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Bedeutungsexplosion

Mittwochnachmittag in einer WG. Carsten und Dimitri begegnen sich und es kommt spontan zu einem Dialog.

Carsten: He, Dimitri. Lass uns mal eine Unternehmung starten, irgendetwas Spaßiges und Günstiges. Hättest du Lust, mit mir in den Bus einzusteigen, bis zur Endhaltestelle zu fahren und dann wieder zurück? Einfach mal gucken, was auf der Strecke so passiert, wir kennen die Gegend ja auch noch nicht gut genug, um sie mit unserer Westentasche zu vergleichen und vielleicht stirbt ja unterwegs ein Passagier oder ein Reifen platzt oder sonst was. Kurze Rede, langer Sinn: kommst du nun mit?

Dimitri: Nein.

Carsten: Ich erbitte eine Erklärung. Schließlich hockst du ja den ganzen Tag nur ungemütlich in deinem Sitzkissen und wartest auf das Abendessen, das kann doch gar nicht sein! Würde man für das Rumsitzen von irgendjemandem Geld bekommen, du wärst längst berühmt genug für Boulevardmagazine und könntest dir tolles, außergewöhnliches Zeug kaufen, etagenlose Hochbetten oder elektronische Schuhanzieher oder Ähnliches. Also, erkläre!

Dimitri: Das ist sehr einfach. Nämlich: im Bus darf man nicht rauchen. Eine Busfahrt wäre so viel angenehmer und menschenfreundlicher, wenn es ein Raucherabteil gäbe. Sieh doch mal: eine Zigarette beruhigt und macht alle Tätigkeiten erträglicher. Sicher, die stündlich einkehrende Sucht nach Nikotin mag gewissermaßen ein Teufelskreis sein, aber auf der anderen Seite ist es auch ein freudenspendendes Perpetuum mobile, weil es uns Raucher über jedweden Ärger hinwegflattern lässt mit seiner Beruhigungskraft. Die Franzosen zum Beispiel, die hätten mit ihrem launigen Sturm auf die Bastille sicher viel mehr Erfolg und Teilnehmer gehabt, wenn Kaiser Gauloises da schon gelebt und ihnen Zigarettenpausen ermöglicht hätte. Die hatten doch dauernd Stress! Immer nur so voll engagiert sein und revolutionieren, das geht ganz bestimmt stärker auf die Lunge als eine halbe Schachtel Fluppen.

Carsten: Du willst doch nicht ernsthaft die französische Revolution mit einer beschissenen Busfahrt von der Luisenstraße bis hin zum Hauptbahnhof vergleichen! Wo auch immer du deine Vergleiche herholst, du solltest sie zurückbringen und es auf eine Reklamation ankommen lassen. Geld zurück, Vergleich ist Mist! Willst du neue Vergleiche? Ich hätte da ein paar für dich.

Dimitri: Na gut, schieß los.

Carsten: Peng!

Dimitri: Sehr witzig. Los jetzt, beginne.

Carsten: Okay, okay. Vergleich Nummer eins. Die Artisten im Zirkus Krone verbiegen sich nicht halb so arg wie du, wenn du versuchst, mir zu erklären, warum dir der Sinn nicht nach einer kurzweiligen Bustour steht.

Dimitri: Njoa, Zirkusse fand ich aber jetzt nie besonders rauschanregend. Da hüpfen immer so Leute im Quadrat und fordern dann Ovationen, am besten noch stehende, und eigentlich sind da ja sogar Zoobesuche viel spannender; Pinguine füttern oder auf einem Elefanten reiten oder so.

Carsten: Elefantenreiten wurde übrigens im Mainzer Zoo offiziell verboten, weil dort ein Einbeiniger beim Elefantenritt von einer Elefantendame für einen der ihren gehalten wurde und es fast zu Geschlechtsverkehr zwischen beiden gekommen ist. Das muss ziemlich widerlich ausgesehen haben. Aber hier muss man auch den Zoowärter rügen, schließlich hätte dieser das doch voraussehen können. Immerhin ist niemandem etwas wirklich Schlimmes passiert. Na ja, wollte ich nur kurz erzählen.

Dimitri: In Mainz gibt es gar keinen Zoo.

Carsten: Dann war es Koblenz.

Dimitri: Negativ.

Carsten: Auch nicht? Aber ist doch auch vollkommen egal, die Geschichte ist doch auch so erzählenswert und eigentlich wollte ich dir vorher doch ein paar nette Vergleiche schenken und noch viel früher wollte ich eigentlich mit dir eine kleine Busreise angehen, weswegen ich dich jetzt noch ein allerletztes Mal frage: Bustour; ja oder nö?

Dimitri: Nö.

Carsten: Warum nicht?

Dimitri: Weil ich jetzt nachsehen will, in welchem Zoo sich diese lustige Geschichte mit dem Behinderten zugetragen hat. Tschö! (geht weg)

Carsten: (ruft hinterher) Sadist!


1 Antwort auf “Bedeutungsexplosion”


  1. 1 Kaufi 29. April 2011 um 10:50 Uhr

    Unglaublich gut!

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