Der Tag der Intellektualität « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Der Tag der Intellektualität

Heute ist der große Feiertag der Verstandesmäßigkeit. Das Kleingedruckte in meinem Vertrag: ausschließlich schlaue Dinge, keine pseudointellektuellen oder kleingeistigen Aktivitäten. Nichts, was Erklärungen bedarf. Es fängt beim Aufstehen an. Mit beiden Beinen auf dem Laminat auftreten. Auch die Rückseite der Zähne mit Elmex putzen. Nassrasur statt Stoppelbart. Klug, rational und gesund. So kann es am Frühstückstisch weitergehen. Schwarzes statt weißes Brot. Ein paar glückliche Tomaten oben drauf, dann den Pumpernickel mit dem Messer in kleine, sparsame Stücke schneiden. Mit dem Gabel langsam zum halb geöffneten Mund führen. Brot mit der Hand essen ist Mampferei, ist proletarisch, ist unakzeptabel. In meinem Glas schwappt blütenweiße Milch von zufriedenen Kühen aus meiner Region. Bauer Müller und seine Milch, die sind meine Sympathie wert, die sind schlau. Das intelligenteste Frühstück seit der Erfindung des Sonnenaufgangs. Ich würde mich nun nicht als vollkommen satt umschreiben, aber Sättigung ist die Vorstufe der Völlerei und Völlerei ist Verschwendung der Ressourcen. Klingt rechthaberisch, ist aber weitsichtig und Weitsichtigkeit ist verdammtnochmal wichtig, denn die Kinder meiner Kindeskinder sollen stolz meinen bis dahin als Buch veröffentlichten Wikipedia-Artikel lesen können.

Eine wunderbare, ja fast schon schlaue Überleitung zum nächsten Thema: Geschlechtsverkehr. Ich kämme mir mit der Fischgabel meine Haare nach hinten (Anmerkung: Multifunktionalität ist sparsam, Sparen ist schlau) und robbe frisch gestriegelt zurück ins Ehebett, wo meine Freundin liegt und wertvolle Zeit überschläft. Schlafen ist Zeitverschwendung, der frühe Vogel fängt den Wurm, der schnelle Hahn fickt das Huhn. Auf Details verzichte ich an dieser Stelle, aber es ging aus Rücksicht auf den Spruch „Zeit ist Geld“ wie gewohnt schnell und wenn wir alles richtig gemacht haben, dann brütet meine Freundin jetzt neun Monate lang ein pfiffiges Streberkind aus. Wahrscheinlich wird es mit Sehschwäche geboren und bekommt mit vier Jahren eine Brille verschrieben. Schließlich thront auf den allermeisten Nasen schlauer Köpfe eine Sehhilfe: Mahatma Ghandi, Sigmund Freud, Harry Potter, Götz Alsmann. Meine Freundin weiß zwar noch nicht von dem sich anbahnenden Familienglück, aber sie wird es wohl mitbekommen, wenn sie zunimmt. Sie ist ja nicht dumm, nur naiv. Übrigens orientiere ich mich auch hier an der Zeitgeschichte: hätte Gott den Menschen gleich von Beginn an mitgeteilt, dass Demokratie und Menschenrechte was Tolles sind, würden diverse Fernsehsender große Probleme damit haben, ihr Nachtprogramm zu füllen.

Eine noch wunderbarere, ja fast schon weitaus schlauere Überleitung als beim Absatz zuvor. Also dann, Stichwort Fernsehen. 3sat, arte, DisneyChannel. Heute nur Bildungsfernsehen für Bildungsreiche. Ich schalte den Ton ab, denke mir die Kommentare des Off-Sprechers beim Schauen selbst. Die doppelte Dosis Weisheit. Gleichzeitig legt meine hoffentlich trächtige Lebensabschnittsgefährtin eine Schallplatte auf; ich vermute, es ist Bach oder Goethe. Ja, das hat Niveau, das gefällt mir. Unaufgefordert bringt mir mein Liebchen ein Dosenbier. Sehr klug von ihr, Dosen lassen sich toll recyceln und sind prima für die Umwelt. Ich trinke also noch ein paar weitere Getränke, Umweltschutz ist schließlich ebenso wichtig die Sicherung der Arbeitsplätze von hunderten Menschen in Callcentern. Alle fünf Minuten rufe ich bei einem Shoppingsender an und gebe zu Protokoll, mir einen Entsafter erwerben zu wollen, was wiederum auch dem heutigen Tag angemessen ist, denn das Zahlen der Mehrwertsteuer hilft der Wirtschaft. Mir nur bedingt. Es ist zwölf Uhr mittags und die ganze außerplanmäßige Beanspruchung meines Gehirns macht mich allmählich müde. Eigentlich wollte ich ja noch den SPIEGEL lesen und ein Hörbuch von Richard David Precht kaufen. Schade. Vielleicht ja morgen, am Tag der Klugscheißer.