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Ein Nachgezwitscher

Eine Elster ist gestorben. Sie hatte es im Leben scheinbar nicht weit gebracht. Man hatte von ihr erwartet, dass sie die Familientradition weiterführen solle und zwar als diebische Elster. Diebstahl, das Steckenpferd fast aller Elstern. Naturgegebene Tradition. Doch unsere Heldin hatte ihre moralischen Bedenken gegen das Stehlen von fremdem Eigentum. „Lasst doch die Raben oder die Wölfe stehlen, wir müssen doch nicht jede Scheiße mitmachen!“ hatte sie immer gesagt. Petitionen hatte sie gegründet, vierzehn Vorträge hatte sie gehalten; leider blieb die Resonanz gering und ihr Kampf muss als erfolglos angesehen werden. Eine öffentliche Beerdigung wird es indes nicht geben, ihre Verwandten und Bekannten hatten sich von unserer gefiederten Freundin entfernt, nachdem sie ihre eigene Einstellung zum elster’schen Handwerk entwickelt hatte. Die Zahl ihrer Mitstreiter war gering, die Presse berichtete kaum über ihre Aktionen – größere Medienpräsenz brachte ihr nur ein Auftritt in einer Radiosendung zum Thema „Elstern in Polen – da staunt sogar der Mensch!“. Zudem starben bereits im Frühjahr zwei ihrer engsten Vertrauten einen qualvollen Hungertod. Ein dritter starb im Kampf mit einer Krähe. Trotz aller Rückschläge blieb die Elster zu Lebzeiten stets lebensfroh und optimistisch, bis dann am gestrigen Tage ein Unglück ihr junges Leben viel zu früh beendete.

Unsere Elster war fliegend auf dem Weg zum Sport, als sie hinter sich ein begrüßendes „gräh!“ vernahm und ihren Kopf nach hinten drehte, um nachzusehen, wer ihr dort einen schönen Tag wünschten wollte. Es war ihr Verehrer. Sie hatten sich auf einer Demonstration kennengelernt und anschließend unter großer Mithilfe befreundeter Brieftauben romantische Briefe getauscht. Er hatte ihm Sinn, sie zum Essen in einer Buche einzuladen, doch dazu sollte es nicht kommen. Vor flatternder Erregung und grähender Ablenkung flog unsere Außenseiterelster in ein Windrad. Dass diese Dinger aber auch so langsam beim Stromerzeugen sein müssen. Ruhe in Frieden, Elsterdame!


2 Antworten auf “Ein Nachgezwitscher”


  1. 1 anonyma 14. Juni 2010 um 21:42 Uhr

    hallo du ( bin gerade zu träge, deinen namen auszuschreiben ),

    ich finde, bukowksi-romane beeinflussen deine wortwahl. in den letzten blogs ist mir aufgefallen, dass du viele schimpfwörter benutzt. wollt ich nur mal anmerken. tschüss.

  2. 2 Johannes 14. Juni 2010 um 21:45 Uhr

    Ist mir auch aufgefallen, wird aber von meiner Seite aus toleriert.

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