Wenn Eberhard Waechter gewusst hätte, was er nie mehr wissen wird. « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Wenn Eberhard Waechter gewusst hätte, was er nie mehr wissen wird.

Und wie sie alle applaudieren. Unterschiedliche Frequenzen, dennoch gemeinsam. Dem Mann mit Frack in der achten Reihe hat es eigentlich gar nicht so gefallen, aber er möchte seine Frau mit dieser Meinung nicht enttäuschen. Sie fand es auch nicht so toll, spielt aber die Erfreute. Die Karten beim Preisausschreiben gewonnen, die vornehme Kleidung bei Verwandten geliehen und die Meinung der Allgemeinheit angepasst. Ein Besuch der Oper ist nicht ihr Stil, lieber Popcornkino. In der Oper gibt es nicht zu essen. Vielleicht gilt das nicht für alle Opern, aber für diese. Der Frackmann schaut auf seine Uhr, aber heimlich, denn sie ist weder teuer noch chic. Ein korpulenter Kulturfreund hat es bemerkt, denkt sich aber nichts dabei. Frackmanns Frau fühlt sich gut, vor allem fühlt sie sich zugehörig. Für wenige Stunden ist sie Teil der Besseren. Der Kultivierten. Sie erkennt nicht die Banalität dieses Gedankens. Zwanzig Leute rufen „Zugabe!“; Frackmann ruft mit, weil er weiß, dass das Ensemble diesem Wunsch nicht nachgehen kann oder will. Die Darsteller suhlen sich in diesen letzten Momenten in der unechten Begeisterung der Menge, man winkt dem Publikum letztmalig zu und muss die Bühne dann räumen. In zwanzig Minuten kommen die Putzmänner. Hier putzen nur Männer, weil der Intendant es lustig findet zu sagen, er habe Putzmänner in seiner Oper. Für seinen feinen Humor wird er überregional sehr geschätzt.

Frackmann will gehen und zwar nach Hause, aber Frau will noch fein essen gehen, weil das „dazu gehört“ und den Abend „abrunden“ würde. Er hingegen würde sich lieber nach dem Ergebnis des Fußballspiels erkundigen und dann noch gemütlich einen wegstecken. Da wird er sich wohl noch gedulden müssen, Frau setzt sich durch. Beide haben eigentlich gar keinen Hunger. Ein gelungener Abend, da werden sie sich wieder einig sein.


2 Antworten auf “Wenn Eberhard Waechter gewusst hätte, was er nie mehr wissen wird.”


  1. 1 Johannes 10. April 2010 um 17:22 Uhr

    Nur ein Wort:Genial!

  2. 2 Daniel 10. April 2010 um 22:47 Uhr

    Ist gut. Genial? Nein.

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