Dieser Text handelt eigentlich nur von Busverspätungen und langweiligem Physikunterricht, aber mittendrin habe ich auch was zu Ailton geschrieben « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Dieser Text handelt eigentlich nur von Busverspätungen und langweiligem Physikunterricht, aber mittendrin habe ich auch was zu Ailton geschrieben

Sonst kam er immer pünktlich, zumindest relativ. Heute kommt der Bus Richtung Hauptbahnhof relativ unpünktlich. Ich und all die anderen Schulkinder (manche davon waren bestimmt Erstklässler, die nennt man hier gerne „I-Dötzchen“, aber ich habe diesen Ausdruck lange nicht mehr gehört, ist das noch aktuell?) wissen, dass die eigentlich vorgesehenen Anschlussbahnen und -busse für uns nicht mehr erreichbar sind. Und bis zur vorletzten Haltestelle hat man als Oberstufenschüler nie einen Sitzplatz und steht Arsch an Arsch mit irgendwelchen Siebtklässlern. Es wird keine Rücksicht genommen auf wenig Schlaf und Hausaufgaben, die man im Sitzen vielleicht noch schnell auf den Block kritzeln möchte. Meistens spielen die kleinen Kinder mit ihren Handys herum. Sie machen dann Fotos, wobei fast immer irgendeiner dabei ist, der unbedingt nicht fotografiert werden will und sich deswegen versteckt, oder sie spielen beknackte Minispiele. „Als ich so alt war wie ihr, da waren diese Teile noch so groß wie Ziegelsteine! Und auch so schwer!“ möchte ich zurufen, aber ich bin zu müde und ach, sollen sie doch. Mit meinem Handy kann ich nur Solitaire spielen. Zwei Grundschüler mit langen Haaren unterhalten sich über das gestrige Spiel des KFC Uerdingen und über den Einsatz von Stürmerstar Ailton. Sie waren nicht da, aber beim nächsten Spiel wollen sie unbedingt hin. „Ailton ist noch fetter als früher und läuft im ganzen Spiel sicher nicht mal einen Kilometer, knipsen wird der aber bestimmt noch!“ will ich als Dauerkartenbesitzer fachkundig mitteilen, aber ich bin zu müde; Kaffee wäre jetzt was Feines.

Beim Erreichen des Bahnhofs muss ich feststellen, dass bereits in fünf Minuten die Physiklehrerin meine Anwesenheit überprüfen würde; verdammte Scheiße, aber egal. Noch vier Minuten bis zur nächsten Bahn, da ist also noch ein bisschen Zeit für Lektüre und Kaffee holen drin. Habe die Bahn dann doch verpasst. Zum Glück fahren zwei Bahnen zu meiner Schule, komme dann nur mit einer Viertelstunde Verspätung zu Physik. Der Kaffee am Bahnhof schmeckt übrigens nicht so toll. „Hallo! Tschuldigung! Bus hatte Verspätung!“ und dann setze ich mich neben Félix. Félix schreibt man mit diesem Strich über dem E, da besteht er drauf. Er dachte, ich würde schwänzen. Ich? Quatsch! An der Tafel steht Irgendwas, ich schreibe es ab. Dann fällt einer in der ersten Reihe vom Stuhl. Er hat sich nicht wehgetan, also darf ich darüber lachen. Gut, dass der Bus doch noch gekommen ist. Danach weiter Physikzeug. Physik ist wie Latein. Ohne den Kaffee vom Bahnhof wäre ich längst eingeschlafen. Félix gibt mir den Tipp, früher ins Bett zu gehen. So oder so, morgen früh, 7:24 Uhr, Bushaltestelle, ich werde da sein!

Herr W. vom Geschichts-LK, falls sie hier mitlesen: es könnte sein, dass ich ein paar Minuten später zum Unterricht erscheine. Das dient dann aber nur meiner Aufmerksamkeit, weil Bahnhofskaffee. Sie wissen schon; der, der nicht so gut schmeckt.