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In diesem Raum ist keine Liebe

Im ICE fühlte ich mich ein wenig verkehrt am Platze. Lauter Schlipsträger, die mit ihrer täglichen Fahrt von Frankfurt nach Münster fleißig hunderte bahn.bonus-Points sammelten, um diese dann für Krimskrams einzutauschen, den sie sich ohnehin locker hätten leisten können. Wer scheißreich ist, braucht keine unpersönlichen Geschenke. Alle fünf Minuten kam eine Gestalt satt und zufrieden aus dem Speisewagen. Und ich saß unsatt herum, las mein kicker-Sportmagazin und freute mich darüber, dass St. Pauli gewonnen hatte. Ich konnte mich auch nicht satt sehen am schönen Tabellenbild der ersten Bundesliga. Wie so viele Menschen hege auch ich eine begründete Sympathie zum FC St. Pauli – und gehöre auch zur Gruppe derer, die sich, sobald die Paulisympathie auf den Tisch gelegt worden ist, darüber beschweren, dass St. Pauli heutzutage so ein Kommerzclub geworden ist. Der einzige Nicht-Kommerzclub im deutschen Profifußball ist der SC Paderborn. Und niemand mag den SC Paderborn. Aber darum soll es nicht gehen. Meine Mitfahrerin bejate meine Frage, ob es Zufall sei, dass sich „ICE“ auf „FDP“ reime. Während des Bejaens spielte sie an ihrem iPhone. Ach wisst ihr was, fahrt ihr doch alle eure eigene Zugfahrt, ich höre nun „Die Sterne“. Die Tage davor waren angepasster. Im Urlaub lacht man beinahe täglich über nichtverstandene Witze in anderen Sprachen. Spanisch ist übrigens keine schöne Sprache.

Ich mag vollbärtige Südeuropaurlauber, die sich in einem sonnigen Land holzbraun färben lassen, um sich dann, zurück im eisigen Allgäu, den Bart abrasieren zu lassen. Was dann als Souvenier bleibt, ist ein halbbraunes Gesicht. Nicht, dass ich einen derart tollkühnen Menschen bereits getroffen hätte, aber weil ich mir den Anblick heiter vorstelle, möchte ich hiermit darum bitten, meine Idee einmal umzusetzen. Der Trend ist gebärfähig, aber irgendjemand muss den Fötus endlich mal ausspucken. Kennt jemand prominente Vollbartmenschen aus dem Allgäu? Alter, Größe, Geschlecht, alles egal. Ich möchte nicht umziehen müssen deswegen, das Allgäu gefällt mir nicht und dieses Urteil darf ich mir erlauben, denn ich fuhr gestern in ihm herum (siehe erste vierzehn Sätze dieses Textes). Menschen ziehen meistens dann um, wenn sie glauben, die Nachbarn könnten einen nicht leiden. Und dann hoffen diese Gemochtheitsfanatiker darauf, dass der neue Nachbar Potential für Liebeleien oder wenigstens eine gute Freundschaft haben könnte. Doch so spendabel ist der Zufall nicht. (Dies war eine Überleitung zum nächsten Gedankenkomplex. Bitte lesen Sie weiter:) Die besten Dinge, so sagen nicht nur umziehende Menschen, passieren aus Zufall. Selbstredend weiß der hier schreibende Mensch diese These zu widerlegen. Dafür hat er ein Beispiel parat. Wir befinden uns geitig nun auf einer Party. Ein Männlein trifft „zufällig“ ein ihm unbekanntes Weibchen, er äußert sexuelles Interesse, die beiden ficken die ganze Nacht auf der Toilette, verlieben sich dann sogar noch ineinander und müssen sich Jahre später zwei Kinder teilen. Zufall? Nö. Unwissen.

Männlein wusste nicht, dass Weibchen herumexistiert und andersrum. Auf der Party wurde diese Wissenlücke gestopft. Und nicht nur die, haha, Pubertätshumor, Verzeihung. Auf folgende, einfache Schlussfolgerung wollte ich eigentlich hinaus: die besten Dinge passieren aus Unwissen, beziehungsweise Dummheit. Endlich eine vernünftige Antwort auf die Feststellung, dass sich heutzutage so viele Menschen fürs Dummsein entscheiden. Gar nicht so dumm, die Dummen. Die fummeln wenigstens auf Toiletten herum. Und die Schlauen? Die fahren ICE? Ich habe, für mich untypisch, keine Ahnung; schade aber, dass für derlei Begebenheiten das alte Arschloch Zufall all den Ruhm für sich beansprucht. Denn auch beim Geschichtenschreiben behaupten viele, dass der Alltagskönig „Zufall“ Ehre und Respekt verdiene. Zu Unrecht. Denn die schönsten Geschichten, die schreibt Max Goldt.

(Ich bedanke mich ausdrücklich bei Oliver für die famose Überschrift!)


1 Antwort auf “In diesem Raum ist keine Liebe”


  1. 1 Charlotte 24. Oktober 2010 um 12:21 Uhr

    Danke für die folgenden Wahrheiten, die ich bereits seit Jahren versuche zu verbreiten:

    „Spa­nisch ist üb­ri­gens keine schö­ne Spra­che.“

    „Und nie­mand mag den SC Pa­der­born.“

    „[…] die bes­ten Dinge pas­sie­ren aus Un­wis­sen […]“

    Für Letztere bittesehr das hier:
    http://www.youtube.com/watch?v=A29cLNtEXBE
    (Blöderweise teils auf Spanisch :D.)

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