Wale ändern nichts, sonst wären sie verboten « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Wale ändern nichts, sonst wären sie verboten

Kurz nach dem Duschen ist man für einen ganz kurzen Moment der sauberste Mensch der Welt. Schön, wenn man ab und an mal besonders besonders ist. Wie üblich habe ich beim Duschen meine leeren Wasserflaschen befüllt, um Geld zu sparen – herrje, mag man denken, aber du musst doch die Rechnungen für den imsenen Wasserverbrauch tragen und dann rechnet sich das gar nicht, kurz, du bist ein blöder Heini! Aber natürlich ist dem nicht so. Vor einiger Zeit erspielte ich mir durch mein mühsam angeeignetes Wissen über Kirchturmspitzengerüste in bergischen Gebieten (die sind dort sehr verbreitet und ich hatte mal eine Dokumentation darüber gesehen, die zwar nicht gut, weil langweilig war, aber Grundsätzliches wurde prima vermittelt) einen kostenlosen lebenslangen Wasserkonsum – ich muss nur die Rechnungen an den Gewillspielaustragenden schicken und dann übernimmt er sie. Manchmal nehme ich mir vor, das Rechnungeneinschicken zu vergessen, um die Preistiftungsfirma nicht in die finanzielle Unwetterkatastrophe rutschen zu lassen. Man merkt: der Reichtum hat mich nicht verdorben, ich bin weiterhin ein adretter, freundlicher Mensch – so wie ich auch die Intervalle meiner Körperpflegemaßnahmen weiterhin gering halte, obwohl ich mir eine wöchentliche Dusche inzwischen ja durchaus leisten könnte. Meine Körpergerüche möchte ich nicht missen. Ich habe sie lieben gelernt, man gewöhnt sich nach langer Zeit eben auch an Pestizide, Parasiten und Bazillen gewöhnt. Wenn man einmal Kopfläuse hat, dann will man sie eben nicht mehr vertreiben.

Beim Frühstück ist es vergleichbar, aber ähnlich. Ich konsumiere dann in Tee aufgeweichtes Knäckebrot, wie ich es früher in meiner Jugend immer tat. Das mag mich von dem Großteil der Frühstückenden abkaspeln und in Hotels moniere ich deswegen auch stets das Fehlen meiner favorisierten Teesorten. Diese variieren von „Vanille küsst Mango“ bis hin zu „Pfefferminzengtanz“ und „Genusseuropameisterschaft der Trockenfrüchte“. Und beim Teeverzehr betreibe ich für mein armseliges Leben gern ein wenig Kurzstreckenfantasiererei, heißt, ich denke mir ganz abstruse Szenarien in fremden Ländern und unter verwirrenden Umständen. Ein Okapi, welches unglücklicherweise in Sibieren geboren wird und deswegen innerhalb von Sekunden den Kältetod stirbt – bitter, hart, so kann die Realität eben manchmal sein. Es haben nicht alle so viel Glück wie ich und für diese Erkenntnis brauche ich nur meinen Kopf auf den Boden zu drehen, wo mein kleinwüchsiger Haushälter meine Schuppen aufsammelt. Ein Gast meines Hauses meinte mal, ich könnte froh sein, dass der kleine Putzschlumpf nicht auch noch schwarz wäre, sonst könnte man mich als Rassisten beschimpfen – keuchend musste ich schmunzeln, ich sei natürlich kein Rassist, ich interessiere mich nicht mal für Politik. Außerdem stelle ich generell hier keine Neger ein, die können woanders putzen.

Zwölf Uhr mittags, mein Tag neigt sich dem Feierabend zu. Ich schlüpfe in mein silbernes Mercedesnachtgewand, lege mich in mein etagenloses Hochbett und schaue hinaus auf die Felder und endlichen Weiten. Mein Leben ist fabelhaft. Schnell noch stelle ich meinen Wecker auf übermorgen ein, lege dann noch rasch meinem Putzliliputaner einen Fünfer auf den Teller vor meiner Toilette, damit er sich morgen neue Kippen ziehen gehen kann. Wie gesagt, ich bin ein netter Kerl.


2 Antworten auf “Wale ändern nichts, sonst wären sie verboten”


  1. 1 Charlotte 28. Juli 2010 um 23:48 Uhr

    Mal (Imperativ) mal (Postposition? Adverb? Adverb.) das Mercedes-Nachtgewand.

  2. 2 Johannes 29. Juli 2010 um 16:30 Uhr

    Das überlasse ich anderen:
    Wer mir ein schönes, selbstgemaltes Bild vom Mercedesnachtgewand schickt, bekommt einen Preis.
    zeno91@gmx.de

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