Der tausendjährige Hasselhoff « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Der tausendjährige Hasselhoff

Nanu, wer schaut denn da so muskulös und fröhlich in die Kameralinse, ohne zu merken, dass sein Orangensaftglas Sekundenbruchteile nach dem Foto überlaufen wird? Es ist David Hasselhoff, die geile Peinlichkeitskoryphäe. Mit seinen Krausellocken, seinem unfassbar männlichen Körper und nicht zuletzt seiner großartigen Sopranstimme rettete er die DDR, Ertrinkende vor dem Tod und in „Knight Rider“ sogar sprechende Autos vor der Abwrackprämie. Wenn all die gemeinen Gerüchte stimmen, hatte Hasselhoff in diesem Lande mehr sehr viele Fans. Mehr als die ihm zustehenden drei oder vier. Unmöglich! Wie konnte das passieren? Im Geschichtsunterricht rätseln diejenigen, die zu seinem Karrierehöhepunkt gezeugt worden sind: er soll die Unzufriedenheit der Menschen ausgenutzt haben. Außerdem soll er clevere Propagandaminister (RTL, Pamela Anderson, Helmut Kohl) an seiner Seite gewusst haben. Zudem vermittelten seine Muskeln ein nicht mehr gekanntes Gefühl von Stärke. Ein Mann des Volkes eben! Genau das, was Deutschland zu dieser Zeit brauchte. Heute distanziert sich die Plebs: man habe ja gar nicht gewusst, dass da noch so viel Scheiße folgen würde! Und „Looking For Freedom“ haben nur die Nachbarn gekauft!

Doch nun ist alles zu spät: der Ruf Deutschlands ist auf lange Zeit ruiniert. Noch immer glauben vier Viertel aller Amerikaner, dass alle Deutschen David Hasselhoff lieben. Immer wieder versuchen die Deutschen, die Hasselhoffaffinität zu leugnen. Wöchentlich hängen die großen Elektronikmärkte die Verkaufscharts aus Amerika in ihren Geschäften auf, damit sich der Kunde im CD-Regal nicht vergreift. Lady Gaga, Rihanna und Eminem fliegen so mit zweiwöchiger Verspätung auf die höchsten Positionen in den VIVA Top 100, damit, falls ein Amerikaner mal versehentlich vorbeizappt, der Eindruck gewonnen wird, auch die Deutschen würden angesagte, coole Musik hören. Verzweifelt auch die mittelalte Frau, die mir auf dem Trödelmarkt ein spannendes, historisches Relikt aus dem Hasselhoff’schen Fundus für symbolische fünfzig Cent verkaufte: „Body Watch – Mein ganz persönliches Fitnessprogramm“ aus den frühen Neunzigern. Doch blättern wir doch gemeinsam ein paar Stunden in dem bunten Gutelaunebuch:

Auf 98 Seiten erklärt hier der Meister selbst, wie man es schafft, supercool und toll zu werden. Orangensaft und zu enge grüne T-Shirts mit Hosenträgern sind da nur zwei Tipps. „Liebe Freunde!“ schreibt er gleich zu Beginn. Schnelles Ankuscheln an den Leser; Wahnsinn, ein cleverer Menschenverführer, dieser Hasselhoff. Scheint ja doch ein netter Kerl zu sein. Anschließend zwei Seiten bescheidene Lobhudelei:

„Als ich noch ein Kind war, träumte ich davon, einmal ein Rock-Star zu sein. Ich hätte mit jedem gewettet, dass ich es schaffe. Und ich habe es geschafft. Dann träumte ich davon, einmal ein berühmter Schauspieler zu werden. Ich habe es geschafft!“ (Seite 7)

Respekt! Einer, der sich durchbeißt! Kein Wunder, dass die Berliner Mauer keine Chance gegen Muskeldavid hatte! Es folgen viele wichtige, bisher unausgesprochene Weisheiten. Joggen ist gesund. Wasser trinken ist gesund. Skateboarden ist cool. Muskeln sehen tierisch geil aus. Klimmzüge sind männlich. Fotos im Whirlpool steigern die Buchauflage Woher wusste Hasselhoff das alles? Üblicherweise bekommen Menschen die Weisheit doch erst gleichzeitig mit den grauen Haaren. Aber wer denkt, dass der schlaue David deswegen immerzu froh war, der täuscht sich:

„Es half mir wenig, dass ich bei den Girls recht gut ankam, denn das förderte erst recht den Neid meiner Klassenkameraden.“ (Seite 19)

Der endgültige Beweis: ja, ein feiner Kerl, dieser David! Hallo Jugendliche und Junggebliebene der 90er, ich kann euch alle verstehen! Prima, der Hasselhoff, wirklich prima! Und auch hier eine Erklärung dafür, wie er es schaffte, das geteilte Deutschland wieder zusammenzupuzzeln: mit neidischen Heinis hatte er bereits in seiner Jugend einige Erfahrungen gemacht.

In seinem Buch erklärt der Chefdenker dann noch ein bisschen, wer und was ihm alles dabei hilft, Welt und Universum zu retten: Disziplin, grenzenloser Wille, Heinz Altieri. Altieri war zu dieser Zeit Hasselhoffs Fitnesstrainer, aber noch schöner ist es, wie dem Leser dieses Faktum mittels einer Bildunterschrift untergejubelt wird:

„Fitnesstrainer Heinz Altieri. Er bringt David „in Form“.“ (Seite 24)

(Weil ich keine Lust mehr habe, überspringen wir ein paar Seiten und finden uns am Ende des Buches wieder:) Und jetzt, wo David dank Sport und Orangensaft „in Form“ ist, kann er endlich auch so tun, als wäre er ein echter Rettungsschwimmer. Im hinteren Teil des Buches warten dann also die schönsten Aufnahmen des Ausnahmemenschen Hasselhoffs auf weibliche und homosexuelle Leser: David joggt und schwimmt sinnlos (und oberkörperfrei) durch Malibu! Gewiss könnte ich auch diese Fotos abfotografieren, aber wer am halbnackten Hasselhoff interessiert ist, soll sich die Hasselhoffbibel selber kaufen. Aber nachher nicht wieder so tun, als wärt ihr unschuldig! Don‘t hassel the Hoff! Vielleicht hat die Nachbarin ja noch ein Exemplar unter dem Ehebett. Oder ihr Ehemann.

Danke für alles, David Hasselhoff!


1 Antwort auf “Der tausendjährige Hasselhoff”


  1. 1 juliaL49 20. September 2010 um 21:40 Uhr

    Du Glücklicher! Mit dem Fundstück wirst du bei ebay oder dem nächsten Flohmarkt deine Uni-Ausbildung finanzieren :)

    Das letzte Bild ist besonders hübsch, denn ich glaube bei der Tour war ich auch Zuschauer… (in Stuttgart)

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