Immer die gleiche Frequenz « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Immer die gleiche Frequenz

Im Radio, da dudelt so
ein Lied mit Instrumenten.
Warum denn auch nicht.

Es tut ja nicht weh.
Weder im guten, alten,
noch im schlechten Sinne.

Der Opa fragt: „Ist das Englisch?“,
der Enkel sagt: „Glaub schon“,
und spricht dabei sehr undeutlich.

Für den Kaffeeklatsch
am heutigen Tage genügt
das Gedudel, keine Frage
sollte je unbeantwortet bleiben:
Warum spielt man so langweilige Musik?

Da ist kein Schmiss!
Keine Ambition!
Da lohnt kein Verriss!
Nur Ton auf Ton.
Ganz monoton.

Den Liedtitel?
Vergessen. Schon.

Danke schön,
noch ein Lied,
nächstes Lied,
Staumeldungen,
nächstes Lied,
noch ein Lied,
Nachrichten aus Ihrer Region.
das nächste Lied
ist nicht das beste aus den
Siebzigern, sondern
einfach nur: irgendeins.

Der Opa fragt: „Noch Sahne auf die Schnitte?“,
der Enkel sagt: „Ja, zwei Esslöffel, bitte!“,
und beide trinken Kaffee, um nicht einzuschlafen.

Man schweigt.

Meinungen können sich nicht bilden.
Denn an Worten ist da nur das,
was der Radiomann zwischen den
vom Computer ausgewählten Songs
euphorisch und leer ins Mikrofon spricht.

Blabla, blablaba, blab, bla, bal,aa,b lab,l
ba,lbal,b,bl, blaabl,bl,bblb blaal, ballal, blalala,
balla balla.

Es werden nur Nichtigkeiten angesagt.
Die sind aber eben nichtig, nicht angesagt.

Ein Blitzgerät droht Autofahrern,
ein Lokalpolitiker hat was Dummes gemacht,
ein Fußballergebnis sorgt für Freude oder Leid,
abhängig davon, wessen Farben man trägt.

Mit Fußball können Opa und Enkel nichts anfangen,
erst recht kein Gespräch. Sie mögen Handball.
Warum denn auch nicht.

Handball gut finden tut ja nicht weh.
Weder im guten, alten,
noch im schlechten Sinne.
Ganz im Gegensatz zu diesem Radiosender!

Durchsagen ohne Durchschlagskraft,
Werbepausen voller Wortflausen,
Songs von Kunstprodukten,
die mehr Produkt als Kunst sind;
Hitradio 123: auf dieser Welle kann niemand reiten!
Höchstens herumreiten, so beschwerdemäßig.

Opa? Enkel?
Na?
Wie wäre es?

So eine klitzekleine Beschwerde am Nachmittag,
so ein bisschen Aufruhr zwischen Löffel und Gabel,
wie wäre es mit ein wenig Radio-Revolution?

Ach, hmm.

Wenn denn der Kuchen nicht so lecker schmeckte,
wenn es draußen wärmer wäre,
wenn der schicke Mantel nicht in der Reinigung läge,
und wenn es den beiden nicht völlig egal wäre,
weil es nur darauf ankommt, dass Musik läuft.
Und nicht: welche.

In seiner jetzigen Form
ist das Radio nur der Fernseher für Blinde
oder der Fernseher für Fernsehlose,
so oder so läuft er nur nebenher
und der Kunst hinterher,
weil sie dort nicht stattfindet.

Der Harndrang setzt ein.
Der Opa stößt sich mit,
im wahrsten aller Sinne,
letzter Kraft nach oben und sein
Enkel hilft ihm, die Toilette zu finden.

Und im Radio läuft dieses eine Lied
mit dem schönen Klavier.