Die fröstelnde Zellmembran des Erektionsgestörten « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Die fröstelnde Zellmembran des Erektionsgestörten

Herr Weber sitzt, friert und macht Verkaufsversuche. Er hat sich einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt gemietet, doch seine Engelaktbilder gehen nicht weg wie warme Handschuhbommeln. Auch am heutigen fünften Tag wird er wohl wieder weihnachtsmannrote Zahlen schreiben. Einmal kam ein Zottel vorbei und hob den Finger, denn es sei ja Pädophilie, wenn kleine Engelchen unbekleidet und beflügelt auf einer Wolke sitzen. Erworben hat er nichts. Abgesehen von den lustigen Bommelmützen, die er aber zweiundvierzig Stände weiter gekauft hat. Von erhobenen Fingern kann ich nicht leben, seufzt Herr Weber in sich hinein. Die Verzweiflung scheint sich ihn als Endwirt ausgesucht zu haben. Nicht einmal das „20% auf alles!“-Schild lockt das Interesse der Geldbörsenbesitzer. Doch noch immer kosten die Farbdrucke von Gotters Helfern mindestens 39€, selbst wenn man sich nur vom kleinsten Format (19×19cm) anregt fühlt. Ob es der Preis ist, der den Kunstverkauf verhindert? Herr Weber wagt ein Herausfindungsexperiment. Er verlässt seinen Stand, stellt sich an einen Glühweinpilz und bestellt sich ein Warmgetränk mit einem Schuss Rum. Seinen einsamen Engelaktbildstand hat er aber noch im Blickfeld. Nun bald würde er wissen, ob die irren Leute seine Weke wenigstens stehlen würden. Fünfzehn Minuten vergehen, ohne dass jemand auch nur eine Notizblocknotiz vom verkäuferlosen Engelasyl genommen hat.

Sogar der indische Maronenmensch dort drüben verkauft seine alten und heißen Maronen. Herr Weber eskaliert innerlich vor Wut auf die falschen Konsumwünsche um ihn herum. Ein Engelbild sei doch viel nachhaltiger und wertvoller, meint er. Schließlich verlören sie nie an Aktualität und Ästhetik. Sie wären ein kreatives Geschenk, nicht nur fürs heilige Fest, nein, auch für Junggesellenabschiede, Trauerfeiern oder Firmenjubiläen. Diese Meinung vertritt Herr Weber leider äußert exklusiv und erfolglos. Er aber beschließt, weiter am Glühweinstand auszuharren und sein Experiment um ein prozenthaltiges Detail zu verbessern: für jede Viertelstunde, in der niemand seinen Stand konzentriert beachtet, bestellt er sich ab nun an einen weiteren alkoholreichen Glühwein. Ohnehin würden ja viele Erfolglose ihr weniges Geld versaufen, aber im Gegensatz zu ihm sinnlos, aber er hätte ja eine berufliche Komponente in seinen Alkoholrausch eingebaut. Da in der folgenden Zeit wenig passierte, behält sich der Autor dieser Zeilen vor, ein bisschen am Minutenzeiger zu drehen – Selbe Szenerie, zwei Stunden später. Herr Weber konnte keinen echten Besucher seines Standes beobachten, dementsprechend alkoholisiert taumelte er den Makronenverkäufer an und aß ihm frech seine Ware weg. Von den Verbrennungen an seinen Fingern sollte er erst tags darauf erfahren, als er flankiert von Schmerzen unter einem Tannenbaum unweit des Bommelmützenstandes aufwachte.

Doch er hatte Glück: seine Engelbilder waren zwar voll Schnee, aber vollzählig an ihrem Platze. Herr Weber zündete sich eine Zigarette an und dachte nach.