Das dufte Pärchen « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Das dufte Pärchen

Freitagnacht im Ulmer Süden. Ich hocke auf einem Plastikstuhl, rauche, trinke, öde mich selbst an. Um mich herum lauter uninteressante Geräusche: Chartsmusik, Gespräche über den Unsinn des Lebens und wenn man genau hinhört, kann man im Gebüsch zwei junge Menschen ficken hören. Beide keuchen, es klingt nach harter Arbeit. Ab und zu läuft jemand lachend an mir vorbei.

- „Sag mal, bumsen dahinten welche im Busch?“
- „Jep.“

Ich nehme ein paar Schlücke aus der Flasche. In der Hoffnung, dass der Lustmolch mit seiner Handykamera in Richtung Busch los stürmen würde. Weit gefehlt, er traut sich wahrscheinlich nicht. Zumindest er sieht so aus, als kenne er das dargebotene Schauspiel nur aus dem Internet.

- „Hehehe, krassgeil, wer denn?“

Meine Güte, jetzt hau ab! Aber eine sehr gute Frage. Ich glaube, der Typ ist ein zwanzigjähriger großer Bruder von irgendwem, den ich flüchtig kenne. So Marke Wasserballer. Durchtrainierter Oberkörper, untrainiertes Gehirn, kleiner Penis. Ich vermute ja, die jungen Mädels nehmen die fehlenden Zentimeter gern in Kauf, weil sie denken, die ständige Bearbeitung der Hoden beim Wasserballspielen mache die Kerle impotent und man bräuchte deswegen kein Gummi. So dumm kann eigentlich selbst eine 14-Jährige nicht sein, könnte man denken. Doch, kann sie. Aber diese kleine Dame hier kannte ich nicht, aber ich hatte sie kurz in ihrem Minirock durch den Garten taumeln gesehen; sie hatte gute Beine. Das konnte man selbst hier im Dunkeln gut erkennen. Von mir aus könnte die zwei Stunden einfach nur im Kreis vor mir herlaufen. Das hätte Klasse. Und hoffentlich ist der Typ wirklich impotent, sonst wird die Kleine schwanger und dick, das würde ich ihren Beinen nicht gönnen. Außerdem wäre sie dann wahrscheinlich vom Markt.

- „Na ja, das ist bestimmt der Markus, der steckt seinen Pimmel derzeit in alle, die nicht bei drei auf dem Baum sind!“
- „Mir wäre lieber, sie säße jetzt auf einem Baum. Dann hätte ich Ruhe und was zu gucken.“
- „Haha, ja! Ist schon doof, dass sie nicht uns genommen hat, oder? Ich würde ja auch mal gern, du weißt schon.“
- „Wahrscheinlich hast du da recht.“
- „Genau, haha! Vielleicht will sie danach ja noch eine Runde!“
- „Kann sein.“
- „Also ich stehe bereit! Haha, ’stehen‘, verstehst du? Hahaha! Ich geh dann mal wieder rein, abchecken, wie so die Lage ist. Hau rein!“

Würde ich gern, Typ, würde ich gern. Und jetzt hau endlich ab. Tatsächlich, er stiehlt sich davon. Keine Ahnung, was er nun vorhat, ich sitze mit dem Rücken zum Haus. Wahrscheinlich geht er jetzt auf die Toilette und melkt sich ab. Soll er doch. Drüben im Busch ist es leise geworden, alles wendet sich zum Guten. Nur nicht für den Wasserballer, für den jetzt der unangenehme Part folgt: er muss noch ein bisschen mit ihr schmusen, ihr Komplimente machen und ihr sagen, wie besonders dieser Augenblick doch ist. Das Übliche eben. Vor und nach jedem Fick das gleiche Desaster. Immerhin ist es hier nun einigermaßen still, ich mache es mir wieder gemütlich. Oben leuchten die Sterne und unten trinke ich Bier. Doch die Ruhe währt nicht lange. Ein Stelzen von einem Mann marschiert von der Seite auf mich zu. Er trägt ein Holzfällerhemd, aber so schmächtig wie er da so rumwatschelt, hat der noch nicht einmal genug Kraft, um eine Axt überhaupt über dem Boden halten zu können. Er ist ein Idiot, er weiß, dass er einer ist und er weiß auch, dass ich einer bin, also ziehe ich ihn magisch an; der Mensch ist kein Magnet. Dennoch, wo verdammt kam der nun wieder her?

- „He, du Lappen! Prost!“
- „Cheers.“
- „Sag mal, was willst du jetzt eigentlich machen nach dem Sommer?“

Oh nein, er hatte es wirklich gefragt und ich sitze in der Falle. Keine Musik, der ich mich hingeben könnte, kein wichtiges Telefongespräch, keine Fluchtmöglichkeit. Also gut, wenn der Teufel schon einmal da ist.

- „Kann sein, dass ich mit Wasserball anfange.“
- „Achso, ja, ja, gut, sportlich bist du ja! Dann frag doch mal den Markus, der spielt doch beim TuS Neu-Ulm.“
- „Der kann nicht, der ist arbeiten.“
- „Okay, okay.“

An dieser Stelle müsste unser Gespräch eigentlich beendet sein. Stattdessen holt Holzfällerbohne nochmal aus:

- „Ich gehe ja für drei Monate nach Australien, bevor ich anfange, hier zu studieren. Die Universität Augsburg hat mich angenommen, astrein, oder?“
- „Haben die in Australien etwa zu viele Bäume? Ich dachte, da brennt dauernd irgendein Wald.“
- „Was?“
- „Schon gut. Viel Glück da unten.“
- „Danke! Ich geh dann mal wieder Party machen, tschüssi!“

„Tschüssi“, wie süß. Aber der Typ ist wirklich ein Schlitzohr. Er hatte mich doch nur angesprochen, um zu prahlen. Schön den Oberkörper aufpumpen und darauf herumtrommeln; so ein Affe. Gut, dass er sich jetzt ins Ausland verpisst. So wie viele andere Gurken auch. Die denken, dass ihnen das irgendwas bringen würde. Hier in Deutschland haben sie noch nichts geleistet, nichts kennengelernt und nichts getaugt, also fliehen sie in andere Länder und machen da den gleichen Scheiß wie hier auch. Wie das Land heißt, in dem man scheißt, schläft und frisst, ist doch letztlich auch egal. Er wird sich in Australien doch sowieso deutsche Freunde suchen, mit seinem iPhone die ganze Zeit auf deutschen Internetseiten surfen und wegen seines Hemdes wird man über ihn lachen, aber das ist er ja wahrscheinlich gewohnt. Seine größte australische Erfahrung wird es sein, ab und zu im Supermarkt ein paar Einheimische zu treffen und sie dann zu fragen, in welcher Abteilung die Zäpfchen stehen. Tja, einmal Idiot, immer Idiot. Eigentlich kann er auf die Toilette gehen und sich dem Spinner von vorhin anschließen. Der eine hat keine Eier, der andere keinen Schwanz. Die gäben ein ziemlich duftes Pärchen ab.

Und dann kommt der Wasserballer aus dem Gebüsch. Von seinem Fang keine Spur, schade. Er schwitzt und zwinkert mir zu.

- „Glückwunsch.“
- „Danke. Hast du mal eine Zigarette?“

Von mir aus. Ich gebe ihm eine, Feuer hat er selber. Er scheint mich zu kennen:

- „Sag mal, ich hab gehört, du liest Bukowski?“
- „Yeah.“
- „Bist du auch so ein Arschloch wie er?“
- „Yeah.“
- „Steht dir nicht. Sei lieber du selbst.“

Und dann lässt er mich wieder allein.


1 Antwort auf “Das dufte Pärchen”


  1. 1 Moritz 06. August 2011 um 19:16 Uhr

    „rei­tag­nacht im Ulmer Süden. Ich hocke auf einem Plas­tik­stuhl, rau­che, trin­ke, öde mich selbst an. Um mich herum lau­ter un­in­ter­es­san­te Ge­räu­sche: Charts­mu­sik, Ge­sprä­che über den Un­sinn des Le­bens und wenn man genau hin­hört, kann man im Ge­büsch zwei junge Men­schen fi­cken hören.“

    Jaja, die Ulmer. Oder auch nicht :D

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