Ich selbst? Zweifel « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Ich selbst? Zweifel

Alles lief geschmiert wie ein leckeres Butterbrot. Aber dann! Da schrieb ich einen neuen Text und gleich der erste Satz enthielt einen peinlichen Vergleich, der an Dilettantismus kaum zu unterbieten war. Verdammt! Es blieb nur zu hoffen, dass doch nicht nur der erste Eindruck zählen würde. Und falls er es doch tut? Doppel-Verdammt! Spontan kam Herr Selbstzweifel vorbei, machte in meinem Kopf Klingelmännchen und sprang dann lachend hinfort, wie er es immer tat. Man ist immer nur so gut, wie es die Zweifel zulassen. Herr Selbstzweifel hinterließ mir unnetterweise ein paar Fragen; wobei „ein Paar Fragen“ falsch ist, denn es waren nicht zwei, sondern drei, hahaha, sehr witzig. Und ich frug mich fragend folgende Fragen:

Bin ich ein eigentlich ein Autor? Joa.
Mache ich Kunst? Joa.
Stelle ich mir rhetorische Fragen, die ich mir dann selbst beantworte? Triple-Joa!

Insgeheim jedoch bin ich sehr, sehr gut und finde das auch von Zeit zu Zeit. Manchmal schmeiße ich mir selbst ein bisschen Geld in meinen Spendenhut, so gut gefalle ich mir an manchen Tagen! Schade, dass man davon nicht leben kann. Ich lande stets bei plus/minus null. Aber im Minus war ich noch nie! Solides Wirtschaften! Guckt mal, diverse Länder, so macht man das! Vielleicht.

Tauge ich als Vorbild? Eher nein.
Tauge ich überhaupt? Das Kreiswehrersatzamt Mönchengladbach sagte: nein.
Und kann ich eigentlich rappen? Ach du Scheiße, man ahnt, was nun kommt.

Yo! Yo! Yo! Johannes Floehr tut jetzt Rhymes verteilen,
No! No! No! Keine Sorge, es sind nur dreizehn Zeilen.

Obacht, Obacht! Jetzt gibt es Floehr ins Gehör!
Obacht, Obacht! Delikat wie Eier vom Stör!
Obacht, Obacht! Reimen macht voll Bock, yoah!
Obacht, Obacht! Ein Gedicht ist eine Brücke und du gehst drü-boah.

Und ich bin so Floehr, flüster‘ dir Unsinn ins Öhrchen,
bin ungesund wie Nutellatoast, tu mal lieber die Möhrchen.
Ich bin so Floehr, bin nicht bloß einer von vielen,
ich bin so Floehr, ich kann mit einem Auge schielen,
ich bin so Floehr, ein Maleur ganz eigener Coleur, gehe nie zum Frisör
und ich schwör‘: ich kenne so viele Reime auf meinen Namen,
ich könnt‘ locker fünf Minuten damit füllen!

Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es Gesetze gibt, die das verhindern. Mindestens ungeschriebene. Meinungsfreiheit ja, aber doch bitte nicht, wenn man sie so missbraucht! Die Kunst darf alles, sonst liefe sie im Privatfernsehen. Und im Radio läuft das, was der Computer den Hörern zumuten möchte. Ist alles, was der Masse nicht gefällt, Scheiße? Falls ja, fordere ich: Mehr Mut zu Scheiße! Einheitsbrei schmeckt nun mal nicht jedem, mir bereitet er Verstopfungen. Ich probiere statt Schnitzel „Wiener Art“ mit Pommes gerne auch mal eine Portion Gummibärchen in Aspik mit frittierten Schokoriegeln. Wird wohl nicht schmecken, aber probieren? Gerne!

Ausprobieren ist kreativ und gesund; dumm nur, dass dieses komische Schreiben und noch komischere Auftreten die meiste Zeit frisst. Meine Freundin droht mir regelmäßig damit, sich selbst das Luftventil zu ziehen und meine Freunde sagen schon: „Geh doch mal wieder mit uns ins in der Pinte versacken! Lass uns Fußball spielen, im Matsch, draußen, so wie früher, als wir dich immer ausgelacht haben, weil du ein Uerdingen-Trikot trugst und wir eins von Real Madrid! Oder lass uns generell mal wieder Minuten teilen, sonst kannst du dir auch wieder neue Freunde ausdenken!“

Und exakt so ist das. Was nur ausgedacht ist, kann ganz schnell wieder verschwinden. So ist das mit der guten, alten Fantasie! Eine ganz neue Erkenntnis, ich weiß. Eine mit vielen Nach-, aber noch mehr Vorteilen. Wenn man etwa die Augen zumacht, ist man der Held mit viel Geld und nicht mehr der letzte Rest vom Schützenfest. Deswegen schlafe ich so gerne. In meinen Träumen bin ich anerkannt, ein richtig dufter Typ und so bekannt, dass mich die BILD nach meiner „unentgeltlichen“ Meinung fragt. Und bin dann mal mutig und antworte das, was mein geschätzter Kollege Christian Gottschalk schon sagte:

„Ihre Meinung zu BILD, Johannes Floehr?“
„Fickt euch ins Knie und sterbt, ihr Wichser!“

Aber wenn meine Augen offen sind, dann werde ich höchstens gefragt, ob ich bitte aufhören, gehen oder wenigstens erklären könnte. Und das ist kein Understatement, sondern eben der Herr Selbstzweifel, der regelmäßig dazu führt, dass Textanfänge und Ideen sterben. „Das was du da machen willst, das klappt doch niemals!“, sagt er mir und weil ich insgeheim dümmer bin als ich mir eingestehe, glaube ich es ihm. Ich frage mich, ob ich ein Autor bin und er sagt: nein. Ich frage mich, ob ich Kunst mache und er schüttelt nur hämisch mit dem Kopf.

Nur in seltenen, klaren Momenten scheiße ich auf ihn und sage: Ist doch vollkommen egal. Denn, wie vielleicht schon erwähnt, bin ich eigentlich ganz prima und wenigstens ich selbst. Und nicht nur ausgedacht. Eigentlich müsste ich daraus häufiger Kraft schöpfen können. Wenn also Herr Selbstzweifel das nächste Mal erscheint, dann werde ich keinen Respekt vor ihm haben, sondern nur vor mir, um ihm Folgendes ins Ohr zu hauchen:

Ich bin so Floehr, flüster‘ dir unentgeltlich meine Meinung ins Ohr:
fick dich einfach ganz doll ins Knie und komm nie wieder vor.