Gedankliche Outtakes « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Gedankliche Outtakes

Wie es wohl wäre, wenn meine Kurzgeschichten in Familien als vorgelesenes Gutenachtleckerli für die Kleinsten eine kuschlige Herberge finden würden? Würde das die Kinder versauen oder bekämen sie dann frühestmöglich einen Sinn für augenfreundliche Wortwahl in den Tornister des Lebens gepackt? Wie ist das eigentlich, schreibe ich nur Scheiß oder ist das alles in Maßen doch ganz okay? Zu dumm, dass ich meine Texte am Computer schreibe, denn das traurige Bild, das zweitklassige Autoren zu seiner Zeit hatten (viele mittelmäßige Ideen = mit zerknüttelten Ideen gefüllter Papierkorb), kann ich nicht gleichwertig ersetzen. Ein mittelguter Text wird heute entweder zwischengespeichert (und danach nie wieder angerührt) oder mit der Taste, die einen Pfeil nach links zeigt, eliminiert. Der Leser wird sich kaum ausmalen können, wie viele halbfertige Anfänge und ungeschriebene Enden hier auf der Festplatte digital Staub fangen. Nie an die Öffentlichkeit gelangen wird zum Beispiel ein Glückwunsch an Helmut Kohl zu seinem achtzigsten Geburtstag (Entlarvender Auszug: „Aber eigentlich wollte ich ja was zu Helmut Kohl sagen. Mir fällt aber jetzt nichts mehr ein.“). Auch durchgefallen: meine Geschichte über Pfandflaschen („Ich ekel mich vor sehr wenig Dingen und auch ein bisschen Plörre in einer Plastiktüte kann mir nix. “). Schade, auch folgende Frage wird nie erklärt werden: „Welchen Sinn ergibt die Erwähnung des Fluglotsen?“. Denn sie befindet sich in einem falschen Umfeld, sprich, ein paar Satzstaffetten, die mir dann doch nicht gefallen haben.

Eine weitere Auswahl an Sätzen, die den falschen Wohnort haben:

„Ich möchte ihn vergleichen, bevorzugt mit Jesus!“
„Haben Tiere eigentlich Sexfetische? Treffen sich Hund und Ente heimlich nachts im Park? Gibt es pädophile Elefanten?“
„Liebe Leser, ihr merkt: Nazis, Witze über Namen und sexistische Anspielungen: ich habe wirklich absolut keine Ahnung, worüber ich schreiben soll. Ich bin quasi der SPIEGEL, nur als Blog.“
„Vuvuzelas sind übrigens sehr gut.“
„Sie ist so düster und nebelig, uuuuaaahhuuuuuah!“

Und mit diesem intimen, fast sogar persönlichen Einblick in die weiterhin unverschämterweise unentgeldliche Arbeit eines aufstrebenden Bloggers entlasse ich euch in den wohlverdienten Feierabend.


2 Antworten auf “Gedankliche Outtakes”


  1. 1 Johannes 01. August 2010 um 1:28 Uhr

    Bonusmaterial: ungenutze Textüberschriften.
    „Alkohol als Waffe – Whiskey in den Irak!“
    (wird vielleicht ergänzt.)

  2. 2 jutta 02. August 2010 um 11:05 Uhr

    ehrlich – ich finde deine beiträge immer wieder erfrischend. bin stolz auf DICH.
    jutta

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