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Und sowas war mal BRAVO!

Früher, also vor rund sieben Jahren, gehörte ich einer extrem kleinen Randgruppe, ich möchte sogar sagen einer vernachlässigbaren Minderheit an. Denn: ich habe mir damals die BRAVO gekauft, weil ich mich mit diesem Heftchen über die Musikwelt informiert habe.

Das ist die Stelle, an der der Leser laut über mich lachen darf.

Denn es stimmt. Ich war einer von schätzungsweise sieben Menschen, die das Jugendmagazin nicht wegen den Dr. Sommer-Seiten gekauft hat. Die habe ich immer übersprungen, ich weiß gar nicht mehr so genau wieso, es war wohl eine Mischung aus Desinteresse und Scham, aber damals waren ja sogar die jüngsten Fragesteller an Dr. Sommer noch ein oder zwei Jahre älter als ich, ich war sozusagen noch nicht Zielgruppe. Dafür wusste zu dieser Zeit alles über Jeanette Biedermann, Bink 182 und Konsorten, ha. Habe auch die „Bravo Hits“-CDs oft gekauft Und weil ich Charts so toll fand, habe ich mir immer meine eigenen Listen mit aktuellen Favoriten erstellt; das war die Zeit, in der ich sogar haufenweise Singles gekauft habe, was ich heute gar nicht mehr nachvollziehen kann, ich war wahrscheinlich reich und wusste es nicht.

Wieso erzähle ich euch das? Gestern musste ich aus Gründen ein bisschen Zeit in der Innenstadt verschwenden und da fiel mir ein, dass ich mal in den Second-Hand-Buchladen gehen wollte. Habe dort dann eine alte Kiste Bravo-Heftchen gesehen, und weil diese nach Jahrgängen sortiert waren, ahnte ich schon, dass ich wohl sogar noch mehr dafür zahlen musste als damals am Kiosk. Die 2001er-Kiste war ja schon recht spaßig, weil wie ein Ausflug in die noch gar nicht so ferne Kinderheit, aber dann lachte mich dort in einer hinteren Ecke eine andere Kiste mit noch fernerer (und sogar nicht mal selbst erlebter) Kindheit an! 1978! Geil! Ein äußert guter Jahrgang. Fand auch der Verkäufer, er wollte drei Euro pro Ausgabe. Meine Güte! Wucher.

Konnte ihn dann mit Charme und aufgesetzter Freundlichkeit dazu bringen, mit mir zwei Bravo plus zwei Bukowski-Bücher (für Interessiert: „Die Ochsentour“, „Hollywood“) gegen einen Zehneuroschein zu tauschen. Die Bücher habe ich aus Zeitgründen noch nicht mal durchgeblättert, aber für die tolle BRAVO vom 1. Juni 1978 hatte ich natürlich noch ein bisschen Zeit. Auf dem Cover (das man hier sehen kann. Aus Schiss vor Copyright und dem ganzen Kram verlinke ich vorsichtshalber nur.) ist ein springender Gitarrenkerl in Unterhose und weißen Schuhen und Socken. Er ist „der tollste Typ von Status Quo“ und heißt Rick Parfitt, nie gehört. Kenne aber auch die anderen Gestalten von Status Quo nicht. Ihr wollt sicher gerne wissen, was es im Heft so alles zu entdecken gibt? Whatever you want! Hier mal ein paar Leckerbissen. Plus Doktor Sommer.

Seite 10, „BRAVO-Blitzumfrage: Was macht ihr Samstagnacht?“
Roland W. (München), 14 Jahre: „Samstag ist bei uns immer großer Spieleabend. Mit meinen Eltern spiele ich dann Monopoly, Schach und manchmal sogar Skat.“

Seite 15, „Gag-Show – BRAVO-Leser machen Witze“
„Ein Mann mit einer Kojak-Glatze kommt in einen Friseursalon. – „Was wünschen der Herr?“ „Einmal abstauben!“ Gaby L., Rödelmaier

Seite 18, „BRAVO-Preisrätsel“
Der Vorbesitzer des Heftes löst fast das komplette Rätsel, errät sogar die Dichtkunst („Poesie“) und das Lösungswort („Udo Lindenberg“), weiß aber nicht, wie die fünfbuchstabige, heilige Schrift des Islam heißt. Haha. Für rätselfreudige Leser ein kleiner Tipp: Bibel passt zwar auch, stimmt aber nicht!

Seite 22, „BRAVO-treffpunkt“
„17jährige dufte Biene sucht ab sofort dufte Jungs zum Briefkontakt. Ich habe ein großes Hobby: Lustigsein.“ Mal gucken, ob ich demnächst, wenn mir langweilig ist, teste, ob die Adresse von Rosi S. aus Basel noch stimmt.

Seite 24, Interview mit Udo Lindenberg
„Das Schlimme ist auch, dass die Mädchen immer jünger werden!“

Seite 29, Sprechstunde mit Dr. Jochen Sommer
„Junge, 16, aus Hamburg“ hat auf einer Party seine Freundin betrogen und möchte nicht, dass sie es erfährt. Dr. Sommer rät, die Finger von Alkohol zu lassen – und ich hoffe für „Junge“, dass er sich daran nicht gehalten hat. Was für ein doofer Tipp! Prost.

Seite 32, „Wie sag‘ ich’s meinen Eltern, z.B. daß ich onaniere?
Es geht um Jürgen, der seine Einsamkeit mit den Trieben nicht mehr aushält. „Und dann auch noch immer diese Flecken im Bett…“. Zum Glück gibt ein Arzt auf zwei Seiten weiter Entwarnung und sagt, man könne von Onanie weder homosexuell noch krank werden. Puh!

Seite 38, „Alles über den ‚Jungen des Jahres‘ – Hansi K.
Ein Kerl mit langen Haaren, der sein Zimmer mit Smokie-Zeug dekoriert hat und dazu auch noch „Hansi“ heißt. Puh. „Am liebsten würde Hansi Popstar“, doch ich habe seinen Namen gegooglet und das ist er nicht geworden. Aber er hat bei xing.de ein Profil und er ist jetzt „Dipl. Betriebswirt“. Glückwunsch!

Seite 42, „Einer spielte bei der Teen-Wahl falsch
Felix R. aus Hamburg wurde bei eben dieser tollen „Junge des Jahres“-Wahl ausgepfiffen, weil er die Wahl auf der Bühne als reinen Fleischbeschau bezeichnet, bei der es nicht auf das ankomme, was man im Kopf hat. Habe auch seinen Namen in eine Suchmaschine eingegeben, Felix ist heute Grafikdesigner.

Seite 60, Werbung von „stop ‚n grow“
„Nach 9 Jahren habe ich mit Nägelkauen aufgehört. In 3 Tagen. Jetzt habe ich Fingernägel, von denen ich früher nur träumen konnte!“ sagt Petra T. aus Mönchengladbach. Wieso gibt es solche Produkte heute nicht mehr?

Seite 64, Teil 13, 14 und 15 vom Leif-Garrett-Starschnitt
Wenn ich davon ausgehe, dass es pro Ausgabe drei Teile von Mister Garrett gab, müsste ich nur noch weitere zwölf Euro für einen Leif Garrett in Lebensgröße ausgeben. Werde darüber nachdenken.

Seite 78, „Song der Woche“
„Follow me“ von Amanda Lear. Sagt mir nix. Aber im Songtext enthält ein Zitat von Goethes Faust. Hui. Habe aber leider keine peinlichen Übersetzungsfehler in der deutschen Übersetzung des Liedes gefunden, schade, aber ist auch einfachstes Schulenglisch. Follow me, follow me, i‘ll give you anything you want!

Seite 82, „Hits der Woche“
Interessant: damals gab es zwei Charts, einmal die „20 Renner in deutscher Sprache“ und dann auch noch die „20 internationalen Renner“. Platz 1 in Deutschland ist Frank Zander, international sind es Boney M. Ansonsten alles dabei, von Jürgen Drews bis Bernd Clüver. Dufte Renner hatten die damals!

Ja und damit schließe ich jetzt auch mal ab. Ich hoffe auf der einen Seite, dass das für euch wenigstens ansatzweise so unterhaltsam war wie für mich und auf der anderen Seite hoffe ich, dass das rechtlich überhaupt ok ist, hier den ganzen Inhalt wiederzugeben und teilweise sogar wortwörtlich zu zitieren. Denk aber mal schon. Habe auch die Nachnamen abgekürzt. Aber als Schlusssatz noch ein Tipp für alle, die auf der sicheren Seite sein wollen: auch mal eine alte Bravo kaufen, so viele lustige Worte („dufte“, „Renner“, „Smokie“) findet man sonst seltenst und jede zweite Anzeige hat was mit Pille, Pickeln oder Jeans zu tun.


2 Antworten auf “Und sowas war mal BRAVO!”


  1. 1 Salomea 09. Dezember 2009 um 19:55 Uhr

    Ich lache nicht über dich :) Ich hab zu meiner Zeit – Mitte der 90er – über diejenigen gelacht, die sich dieses Heft wegen Take That, Caught In The Act und wie das ganze Boyband-Pack – das ich alle nicht abkonnte – alle hieß gekauft haben. Das war dann nämlich in weiblich so: Man sah sie „Ahhhh! Robbieeeee!!!“ kreischend über die Straße rennen. In männlich (die paar die sich als Bravo-Leser bekannt haben): „Arrrrggghhh! Robbie!“ den selben Weg. Und das fand ich einfach nur zum Schießen dämlich. Noch dämlicher war die von dir angesprochene Nur-wegen-Dr.-Sommer-kaufen-Fraktion, über die hab ich nicht mal nachgedacht. Sind heute wahrscheinlich größtenteils Diekmann-Leser….

  1. 1 Die schwarze Vergangenheit der Kreuzworträtsel « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog. Pingback am 09. Dezember 2010 um 19:58 Uhr
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