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Sand wie Heu im Stall am Meer

Wir befinden uns in einem beliebigen Kaufhaus. Kind zerrt Mutter jauchzend am Arm. Ein Dialog wird geboren.

Kind: (hektisch): „Mutti, bitte, ich möchte, dass dieses heitere Eiffelturmpuzzle in meinen Besitz übergeht! So erwirb es mir doch bitte! Du weißt doch: Puzzeln ist mein ungeheimes Steckenpferd, sozusagen mein Zusammensteckenpferd, hoho! Haha!“
Mutter (kalt): „Nein, Kind.“
(Traurige Stille. Kind entschiedet sich spontan für Tränenausschuss.)
Mutter: „Du weit, dass wir uns finanziell derzeit keine Steckenpferdsprünge erlauben können, Kind.“
Kind (schnauffend): „Mein Wortspiel war besser, schnüff! (holt Luft) Aber reite du nur weiter auf meiner Unzufriedenheit herum! Ich bin doch ohnehin nur noch dein zum Prestigeobjekt degradierter Sattelschlepper. Seit Vati fortgallopiert ist, genüge ich dir nur noch als menschlicher Lockduft für Frischfleisch. Du zerrst mich zu Singleparties, damit die wilden Hengste ein Gespräch mit dir beginnen. Du willst doch einfach nur wieder geritten werden!“
Mutter (bleibt uninteressiert): „Los, eile, die Kutsche namens Bus wartet gewiss nicht auf dich und mich.“
Kind: „So höre mir doch zu! Was interessiert mich der Bus! Es bleibt die traurige Tatsache, dass du meinen Kinderschweiß für deine Zwecke missbrauchst! Und was bekomme ich zum Dank? Zweitklassige Wortspiele statt erstklassiger Ravensburger-Puzzles! Ach Muttertier, du Luder! (frech) Höhott, na wo ist er denn, der nächste goldene Reiter? Na?“
Mutter: „Ich gebe zu, deine Wortspielerei ist durchaus amüsant, aber es bleibt bei der Konsumverweigerei. Doch wir können den Spielplatz visitieren, wenn du magst.“
Kind (blickt nun gehässig hinauf): „Hoho, gehen wir zum Moritzplatz; dort gehört ein Schaukelpferd zum Inventar? (Der Ernst kehrt zurück) Nein, mein einziger Wunsch bleibt das Tausendteilepuzzle. Siehst du meine zittrigen Hände? (zeigt seine Hände) Sie fordern den Eiffelturm! In tausend Teilen! Jetzt! Sofort! Und vergiss bloß das Geburtstagsgeschenkargument, es ist und bleibt ein leeres Versprechen! Du schenkst mir ja doch wieder nur Unfug. Ich erinnere dich an das Wendy-Abonnement im letzten Jahr.“
Mutter (endlich genervt): „Weißt du, was ich mir wünsche? Ein ruhiges, spielplatzliebendes Kind. Und einen Mann mit Pferdeschwanz. Frisur egal.“ (kichert)
Kind: „Mutter, dieser Witz ist von schlauen Kindern wie mir wegen fehlenden Tiefgangs verpöhnt. Und zudem nicht meinem Alter entsprechend. Nimm doch spaßeshalber einmal an, ich wäre nicht so ein forscher Springinsfeld; sollte ich mir den Witz von dir erklären lassen? Du kämest in Windeseile in Erklärungsnot. Um zu den heiteren Wortspielen zurückzukehren: deine Erziehung trottet im Schrittempo voran, wage doch wenigstens mal den Trab! Ich möchte nicht so güterlos enden wie du, du Zierpony!“
Mutter (will schlichten): „Du hast meine Nerven nun entschieden zu lange gekitzelt! Darum tausche ich deine Ruhe gegen folgenden Vorschlag: wir gehen heute Abend zu McDonald’s, wie wär’s?“
Kind: „Die haben ja nicht mal einen McHorse!“

Kind schweigt und grinst, Mutter sucht den Bus.


2 Antworten auf “Sand wie Heu im Stall am Meer”


  1. 1 André 24. November 2010 um 17:45 Uhr

    Ich finde diesen Dialog allerliebst.

  1. 1 « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog. Pingback am 28. August 2011 um 18:34 Uhr
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