Sonneborn schlägt Schlämmer

13. August des Jahres 1961. Der erste Tag der Berliner Mauer. Ein historisches Ereignis der deutschen Geschichte. 13. August des Jahres 2009. Der Propaganda-Film der PARTEI kommt in die Kinos. Ein weiteres großes historisches Faktum. An besagtem Tage sitzen nun viele viele PARTEI-Freunde in einem kleinen Düsseldorfer Lichtspielhaus und bejubeln das Machwerk mit stehenden Ovationen, einem tosenden Applaus und glücklichen Gesichtern. Was war geschehen? Eine kleine Filmkritik.

Die PARTEIWeil das eben so ist mussten die tapferen Kinogänger zunächst ein bisschen Werbung für qualitativ schwächere Filmchen ertragen. Der vorletzte Spot zeigt einen Herren, der sich Horst Schlämmer nennt. Seine Witze zünden nicht, das Publikum wartet auf richtige Politiker. Dann beginnt der Hauptfilm. Martin Sonneborn, Bundesvorsitzender der PARTEI, ist zu sehen und philosophiert. Die Menge tobt und lacht. Sonneborn 1, Schlämmer 0. Wir befinden uns nun zu Filmbeginn aber im Jahre 2013 und Sonneborn ist mit der PARTEI an die Macht gekommen – ein schönes, aber ja leider unrealistisches Szenario. Egal, im Film geht alles. Erst recht im eigenen Film, der aufgebaut ist wie eine „richtige“ Dokumentation (beispielsweise von Guido Knopp). Fast alle Aktionen der PARTEI seit der Gründung (2004) wurden mit der Kamera begleitet: die PARTEI-Tage, der außenpolitische Besuch in Georgien, der (heimlich und aus Versehen gefilmte) Besuch beim Wahlleiter (aber 2005, nicht 2009), das Kanzlerkandidatin-Casting, das Sat1-Frühstücksfernsehen und und und. Allerdings nicht chronologisch, sondern völlig durcheinander, aber das ist ok so.

Achso, ja, auch „meine“ Stadt Krefeld ist dabei. Und vielleicht erinnern sich die älteren Leser daran, dass ich hier davon erzählt habe, wie das Film-Team bei uns herumgelaufen ist und Szenen für den Film gedreht hat. Und: oh mein Gott, ich bin im Film! Wenn ihr euch den Streifen also anseht, achtet mal auf den erschreckend gut aussehenden jungen Herren in Krefeld, der erst ein Sonneborn-Poster (das nun in meinem Zimmer hängt) irgendwo platziert, dann ab und zu durchs Bild läuft und letztlich sogar äußert telegen Suppe löffelt. Ganz großes Kino! Der eigentliche „Star“ des Films ist aber natürlich Herr Sonneborn und das ist ein kleines Problem. Denn manchmal hatte ich das Gefühl, dass der Film eine kleine Sonneborn-Show ist, so oft ist er im Bild und hat was zu sagen. Nur eine einzige Szene (Wahlkampf in Hamburg) kommt ohne ihn aus. Sicher, er ist sehr wichtig und gut, aber nun ja. Aufgefallen sind mir auch ein paar Längen zum Ende des Films mit Überflüssigem (PARTEI-Rap, bisschen doof) und längst Bekanntem, was man aber dem Film eher weniger vorwerfen kann, denn er soll ja auch neue PARTEI-Freunde anlocken und das wird er sicher schaffen.

Um zu einem Fazit zu kommen: der PARTEI-Film ist ziemlich (aber nicht sehr) gut. Einer der komischsten mir bekannten deutschen Filme und Satire auf hohem Niveau. Wenn Sonneborn auf echte Bundestagsabgeordnete trifft, diese interviewt und sich von ihnen ihre (also seine baldigen) Arbeitsräume zeigen lässt, dann ist das sehr lustig. Übrigens, Gott Helge Schneider kommt auch als zufällig getroffener C&A-Kunde vor. Und was kann man schon gegen einen Film sagen, in dem Helge UND ich zu sehen sind? Eben. Nichts. Toller Film. Ihr müsst ihn euch alle ansehen. Fick dich, Horst Schlämmer! Gruß, euer PARTEI-Mitglied Nummer 6269.

(mehr Informationen zum PARTEI-Film gibt es hier.)


3 Antworten auf “Sonneborn schlägt Schlämmer”


  1. 1 Moritz 15. August 2009 um 0:08 Uhr

    Das klingt doch schon einmal ganz gut. Ich werde ihn mir ansehen, falls ich im September nach Berlin komme.

    Btw: Wo wir schon bei lustigen deutschsprachigen Filmen sind. Kennst du „Der Knochenmann“? Ist ein Film mit Josef Hader, der jetzt bald auf DVD erscheint. Hab ihn im Kino gesehen und er ist einfach nur genial :-D

    Hader:
    http://www.youtube.com/watch?v=iNYvhuZZ-nA

    Knochenmann Trailer:
    http://www.youtube.com/watch?v=Mw9AVdfY8O8

  2. 2 Anonymous 30. August 2009 um 19:00 Uhr

    les dir mal die rezension im tip magazin durch
    überschrift: schlimmer als schlämmer
    vielleicht wegen deinem gastauftritt

  1. 1 KAUFEN!!!!!!!!!!! « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog. Pingback am 25. Januar 2010 um 16:28 Uhr

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