What’s the Story, Philipshalle? « HerrSalami.de – Johannes‘ Blog.

What’s the Story, Philipshalle?

LiamHat es doch noch geklappt. Nachdem das Konzert von OASIS vor gut zwei Wochen noch wegen eines Ödems in Liam Gallaghers Lunge kurzfristig ausgefallen war, konnten die Briten nun endlich ihren Auftritt in der Düsseldorfer Philipshalle nachholen. Und die Herrn Gallagher hatten überraschend gute Laune: ich habe sie einmal sogar lachen gesehen! Ohne Scheiß! Ob sie wenigstens getrunken, geprügelt oder gepöbelt haben, hier nun in meinem ausführlichen, bebilderten Konzertbericht.

Schon früh am Nachmittag machten sich Daniel und ich auf, um die nach eigenen Angaben „größte Rockband seit den Beatles“ live zu erleben. So standen wir gut drei Stunden vor Einlass (und knapp fünfeinhalb Stunden vor dem Auftritt) vor der Philipshalle und erhielten irgendwann dann auch (als etwa zwanzigste in der Warteschlange) unsere gelben „erste Welle“-Bändchen. Damit waren die guten Plätze schon einmal gesichert, sehr gut. Für gute Stimmung sorgten ein paar Studenten, denen wir uns angeschlossen hatten. Lustige Anekdoten1 ihrerseits von vorherigen Oasis-Konzerten (und viel, viel Alkohol für einen Mittwoch-Nachmittag) überbrückten die Wartezeit. Übrigens: es gibt nichts Schlimmeres, als weit vorne in der Warteschlange zu stehen und auf Toilette zu müssen. Man kann nicht eben in die Büsche laufen, weil man dann seinen Platz verliert.

NoelUnsere Blasen sind glücklicherweise nicht geplatzt und konnten kurz nach dem Einlass entleert werden. Ein wunderbares Gefühl. Aber genug Fäkalien: gleich nach unserem Toilettenbesuch stürmten wir in den vorderen Bereich und sicherten uns Plätze in der zweiten Reihe, direkt vor dem Mikrofon, hinter welchem Liam Gallagher zweieinhalb Stunden später mit „Rock & Roll Star“ das Konzert der Britpopper eröffnen sollte. Bevor es aber soweit war, mussten noch die Jungs von „Everlaunch“ als Vorband auf die Bühne. Sie hatten einen schweren Stand im Publikum, spielten aber relativ souverän ihren anstrengenden Alternativ-Rock herunter. Mir persönlich gefielen sie nicht so sehr, aber Daniel fand sie schlimmer als ich („Die sind ja schlimmer als in der Warteschlange pinkeln müssen!“). Besonders peinlich war nur eine kleine Publikumsansprache vom Sänger: „Ich hoffe, ihr nehmt uns nicht übel, dass wir keine Engländer sind.“. Nein, tun wir nicht. Aber solche bescheuerten Aussagen führen nur dazu, dass die Leute weiterhin irrtümlich glauben, aus Deutschland komme keine gute Musik. Tstststs2.

Um uns herum in „vorderster Front“ standen viele Leute, die aussahen wie Briten. Überall Frisuren, die man sehr selten auf offener Straße sieht und sowas. Manchmal hatte man sogar das Glück, einen echten Briten zu treffen. Und wir hatten gleich doppelt Glück: Wir trafen zwei (!) echte (!!) Briten, die uns in einem wunderschönen, schnell gesprochenen „British English“ erzählten, sie kämen aus der Nähe von Manchester und würden Oasis um die ganze Welt herum begleiten. Sie haben auch noch viel mehr erzählt, aber ich konnte ihnen nicht immer ganz folgen. Aber, sie versprachen uns: „You will love ‚em live!“. Na dann! Und dann war es endlich soweit, die Herren um die Brüder Gallagher betraten die Bühne und die Menge rastete aus. Während „Rock & Roll Star“ und „Lyla“ war das Ausgeraste besonders extrem und ich versuchte verzweifelt, meine Jacke (Garderobe ist teuer und Schwachfug!) irgendwie um mich zu hängen, ohne dass sie herunterfallen oder nerven könnte. Hat einigermaßen geklappt: sie hat irgendwann nur noch genervt.
Liam
Im Gegensatz zu mir kannte im näheren Umfeld fast jeder sämtliche Texte und sang diese dann auch inbrünstig mit, so dass man den Gesang von Liam (und sporadisch den von Noel) kaum richtig verstehen konnte. Ich kann also noch nicht mal genau sagen, ob Liam sich von seinem Lungen-Ödems-Zeugs erholt hat. Auffällig: beim Superkracher-Balladen-Höhepunkts-Hurra „Wonderwall“ zog er kein einziges Mal die Worte im Refrain (Und jetzt alle: „Caaaaauuuuseee maaaaaybeeeee…!“) lang, die faule Sau. Übermäßig engagiert war er ohnehin nicht3, er war erwartet lässig-arrogant und machte neben dem Singen das, was er am besten kann: Cool sein. Er posierte mehrere Male regungslos vorm Publikum und ließ sich feiern. Cool! Ansprachen haben er und Noel auch ab und zu gehalten, aber immer nur kurz und für mich dort vorne unverständlich. Wahrscheinlich kam oft das böse Wort „fuck“ vor, kann ich aber leider nichts mehr zu sagen. Noel schien übrigens mindestens angetrunken zu sein, ich hoffe jedenfalls, dass er sich nüchtern nicht so oft verspielt wie gestern.

Sagen kann ich nur noch, dass die Setlist ziemlich prima war (sich aber in den letzten Jahren wohl kaum verändert hat, habe ich mir sagen lassen). Von fast allen Alben war etwas dabei und nur wenige Songs wurden vermisst („Little by Little“, „(Get Off Your) High Horse Lady“). Vor allem meine Lieblingssongs von Oasis („The Masterplan“, „Champagne Supernova“) machen live sehr sehr sehr […] sehr viel Spaß. So wurden wir gute 90 Minuten lang gedrückt, geschubst, zerdrückt und soviel geschwitzt wie gestern habe ich das letzte Mal in der Sauna. Abgeschlossen wurde das Konzert traditionell übrigens mit einem, klar, Beatles-Cover von „I Am the Walrus“. Oasis live kann ich also jedem nur empfehlen. Völlig erschöpft machten wir uns anschließend auf den Heimweg nach Krefeld, trafen vor der U-Bahn aber noch die zwei Briten. „How fantastic was that?!“ fragte einer der beiden, während der andere stolz sein gefangenes Plektrum präsentierte: „It took 13 years to get it!“. Mal sehen, ob ich noch vor 2022 ein Plektrum von Oasis ergattern kann. Denn das war sicher nicht mein letzter Konzertbesuch von Oasis.

  1. Sie erzählten, wie sie kürzlich gefragt worden sind, ob „Lemon Tree“ (Fool’s Garden) von Oasis sei. Ich amüsierte mich darüber und musste feststellen, dass ich die komplette erste Strophe vorsingen konnte.
  2. Tomte, Gisbert zu Knyphausen, PeterLicht, Jansen, Kilians, ClickClickDecker, Wir sind Helden und so weiter. Ende der Diskussion.
  3. Mein persönlicher Höhepunkt: üblicherweise erscheint bei der aktuellen Single „I‘m Outta Time“ am Ende ein John Lennon-Sample, auf das Liam auch per Fingerzeig hinweisen wollte. Es kam aber nicht. Und Herr Gallagher trabte sichtlich genervt herum und ich hatte gehofft, er würde nun pöbeln. Tat er aber leider nicht.
    (Nachtrag/Anmerkung: Bitte dazu noch den ersten Kommentar lesen.)
    (Nachtrag²: Hier ab 3:40 zu sehen.

18 Antworten auf “What’s the Story, Philipshalle?”


  1. 1 I put myself in the hands of a Rock and Roll Band 05. Februar 2009 um 16:09 Uhr

    „Mein persönlicher Höhepunkt: üblicherweise erscheint bei der aktuellen Single “I’m Outta Time” am Ende ein John Lennon-Sample, auf das Liam auch per Fingerzeig hinweisen wollte. Es kam aber nicht. Und Herr Gallagher trabte sichtlich genervt herum und ich hatte gehofft, er würde nun pöbeln. Tat er aber leider nicht.“
    ---

    Das Sample kommt live nie.
    Viel mehr zeigte er wohl nach oben zu John Lennon in den Himmel.
    Als Hommage.

    Außerdem heißt eines deiner Favorites Champagne Supernova und nicht so wie du es geschrieben hast :P

    Wenn du schon Tomte erwähnst… Thees war übrigens auch vor Ort :)

  2. 2 Johannes 05. Februar 2009 um 16:13 Uhr

    Achso, danke für die Aufklärung.

    Buchstabendreher, kommt vro. ;D
    Ist korrigiert.

    Echt? Dann hätte er gefälligst mit seinen Jungs auf die Bühne stolzieren können, anstelle von Everlaunch. Na ja, man kann nicht alles haben.

  3. 3 juliaL49 06. Februar 2009 um 9:51 Uhr

    Hola, zweite Reihe! Und für nächstes Mal übst du die Texte – du weißt ja welche Songs gespielt werden :-)

  4. 4 Julia 07. Februar 2009 um 9:37 Uhr

    Also ich hatte einen Sitzplatz ganz hinten, und von dort konnte man gut hören, dass der Herr Gallagher noch ein paar Stimmproblemchen hatte – seine Stimme hat teilweise sehr gewackelt, weshalb langgezogene Refrains wohl einfach nicht drin waren… Er hat auch ein paarmal „fucking hell“ ins Mikro genuschelt, aber dass kann ja keinen mehr schockieren.
    Ein bisschen mehr Pöbelei und so hätte ich mir schon gewünscht… ;)

    Aber gut war es trotzdem!

  5. 5 Heiko 07. Februar 2009 um 11:00 Uhr

    Jungs, wer die Ironie hinter dem Satz des EVERLAUNCH Sängers einfach nicht schnallt, dem sollte man sie auch nicht erklären. Da bei Euch Nasen da offenbar viel Nachholbedarf besteht, mache ich eine Ausnahme ;)

    EVERLAUNCH waren sicher frischer und „echter“ als der pseudo-coole, abgehangene Alt-Herren-Rock der Gebrüder Gallagher… auch wenn sie Briten nicht so schlimm sind, wie ihr von der Marketingabteilung transportierter Ruf…

  6. 6 Heiko 07. Februar 2009 um 11:06 Uhr

    Ups, ich sehe gerade auf Deinem LastFM Profil, dass Du erst 17 bist… Das erklärt natürlich die unreife, blinde Verehrung von Stadionrock-Bands und unqualifizierte Beurteilung der Vorband ;) Es sei Dir verziehen… haha…

  7. 7 Johannes 07. Februar 2009 um 11:15 Uhr

    Ich habe mal gehört, dass Geschmäcker verschieden sind. Und ich bin bestimmt niemand, der blind irgendwelche Stadionrock-Bands verehrt, aber das wissen die Leute, die das wissen sollen. :-)

    Nie im Leben war das Ironie. Und selbst wenn, dann war es trotzdem unlustig und scheiße.

  8. 8 Eileen 07. Februar 2009 um 18:30 Uhr

    2. Reihe direkt vor Liam? Kann doch garnicht sein, da stand ich doch :D oder warst du der neben mir der schon angefangen hat zu drängeln bevor das konzert überhaupt losging und mir dann immer wieder seinen ellnbogen ins gesicht gehauen hat? :D

    guter bericht auf jeden fall. und lass dich nicht beunruhigen. ich fand everlaunch auch lahm!

  9. 9 Johannes 07. Februar 2009 um 18:42 Uhr

    Öhm, nein, der war ich natürlich nicht. Der daneben! ;D
    Ich habe dem einen der zwei Briten die ganze Zeit meinen Ellebogen in den Rücken gehauen, weil ich mich irgendwie von dem Gedränge hinter mit abstützen musste. Hoffentlich liest der nicht auch hier und beschwert sich. :D

  10. 10 Peter 07. Februar 2009 um 19:16 Uhr

    Oasis ist lahm test

  11. 11 Peter 07. Februar 2009 um 19:21 Uhr

    Achso, fünf Stunden vor Konzertbeginn auf Einlass zu warten ist richtig lahm. Die ZWEI ECHTEN BRITEN sind natürlich WOW. Welche ein Highlight. Aber Oasis hat halt nicht viel zu bieten.

  12. 12 MargiMcFly 09. Februar 2009 um 0:51 Uhr

    Little By Little und Get Off Your High Horse vermisst?
    Ach du Scheiße, also so derart keine Ahnung von Oasis zu haben ist ja schon fast ne Frechheit…
    Naja und traditionell mit nem Beatles-Cover zu schließen stimmt ja so auch nicht. Oder war My Generation möglicherweise doch von den Fab Four…???

  13. 13 Johannes 09. Februar 2009 um 7:41 Uhr

    Tut mir wirklich leid, dass ich einen anderen Geschmack habe. Werde meinen Geschmack dann demnächst der Allgemeinheit anpassen, okay?

  14. 14 Jan 10. Februar 2009 um 19:27 Uhr

    Leute,
    da gibt sich einer Mühe und schreibt nen Review zu dem Konzert ( Und zwar nich einfach so dahingerotzt) und alles was ihr macht is ihn anmachen, weil er kein Oasis-Fan der ersten Stunde ist?
    Ihm gefallen nun mal die Lieder „Little by Little“ und „Gett off…“ und ihr macht ihn deswegen dumm an?
    Macht ruhig jeden neuen Oasis-Fan dumm an, weil er nich jedes Demotape auswendig kennt. Irgendwann steht ihr 50 Jährigen Köppe dann alleine in der ersten Reihe und auf den Konzerten is gar nix mehr los…

    Gute Nacht…
    Seid einfach froh, dass Oasis auch noch junge Leute begeistern kann.

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