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Alltag ist nur eine Metapher

Ich gieße mir unvernünftig viel Kaffee in den Hals und nehme den Weg zu meiner Linken. Gestern Museum, heute Tierpark. Auf dem Weg dorthin treffe ich zwei mir bekannte Menschen, aber da sie mich nicht grüßen, ignoriere ich sie spontan. Ich stolpere unglücklich über meinen eigenen gelben Simpsonsrucksack. Ich breche mir einen beliebigen Knochen, der zur Fortbewegung aber nicht zwangsläufig benötigt wird, zum Glück. Ein Mann mit Hut kommt mir entgegen und völlig ohne Not frage ich ihn, wo denn der Tierpark sei. Er verbessert mich, man sage hier nicht „Tierpark“, sondern „Zoo“, achso. Wo ist denn der Zoo? Dahinten. Gut, danke. Haben Sie vielleicht eine Zigarette für mich? Ja. Hier. Gut, danke. Tschüss, schönen Tag. Ebenso. Und er hatte recht, der Tierpark heißt hier Zoo. Ich kaufe eine rabattierte Eintrittskarte. Das Abenteuer beginnt. Ich knipse mit meiner Polaroidkamera den Eingangsbereich und winke dabei hastig der Eintrittskartenverkäuferin, weil sie mit ihren blonden Haaren rattenscharf aussieht. Ein Bild ist äußert gelungen, sie guckt sogar fast in meine Richtung. Geil. Das Bild rahme ich mir später ein.

Dann füttere ich die Springmäuse mit Popcorn aus dem Supermarkt, bis mich eine Zoofrau darauf aufmerksam macht, dass Springmäuse kein Popcorn vertragen und die ihr das Zeug nachher auf die Arbeitskleidung kotzen. Ich verbessere sie, man sagt nicht „kotzen“, sondern „speien“ oder „übergeben“. Sie wird sauer und sagt in meine Richtung noch bösere Sachen als „kotzen“. Was für eine blöde Kuh. Ich verschenke mein Popcorn also an die Okapis im Nebengehege. Es war eine gute Idee, noch eine Tüte Haribo als Proviant einzupacken. Die Springmäuse und ich verspeisen innerhalb von wenigen Minuten alle Goldbären; schöne Momente, wir sind nun Freunde. Ich knipse zum Abschied Erinnerungsfotos und gebe den putzigen Tieren den Tipp, der Pflegerin auf die Arbeitskleidung zu kotzen, wobei ich bewusst „kotzen“ sage, weil die Springmäuse ohnehin schon verzogen sind und jede Hoffnung für sie verloren ist. Ich lege den Mäusen ein Polaroidfoto vor die Nase, zwei kämpfen darum, wer es futtern darf, eine gewinnt (natürlich). Ein wunderschönes Naturereignis. Im Nebengehege werfen ein paar Affen mit Scheiße.

Der hiesige Zoo hat einen großen Kinderspielplatz mit Klettergerüsten und großzügigen Schaukelanlagen. Dort kann man die heutzutage seltene Spezies „Heranwachsende Menschen“ beobachten, füttern und diffamieren. Ich zeige mit dem Finger auf ein dickes Kind in einer Rutsche und weise darauf hin, dass man, wenn der Fettsack stecken bleibt, ein ziemlich großes Problem habe und ein paar Mütter lachen heimlich über meine Anmerkung, der dicke Junge weint. Er versteht wohl nichts von Selbstironie, man muss auch über sich selber lachen können, naja. Themawechsel. Seit zwei Monaten hat der Zoo zwei neue Tiger aus einem Land, in dem es Tiger gibt (ich weiß gerade nicht, welches Land das sein könnte, aber auf jeden Fall nicht Polen, da war ich schon mal und die haben keine Tiger.). Tiger sind sehr langweilige Tiere und sie reagieren auch nicht auf Zuruf. Auch die Kängurus wollen nicht auf mich hören, als ich „Langweilig, fickt mal!“ ins Gehege rufe. Ich werde wütend und zertrete mutwillig eine Ameise, die aber sowieso nicht zum Zooinventar gehörte, glaube ich. Sie war also quasi „Gastarbeiter“, haha.

Zum Abschluss meines Ausfluges kaufe ich mir noch ein Stieleis und schmeiße meinen Stiel zu den Fischen, weil ich hoffe, dass ein außergewöhnlich dummer Fisch daran erstickt. Nach fünf Minuten Warterei ist immer noch niemand tot und so stolpere ich nach zwei Stunden Zoo wieder nach Hause. Ich ziehe mein Polaroidbild von der blonden Eintrittskartenfrau hervor und hole mir genüsslich einen runter, danach stecke ich Fertiggericht in die Mikrowelle. Mein Telefon klingelt, es ist Mutter, ich hebe nicht ab. Ein wirklich anstrengender Tag, morgen guck ich lieber wieder Fernsehen.


3 Antworten auf “Alltag ist nur eine Metapher”


  1. 1 Toni 19. Mai 2010 um 23:48 Uhr

    Schreibe ein Buch und ich kaufe es … versprochen.

  2. 2 Detektei.Tand 20. Mai 2010 um 15:04 Uhr

    Ich sowieso.

  3. 3 Johannes 20. Mai 2010 um 17:02 Uhr

    Dankedanke, kommt, versprochen. Erstmal im nächsten Jahr mein Mammut-Projekt „Abitur“ abschließen und dann kommt mein erstes Buch bestimmt noch in diesem Jahrzehnt. Bleibt mir gewogen!

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