Warurm die Pietät manchmal gepflegt die Fresse halten soll « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

Warurm die Pietät manchmal gepflegt die Fresse halten soll

Aufregen über jeden inkorrekten Pups? Worüber darf man sich lustig machen? Wo ist die Grenze? Gibt es überhaupt eine? Wohin führt bedingungslose politische Korrektheit? Was sagt es über uns als Menschen aus, wenn wir über den frauenfeindlichen Mario Barth lachen, aber gleichzeitig die Nase rümpfen, wenn Jürgen Klinsmann von der „taz“ verballhornt wird? Hatte Mohammed Ahnung von Fußball? Ein kleiner Versuch, Antworten zu finden.

Kurt Tucholsky hat einmal gesagt, dass Satire alles dürfe. Menschen, die sich auch nur ansatzweise mit diesem Thema beschäftigen, werden sehr oft auf dieses Zitat gestoßen sein und auch weil es hier einen sehr sehr guten Text zu diesem Thema gibt, möchte ich bis auf eine kurze Zustimmung gar nicht weiter auf das Oberthema Satire eingehen. Viel mehr fällt es mir derzeit zum wiederholten Male auf, dass vielerorts Menschen (künstliche?) Aufregung an den Tag legen. Was gegen den Strich geht, sorgt dafür, dass sich mindestens ein Kleingeist dazu aufrappelt, den Zeigefinger zu heben und böse Beschwerden durch die Straßen zu jagen. Aktuelles und passendes Beispiel sicher die Diskussion um das Schalker Vereinslied „Blau und Weiss“ und die Textzeile, die davon handelt, dass Prophet Mohammed von Fußball spielen zwar nichts verstehe, aber sich aus all der Farbenpracht das Blau und Weisse ausgedacht hätte (Text hier).

Unsicher, von wann der Text des Liedes stammt. Das „100 Jahre Schalke 04″-Buch erzählt, der Ursprungs-Text wäre „in der kölschen Kneipe“ im Jahre 1924 geschrieben, aber im Jahr 1963 leicht verändert worden. Sicher ist also, dass der Protest einiger (weniger) Muslime im Jahre 2009 reichlich spät kommt. Wieso kommt er denn überhaupt? „Ist die Schalker Hymne islamfeindlich?“ fragt das Fußballkultur-Magazin „11Freunde“ zum Beispiel heute. Als Mensch mit gesundem Menschenverstand kann man darüber eigentlich nur schmunzelnd den Kopf schütteln, doch die Ernsthaftigkeit, mit der über dieses Sommerloch-Thema angegangen wird, zeigt, in was für einer komischen Gesellschaft wir so leben. Überall vermutet man das Böse und sei es nur in einem 46 Jahre altem Fußballlied. Auch die ganzen gängigen Klischees sorgen dafür, dass Glatzköpfe (rechts), Jugendliche (asoziale Dauersäufer) und Fußballfans (rechte, asoziale und grölende Dauersäufer) sich ständig rechtfertigen müssen.

Auf der einen Seite also diejenigen, die Menschen grundsätzlich mit negativen Vorurteilen begegnen und auf der anderen Seite die „Gutmenschen“, die grundsätzlich alles und jeden tolerieren, aber auf gar keine Fälle die unsichtbare Grenze des guten Geschmacks übertreten wollen? Diese politische Korrektheit ist ein starkes Argument, man will ja niemandem was Böses und so, ganz egal, ob es um Religion, Politik oder sonst was geht. Der Respekt und die Menschenwürde des Einzelnen in allen Ehren, aber wenn es jedes Mal eine öffentliche Diskussion gibt, wenn Satire oder politische Inkorrektheit auf eine breite Masse treffen, dann verlernt der Mensch eine seiner wichtigsten Eigenschaften: über sich selbst lachen zu können. Und dann werden wir uns irgendwann alle hassen, die Köpfe einschlagen und das alles nur, weil Weltbild und Selbstverständnis nicht zusammenpassen. Prost Mahlzeit.


4 Antworten auf “Warurm die Pietät manchmal gepflegt die Fresse halten soll”


  1. 1 Teufel 05. August 2009 um 2:44 Uhr

    Das gerade du dich über Schubladendenken auslässt, ist mindestens einen großen Schmunzler wert, Johannes.

  2. 2 Johannes 05. August 2009 um 11:21 Uhr

    Vielen Dank für diesen anonymen Kommentar, ich entscheide dann später, in welche Schublade ich ihn einordnen werde. ;)

  3. 3 Der Wi***er 05. August 2009 um 21:30 Uhr

    Anonym? Natürlich.

  1. 1 Blogroll « überschaubare Relevanz Pingback am 10. September 2009 um 13:31 Uhr
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