Irgendwas mit Vorweihnachtsstimmung « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Irgendwas mit Vorweihnachtsstimmung

Feiermorgen! Feiernachmittag! Feierabend! Oder, bündig in ein einziges Wort zusammengepackt: Feiertag. Ich knuspere am Kaffeebeilagenkeks, reinige meine Nasennebenhöhlen in der Serviette und wärme meine Hände an der zweiten Kerze. Das Radio knartzt, es erklingt Weihnachtsmusik aus der Vorkriegszeit. Weihnachten ist nicht so gemütlich, wie es mir die Reklame immer vorgespielt hatte. Man reicht mir Kirschkuchen. Kirschen assoziiere ich mit Sommer. Irgendjemand macht hier irgendetwas falsch. Am Ende des Feiertages sind wir doch ohnehin wieder allein; allein mit uns, allein mit unserem Schnupfen, einsam mit unseren Problemen – heile Welt gleich verlogene Welt. Ich habe noch dieses Foto der Soldaten im Kopf. Dieses Zweiteweltkriegsbild, wo an Weihnachten Freund und Feind das Kriegsbeil im Schnee versteckt hatten, um gemeinsam am 24.12. den heiligen Tag zu zelebrieren. Und wie endete die Geschichte? Totgeballert haben sie sich trotzdem. Verlogen, sagte ich doch bereits. Oma stellt still Schlagsahne auf den Tisch, Onkel zögert, greift dann aber doch zu. Seine Worte passen nicht zu seinem Gesicht: Mhh, lecker, Sahne. Opa pupst, lässt diesen Vorfall aber wie immer unkommentiert. Morgen schon werden sie ihre Mäuler wieder aufreißen: Junge, geh früher ins Bett! Junge, hör auf zu rauchen! Junge, und wie du wieder aussiehst! Ich weiß, unliebe Verwandte. Ich weiß. Aber wundert euch nicht, wenn ihr unter dem Tannenbaum wieder nur Champagne-Trüffel-Pralinen von mir vorfindet.

Die Feiertagsgesellschaft schweigt sich weiter fleißig an. Anwesenheit ist die Pflicht, Verschweigen die Kür. Der dumpfe Radioton bestimmt einsam die Szenerie. Tralala, Friedefreude, Kirschenkuchen. Meine einzige Freude ist ein langer, unfreundlicher Furz, den ich bewusst nicht zurückhalte, um die Reaktionen zu testen. Tante reagiert am Schnellsten: Junge, sowas gehört sich aber zu Tisch nicht! Aber aufgezwungene Besinnlichkeit hat keinen anderen Kommentar meinerseits verdient. Und ab heute bekommt der Weihnachtsmann Gesellschaft im Club der Dinge, an die ich nicht mehr glaube. Kein Grund zum Feiern.


1 Antwort auf “Irgendwas mit Vorweihnachtsstimmung”


  1. 1 Fränk 11. Dezember 2010 um 21:18 Uhr

    was wurd denn gefeiert? weihnachten kommt doch erst noch…

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