Der dritte Weltkrieg « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Der dritte Weltkrieg

Ich stehe an einer Kreuzung.
Straße links, Straße rechts;
um mich herum nur Straßen,
die irgendwo hinführen,
wo ich wahrscheinlich nicht hin möchte.

Hm. Wo möchte ich denn hin? Schwierig.
Überall verschanzen sich Popanzen,
die sich nicht darum scheren,
dass ihre Telefone klüger werden
als sie selbst je sein können.

Wo liegt denn darin der Sinn?
Wenn man alles im Internet nachguckt
damit nimmermehr eine Achsel zuckt?
Nachdenken findet nicht mehr im Kopf statt, sondern
mit den Fingern auf dem Touchscreen: schnell und platt.

Geteiltes Wissen ist genug Wissen, es ist die
Wissensteilung: jeder weiß ein bisschen.
Aber keiner weiß genug, um uns endlich zu sagen,
wie die da oben außer Namen und Gesicht
auch ihr Gemüt ändern können.

Und das zu sagen ist nicht politikverdrossen,
das ist menschenverdrossen; man muss doch nur
mal gucken, welche Musik alle hören,
auf welche Produkte alle schwören, aber macht
ihr nur. Ich will weder stören, noch dazugehören.

Was habe ich also überhaupt hier und da verloren,
alles Gute scheint längst futschikato
und wir sind wie Stäbchen bei Mikado:
wir wackeln und wenn wir weg sind,
werden wir ersetzt, weil wir wie Dreck sind.

Was sich ganz toll reimt. Toll reimen? Kann ich!
Ich sollte was mit Kunst machen.
Nur schade, dass da keiner was für zahlt.
Für diesen Text hier bekomme ich null Euro.
Das ergibt einen Stundenlohn von: null Euro die Stunde.

Ich mache etwas, wofür ich kein Geld bekomme.
Das ist okay, denn, meiner Nase nach stinkt Geld!
Und ich eh will kein Freier der Finanzen werden,
sondern ein Freier bleiben im anderen, guten Sinne.
Texte schreiben allein befriedigt genug.

Und dann schreibe ich einen Text, mache Pause, treffe Oma
beim Karnevalsitzung-Gucken, sie sagt: „Guck mal, die machen
quasi das Gleiche wie du, nur mit mehr Publikum!“
Sitze später wieder vor dem Text und baue
wütend eine Publikumsbeleidigung ein, Obacht:

„Applaus ist wie Kotze, nur lauter!“

Was sich schwerlich erklären lässt – patsch, patsch!
sollen die Leute doch spenden was sie spenden können
und wenn es nur die 1-Cent-Münze für Afrika und
das eigene Gewissen ist; sinnvoll ist nur der Hydrant,
der spendet etwas, was wirklich alle brauchen: Wasser. Plitsch platsch.

Und ich will weg, suche nach Flüssen und mehr,
finde aber nur Pfützen, da kann man nur als Amöbe
glücklich und frei sein und ich möchte Folgendes sagen:
Freiheit heißt, nicht da auszusteigen, wo man hin muss,
sondern da, wo man hin möchte; wo immer das ist.

Und ich will immer noch weg, suche im Wahn Bus und Bahn,
entdecke aber nur jene Jecke, die meine Oma mal meinte.
An jeder Ecke Menschen, die das Falsche feiern,
weil sie das Richtige nicht kennen: liebe Leute,
lest Bukowksi und hört Musik mit Instrumenten.

Lauft nicht den Schnellsten nach, nicht das Ziel ist das Ziel,
grabt keine Gruben mehr, das Tiefgründige muss man
an der Oberfläche verstecken und finden, überhaupt,
finden ist sowieso etwas sehr Gutes,
ich wüsste gern, wo denn jetzt mein Weg ist.

Die Ampel mir gegenüber springt auf grün
und sagt: „Geh doch!“. Und ich sehe,
wie eine leere Supermarkt-Tüte
über den Zebrastreifen fliegt und
dem dritten Weltkrieg trotzt. Chapeau.