Wer nichts über Café-Besuch und Macht wissen will, braucht nur den letzten Satz des Eintrages zu lesen. Dort empfehle ich ein Lied. « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Wer nichts über Café-Besuch und Macht wissen will, braucht nur den letzten Satz des Eintrages zu lesen. Dort empfehle ich ein Lied.

Mein neues Lieblingscafé heißt „Café“, wenn ich richtig informiert bin. Simpel, aber sympathisch. Der Kaffee ist auch nicht übel, also genehmigte ich mir dort heute mehrere. Als ich den Laden betrat, war außer mir nur eine kleine Familie anwesend; Mutter, Vater, Kind. Ich schenkte ihnen keine Beachtung, setze mich auf meinen Stammplatz und lies mir Baguette und Kaffee bringen. „Junger Mann, Ihnen ist die Jacke heruntergefallen!“ sagte eine tiefe Stimme in meinem Rücken. Ich drehte mich um, hob die Jacke auf. Normalerweise wäre die Geschichte nun beendet gewesen, mein Bukowski-Buch wartete auf mich, aber! Den Kerl kannte ich doch! Nur zwei Häuser weiter ist eine von mir als prima befundene Kneipe (weswegen mir das Café überhaupt erst aufgefallen war) und vor zwei oder drei Wochen hatte ich gegen diesen Herren im Billiard verloren. Er war besoffen, ich war besoffen und wir konnten einander nicht leiden. Einen Grund dafür kenne ich nicht, aber wer braucht schon Gründe. „Der Junge mit dem weißen T-Shirt, der gefällt mir nicht!“ hatte er damals gesagt und mich im Spiel älter aussehen lassen als ich je sein werde. Und nun dieser nette Hinweis mit der Jacke. Wollte er vor seiner Frau und seinem kleinen Baby, das ein Bärchenkostüm trug, den freundlichen Gutmenschen spielen? Oder hatte er mich und den Rest des Abends vergessen? Ich musste es herausfinden.

Sekundenlang sah ich ihm in die Augen. Er würde mich nicht ansprechen, soviel war klar, niemals würde er in Anwesenheit seiner Frau die Konfrontation suchen, selbst wenn er sich mir überlegen fühlen würde. Ich sah ihm also in die Augen. Er stoppte in seinen Bewegungen und änderte seinen Gesichtsausdruck, er hielt den Mund leicht offen und da wusste ich, dass er wusste, dass ich wusste, wer er war. Ich wendete mich wieder Lektüre und Kaffee zu, ließ ihn schockiert zurück. Irgendwann zwischen Kaffee 1 und Kaffee 2 verließen sie das Café und da starrte mich der Kerl nochmals durch die Scheibe an. Ich hatte ihm Billiard verloren, aber im Blickduell gewonnen. Es steht nun 1:1. „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ kommt es zu Runde drei, da bin ich mir sicher, ich wünschte mir an dieser Stelle das gleichnamige Nena-Lied, doch im Hintergrund dudelte eine The Police-Cover-CD. Irgendein Schwarzer, der zwar eine gute Stimme hat, aber aus Gründen blöde Songs von Sting singen muss. Trauriges Schicksal. Draußen schneite es. Wie gut ich es doch hatte, da, im Warmen, mit Kaffee.

Dann legte einer der Café-Menschen eine Tom Petty-CD ein. „Ist das Tom Petty?“ wollte ich sichergehen, der Café-Mensch sagte „Gewiss!“ und ich hatte dieses schöne Gefühl von Überlegenheit. Ob die zwei Damen dort drüben wissen, wer Tom Petty ist? Eingebildet sein ist was Feines; zumindest, wenn man es nicht übertreibt und ab und an auch mal mit Leuten zu tun hat, die sich Arroganz mindestens genauso oft leisten können wie man selbst. Ich bin kein Kerl, der sich boxt, also muss ich mich ja irgendwie über die anderen erheben. Ob zu Recht oder nicht, mir doch egal. Vielleicht macht mich das unsymphatisch, nein, es macht mich sogar ziemlich wahrscheinlich unsymphatisch, aber auch das ist mir egal. Ich will nach außen hin keine Macht haben, nur nach innen. Versteht jemand, was ich damit meine? Ich will denken können, was ich will, und auch fühlen, was ich will, auch wenn ich es für mich behalte. Diese Gedankenfreiheit, sie mag selbstverständlich sein, aber was ist heute schon selbstverständlich. Ab und an sind mir ja sogar meine eigenen Gefühle unsymphatisch, wer mich also doof findet, ist in guter Gesellschaft.

„Wissen ist Macht und nichts wissen macht nichts!“ hat mein alter Lateinlehrer gesagt, wenn irgendjemand (meint: ich) etwas nicht gewusst hat oder im Vokabeltest alle Genitivformen falsch geraten hatte. Ich weiß nicht, was ich von diesem Spruch halten soll. Dumm sein macht nichts? Ja, das finde ich auch. Aber genau das Gegenteil wollte mir der Lateinmensch klarmachen. Außerdem will ich gar keine Macht, Macht heißt, über irgendwelche Leute bestimmen zu können. Da mir diese ganzen Leute aber egal sind, will ich gar keine Macht. Ich habe ja nicht mal mich selbst unter Kontrolle. Ob die ganzen Machtmenschen schlau sind? Ist Mahmud Ahmadinedschad schlauer als Günther Jauch, weil er so viel Macht besitzt? Macht kommt doch vom Wissen, lieber Lateinlehrer. Das wird mir alles zu wirr, ich wollte eigentlich nur von meinem gemütlichen Nachmittag im Café erzählen. Bevor ich noch mehr Kopfschmerzen bekomme, verzichte ich lieber auch noch darauf, diesen Eitrag (wie üblich) nochmal zu überfliegen. Und beende ihn mit einem Liedtipp: „Roxanne“ von The Police.


1 Antwort auf “Wer nichts über Café-Besuch und Macht wissen will, braucht nur den letzten Satz des Eintrages zu lesen. Dort empfehle ich ein Lied.”


  1. 1 Piccobello 14. Februar 2010 um 21:32 Uhr

    The police coversongz hört sich aufjeden schrecklich an. (Wobei, Nena die dis covert könnt ich mir auch durchaus schrecklich vorstellen.Da reicht ein Blick.)

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