An den Mund gelegt « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

An den Mund gelegt

Ich begegnete dem Volksmund und wir redeten nicht über viel, nur ein paar Oberflächlichkeiten und Floskeln wurden ausgetauscht: man kann nicht sagen, dass wir befreundet sind oder uns einigermaßen gut kennen. Wir treffen nur ab und an aufeinander wie zwei Schienbeine beim Fußball, wahrscheinlich wundern wir uns gegenseitig über den anderen; ich für meinen Teil auf alle Fälle. Er sagt immer so komische und unfreiwillig dumme Dinge, der Volksmund. Neulich also nästelte ich an meiner Umhängetasche, da flog er wieder an mir vorbei. Er flüsterte mir brüllend ins Ohr: „Ohne Moos nichts los!“. Einige Sekundenbruchteile hielt ich inne, ließ mir diese Buchstabenkombination durch den Kopf gehen, ich grübelte, verübelte, dachte, lachte, verbrachte viel Zeit damit, meine Meinung zu diesem Satz möglichst treffend auf den Punkt zu bringen. Zurück blieb ein hallendes: Nö. Ohne Moos ist trotzdem was los. Man kann auch ohne Geld was aus sich, dem Freitagabend und dem Leben machen. Siehe Jesus. Siehe Martin Semmelrogge. Siehe da! Da halte ich es lieber mit den Billiardfreunden, welche nach dem maximal zweideutigen Credo „Ohne Stoß nichts los“ leben. Oder man ist eher ein Freund der Baukunst, dann kann man sich bei Huckleberry Finn bedienen: Ohne Holz kein Floß. Ohne Esche keine Depesche. Ohne Mahagoni keine Macaroni. Ohne Teak keine T-Aktie. Ich schweife ab, aber ich mag Holz, weil es mich nicht anspricht. Perfekt. So mag ich das als Misanthrop.