Die unglaubliche Reise zweier Hirschkäfer auf einer Scheibe Knäckebrot « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Die unglaubliche Reise zweier Hirschkäfer auf einer Scheibe Knäckebrot

Einleitung:
Hirschkäfer im Allgemeinen tun normalerweise nur das, was sie normalerweise im Allgemeinen so tun: mit dem Mundwerkzeug an Dingen herumschnipseln, sinnfrei von A nach B, C, und D krabbeln, ab und zu Geschlechtsverkehr. Doch ich würde nicht von diesen Tierchen berichten, wenn es heute nicht grundlegend anders wäre. Doch dazu später (und im Namen des Textes) mehr. Und noch ein kleiner Hinweis: in Hirschkäferfamilien ist der Brauch, seinem Nachwuchs Namen zu geben, nicht verbreitet. Aber im Folgenden werden die Hirschkäfer spaßeshalber Ernie und Bert genannt, damit ich ein oder zwei Sesamstraße-Witze einbauen kann. Und nun viel Vergnügen mit der unglaublichen Reise von zwei Hirschkäfern auf einer Scheibe Knäckebrot.

Hauptteil:
Es waren einmal zwei Hirschkäfer, die vergnügten sich damit, eine Eiche sinn- und pausenlos hinauf und hinab zu krabbeln. Der eine Käfer namens Ernie war etwas dicker und kleiner als der andere, welcher den typischen Hirschkäfer-Namen Bert trug. Es ist ungeklärt, ob die beiden Geschwister, gute Freunde oder homosexuell sind – auf alle Fälle krabbeln sie die Eiche regelmäßig als Paar hoch und wieder herunter. Jedoch schlafen sie in getrennten Holzstückbetten. Nun begibt es sich aus reiner, spontaner Laune, dass ein Lastkraftwagen voller Knäckebrote an den Hirschkäfern vorbei fährt. Und als dieser mit seinen insgesamt schreibe und sage vier Reifen über einen kieselsteingroßen Kieselstein ruckelt, fällt eine Packung Knäckebrot mit Karamellgeschmack heraus, fliegt lustig durch die Luft und weil Gravitation und Gott es so wollen, widerfährt einem mit Bürobedarf beladenen Kleintransporter auf der Nebenspur das gleiche Kieselsteinschicksal, so dass eine Schere herausflattert, grußlos einen Riss in der Knäckebrotverpackung produziert und nun ist es an der Zeit, dass dieser viel zu lange Satz endlich mit einer reichlich offensichtlichen Information beendet wird: eine einzige Scheibe Knäckebrot landet vor den Mandibeln (Fachwissen: das sind diese Greifzangen vorne am Kopf der Viecher) der Hirschkäfer. Bert ist froh über die Abwechslung und heißt sie willkommen, Ernie folgt alsbald.

Ihnen war nie zuvor ein Knäckebrot begegnet, daher wissen sie so recht nichts mit dem Vollkornrechteck anzufangen. Stundenlang beraten sie sich; die Sonne geht auf und unter und etwa zweikommavier Tage vergehen, bis Ernie in seinem kleinen Hirschkäferhirn endlich eine halbwegs okaye Idee entwickelt hat. Aber gut Ding will Weile haben, sagen Volksmund und Großmütter. Ernie schlägt nun vor, aus dem Knäckebrot ein Floß zu machen und die Pfütze entlang der Straße als Unterfläche für die Knäckebrotoberfläche zu nutzen. „Au yeah!“, sagt Bert in Hirschkäfersprache und hält diesen Vorschlag für das Intelligenteste, was Ernie je gesagt hat, er spricht diesen Gedanken aber nicht aus. „Ich halte diesen Vorschlag für das Intelligenteste, was du je gesagt hast, Ernie!“. Okay, er sagt es doch. Und dann greifen sie sich das Knäckebrot und tragen es triumphierend hinab zur Pfütze, welche komplett mit Wasser befüllt war. Nur eine nasse Pfütze ist eine gute Pfütze.

Da sitzen die beiden Freunde also auf ihrem Knäckebrotkreuzer und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Ernie, mal ganz kreativ, tauft das Knäckebrot auf den Namen „Emm-ess-bar“. Sie fahren die Pfütze, die vielleicht die schönste Pfütze der Welt ist, herunter und ein paar Ameisen schießen vom Bordstein aus Fotos als Erinnerung an diese schöne Reise. Ernie sagt voller Freude: „Ich bin so froh und frei, ich fühle mich wie ein Quietscheentchen in der Badewanne!“, doch Bert muss ihn in seiner Glückseligkeit stören: „Aber gibt es denn auch Tauben bei dir in der Badewanne, Ernie? Sieh mal da, eine riesengroße Tauben-Armee! Sie fliegt direkt auf uns zu! Aarrraagahghaaaghhhh“. Und damit hatte Bert recht. Zwei Tauben hatten die Reisenden entdeckt und freuten sich über das schwimmende Essen, welches auf Essen schwamm. Aber, juhu: trotz angemessener Panik behielten Ernie und Bert den Überblick. Emsig machten sie von ihren Flügeln Gebrauch, stürzten sich auf die Tauben und kniffen ihnen mit ihren Beißgeweihen die Schnäbel ab. Das gefiel den Tauben nicht gut. Angepisst flogen sie wieder davon.

Nachdem sich Ernie und Bert beruhigt hatten, wurde Bert ein wenig patzig: „Einfach so eine bedrohte Tierart angreifen, ist nicht besonders human. Die blöden Tauben können doch irgendwelche Tiere essen, von denen es sowieso schon viel zu viele auf dieser Erde gibt. Zum Beispiel sich selbst.“ – Ernie hielt diesen Vorschlag für äußert amüsant, daher folgt als Reaktion auch das ernietypisches Ernielachen: [hier bitte ernietypisches Ernielachen vorstellen]. Endlich ist auf dem Knäckebrotfloß wieder Ruhe eingekehrt. Doch diese wertvolle Ruhe währt nicht lange: denn wie Bert mit seinen sehr, sehr guten Hirschkäferaugen schon aus der Ferne erkennen kann, schippern die zwei Passagiere auf einen Abfluss zu. Vollkommen zurecht warnt er Ernie: „Ernie, da, oweiowei, ein Abfluss! Unser wunderschönes, nach Karamell schmeckendes Knäckebrot wird dort hinein stürzen!“.

Noch bevor Döspaddel Ernie den Ernst der Lage realisieren kann, bleibt das Knäckebrot plötzlich stehen. Das Wasser hatte die tapfere Scheibe so durchweicht, dass es nun wie ein Waschlappen im Spülbecken liegen bleibt. „Was los? Haben wir einen Anker dabei?“, fragt Ernie. Bert verzichtet auf eine Antwort auf diese wirklich dumme Frage. Stattdessen schlägt er vor, zurück zur Eiche zu fliegen. Er habe plötzlich eine unglaublich große Lust auf sinn- und pausenloses Hinauf- und Hinabkrabbeln. Ernie hält diese Idee für das Intelligenteste, was Bert je gesagt hat und sagt das dann auch. Also fliegen unsere Freunde die Straße wieder hinunter, zurück zur allbekannten Eiche. Und wenn sie nicht gestorben sind, krabbeln sie noch heute.

Ausleitung:
Das war sie also, die unglaubliche Reise von zwei Hirschkäfern auf einer Scheibe Knäckebrot. Doch was können wir aus dieser Geschichte mitnehmen? Was lehrt sie uns fürs Leben? Wo ist die versteckte Moral? Gut, ich will ganz offen sein: nirgends. Entschuldigung.


2 Antworten auf “Die unglaubliche Reise zweier Hirschkäfer auf einer Scheibe Knäckebrot”


  1. 1 jessica 09. September 2011 um 17:38 Uhr

    find ich total toll!!
    viele grüße!

  2. 2 Hier könnte ein Name stehen. 29. September 2011 um 18:04 Uhr

    Jetzt hab ich Hunger auf Knäckebrot.

    Super Geschichte! ;)

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