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Interview zur Lesebühne

Ich habe dem Essener Magazin „Off Guide“ ein Interview zu unserer Lesebühne „Zwei Ossis und ihr Johannes“ gegeben. Also tappst bitte kollektiv nach Essen, um euch die Off Guide-Ausgabe 06/12 zu sichern – oder lest die Fragen und Antworten nun hier.

Auf einer Lesebühne der etwas anderen Art im Essener Kunst & Kultur Cafe (KKC) verbünden sich seit neuestem zwei „Ossis“ Ilja Budnizkij, Sascha Matesic (aka Sushi da Slamfish) und „Quotendeutscher“ Johannes Floehr einmal im Monat um mit geballter Wortspielerei zu begeistern.

Live on Stage improvisieren „Zwei Ossis und ihr Johannes“ eine skurrile Mischung aus Prosa, Storyboard, Gedicht, Musik und Performance. Wechselnde Gäste, wie z.B. Horror- und Comedy Schriftsteller Thorsten Sträter (trat mit 41 Jahren erstmals auf die Poetry-Slam-Bühne und gewinnt seither Wettbewerb um Wettbewerb) setzen das i-Tüpfelchen auf die Veranstaltung. DJ Cutoon (High Five Disco, Supakool, Soundsystem, Beatplantation) setzt den Kontrapunkt mit Hip Hop, Breaks, Funk, Dubstep und Elektro.

Wir trafen Johannes Floehr zum Gespräch in der Sonne … mit einem Poeten, der gleichzeitig zart und hart sein kann …

Off-Guide: Vielseitiger als die „Lesebühne” kann eine Bühnenshow kaum sein, oder? Wie haben „Zwei Ossis und ihr Johannes” zueinander gefunden?

Johannes Floehr: Eigentlich passen wir gar nicht zusammen, das stimmt. Wir sind sehr unterschiedliche Käuze, jeder mit seiner ganz eigenen Biografie. Und offensichtlich auch mit ähnlichen kleinen, positiven Dellen im Kopp. Sushi da Slamfish macht seit dreizehn Jahren Poetry Slam-Gedöns, Ilja hat russlandgroße Theater- und Radioerfahrung und ich bin der junge, forsche Springinsfeld. Das passt. Wir kannten uns durch viele gemeinsame Slams und stellten fest, dass unsere Ideen gut zusammenpassen. Oder, um es anders zu sagen: Ilja ist der Kaviar, Sushi die gefüllte Paprika und ich das gemäß dem deutschen Reinheitsgebot gebraute Pils. Alles sehr lecker. Auch und gerade zusammen.

Als Moderatoren und Veranstalter regionaler Poetry Slams, wie z.B. in der Essener HeldenBar seid Ihr in der Szene längst keine Unbekannten mehr. Was genau war die Initialzündung für ein weiteres Projekt?

Wir hatten einfach das Gefühl, dass es passt mit uns dreien. Die Idee einer Lesebühne hatten wir alle schon länger im Sinn. Dann haben wir uns gesucht, gefunden und das alles zurecht und glücklicherweise. Gegenseitig profitieren wir jetzt von unseren unterschiedlichen Charakteren und Schreibstilen, entwickeln uns weiter. Davon haben wir etwas, davon hat der Zuschauer etwas. Eine SS-Situation (Sieg/Sieg-Situation) für alle! Außerdem bietet uns eine Lesebühne auch die Möglichkeit, Kollegen, die wir sehr schätzen, als Gäste einladen zu können. So gab zum Beispiel MC Rene, der ja mit seinem Bahncard 100-Buch derzeit omnipräsent durch deutsche Landen düst, auf unserer Bühne sein literarisches Debüt.

Slam Poetry, Lesebühnen, Kabarett- und Comedyprogramme entstehen selten spontan – warum liegt der Fokus bei „Zwei Ossis und ihr Johannes” auf der Improvisation?

Wir improvisieren ja nicht ausnahmslos, es gibt stets einen roten Faden. Der allerdings auch mal reißen darf und sogar: muss. Nur Text auf Text auf Text würde nicht funktionieren. Schließlich sind wir nicht Günter Grass. Und unsere Gedichte reimen sich sogar meistens. Abgesehen davon macht Improvisation selbstredend am meisten Spaß. Es steht für das Unerwartete für alle Beteiligten. Natürlich geht dadurch ab und an mal etwas in die Hose. Was man uns aber gewiss nicht übelnehmen kann, weil wir extrem dufte Typen sind. Und bescheiden.

Im Gegensatz zum Poetry Slams kommen „Zwei Ossis und Johannes” ohne Wettbewerbs-Charakter aus …
scheut Ihr den Vergleich? Oder habt Ihr einfach keine Lust auf noch mehr Stress und Leistungsdruck?

Essen hat bereits drei monatliche Poetry Slams, allerdings gab es vor uns keine Lesebühne hier. In diese Lücke haben wir uns gequetscht. Jetzt quetschen wir uns zusätzlich gegenseitig aus, damit die bestmöglichen Texte entstehen. Wir sind gekommen, um zu quetschen. Dabei einen Wettbewerb zu veranstalten ergäbe wenig Sinn, weil wir auch ausführlich gegen die üblichen Poetry Slam-Regeln verstoßen: Wir arbeiten bisweilen mit Requisiten und ohne Zeitlimit, auch Fremdtexte kommen ab und an vor. Auf unserer Lesebühne machen wir das, was uns anderswo verboten ist. Frei von allem und damit auch frei von dem Gedanken, uns am Nächsten messen zu lassen. Wenn wir uns dann doch mal duellieren wollen, machen wir das auf regulären Slams in der Region. Oder am Telefon, wenn es darum geht, welchen Hochklasse-Gast wir uns als nächstes einladen wollen.

Welche Autoren dienen als Inspirationsquelle für Eure Texte?

Da kann ich jetzt natürlich nur für mich sprechen und nenne drei Namen: Charles Bukowski, Max Goldt, Heinz Strunk. Letztes Jahr bekam ich von Ilja zum Geburtstag ein Buch von Wladimir Sorokin geschenkt; er meinte, es wäre genau das, was ich lesen wolle. Vielleicht sollte ich mal langsam damit anfangen. Sonst köpft er mich. Und das sähe ja ganz schön blöde aus: zwei Ossis ohne Johannes.

Was bedeutet Euch Slam?

Viel.

Vielen Dank für das Interview!

(Interview: Christiane Mihoci / Fotos: Lisa M. Engel)

Die nächste Lesebühne findet übrigens am 11.07. im KKC statt! Kommt zahlreich.