Eine kleine Geschichte, die vielleicht auf Missstände hinweist « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Eine kleine Geschichte, die vielleicht auf Missstände hinweist

Die Laus sitzt auf einem Blatt und guckt herum. Hier oben von der Eiche aus kann man prima in den Wald blicken. Und staunen. Mutter Natur ist eindeutig die kreativste Frau der Welt, weit, weit vor Ruth Moschner und Erika Steinbach, um nur zwei unpassende Beispiele zu nennen. Im Wald sind Politik und Comedy egal, man lebt einfach nur seinen tierischen Alltag. Fern von allem, nah am Glück. Dort drüben, da spielen ein Igel und ein Hase Fangen, dahinten schleppen circa tausend Ameisen eine große Menge Kleinigkeiten von hier nach da. Und die Laus futtert ein bisschen Blattzeug. Am schmackhaftesten sind die weichen Mittelteile, der Rand schmeckt nur so mittel. Blätter sind wie Toastbrot, nur anders. Dann kommt der Wind. Mühelos übertönt er die feinen Kehlen der Singvögel. Wenn einem die Natur kommt, dann geht das Konzert in eine unfreiwillige Pause. Der Wind, der Wind, das himmlische Findelkind des Sturms. Die sehr kleinen und schwachen Waldtiere verstecken sich in Löchern, man sucht Schutz und findet ihn. Nur die Laus ist gefangen, hält sich mit ihren kleinen Laus-Tatzen am Blättchen fest. Das Eichen-Geäst wackelt bedenklich von links nach rechts, oben und unten. Der Stiel des Blattes leistet fleißig Widerstand, doch der Diktatur des Windes hat es nicht viel entgegenzusetzen. Es bricht. Das Blatt segelt hinunter. Und die Laus fühlt sich wie Superheld. Fliegen! Wie Fliegen! Oder Vögel! Oder Flugzeuge! Paradoxerweise vergeht die Zeit im Flug exakt so schnell wie üblich.

Am Boden angekommen, schüttelt sich die Superlaus kurz, um den Baum wieder hinauf zu krabbeln. Das war toll! Nochmal! Was einen nicht tötet, das will man nochmal machen. Doch der Wind ist längst weitergezogen. In die Stadt, wo die Menschen ihn nur als notwendiges Übel ansehen. Dort ist der Wind ist wie Politik und Comedy. Mutter Natur gefällt das nicht. Und der Laus ist es egal.