Bücher in der Bahn nach Bielefeld

Rosa Luxemburg, ein Name, der aus einer Farbe und einem Land (dessen Hauptstadt auch noch genauso heißt wie das Land selbst) besteht. Was für ein Blödsinn, wer hat sich das denn ausgedacht! (Witzig wäre es an dieser Stelle noch, Beispiele zu nennen, wie so ein Name sonst noch aussehen könnte, zum Beispiel „Grün Aserbaidschan“, „Neongelb Trinidad&Tobago“ oder „Weiß Weißrussland“, aber natürlich verzichte ich auf so billige Scherze.)

Auf Rosa Luxemburg komme ich, weil ihr Name in einem Text aus der Max Goldt-Prosasammlung „Der Krapfen auf dem Sims“ vorkommt, die ich am letzten Freitag im Regionalexpress von Duisburg nach Bielefeld gelesen habe. Abends kann man gegenübersitzende Mitreisende prima durch die Scheibe beobachten. Die Leute gucken erst aufs Buch, informieren sich dann gedanklich darüber, ob sie den Autor kennen und entscheiden dann in Sekundenbruchteilen wie wohl der Leser dieses Buches aussehen könnte. „Feuchtgebiete“ wird von Lustgreisen und Nichtlesern gelesen, das 1552-seitige „Unendlicher Spaß“ (von David Foster Wallace) lesen nur Leute mit zu viel Zeit und Max Goldt wird nur von Menschen mit Anspruch und einem unsagbar guten Humor gelesen. Oder so ähnlich. Dann schauen sie einem ins Gesicht. Aha, aha. Der Mensch wird im Zug zum Pyschologen, er analysiert Mitfahrende nur mit Hilfe der Lektüre. Menschen verstehen kann so einfach sein. Max Goldt, witzig, Leser cool. Charlotte Roche, ekelig, Leser uncool. Manche lesen sogar nur ihre SMS.

Es gibt Leute, die nur aus Imagegründen das eine Buch lesen oder eben nicht lesen. Mich zum Beispiel. Ich habe mir am Krefelder Bahnhof das Buch „Baustelle Mann – Der ultimative Love-Guide“ von Sonya Kraus (ja, genau, das ist die mit den dicken Titten von ProSieben) gekauft. War ein Mängelexemplar, 3,33 € war mir der frivole Kurzweil über Penisse und Partnersuche wert, ich habe ja sowieso im Moment ein bisschen Geld, weil ich neben der Schule noch jobben gehe. Man weiß bei diesen Remittenden ja meistens nie, was der preisdrückende Fehler sind, aber bei Kraus‘ Buch bin ich mir sicher, dass die Qualität der Texte das Problem sind. Der Kauf war mir ein bisschen peinlich und ich habe mir dann gleich auch noch „Das Teufelsbuch“ vom grandiosen Hans Traxler erworben, damit mein Ruf als elitärer, belesener Johannes nicht gefährdet wird. Beide Bücher sind zum Großteil rosa. Dass das ein ziemlich lustiger Zufall ist und eigentlich einen netten Rahmen zur Rosa Luxemburg-Einleitung bildet, fällt mir erst gerade beim Schreiben auf.

Am besagten Freitag habe ich dann noch zum allerersten Mal in meinem Leben ein eBook gesehen. Ich wurde ganz hibbelig, ich wurde schließlich endlich Zeuge der Kulturrevolution, die dieses elektronische Buch-Antiquariat auslösen wird! Zumindest wenn ich dem netten Lektoren vom KiWi-Verlag, den ich am Abend zuvor bei einer Kölner PARTEI-Veranstaltung (rund um Martin Sonneborn und Mark Benecke, ich bitte um Beachtung) kennengelernt habe, glauben soll oder will. Ich finde eBooks scheiße, ich lese lieber richtige Bücher, aber der grauhaarige eBook-Besitzer sah ohnehin so aus, als wäre er in dem Alter, wo man sowas nur mitmacht, um vor Gleichaltrigen damit anzugeben. Seht her! Ich gehe mit der Zeit, ich kenne mich aus mit Technik, ich schreibe sogar mit meinem Enkel E-Mails! Hoffentlich werde ich nicht auch mal so. Der träge Alte gegenüber las ein Buch von Frank Goosen. Schon immer mal wollte ich was von Frank Goosen lesen, es wäre an der Zeit gewesen, mal nachzufragen, ob sich die Lektüre lohne. Doch was für eine Antwort hätte ich vom Alten erhalten? Möglicherweise nur ein abweisendes „Ja.“ oder vielleicht doch ein „Dieses Buch erscheint dem anspruchsvollen Leser zunächst als zu trivial, doch es besticht durch seinen klaren Stil und seine herrlichen Anekdoten und ist so für den Kurzweil auf der Strecke zwischen Wattenscheid und Rheda-Wiedenbrück bestens geeignet, also empfehle ich dir diese Lektüre gewiss, junger Lesefreund!“. Soll mir egal sein, ich lese im Moment das aktuelle „kicker-Sportmagazin“ und „Lennon ist tot“ von Alexander Osang.

In der eingangs erwähnten Goldt’schen Prosasammlung ist übrigens auch ein Text, der sich viel mit John Lennon beschäftigt. Schon wieder so ein witziger Zufall, hihihihi! Wer viel liest, dem fallen Zufälle scheinbar nur so zu. „Zufälle fallen zu“, was für eine geniale Formulierung, darauf muss man erstmal kommen. Was mit nicht zu-, sondern aufgefallen ist: bei der sonntägigen Rückfahrt dachte ich erst, ich hätte meinen Haustürschlüssel verloren und ich stellte mir schon all die Probleme vor, die dadurch entstanden wären, aber ich habe ihn dann doch noch gefunden. Also fiel mir auf, wie unglaublich langweilig Geschichten sind, die davon handeln, dass jemand beinahe etwas verloren hätte. Und weil Bahnfahren eigentlich eine langweilige Angelegenheit ist, lasse ich diesen Text jetzt auch mit dieser langweiligen Erkenntnis enden. Einfach so. Lest mehr Max Goldt!

(Übrigens wirklich toll, diese Überschrift mit ihren wunderbaren Alliteration. Die BILD ist verantwortlich dafür, dass Alliteration geächtet werden, dabei sind sie etwas ganz Okayes. Ich bin für Alliteration! Musste noch erwähnt werden.)

French fries, Chips, fries, french-fried potatoes, steak fries, wedges

Bofrost ist der weltweit größte Direktvertreiber von Tiefkühlkost und Eiscreme, steht zumindest wortwörtlich so bei Wikipedia. Aber ihre Mikrowellenpommes sind der unleckerste Rotz auf der Welt. Habe heute die geschätzt dritte Portion diesen Jahres von dem Fraß gegessen. Nur erträglich mit Ketchup, einer Prise Salz (was zum Teufel ist eine „Prise“?) und einem so starken Hungergefühl, dass es einem egal ist, was genau man frisst, hauptsache man tut es. So wie man in der dritten Welt Sand oder anderes Zeug verspeist, ihr wisst schon. Was sind meine Sorgen also vergleichbar klein, ich meckere auf hohem Niveau, aber Mikrowellenpommes sind nun mal der Sand des reichen, weißen Mannes. Man wird allerdings nicht wirklich satt, sondern nur fett dabei. Und dumm noch dazu, weil man beim Verzehr von diesem sogenannten Junk-Food zwangsläufig Privatfernsehen gucken muss. Scheint so ein geheimes Naturgesetz zu sein. Habe mich dann gewundert, dass es schon wieder eine neue Staffel „Bauer sucht Frau“ auf RTL zu bestaunen gab. Ist die letzte nicht gerade erst vorbei? Mir egal, ich guck den Scheiß immer gerne, sich darüber aufregen bringt doch sowieso nichts.

Dann war irgendwann Werbung und die Pommes waren weggefressen, also entschied ich mich für etwas Sinnvolleres. Ich nahm mir ein Buch. „Kaputt in Hollywood“, eine Kurzgeschichtensammlung von Charles Bukowski. Bukowksi, der so toll ist, dass ich seinen Namen hier noch zweimal erwähnen möchte: Charles Bukowski, Charles Bukowski. Großartiger Kerl. Lauter ehrliche, witzige amerikanische Fick- und Saufgeschichten, da kommt einem das eigene Leben immer so großstadtwichsrig vor, so öde, so ungeil; zu langweilig, um darüber ein paar Worte zu verlieren. Schade, dass heute Sonntag ist, bei Bukowski bekomme ich immer Lust auf eine Flasche Bier. Aber ich bin halt kein kaputter, alter Bukowski, ich bin nur eine arme Wurst mit Privatfernsehen und Pommes. Immerhin fühle ich mich gerade ganz gut dabei. Heute nichts mit mir und der Welt angefangen, aber trotzdem gute Laune, gut gut, wirklich. Gut, nicht wahr? Zum Abendessen gibt es eine Scheibe Brot mit Wurst.

(die Überschrift enthält die laut der englischen Wikpiedia geläufigen Bezeichnungen für Pommes.)

Man schreibt „Chance“, spricht es aber „Schongse“

Früher habe ich mich über Chancen, die ich zu nutzen verpasst habe, geärgert. Es hätte doch, es könnte doch, ach was soll denn der ganze Scheiß. Egal wie großartig diese eine Chance doch gewesen sein mag, sie war garantiert nicht die beste und erst recht nicht letzte im Leben. Chancen kommen in unangekündigten Abständen immer wieder; man darf nur die Zeit zwischen ihnen nicht damit verbringen, die Hände vors Gesicht zu schlagen und zu jammern. Sonst sieht man möglicherweise die nächste Chance nicht vorbeiflitzen. Dann kann man sie nicht einfangen, ausprobieren und nutzen. Überhaupt, wer hat sich das überhaupt überlegt, das mit dem Nutzen. Was nützt mir diese Versicherung, was bringt mir dieser Telefonanbieter und was nutzt es, wenn ich morgens einen Bus früher nehme und eben nicht zu spät da erscheine, wo ich nützlich sein soll. Die Leute wollen immer das Maximale, sind nicht zufrieden mit weniger. Wenn ich an der Tankstelle an der Buschstraße tanke, dann spare ich pro Liter „Super bleifrei“ zwei Cent und das überschüssige Geld könnte ich in Obst und Gemüse vom Markt investieren!

Oder ich kaufe mir davon ein Bier, setze mich auf die Fensterbank und höre auf, über das Schlechte nachzudenken. Und ja, ich glaube, dass das für den heutigen Tag die bessere Alternative ist. An der Buschstraße ist nämlich gar keine Tankstelle und ich habe nicht mal einen Führerschein. Eine wunderbare Chance, sich mal wieder über sich selbst zu amüsieren. Ha! Da! Eine Chance! Und ich habe sie genutzt! Geht doch. Prost!

Schmeckt „Butter bei die Fische“ überhaupt?

- Als ich neulich in einem Restaurant beim Tischabdecken gefragt worden bin, ob es mir geschmeckt habe, habe ich gelogen
- Ich habe schon mal über einen Witz von Mario Barth gelacht
- Es befinden sich fünf U2-CDs in meinem Besitz
- Manchmal pinkle ich im Stehen
- Letze Woche habe ich fünf Euro auf der Straße gefunden, nicht zum Fundbüro gebracht und mir davon Blödsinn gekauft
- Bei der vorletzten Biologieklausur hatte ich einen Spickzettel
- Ich beende unangenehme ICQ-Gespräche unter dem Vorwand, duschen zu müssen
- Diese Liste hier wird in naher Zukunft noch ergänzt
- Stimmt nicht

Living in a Magazine

Das „WiiMagazin“ (ehemals NGames) hat vor etwa drei Jahren, als in meiner „Videospiel-Phase“ war, mal einen Leserbrief von mir abgedruckt. Es ging um irgendwelche egale Scheiße und ich habe mich damals redlich bemüht, in meiner Wortwahl möglichst frech und lustig zu wirken. Habe die Ausgabe leider und zum Glück nicht mehr hier rumfliegen, aber es muss grausam gewesen sein. Ich wollte nicht mal ernsthaft was wissen, ich hatte ja auch das allwissende Internet, ich wollte einfach nur mal in die Zeitung. Habe ich geschafft, aber so lief es nicht immer: Jahre zuvor habe ich mal einen Witz (ich weiß noch welcher es war: was ist ein Reiter ohne Pferd? Ein Sattelschlepper, hehe.) an die „Micky Maus“ geschickt, ich wartete aber vergeblich auf mein Erscheinen auf der Witzeseite. Und an das („gute, alte“) Yps-Heft – ja, das mit den Urzeitkrebsen – habe ich auch mal geschrieben, ich glaube irgendeinen Gruß, aber der wurde auch nie gedruckt.

Meine größten Erfolge hatte ich aber in der „KidsZone“. Als die Pókemon gerade extrem groß und geil und toll und beliebt und omnipräsent waren, rief diese aus heutiger Sicht unfassbar schlechte Zeitschrift einen Wettbewerb aus, in dem es darum ging, eigene Monster zu zeichnen. Habe natürlich mitgemacht, „Zenus“ gemalt und ein paar Wochen später gab es das Viech als Sammelkarte auf Pappe in der Heftmitte. Wäre ich damals geschlechtsreif gewesen, ich hätte wahrscheinlich spontan ejakuliert, so froh war ich. Leiderleiderleider habe ich diese beschissene Karte heute nicht mehr und im KidsZone-Forum konnte man mir auch nicht helfen, als ich dort vor über drei Jahren nach einer Karte aus dem „KZ-Kartenspiel“ gesucht habe. „KZ-Kartenspiel“ für „KidsZone-Kartenspiel“, darauf muss man erstmal kommen! Mein Monster war ziemlich langsam und schwach, dafür extrem schlau. Vielleicht trägt es deswegen einen Namen, der ein wenig an meinen Zweitnamen Zeno erinnert. Zeno, Zenus – ich war sehr kreativ. Hoffentlich finde ich die Karte nochmal irgendwo. Hat die zufällig jemand von euch?

Irgendwann in 2003 startete das selbe Blättchen die „KidsZone-Show“, eine Art Radioshow auf CD, moderiert von zwei Kindern. Es gab Hörspiele, Kulturnews und all so Spökes. Und eine Grußecke, für die man anrufen konnte. Ich rief einmal an, grüßte „Hallo hier ist Johannes aus Krefeld und ich grüße alle die mich kennen“ und war damit auf einer der CDs drauf. Ich war elf oder zwölf Jahre alt und verdammt aufgeregt. Fürchte, meine elfsekündige Grüße hat niemanden erreicht. Aber ich war dabei! Seid ihr auch mal in irgendeiner Zeitung gewesen? Nicht, dass es mich irgendwie interessieren würde. Nur so.

KAUFEN!!!!!!!!!!!

Ich bin ja nicht nur ein exzellenter Witzeerzähler, Musikkritiker und Faulpelz, sondern auch ein preisgekrönter Schauspieler. Wahrscheinlich nicht zuletzt durch meinen imposanten Gastauftritt hat der beste Kinofilm aller Zeiten im letzten Jahr den „kulturnews-Entertainment-Award“ erhalten. Kenne diese kulturnews nicht, aber den Preis vergeben sie dennoch völlig zurecht, denke ich! Und wer verpasst hat, wie ich im Film Suppe esse, doof rumstehe und ein Martin Sonneborn-Poster aufhänge, der kann das JETZT nachholen und ZWAR imdem er die NEUE DVD vom PARTEI-Film bei AMAZON vorbestellt und SICH dann am 26. März wahnsinnig FREUEN darf. Voll guter Film! Kaufen. Danke.

Die PARTEI – Der Film kaufen bei Amazon (für nur etwa 16,99 Geld!)

Responsibility to Protect – Verantwortung zum Schutz oder „Die moralische Verpflichtung zur Humanitären Intervention“

(Gastbeitrag von Jens H.)

Ein Streit zwischen zwei Brüdern. Der eine ärgert den anderen, daraus entsteht Wut und schließlich die physische Entladung in Form einer körperlichen Auseinandersetzung. Meistens ist der jüngere – und somit schwächere – der beiden Kontrahenten in der schlechteren Ausgangslage und hat den Großteil der Folgen zu tragen. Allerdings gibt es auch die Option, dass ein Erziehungsberechtigter eingreift und schlimmeres, z.B. Platzwunden oder blaue Flecken, zu verhindern weiß. Für den Vormund ist es ein Drahtseilakt, darf er doch niemanden der beiden Streitparteien zu sehr bestrafen, um den anderen nicht das Gefühl von Genugtuung zu vermitteln.
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Der Notizblog

Kurze Notiz an mich selbst: beim nächsten Mal betrinken folgendes Video ansehen: