Das Rampenlicht « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Das Rampenlicht

Seit ich diese neue Stehlampe habe, sehe ich nur noch einen Schatten meiner selbst. Alles ist so, wie es scheint. Bei Licht betrachtet erkenne ich nur noch meine Umrisse. Man sagte mir, ich müsse endlich mal den Schalter umlegen, aber dann wird doch alles dunkel. Ich will reflektieren! Sehen, einsehen, ansehen, nachsehen, Dreck sehen, statt unter Deck und ins Versteck gehen und dem Leben widerstehen. So sitze ich locker auf meinem Barhocker, in meinem Rücken die Stehlampe und vor mir eine schwarze Silhouette meiner Gestalt. Ein böser Zwilling. Ein ungeliebter Verwandter. Ein ewiger Erinnerer an deine schlechten Eigenschaften. Ob ich mich von ihm befreien kann? Vielleicht muss ich mich auswechseln, in eine andere Gestalt schlüpfen und mich dann selbst wieder einwechseln, so wie Günter Netzer. Ja, so muss ich es machen. Radazong und wusch! Ich bin jetzt Lucky Luke, imitiere mit meinen Fingern einen Pistolenschuss und Peng!; verdammt, der Schatten ist genau so schnell wie ich. Beide tot. Wie die zwei Jäger, die sich so häufig in Witzen gleichzeitig treffen. Sind wir jetzt in die ewigen Jagdgründe eingegangen? Ich glaube nicht, denn so habe ich mir die Hölle nicht vorgestellt. Wo sind Satan, Adolf Hitler und Andrew Lloyd Webber? Ich beiße mir selbst in den Arm, um zu testen, ob ich tot, lebendig oder schlafend bin. Es blutet. Ich lebe noch. Oh, der Schmerz, der Schmerz! Und der Schatten ist immer noch da, dort, im Rampenlicht.