Von Doppelnullen und dem Kribbeln im Unterleib « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Von Doppelnullen und dem Kribbeln im Unterleib

Auf die Tür einer Pinkelkabine der Herrentoilette des Duisburger Hauptbahnhofs hat ein einsamer Mensch geschrieben: „Suche russische Frau für Dates“. Namenlos nur mit Handynummer versehen. Toiletten sind und machen eben einsam. Oh du stillstes Örtchen, wieso nennt man dich verniedlicht so, wo du doch meistens so unniedlich und gar kalt bist? Elvis Presley ist angeblich auf der Toilette gestorben. Auch wenn man sich auf der Toilette erleichtert, die größere Leistung des Lokus‘ ist eben doch die Erschwerung. Die Erschwerung von allem. Der miefende Alltag klettert die unschuldig sitzenden Knie hinauf, das Toilettenpapier ist unbeschrieben wie man selbst und am Ende des Tages ist dann doch alles voll mit Scheiße. Trotzdem wäscht man anschließend artig seine Hände. In Unschuld, natürlich. Aber von wegen entleert: der Zweifel ist ein dauerhafter Wirt. Dennoch hastig zurück ins Bunte, die Sorgen längst wieder weggespült. Jaha! Immer nur rein und raus: das ist verkehrt. Ständig die Hast, niemals bleiben sie stehen. Nie schauen sie mal in den Spiegel, er hängt herum und möchte benutzt werden. Sie lassen sich nicht erschrecken, so wie damals in der Geisterbahn. …~ Nur die Glücklichsten können es sich leisten, beim Stuhlgang zu lesen oder Gameboy zu spielen. Anstatt die Probleme auszusitzen, haben sie auf der Toilette die besten Ideen und finden es entspannend dort. Diese reinen Leute sind Selbstzweifeln und Einsamkeitsgefühlen gegenüber resistent. Sie fürchten sich nicht vor der Wahrheit, die auf der Toilette hockt und beißt und pieckst und tritt und nicht wegspülbar ist.

Es ist unfein, der zweiten Gruppe der Zufriedenen und Gefühlsgesunden anzugehören. Aber was, wenn man derzeit einfach viel zu wenig Gründe zum hat? Es stirnrunzelt sich derzeit eben sehr schlecht bei mir1. Ich spiele „Super Mario Land“ auf der Toilette. Heute habe ich viel gegrinst. Ich esse die Suppe derzeit mit der Gabel. Die Duisburger Toilettenschmiererei hätte aber auch mal von mir stammen können. Viele schlechte Poeten haben sie ja bereits angesprochen, die fiesen Nebenpfade, die auf dem Weg zum Glück warten. Ich habe sie alle durchquert! Ich prügelte mich mit Igeln und schwamm durch Pfützen! Ich widerstand dem Baum der Erkenntnis; ach was, ich widerstand einem ganzen Wald! Und nun Hallöchen, Pfad des Glücks! Hier bin ich, hier ist mein Grinsen! Ich werde nun auf dir spazieren! ~ Ob der tatsächliche Herrentoilettenautor dem unausweichlichen Leben inzwischen ähnlich unbeschwert zuzwinkern kann wie ich? Irrte sich eine adrette Russin an der Toilettentür und hat sich in ihrer Verwirrung auf seine Annonce gemeldet? Kann er jemandem die Hände reichen und sagen: Hey, komm, wir fahren nachts mit der Elbfähre Glückstadt–Wischhafen die Elbe hinauf und trinken dabei ein gutes Getränk! Einfach nur so, weil wir es können! – Kann er? Kann er?…

  1. vgl.: Du hast gelogen, als wir das Geld sammelten, Zeile 1.

1 Antwort auf “Von Doppelnullen und dem Kribbeln im Unterleib”


  1. 1 wutzifan 01. November 2010 um 21:09 Uhr

    ER KANN!

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