann stellt die JU ihren Vorschlag offiziell vor. Herr Schäuble findet die Idee super, tippe ich mal.

Anders ausgedrückt: YouTube soll zur „ab 16″-Zone werden, da man erst mit 16 Jahren in den Besitz eines Personalausweises kommt. Absoluter Kokolores. Diese Straftäter sind mit Sicherheit weit in der Unterzahl im Vergleich zu den „normalen“ Nutzern von YouTube und den Verantwortlichen dieser Seite kann man auch garantiert nicht vorschreiben, wem sie den Zutritt zu ihrer Seite (mit Sitz in den USA) gewähren und wem nicht. Und wo würde es hinführen, wenn wir demnächst jeden Schritt, den wir machen, verfolgt werden würde? Der gläserne Mensch, er wird auch weiterhin ein großes politisches Thema bleiben. Alleine die Tatsache, dass scheinbar ernsthaft über solche Ideen wie die der JU nachgedacht zu werden scheint, sollte einem zu denken geben.

Durchkommen wird die JU damit nicht, jede Wette. Und Sympathiebekundungen wird es wahrscheinlich (hoffentlich) auch nicht geben. Also lachen wir einmal herzlich über diesen Vorschlag, zeigen (wie Moritz) mit dem Finger auf die JU und freuen uns, dass wir nicht ganz so doof sind, wie wir manchmal angesehen werden. Prost!

Jugend von heute

Ich wollte wissen, wie die Leute in meinem Alter so sind. Gerade habe ich nicht genügend Zeit, um alle einzeln zu fragen, wie sie sich so selbst einschätzen, also habe ich mal ein bisschen recherchiert. Mal sehen, was da so raus gekommen ist:

Jugendliche…
1) …sind doof und haben keine Allgemeinbildung. Zu lesen hier auf 300 Seiten.
2) …werden immer ausländerfeindlicher
3) …laden unbeirrt und kurzsichtig persönliche Fotos und Informationen ins Netz und vergessen die Folgen
4) …kommunizieren falsch
5) …schlafen immer weniger
6) …spielen gefährliche Killerspiele
7) …lachen über Mario Barth
8) …neigen zu körperlicher Gewalt
9) …markieren die „Generation Porno
10) …geraten über Handys in die Schuldenfalle
11) …lesen immer weniger

So, okay, das reicht auch erstmal. Uff. Oje. Und das war leider keine große Arbeit, das alles aufzulisten, eigentlich reicht es, wenn man Onkel Google fragt, was er dazu meint. Und er meint nichts Gutes.

Wenn das so weitergeht, suche ich mir eine andere Generation. Wie wäre es mit den 60ern? Die waren schon cool, he. Habe ich zumindest mal gelesen.

Kaputte Sachen aus der DDR

Heimatkunde - DVDMartin Sonneborn, bekannt als angehender Bundeskanzler, Buchautor und Satire-Spezialist, war wandern. Im Auftrag von Dokumentarfilmer Andreas Coerper umwanderte er in „Heimatkunde“ Berlin (genaue Stationen [samt Videomaterial] hier einsehbar), stets auf der Suche nach Meinungen, Erinnerungen und Anekdötchen „von drüben“. Sie stellen fest: die Mauer, sie existiert in den Köpfen noch. Und so trifft Sonneborn lauter Menschen, die größtenteils die Klischees bedienen, die sogar ich (als jemand, der nach dem Mauerfall geboren ist) gut kenne. Sie erzählen, dass drüben eben nicht alles schlecht war, Wessis meistens hochnäsig und arrogant auftreten und all sowas. Hihi.

Dazwischen macht er sich auf, historische Altbauten aus DDR-Zeiten zu besichtigen. Beispielsweise findet er eine ehemalige NVA-Kaserne, die nun als Asylantenwohnheim fungiert. Alles natürlich jederzeit unterlegt mit den ironischen Tönen des Off-Sprechers. „Üble Ossi-Hetze“ titelte eine Berliner Zeitung zum Kinostart des Films, doch ganz so dramatisch ist es natürlich nicht. Als Satiriker weiß Sonneborn eben, was er den Leuten als (letztlich doch interessierter) Stichwortgeber zusprechen muss, um aus den Menschen das herauszukitzeln, was er hören will. Doch herablassend oder fies wird er dabei nie. Es sind die Menschen mit ihren Geschichten, die sich in gewisser Weise selbst bloßstellen – verstärkt wird dies durch clevere Kameraführung, Schnitte und Kommentare vom bereits erwähnten Off-Sprecher. Aber alles noch im Rahmen, finde ich.

Es wirkt im trostlosen Brandenburg alles so authentisch, dass ich mal vermuten möchte, dass sogar die zwei jugendlichen Mädchen, die Sonneborn nachts rauchend auf der Straße trifft und erzählen lässt, dass die „DDR war sowas wie Krieg“ war, „echt“ waren. So kommt der Film zum Fazit, dass wir wieder eine Mauer brauchen – und wenn es Chinesen sind, die an der Stelle der ehemaligen Mauer zwischen Ost und West eine Kopie der Chinesischen Mauer errichten. „Natürlich nur aus touristischen Gründen“, so das Schlusswort. Da lacht das Satire-Herz und freut sich über eine launige Dokumentation, die zwar kein Meisterwerk ist, aber vor allem dank seiner süffisanten Alltagskomik durchaus gefällt.

Zumindest mir, als Wessi.

Heimatkunde“ kaufen kann man hier. Vorab den Trailer gucken kann man hier. Bitte beides tun.

Hoffentlich kein Scherz

Wenn das hier kein alberner Aprilscherz ist, ist es wirklich (wirklich!) lustig: einer der peinlichsten Gestalten im Deutschen Fernsehen wechselt zum Sender mit den größten Problemen im Bereich „Comedy“. Lustig.

Und Hugo Egon Balder wechselt im Gegenzug zur ARD und moderiert demnächst „Das Quiz“, die „Tagesschau“ und die neue „Harald Schmidt-Show“. Aber das ist nur ein Gerücht.

Amoklauf als Event [2]

Ein weiteres Mal komme ich hier auf den Amoklauf in Winnenden zu sprechen – hoffentlich letztmalig. Ich überlasse das Wort aber anderen, nämlich denen, die den berühmten Nagel auf den Kopf getroffen haben. Bitte lesen bzw. ansehen, danke.

a) „Hanno’s Blog“ über den Amoklauf und sein mediales Echo
b) Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ über Winnenden, der „Stadt im Ausnahmezustand“

Also, lasst die Opfer bitte in Frieden ruhen.

Amoklauf als Event

Nein, ich wollte eigentlich nichts mehr zum schrecklichen Amoklauf in Winnenden schreiben. Vor allem deswegen nicht, weil Lukas Heinser hier alles darüber gesagt hat, was es zu sagen gibt. Aber leider gibt es da ja noch die Medien, die sich sensationsgeil auf die Geschichte stürzen und sich an jedem Detail des Amoklaufes ergötzen. Dokumentiert wird das zum Beispiel hier, hier, hier, und natürlich auch hier. Eigentlich ist dem nichts mehr hinzuzufügen, aber der MusikSender „VIVA“, der selbst als Reaktion auf den Amoklauf zeitweise nur noch Musikvideos gezeigt hatte, berichtet auf seiner Homepage „VIVA.tv“ folgendermaßen über die Ereignisse:

Dass man kein Symbolbild verwendet hat, ist keine schlechte Idee. Über die Sinnhaftigkeit einer Online-“Seelsorge“ (die eigentlich nur ein Gästebuch mit Trauerbekundungen ist) lässt sich streiten. Aber wer bitteschön war der Meinung, dass es eine gute Idee sei, das ganze unter der Sparte „Events“ zu veröffentlichen!? Direkt neben Britney Spears und Samy Deluxe.

Mindestens ebenso lange könnte ich mich übrigens über den gestrigen Bericht bei „SternTV“ ärgern (habe ich hier auch getan). Über über „BILD.de“, die hier zu doof dazu waren, Satire zu verstehen. Aber ich glaube, am besten wäre es, wenn ich über das Thema jetzt nicht noch unnötig viel Aufmerksamkeit spende, denn genau die ist die Gefahr.

Denn es gibt Dinge, die keine Kommentare, Details und Hintergründe mehr benötigen.

[via Kommentar bei „Nicht zynisch werden“ bei „CoffeeandTV„]

Kurzer Kulturhinweis

Übrigens, hier ein Tipp für alle Freunde von komischen Filmen: bitte nächste Woche das hier verpassen! Wird ein gnadenlos grausiger Film! Wirklich! Versprochen! Ich kenne mich aus. Danke.

Die ernsthafte SpaßPARTEI als Buch

Das PARTEI-BuchPolitik ist langweilig und korrupt. Politik ist was für wichtige Herren in teuren Anzügen, die Versprechen machen und sie nicht einhalten. Politik ist populistisch und lügt. Und dann kommt da die korrupte PARTEI, lügt, trägt Anzüge von C&A (für 49€!) und macht populistische Versprechen, die sie sowieso nicht einhalten kann. Hurra! Und nicht mal langweilig! Die Redaktion vom Satire-Magazin Titanic hat die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ im Jahr 2004 gegründet und tuckert seitdem als „schmierige kleine populistische Oppositionspartei“ durch die Nation, immer nach der Suche nach Leuten, die sie und ihr politisches Hauptziel, den Wiederaufbau der Mauer, ernst nehmen. Und davon gibt es leider und zum Glück viele. Gesammelte PARTEI-Geschichte gibt es nun vom ehemaligen Titanic-Chefredakteur und heutigem PARTEI-Chef Martin Sonneborn in „Das PARTEI-Buch“.

Chronologisch erzählt „Deutschlands Chefsatiriker“ (Süddeutsche Zeitung) sämtliche Details der PARTEI-Historie, angefangen mit den spaßigen Titanic-Wahlkämpfen im Namen von sympatischen Splitterparteien wie FDP („Die liberale SpaSSpartei!“) und Bayern-SPD („Wir geben auf.“), die ihn und die Redaktion letztlich dazu bewegt haben, selbst aktiv zu werden. Die Rückkehr der Einheitspartei („Wir sind wieder da!“) also, wie damals! Immer wieder gibt es in Reden und Wahlkämpfen kreative Anspielungen auf NSDAP1 und SED, allerdings nie zu offensichtlich, sodass man (wie in der Satire üblich) ein gewisses Maß an Grundkenntnis mitbringen muss, um sie zu verstehen.

WahlplakatSonneborns Anekdoten zu perfekt inszenierten Aktionen wie dem ersten PARTEI-Parteitag in Münster, dem Kanzlerkandidatin-Casting („Frau ja – aber schöner!!“) oder den urkomischen HLX-Werbespots in Berlin sind allerdings auch für politisch weniger Interessierte ein großer Spaß. Er erzählt sie dabei nie alleine, gut ein Drittel des Buches machen Pressestimmen aus, die dem Leser gut und unterhaltsam aufzeigen, wie das Medienecho „damals“ gewesen ist. Viele Bilder (manche bunt!) gibt es auch noch. Und auf allen Seiten steht in der Ecke eine Seitenzahl, die der Orientierung gilt – dass da vorher noch niemand drauf gekommen ist!

Etwas störend ist allerdings, dass man immer wieder die gleichen Floskeln lesen muss. Wer das komplette PARTEI-Buch gelesen hat, durfte sehr sehr (sehr!) oft lesen, dass die PARTEI seriöser sei als die FDP, bei der letzten Wahl sein bestes Wahlergebnis seit Kriegsende hatte und man möglichst schnell den Mitgliedsantrag auf Seite 223 ausfüllen sollte, weil niedrige Mitgliedsnummern rar seien. Wen es zusätzlich nicht stört, dass prinzipiell der komplette Buchinhalt aus aufgewärmten, längst aus der Titanic bekannten Aktionen ist, erhält ein sehr unterhaltsames Buch über eine Spaßpartei, die aufzeigt, wie amüsant Politik sein kann, wen man sie parodiert. Vorausgesetzt natürlich, dass die eigenen Grenzen des guten Geschmacks nicht allzu politisch korrekt sind.

Der Untertitel des Buches lautet: „Wie man in Deutschland eine Partei gründet und die Macht übernimmt“. Ersteres hat ja schon geklappt, die Machtübernahme bekommt die PARTEI auch noch hin. Ich selbst werde ab sofort meinen Teil dazu beitragen, denn ich bin seit kurzem PARTEI-Mitglied. Und freue mich auf die Machtübernahme im Herbst diesen Jahres, damit wir schon Ende des Jahres damit beginnen können, die Mauer wieder aufzubauen. Und nicht vergessen: Die PARTEI hat immer recht! Also, Buch kaufen, bitte.

Politische korrekte Links:
Das PARTEI-Buch bei Amazon für 8,95€
Der Trailer zum Buch
Die Homepage der PARTEI

  1. Die Jugendabteilung der PARTEI heißt beispielsweise „Hintnerjugend“, benannt nach dem PARTEI-Generalsekretär Thomas Hintner, grüßt mit „Hi Hintner!“ und trägt eine Uniform aus blauem Hemd, grauen Hosen und rotem Halstuch – wie die der Pionierorganisation FDJ, der Jugendorganisation der DDR.

Starkpigmentierte Zeitschrift!

Als ich mich heute in der Schule aus Gründen freudig an die gute, alte und kostenlose Apotheken-Kinderzeitschrift „Medizini“ zurückerinnerte, erzählte mir ein Schulkamerad, dass seine kleine Schwester heutzutage ein ganz anderes Kindermagazin lese. Ich dachte erst, es handle um einen Scherz. Eine kleine Recherche mit einer gängigen Suchmaschine klärte mich auf.
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Hart, fair aber mit Milski

Frank Plasberg -

Woche für Woche lädt Polit-Talker Frank Plasberg ein paar Gäste ein, lässt sie in seinem netten Studio Platz nehmen und führt dann „Hart aber fair“ durch die obligatorische Diskussion über Gott, die Welt und was sonst noch so Aktuelles zwischen Nord- und Südpol passiert. So gab es auch am gestrigen Abend in der ARD ein frisches Thema: erhöhter Alkohol-Konsum bei Kindern und Jugendlichen. Sollte es hier neue Gesetze und Einschränkungen geben? Politiker sind bei solchen Themen natürlich immer ein gern gesehenes Völkchen, so saßen mit Detlef Parr (FDP, Sucht- und Drogenpolitischer Sprecher der Fraktion) und Sabine Bätzing (Drogenbeauftragte der Bundesrepublik) zwei Leute in der Runde, die wissen müssen, worüber sie reden. Auch Schauspieler Heiner Lauterbach und „Super-Nanny“ Katharina Saalfrank sind Gäste, die ihre negativen Erfahrungen mit Alkoholmissbrauch gemacht haben und dem „Komasuff“ kritisch gegenüberstehen. Doch dann sitzt da noch ein Herr in der Runde, der meint: „Party machen ohne Alkohol geht nicht, manchmal einen über den Durst zu trinken ist vollkommen okay.“

Sein Name: Jürgen Milski.
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Ein Jahrhundert Erhardt

Heinz Erhardt

Menschen wie Heinz Erhardt gibt es nur noch ganz selten, was nicht zuletzt daran liegt, dass der Vorname „Heinz“ etwas aus der Mode gekommen ist. Ebenso ist heute mehr der offensichtliche Witz der Star, doch anspruchsvollen humoristischen Größen wie Erhardt (oder zuletzt Loriot) gedenkt der Fernsehnation wenigstens, wenn sie mal Geburstag haben. Heute Abend kommt beispielsweise „100 Jahre Heinz Erhardt“ in der ARD (20:15 Uhr), mit Gästen wie dem bereits erwähnten Loriot oder Otto Waalkes, der ja selbst zu seinem 60. Geburtstag bei RTL nicht so viel Glück hatte und mit Gratulanten wie Paul Panzer oder Cindy aus Marzahn auskommen musste. Die ARD feiert Erhardts Sketche heute in einer Art „Chartshow“, in der die wichtigsten Stücke von aktuellen Comedians wie Ralf Schmitz, Hugo Egon Balder oder Johann König nachgespielt werden.

Ehrgeizhals“ Erhardt-Heinz wurde (morgen) vor exakt hundert Jahren im lettischen Riga geboren und prägte durch seine geistreichen, aber stets launigen Wortspiele und Schüttelreime in den 50ern, 60ern und 70ern gleich mehrere Generationen. Er war dieser nette Onkel, der seinen Neffen bein sonntäglichen Familientreff immer allerlei Unsinn erzählen konnte – diese Rolle spielte er nicht nur auf der Bühne, sondern auch in einigen Filmen (Tipp: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“). Und dass er auch heute noch ein beliebter Komiker und Spaßvogel ist, zeigen die hohen Zuschauerzahlen seiner Videos bei YouTube. Qualität kennt eben kein Alter.

Am fünften Juni 1979 starb Ehrhard in Hamburg. Doch man darf hoffen, dass es ihm dort, wo er jetzt ist, nicht schlecht geht. Sagte er doch einmal selbst: „Vor dem Tode habe ich keine Angst – denn alle, die gestorben sind, lassen nicht wieder davon ab.“ Na dann, alles Gute Heinz!

Rette mich wer kann!

GIGA.de

Wie nun schon seit letztem Freitag (dem 13.) bekannt ist, stellt der Gaming- und Jugendsender „GIGA“ sein Programm ab Ende März ein, weil Premieres Mitarbeiter ihre Brötchen nicht mehr mit dem „Spatensender“ (Zitat User „VivalozTioz“) verdienen können. Die Moderatoren sitzen nun schon auf der Straße, da bis zum Sendeschluss nur noch Wiederholungen gezeigt werden und den anderen Mitarbeitern wurde ebenfalls bereits gekündigt. Ende Mai ist der Laden dann voraussichtlich komplett zu. Und ganz Fernseh-Deutschland trauert, weint und fragt sich: „was sind das für motherf*** die können giga net einfach abschalten“. Doch ein kleines Völkchen leistet Widerstand. Es sind die User der GIGA-Community. die sich mit Kräften gegen das Ende ihres Programmes stemmen. Mal mehr, mal sehr viel weniger geistreich.
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And the Oscar goes to Eurovision

Oscar LoyaIch bin ein großer Freund vom Eurovision Song Contest, ehrlich. Immer mal wieder gibt es Skurriles zu entdecken und wenn man in einem Jahr besonders viel Glück hat, ist ab und an sogar mal richtig gute Musik dabei. Wenn man die Show dann nicht ganz so ernst nimmt und nebenbei noch beim Niggemeier mitverfolgt, macht das alles nochmal soviel Laune. Ein Problem gibt es aber: den deutschen Vertreter. Jahr für Jahr machen wir uns musikalisch lächerlich, „profitieren“ dann auch noch davon, dass wir als einer der großen Industriestaaten Europas die Show großteils mitfinanzieren und dadurch automatisch ins Finale gelangen. Und dieses Problem, das neuerdings wieder in den Händen einer Jury liegt, wurde nun der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Dieses Jahr heißt es „Oscar Loya“ und singt den Song „Miss Kiss Kiss Bang“, produziert vom widerlichen Porno-DJ „Alex C.“, der uns schon mit Knallern wie „Du hast den schönsten Arsch der Welt“ auf diverse Nerven gegangen ist. Zusammen heißen die beiden „Alex Swings Oscar Sings“ und versprechen so wenig, dass sogar Grand Prix-Fan Thomas Hermanns sich bei einer kleinen Journalismus-Attrappe sagte: „Ich hatte ja gehofft, dass es Tokio Hotel werden“.

Aber letztlich bleibt auch der Oscar-Dingsbums-Song billiger Plastik-Swing, der wahrscheinlich nicht mal besoffen ein Hit ist und garantiert wieder beim Contest in Moskau beim Publikum durchfallen wird . Jede Wette. Er ist zu wenig skurril, um aufzufallen und zu belanglos, um sich von den anderen Songs (die zugegebenermaßen noch nicht bekannt sind) abzuheben. Außerdem ist doch schon Roger Cicero mit der Swing-Nummer erfolglos geblieben, warum soll also ein noch schlechterer Song bedeutend besser abschneiden? Tschörmenie, zieroh peunts!

[via Hubi]

ser0tonin sieht fern.

Ich wollte den, der sich bei YouTube „ser0tonin“ nennt, hier sowieso schon längst vorgestellt haben, weil mir das, was er macht, größtenteils gefällt. Aber was macht er denn nun? Nun, er kommentiert aktuelle Geschehnisse im Fernsehen (wie der Fernsehkritiker) auf sehr humorvolle und satirische Art (wie der Fernsehkritiker) und zeigt, wie bescheuert das ist, was wir im Fernsehen so aufgetischt bekommen. Vor ein paar Minuten lud er (nein, nicht Luder1) sein Ranking über die „Top 10 der bescheuertesten Handyklingeltöne“ hoch und weil mich dabei nicht nur wunderbar fremdschämen, sondern auch toll amüsieren konnte, gibt es das Video hier jetzt in voller Länge. Ach und nicht zu vergessen: Top 10-Rankings gibt es auch beim Fernsehkritiker. Aber ist doch schön, wenn man noch gute Alternativen hat.

  1. Mördergag, oder? Hahahahaha.

Uns Uwe

Uwe Wöllner?
Uwe Wöllner hat ein Problem. Sein Problem ist geschätzte 1.80m groß, 33 Jahre alt, arbeitslos, trägt eine Brille, eine komische Mütze („Die ist cool, die habe ich, seit ich 12 bin!“), bestitzt Klamotten, die man im Fernsehen nur noch sieht, wenn Oliver Geißen („Hallöchen, Grüß dich, schön, dass du da bist!“) zur großen 80er-Jahre-Show einlädt und ist ein Verlierertyp. Sein Problem ist er also selbst. Erschwerend kommt hinzu, dass seine peinlichen Besuche bei „Männerberatung“ und „Imagecoach“ von einem Kamera-Team begleitet werden. Ein typischer Fall von Fremdschämen? Jein. Denn hinter dem einsamen Tollpatsch Uwe steckt Christian Ulmen, der diese Figur (neben weiteren Gestalten wie Schnösel „Alex von Eich“) bereits im lustigen Format „Mein neuer Freund“ ausleben durfte. Leider wissen die Leute, mit denen „Uwe“ zutun hat, nicht, dass sie es mit einem Schauspieler zu tun haben und nehmen ihn ernst. Zumindest, soweit das bei einem Idioten wie ihm geht.

Und nun verfolgt man Uwe dabei, wie er durch die Welt, äh, „stolpert“, Fettnäpfchen sammelt und hat viel kurzweiligen Spaß dabei. Das Gewissen leidet dabei auch nicht so, ist ja alles nur gespielt. Unbedingt gucken und gegebenenfalls gut finden!

Uwe Wöllner bei myspass.de
Uwe Wöllner beschreibt sich selbst bei MySpace

Ne Krieewelsche Jong in London

Text?Pete Doherty macht gute Musik. Pete Doherty hat einen guten Geschmack, was Fußballvereine angeht. Trotzdem liest man relativ selten von seiner Musik oder Verbundenheit zu Krefeld, viel öfter liest man Negatives über ihn. Drogen, Alkohol, Kate Moss: der arme Pete hat eben schon so einiges erlebt. Und jetzt musste er auch noch einen 24-stündigen Besuch von MTV über sich ergehen lassen. Der ehemalige Musksender brauchte scheinbar ein paar Sendeminuten, um Klingeltonwerbung und US-Reality-Müll zu überbrücken, herausgekommen ist (neben egalen Interviews mit irgendwelchen Leuten) hauptsächlich ein netter Besuch in der Londoner, äh, „Bruchbude“ von Herrn Doherty. Es verwundert dabei wohl kaum, dass es bei ihm zu Hause auch nicht gerade konservativ zugeht. Katzen wo man hinsieht, kaum etwas funktioniert, dazu überall Dreck und lauter unglamoröses Zeugs. Bestimmt liegen irgendwo noch Drogen und Alkohol rum. Oder Kate Moss.

24 Stunden mit Pete: 1 | 2 | 3 | 4

TV Helden gesucht und gefunden

Oho: Was Lustiges auf RTL, sogar mit Satire und ohne Dschungel! Mehr zu den „TV Helden“ nächsten Samstag um 23.15 Uhr auf RTL (und hier).

Update 26.01./15:01 Uhr:
Hurra! Jetzt gibt es auch die komplette Folge auf YouTube. Sehe hier, den Weg zu Teil 2 und 3 findet ihr selbst. Lustig!

Was erlaube Walter?

Walter Freiwald

Bisher dachte ich immer, Walter Freiwald wäre ein lustiger, zappeliger TV-Verkaufsshow-Mensch, der vor allem als Parodie äußert unterhaltsam ist. Nun musste ich allerdings vorgestern bei der neuen Folge vom grandiosen Format Fernsehkritik.tv sehen, wie Herr Freiwald („Zackbumm, da sind wir wieder!“) für eine Musik-CD vom (toten) rechten Ösi-Populisten Jörg Haider wirbt. Die Musik gruselig, der Interpret rechts und der Walter verwendet Adjektive wie „unglaublich“ und „dramatisch“. Im positiven Sinne, natürlich. „Rufen Sie an!“. Ne, Walter, echt nicht. Und dann fragt man sich noch, wie abgewrackt man sein muss, um ins Dschungelcamp zu ziehen? Schäm dich, Walter!

(Wer will, kann sich hier für ihn schämen.)

Ich bin ein Voyeur – lasst mich in Ruhe!

Bach, ZietlowEs ist schon fast langweilig geworden, über "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" zu schreiben: Jeder tut es, neue Erkenntnisse gibt es selten und dass die Sendung nicht sonderlich anspruchsvoll und authentisch ist, wissen wir auch längst. Nicht neu ist dazu die Erkenntnis, dass die zehn Kandidaten wohl ziemlich pleite und egal geworden sein müssen, um überhaupt ins berühmt-berüchtigte "Dschungel-Camp" zu ziehen. Wissen wir jetzt, wo wir uns schon die vierte Staffel auf RTL antun, doch schon. Wenn sie die Aufmerksamkeit brauchen, dann geben wir sie ihnen doch, wir sind doch alles nette Menschen. Und wenn die weiblichen Kandidaten dann nackt duschen oder baden gehen, freut sich sogar der Voyeur! Ich bin jemand, der sich aus vielen Gründen auf diese Show gefreut hat und sie auch dieses Jahr ausführlich verfolgen wird – wofür ich mich komischerweise immer rechtfertigen muss. Unterschichten-TV für BILD-Leser sei das Programm, tststs. Bin ich wirklich so blöd, wie mich die Klugscheißer halten? Nö.

Loriette LondonDenn es gibt derzeit kaum eine bessere Comedy als eben diese Show. Zum einen das tolle Duo Bach/Zietlow, das ironisch-kritisch mit Zoten, offensichtlichen Wortspielen und Kalauern um sich wirft, sich dabei selbst aber nicht ernst nimmt. So sollte es sein. Und dann noch die Menschen im Camp. Ich sage bewusst "Menschen", weil es eben diese sind, die die Sendung so spannend und unterhaltsam machen: Nichts ist so interessant wie der Mensch. Kennt man die Menschen, die man dann schelmisch beobachtet auch noch entfernt, weil sie irgendwann irgendwo aus irgendeinem Grund mal für ein paar Minuten in der Öffentlichkeit standen, dann macht das erst recht Spaß. Andere garantiert böse und gefährliche Lebewesen wie Spinnen, Schlagen und vielleicht sogar Stirnlappenbasilisken sorgen dann in Kombination mit den _-Promis (bitte Buchstaben einsetzen) für Kurzweil und gute Unterhaltung. Manchmal sind es sogar nur bestimmte Körperteile von Tieren, die im Rampenlicht stehen. Gestern zum Beispiel musste "Loriette London", ehemals Mann, heute, äh, "Frau", unter anderem eine "Penis Colada" trinken.

Das kann mich gewiss geschmacklos, peinlich und ekelhaft finden. Man kann sich aber auch auf das Format einlassen, sich unterhalten lassen und amüsiert froh darüber sein, es nicht nötig zu haben, sich in der Show bloßstellen lassen zu müssen. Besonders spaßig übrigens: Nach der Sendung noch beim Fernsehlexikon vorbeischauen. Die Wortspiele dort haben auch garantiert mehr Biss als manche Schlange im Camp.

TV-Kritik: Abnehmende Menschen, zunehmende Peinlichkeit

The Biggest Loser: LogoJeder weiß: Dicke Menschen sind lustig. Und nett. Ach ja, und natürlich dick. Kann natürlich nicht so bleiben! Zum Glück gibt es da ja das Fernsehen, puh. ProSieben zeigt ab heute donnerstags um 20:15Uhr in "The Biggest Loser" wie vierzehn dicke Menschen versuchen, dünner zu werden. Versteht mich nicht falsch, eine gute Sache, vor allem aus gesundheitlicher Sicht. In den USA gab es von der Abnehmshow bereits sieben Staffeln und immer konnten die Kandidaten erstaunliche Erfolge erzielen – aber natürlich ist es ProSieben misslungen, eine ernst zu nehmende Dokumentation aus der Abnehmerei zu machen. Aber der Reihe nach.

Präsentiert wird die "Show & Comedy" (ProSieben.de) von Ex-Eiskunstläuferin Katarina Witt, die sogar schon ein Fitness-Buch veröffentlichen ließ und sich so natürlich schon für die Moderation anbietet. Wie das mit den Prominenten in solchen Sendungen aber so ist, bekommen die Kandidaten den Star aber nur selten und falls dann doch, sehr kalt und distanziert zu Gesicht, aber es gibt ja auch wichtigere Dinge zu tun: Abnehmen zum Beispiel. Zuvor werden die Jungs und Mädels aber noch gewogen, Gewinner ist am Ende der Staffel nämlich der- oder diejenige, die am meisten Gewicht verloren hat. Ab und an dürfen die Teilnehmer dann auch noch ein bisschen was von sich geben und da sind ja wirklich ein paar sehr überraschende Einzelschicksale dabei, oho:

"Ich bin schon seit meiner Kindheit so dick und habe schwere Knochen!"
"Dieses Kleidungsstück würde ich gerne mal wieder tragen"
"Ich fühle mich so dick unwohl, alle Menschen starren mich an!"

Ach wirklich? Na dann, weg mit den Männerbusen! Verschwinde, dicker Hintern!

Biggest Loser-Kandidatin DorisAber Puste Schokokuchen: Nur zu zeigen, wie die Dickerchen joggen und Gemüse essen, wäre natürlich viel zu langweilig. Also packt ProSieben die Kandidaten in zwei Teams, zieht ihnen blaue bzw. rote Klamotten an, veranstaltet sportliche Wettkämpfe und schenkt dem Gewinner (oder, frei nach dem Sendungstitel: dem "dicksten Verlierer") auch noch 100.000€. So kann man wenigstens davon ausgehen, dass es zwischendurch noch ein wenig Geldgeilheit und Krawall gibt, denn gerade zum Ende wird es wohl primär um die Knete gehen, Geld macht bekanntermaßen blind. Wie in solchen Shows üblich, wird am Ende jeder Show noch ein/e Teilnehmer/in vom Verliererteam rausgewählt. Heute es hat es Doris getroffen, die an Athrose litt und dementsprechend wenig für das Gesamtergebnis des Teams tun konnte. Tschö Doris, danke, dass ProSieben dich weinend vor einem Millionenpublikum zeigen durfte und jetzt bist du mit deinen Pfunden wieder allein. Super!

Es ist aber nicht die Tatsache, dass es für Unbeteiligte ziemlich wenig unterhaltsam ist, Menschen beim Abnehmen zu beobachten. Wirklich schlimm und beunruhigend ist, wie egal es ProSieben zu sein scheint, wie viel die "Biggest Loser" letztlich auf die Waage bringen: Wie ist es sonst zu erklären, dass jeder Teilnehmer vorher noch in seiner eigenen Wohnung dabei gefilmt wird, wie er haufenweise Dickmacher zu sich nimmt? Gehört dies zu einer seriösen Dokumentation dazu oder reicht es nicht, sie erzählen zu lassen, dass sie gern viel essen? Und wie peinlich-erniedrigend muss es für Teilnehmer Enrico sein, im TV zu sehen, wie die große Gewichtsabnahme des 190kg-Mannes mit "Mr.Boombastic" von Shaggy zelebriert wird?

Überhaupt fällt auf, dass kaum ein Interview und erst recht keine sportliche Tätigkeit ohne laute Musik aus dem Off über den Bildschirm geht. Möchte man den Zuschauer mit dem Charts-Gedudel ablenken? Wäre es nicht viel authentischer, an der ein oder anderen Stelle auf Songs wie "Big Girls" von Mika zu verzichten? Ist es notwendig, künstlich und mutwilig Zickenkriege und Neid herzustellen? Ich weiß ja nicht, wie viel Einfluss ProSieben auf die Werbung während der Sendung hat, aber muss während einer solchen Show wirklich für McDonald’s, Cola und Mikrowellen-Currywurst geworben werden? Wissen die Kandidaten nicht, dass der teure Preis für ihre Abnehmkur im TV die öffentliche Bloßstellung und Offenbarung privater Probleme und peinlicher Privatangelegenheiten ist? Muss die Kamera beim fröhlichen Wetthungern wirklich jedes Mal den Zoom anschmeißen, wenn ihr ein Fettpölsterchen vor die Linse springt?

Während der ersten sechs Sendungen verlieren die Teilnehmer insgesamt übrigens rund 400kg, Respekt und Glückwunsch dazu. Und Sie, lieber Zuschauer, können sich mit mir über diese Erfolge freuen – aber bitte ohne diese peinliche Sendung. Dieses TV-Fastfood hat niemand verdient.

„Solange man lebt, soll man rauchen!“

Helmut KörschgenHelmut Körschgen. Welchem Leser dieses egalen Blogs sagt dieser Name etwas? Wohl die wenigsten meiner fünf Stammleser sind in ihrem Leben bisher auf diesen "Schauspieler" gestoßen, der in genau zwei Filmen mitgewirkt hat. Seine einzigen beiden  Filmauftritte in der Mitte der 90er-Jahre tragen die Titel "Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem" und "00Schneider – Jagd auf Nihil Baxter" und vielleicht kommen Sie ja darauf, dass dies zwei (großartige!) Filme von Helge Schneider sind, den ich hier nicht mehr weiter lobpreisen und vergöttern muss, denke ich. Zurück zu Körschgen: Es bedarf sicher einer Erklärung, warum ich die Bezeichnung "Schauspieler" in der dritten Zeile mit Anführungszeichen versehen habe. Dazu muss man erzählen, dass Körschgen die Schauspielkunst nie gelernt hat und ursprünglich als Statist für den "Texas"-Film vorgesehen war, letztlich aber doch viele (komplett improvisierte) Szenen als "Lieutenant Körschgen" zu spielen hatte. Dabei schaut er ab und an fragend in die Kamera, macht Pausen mitten im Satz und, so schreibt Daniel Hein von der Helmut Körschgen-Fanseite,  "jeder perfekt einstudierte und bis ins kleinste geprobte Lieutenant würde neben 00 jämmerlich zugrunde gehen." Und genau dieses eckige, unangepasste Agieren passt perfekt in die Helge-Filme, die sich selbst auch nicht allzu ernst nehmen und so ziemlich alle Normen der Filmkunst ignorieren. Sein prägnantestes Zitat lautet "solange man lebt, soll man rauchen!" und wenn ich rauchen würde, fände ich diesen Spruch bestimmt noch besser als ohnehin schon.

Helmut Körschgen starb 2002 im Alter von 79 Jahren.

Mehr von Helmut Körschgen auf der bereits erwähnten Fanpage helmut-koerschgen.de, inklusive Sprüche, Videos und ganz viel tollem Zeug:

Einskommafünfmillioneneuro!

Schlag den Raab - Foto: ProSiebenUnd er hat den Raab nicht geschlagen. Markus, HNO-Arzt aus dem Ruhrgebiet, hatte gestern Abend auf ProSieben die Chance, 1,5 Millionen Euro (In Worten: Einskommafünfmillioneneuro!) zu gewinnen, aber Metzger Raab war einfach wieder zu stark. Wirklich spannend war es in den knapp viereinhalb Stunden Sendezeit (minus knappe drei Stunden Werbung, Auto-Gewinne und Auftritte von Chart-Musikern) nur selten, was vor allem daran lag, dass der Markus wahrscheinlich nur von den Zuschauern als Kandidat ausgewählt worden ist, weil er ein glatzköpfiger Muskelhaufen ist. Aufgaben, die Feingefühl und Präzision voraussetzen, hatte er sowieso keine Chance. Auch ist er als Kandidat viel zu farblos, von mir aus soll jetzt mal ein Blödelbarde zu "Schlag den Raab" gehen und dort ein bisschen Spökes machen. Raab macht ja auch keine Witze während der Show, dafür ist (wenn überhaupt) Moderator Matthias Opdenhövel zuständig. Über den hier übrigens mal ein paar positive Worte verloren werden sollten: Er ist längst nicht mehr so nervig wie früher und ist vollkommen okay.

Komme ich aber mal wieder zur gestrigen Show: Mein persönliches Highlight war das Koffer-Pack-Spiel. Ich hasse diese Merk-Geschichten, ich bin da viel zu hibbelig für, schließlich kann ich mich auch in der Schule nicht mal fünf Minuten still hinsetzten und mich konzentrieren. Aber Stefan und Markus setzten sich deutlich länger konzentriert auf ihre Sessel und merkten sich, womit sie ihren imaginären Koffer so füllen. Wenn ich mich recht erinnere, waren sie am Ende bei fünfzehn Begriffen, bis Markus dann zum Verhängnis wurde, dass er nur "Vase" statt "Blumenvase" gesagt hatte. Punkte für Raab. Und auch beim letzten (und dreizehnten?) Spiel, dem scheinbar gestern erfundenen "Leitergolf", verlor der Kandidat glücklos. Ich könnte jetzt versuchen das Spiel zu erklären, aber das ist gar nicht so einfach. Interessiere schauen bitte hier nach. Der Leitergolf-Gottt ist ein Arsch, dachte ich mir, als es fast so ausgehen hatte, dass Markus den Spieß vielleicht doch noch umdrehen könnte und letztlich doch verlor. Das Endergebnis hieß dann 72:19 für Raab, der auch Spiele wie "Baggern" oder "BMX" für sich entscheiden konnte.

"Ist doch klar, er ist doch Schalker" meinte gestern ein User im Schalke-Forum, der froh verkündet hatte, dass er seinen HNO-Arzt im TV bestaunen könnte und wisse, dass dieser S04-Fan sei. Aber wenn Kandidat Markus wirklich Schalker ist, dann hätte ich gestern ja gar nicht einschalten müssen. Gegen Schalker gewinnen war schließlich selten leichter als aktuell. Vielleicht tritt zur neuen "Schlag den Raab"-Show im Januar ja mal ein Bayern-Fan an und gewinnt die dann 2 Millionen Euro (Zweimillioneneuro!). Wer will?

Der Tag, an dem das Kino halbleer stand

Blue Shell (Köln)Ich war dieses Jahr nur dreimal im Kino – gestern inbegriffen. So wunderte ich mich auch darüber, dass das Krefelder Kino-Monopol "Cinemaxx Krefeld" ein wenig umgebaut hatte und man jetzt sogar am Automaten bestellte Karten abholen kann. Toll! Ganz altmodisch stellten wir uns aber an die gute alte Warteschlange und entschieden uns für "Der Tag, an dem die Erde stillstand". Man kann sich darüber wundern, dass "stillstand" zusammengeschrieben ist, aber nun gut. Vielleicht entsprach dieser Titel ja 1951 noch den Vorgaben des Duden, denn in diesem Jahr erschien der Original-Film, der nun neuverfilmt  worden ist. Kurz zur Story: Unbekannte Lebewesen kommen auf die Erde, die Menschen haben Angst; Kabumm, Rumms und so weiter.

Sogar mir bekannte Schauspieler sind dabei, zum Beispiel Jennifer Connelly und Keanu Reeves, der den Alien "Klaatu" (was für ein bescheuerte Name!) spielt. Oder der gute alte Monty Python-John Cleese, der lustigerweise einen intelligenten Professor und Philosophen spielt, aber leider keine lustigen Witze machen darf. Besonders wichtig für die Handlung ist dann später auch Jaden Smith, Sohn von Will Smith und putzige zehn Jahre alt. Kinder gehen ja sowieso immer, sind ja auch süß. Aber damit nicht nur die Damen was zu gucken haben (Reeves: gutaussehend – Jaden: süüüüß!), gibt es auch Explosionen und die bereits erwähnten "Kabumm" und "Rumms". Zusammen ergibt "Der Tag, an dem die Erde stillstand" dann einen okayen Action-Film.

Obwohl der Film gerade erst angelaufen ist und gestern der extrem günstige "Kino-Dienstag" war, war der Kinosaal maximal halb gefüllt. Zum Glück war meine Tüte Popcorn umso voller und in Zusammenarbeit mit Moritz (Hallo, er liest hier mit.) war dann auch der lange Werbeblock ertragbar. Ich bedankte mich mit großzügigen Popcorn-Spenden und einigen politisch nicht korrekten Witzen bei ihm. Viel spannender war der Film dann aber auch nicht. Die Storyline des Streifens ist manchmal extrem wirr und doof, die Tempowechsel sind unstrukturiert und scheinbar wenig durchdacht und gelacht wurde nur, als Angela Merkel kurz im Bild war (hihi). Das Weltuntergangsszenario hat am Ende dann noch ein bisschen mit der Moralkeule geschwungen und weil die so schön zu Weihnachten passt, präsentiere ich hier mal die tolle Moral: Menschen sind böse Geschöpfe und machen alles kaputt, wir sollten alle vielmehr miteinander kuscheln und uns liebhaben, sonst gehen wir auch kaputt.

Da ich in doppelter männlicher Begleitung im Kino war, blieb das Schmusen nach dem Film, der mit dem schrecklichen "Vergiftet im Schlaf" von Thomas D im Abpsann irgendwann plötzlich vorbei war, aus. Und so richtig warm sind wir auch mit dem Film nicht geworden.

Hey, BBC!

Hm, bitte mal hier klicken und die Bildunterschrift beachten. Hm.

Schäm dich, VIVA!

Dass VIVA längst nicht mehr so dufte ist wie früher, darüber habe auch ich schon mal einen längeren Vortrag gehalten. Aber jetzt hat VIVA endgültig übertrieben. Auf Videotextseite 110 kann man derzeit folgendes lesen:

Amy Winehouse ist tot……116

Ich war schockiert, betroffen und sehr traurig. Die grandiose Sängerin Amy Winehouse tot!!?!!??! Nein, natürlich nicht. Zum Glück. Aber bei VIVA freut man sich halt, wenn man über die drogenabhängige Dame berichten kann. Auf Seite 116 steht:

Amy Winehouse ist tot
Keine Bange, Amy Winehouse lebt. Der italienische Künstler Marco Perego sieht das jedoch anders. Denn in seiner New Yorker Ausstellung "The Only Good Rock Star Is A Dead Rock Star" hat er unter anderem die tote Amy Winehouse ausgestellt. […]

Das ist weder makaber, noch künstlerische Freiheit: das ist schlichtweg widerlich und menschen verachtend.

Linkes Wikipedia

Wikipedia.de ist derzeit nicht das Tor zur gewohnte Online-Enzyklopädie, stattdessen liest man dort aktuell folgendes:

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, "die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten", solange "unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org" bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. Bis auf Weiteres muss das Angebot auf wikipedia.de in seiner bisherigen Form daher eingestellt werden. Der Wikimedia Deutschland e.V. wird gegen den Beschluss Widerspruch einlegen.

Oh weh, da möchte scheinbar jemand seine Stasi-Vergangenheit vertuschen. Einen schönen Nebeneffekt hat das ganze aber: ich weiß nämlich jetzt, wer Lutz Heilmann ist und was er getan hat. Schon doof, erinnert mich an die Geschichte um Atze Schröders richtigem Namen: er hat verboten, ihn weiter zu publizieren zu lassen, trotzdem (oder eben genau deswegen) habe ich mir seinen Namen besonders gut eingeprägt.

Und die Linke hat mal wieder gezeigt, dass sie unwählbar ist.

Auch interessant: die Diskussion über den Wikipedia-Artikel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Lutz_Heilmann

MTV und VIVA endgültig egal.

Schnüff. Musste gerade beim Lukas lesen, dass MTV und VIVA einige Änderungen in ihrem Fernsehprogramm vornehmen werden (müssen), wie wiederum dwdl.de berichtet: die Sendungen "MTV Urban", "MTV Masters", "MTV Rockzone" werden ab sofort ersatzlos gestrichen, "MTV TRL", "VIVA feat." und "VIVA live" werden in Zukunft weniger häufig zu sehen sein. Kurze Erklärung für alle, die seltener das Programm beider Sender studieren: "Urban" und "Rockzone" sind zwei Sendungen auf MTV, die sich komplett mit einem Genre beschäftigen, "Masters" und "VIVA feat." sind Dokumentationen, vor allem auf MTV waren die "Masters"-Dokus oftmals ein Lichtblick und absolut sehenswert. "VIVA live" und "TRL" sind im Groben wie TV Total, nur mit Musik und Klingelton-Werbung zwischendrin. Nicht wirklich berauschend, aber immerhin Musik.

MTV Mit dem Wegfall dieser Sendungen ist das deutsche Musikfernsehen endgültig tot. Die gestrichenen Sendungen waren noch mit Abstand die besten Dinge, die bei MTV und VIVA über den Schirm liefen. Eben weil es die einzigen Sendungen waren, in denen (meist) die Musik und eben nicht schöne Menschen aus den USA im Vordergrund gestanden haben. Das macht mich gerade sehr traurig. Kenne noch Sendungen mit "Typen" wie Charlotte Roche, die damals das grandiose "Fast Forward" gemacht hat, für das sie sich heute schämt. War damals leider noch zu jung, um die Sendung zu sehen, aber glücklicherweise gibt es ja YouTube. Wobei, wie Lukas in seinem oben bereits verlinkten Artikel richtig erkannt hat: neue Musik lässt sich mit YouTube kaum entdecken. Dazu muss man schon Radio hören (Tipp: Plan B auf 1Live) oder Portale wie Tonspion.de besuchen. Auf YouTube guckt man nur das, was man sowieso schon kennt. Und so bleibt man als Jugendlicher, der vielleicht nicht so viel Interesse und Zeit in Musik stecken will, in seinem bisherigen Wissen über aktuelle Musik stecken: er hört im Radio die gleichen Titel der immer gleichen Künstler und sieht auch in den Klingeltonspots auf MTV und VIVA in Zukunft nur die Gassenhauer, die er sowieso schon in polyphoner Ausführung auf seinem Klapphandy hat.

VIVA Ich zähle jetzt einfach zusammenhanglos ein paar Leute auf, die mit dem Musikfernsehen groß geworden sind: Stefan Raab, Oliver Pocher, Christian Ulmen, Niels Ruf, Markus Kavka (der zwar noch bei MTV ist, aber beide Sendungen gestrichen bekommt), Mola Adebesi, Nora Tschirner, Sarah Kuttner, Matthias Opdenhövel, Tobias Schlegel. Zugegeben, über manche Namen lässt sich streiten, aber es darf bezweifelt werden ob sich in den nächsten Jahren weitere Namen zu diesen teils doch – im positiven Sinne – arg bescheuerten und schrägen Gestalten dazu gesellen werden. Denn die aktuellen Gesichter sehen einfach nur gut aus (Collien Fernandes) oder sehen nur gut aus und nerven (Gülcan Kamps).

Es wird auch in Zukunft noch Sendungen auf beiden Sendern geben, die sich mit Musik beschäftigen. Aber es werden immer weniger, im Vordergrund stehen jetzt oberflächige, stupide Dating-Shows aus den USA, Zeichentrickserien und Klingeltöne. Das kann man nicht gut finden. Ich finde es sogar sehr traurig. Und daher beende ich diesen Eintrag so wie ich ihn begonnen habe: Schnüff.

Beepworld – der kostenlose Internet-Soap-Anbieter

Es ist derzeit mal wieder eine wahre Freude das Geschehen im Forum des Homepage-Anbieters Beepworld zu verfolgen. Wir erinnern uns: vor langer, langer Zeit brachte mich Google auf die Seite des kostenlosen Homepagebaukasten-Anbieters und logisch, ich als HTML-Neuling brauchte natürlich öfters Hilfe im dortigen Support-Forum. Soweit auch alles so üblich, so uninteressant. Aber wenn man sich in der Forum-Übersicht traut, ein wenig herunterzuscrollen, dann warten dort heimtückische Unterforen auf die Leserschaft. Sie nennen sich "Lob / Kritik / Neuigkeiten" und gerade das zweite Wort des Namens passt wie die Faust aufs Auge. Aber ich schreibe den ganzen Plot lieber noch einmal in Ruhe (und hoffentlich möglichst genau und weitestgehend sachlich) auf, damit auch Neulinge bald ihren Spaß am Forum-Geschehe haben werden. Popcorn raus!

Die Beepworld-Familie im Portrait. [Quelle: pixelio.de]

Beepworld ist ein gewinnorietierter Familienkonzern und bietet gerade Internet-Neulingen eine Plattform für das leichte Erstellen einer eigenen Homepage. Man verdient einerseits Geld durch Werbeeinblendungen (die auch gern mal als Newsletter im E-Mail-Postfach landen) auf den kostenlosen Homepages der User, ebenso auch durch Updates, die man sich erwerben kann. Mir ist natürlich nicht bekannt, wie hoch der Umsatz von Beepworld ist. aber die große Fülle von anderen (ergo: besseren) Anbietern wird sicher nicht gerade positive Auswirkungen auf den Erfolg von Beepworld haben. Ebenso verbucht das Pressearchiv der Seite nicht gerade viele aktuelle Einträge. Beepworld ist einfach egal geworden, zumindest für die breite Masse. Aber es gibt sie noch, die Fans der Seite. Aber ich würde für das Forum folgende User-Unterteilung vorschlagen:

a) die "Chefs", also die leitenden Persönlichkeiten im Forum wie Moderatoren
b) die "Urgesteine", die schon lange bei Beepworld herumschwirren (oft mit kritischem Unterton, wahlweise auch ehemalige Moderatoren)
c) die "User", die sich aus dem internen Geschwurbel heraushalten und einfach nur auf Spaß oder Hilfe aus sind

Moment – Spaß? Da war doch was. Ach richtig, das Kritik-Forum. Kritik gibt es überall und auch das ist nicht sonderlich spannend. Aber innen drin bei Beepworld knistert es gewaltig. Die Liste der Ex-Moderatoren ist lang, fast jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte zum Rauswurf – oftmals werden Moderatoren dort nämlich gegangen – und schmollt jetzt aufgabenlos durch die tiefen Weiten des Internets. Bevor dieser Zustand allerdings erreicht wird, wird erstmal eine lustige Schlammschlacht im Forum ausgetragen. Recht haben dabei meistens die Guten, also der "Entmachtete" und seine Schar an wichtigen Meckermenschen. Aktuelles Beispiel: Moderator "kalle" wurde nach langjähriger, ehrenamtlicher Arbeit entlassen, weil er "in den letzten Monaten nicht mehr als Vorbildfunktion" agiert hat.  Endlich wieder Futter für die Kritiker, eine heiße Diskussion ist entfacht.

Kritiker sagen: sein Problem war, dass er eine eigene Meinung hatte. Ein inzwischen gelöschter Beitrag vom gestrigen Abend beinhaltete gar die These, dass es im Allgemeinen zwei Arten von Moderatoren gäbe: auf der einen Seite die, die meinungs- und emotionslos ihre Arbeit verrichten und die, die sich oftmals in Diskussionen beteiligen und auch mal anecken. Anecken, das ist aber so ein Problem bei Beepworld. Mein Eindruck ist, das jeder Moderator, der nicht unaufgeregt und möglichst ohne großes Aufsehen seine Arbeit erledigt, unerwünscht ist. Mag mein subjektiver Eindruck sein, und selbst wenn ich damit recht behalten sollte, niemals würden die Herrn dort oben zugeben, so zu denken. Aber sogar mir als unregelmäßiger Beobachter des Forums auf, dass nirgendwo sonst der Verschleiß an Moderatoren so hoch zu sein scheint wie bei Beep. Vorschläge werden übrigens auch sehr gerne abgelehnt, wenn auch nur geringste Gefahr bestehen könnte, dass ein Kunde sich einem anderen Portal zuwendet. Und die Geschichte der Beepworld-Verschwörung ist eine der beliebtesten Seiten des Anbieters. Einer der leitenden Persönlichkeiten ist dort eine der Hauptpersonen, aktuell wurde er sogar einmal ausfallend und ein User wurde beleidigend angegriffen. Schnell forderten die User Negativpresse, aber wie bereits erwähnt interessiert sich die Presse aktuell weder für Positives, noch für Negatives bei Beepworld. Aber die Kunden könnten die kritischen (und zugegeben teils auch mit sehr persönlichen Beleidigungen versehenen) Beiträge ja lesen: kein Problem, werden die bösen Beiträge gelöscht und alles wieder in Ordnung.

Doch nichts in Ordnung. Die Wattebausch-Schlacht wird bereits seit Jahren ausgetragen, als neutraler Zuschauer möchte man aufstehen, applaudieren und "Bravo! Zugabe!" rufen so kreativ und abwechslungsreich ist die Handlung. Wobei, Zugabe? Es scheint, als wäre der große Beepworld-Spaß noch längst nicht vorbei. Ist das nun gut oder schlecht? Liegt im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall ist es authentischer als jede Soap im Fernsehen. Wenigstens etwas.

Zusatz:
Um die komplette Brisanz des Themas zu verstehen, muss man wahrscheinlich Beepworld-Mitglied sein. Also bitte nicht beschweren, wenn dieser Eintrag für den "normalen Leser" nicht ganz so interesannt sein mag. Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, bitte in den Kommentaren oder per Mail darauf hinweisen.

BILD.de weder exklusiv, noch informiert

Okay, ich gebe es zu. Ich war nur auf BILD.de, um irgendeinen Fehler zu finden. Oder wenigstens irgendetwas, was ich kritisieren könnte. Und zack, nach etwa drei Minuten bin ich fündig geworden! Bravo, BILD.de. Dort steht folgendes:

Quelle: BILD.de

Quizfrage: was wird dem Leser durch diese Überschrift suggeriert? Richtig, dass das Spiel APOEL Nikosia gegen Schalke 04 heute nicht im Fernsehen zu sehen ist und nur BILD.de Bildmaterial zum Spiel bietet. Ist nicht richtig, denn S04-Fans können über Satelit bei einem zypriotischen Sender in den Genuss des UEFA-Cup-Spiels kommen, aber nun gut, dass weiß man sicher auch nur, wenn man beinharter Knappe ist. Und ein kurzer Blick ins Schalke-Forum ist für einen Journalisten vielleicht auch etwas viel verlangt. Dort kann man ebenfalls lesen, dass das Radio Emscher-Lippe live im Radio vom Spiel berichtet, ebenso wie WDR2.

Außerdem plant der Sender Eurosport in den nächsten Tagen eine Zusammenfassung – im TV!

BILD.de schreibt weiter:


Quelle: BILD.de

Wie? Schalke-Fans schauen in die Röhre? Ich dachte, es läuft nicht im TV?
Und ob der Live-Ticker bei BILD.de so spannend wird wird eine TV-Übertragung bleibt abzuwarten. Aber mit Sicherheit gibt es Schalke nicht nur bei BILD.de, wie einem die Überschrift erzählen möchte. Denn bei Schalke04.de, Kicker.de und Sport1.de wird es ebenfalls einen Live-Ticker geben.

Aber BILD flunkert bei der Exklusivität ja gern mal.

Nachtrag (16:22Uhr):
Jetzt steht’s auch im BILDblog.

Nongamertendo? Casual-Kram 24:7 und wütende Veteranen


Inzwischen dürfte es auch der letzte Gehirnjogger und Augentrainer bemerkt haben: Die E³ ist vorbei und die nachgereichten News, Kommentare und Fazits flattern in großer Zahl durch das Internet. Selbst wenn die Messe innerhalb der letzten Jahre aus bekannten Gründen immer mehr an Wichtigkeit verlor, ist es dennoch stets ein pompöses Schaulaufen der Publisher und Entwickler, sehr zur Freude der Fangemeinden, die meist mit einem „Wow!“ im Gesicht und einer Schüssel Erdnussflips vor den Bildschirmen sitzen, Releasetermine notieren und in Vorfreude auf die kommenden Videospiel-Highlights vor sich hin grinsen. Doch dieses Mal ist das ein wenig anders, zumindest, wenn man einen DS oder eine Wii-Konsole sein Eigen nennt: Denn, so sind sich fast ausnahmslos alle Fachleute einig, zwei eindeutige Verlierer hat die E³ im Jahre 2008 mit sich gebracht: Nintendo und die schmollenden Veteranen des Konzerns.

Ja, komm, ich will weiter lesen!