Vom Tag, an dem Schabrina Sick mit mir Kaffee trinken war « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Vom Tag, an dem Schabrina Sick mit mir Kaffee trinken war

„Und? Sag mal! Wie war es gestern beim traditionellen Solinger Pfingst-Wett-Melken der trächtigen Zierkühe?“

„Ach du, der blasierte Bauer Balduin hat uns alle mal wieder tüchtig gefoppt, indem er sich auf den Rücken gelegt und mit Fingern und Zehen gleichzeitig gemolken hat, GLEICHZEITIG! MIT FINGERN UND ZEHEN! Dieser Frechdachs! Ich sag dir: Wenn eine Kuh mehr als vier Zitzen hätte, würde er doch auch noch Bauchnabel und Popoloch zum Melken verwenden, irgendwie, dieser doofe Baldiun! Hach, ich finde ihn so ungut! SO ungut!“

„Oh, das klingt ja nicht besonders töfte.“

„War es auch nicht! Untöfte war das! Die Hölle auf Erden, sag ich dir, DIE HÖLLE!“

Ich sitze auf einer Parkbank und werde unfreiwillig Zeuge dieses Dialogs. Eigentlich müsste man „Hörer“ des Dialogs statt „Zeuge“ sagen, doch weil die beiden Euter-Amigos beim Erzählen so prächtig und unkoordiniert gestikulieren wie zwei Meerschweinchen in der Mikrowelle, passt hier auch „Zeuge“ ganz gut. Ich mag es, wenn nicht nur Beine, sondern auch Arme tanzen dürfen. Das sollte es häufiger öffentlich geben: Tanzen für Arme. (Hier könnte Ihr Studentenparty-Witz stehen.) Eine putzige Entenfamilie watschelt vorbei, ich träufle großherzig ein wenig Fanta auf den Boden. Der kleinste Enterich nippt fröhlich daran. Ich schütte noch ein wenig mehr Fanta herunter, sodass sein Federkleid ein wenig klebrig und gelb wird. In meinem Kopf spielen sich leckere Bilder ab: gebackene Ente mit Fanta-Geschmack. Mhmmm.

Und dann mache ich etwas wahrlich Verrücktes: Ich denke über das vorhin Gesagte nach. Dabei kreisen meine Gedanken aber nicht um den Bauern Balduin oder die, zugegeben, etwas seltsamen Pfingst-Traditionen im bergischen Land, nein. Vielmehr bedenke ich, dass die Floskel „Hölle auf Erden“ hier völlig falsch verwendet wurde. Ist es denn wirklich so schlimm, wenn jemand anders cleverer war – selbst wenn er „Balduin“ heißt und es um den maximalen Milchertrag geht? Nö. Das ist Neid. Neid ist menschlich, also irdisch, also existent, also auch nicht die Hölle. Ich stehe auf, um sachgemäß und eloquent auf den linguistischen Fehler aufmerksam zu machen.

„IHR KNALLKÖPPE! IHR SEID DOCH KOMPLETT WACKELPUDDING IN DER BIRNE! Und passt auf. Ich sag euch zwei Zitzenzuzlern mal was. Wenn man Mario Kart spielt und in der letzten Kurve wird man von einem blauen Panzer von Platz eins verdrängt; wenn man in einem Buch einen japanischen Namen liest und sich diesen nicht übersetzen lassen kann, weil man diese geschnörkelten Zeichen nicht auf seiner Tastatur findet; wenn man auf einem Konzert ist und vor einem halten dreißig Idioten ihre Kamerahandys hoch, DAS ist die Hölle auf Erden! Und nicht euer provinzielles Kuhtitten-Problemchen da! Melkt eure Kühe doch mit dem Mund, dann muss euch wenigstens niemand mehr reden hören! Was ihr da für Unsinn erzählt, ist doch wahr.“

Sage ich, verneige mich staatstragend und setze mich zurück an meinen Platz, als sei nichts gewesen. Meinen hochgradig intelligenten Vortrag haben die Adressaten schweigend über sich ergehen lassen. Umso gespannter war ich, wie ihr Gespräch dann weiter verlaufen würde. Ich lauschte:

„Sag mal, warst du mal auf einem Konzert, wo die dann da so mitgefilmt haben?“

„Nö.“

„Ich auch nicht. Ich bin nur mal beim ZDF-Fernsehgarten gewesen, aber da durften wir selber nicht filmen, da durften wir nur fröhlich gucken und im Takt klatschen.“ (er macht das Klatschen vor, aber falsch, nämlich auf 1 & 3)

Hm. Mein kleiner Diskussionsversuch ist also verpufft. Die kleine Fanta-Ente schüttelt sich und läuft witzig watschelnd seiner Familie hinterher. Und ich stelle fest: die Hölle auf Erden ist, wenn man nichts gebacken bekommt.