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Gespräch bei Fuß

Guten Abend, meine Damen und Herren. Im Folgenden präsentiere ich Ihnen einen Ausschnitt aus einem fiktiven Gespräch. Der Dialog hat so nie stattgefunden, aber mit der Macht der Vorstellungskraft bzw. der Kraft der Vorstellungsmacht kann man sich bildlich vorstellen, wie sich zwei Menschen – etwa in einem Café – gegenüber sitzen und folgende Worte austauschen:

Person A: Weißt du, wofür ich gerade ziemlich viel Mitgefühl aufbringe?
Person B: Norwegen?
Person A: Nein, beziehungsweise doch, aber das meine ich nicht. Ich meine: Schuhe.
Person B: Schuhe?
Person A: Schuhe.
Person B: Schuhe?!
Person A: Ja, Schuhe.
Person B: Schuhe also.
Person A: Genau. Schuhe.
Person B: Du erwartest jetzt bestimmt von mir, dass ich nachfrage, wieso.
Person A: Das ist richtig.
Person B: Dann werde ich dir diesen Gefallen mal tun.
Person A: Danke.
Person B: Keine Ursache.
Person A: Jetzt frag schon.
Person B: Okay.
Person A: Gut.
Person B: Wieso um alles in der Welt hast du Mitgefühl für Schuhe?
Person A: Gut, dass du nachfragst. Nun, es ist so: ich sah heute Morgen durch Zufall, wie eine relativ dicke Frau ihre Sandalen ausgezogen hat.
Person B: Ich ahne, worauf du hinaus willst und stelle jetzt schon fest, dass du ein riesengroßer Idiot bist.
Person A: Nein, nein, warte, die Geschichte geht doch noch weiter. Also, diese Frau hat ihre Sandalen – übrigens welche mit Kreuzriemenbefestigung, sehr chic – dann pflichtbewusst irgendwo hingestellt und ich konnte einen Blick auf die Sohlen werfen. Und ich frage dich: wie viel muss man wiegen, damit man mit seinem Fuß einen schwarzer Abdruck auf die Sohle stempelt? Als wäre die Sohle aus Knete!
Person B: Das passiert bei mir auch manchmal; das ist halt so, wenn man seine Schuhe häufig spazieren trägt. Schuhe sind Nutzgegenstände und kein Haustier.
Person A: Hm, ja, gut, aber ist das nicht schlimm für so einen Schuh, wenn er täglich mit schätzungsweise zweihundert Kilo belastet wird? Permanent? Das ist doch nicht schön.
Person B: Hmm.
Person A: Schuhe sind genauso vom Glück abhängig wie wir. Schnell stellt sich heraus, ob man vom Zufall verwöhnt worden ist oder eben nicht. Sieh mal, meine Schuhe zum Beispiel, die sind richtig glücklich. Ich fahre viel Bus und Bahn, sie kommen also schön viel in der Welt herum, ich lasse sie ziemlich häufig einfach nur herumbaumeln und mute ihnen nicht viel Arbeit zu. Wenn mir meine Schuhe zuzwinken könnten, würden sie es tun.
Person B: Natürlich würden sie das.
Person A: Genau.
Person B: Ja.
Person A: Aber es gibt denkbar viele schlimme Schicksale für so einen Schuh und damit meine ich nicht nur besonders dicke Besitzer, sondern auch ganz andere, verdammt reiche zum Beispiel. Wenn so ein schweineteurer Schweinelederschuh von Paris Hilton gekauft wird und in einem riesigen Schuhschrank landet. Was ist das dann? Massenschuhhaltung! Das kann so einem Schuh doch nicht gefallen.
Person B: Paris Hilton? Gibt es die noch?
Person A: Bestimmt. Aber das ist doch jetzt hier völlig irrelevant.
Person B: Es gab eine Zeit, in der war Paris Hilton jeden Tag im Fernsehen und in den Zeitungen und alle haben ihr vorgeworfen, dass sie mit Nichtstun bekannt und berühmt geworden ist. Jetzt macht sie wahrscheinlich immer noch Nichts, aber wir bekommen davon nichts mit. Das finde ich sehr angenehm.
Person A: Das tut nichts zur Sache. Lass uns beim Thema bleiben.
Person B: Bei Schuhen?
Person A: Genau.
Person B: Bei Schuhen also.
Person A: Ja.
Person B: Und du findest, dass Schuhe quasi wie Menschen sind?
Person A: Korrekt, aber auch nur quasi. Ich will nur sagen, dass man sich auch mal dessen bewusst werden muss, was man da Sensibles unter seine Füße stülpt. So ein Schuh muss gehegt und gepflegt werden.
Person B: Weißt du, mit welchem Argument ich deine ganzen Geschichten von traurigen und glücklichen Schuhleben entkräften kann?
Person A: Nein.
Person B: Tjaha.
Person A: Aber du erwartest jetzt bestimmt von mir, dass ich nachfrage, welches Argument das wäre.
Person B: Das ist richtig.
Person A: Hm.
Person B: Dann frag mal.
Person A: Nein, sag’s halt einfach.
Person B: Gut. Also. Halt dich fest: Schuhe leben nicht. Sie haben kein Leben. Kein glückliches, kein trauriges, gar keins.
Person A: Noch viel schlimmer! Die armen Schuhe!
Person B: Du bist doch bescheuert.
Person A: Kann sein. Aber lieber bescheuert sein als sich überhaupt keine Gedanken machen.
Person B: Sieh mal dahinten, der Obdachlose. Sag mal, hast du Mitleid mit ihm?
Person A: Nein. Und ich finde, er sollte sich mal Arbeit suchen. Und Schuhe.
Person B: Damit hast du eigentlich alles gesagt.
Person A: Eigentlich.
Person B: Was fehlt denn noch?
Person A: Ich möchte dir noch erzählen, wie ich gestern

Nein, halt, stop. Wir klinken uns an dieser Stelle aus. Das war genug Dialogerfinderei für heute. Guten Abend.