Kai Diekmann, Karl Marx und ich « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Kai Diekmann, Karl Marx und ich

Quelle: pixelio.deIrgendwann muss doch mal jemand merken, wie cool ich bin. Ich sitze mit einer aufgefalteten Ausgabe der coolen, weil links-alternativen „taz“ – es ist die vom gestrigen Tage, doch das weiß außer mir niemand – auf der Parkbank und tue so, als würde ich die interessanten Texte über soziale Ungerechtigkeit, SPD1 und Kai Diekmanns Penis2 wirklich ernsthaft lesen. Aber in Wirklichkeit bin ich auf der Suche. Auf der Suche nach interessanten Menschen, die sehen, dass ich die links-alternative, weil coole „taz“ lese und deswegen denken, sie müssten mit mir ein Gespräch über Mindestlöhne und Karl Marx beginnen. Der gute alte Trick eben. Rumsitzen, cool sein, von coolen Leuten angesprochen werden.

So die Theorie. Bringt natürlich viele Gefahren mit sich; zum Beispiel die, dass Rechte oder BILD-Leser zu mir kommen. Oder die allergrößte Gefahr, dass einfach niemand kommt, weder die coolen, noch die uncoolen Menschen und dann bleibe ich alleine. Seit rund vierzig Minuten sitze ich hier nun schon, keiner beißt an. Selbst auf die Leute zugehen fällt natürlich flach, weil viel zu kompliziert und nachher wissen die Angesprochenen nicht mal, wer Kai Diekmann ist. Solche Gespräche wären selbstredend Zeitverschwendung, ich will ja nur interessante Menschen kennen lernen. Das Geschlecht spielt dabei nur eine sekundäre Rolle, dennoch gehe ich bei potentiell coolen Männlein und Weiblein unterschiedlich vor. Wenn Männer an mir vorbeilaufen, schlage ich die Sportseite auf und mache ein Bundestrainer-Gesicht. Wenn Frauen an mir vorbeilaufen, schlage ich die Armut in Uganda-Seite3 auf und gucke traurig.

Beides hat bisher noch keine Erfolge feiern können, doch ich gehe fest davon aus, dass das irgendwann zum Ziel führen wird. Dabei lasse ich mich nicht von der andauernden Erfolgslosigkeit beeinflussen: seit zwei Jahren mach ich den Quatsch jetzt schon4 und mein größter Triumph war eine gar nicht so ungelungene Realschülerin, die mich nach der Uhrzeit gefragt hat! Der Nächste fragt sicher nach meiner Telefonnummer. Dahinten kommt schon jemand! Eine Frau! Schnell, Seite fünf, Uganda.

  1. taz vom 17.11.09, Seite 2
  2. taz vom 17.11.09, Seite 14 (oder hier)
  3. taz vom 17.11.09, Seite 5
  4. Selbstredend erfunden. Wie die ganze Geschichte. Nur damit niemand austickt, sich wundert oder so.

3 Antworten auf “Kai Diekmann, Karl Marx und ich”


  1. 1 Jan 18. November 2009 um 19:48 Uhr

    Toller Text, mir fehlt allerdings das politische Element (und das Wörtchen links-alternativ sagt nichts aus, wie wäre es mit einer Haltung dazu?).

  2. 2 vsan 20. November 2009 um 21:24 Uhr

    vllt andersrum? Bei Frauen Sportteil und bei Männern die Uganda-Seiten… in deiner Verzweiflung solltest du alles mal probieren…

  1. 1 Restebloggen zum Wochenende (17) « überschaubare Relevanz Pingback am 21. November 2009 um 22:30 Uhr
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