Halt still, sonst kommt dir das Shampoo in die Augen und es tränt « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Halt still, sonst kommt dir das Shampoo in die Augen und es tränt

Tiefgründig recherchieren heißt, die Wurzel einer Begebenheit auszubuddeln oder sie wenigstens ein bisschen mit dem Spaten an ihr zu klopfen. Buddeln kostet Kraft. Also kein Buddeln. So schüttle ich behutsam den großen Informationsbaum; ein paar Happen Infoobst werden sich gewiss von ihren schwachen Ästen trennen lassen. Und siehe da, der Mammutbaum des Wissens zeigt sich spendabel. Danke, Wikipedia. Wikipedias gesammelte Ausführungen zum Thema stillen meinen kleinen Hunger in diesem Falle vollkommen. Auch wenn Kalenderspruchgutfinder nun krakeelen werden, dass man nie genug wissen könne. Oh, ihr Kalenderspruchbesitzer, was wisst ihr denn schon. Vom Datum mal abgesehen. Eben dieses braucht man sich sowieso nicht merken, so schnell wie es sich in einer unsympathischen Regelmäßigkeit ändert. Vorgestern ist übermorgen schon letzte Woche, oder so ähnlich. Nein, anders, denn ausschließlich am Wochenende könnte man diesen Satz sagen, ohne peinlicherweise im Unrecht zu sein. Ich kenne aber auch Leute, die mit voller Absicht derlei Falschheiten in Gespräche puzzeln. Clever, denn objektiv Falsches ist Medizin für jedes Gespräch. Balsam für die Konversation. Sanostol für den Schwatz. Neinsager sein ist gesund. Jasager sterben unglücklich und vollkommen zurecht: in der Hölle wartet bereits der Kopfnickausnutzer Satan und schwingt sabbernd seinen Dreizack, der die frisch gestorbenen Jasager daran erinnert, dass sie ruhig Jasager bleiben dürfen – sie werden schließlich noch für schwere körperliche Arbeit benötigt. Jasager müssen nämlich in der Hölle Pyramiden und sinnlose Statuen bauen und zwar rund um die Uhr. Seht ihr, liebe Jasager, dann kann euch auch scheißegal sein, mit welchem Datum sich der Tag schmückt.

Und Neinsager? Wir mutigen Neinsager dürfen im Himmel vollkommen legal in der Öffentlichkeit urinieren. Und in der Straßenbahn rauchen! Beschissene Partydresscodes gibt es dort oben auch nicht. So wie es ohnehin keine Mottoparties mehr gibt. Und auch die Starbucksleckerfinder fehlen gänzlich, sie landen alle bei Satan. So einladend wie der Himmel könnte ruhig auch mal ein Stadtteil von Berlin sein. In Berlin sind alle Stadtteile irgendwie gleich und die, die sich dann doch ein bisschen unterscheiden, sind immer noch schlechter als die, die gleich sind. Meine Meinung zu Berlin kann ich aber auch in einem Satz ohne drei Kommata kundtun: Berlin mag ich nicht. Aber, lieber Leser, erinnern Sie sich an die These, die ich im Verlauf dieses Durcheinanders zu objektiven Falschheiten in Gesprächen geäußert habe? Und bermeken Sie, wie ich diesen Text mit eben solchen, naja, Lügen am Leben gehalten habe? Sehen Sie? Ein paar verquere Blödsinnigkeiten reichen und das Gespräch (hier: Textgebilde.) gedeiht und wird ein interessantes. Einst, nämlich bei der Einleitung, ging es mir nur darum, von meiner Recherche zum Thema „Tourette-Syndrom“ zu berichten. Denn der Wikipediaeintrag zu dieser Erkrankung enthält in seinem Inhaltsverzeichnis den Unterpunkt 4: „Positive Auswirkungen des Tourette-Syndroms“. Ich wollte nur kurz die Frage stellen, ob es moralisch vertretbar sei, bei einer Krankheit von einer positiven Begleiterscheinung zu sprechen. Einem Menschen, der bei einem Skiunfall sein rechtes Bein verloren hat, macht man doch auch nicht fröhlich darauf aufmerksam, dass er nun einen vergünstigten Eintritt zu Kinovorstellungen und Sportereignissen habe. Kann man das vergleichen? Also ich kann.

(Außerdem, positive Begleiterscheinungen des Tourette-Syndroms? Da gab es doch mal eine lustige South Park-Folge. Richtig! Und die kann man sich hier ansehen. Geiler Scheiß! Und als zusätzliche Bonusleckerei hier ein kurzer Spaß vom lustigsten Isländer der Welt. Nein, nicht von Friðrik Þór Friðriksson, sondern von Hugleikur Dagsson: klick)


1 Antwort auf “Halt still, sonst kommt dir das Shampoo in die Augen und es tränt”


  1. 1 Moritz 04. November 2010 um 18:58 Uhr

    Mottopartys, geht sterben!

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