Wie einfallslos: ein Text übers Rauchen « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Wie einfallslos: ein Text übers Rauchen

Fast immer in der Weltgeschichte ist es doch so: irgendjemand kommt und macht einem die Freude an Freudebringendem kaputt. Da waren zum Beispiel die Ägypter, die Spaß an Sklaverei und Diebstahl hatten. Padautz, schon kam der alte Mose, teilte irgendein Gewässer und dann waren Leibeigene verboten. Rückblickend vielleicht nicht so verkehrt, aber als Ägypter hätte ich mich ganz schön veräppelt gefühlt. Kein Wunder, dass die Nilmenschen anschließend alle bescheuert geworden sind. Stichwort Einbalsamierungen und Pyramiden. So ein Unfug. Aber komme ich nun endlich zum Thema, zum Rauchen.

Um den Rauchern die Freude am Rauchen zu nehmen, bedurfte es ebenfalls eines Bärtigen: Jean-Pierre Filou. Herr Filou trug nicht nur Bart und einen schönen Nachnamen spazieren, nein, sonst wäre er auch sicher nicht berühmt geworden. Ruhm erlangte besagter französischer Gesundheitspräsident Mitte der 60er-Jahre mit der These, dass jeder Mensch sterben würde, sobald er eine bestimmte Anzahl an Zigaretten rauchte. Da flog den Lebenden natürlich der Hut hoch, ihre Münder formten ein fürchtendes „O“ und die manchmal nicht mal halb aufgerauchten Zigaretten fielen vor Schreck auf den Boden. Die Angst wuchs durch die Ungewissheit: Monsieur Filou nannte keine genaue Zahl. Nach wie vielen Kippen gehe ich denn nun drauf? lautete damals die Frage ohne Antwort. Ich weiß von Hausfrauen, die begannen, Strichlisten über ihr Quarzverhalten zu führen. Quatschidee. Zählen ab der ersten Fluppe wäre richtig gewesen. Rückwirkend zählen ist unmöglich. Ich wüsste gerne, wie viele Kippen ich seit meiner ersten Packung Marlboro weggequalmt habe. Aber nur, weil die Zahl sicher erschreckend hoch wäre. Ich lasse mich immer gerne von Zahlen schocken, lieber als von Lebensverkürzungstheorien oder anderem philosophischen Tinnef. Wie gruselig ist z.B. 9348! Oder 128! Oder 1933! Und 9999 erst! Hilfe!

Jeder Raucher weiß, dass der Moment, in dem man die stinkende Ungesundheit in seinen Körper flattern lässt, ein sehr schöner ist. Dieser Moment, wenn das Nikotin in den eigenen Körper eindringt, es ist wie eine Spritze des Glücks. Also kann ich mir die Sechzigerjahremenschen nicht erklären. Feuerzeug und Gauloises oder L&M oder Lucky Strike oder Malboro oder eine Selbstgedrehte aus der Hosentasche gefummelt, Kippe anzünden, sich zwei Züge genehmigen, froh sein. Und dann? Bimmelbimmel, dann kommt der Leichenwagen. Ein Tod durch Zigaretten garantiert demnach den glücklichen Tod, denn vor dem Bimmelbimmel kam ja das Frohsein! Hey, Sechzigerjahremenschen, wiegeilistdasdenn, glücklich sterben? Auf zur endlosen Fahrt ins Grinseland. Unfreiwillige Passivraucher sterben hingegen unfroh und ohne bimmelbimmel. Selbst schuld. Rauchen ist eben auch posthum total geil. Und ich könnte trotzdem jederzeit ohne. Ja. So ist das. Selbstverständlich. Dazu folgender Schwank: Mark Twain hat zwar Tom Sawyer verbrochen, aber als Entschuldigung hat er die feine Weisheit erfunden, dass mit dem Rauchen aufhören einfach sei, er habe es schließlich schon hundertmal geschafft. Solche Sprüchlein finden wir Raucher fast so töfte wie das Rauchen an sich. Sie legitimieren unsere Sucht. Ein bisschen. Wir lachen hustend über sowas. Bescheuert. Eigentlich sind wir fast schon eine Sekte. Ob Tom Cruise raucht? Oder ob Jesus geraucht hat? Hätte es damals Zigarettenautomaten gegeben, wäre er Stammkunde gewesen. Ganz sicher. Johannes Heesters hat neulich dem Rauchen aufgehört, habe ich gelesen. Herzlichen Glückwunsch. Idiot. Ich glaube, er hatte fast herausgefunden, von welcher Anzahl Zigaretten der witzige Franzose Filou damals gesprochen hatte.

Dann rauche ich eben weiter. Im Sinne der Wissenschaft. Prost!, oder wie wir Raucher sagen: Hust, hust!


1 Antwort auf “Wie einfallslos: ein Text übers Rauchen”


  1. 1 Antistarfruit 26. Dezember 2010 um 1:25 Uhr

    Mose, Jesu, Petri
    alles Genitivformen und nichts anderes.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.