Ein Text über Hüte mit exakt zweihundert i « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Ein Text über Hüte mit exakt zweihundert i

Aufgesetzt und abgelehnt. Der alte Hut ist ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der man sich noch vor dem Himmel und dem Haarausfall fürchtete. Gleichsam schützte er das Hirn. Den ewigen Feind, dem Kopfschmerzorgan mit dem Anrecht auf exklusive Gedanken, Informationen und Gefühle. Wer einen Hut trug, der zog auch die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Seht her, mein Schädel, der wird noch gebraucht! Ich muss ihn beschützen, manchmal fallen Steine vom Himmel oder Tauben oder deren Stoffwechsel und da braucht man Schutz. Aber bitte nicht mit einem Helm, Helme sind unsexy. Früher sagte man noch „unchic“, aber wenn man „unchic“ aufschreibt, sieht man, dass es komisch aussieht, weil man dieses Wort nicht mehr liest oder spricht und dieses Adjektiv wird bald aussterben wie die Dinosaurier oder Dampflokomotiven und so auch der Hut und vielleicht stirbt ja auch das Gehirn aus, denn man braucht heute ja nur noch ganz wenige kluge Einzelpersonen, die unseren Alltag mit ihren Erfindungen heiter und easy und locker und toll machen und wie lang soll dieser Satz denn noch werden, mal sehen, mir fällt sicher noch was ein, vielleicht eine lustige, popkulturelle Anspielung, nein, doch nicht, Satz zu Ende. Ging ja gerade noch mal gut.

Gut ist auch der Hut, eine Überleitung wie aus einem nobelpreisverwöhnten Spitzenroman. Zur Entspannung aber nun ein paar kurze Sätze ohne Bezug zum Rest des Textes: Er setzte sich hin. Margarete kochte einen Kaffee. Die USB-Ladekabel von Apple sind sehr untoll, die gehen immer schnell kaputt. So. Wo war ich stehen geblieben. Hier auf der Bühne. Mit einem Text über Hüte. Richtig. Ich mag Hüte. Obwohl ich selten einen trage. Meine Frisur passt nicht zu einem Hut. Köpfe müssen langhaarig oder objektiv schön oder gut geformt sein, damit ein Hut nicht aussieht wie ein Deckel oder wie der verzweifelte Versuch, sich von anderen abzuheben, so ein Hut macht ja in der Regel auch größer, ich persönlich mag ja Jagdhüte, die strahlen so eine gewisse Gefahr aus und Gefahr ist gut, ich möchte böse wirken, damit die Leute über meine kümmerliche Körpergröße hinwegsehen und auf keine dummen Gedanken kommen, so wie ich, schließlich sollte es uns Menschen egal bis fast egal sein, wie wir auf andere wirken, aber so funktionieren wir nun mal nicht.

Schuld hat unser Gehirn. Es hat sich in die falsche Richtung entwickelt, wahrscheinlich eine spontane Mutation, früher hätte es sowas nicht gegeben, da waren alle chic und nicht sexy, das hatte viel mehr Stil, mein Opa sieht heute noch besser aus als eine Busladung Schulkinder. Und wie kam es dazu? Natürlich, der bald folgende Abschlusssatz ist doch offensichtlich, das ist hier doch ein Plädoyer für die Hüte, da wird wohl ein positives Ende folgen, aber ich will mein Publikum nicht enttäuschen, abgesehen davon ist es mir egal, ob ihr alle Hüte tragt, ich sehe euch sowieso nie wieder und falls doch, erkenne ich euch nicht, also macht doch, wonach euch ist und lasst euch nicht von mir beeinflussen, wer bin ich schon und wer werde ich sein, kann euch doch auch egal sein, so wie ohnehin alles egal ist, selbst wenn man mal Taubenaa auf den Kopf bekommt. Dann duscht man eben. Aber bitte ohne Hut. Der geht sonst kaputt.


4 Antworten auf “Ein Text über Hüte mit exakt zweihundert i”


  1. 1 rolandw 09. Februar 2011 um 0:26 Uhr

    Sachmal, habe ich noch alle Federn am Hut? Ich habe tatsächlich die ‚i‘ nachgezählt und kam keinesfalls auf exakt 200. Sondern auf 203. Hat das vielleicht eine hutmäßig-paranormale Bedeutung?

  2. 2 Johannes 09. Februar 2011 um 0:37 Uhr

    „I“ nicht mitzählen, nur die süßen, kleinen „i“. Ätsch.

  3. 3 Charlotte 10. Februar 2011 um 9:59 Uhr

    objektiv schön :D

  1. 1 Ein Text über Hüte mit exakt zweihundert i « HerrSalami.de … | INFOS FINDEN BEI MY-TAG.DE Game, Browsergame, Rollenspiel Pingback am 09. Februar 2011 um 2:59 Uhr
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