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Für Sportsfreunde

Im Fernsehen ein „Plock“. Und Rolf Kalb kommentiert auf Eurosport mit sonorer Stimme: „Wauisaui, Ronnie O’Sullivan mit einem 42er-Break, Jimmy White braucht jetzt Snooker.“ Hm. Danke, Rolf Kalb. Ein sehr interessanter Satz, über den ich in dieser trüben Novembernacht lange nachdenke. Denn ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt irgendjemand auf dieser Welt Snooker wirklich braucht. Denn Snooker ist eine krude, recht ereignislose Abart der Randsportart Billard. Eine Variation einer Randsportart, das muss man sich mal vorstellen, wie kurios, hohoho! Das kann ich selbstverständlich auch bildlich erklären, weil ich nämlich ein intellektueller Autor bin: Snooker ist nicht mehr am Tellerrand, sondern vielmehr beim Besteck beheimatet, so weit weg ist dieser elitäre Queue-Quatsch vom Rest der Sportwelt. Dass man dieses Gestoße dann auch noch live im Fernsehen zeigt, ist in etwa so, als würde man auch die Ennepetaler Kreismeisterschaften im Hüppekästchen übertragen. Live in Sat1. In HD. „Das große Hüppekästchen-Wetthüpfen“, kommentiert von Johannes B. Kerner.

Ich weiß nicht, ob sich irgendein Thünnes dieses Spektakel am Sonntagnachmittag ansehen würde. Aber woher soll man das so genau wissen in einer Zeit, in der das Berliner Olympiastadion nur noch von zwei Leuten gefüllt wird: zum einen von einem senilen, alten Mann mit einer mammutbaumgroßen Angst vor Pimmelmützen und zum Anderen von einem Typen, der seit Jahren so viel Geld mit so alten Mann/Frau-Kalauern verdient, dass man den Papst fast modern nennen könnte. Ich weiß, Mario Barth-Kritik ist mindestens so von 2006 wie Jürgen Klinsmann, aber es ist mir immer noch ein großes Bedürfnis, vor dieser kulturschädigenden Gestalt zu warnen. Denn weil Herr Barth stets die selbe Kleidung trägt – ein orangefarbenes T-Hemd – ist gerade für Kinder die Verwechslungsgefahr sehr groß. Deswegen hier ein Tipp, liebe Kinder: der Typ in orange, der ist böse, und der Typ in grün, das ist Christoph Biemann von der Sendung mit der Maus, der ist nett, der erklärt uns die Welt. Vielleicht müsste man ihn mal fragen, was dieses Snooker ist und vor allem: warum.

Das, liebe Leser, war eine Überleitung, mit der ich zurück zum eigentlichen Thema komme, die Älteren werden sich erinnern: es ging hier mal um Snooker. Nicht, dass ich etwas gegen Snooker hätte, sonst würde ich es mir nicht ansehen, rofl, wiedummwäredasdenn. Aber ich möchte jetzt, hier in aller Öffentlichkeit an der Relevanz dieses Präzisionssports zweifeln. Ich meine, wie häufig passiert beispielsweise Folgendes: man sitzt mit seinem/r Partner/in am Frühstückstisch, ärgert sich über das zu flüssige Eigelb (oder so) und sagt: „Mensch, Schnuffelinchen, wie der John Higgins gestern den vierten Frame gewonnen hat, das war ganz, ganz tolles Tennis. Ich finde, dafür hat er den Laureus Sport-Award verdient! Reich mir doch bitte mal die Butter.“ Abgesehen davon, dass ich so gut wie nie frühstücke, kann ich mich nicht an derartige Dialoge erinnern. Und ich bin noch jung, ich erinnere mich an alles. Also, wirklich an alles. Ich weiß etwa noch, wie ich 2001 bei Bekannten in Trier von der Mondlandung erfuhr, oder wie mir meine Großeltern 1997 im Auto von der Nichtexistenz des Weihnachtsmann berichteten, oder wie man mir erst letzte Woche mitteilte, dass es in Deutschland doch tatsächlich noch Rechtsradikale gebe. Ach was. Das ist ja mal ein dolles Ding.

Und nun folgt etwas, was dieser Geschichte gut tut: es passiert etwas. Bis gerade eben war es in meinem E-Mail-Postfach ruhig. Zu ruhig. Bis mich plötzlich eine elektronische Buchstaben-Post erreicht, die mein Leben verändern wird. Ein virtueller Brief voller ehrlicher Liebe, ganz persönlich, nur für mich. Der Absender: „GMX Best Price“. Manch ein böser Mensch vermutet hinter so einem Absender gerne mal einen Reklamepixelhaufen, doch diese Mail ist anders. Sie enthält einen Hinweis, den ich nicht ignorieren kann. Während ich nervös mit dem Löffel ein paar gefährliche Strudel in meinen Kaffee drehe, lese ich langsam die Betreffzeile besagter Schicksalspost: „Gratis Mini-Rennbahn mit Looping und Rundenmesser: jetzt FOCUS lesen! 8 Ausgaben frei Haus + 30% sparen! +++ Hohe Zinsen für Ihr Tagesgeld“. Leckmichamarsch, wiegeilistdann! Und das um diese Uhrzeit! Mit dem Satiremagazin „Focus“ kann ich zwar nicht viel anfangen, aber wenn ich die 30 gesparten Focus-Abonnement-Prozente mit den hohen Zinsen für mein Tagesgeld verrechne, bin ich bald stinkereich! Yeah! Und dazu die kostenlose Mini-Rennbahn mit Looping und Rundenmesser! Ich sehe mich jetzt schon in meinem Zimmer sitzen und fleißig ein paar Runden drehen! DAS wird dann echter Sport!

Und falls Rolf Kalb Zeit und Lust hat, kann er das Ganze gerne kommentieren.