Gähn. Selbst in unserer Tageszeitung konnte man vorgestern über das neue Album „Tonight: Franz Ferdinand“ von, richtig, Franz Ferdinand lesen. Alle schreiben sie über das dritte Album der Briten unf der Tenor ist grob gesagt immer der selbe: die Platte ist „gut“, aber eben nicht mehr. Was Franz-Fan Johannes dazu sagt, könnt ihr in den nächsten Zeilen lesen. Und wer nicht genug Zeit für den kompletten Text hat, dem biete ich hier eine kleine Zusammenfassung, Obacht: „Tonight: Franz Ferdinand“ ist gut. Aber eben nicht mehr.
Die Doppel-CD, die ich mir gegönnt habe, kam in einem netten Vinyl-Design bei mir an. Keine klassische CD-Hülle, sondern praktisch eine Schallplatte in kleinerer Ausgabe. Und auch die CDs fummelt man aus diesen Pappdingsbumsen (jaja, Fachsprache, ich weiß), die Ältere noch von früher kennen dürften. Ein Booklet mit Texten ist auch noch dabei, fein. Die zweite CD „Blood“ enthält übrigens nicht (wie von mir erwartet) ein paar Bonus-Songs, sondern acht abgedrehte Dub/Funk-Remixe der Album-Tracks. Etwas gewöhnungsbedürftig und von sehr schwankender Qualität, aber okay. Wohl nur für beinharte Fans, kann aber hier noch keine endgültige Meinung abgeben, muss mich dort erst reinhören.
Aber komme ich mal zum eigentlichen Album: der Opener „Ulysses“ dürfte bekannt sein, ich halte ihn immer noch für famos und unübertroffen. Überhaupt, der elektronische Touch, den Song und Album insgesamt bekommen haben, tut dem Album gut. Er ergänzt sich prima mit dem Altbewährten (Gitarren-Soli, Ohrwurm-Refrains und pfiffige Tempowechsel) und ist dennoch nicht so gewagt wie beispielsweise die (enttäuschenden) letzten Alben von den Killers oder Mando Diao. Das Problem bei „Tonight: Franz Ferdinand“ ist vielmehr, dass die vier Jungs als Glasgow zu sehr wollen, sich neu zu erfinden. Die acht ersten, guten Indie-Tanzknaller („Can‘t Stop Feeling“, „No You Girls“) sind noch genau die Songs, die man von Franz Ferdinand erwartet (und wünscht), und sind bis auf kleinere Ausnahmen die erwarteten Mitwipp-Späße. Bis dann gegen Ende leider die 8-Minuten-Version von „Lucid Dreams“ folgt, die wie ein zweitklassiger Remix klingt und die Single-Version, die wir schon aus dem letzten Jahr kennen, noch mal richtig aufwertet. Gänzlich überflüssig sind dann die abschließenden zwei Balladen, die an „Eleanor Put Your Boots On“ (vom Vorgänger „You Could Have It So Much Better“) anknüpfen wollen, aber gnadenlos scheitern.
Ich denke man kann herauslesen, dass ich nach der langen Pause ein kleines Bisschen mehr von „Tonight: Franz Ferdinand“ erwartet hatte. Es ist alles in allem ein gutes, progressives Album mit nur einem einzigen „Knaller“ („Ulysses“) und vielen Indie-Rock/Pop-Stücken, die man sich durchaus mal öfter anhören kann und sicher einiges an Potential bieten. Mehr aber auch nicht. Für den schnellen Hit sind Franz Ferdinand scheinbar nicht mehr zu haben – muss man sich wohl noch dran gewöhnen. Und das ist ein gutes Stichwort, denn ich muss ergänzend hinzufügen: in „Franz Ferdinand“ und „YCHISMB“ habe ich mich auch erst verliebt, als ich die Truppe im vergangenen Sommer live gesehen habe. Also ein weiterer Grund, Daniel zu überreden, mit mir zum Franz-Konzert Mitte März in Köln zu gehen. Damit es auch dann heißt: Heute Nacht: Franz Ferdinand! Ich würde es mir wünschen.
Kaufen, hören und/oder Meinung bilden:
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Das komplette Album im Stream auf ihrer MySpace-Seite
Anspieltipps:
„Ulysses“, „Can‘t Stop Feeling“, „No You Girls“
1 Antwort auf “Heute Nacht: Franz Ferdinand!”