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Altes aus der Anstalt

Es klappst die Mühle
mit rauchendem Dach.
Durch den Kaminschacht
flieht der Rauch in die Freiheit.
Dahin, wo wir Insassen nicht mehr hineinpassen.
Dahin, wo wir mal wer waren bevor wir Ware wurden.
Dahin, wo man uns einst Verrücktsein attestiert hat.
Aber im schlechtesten Wortsinne.
Und jetzt bitte ich um Antworten.
Qualm darf hinaus, darf raus, darf weg.
Aber wieso dürfen wir uns nicht ins Freie begeben?
Wie Luft behandelt werden kennen wir längst.
Der Unterschied liegt wahrscheinlich im Detail.
Er wird uns aber nicht verraten, er ist wohl geheim.
Und Düdeldüdeldüdeldüüüüh,
wir sind verrückt (,) erklärt hat man es uns nicht!

Wir sind negative Superlative,
wir sind Unsuperlative,
wir sind die schlechtesten Beispiele,
die man mit Suchen nur finden kann.
Wir sind plemmplemm.
Wie haben eine Matschbirne.
Wir spielen den ganzen, lieben, langen, alten, guten Tag
mit Bauklötzen und reden wirres Zeug.
Wir beißen in Finger und reißen an Haaren,
wir scheißen im Stehen und wenn ihr einen Reim
erwartet, zeigen wir auf euch mit dem Zeigefinger.
So wird der Zeigefinger zum Mittelfinger,
da wir mittels des Fingers zeigen, dass ihr
das einfallslose Einfaltspinsel-Gesindel seid.
Ätschätschätsch, wir schießen zurück!
Und Düdeldüdeldüdeldüüüh,
ihr seid verrückt (,) erklärt sich von selbst!

Wir gestikulululululieren und artikulalalalalalieren
nicht wir ihr. Sonst würdet ihr uns ja verstehen.
Oder glauben, uns zu verstehen.
Das wollen wir nicht. Wir sind ja nicht blöd.
Wir sind ja nicht gaga. Auf keinen Fall.
Sonst würden wir uns euch ja ergeben.
Das wollen wir nicht. Wir sind ja nicht dumm.
Geist ist geil! Auf jeden Fall!
Aber noch sind wir ganz, ganz unten.
Und ihr seid ganz, ganz oben, erteilt Befehle,
stopft uns in Arme diskriminierende Fummel,
nehmt uns Blut ab, ihr Blutsauger!, ihr verdammten
Blutsauger werft uns Pillen in den Schlund,
unter dem Vorwand der Gesundheit.
Und Düdeldüdeldüdeldüüüüh,
alle sind verrückt verrückt verrückt, mit zwei r und keinem p!

Los! Los! Los! Losloslos!
Springt über eure langweiligen Schattengestelle!
Schlachtet den inneren Schweinehund
mit der Axt der Vernunft,
dann raus mit den längst lockeren Schrauben,
wir feiern ein großes Fest ohne Latten am Zaun,
ohne Tassen im Schrank, aber mit mehr als
fünf Sinnen, von welchen wir dann sind,
und lasst uns alle durchdrehen und einsehen,
dass alle alle alle meschugge sind
und alle alle alle neben mir hier in der Zelle
willkommen geheißen werden können.
Sollen. Müssen. Alle. Mit.
Weil wir so viel Wissenswertes wissen,
was kaum einer weiß und nie wissen wird.
Ich zum Beispiel weiß es, ich weiß es, ich weiß
weiß weiß weiß weiß weiß weißweißweiß ich
weiß w e ei ißßß iiii w eiiiiiii ß ei ß
eis eßßßßß ich weiiiß es!

Aber was weiß ich?
Was weiß ich denn.
Was weiß ich denn.
Weiß ich es wirklich? Weiß nicht.
Oder wusste ich es nur?
Ist es in Rauch aufgegangen,
den Kaminschacht hoch,
hinaus in die freie Welt?
Liegt nun der Sinn des Lebens in der Luft?
Liegt nun mein Sinn des Lebens in der Luft?
Oder singt und klingt nur ein leises
Düdeldüdeldüdeldüüüüh?
Woher soll ich das wissen?
Ich bin doch bloß verrückt.
Ich bin doch bloß einer von euch.
Ich bin doch bloß.
Ich bin doch.
Ich bin doch, bin doch, bin doch.
Ich bin.
Ich bin ich.

Und
vollkommen
fertig.


3 Antworten auf “Altes aus der Anstalt”


  1. 1 Moritz 16. Juli 2011 um 8:48 Uhr

    „fünf Sin­nen, von wel­chen dann wir dann sind,“

    Ein dann zuviel, oder?

    Super Text, diddeldum düddeldüüüh.

  2. 2 Johannes Floehr 16. Juli 2011 um 13:56 Uhr

    Ist korrigiert, danke.

  1. 1 Informationsroulette XIII « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog. Pingback am 19. Juli 2011 um 21:22 Uhr
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